Aufstellen für die 2. Liga?

Kein Sieg in 12 Partien. Gegen äußerst schwach agierende, unmittelbare Tabellennachbarn und Konkurrenten wie Ingolstadt und Bremen keinen Dreier eingefahren. 4 Punkte, ein Torverhältnis von -19, 7 Spiele ohne eigenes Tor, Platz 18.

“Also, wenn wir mal ganz realistisch sind, steigen wir ab in die 2. Liga!”

Diese oder ähnliche Aussagen höre ich in diesen Tagen immer wieder. Nicht von Schwarzmalern, Dauernörglern oder Didi-Bashern, den sogenannten ‘Pestern’, sondern von besorgten Realisten und zunehmend desillusionierten ‘Hüpfern’, denen selbst die rosaroteste Brille nicht mehr den Blick auf die Tatsachen verstellt.

Sich eingedenk der (sportlichen) Situation gedanklich nicht mit einem Abstieg in die 2. Liga zu befassen, wäre absurd und leichtsinnig gleichermaßen.

Wäre es nicht cleverer, schon jetzt eine Mannschaft zusammen zu stellen, die sich diese Saison einspielt, und dann in der 2. Liga gleich wieder um den Aufstieg spielt?”

wurde ich kürzlich gefragt und darum gebeten, aus meiner Sicht aufzuzeigen, wie und mit welchen Spielern (auch und gerade) aus dem eigenen Nachwuchs eine Mannschaft aufgebaut werden könnte, mit der der direkte Wiederaufstieg möglich wäre.

Rein aus dem Bauch heraus kann ich die obige Frage nur verneinen: “Nein, es wäre zum jetzigen Zeitpunkt nicht besser!” Angesichts von lediglich 4 Punkten Rückstand auf den rettenden 15. Platz, schenkt man eine Saison nicht ab.

Am Sonntag steht das Kellerduell bei den Lilien an. Ich sehe keinen Grund, warum man dort nicht gewinnen können sollte. Immerhin schießt man wieder Tore. 6 Stück in den letzten 3 Spielen. Man ist seit zwei Spielen ungeschlagen. Da steckt man nicht den Kopf in den Sand und gibt auf!!!

Aus diesen Zeilen spricht natürlich der Sportler in mir.Der Wettkämpfer, der nie eine Partie verloren gegeben hat, nie abgeschenkt hat (aber dennoch abgesteigen musste).

Der rationale Betrachter in mir kommt allerdings zunehmend zu der Überzeugung, ein Abstieg sei für den Hamburger Sportverein unumgänglich. Quasi die letzte Chance, sich doch noch einmal von Grund auf so aufzustellen, dass man zumindest längerfristig eine reelle Chance hat, wieder einmal an die nationale Spitze anzuklopfen, sich dort sogar endlich einmal dauerhaft zu etablieren.

Die 2. Liga also als letzte Chance für eine Rundumerneuerung, als Chance für dringend notwendige Zäsuren.

Fünf Transferperioden unter Dietmar Beiersdorfer haben nicht ausgereicht, um eine bundesligataugliche Mannschaft zusammenzustellen. Bei der Mannschaft besteht dringender Handlungsbedarf, der weit über die kleinen – durchaus löblichen und überfälligen – Korrekturmaßnahmen Gisdols (neuer Kapitän, Anwesenheitspflicht, gemeinsames Essen, ‘überwachter’ Deutschunterricht) und seinen Forderungen nach 2 Innenverteidigern und einem 6er hinausgeht.

Es geht außerdem darum, den völlig aufgeblähten Verwaltungsapparat auf ein erträgliches Maß zu verringern und seine Effektivität deutlich zu steigern. Ein Abstieg würde den Druck erhöhen hier tätig werden zu müssen und notwendige Entlassungen auch eher möglich machen.

Ich will es an dieser Stelle kurz machen. Ohne einen Abstieg, bliebe Dietmar Beiersdorfer und damit würde weiter wie bisher gewurschtelt werden. Es würde geflickschustert werden, es würde gezaudert werden, es würde Geld verschwendet und verbrannt werden und trotz Millioneninvestitionen in den Kader würde weiter im dunklen Tabellenkeller herumgedümpelt werden.

Ein Abstieg würde diesem Spuk endlich ein Ende bereiten. Vielleicht wäre dies auch das Ende des HSV, dies aber nur für den Fall, dass es dem Klub selbst dann nicht gelänge, aufzustehen, mutig und entscheidungsfroh zu sein, sich klar zu definieren und sich dann auch an diese Vorgaben zu halten und sie umzusetzen.

Unabhängig von der Ligazugehörigkeit ist ein Umdenken erforderlich. Der Kader muss künftig aus jungen und hungrigen Spielern bestehen, die den Verein als Sprungbrett für höhere Aufgaben nutzen wollen und nicht für alte, abgehalfterte oder bequeme Möchtegernstars, die sich einen ruhigen Lebensabend in der schönen und Hansestadt Hamburg machen wollen. Es muss endlich sorgsam und nachhaltig mit den vorhandenen Ressourcen gearbeitet werden, den finanziellen und den menschlichen.

Welche ‘Ressourcen’ hätte da der eigene Nachwuchs zu bieten? Der HSV hat kürzlich die Fördervertäge von Jonas Behounek (RV) und Christian Stark (MS) in Lizenzspielerverträge mit einer Laufzeit bis 2020 umgewandelt. Dies geschah im vergangenen Jahr bereits mit Finn Porath und Dren Feka sowie mit Mats Köhlert und Frank Ronstadt. Porath und Feka waren bereits im letzten Wintertrainingslager in Belek mit von der Partie. Porath trainiert regelmäßig mit den Profis und hat laut U21 Trainer Kunert absolut das Potential und auch den Charakter für die Bundesliga. Vasilije Janjicic wäre aus meiner Sicht ebenfalls ein Kandidat, den ich persönlich aufgrund seiner stärkeren Physis, noch eher als Porath im Bundesligateam sehen würde. Dren Feka dreht in den letzten Wochen in der Regionalliga auf. Kann er dieses Level stabilisieren und über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten, wäre er durchaus auch eine Option. Christian Stark, der auch bereits regelmäßig mit den Profis trainierte hat dort schon unter Bruno Labbadia eine gute Entwicklung genommen und ist auch im Team gut angekommen und aufgenommen worden. Frank Ronstadt ist aus meioner Sicht definitiv keine Option. Mats Köhlert versauert aus meiner Sicht leider in der U19. Hier wäre es für die Entwicklung asicherlich besser gewesen, ihm bereits in diesem Jahr Einsätze in der U21 zu ermöglichen, aber vielleicht wird dies ja nach der Winterpause der Fall sein.

Lange Rede kurzer Sinn. Der HSV hat zur Zeit alles unter Vertrag genommen, was an Talent vorhanden ist. Überflieger à la Jonathan Tah sind nicht dabei. Porath und Janjicic sollten ihre Chancen erhalten. Einen Behounek würde ich anstelle von Ashton Götz in den Kader holen, da der Vertrag von Götz ohnehin im Sommer ausläuft. Von den auslaufenden Verträgen würde ich keinen verlängern, nicht mit Götz, nicht mit Adler, Djourou oder Spahic. Letzteren würde ich bis zum Saisonende behalten, die anderen versuchen in der Winterpause noch zu verkaufen. Sollte dem HSV bis zum Beginn der Winterpause kein Sieg mehr gelingen, würde ich perspektivisch den Kader für die 2. Liga aufstellen und in der Wintertransferperiode entsprechende Transfers auch auf den IV und 6er Positionen vornehmen. Gleichzeitig Cleber und Santos abgeben und schauen, dass man Lasogga von der Payroll bekommt.

Aber…wer soll das machen? Der neue und alte SpoDi und VV Dietmar Beiersdorfer??? Herr Gernandt? Herr Kühne? Herr Peters?

6 Kommentare

  1. Horst Schlau

    Klasse mein Freund !

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  2. ky

    Ja, HL, so isses.
    Aber warten wir mal die MV am 8. Januar ab.
    Ich glaube felsenfest, dass Jens Meier dort den “Rettungsplan” vorstellen wird, sprich Aufhebung der 24,9% Klausel. Kühne wird dann 49,9% übernehmen (inkl. der Anteile von Kartoffel, Wein- und Obsthänler bzw. deren Erben). Bei einer Bewertung von damals 230 Mill. Euro werden für die 35% der Anteile, die der HSV eV dann abgibt, rund 80 Mio. fällig. Wenn Herr Kühne das ehrlich meint, gibt er 110 Millionen dafür. Dann ist die AG sofort schuldenfrei, und es stünden noch 20 Mio. für Wintertransfers zur Verfügung.

    Genauso wichtig ist aber die Umstrukturierung von Führung und Verwaltung. Neuer VV wird Jens Meier, Spodi Nico-Jan Hoogma (hoffentlich). Ob es noch gegen den Abstieg reicht, wage ich zu bezweifeln, aber der Boden wäre da, den Leipziger Weg zu gehen (oder den von Mainz, Hoffenheim). Eines Tages (denke so an 2022) wird der HSV endlich wieder eine feste Größe im Buli-Oberhaus sein, ohne Spinner und Versager, die diesen stolzen Verein der bundesweiten Lächerlichkeit preisgegeben haben.

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    1. der Coach

      Der HSV wäre dann wohl kaum schuldenfrei. Man hat ja auch on diesem Jahr horrende Schulden gemacht, von denen einige nichtmal in der Bilanz auftauchen. Ich fürchte 110 Mio reichen da nicht.

  3. ky

    Auch morgen/in 12,5 Stunden gucke ich mir das Desaster noch an. Lasogga, Hunt, im Kader; Djourou wohl in der Anfangsformation. Frei nach Oliver Kahn: “Sie brauchen Eier, Herr Gisdol, Eier”. Nö, die nächsten Spieltage sind uninteresant. Am 8.1.2017 wird auf der MV entschieden, wohin die Reise geht…

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  4. Aradia

    Guten Morgen.
    .
    Einige Spielzüge haben mir gefallen.
    Wir schiessen wieder Tore.
    Lasso nicht in der Aufstellung, naja selbst der Dümmste merkt es mal,
    dass der meines Erachtens nix bringt.
    Er sollte im Block der Hüpfer mit anfeuern und eben hüpfen. :-)
    Wie ich schon schriebte, :lol: .. ist vorne hui….dann läuft vieles besser.
    .
    Das schön spielen:
    Was ist das?
    Gewinnen ist zumindest Erfolg.
    In Schönheit verlieren?
    Nee….will ich nicht.
    Solange wir gewinnen ist doch alles okay.
    Und ist doch lustig wenn Duscheru träumt und spielt den Ball quer
    zum Gegner und unser Tormann rastet aus.
    Darf nur nicht rein gehen.
    .
    Also, wenn…..der Reporter etwas pro uns, begleiten würde,
    dann werden wir es irgend wann glauben und würden das schlechte abspielen
    als gewollt ansehen, weil es aus uns nicht bekannten Gründen
    so geplant war.
    Wir wollten den Gegner verwirren.
    So wie Didi, der verwirrt auch voll gut.
    :mrgreen:

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