Aus der Traum!

Das war es dann wohl. Nach der dritten Niederlage in Folge grüßt die Zwote des Hamburger Sportvereins mit 54 Punkten zwar noch von der Tabellenspitze, doch der Schein trügt, denn die nachfolgenden Teams aus Wolfsburg und Flensburg lauern mit 2 Punkten weniger nicht nur auf den Plätzen 2 und 3, sie haben auch weniger Spiele als der HSV absolviert. Wolfsburg 2, Flensburg gar 3.
Das Thema Staffelmeisterschaft sowie ein möglicher Aufstieg nach erfolgreicher Relegation gegen Energie Cottbus dürfte sich damit erledigt haben, vor allem wenn man die derzeitige Spielweise der Rothöschen zum Maßstab nimmt.

Unentschieden bei St. Pauli, knapper Sieg gegen Eutin und dann eine feine Vorstellung beim Sieg in Lübeck. Das sah von den Ergebnissen her gar nicht so schlecht aus für Steffen Weiß, den Nachfolger von Christian Titz. Es folgten zwei dürftige Unentschieden in den Heimspielen gegen Drochtersen und Hannover96 und zuletzt eben 3 verdiente Niederlagen am Stück, gegen Havelse, beim direkten Konkurrenten Flensburg und eben jetzt sogar gegen die stark abstiegsgefährdeten Lüneburger. Müde 2 Punkte aus 3 Heimspielen sind natürlich zu wenig.

10:11 Tore und 9 Punkte in 8 Spielen. Ein Schnitt von 1,18 Punkten pro Spiel, gegenüber 2,25 Punkten/Spiel unter Christian Titz (45 Punkte in 20 Spielen), so die desaströse Bilanz von Steffen Weiß unter dem die U21 defensiv wieder extrem anfällig geworden ist und auch in der Offensive kaum Nennenswertes produziert.

„Es fällt mir wirklich nicht leicht, so wichtige Säulen aus der Mannschaft zu reißen, weil mir sehr viel daran liegt, dass die Jungs die Saison erfolgreich abschließen, aber es ist im Moment nun mal so, dass wir die Spieler bei uns oben benötigen“ räumte Titz vor der Partie in Flensburg zwar ein, dass das schlechte Abschneiden und vor allem die bescheidenen Vorstellungen allerdings einzig daran liegen sollte, dass Matti Steinmann nicht mehr zur Verfügung steht und auch ein Ito oder ein Ambrosius fehlen, greift ganz sicher zu kurz, hatte doch der eine oder andere zuvor auch unter Christian Titz bereits gefehlt.

Titz ist es allerdings immer gelungen, die Spieler aus dem zweiten Glied nahtlos zu integrieren ohne dass das Spiel darunter litt. Und wenn wir von der zweiten Reihe sprechen, so sind dies immerhin Spieler, die zum großen Teil vom HSV mit Profiverträgen ausgestattet wurden, wie etwa Behounek, Stark, Ronstadt oder Köhlert. Individuelle Qualität für die Regionalliga zumindest, sollte also ausreichend vorhanden sein.

Steffen Weiß wirkt da auch eher ratlos und mehr als nichtssagende Allgemeinplätze sind dann von ihm auch nicht zu vernehmen: „So eine Durststrecke muss man einer jungen Mannschaft auch einfach zugestehen. Das sind alles Erfahrungswerte, die ihnen in der Entwicklung weiterhelfen werden“ hieß es nach der Niederlage in Flensburg.

Nach der Niederlage gegen Lüneburg, pries er gar das Annehmen des Kampfes als große Errungenschaft und Entwicklungsschritt an: „Wir müssen diese Situation als Entwicklung für die Jungs sehen. Sie haben in der zweiten Halbzeit einen Entwicklungsschritt gemacht, indem sie den Kampf angekommen haben“.

Nun, es ist so, wie es ist. Es wird keinen Aufstieg geben und der eine oder andere beim Hamburger SV scheint darüber gar erleichtert zu sein, war der Aufstieg entgegen anderweitiger Beteuerungen doch schon alleine aus finanziellen Gesichtspunkten nicht erwünscht.

Entsprechend entspannt kommentiert auch Bernhard Peters die aktuelle Situation: „Wir sehen die aktuelle Entwicklung als absolut positiv an. Unsere U21 ist eine Ausbildungsmannschaft, deren wichtigste Aufgabe es ist, Talenten durch Wettkämpfe in der 4. Liga den Übergang vom Jugend- in den Profifußball zu ermöglichen. Die Ausbildung der Spieler für den Profibereich behandeln wir deshalb absolut prioritär gegenüber jeglicher Tabellenkonstellation. Dieser Übergang gelingt aktuell besser als je zuvor.“

Na, dann ist ja alles gut. Einen Studenten zu den Profis hochgezogen und mit Ambrosius einen zweiten in den Kader berufen. Die Durchlässigkeit stimmt.

Einzig Christian Titz und einer Handvoll Stammzuschauer bei der Zwoten scheinen die derzeitige Entwicklung mit Bedauern zu betrachten. Sei es drum.

Am Ende wird es so sein, dass die Zwote der Verlierer sein wird, der jetzige Trainer, aber auch seinem Vorgänger, der nun noch 4 Spiele den Platzhalter spielen darf, bevor eine Hoffmannsche Radikalkur, den ach so großen HSV wieder in die Spur (in welche denn eigentlich?) bringen soll. Man kann Christian Titz nur wünschen, dass an den Holstein Kiel Gerüchten etwas dran ist. Dann sehen wir ihn vielleicht auch in der nächsten Saison wieder Heimspiele im Hamburger Volksparkstadion austragen.

13 Kommentare

  1. WORTSPIELERWORTSPIELER

    Entsprechend entspannt kommentiert auch Bernhard Peters die aktuelle Situation: “Wir sehen die aktuelle Entwicklung als absolut positiv an. Unsere U21 ist eine Ausbildungsmannschaft, deren wichtigste Aufgabe es ist, Talenten durch Wettkämpfe in der 4. Liga den Übergang vom Jugend- in den Profifußball zu ermöglichen. Die Ausbildung der Spieler für den Profibereich behandeln wir deshalb absolut prioritär gegenüber jeglicher Tabellenkonstellation. Dieser Übergang gelingt aktuell besser als je zuvor.”

    so kannst du ja in die saison gehen und dir ins gesangsbuch der NLZ-hymnnen schreiben, aber eben nicht im letzten saisondrittel argumentieren, wenn du die komplette spielzeit auf dem ersten platz gestanden hast.

    julian nagelsmann sagte gestern bei „wontorra“ [ >>> https://sport.sky.de/fussball/artikel/wontorra-der-kia-fussball-talk-die-ganze-sendung-mit-julian-nagelsmann/11332344/34089 (ab 01:13:00) ], dass seine maxime eben eine ganz andere sei: „ausbildung durch erfolg. erfolg durch ausbildung.“

    und so ist es. und nicht anders. alles andere ist elaboriertes NLZ-gewäsch. ich glaube, dass die spieler der U21 alles andere als glücklich darüber sind, dass ihre monatelange arbeit so torpediert wurde, indem der trainer und 2-3 stammkräfte rausgenommen wurden.

    das problem ist, dass der HSV mal wieder einen fehler wiederholt hat, denn auch unter „zinne“ wurde die top-platzierung in der RL durch die defizte der profis gecancelt.

    mit der 3. liga, wobei ich auch zu denen gehöre, die behaupten, dass der HSV II. keine chance gegen i-einen der anderen relegationsteilnehmer haben würde – und somit auch nicht gegen energie cottbus, hat der HSV nach dem abstieg von werder II. ein alleinstellungsmerkmal verpasst respektive verpassen wollen …! die beweggründ sind aber nur sekundär sportlicher natur, sondern finaziell gesteuert. ich erkenne auch ein deutliches „aufatmen“ der (un)verantwortlichen. frei nach dem motto: „eine baustelle weniger.“ #zweiligenmiteinerklappe

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    1. rasengrün

      Ja, ein richtig tolles Alleinstellungsmerkmal. Was genau hat es Werder gebracht, außer deutlich höhere Kosten und Abstiegskampf deluxe?

  2. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

    Wenn man Weiß jetzt hört:

    „Gerade unsere Leute aus der zweiten Reihe werden jetzt ins kalte Wasser geworfen. Sie müssen sich schnell vom Jugend- auf den Herrenfußball umstellen.Wir müssen nun Schritt für Schritt machen und uns in jedem Spiel verbessern.“

    ist das natürlich Geschwätz, denn die sogenannte 2. Reihe besteht aus Kickern mit Profiverträgen, die von Titz bereits vom Jugend- an den Herrenfussball herangeführt wurden. Billige Ausreden.

    Und zum Thema

    : “ausbildung durch erfolg. erfolg durch ausbildung.”

    Peter Knäbel wollte in erster Linie den (tabellarischen) Erfolg und lag damit mit Peters über Kreuz. Bin gespannt, was er mit Heidel auf Schalke künftig abliefern wird.

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    1. WORTSPIELERWORTSPIELER

      @rasengrün
      google mal „werder bremen u23 profivertrag“ und schon wirst du den mehrwert in erfahrung bringen. zudem kassiert ein drittligist auch höhere ablösen als ein regionalligst, so dass am ende u.d. regel die schwarze null steht. um den aktuellen U19-spielern etwas bieten zu können, wäre die 3. liga eben DAS prognostizierte alleinstellungsmerkmal eines NLZ innerhalb der bundesligen…!

  3. rasengrün

    Sorry, aber ich sehe den Mehrwert jetzt noch immer nicht. Kannst Du mal etwas näher erläutern, was genau Du damit meinst? Und wie viel Ablösesummen müsste man als Drittligist verdienen, damit plus minus null dabei herauskommt? Und auf welche Spieler bei beispielsweise Werder traf das bisher zu? Die meisten davon hatten ihre Einsätze in der Bundesliga, wovon die Ablösesumme sicherlich mehr profitierte als von ihren Einsätzen in Liga 3.

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    1. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      Nimm z. B. Eggestein, jetzt Thore Jacobs mit Profi Vertrag nach 2 Jahren, in denen er in der 3. Liga Männerfussball gespielt, sich durchgesetzt und für höheres empfohlen hat… und zwar nicht wegen der Local Player Regelung wie beim HSV (bisher) aus der U19 heraus (Köhlert, Ronstadt, Drawz, Porath, Feka). Am Rande Jacobs ging nach Bremen, weil man in HH Auf Porath setzte.

      Etat in der 3. Liga ist bei Vereinen mit Zweitmannschaften das 2-3 fache des RL-Etats. Also 2,5 – 3 Mios.

  4. der Coach

    Also wer den Mehrwert für die Ausbildung nicht erkennt, wenn die Spieler sich Woche für Woche mit gestandenen Drittligisten messen müssen statt in der (wohl schwächsten) Regionalliga zu kicken – dem ist nicht zu helfen.

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    1. rasengrün

      Und dabei in der Regel Woche für Woche Niederlagen kassieren und gegen den Abstieg spielen, besser gesagt, kämpfen. Macht bestimmt ganz viel Spaß und bringt außerordentlichen Mehrwert. Dazu fehlen mir immer noch passende Beispiele, die vor allem den finanziellen Aufwand rechtfertigen. Das alles sehe ich bei Werder nicht und das alles habe ich auch bei Mainz nicht gesehen.

    2. Horst Schlau

      @ der Coach

      Die letzten fünf Wörter hätten Sie sich auch schenken können – Herr „OBERSTUDIENRAT“ !!!

      Gruß

  5. 1887Breisgau1887Breisgau

    Das Problem ist ja nicht die Regionalliga an sich, sondern dass sie im Norden halt insgesamt schwächer ist. Der hochgelobte Freiburger Nachwuchs spielt ebenfalls nur Regionalliga (Südwest). Hier aber zusammen und gegen Saarbrücken, Waldhof, die Kickers aus Offenbach und Stuttgart, FSV Frankfurt und die Zweitvertretungen von Hoffenheim und VfB Stuttgart.

    Und dem HSV wird ja wohl zukünftig nichts anderes übrig bleiben, als verstärkt auf den eigenen Nachwuchs zu setzen. Da wäre der Sprung von Liga 3 zu Liga 2 einfacher als aus der RL in Liga 2 oder möglicherweise ja doch Liga 1.

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  6. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

    Wie genau sich der Mehrwert beziffern lässt, müsste man dann mal bei Werder, Mainz oder Stuttgart nachfragen.

    Grundsätzlich gelten hier ja die Argumente, die für eine Zweitvertretung generell sprechen: Neben der Ausbildung junger Spieler, dem Heranführen an den Herrenfussball gibt es ja auch noch das Argument Rekonvalszenten Spielpraxis einzuräumen und auch Spätentwickler nicht durch das Raster fallen zu lassen.

    Nehmen wir den HSV so hat sich von den zunächst auffälligen Spielern (auch mit U N11 Karriere) niemand (ausser Tah) durchsetzen können. Ein Ambrosius hingegen hat sich erst in der U21 entwickelt und auch ein Gideon Jung ist den Weg über die Zweitvertretung gegangen. Für 150.000 von Oberhausen gekommen, jetzt mit 4 Mio taxiert. Bei einem Regionalliga Etat von gut 1 Mio hat er alleine schon 3 Spielzeiten ‚finanziert‘. Auch ein Ito brauchte zunächst die U21, war bei der U19 lange verletzt und danach definitiv nicht reif für die Profis. Jetzt nach 16 Erstligaeinsätzen mit steigendem Marktwert…

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    1. rasengrün

      Jo. Diese Beispiele zeigen meiner Meinung nach aber, dass die Regionalliga vollkommen ausreicht. Sollte ein Spieler zu gut für die Regionalliga, aber noch nicht gut genug für die Bundesliga sein, kann man ihn ja jederzeit in die zweite oder dritte Liga ausleihen. Das ist die für mich deutlich sinnvollere und vor allem kostengünstigere Variante.

  7. ky

    Neben der besseren Durchlässigkeit von Liga 3 zu 2 bzw, irgendwann hoffentlich wieder Liga 1, ist das Nagelsmann-Zitat genau das richtige: Erfolg haben wollen, nicht zufrieden sein!
    Diese „Gewinner-Mentalität geht hier vielen Profis, aber auch Trainern wie van Marwijk etc. völlig ab – so ist die Wohlfühloase entstanden.

    Als 2 .grösste Stadt Deutschlands mit einem deutlich besseren Einzugsgebiet als Berlin (wirtschaftlich, Kaufkraft, Identifikation, Sponsoren-Potential, etc.) muss es der Anspruch JEDER HSV-Mannschaft ab den 8jährigen sein, in der jeweils höchsten Klasse mit an der Spitze zu stehen.
    Was für die Bayern seit Mitte der 70er Jahre in der Buli gilt (mal unterbrochen von Gladbach, uns, Bremen, Dortmund), aber eben 28facher Meister, dieser „Anspruch“ muss hier auch verankert werden: Die beste Leistung ist gerade gut genug, ob als Zeugwart oder Greenkeeper.
    Es muss wieder eine Auszeichnug der Besten sein, beim HSV spielen/trainieren zu dürfen! Und wer das nicht will/kann, mag sein Glück woanders versuchen.

    Wir reden über Leistungssport und Wahnsinns-Gehälter (4 Mio Holtby, 15 Mio. Lewandowski etc.). In keiner anderen Sportart wird Schlecht-Leistung so irre honoriert wie beim Fußball, nicht wahr, Sven Schipplock?

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