Bankrott – finanziell sowieso, aber auch mental…!

Irgendwann war es egal, wie du aufstellst und wie du einstellst, da war das Ding schon kollabiert.”

Quelle: https://hsv24.mopo.de/2019/05/12/wolfs-fazit-nach-grusel-rueckrunde-es-ist-kollabiert.html

Das sind die unfasslichen Worte von Hannes Wolf nach der heutigen Niederlage (1:4) in Paderborn und dem verpassten sofortigen Wiederaufstieg in die Bundesliga. Natürlich ist die Enttäuschung – oder besser: die Ernüchterung – auch bei allen Beteiligten und Verantwortlichen immens, aber selten bis gar nicht habe ich erlebt, dass ein (Profi-)Trainer solche entlarvenden Worte von sich gab – und das direkt nach dem Scheitern des einzigen sportlichen Auftrages in dieser erfolgreichsten Zweitligasaison der Vereinsgeschichte.

Die zitierte Aussage lässt mich fassungslos zurück und ist die Bankrotterklärung für den Übungsleiter inklusive seiner Vorgesetzten. Dabei drängt sich die Frage auf, was “Wolf-Becker-Hoffmann” in den letzten Tagen / Wochen besprochen haben…?! Und als Folge: Wie man an dem sichtlich verzweifelten Übungsleiter festhalten konnte. Hier werden im übrigen alle Meinungsmacher am Nasenring durch die AOL-Arena gezogen, die allen Ernstes meinten, dass ein Trainerwechsel zwei, drei Spieltage vor Ende keinen Sinn machte. Oh, doch. Sehr doch sogar.

Ohne eine Selbstbeweihräucherung vornehmen zu wollen, kann ich guten Gewissens behaupten, dem schon vor dem Scheitern widersprochen zu haben, denn mit diesem “Problem-Wolf” war keine Mentalität mehr zu entwickeln und kein Feuer mehr zu entfachen.

Wenn ein Trainer ein Jahr lang immer und immer und immer wieder von “Sinne schärfen” oder “Schärfe entwickeln” spricht, was ja nachweislich im “PK-Bullshit-Bingo” nachzurecherchieren ist, dann darf man konstatieren, dass eben dieser Übungsleiter seine Mannschaft offensichtlich nicht (mehr) erreicht. Das muss man dabei nicht einmal zwingend dem Trainer selbst in die Schuhe schieben, denn die Herren Profis und vor allem der Sportdirektor / Sportvorstand tragen hier mindestens ebenso große Päckchen.

Spätestens nach dem leblosen Auftritt nach dem Trainingslager, das das Team nochmal “einschwören” sollte, aber mit einem absoluten Fiasko (0:3-Heimniederlage gegen Ingolstadt) endete, hätte man die Reissleine ziehen müssen. Dabei wäre es auch nicht um Schuldzuweisungen etc. gegangen, sondern ums Verstehen der Mechanismen des Geschäftes und noch wichtiger: das Erkennen des “Status-quo”. Mit der heutigen Bankrotterklärung von Wolf stehen Ralf Becker und Björn Hoffmann in einem ganz schlechten Licht. Dabei ist sogar die vollkommen deplatzierte und übermotivierte “Jobgarantie” aus dem Winter sekundär, denn Kommunikation und/oder Entscheidungshoheit waren vor dem Saisonfinale maximal auf Amateurniveau. Der Vorstandsvorsitzende und ehemalige e.V.-Präsident vertritt ansonsten doch ganze andere Werte – nach Außen.

Noch einmal zurück zu Wolfs Worten: Warum tritt der Übungsleiter, der das (eigene) Scheitern erkennt nicht selbst zurück…? Beim VfB Stuttgart bot er in ähnlicher Situation damals seinen Rücktritt an, aber Reschke lehnte ab. Und wenn Wolf dieses Mal wieder so selbstkritisch gewesen sein sollte, warum haben Becker & Hoffmann dann die Zeichen der Zeit nicht erkannt…? Und als Schlussfolgerung: Müssten beide (!) jetzt nicht selbst hinschmeissen…?! Entweder, weil sie nicht gehandelt haben. Oder, weil sie die Situation falsch einschätzten.

So oder so, Wolfs Aussage kommt einer Selbstaufgabe gleich und wird auch auf die Mannschaft resignierende Wirkung gehabt haben. Der Bock war nicht mehr umzustoßen. Doch was meint Hannes Wolf mit seinen Worten eigentlich…?!

Zweifelte er an der sportlichen und/oder mentalen Qualität der einzelnen Spieler…? Zweifelte er an der Gesamtsituation des Vereins (AG) mit seinen Schulden und massiven Problemen der inneren Strukturen und äußeren Faktoren…? Zweifelte er an seinen eigenen Fähigkeiten, dem Anspruch Wirklichkeit folgen zu lassen…? Gab es innerhalb der Mannschaft Grüppchenbildung und/oder zu viele Eigeninteressen (Leihspieler, auslaufende Verträge, fehlende professionelle Einstellung, …)  der Spieler, denen die Zukunft des HSV scheißegal war…?

Durch die ständigen personellen Wechsel von Spieltag zu Spieltag, die wie blinder Aktionismus wirkten, als Spieler von der Startelf auf die Tribüne und wieder zurück wanderten, hat Wolf das fragile Gebilde allerdings nicht gerade gestützt, sondern das (kleine) Fundament weiter von Innen ausgehöhlt und somit aus dem Tabellenführer zur Winterpause einen Absteiger (16. Platz) in der Rückrunde geformt. Die Körpersprache des Problem-Wolfes deutete zudem bereits seit Wochen auf “Freigabe zum Abschießen” hin. Einen Spießrutenlauf gegen Duisburg sollte man ihm ersparen – oder aber eben er sich selbst…!

Persönliche Anmerkung: Ich fand Hannes Wolf als TV-Experten sehr erfrischend und immer auf den Punkt. Es hat einfach Spaß gemacht, ihm zuzuhören. Das hat er offensichtlich auch der Mannschaft zu Beginn seiner Amtszeit vermitteln können, aber eben nicht dauerhaft. Und diese Abnutzungserscheinungen kann man 1:1 in den PKs ablesen, denn der vielfach verbreitete Tenor, dass die Trainer gegenüber ihren Spielern ganz anders auftreten würden, ist imho Mumpitz. Hierbei verweise ich gerne auf einen Herrn Klopp aus Liverpool.

P.S. Bert van Marwijk hat es bereits früh erkannt und ausgesprochen, wo der HSV seine größte Baustelle hatte und hat…!

P.P.S. Credits to prof. & slobo für diesen Blog.

18 Kommentare

  1. 1887Breisgau1887Breisgau

    Hoffi und Becker haben genau richtig gehandelt und nicht den Trainer noch gewechselt für die letzten zwei Spieltage, sonst wäre diese Truppe womöglich doch noch aufgestiegen! Die heute gewählten Worte von Wolf wurden doch genauso in der 3stündigen Krisensitzung vorbereitet und für heute, die Niederlage in Paderborn wissend, vereinbart.

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  2. AvatarRehbusch

    Stimmt. Es ist diese verdammte Selbstzufriedenheit, die beim HSV früher oder später zu diesen Minusleistungen führt. Immer wieder. Es muss alles neu – und zwar von oben angefangen.

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  3. slobocop plusslobocop plus

    ich war trotz des sich anbahnenden fiaskos pro wolf und wäre mit ihm auch in eine weitere zweitligasaison gegangen unter der voraussetzung, dass man 1) den kader komplett ausmistet und 2) er sich seiner fehler bewusst ist und es im zweiten anlauf besser macht. davon ging ich aus, aber nach seiner heutigen analyse muss ich konstatieren, dass ich wolf überschätzt habe. nun ist er leider nicht mehr tragbar, egal was kommt. schade drum, weil ich ihn fachlich nach wie vor für einen fähigen trainer halte. aber um eine mannschaft zu führen, bedarf es auch didaktischer und motivatorischer fähigkeiten. da hapert’s leider zu sehr.

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  4. GVGV

    Es ist auch geschätzte 15 (?) Trainer nach van Marvjik noch genau so, wie er es beschreibt.
    Und es wird vermutlich noch einige Trainer weiterhin brauchen, bis … ja, was eigentlich ?!
    Neenee, falsche Baustelle, es sitzt viel tiefer, das Übel.
    Die Trainer sind – egal welche – im Volkspark jeweils stets die schwächsten Komponenten.
    Dafür nehmen sie dann halt ihre Abfindungen mit.
    Vorwerfen könnte man ihnen,es nicht wie Van Marvjik laut ausgesprochen zu haben.

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  5. Karl-Heinz GrabowskiKarl-Heinz Grabowski

    Jetzt einen Marweijk rauszuholen, der bekannt für seinen grossen Einsatz 24/7 für den AG ist bereits aus Dortmund ist auch grosses Kino. Der HSV bezahlt aus meiner Sicht den Preis für jahrelanges Missmanagement. Zeiten in denen mit fremden Geld gross eingekauft wurde aus Panik vor dem Abstieg und Entscheidungen somit immer nur kurzfristig getroffen wurden. Quasi ein Pflaster auf eine Wunde legen die eigentlich genäht gehört. Irgendwann fand man sich aber doch in zweiter Liga wieder , mit einem Kader der unausgewogen und voller Spieler ist die teils genügend mit sich selbst zu tun haben, teils aus erfahrenen,teuren Spielern besteht die gar nicht einsatzfähig sind aufgrund Ihrer Glasknochen oder lieber am Zaun hüpfen statt Gas zu geben als selstbezeichnete Passmaschine. Jetzt hat der HSV keine Kohle mehr, keine sportlich gesunde Basis an Profispielern die entweder die erforderliche Qualität haben oder noch so gewinnbringend verkauft werden können um sich mit guten Auge und günstigeren Spielern mal eben schnell sanieren zu können. Da bedarf es schon mehr als 1,2,3 Glücksgriffe die voll einschlagen. Neben der Mannschaft wird auch das Trainerteam , der Vorstand Fehler gemacht haben. Was wird jetzt gefordert? Alles auf Null? Neuer Vorstand, neuer Trainer , neuer Sporti? Das wäre ja die Konsequenz daraus. Nur wer baut im Sommer das Team, wer soll trainieren, wer spricht mit den Sponsoren? Also ist das mehr eine populistische Forderung von Fans als das es durchführbar wäre mit dem Ziel des schnellen Aufstiegs nächste Saison. Ob mit oder ohne die jetzigen Verantwortlichen wird es IMHO mehr als eine zusätzliche Saison brauchen um aufzusteigen. Dieser HSV braucht erstmal eine Mannschaft die als solches bezeichnet werden kann, dazu kommen Hannover und Nürnberg runter. Also ehemalige 1. Ligisten die zu schlecht für das Oberhaus waren, aber wissen aus Erfahrung wie es in Liga Zwei geht und man nach oben kommt.Der erste Platz wird kaum automatisch für den HSV vergeben sein.Das die Leistungsdichte in Liga 2 eng beieinander ist ,konnte man letzte Saison gut beobachten wie bis kurz vor Schluss in die Plätze 6 oder 7 noch quasi mehr als die halbe Liga absteigen konnte.

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  6. WORTSPIELERWORTSPIELER (Beitrag Autor)

    Jetzt einen Marweijk rauszuholen, der bekannt für seinen grossen Einsatz 24/7 für den AG ist bereits aus Dortmund ist auch grosses Kino.

    es ging (mir) mitnichten um die arbeit von BvM und/oder dessen arbeitsmoral, sondern um dessen erkenntnis nach weniger als drei monaten beim HSV, woran es mangelt: #leistungskultur

    in dieser form einmalig beim HSV, dass BvM das defizit während seiner amtszeit öffentlich anprangerte. insofern hat das zitieren (youtube-video) aus aktuellem anlass durchaus seine berechtigung.

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    1. Karl-Heinz GrabowskiKarl-Heinz Grabowski

      Schon klar um was es dir ging, doch einen Mann, der selbst nicht gerade bekannt für volle Leistung ist als Zeuge für die Zufriedenheit und nicht vorhandenen Leistungswillen beim HSV zu benennen finde ich halt grenzwertig. Muss allerdings zugeben, das dies ja kein Unicum ist und eher gerne genommen wird, wenn man dann irgendwelche Leute eingeladen sieht, die erklären was Bayern falsch macht und selbst als Trainer oft rausgeschmissen wurden.

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  7. Karl-Heinz GrabowskiKarl-Heinz Grabowski

    Unicum- Unikat….man sollte so spät nachts nicht mehr schreiben 🙂

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  8. HeLuechtHeLuecht

    Sämtliche Fehler der Vergangenheit können und dürfen nicht als Alibi für jene in dieser Saison gemachten herhalten, insbesondere nicht für jene in der Rückrunde, vor allem jene in den letzten 2 Monaten, in der die Verantwortlichen die Öffentlichkeit für dumm verkauft haben, obwohl sie bereits am Kapitulieren waren. Bereits da wurde aber schon deutlich, dass es wieder einmal nur darum geht seinen eigenen Arsch möglichst komfortabel ins Trockene zu bringen.

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    1. Avatarbopsi

      Wann wurden Mitglieder und Fans denn nicht für dumm verkauft?
      Wer hat auf Jansens Bockmist (3 Jahre Europa) entsprechend reagiert?
      Warum werden die katastrophalen Transfers für die nächste Saison nicht entsprechend kommentiert?

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  9. Prof. VitzliputzliProf. Vitzliputzli

    Wenn mir eine Person aus unterschiedlichen Gründen nicht passt, so muss es noch lange nicht bedeuten, dass derjenige damit automatisch sein Recht verwirkt, seine Meinung kund zu tun und mit dieser vielleicht sogar richtig liegen könnte. Eine “falsche” Person, kann auch eine “richtige”, zutreffende Meinung haben. Dass Bert van Marwijk mit der Zustandsbeschreibung des HSV und seiner Einschätzung voll ins Schwarze getroffen hat, ist wohl inzwischen mehr als bestätigt worden. Genauso verhält es sich mit Armin Veh, der sich wie folgt äußerte:

    […]So etwas wie hier habe ich noch nie erlebt. So kann man nicht arbeiten. Es geht beim HSV nicht mehr um Fußball. Eigentlich ist das ein geiler Club. Aber es ist traurig, dass man sich selbst im Weg steht und nicht zu einer Einheit wird. Sonst wäre hier einiges möglich. Man kann doch nicht davon ausgehen, dass hier alles normal weiterläuft. Der HSV ist ein Unternehmen, das einiges umsetzt. So kann man einen Verein nicht regieren. Der HSV befindet sich in einer gefährlichen Situation.

    Frage: Haben Sie den Aufsichtsrat schon über Ihre Entscheidung informiert?

    Das habe ich nicht. Aber ich bin ja auch nie über etwas informiert worden.[…]Wir haben immer noch neun Spiele und können noch Platz fünf erreichen. Darauf konzentrieren wir uns jetzt. Aber die Situation ist auch für die Mannschaft nicht einfach. Ich spüre da eine gewisse Unsicherheit im Team. Einige Verträge laufen ja aus. Wir haben März und es gibt noch viele Dinge zu regeln.

    https://www.spiegel.de/sport/fussball/hamburg-trainer-veh-es-geht-beim-hsv-nicht-mehr-um-fussball-a-749761.html

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  10. Prof. VitzliputzliProf. Vitzliputzli

    Genauso verhält es sich, wenn man sich Gedanken zur Zukunft des HSV machen will. Seit vielen Jahren werden immer wieder die selben Fehler gemacht. Wie oft beschworen die Kritiker des HSV, endlich eine tatsächliche Veränderung im Verein herbeizuführen. Und mit jedem weiteren Jahr wurden sie mehr denn je bestätigt. Inzwischen ist die wirtschaftliche und sportliche Krise dermaßen fortgeschritten, dass man den Eindruck bekommen könnte, dass nur noch die Aufhebung der 50+1 Regel zum Umdenken führen könnte und dass ein „seriöser“ Investor wie Vichai Srivaddhanaprabha es einer war, der keinerlei Verbindung zum Verein hatte und den Verein komplett umkrempelt und eine zeitgemäße Struktur aufbaut, die dem modernen Profifußball angepasst ist. Das ist natürlich alles sehr kurz gesprungen und einfach ausgedrückt.

    Es kann natürlich auch eine Nummer kleiner sein:

    “Ich habe nach sachlichen Notwendigkeiten gehandelt”, sagt Littmann und drückt eine Kippe in den Aschenbecher. “Ich kannte den Verein von innen nicht und musste keine Rücksicht nehmen auf Personen und Verbindungen.”

    https://www.spiegel.de/spiegel/a-692724-2.html

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  11. AvatarRehbusch

    Die Selbstzufriedenheit fängt doch schon bei “Hamburg, meine Perle” an – das haben schon viele angemerkt. Aber noch einmal, weil es so offensichtlich ist:

    Es ist geradezu grotesk, wenn das ganze Stadion vor dem Spiel und der zu erwartenden Niederlage gegnerische Mannschaften, die überwiegend sogar in ganz anderen Sphären spielen, verhöhnt und zeigt, dass ihnen das Ergebnis nach Ende des Spiels eigentlich egal ist. Vorstand und Spielern wird immer wieder vor Augen geführt, dass Leistung sekundär ist, denn die Raute vernebelt die Fanhirne und erhebt Törichtes zum Triumph. Wie soll da Siegermentalität entstehen? Warum wird das nicht mal von den Entscheidungsträgern öffentlich thematisiert in diesem unglückseligen Volksparksumpf?

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    1. WORTSPIELERWORTSPIELER (Beitrag Autor)

      björn hoffmann hat seine siegermentalität in einem kleinen restaurant in HH-barmbek verkauft – wie einst bart wolfson seine schärfe an milhouse…

      #bremenaufmischen
      #tomorrowmyfriend
      #aufstellenfuereuropa

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  12. slobocop plusslobocop plus

    contra perle
    pro sirtaki

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  13. GVGV

    ich hör’s schon
    “Ich werde den HSV in dieser schwierigen Situation nicht im Stich lassen, mich nicht verpissen. Ich will helfen, das wieder gut zu machen, gerade zu rücken, Fehler zu korrigieren. Lasst uns einen äh, Neuanfang machen … ”
    😀
    Es werden nun keine einzelnen Personen ausgewechselt!
    Vor allem nicht die Hauptverantwortlichen, schon klar.
    .
    Dieser Club ist besser als der Postillion!

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  14. AvatarMick

    Ich fand die Worte von Wolf nicht unfassbar. Hier spricht ein Trainer, der mit diesem Kader ans Ende seiner Weisheit gekommen ist. Was möglicherweise auch einem Guardiola passiert wäre. Mich beeindruckt, dass Wolf diese Tatsache nicht zu überspielen versucht. Einer, der perplex ist angesichts einer Situation in seinem Beruf, der zu Recht fassungslos ist, der wird lernen – entweder sich in solche Situationen nicht mehr hinein zu begeben (also nicht mehr unter Sportchefs wie Becker zu arbeiten), und/oder sogar direkte, notgedrungenermaßen nicht lange vorhaltende Auswege zu finden.

    Wolf hat in seinem Beruf eine Zukunft. Becker, dem jede Selbstreflektion abzugehen scheint, eher nicht. Hoffmann mag noch so schöne Motive haben, z.B. seine Scharte von früher auszuwetzen. Aber seine Motive spielen bei seiner Vorgehensweise keine Rolle. Der Zweck heiligt nun mal nicht die Mittel. Wer öffentlich täuscht (wie, nicht vergessen auch der Mann hinter der Gardine, “ich will nur Interims-Vorsitzender sein”) kann niemals genug Vertrauen aufbauen, eine Wende zu schaffen. Wer öffentlich darüber redet, was in Hamburg durchsetzbar wäre und was nicht, begreift nicht, dass er sich zum Hampelmann macht. Durchsetzbar ist genau das, was der Verein WILL, was der Verein in interner Planung sich erarbeitet hat, und was der Verein NACH GENAU DIESEM PLAN umsetzt. Wer natürlich seinen Plan ständig ändert, wenn irgendwo irgendwer Buh! oder Bääh! ruft, scheitert eben. (Wer gar keinen Plan hat, gehört natürlich sowieso nicht auf den Vorstandsposten).

    Kontinuität ist eben dann wichtig, wenn man einen Plan hat, von dem man überzeugt ist. So überzeugt, dass man auch Rückschläge aushält und auch mal Prügel der Presse. Wer vor der geballten Inkompetenz der Sportjournaille zurückschreckt, ist sowieso eine Memme. Nebenbei, es ist ja nicht wirklich die Inkompetenz im sportlichen Bereich, die die Journalisten so dumm daherkommen lässt, sondern die Kompetenz im Sensationsbereich, die allein den Zeitungsverkauf noch auf einem Niveau hält, mit dem lukrative Anzeigenkunden gewonnen werden können.

    Wenn Becker sagt, “Ich kann mich als Sportvorstand des HSV doch nicht hier hinsetzen und sagen, wir wollen Fünfter werden” (Abendblatt heute), dann weiß er nicht, was ein Ziel in einem Unternehmen ist. Ob er Siebter oder Erster wird, ist nichts, was in der Hand des Vereins allein liegt. Was aber in der Hand des Vereins liegt, ist die Personalpolitik. Welche Art von Spielern, welche Art von Trainern, welche Art von Verwaltern wollen wir rekrutieren? Und da man nie alles auf einmal kriegt, tun sich Löcher auf, wird es Durchhänger geben, aber aufs Ganze gesehen wird man aus den Löchern wieder rauskommen und die Durchhänger überstehen, um am Ende eine wettbewerbsfähige Struktur auf hohem Niveau zu haben. Ich glaube, Wolf hätte in so einer Struktur seinen Platz haben können; kann mich täuschen, kenne ihn ja nicht persönlich. Es geht mir darum, dass ein “Generalplan” nach wie vor nicht erkennbar ist und dass, wie in jeder Krise seit ewigen Zeiten, die Zwielichter bleiben und die mit Zukunft gehen müssen.

    Apropos Zukunft: für die Englischleser unter euch ein schönes Interview mit Vincent Kompany. https://www.theguardian.com/football/2019/may/18/vincent-kompany-manchester-city-setbacks-racism . Morgen bin ich im Stadion; hätte ich gewusst, dass sie Wolf tatsächlich feuern, wäre ich nicht da. Der Rauswurf dient in keiner Weise den Interessen des Vereins, sondern nur den “Interessen” – oder, wie ich es sehe, der Feigheit – von Hoffmann und Becker. Tut mir leid. Meine Hoffnung ist nicht mehr der HSV, sondern, dass er aus meinem System verschwinden möge!

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    1. WORTSPIELERWORTSPIELER (Beitrag Autor)

      unterschrieb fast alles, mick. guter kommentar.

      bei den zitierten worten wolfs ist in der tat der zeitpunkt das problem und die hilflosigkeit, die aus HW0 spricht, wo man sich fragt, was machen/besprechen die herren im volkspark eigentlich den lieben langen tag so…! dass er das kollabieren feststellte und benannte, ist ja schon einmal ein fortschritt, aber gegensteuern wäre wohl zuviel verlangt gewesen…?!

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