Bedingungsloses Weiterwursteln?

Der Hamburger Sportverein hat Post bekommen, Post von der DFL! Völlig überraschend und gänzlich unerwartet beinhaltete diese Post lediglich positive Nachrichten. Dem HSV wurde die Lizenz für die erste und die zweite Bundesliga ohne Bedingungen und Auflagen erteilt.

Bedenkt man, dass der Aufsichtsratsvorsitzende Bernd Hoffmann noch am Wochenende davon sprach, dass es einem Wunder gleich käme, erhielte der HSV die Lizenz erstinstanzlich ohne Auflagen und Bedingungen, reibt man sich verwundert die Augen.

Es verwundert, dass der Aufsichtsratsvorsitzende, dem ja wie dem gesamten Aufsichtsrat die zur Lizensierung eingereichten Unterlagen zu dem Zeitpunkt bekannt gewesen sein dürften, zu einer derartig von der DFL abweichenden Einschätzung der Lage gelangen konnte?

Hat die DFL da sämtliche Augen zugedeckt, weil man eines der zugkräftigsten Pferde im Stall nicht verlieren wollte? Muss hier tatsächlich von mafiösen Strukturen ausgegangen werden oder sind die Herren im AR einfach nicht in der Lage, das geistig zu durchdringen, was der Finanzvorstand der HSV AG, inzwischen einzig verbliebene Vorstandsmitglied, dort zu Papier gebracht hat?

Für die DFL geht es um nachgewiesene Liquidität oder einfach ausgedrückt: Es muss Sichergestellt sein, dass der Spielbetrieb über die Saison hinweg aufrecht erhalten werden kann. Ob dann zum Ende der Saison ein Insolvenzantrag gestellt werden muss, interessiert die DFL so wenig wie es den DFB in der 3. Liga im Falle von Erfurt und Chemnitz interessierte.

Nun, der HSV hat offensichtlich die notwendige Liquidität nachgewiesen und dies sogar ohne das erneute Mitwirken von Klaus-Michael Kühne geschafft. Ohne einen Wechsel auf die Zukunft wird das nicht vonstatten gegangen sein. Unabhängig davon, ob der kolportierte 12 Millionenkredit, der die Liquiditätslücke geschlossen haben soll, nun tatsächlich vom windigen, in der Branche bekannten, Internationalen Bankhaus Bodensee (IBB) stammt oder nicht.

Es besteht also kein Grund zum ‚Hüpfen‘, kein Grund zur Euphorie, auch wenn dies breite Teile der Fanbase bereits wieder anders sehen und den HSV auf einem guten Weg sehen.

Nein, der Weg ist alles andere als gut. Er wird – so nicht noch ein Weltwunder geschieht – eine Klasse tiefer gehen, mit einem kalkulierten direkten Wiederaufstieg, der aber nun soetwas von in den Sternen steht, zumal dort ein anderer Fußball gefragt ist und sich sämtliche Gegner gegen diesen HSV, der für die meisten Nichthamburger noch immer und mehr denn je ‚großkotzig‘ und arrogant deher kommt, in jedem Spiel doppelt und dreifach zerreissen werden.

Der angesetzte Spieleretat von über 30 Millionen (ein Etat, den mancher Erstligist nicht vorweisen kann) wird dieses Phänomen eher noch verstärken. Der HSV wird weiter ungebremst und ohne Augenmaß agieren können ohne Bedingungen, ohne Auflagen und es fällt schwer daran zu glauben, dass den Verantwortlichen über Nacht plötzlich eine andere Vorgehensweise als in der Vergangenheit eingefallen ist. Es wird nicht solider oder besser gearbeitet als vorher.

Wer immer erhofft hatte, die DFL könne oder wolle mit dem Erteilen von Bedingungen oder Auflagen, dem HSV dazu verhelfen, auf den ‚rechten Weg‘ zu gelangen, sieht sich getäuscht und mag vor Wut in die Tischkante beißen.

Alle anderen mögen erleichtert sein, dass der HSV dem bezahlten Fußball erhalten bleibt und sich darüber freuen, dass es weiter gegen andere Traditionsvereine geht.

Ich stelle fest: es kann bedingungslos weitergewurstelt werden!

P.S. Die Position von Frank Wettstein jedenfalls scheint vorerst gestärkt zu sein. Ich sehe das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Weinend, weil ich ihn für einen gelinde gesagt windigen Scharlatan halte. Lachend, weil er sich für Christian Titz ausgesprochen hat und ich den Titz nun einmal sympathisch finde und denke, dass er grundsätzlich für einen sportlich wie finanziell vernünftigen Weg steht, auf den ich irgendwie immer noch beim Hamburger SV hoffe.

4 Kommentare

  1. hsvdonald

    Deine Bewertung ist reine populistische Schwarzmalerei ohne begründete Fakten! Schade!
    Das bin ich von Dir gar nicht gewohnt!

    Antworten
    1. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      Fakten?

      Fakt ist, der HSV hat die Lizenzen erteilt bekommen.

      Einzelheiten, wie dies geschehen ist, sind ja (noch) nicht bekannt.

      Populismus?

      Kann ich nicht erkennen, dann würde ich jetzt jubeln und hüpfen.

      Aber erkläre du mir doch mal, wie Hoffmann am Sonntag nach Einsicht in die Unterlagen noch von Bedingungen und Auflagen ausgeht und dann gibt es keine. Verwundert dich das nicht?

      Schwarzmalerei?

      Vom Abstieg auszugehen ist doch naheliegend und dass Sandhausen, Heidenheim, Regensburg oder wer auch immer Himmel und Hölle in Bewegung setzen werden um dem großen HSV ein Bein zu stellen, ist das so abwegig?

      Nach allem, was ich in den ltzten Jahren gesehen habe, bin ich nicht mehr willens darauf zu setzen, dass hier irgendjemand tatsächlich nach einem ausgeklügelten Plan agiert. Sorry, aber diese Blauäugigkeit ist mir gnadenlos ausgetrieben worden.

    2. WORTSPIELERWORTSPIELER

      dass ich ja auch der grund, warum ihr euch bei „uns scholle“ so wohl fühlt. selbiger erkannte gestern ja quasi einen „guten tag“, obwohl – egal wie die liquidität nun tatsächlich gesichert wurde – genau das passiert, was „heluecht“ anprangert und befürchtet: von der wand bis zur tapete denken und von fünf vor zwölf bis mittag arbeiten.

      In diesem Sinne, heute war ein guter Tag, mit Ausnahme der Vagnoman-Verletzung.

      wenn man wie u.a. du so derbe auf die schnauze mit „HSV-plus“ gefallen ist, sollte man lieber kleine brötchen backen, wenn missstände, fragwürdige maßnahmen und windige prognosen in bezug auf die zukunft des HSV gestellt werden.

      es fängt schon damit an, dass man mit 40.000 zuschauern, einem immens hohen (zweitliga-)etat und dem sofortigen wideraufstieg plant. ich habe nichts gegen hochgestecktze ziele, aber ohne den sportdirektor, ohne den trainer und ohne das gesicht der mannschaft zu kennen, ist das schon eine mutige angelegenheit. abgesehen davon ist der abstieg ja noch nicht einmal besiegelt, womit ich nicht sagen will, dass der HSV es noch schaffen wird, aber der jetzige sturm im wasserglas wird sich nach dem abstieg zu einem tayfun (nicht: korkut) entwickeln… *doppelschwör*

  2. Rehbusch

    Es ist nicht Aufgabe der DFL, dem HSV den rechten Weg zu weisen. Die dazu notwendige Vernunft muss der Verein schon selbst beisteuern. Aber das ist ja seit Jahrzehnten der Schwachpunkt. Und Didi hat dem Ganzen die Krone aufgesetzt.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.