Blutleer, fast am Ende…aber wer soll’s richten?

Tiefe Ernüchterung und große Frustration haben sich allenthalben breit gemacht nach dem Auftritt der Rothosen im Breisgau. Die zweite Niederlage gegen einen Aufsteiger in Folge, wieder ein Tor nach über einer Stunde und im Anschluss wieder kein Aufbäumen erkennbar. Der verantwortliche Trainer öffentlich angezählt, wenn nicht gar bereits ausgezählt, dürfte maximal noch das Bayern Spiel auf der Bank absitzen dürfen, bevor seine Zeit in Hamburg zum zweiten Mal abgelaufen ist.

Der Hamburger Sportverein gibt wieder einmal ein äußerst desolates Bild ab. Doch, mit etwas Abstand betrachtet, was hat sich gegenüber der Vorsaison eigentlich verändert?

Dazu mal ein kurzer Blick auf einige ausgewählte Statistikdaten:

 Saison 2016/17 1. 2. 3. 4.
HSV-ING LEV-HSV HSV – RBL SCF – HSV
Tore 1 (1) 1 (3) 0 (4) 0 (1)
Torschüsse 8 (13) 6 (15) 14 (12) 7 (19)
Ecken 4 (5) 1 (4) 8 (3) 0 (7)
Flanken 16 (9) 6 (10) 22 (2) 7 (6)
li 13 3 16 2
re 3 3 6 5
Fehlpassquote 27,55 38,64 21,17 23,99
Gegentore 79. 79./90.+1/90.+4 66./72./77./90.+2 70.

 

 Saison 2015/16 1. 2. 3. 4.
BAY – HSV HSV – VFB KÖL – HSV BMG – HSV
Tore 0 (5) 3 (2) 1 (2) 3 (0)
Torschüsse 5 (23) 14 (12) 17 (6) 10 (13)
Ecken 0 (7) 0 (5) 8 (3) 2 (5)
Flanken 2 (11) 11 (3) 8 (8) 8 (8)
li 2 5 4 2
re 0 6 4 6
Fehlpassquote 35,15 31,49 21,96 15,45
Gegentore 27. 52. 69. 73. 87. 23. 42. 76. 80.

Anhand dieser Daten läßt sich schon ablesen, dass sich prinzipiell nicht wirklich etwas verändert hat, wenn man von der Punktausbeute einmal absieht. 6 Punkte nach 4 Spieltagen waren es in der vergangenen Saison, wobei man dazu sagen muss, dass diese gegen einen VfB Stuttgart erzielt wurden, der das Spiel im Volkspark klar dominierte und sich letztlich durch einen dummen wie nötigen Platzverweis um die Früchte seiner eigenen Arbeit brachte. Der Sieg in Gladbach entsprang auch weniger der eigenen Topleistung als viel mehr dem Umstand, dass bei Gladbach nichts zusammenlief und ein Trainerwechsel unmittelbar bevorstand. Klar darüber redet nachher niemand mehr, Punkt ist Punkt und diese Punkte fehlen in dieser Saison eben.

Auffällig ist, dass sich an der Fehlpassquote nicht wirklich etwas geändert hat. Die Anzahl der Torchüsse ist hingegen (35 in dieser, 46 in der vergangenen) deutlich geringer, wobei über die Qualität an dieser Stelle noch nicht einmal etwas ausgesagt ist. Insgesamt ist das Spiel der Hamburger linkslastiger geworden, zumindest hat sich die Anzahl der Flanken von der linken Seite erhöht, was in erster Linie auf den Einsatz von Kostic zurückzuführen sein dürfte. 51 Flanken in dieser Saison (29 in der Vorsaison), die meisten davon dann allerdings im Nirvana gelandet. Tore in dieser Saison lediglich zwei, beide von Bobby Wood, die zudem auch eher zufällig entstanden (Leno säbelt über den Ball!) als dass sie klasse herausgespielt wurden.

Diese Daten zeigen schon auf, dass es nicht rund läuft, nicht runder läuft als in der Vorsaison, dass die Abstimmung nicht gefunden wurde. Offensiv ist es unterm Strich tatsächlich eher schlechter als besser geworden, obwohl man sich doch gerade dort maßgeblich verstärkt haben will.

Es wurde erneut viel Geld in die Hand genommen, ohne dass dadurch Einfluß auf eine höhere Spielkultur genommen werden konnte, eine grundsätzliche Entwicklung zum Positiven erkennbar wurde. Daran muss sich der Headcoach eines Clubs messen lassen und nicht daran, ob er vielleicht mit der einen oder anderen Verpflichtung seines Sportdirektors nicht einverstanden war.

Der HSV hat in den bisherigen 4 Spielen nicht überzeugt, nein, er hat sogar schlecht gespielt und war in keiner der Partien – gegen zum Teil extrem schwache Gegner (Ingolstadt/Freiburg) das bessere Team. Die blutleere Vorstellung in Freiburg könnte den Schluss nahe legen, dass die Mannschaft gegen den Trainer spielt. Sie zeigt immerhin deutlich, dass es ihr momentan nicht mehr gelingt sich wirklich aufzubäumen. An dieser Stelle den Umstand zu feiern, dass man nicht wie gegen Leipzig zusammengebrochen sei, ist reiner Hohn gegen eine Freiburger Mannschaft, die den Vorsprung in dem Wissen gemütlich nach Hause schaukeln konnte, dass vom HSV ohnehin nichts mehr kommen würde, wie die vorangegangenen 70 Minuten bereits hinlänglich belegten.

Man muss konstatieren, dass diese Truppe nicht mehr brennt und sich für diesen Trainer und diesen Verein nicht (mehr) den Allerwertesten aufreisst. Da kann es nur eine logische Konsequenz geben: Trainerentlassung!

Die Frage die sich stellt ist lediglich die, ob diese Entlassung vor oder nach dem Bayernspiel erfolgen sollte. Ich würde diesen Schritt sofort vollziehen, selbst dann, wenn jetzt noch kein geeigneter Nachfolger gefunden sein sollte und dieser erst in einigen Tagen oder Wochen präsentiert werden kann. Es geht darum, die Mannschaft aus ihrer Lethargie zu reissen, sie wieder einmal zu emotionalisieren um den Supergau zu verhindern.

Sicher wird dies innerhalb der vorhandenen Strukturen beim HSV auch wieder nur ein Strohfeuer sein. Auch ein Neuer wird aus diesem schlecht zusammengestellten Kader keine Zaubertruppe formen können, weder über Nacht, noch über einen längeren Zeitraum, so dass lediglich die Hoffnung auf die nächste, die Wintertransferperiode bliebe. Aber warum sollte sich ausgerechnet in jener ohnehin schwierigen Transferperiode etwas ändern und zur Abwechslung einmal mit Vertsand und Weitsicht verpflichtet werden, von einer Führung, der genau dies in den vergangenen 5 Transferperioden nicht gelungen ist.

Es ist zutiefst frustrierend, selbst für jemanden, der sich nicht von der künstlich gehypten Euphoriewelle vor der Saison hat anstecken lassen, zu sehen, wie tief der Karren inzwischen in den Dreck gefahren wurde. Von schneller, besser, findiger als die Konkurrenz ist weit und breit und auf absehbare Zeit nichts zu sehen. Daran werden auch weitere Kühne Millionen nichts ändern, eher im Gegenteil, sie sind es, die die notwendigen Schritte ein ums andere Mal verhindern und lediglich das Siechtum des Dinos verlängern.

Es ist ein Trauerspiel!!! Wer tut sich diesen HSV freiwillig an und wer kann ihn nachhaltig retten? Als Trainer, als Sportdirektor, als Vorstandsvorsitzender?
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2 Kommentare

  1. bopsi

    Ich denke, man muss das alles tatsächlich jetzt mal sacken lassen (um im HSV-Jargon zu bleiben).
    Selbst Leute wie ich, die nun wahrlich wenig optimistisch in diese Saison gegangen sind, sind von diesen Minderleistungen überrascht.
    Und dennoch, ich denke, der HSV wird mit diesem Kader und Labbadia die Klasse halten können, mehr erwarte ich ehrlicherweise nicht.
    Und daher denke ich, sollte der HSV nun in aller Ruhe die Schritte vorbereiten und nach und nach vollziehen, die man bis Sommer gehen sollte. Kontakt zu einem neuem VV, Sportdirektor installieren, der wiederum einen Trainer suchen sollte, der Aufbauen kann, der vermeintlich den Ansprüchen des heutigen Fußballs entspricht.
    Der AR ist am Zug, Beiersdorfer muss weg, das wäre (m)ein hoffnungsvoller Anfang.

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  2. ky

    Vorstandsvorsitz Jochen Seitz (hat PUMA saniert).
    Sportdirektor Nico-Jan Hoogma (hält seit Jahren das kleine Almelo in der Hölländischen Erendivise in der Liga, kann junge Talente sichten und einbauen).
    Trainer Andres Villas-Boas (FC Porto, Tottenham).
    Sportdirektor Jugend/U21 Horst Hrubesch.

    Damit hätte man ein echtes Kompetenz-Team an Bord, mit Erfahrung und Identifikation (Hoogma/Hrubesch).

    Trainer sofort freistellen, Samstag macht es Dirk Kunert (U21), ab Montag dann Villas-Boas.

    Danke, Didi, für Nichts.

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