Chancen!?

Die Chance verpasst… (Die Profis)

Auch zwei Tage nach dem Unentschieden in Wolfsburg stelle ich fest, dass ich noch immer angefressen bin, von der Tatsache, dass der HSV leichtfertig die Chance auf drei Punkte hat liegen lassen.

Wie Aaron Hunt bin ich der Meinung, es wäre dort mehr drin gewesen. Aber, wieder einmal kamen die Rothosen nach der Halbzeitpause nicht halb so konzentriert und engagiert aus der Kabine. Warum ist das so? Werden in der Kabine Schlaftabletten verteilt? Ist man zu sehr von sich überzeugt? Oder ist man nach durchaus laufintensivem Spiel in den ersten 45 Minuten bereits platt?

Klar, versucht der Gegner bei einem Rückstand zur Pause unmittelbar nach Wiederanpfiff Gas zu geben, so natürlich auch die Wolfsburger am Wochenende, aber das haben sie auch zu Beginn der ersten Hälfte versucht und da hat der HSV mit aggressivem Forechecking, wie das Pressing ja früher ganz einfach hieß, den Wölfen das Leben schwer gemacht. Man bewegte sich gut, horizontal wie vertikal, die Abstände zwischen den Reihen und innerhalb der Ketten stimmte. Nach der Pause…Fehlanzeige. Plötzlich präsentiert sich dort ein Hühnerhaufen, die Mannschaft presst nicht mehr so früh und vor allem im Team nicht konsequent, die Orientierung innerhalb der Abwehrreihen geht verloren, ohne dass der Gegner die Mannschaft mit tollem Fußball herspielen würde. Anspielfehler häufen sich und und und.

Verlernt haben können sie es in den 15 Minuten in der Kabine ja nicht. Warum gelingt es dem Coach also nicht, seine Mannen für die zweite Halbzeit entsprechend einzustellen bzw. die offensichtlichen Defizite durch Korrekturen von außen abzustellen, sei es durch Spielerwechsel oder simple Anweisungen von außen. Ein Paradebeispiel, wie so etwas gehen könnte, lieferte Bayerns Pep Guardiola, der seinem Kapitän Philip Lahm während eines Einwurfs einen Zettel mit taktischen Anweisungen für sein Team zusteckte, während man in einer ähnlichen Situation lediglich Eddi Sözer soufflierend an Labbadias Seite sah.

Es geht hier nicht darum, Bruno Labbadia die Trainerfähigkeiten abzusprechen, der Eindruck, er sei nicht in der Lage kurzfristig während eines Spiels neue taktische Akzente zu setzen, manifestiert sich allerdings. Ohne die notwendigen Korrekturen, kann man die Uhr danach stellen, wann der HSV ein Gegentor kassiert. Es fällt dann in schöner Regelmäßigkeit mit Ansage und dann…

In der Vergangenheit brach der HSV danach auseinander. Diese Gefahr ist nach wie vor latent vorhanden, wobei in der letzten Zeit durchaus erkennbar wird, dass die Rothosen sich gerade nach einem Gegentreffer aufraffen und plötzlich wieder gegenhalten können. Egal, welches die Ursachen für das zwischenzeitliche Abtauchen und das anschließende Wiederaufwachen sind… Es liegt im Verantwortungsbereich des Trainers. Bruno Labbadia ist gefordert, diese „Unkonzentriertheiten“ künftig abzustellen.
Die große Chance auf drei Punkte wurde leichtfertig vergeben. Jetzt kommen die wiedererstarkten Augsburger in den Volkspark. Heimspiel, das letzte Spiel vor der Winterpause. Bei der Heimschwäche wäre eine Niederlage nichts Ungewöhnliches. Dann ginge man mit drei sieglosen Spielen in die Pause und geriete in Anbetracht des Startprogramms, gegen Bayern, und Gladbach unnötig unter Druck.

Die Chancen genutzt… (Die U17 und U19)

…hat hingegen die U17 im Derby gegen den FC St. Pauli, auch ohne ihren verletzten Kapitän Nikolai Kosanic (Kreuzbandriss). 6:2 hieß es am Ende einer torreichen Partie an der Hagenbeckstraße. In der abwechslungsreichen Begegnung eröffnete Julian Ulbricht bereits in der 2. Minute den Torreigen. St. Paulis Robin Meißner konnte in der 34. Minute zwar den zwischenzeitlichen Ausgleich erzielen, doch nur 6 Minuten später stellte Fiete Arp quasi mit dem Pausenpfiff den alten Abstand wieder her.
Im Gegensatz zu den Profis, kam die HSV U17 trotz Führung hellwach aus der Kabine.

Nur zwei Minuten nach Wiederanpfiff erhöhte Maximilian Geißen zum 3:1 (42.). Dieses schnelle Tor nach der Pause schockte St. Pauli, so dass Torben Isermann (51.) und Marco Drawz (57.) zügig die endgültige Entscheidung herbeiführen konnten. Nach einer knappen Stunde war das Spiel gelaufen und das Team von Christian Titz ließ es etwas ruhiger angehen. Aaron Opoku erhöhte per Strafstoß zum 6:1 (70.), bevor Dario Kovačić in der 73. Minute ebenfalls per Strafstoß den 6:2 Endstand erzielte.

Damit setzte die U17 ihre beeindruckende Serie auch am letzten Spieltag vor der Winterpause fort. 6 Siege in Folge stehen für die Titz Schützlinge zu Buche. Eine Marke, von der die Profis nur träumen dürfen. Dennoch rangieren die Rothosen hinter Hertha, Wolfsburg und Leipzig lediglich auf Platz 4 der Tabelle. Mit 32 Punkten allerdings in Schlagdistanz und nur 3 Punkte hinter dem Spitzenreiter aus Berlin und bereits 8 Punkte vor den fünftplatzierten Werderanern aus Bremen. Weiter geht es am 13/14.02.2016 in Magdeburg.

Nach den Niederlagen gegen Leipzig, in Jena und dem Unentschieden in Braunschweig, konnte auch Daniel Petrowskys U19 endlich wieder einmal einen Sieg verbuchen und sich mit drei Punkten in den Weihnachtsurlaub verabschieden. Mit einem Doppelschlag innerhalb von 2 Minuten sorgten Mats Köhlert (68.) und Khaled Mohssen (70.) für den 2:0 Endstand gegen RW Erfurt. Erfreulich dabei, dass Finn Porath nach seiner Verletzung wieder den Anschluss findet. Nach 45 Minuten gegen Braunschweig, durfte er gegen die Thüringer bereits 70 Minuten ran. Mit 6 Siegen, 2 Unentschieden und 5 Niederlagen, dümpelt die U19 nunmehr mit 20 Punkten auf Paltz 7 im Niemandsland der Tabelle umher. Nach der Winterpause geht es bei den zwei Punkte und 3 Plätze besser platzierten Berlinern von der Hertha weiter.

Die Chance nutzen… (Die U23)

…kann heute Abend auch die U23 in einer vorgezogenen Partie des 30. Spieltages in der Regionalliga Nord. Um 19 Uhr erwartet das Flaggschiff des HSV-Nachwuchses den FC St. Pauli zum Derby an der Hagenbeckstrasse.

Die Uysal Truppe hat damit die Chance nach den Siegen gegen Wolfsburg (2:1) und im Nachholspiel gegen Lüneburg (3:2 nach 0:2 Rückstand) den dritten Sieg innerhalb von 10 Tagen einzufahren und tabellarisch an dem Konkurrenten vom Kiez vorbeizuziehen. Es wären drei immens wichtige Punkte, um sich ein kleines Polster auf die Abstiegsränge zu verschaffen und die Winterpause etwas entspannter angehen zu können.

Soner Uysal sieht seine Truppe vom Potenzial zwar nicht der untersten Tabellenregion angesiedelt und widerspricht damit seinem Vorgänger Zinnbauer, für den es in dieser Saison nur gegen den Abstieg ging, ihm ist es allerdings bis jetzt nicht gelungen, dieses Potenzial auf das Feld zu bringen. Zu leichtfertig werden die erspielten Chancen vergeben und zu anfällig ist die Truppe nach wie vor in der Defensive, so dass die U23 meiner Meinung nach völlig zu Recht dort steht, wo sie steht, nämlich derzeit auf Rang 14 in der Tabelle und damit in konkreter Abstiegsgefahr, da der momentane Tabellensechzehnte Hildesheim mit 6 Punkten Rückstand auch noch zwei Spiele weniger absolviert hat.

Interessant dürfte in der Winterpause auch sein, ob die U23 einen neuen Chefcoach erhalten wird oder ob Uysal den Posten bis auf Weiteres behalten darf. Eine Entscheidung seitens der Führung scheint hier noch nicht definitiv gefallen zu sein, wobei alleine schon finanzielle Gründe für eine Weiterbeschäftigung Uysals als Cheftrainer der U23 sprächen.

3 Kommentare

  1. ky

    vielen Dank für die U-Berichte, HL, und drücken wi der U23 heute mal die Daumen – war leider zu blöd, mich rechtzeitig zu informieren, sonst wäre ch heute tatsäclich in die Hagenbeckstrasse gefahren – so muss nachher am TV die 2. Liga reichen.

    Das unsere Erste nach der Pause etwas schlapp wieder kommt, war schon in vorherigen Spielen sichtbar. Wenn PK dann von Müdigkeit und Abnutzungen spricht, dann stimmt das auf das gesamte Jahr betrachtet sicherlich – die Reli-Spiele und die mentale Belastung von Februar bis Anfang Juni waren sicherlich sehr hoch…

    ich glaube aber auch, dass ein wenig taktische Flexibilität helfen würde,
    a) wacher zu agieren
    und b) den veränderten Plan des Gegners (Hecking hat in der Hz. 2 umgestellt) ggf. zu durchkreuzen.

    und frühere Wechsel – Jung und Gregoritsch (die sehr viel gearbeitet haben) waren beide ab der 60. Minute sichtbar platt.
    —-
    Quintessenz: Auch der Trainer kann noch lernen, mehr Fitness einzutrainieren, mehr geistige Wachheit durch Systemveränderungen einzubringen, mehr Frische durch frühere Wechsel wieder zu erlangen.

    Alles in allem macht Bruno einen sehr guten Job; aber unser Kader hat zuviele Verletzte und zuwenig echte Stürmer. Wenn Lasogga mal länger ausfallen sollte, dann gute Nacht, Marie…

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  2. ky

    Was für ein Tag: Dieter Matz hört auf, und eben habe ich – eher aus Ahnung – nochmals beim Arena blog rein gelinst – und siehe da: Ulrich Hetsch hat seinen Blog zum 10.12.2015 auch eingestellt. Viel Arbeit, wenig Lohn (wobei Scholle und Lars sicherlich noch vergütet werden).

    Hoffen wir, dass HL durch hält, und wenn es an Motivation etc. mal mangeln sollte, lass es uns als Deine treuen Leser bitte vorher wissen… :-)

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    1. HeLuechtHeLuecht

      Na ja, es gehört eben ein gehörige Portion Idealismus dazu, einen Blog zu betreiben, insbesondere wenn man ihn so betreibt, wie das der Herr Hetsch mit seinem – im Gegensatz zum HA privat betriebenen und nicht gepamperten – Blog auf fast täglicher Basis tut/tat.

      Es ist eben nicht immer damit getan, Allgemeinplätze vom Training oder von Spielen zu einem Blog zu machen. Gute Themen zu be- und verarbeiten, bedeuten Arbeit und Zeitaufwand und da hapert es dann schon mal.

      Totalschrott abzuliefern ist nicht mein Ding und manches landet eben auch im Chat und ja, natürlich habe auch ich mich schon gefragt, ob ich nicht etwas besseres zu tun habe. Noch ist es aber nicht so, dass mir die grundsätzliche Motivation abhanden gekommen ist. Löcher gibt es schon und da wäre es einfach schön, wenn sich weiterhin und vermehrt User mit Gastbeiträgen jedweder Couleur beteiligen würden, egal ob “Pester“, “Jubelperser“ oder wer auch immer. Es war immer die Idee des, dieses Blogs offen für unterschiedliche Meinungen und Standpunkte zu sein und diesen Raum zu geben.

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