Den Bock umstoßen!?

Winterpause, Trainingslager, Rückrundenauftakt in Augsburg. Nichts hat sich geändert, der HSV gibt nach wie vor das armselige Bild ab, welches ich im Hinrundenrückblick beschrieb. Warum sollte sich auch Gravierendes ändern?

Bei einigen Fans haben die Tage Pause und die 2 Testspiele ohne Niederlage allerdings wieder für eine gewisse Hoffnung gesorgt. Diese ist, nach dem blutleeren Auftritt in Augsburg, der nahtlos an die von Sammer kritisierte Leistung in Freiburg erinnerte, bei einigen Fans wieder gestiegen. Mehr und mehr Fans hingegen haben die Schnauze allmählich gestrichen voll und wünschen sich ein Ende des Schreckens anstatt dieses jahrelangen Schreckens ohne Ende.

Trainer Gisdol tritt nur noch auf Bewährung an (seit Bekanntwerden seiner Bettelmail an Klaus-Michael Kühne bezüglich Verstärkungen hätte er sich allerdings schon längst in der Wüste befinden müssen. All das ist hinlänglich und ausreichend ge- und beschrieben worden, ebenso wie der miserable Punkteschnitt, mangelndes Training (heute nachmittag kapitulierte man doch zwei Tage vor einem äußerst richtungsweisenden Spiel vor ein paar Schneeflocken).

Geld für Verstärkungen ist nicht mehr da. Das Wechseltheater um Walace (wie kann man auf die Idee kommen einen solchen Spieler lediglich für ein halbes Jahr zur Leihe anzubieten?). Ein Verein der propagiert auf den Nachwuchs zu setzen mit einem Coach, der inzwischen Janjicic und auch Ito enteiert hat und keinerlei Anzeichen macht eben jemanden aus dem Nachwuchs gezielt heranzuführen. Fiete Arp ist die Ausnahme, aber der MUSS spielen, da führt kein Weg dran vorbei, denn sonst ist das Juwel weg. Fiete nimmt sich aber auch gerade seine Erkältung, denn der Rummel geht eben an ihm psychisch und damit letztlich auch physisch nicht spurlos vorbei. Ähnlich verhält es sich mit den ’schwindenden Kräften‘ bei Ito. Lange verletzt!? Bullshit, das liesse sich mit entsprechendem Training schnell kompensieren, zumal Tatsuya bereits in der Regionalliga unter voller Belastung über 90 Minuten im Einsatz war. Hier haben wir es mit mentalen Dingen zu tun und auch hier ist der HSV nicht in der Lage, dieses Problem adäquat zu lösen. Nichteinsätze oder zu Zeiten, wo Ito dann das Kind aus dem Brunnen holen soll, in den es vorher durch Luschigkeit von Trainer und Mannschaft gefallen ist, reduziert eben diesen mentalen Druck nicht und sorgt eher für eine chronische Manifestierung dieser Defizite, mit der Folge, dass ein hochtalentierter Spieler, einer der wenigen, wenn nicht der Einzige weit und breit beim  HSV, der den Unterschied machen kann, verbrannt ist, bevor er richtig gezündet hat.

Bekäme beispielsweise ein ehr aus dem Offensivbereich kommender Janjicic, der durchaus über eine ansprechende Passgenauigkeit und auch Abschlußstärke verfügt einmal ähnlich viele Einsatzzeiten wie ein Gideon Jung und dürfte ähnlich viele haarsträubende und spielentscheidende Fehler machen wie ein Gideon Jung, hätten wir auch keine Diskussion um einen Kaiser, nicht einmal über einen Walace, der fußballerisch allemal die Voraussetzungen mitbringt, um dem HSV weiter zu helfen. Aber Fußball spielen ist ja nicht angesagt. Kämpfen, kratzen, beissen. Zum 25. Mal. Emotionalisieren etc pp. Diese Karte ist mehr als ausgereizt und jetzt rächt es sich mehr und mehr immer nur auf diese Karte gesetzt zu haben, anstatt es mit Spielkultur zu versuchen und hier einen konsequenten Weg zu gehen, eiert man hier hin und her, Kick and Rush, meist allerdings ohne Rush. Die Abwehr meckert über mangelnde Unterstützung der Offensive, diese mahnt mehr Unterstützung der Defensive an. Mittlerweile gänzlich unverholen – öffentlich. Währenddessen faselt die Führung etwas von Heimstärke, Antwort auf dem Platz geben, die Fans haben immer hinter uns gestanden, mit ihnen sind wir eine Macht. Blablabla.

Es ist genau diese Gemengelage, die viele daran zweifeln lässt, dass die Rothosen auch dieses Mal noch die Kurve kriegen könnten. Der gefühlte Rückstand auf das rettende Ufer oder den Relegationsplatz ist weit größer als der derzeitige Punkterückstand. Das geht mir genauso. Mir ist der Spass an der Ersten und allem, was damit zu tun hat in der letzten Zeit gründlich vergangen. Das Augsburg Spiel habe ich letztlich nur noch aus dem Augenwinkel verfolgt, ich gehe mehr und mehr auf Distanz. Ergebnis hören, Zusammenfassung sehen. Das reicht inzwischen. Der Ärger bleibt, verfliegt aber schneller.

Was dabei tragisch ist: es beginnt mein Interesse an den anderen Mannschaften ebenfalls zu beeinflussen. Hoffmann vs. Meier…Noch ein Ex, noch ein abgehalfteter Ehemaliger, der jetzt als Heilsbringer gehandelt wird und über die Hintertüt auf wundersame Weise dafür sorgen soll, dass dieser Klub auf den rechten Weg gebracht wird. Herrje, was für ein Schmarren. Selbst wenn jetzt die Chinesen kämen und Anteile bis 33,3% veräußert würden. Es ändert sich nichts solange die Meiers, Hoffmanns, Bruchhagens die Geschicke dieses Vereins vewalten und für ihre Eigeninteressen mißbrauchen.

Mein Steckenpferd, der Nachwuchs wird das zunehmen durch einschneidende Maßnahmen zu spüren bekommen. Und damit ist nicht gemeint, dass das Young Talents Magazin Live nicht mehr (so häufig) erscheint. Bisweilen ist der Nachwuchs allerdings im Spielbetrieb und auch in der Vorbereitung noch erfolgreich. Die U21 unter Christian Titz zeigt erstaunliche Frühform (2:1 gegen Neistrelitz und 6.1 gegen den Hamburger Oberligisten Teutonia 05 Ottensen), viel Spielfreude und läßt erahnen, dass hier feingeschlffen wurde und wird, dabei gleichzeitig nachrückende Nachwuchsleute Spielpraxis in einer gefestigten Truppe erhalten und sich so weitzerentwickeln. Wirklich Hoffnungen für ganz oben sind nicht dabei, auch kein Knöll, der gegen Teutonia wieder 3mal in einer Halbzeit traf. Man darf gespannt sein, wie lange Christian Titz dort noch werkeln wird.

Nach dem (bevorstehenden ) Aus von Markus Gisdol, dürfte er schon aus finanziellen Gründen der erste Kandidat sein, die Erste zu übernehmen. Er wäre gut beraten, diesen Job abzulehnen bzw. ihn nur dann anzunehmen, wenn klar definiert ist, dass man auch im Falle eines Absteiges mit ihm weiterarbeiten will und er den eventuell fälligen Neuaufbau vornehmen soll.

Aber gut, so weit ist es noch nicht. Titz und seine Jungs sind mogen früh erst einmal gegen die Zweitvertretung des BVB (11:30 h Campus) gefordert und Markus Gisdol kann seinen Kopf mit einem Sieg gegen die Kölner noch einmal aus der Schlinge ziehen. Mit einem Sieg würde man (Werder muss bei den Bayern ran) aller Voraussicht nach die direkten Abstiegsränge verlassen und mit ganz viel Spieltagsglück könnte man gar an Mainz vorbeiziehen, auf den rettenden Paltz 15. Aber da ist es schon wieder, das Glück und das Sich-Verlassen-Müssen auf andere.

Der HSV erscheint (mir) nicht in der Lage zu sein, die Dinge aus eigener Kraft zu lösen und den Bock nachhaltig umzustoßen.

P.S. Ich habe keinen Bock mehr!

7 Kommentare

  1. WORTSPIELERWORTSPIELER

    Der HSV erscheint (mir) nicht in der Lage zu sein, die Dinge aus eigener Kraft zu lösen und den Bock nachhaltig umzustoßen.

    P.S. Ich habe keinen Bock mehr!

    ich denke, der HSV hat sich ins bockshorn jagen lassen, mit gisdol ins endspiel zu gehen. wenn man sich im volkspark – und dafür braucht man keine ohren wie mr. schbock – umhört, verliert niemand mehr ein gutes wort über den übungsleiter. die heutige „null bock“-aktion, das (feld-)training abzublasen, ist eine bodenlose frechheit, aber vielleicht hat todt diese maßnahme ja bei seinem argentinien-tripp von den „bocka juniors“ mitgebracht…?! früher gab es von spahic mal ’ne bockpfeife, um aufzuwachen, aber der bockser ist ja nicht mehr… #bocksenluder

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  2. Zu gut für die Mannschaft

    „Das Augsburg Spiel habe ich letztlich nur noch aus dem Augenwinkel verfolgt, ich gehe mehr und mehr auf Distanz. Ergebnis hören, Zusammenfassung sehen. Das reicht inzwischen. Der Ärger bleibt, verfliegt aber schneller.“

    So geht es mir seit dem blutleeren Spiel in Augsburg letzte Saison (mit 4:0 damals Augsburgs höchster Heimsieg in der BL-Geschichte).

    Allerdings verstehe ich nicht, was Hoffmann allen Ernstes in der Liste mit Meier und Bruchhagen soll???

    Ich bin den 80er großer HSV-Fan geworden, in den müden 90ern hat ein ähnlicher Entfremdungsprozess eingesetzt wie jetzt. Durch leidenschaftlichen Spiele und die Erfolge in der Hoffmann-Zeit ist meine Begeisterung wieder wach geküsst worden. Die Zeit unter Hoffmann war Lichtjahre besser als unter Jarchow, Beiersdorfer, Bruchhagen, Meier und Co.

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    1. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      Ich will Hoffmann nicht mit Beiersdorfer, Jarchow oder Bruchhagen (der ist so enttäuschend, dass man sich ja schon fast wieder nach Didi sehnt) in eine Reihe stellen, was die ‚Leistungen‘ anbelangt. Ich halte grundsätzlich nichts davon Leute zu holen bzw. arbeiten zu lassen, die schon einmal da waren. Und darüberhinaus geht mir dieses Heilsbringer Getue auf den Senkel. Es steht dabei ausser Frage, dass der HSV seine erfolgreichste Zeit nach Klein-Netzer-Happel unter der Ägide Hoffmann hatte. Der Weg in die Verschuldung begann aber bereits unter ihm. Und ob er es dann letztlich anders oder besser gemacht hätte ist hypothetisch.

      Jetzt soll er aber erstmal mit seinen Matz Aber an der Seite erklären, was er denn programmatisch überhaupt vor hat.

  3. GVGV

    Ist es nicht auch aus ganz nüchterner wirtschaftlicher Sicht längst geboten, mit dieser Defizit-Spirale aufzuhören? Die Katz‘ beißt sich in den Schwanz, wo kompetentes Personal auf allen Ebenen nicht mehr finanziert werden kann, alle Handlungsspielräume sich nahe Null bewegen, und die vorhandenen Personen nicht in der Lage sind, besseres zu bewerkstelligen als bislang.
    Selbst wenn sich nochmal Investitionsspielräume ergäben – wer sollte die dann nutzen? Wiederum eben jene Reformunfähigen?
    Sie wären selbstverständlich auch damit überfordert, für sich selbst kompetentere Nachfolger zu finden und beiseite zu treten.

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    1. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      Tja, wer sollte für kompetenter Personal, welches ja nicht unbedingt teurer sein muss, sorgen?
      Außer Bernhard Peters fällt mir niemand ein, der mutig genug wäre sich mit stärkeren Leuten zu umgeben, der leistungsorientiert denkt und handelt und die –
      nach wie vor mangelnde Leistungsmentalität beim HSV immer wieder beklagt.

      Der HSV wird nicht umhinkommen, vom Deficit Spending Abstand zu nehmen. Konsequenterweise bedeutete dies einen Weg zu gehen mit jungen Spielern, die hier ausgebildet und verbessert werden und dabei einen Abstieg in Kauf zu nehmen. Die Situation annehmen, dass man eben kein großer Verein mehr ist, sondern lediglich einer mit zu vielen und zu gut bezahlten Leuten. Wir sind auf Augenhöhe mit Freiburg und wenn es so weiter geht können wir zu den Störchen hochblicken.

      Die Lage ist trostlos und sie erscheint zunehmend ausweg- und hoffnungslos.

      Es darf weitergewurschtelt werden.

  4. ky

    HL, dass Du keinen Bock mehr hast, ist völlig verständlich.
    Schön, dass Du trotzdem nochmals einen Blog aufgesetzt hast, dem nichts hinzuzufügen ist.

    Ich habe es ja in der „Rautenperle“ geschrieben, ich kenne Bernd Hoffmann aus persönlicher Zusammenarbeit anno 1989. Kein angenehmer Zeitgenosse, aber einer mit Plan und dem Mut, diesen Plan umzusetzen.

    Er ist eben leider der einzige Gegenkandidat zu Beamten-Meier, und von den beiden bei Weitem das „geringere Übel“.
    Leider ist der Verein so durchsetzt mit SC-lern, Hunke-Treuen und anderen Selbstbedienern, dass das am 18.2. wohl in einer Bestätigung von dem schlimmsten Präsidenten aller Zeiten ausgehen wird.

    Nur eine Plan-Insolvenz kann ggf. das Fegefeuer sein, diese Parasiten auszurotten.

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    1. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      Na ja, es wird ja weiterhin Blogs geben, so ist es ja nicht. Ich bin es nur leid, permanent dasselbe zu schreiben oder jeden hahnebüchenen Blödsinn, den die ‚Führung‘ von sich gibt zu sezieren. Das tun andere schon und das recht erfolgreich.

      Ob Hoffmann als quasi letzte Patrone kommen wird, hängt doch von Euch ab. Die Seilschaft, die am meisten Mitglieder in den Luruper Kuppelbau schicken kann, wird letztlich das Rennen machen. Und dann? Die Seilschaften werden bleiben und glaube mir, das wird auch in der 4. Liga nicht anders werden.

      Ein Verschwinden in der Versenkung böte lediglich Möglichkeiten für einen Retortenklub, der mittelfristig dann doch noch erstklassigen Fußball in ‚der schönsten Stadt der Welt‘ präsentieren könnte, der der Spitzensport ansonsten allerdings gewaltig am Allerwertesten vorbei geht.

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