Den Dummen bestraft das Leben!

Eine Aussage, die beim HSV so eigentlich nicht zutrifft. Schaut man sich an, wer in den letzten Jahren so alles den Parkplatz am Volksparkstadion mit einem Koffer voller Geld verlassen hat, dann träfe der Spruch: “ Der dümmste Bauer erntet die dicksten Katoffeln!“ wohl eher zu.

Heute in Bielefeld war das aber alles ganz anders. Da kam der Hamburger SV schwungvoll aus der Kabine, diktierte das Spiel und hatte bereits in der 3. Minute eine vielversprechende Chance, die Khaled Narey – wie zuletzt häufiger – eher kläglich vergab.

Und dann die 12. Minute, Mangala ist zu spät dran, Jung verschätzt sich, Sakai verschläft die Situation, aus einem guten Meter Vorprung wird gegen Andreas Vogelsammer schnell ein Rückstand, Sakai versucht zu zupfen und kreuzt dann, Vogelsammer kommt zu Fall. Dazu der Kommentar von hsv.tv „Und dann der lange Ball. Sakai nicht schnell genug und die Notbremse…“

Notbremse, letzter Mann, rote Karte. Klare Sache und damit hopp.

Dummheit muss bestraft werden und diese Aktion eines erfahrenen Bundesligaspielers, eines ehemaligen Nationalspielers bei einem 0:0 nach gut 10 Minuten muss einfach als saudumm bezeichnet werden. Wenn das einem unerfahrenen U17 Spieler passiert gut. Den Mann lasse ich in so einer Konstellation laufen, dann ist immer noch eine 50:50 Chance, dass der Torwart den Ball parieren kann oder Vogelsammer den Ball an die Hoheluftchaussee donnert. Und wenn der Ball drin ist, dann habe ich noch 80 Minuten um in aller Ruhe mein Spiel aufzuziehen, den Ausgleich und den Siegtreffer zu erzielen.

Hannes Wolf bezeichnete diese Szene nach dem Spiel als Knackpunkt und das war sie dann auch. Auch wenn Hannes Wolf positiv vermerkte, dass man sich nach dem Platzverweis nicht volständig aufgelöst präsentierte („…wir sind dann aber auch nicht vollkommen aufgegangen.“) ist eben genau das unmittelbar im Anschluß an den Platzverweis passiert. Man versuchte mit 10 Mann munter so weiter zu spielen wie bisher, anstatt sich zunächst einmal in der neuen Konstellation zu finden und das Hauptaugenmerk auf die Defensive zu richten. Dadurch bekamen die Arminen erst ihr Oberwasser, welches sie in der Folge zu nutzen wussten.

Hier zeigt sich dann letztlich, dass die Truppe trotz einer recht komfortablen Tabellenführung weit davon entfernt ist, souverän und abgeklärt agieren zu können. Es zeigt sich, dass die Mannschaft eben nicht über Führungsspieler verfügt, die in solchen Situation kühlen Kopf bewahren und eine junge Truppe führen können. Einer, der das vom Alter und seiner Erfahrung her können sollte, hatte die Situation durch seine Unfähigkeit ja gerade erst heraufbeschworen. Ein Jung kann diese Rolle nicht einnehmen. Er kann es grundsätzlich nicht, nicht nur noch nicht, weil er aus einer langen Verletzung kommt, sondern weil ihm dazu schlicht die Qualität fehlt. Jung ist dort gut, wo er gute Nebenspieler hat, wie zum Beispiel in der U21 Nationalmannschaft. Auch Lewis Holtby ist nicht in der Lage, die Truppe in den entscheidenden Momenten zu beruhigen und zu dirigieren. Es ist weit und breit niemand in Sicht, der das kann und aus sich selbst heraus bekommt diese Truppe das nicht hin. Kein Vorwurf, lediglich eine Feststellung.

Der HSV hatte Bielefeld letztlich in der ersten Hälfte nichts mehr entgegen zu setzen. Die Tore fielen quasi zwangsläufig und letztlich auch selbst verschuldet. Wenngleich wir nicht darüber diskutieren müssen, dass das Bein zu hoch war, der Treffer zum 1:0 nicht hätte zählen dürfen. In diesem Zusammenhang dann allerdangs von Hoyzer zu fabulieren ist einfach nur schwachsinnig, genau wie das ‚Mimimi‘ über die Art der Zweikampfführung der Bielefelder, was mich fatal an das ‚Mimimi‘ der Kölner Fans nach der Niederlage bei Union erinnert und – viel schlimmer – an jenes von Kölns Trainer Anfang.

Der HSV ist schlicht und ergreifend wieder einmal nicht richtig in die Zweikämpfe gekommen. Die Bielefelder Lufthoheit war in der ersten Hälfte frappierend (15 zu 3). Vieles erinnerte an die Partie gegen Kiel. Diese Erkenntnis sollten wir aus dem Spiel mitnehmen. Diese Mannschaft ist individuell eben nicht so gut besetzt, dass sie auf die in der 2. Liga geforderten Primärtugenden verzichten kann. Als Spitzenteam muss ich zudem in der Lage sein, Ausfälle und Fehlentscheidungen mit einer gewissen Souveränität hinzunehmen und diese zu kompensieren.

Gott sei Dank gelingt dies immerhin Hannes Wolf noch. „Dann gibt es im Fußball Momente, die alles verändern. Den hatten wir heute mit der berechtigten roten Karte. So etwas passiert.“

Ja, es gibt diese Momente, wo Dummheit bestraft wird und Murphy’s Law dafür sorgt, dass es auch dabei bleibt.

Mundabputzen weiter machen, denn am Ende, das wissen wir doch, ernten die dümmsten Bauern die dicksten Kartoffeln. Wir sind doch der HSV!

6 Kommentare

  1. WORTSPIELERWORTSPIELER

    Dummheit muss bestraft werden und diese Aktion eines erfahrenen Bundesligaspielers, eines ehemaligen Nationalspielers bei einem 0:0 nach gut 10 Minuten muss einfach als saudumm bezeichnet werden. Wenn das einem unerfahrenen U17 Spieler passiert gut. Den Mann lasse ich in so einer Konstellation laufen, dann ist immer noch eine 50:50 Chance, dass der Torwart den Ball parieren kann oder Vogelsammer den Ball an die Hoheluftchaussee donnert. Und wenn der Ball drin ist, dann habe ich noch 80 Minuten um in aller Ruhe mein Spiel aufzuziehen, den Ausgleich und den Siegtreffer zu erzielen.

    das ist mumpitz. den spieler lasse ich weder in der 10. noch in der 80. minute beim stand von 0:0 laufen. dass sakai hier geschlafen hat und den fehler hätte ausbügeln können, mag ich ja noch einsehen, aber die szene ist doch so schnell, dass es auch keine rationale entscheidung war/ist, ob sakai jetzt foult oder nicht…! aber hier von „darf einem nationalspieler nicht passieren“ zu schreiben, ist aberwitzig.

    btw: vielleicht hat die liga mit dem heutigen spiel nun (endlich) begriffen, wie man dem „großen HSV“ beikommen kann, indem man „ekelig“ spielt und nicht in ehrfrucht erstarrt…!? es warten noch schwere auswärtshürden bis zum urlaub auf balkonien…

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  2. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

    Genau, und deswegen gibt es auch immer wieder die Rufe ‚Kein Foul, kein Foul‘ weil das Spiel so schnell ist, dass die Spieler gar nicht mehr entscheiden können was sie tun.

    Es mag ja sein, dass es bei dir die Traineranweisung gibt, einen Spieler auch in der 10. Minute lieber umzuholzen als ihn frei auf den Torwart zulaufen zu lassen, aber ehrlich gesagt kann ich mir das nicht vorstellen. Du ziehst normalerweise doch auch intelligentere Lösungen vor.

    Über die mangelnde Handlungs- und physische Schnelligkeit von Sakai brauchen wir hier ja nicht zu diskutieren.

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    1. WORTSPIELERWORTSPIELER

      ich bleibe dabei, dass die kritik un die begründung – in diesem fall – vollkommen überzogen ist und auch der zeitpunkt der „tat“ erst recht keine argumentationshilfe sein darf. und auch der nimbus nationalspieler oder nicht ist imho keine gute beweisführung.

      „kein foul“ als ansage kommt ja vor allem dann, wenn man „doppelt“, um die überzahl zu nutzen. in dieser situation hat poller das ganz sicher nicht gerufen…

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  3. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

    „Ich hatte gehofft, dass er ihn laufen lässt und Pollersbeck dann hält“, gestand Wolf nach dem Spiel.

    https://www.abendblatt.de/sport/fussball/hsv/article216352593/HSV-Bielefeld-Arminia-0-2-Rot-Sakai-Yabo-Voglsammer.html

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    1. WORTSPIELERWORTSPIELER

      ich habe in vielen punkten eine andere meinung als wolf. und „hoffen“ ist so oder so kein guter ratgeber…

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  4. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

    Deine Meinung sei dir gegönnt und unbelassen, auch wenn sie ‚Mumpitz‘ ist. 😉

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