Der Abstiegskampf in der Regionalliga Nord

Es war ein 6-Punkte Spiel, dieses kleine Derby am Freitag Abend an der Hoheluft in der Regionalliga Nord bei der U23 des FC St. Pauli. Am Ende standen die Rothöschen mit leeren Händen da.

Das Schicksal war bereits nach 11 Minuten besiegelt. Zwei stümperhafte Abwehrfehler brachten St. Pauli durch Tore von Deichmann und Schneider früh mit 2:0 in Führung, die übrigens schon zu diesem Zeitpunkt hätte höher ausfallen können. Nach dem desolaten Start konnten sich die HSVer zwar ein wenig berappeln, allerdings kontrollierte St. Pauli in der Folge das Spiel und musste lediglich in der Schlussphase noch den Anschlußtreffer durch Philipp Müller hinnehmen.

Ein sichtlich konsternierter Soner Uysal musste nach dem Spiel zugeben, dass man “die ersten zehn Minuten komplett verpennt” habe. „Die restlichen 80 Minuten kann ich meiner Mannschaft nur Komplimente machen. Wir haben genügend Chancen gehabt, um den Anschlusstreffer und danach das zweite Tor zu erzielen” resümierte Uysal die Partie und ließ dabei die zahlreichen Konterchancen der Paulianer in der zweiten Hälfte komplett ausser Acht.

Durch die Niederlage ist die HSV U23 auf Rang 15 abgerutscht. Nach dem derzeitigen Stand der Dinge ist dies ein Abstiegsplatz, da Werder II die 3. Liga wohl nicht halten kann und nach nur einem Jahr wieder den Gang in die Niederungen antreten werden muß. Der FC St. Pauli hat sich hingegen ein wenig Luft verschafft, ebenso wie der Lüneburger SK Hansa mit seinem Sieg gegen Cloppenburg, muss sich allerdings aufgrund des schlechten Torverhältnisses nach wie vor sorgen.

Bei der U23 des Hamburger SV setzt man vor allem im Umfeld auf das Nachholspiel beim TSV Schilksee, der als Tabellenletzter mit lediglich 4 Unentschieden in der bisherigen Saison bereits als Absteiger feststeht. Diese Hoffnung könnte trügen, wie bereits das Hinspiel zeigte, in dem der HSV über ein müdes 1:1 nicht hinauskam.
Entsprechend gewarnt gibt sich Trainer Uysal dann auch, wenn er feststellt: „Wenn man auf die Ergebnisse von Schilksee schaut, wird das sicher kein Selbstläufer. Für mich sind das ganz ganz schwierige Spiele“.

Die (schiefe) Tabelle zeigt, dass sich sämtliche Teams ab Platz 11 derzeit noch in der Verlosung befinden und absteigen können und zwar direkt, unabhängig vom sportlichen Abschneiden von Werders U23. Die Lübecker, die derzeit den 11. Rang einnehmen trennen lediglich 4 Punkte vom Tabellensechzehnten Goslar.

Mit Blick auf die Restprogramme der abstiegsbedrohten Mannschaften lässt sich feststellen, dass Hannover 96 das vermeintlich einfachste Programm mit Spielen gegen die feststehenden Absteiger Cloppenburg und Schilksee hat und sich am ehesten befreien könnte. Hier könnte die Partie gegen den FC St. Pauli zu einer Schlüsselpartie werden. Ebenso für die Kiezkicker, die es ansonsten mit keinem direkten Konkurrenten mehr zu tun bekommen.

11. VfB Lübeck (29 Spiele, 36 Punkte, 43:44 Tore)

  • Eintracht Norderstedt (A)
  • Hamburger SV U23 (H)
  • SV Meppen (A)
  • VfV Hildesheim (H)
  • Eintracht Braunschweig U23 (H)

12. Lüneburger SK Hansa (30 Spiele, 36 Punkte, 44:48 Tore)

  • ETSV Weiche Flensburg (A)
  • SpVgg Drochtersen/Assel (H)
  • Eintracht Norderstedt (A)
  • Hamburger SV U23(H)

13. FC St. Pauli U23 (30 Spiele, 36 Punkte, 39:51 Tore)

  • SV Meppen (A)
  • Eintracht Braunschweig U23 (H)
  • Hannover 96 U23 (A)
  • TSV Havelse (H)

14. Hannover 96 U23 (28 Spiele, 34 Punkte, 37:36 Tore)

  • VfV Hildesheim (A)
  • BV Cloppenburg (H)
  • TSV Havelse (A)
  • TSV Schilksee (H)
  • FC St. Pauli U23 (H)
  • BSV Rehden (A)

15. Hamburger SV U23 (29 Spiele, 33 Punkte, 36:43 Tore)

  • BSV Rehden (H)
  • TSV Schilksee (A)
  • VfB Lübeck (A)
  • VfB Oldenburg (H)
  • Lüneburger SK (A)

16. Goslarer SC (30 Spiele, 32 Punkte, 34:51 Tore)

  • BV Cloppenburg (A)
  • ETSV Weiche Flensburg (H)
  • SpVgg Drochtersen/Assel (A)
  • Eintracht Norderstedt (H)

Der HSV spielt noch gegen zwei direkte Konkurrenten (Lübeck und Lüneburg), wobei es am letzten Spieltag in Lüneburg zu einem wahrend Endspiel um den Klassenerhalt kommen könnte. Das Problem der Hamburger sind allerdings die vielen Remis. Es ist zwar schön nicht zu verlieren aber punktetchnisch bringt das unterm Stricht nichts, zumindest nicht genug, denn die anderen Teams schaffen es zwischendurch immer wieder mal einen Dreier einzufahren.

Es bleibt also spannend und wer weiß, vielleicht kann man sich ganz am Ende der Saison dann ja beim VfB Oldenburg oder wahrscheinlicher bei der U23 von Wolfsburg bedanken, wenn ihnen der Aufstieg in den Entscheidungsspielen gegen den Vertreter der Regionalliga Bayern (voraussichtlich Jahn Regensburg) gelingen sollte.

Soner Uysal jedenfalls gab sich nach der Derbyniederlage kämpferisch und moderat optimistisch – obwohl er noch vor kurzem immer wieder die ein bis zwei Totalausfälle im Spiel seiner Mannen ausgemacht hatte: „Wenn die Art und Weise eine andere gewesen wäre, hätte ich kein gutes Gefühl.“ Nun, wir werden sehen. Immerhin hat die Truppe bisher dahingehend Moral gezeigt, dass sie nach Rückständen und Niederlagen wieder zurückgekommen ist. Hoffen wir, das dies zum Saisonfinale ebenfalls der Fall sein wird.


derby_fcsp-hsv

Das Spiel im Stenogramm:

FCSP U23
Brodersen – Startsev, Eden, Keller, Nadjem – Kurt, Deichmann – Park, Rosin (73. Mickels), Litka (85. Conteh) – Schneider (87. Empen)
Cheftrainer: Remigius Elert

HSV U23
Mickel – Jordan, Kim (46. Porath), Oschkenat (77. Carolus), Seo (55. Brand) – Daouri, Haut, Arslan – Cigerci, Charrier, Müller
Cheftrainer: Soner Uysal

Tore: 1:0 Deichmann (3.), 2:0 Schneider (11.), 2:1 Müller (82.)

1 Kommentar

  1. der Coach

    “Komplimente machen”. Da ist er ja von der Formulierung schon wie der Bruno. Ich kann es nicht mehr hören. 2:1 verloren, tief im Abstiegskampf, aber “Komplimente machen”…

    Antworten

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