Der (etwas andere) Wochenrückblick No. 22

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Die Liga ist gehalten. Die T-Shirts an den Mann gebracht. Die Dauerkartenpreise erhöht. Die Talente weg. Die letzte angebliche Identifikationsfigur ebenfalls. Viele “alte” Kämpen sind noch im standby mode und hoffen auf Anschlussverträge. Die Trainerfrage bei den U-Mannschaften ist noch nicht geklärt. Ex-Knackis sind beim Stadtteilklub besser aufgehoben als beim HSV. Die Etatkosten müssen gesenkt werden. Demirbay will nicht zurück. Mehmedi soll dem HSV sein wort gegeben haben und für Tuchel war der HSV ein Nummer zu groß.

Und schwupps, fertig ist der Wochenrückblick!


Zu jedem dieser einzelnen Punkte liessen sich Bände füllen. Ich spare mir das lieber (auf).

+ + + Der HSV und seine Talente

Thore Jacobsen wechselt zu Werder Bremen. Das steht seit längerem fest. Melvin Krol nun auch. Das bermutete BILd schon vor Wochen. Krol und Jacobsen waren seit 2008 bei den Rothosen. Künftig schlägt ihr Herz für Grün-Weiß.

Nun ist es an sich nichts Ungewöhnliches, dass Spieler kommen und gehen. dahingehen, wo es mehr Geld gibt oder besere sportliche Perspektiven locken. Während sich in anderen Vereinen allerdings hin und wieder zumindest mal eigene Top-Talente durchsetzen, sucht man beim Hamburger SV vergeblich danach.

Jacobsen hat gesagt, er sähe hier keine Perspektive, weil der HSV auf seiner Position personell stark besetzt ist. Ausserdem hat man ihn wohl auch während seiner Verletzung nicht hinreichend unterstützt. Die Perspektive bei Bremen ist jetzt nach dem Aufstieg der U23 in die 3. Liga natürlich noch deutlich besser geworden als zum Zeitpunkt der Bekanntgabe seines Wechsels.
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Und Krol hat mann ja beim letzten Heimspiel schon mit Blumen verabschiedet. Er hat wohl vom HSV lediglich ein Angebot bekommen, dass so formuliert war, dass es nur abgelehnt werden konnte. Werder Bremen ist bekanntlich auch nicht auf Rosen gebettet und kann nicht mit allzu üppigen finanziellen Anreizen locken. Also geht es um andere Dinge: Wertschätzung, Umgang miteinander und sportliche (Entwicklungs)Perspektiven.

Bei den Bremern gibt es traditionell eine nachweislich gute Jugendarbeit. Spieler werden dort entwickelt und besser. Es gibt eine Durchlässigkeit von unten nach oben, die es beim HSV – wenn überhaupt – lediglich in der Ära Zinnbauer andeutungsweise zu erfahren gab.

“Wir haben bei jungen Spielern gute Chancen, weil sie sehen, dass sie bei uns auch in der Bundesliga eine Chance bekommen. In vielen Klubs spielt die U23 keine Rolle und liegt weit vom Profi-Bereich entfernt. Bei uns stimmt die Vernetzung. Warum sollten sie zu Wolfsburg oder Leverkusen wechseln, da spielen sie eh nicht.Bei Werder wird nicht nur etwas versprochen, hier wird es auch gehalten.” fasst Thomas Eichin das Erfolgsrezept der Bremer zusammen, der nach dem Aufstieg der Zweitvertretung in die 3. Liga nun garantiert bei den jungen Talenten mit Profifußball locken kann.

Beim HSV hat man diese “historische Chance” ja leichtfertig vergeben in der abgelaufenen Saison und leider auch sämtliche möglichen Entwicklungen blockiert, in dem man einzig und allein auf Thomas Tuchel und seine Ideen setzte, der inzwischen zugab, dass er ob dieses Anforderungsprofils Angst hatte an Hamburg zu scheitern und nicht zuletzt deshalb den BVB vorzog.

Nun hat man beim HSV ein weiteres Jahr verloren und der Rückstand auf die Top-Klubs ist noch größer geworden, ohne das ein Fahrplan und Maßnahmenkatalog vorliegen würde, wie man sich künftig positionieren will, um diesen Rückstand in absehbarer Zeit wettzumachen und zu einer wirklich attraktiven Adresse im Bereich der Jugend- und Nachwuchsarbeit im Norden Deutschlands zu werden.

Ein weiteres Hamburger Talent verlässt den Hamburger SV und geht nach Frankfurt. Den beidfüßige Innenverteidiger und gebürtigen Berliner Niklas Thiel zieht es aus der Hamburger U17 in die U19 von Eintracht Frankfurt.


Ein anderes Hamburger Talent hält hingegen gerade die Fahne für den Hamburger SV auf der anderen Seite des Globus hoch. Der 20jährige defensive Mittelfeldspieler Matti Steinmann, in dieser Saison unter Joe Zinnbauer zu seinem Bundesligadebüt gekommen (4 Minuten gegen Bayern München), zählt unter Frank Wormuth, dem Chefausbilder des DFB und Coach der U20 Nationalelf zum Stammkader bei der WM in Neuseeland.

In den ersten beiden Partien der Gruppenphase (8:1 gegen Fidschi am 1.6.2015 und 3:0 gegen Usbekistan am 4.6.2015) spielte Steinmann komplett durch. Im letzten Gruppenspiel gegen Honduras (5:1) musste er allerdings dem aufgrund der Relegationsspiele gegen Holstein Kiel erst später zugereisten 1860er Julian Weigl Platz machen.

Die U20 hat sich als Gruppensieger souverän für das Achtelfinale qualifiziert, wo sie am Donnerstag auf die Vertretung von Nigeria treffen wird. Die bisherige Bilanz beider Teams: je 1 Sieg auf beiden Seiten. Es könnten also weitere Einsatzzeiten für Matti Steinmann hinzukommen, der es bisher auf 3 Einsätze bei der deutschen U20 brachte.

Und noch ein junger Hamburger wurde für eine Nationalelf berufen. Kerim Demirbay, der Rückkehrer (?) aus Kaiserslautern wurde von Horst Hrubesch für die U21 EM berufen.

+ + + Kader und Kaderplanung

Saisonende. Urlaub. Pause. Fußballlose Zeit. Das ist auch die Zeit der Wechsel und der Spekulationen, an denen ich mich zu diesem Zeitpunkt, an dieser Stelle nicht beteiligen möchte.

Zur allgemeinen Orientierung aber mal ein kleiner Überblick, darüber wer weggeht, weg soll und nach derzeitigem Stand der Dinge noch da wäre. Erklärtes Ziel ist ja, den Kader auf 24 Lizenzspieler zu reduzieren.

VdV
Jansen
Ilicevic
Kacar
Westermann
Rajkovic
Green
Cigerci Regionalliga-Kader
Mende Regionalliga-Kader
Maros Regionalliga-Kader
Sobiech St.Pauli ?!
Beister soll weg
Zoua soll auch nicht wieder zurück
Behrami soll weg
Rudnevs soll weg

1. Adler
2. Drobny
3. Brunst (Local Player HSV)
4. Diekmeier
5. Djourou
6. Cléber
7. Ostrzolek
8. Diaz
9. Jiracek
10. Holtby
11. Stieber
12. N.Müller
13. Lasogga
14. Olic
15. Götz (Local Player HSV)
16. Steinmann (Local Player HSV)
17. Gouaida
18. Jung
19. Tah (Local Player HSV) wenn der Spieler denn will
20. Demirbay wenn der Spieler denn will
21. Philipp Müller (Local Player HSV)

Von den 24 Spielern müssen 4 als vom HSV ausgebildete Local Player im Kader stehen. das ist von der DFL vorgeschrieben. Dabei ist es unerheblich, ob sie dann auch in der 1. Bundesliga eingesetzt werden. Sie haben aber einen Anspruch auf Teilnahme am Training der Lizenzspieler.

Ob man den Kader nun nur aus Kostengründen oder aber auch aus Trainingsgründen verkleinern will bzw. muss sei dahingestellt. Es wird in jedem Fall nicht einfach mit den Transfers und einen Beister, Zoua, Rudnevs und Behrami muss man auch erst einmal unterbringen damit der Etat entlastet bzw. Gelder für eventuelle Verpflichtungen generiert werden können. Es bleibt also spannend – voraussichtlich bis Ende August, mit dem “Schnäppchenjäger” Beiersdorfer.


+ + + und sonst so?

Sonst? Gehen Glückwünsche nach Schilksee. Der mit einigen Ex-Störchen angetretene TSV Schilksee unterlag zwar im letzten Aufstiegsspiel mit 3:2 in Hildesheim konnte sich aber dennoch aufgrund der mehr erzielten Tore zusammen mit Borussia 06 Hildesheim qualifizieren. Das Nachsehen hatte wieder einmal der Bremer SV. (Hildesheim 3 Punkte/4:4 Tore), Schilksee 3 Punkte/4:4 Tore) und Borussia 06 Bremen 3 Punkte/3:3 Tore)

Sonst? Ist eben keine fußballlose Zeit, denn es geht rund. Rund mit den Mädels von Silvia Neid bei der Frauen WM in Canada, wo heute Abend das Auftaktspiel der deutschen Mannschaft gegen die Elfenbeinküste ansteht. Trainingsimpression aus dem Camp der Ivorerinnen versprechen in der Tat eine runde Sache. Um 22 Uhr geht’s los. Ich schau mal und drücke natürlich die Daumen.

Euch allen eine schöne Woche!

4 Kommentare

  1. Stefan

    Moin! Vielen Dank für diesen Blog. Ich freue mich immer über die Infos des “Nachwuchs”, da man davon sonst nicht wirklich etwas mitbekommt. Weiter so! Gruß Stefan

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  2. claus1955

    Jo. wenn die Talente wo anders ihr Glück suchen, dann stimmt was nicht im Laden. Es bleibt abzuwarten, ob sich dahingehend in Zukunft etwas ändert, denn günstiger kann man keine Spieler “einkaufen”, dazu kennen diese jungn Menschen bereits den Verein und tummeln sich ja auch meistens über einenen längeren Zeitraum in selbigem.

    Allerdings sind die Perspektiven für die Eigengewächse in Bezug auf eine permanent Einsätze, bzw, das “Herangeführt werden” in einer ums Leben kämpfenden Profitruppe ja auch eher gering…

    Bei der Kaderumstellung der Profimannschaft bin ich etwas zwiegespalten, denn da kommt ja auch immer der kaufmännishce Aspekt bei mir durch. Daher halte ich es nicht per se für falsch, den einen oder anderen der Vertraglosen zu günstigeren Konditionen zu halten, ansonsten hat man keinerlei Einnahmen bei den Spielern, die man immerhin mal für viel Geld geholt hat.
    Angesichts der klammen Kassen wären daher leistungsbezogene Gehälter mit Option und ein Verkauf zu einem späteren Zeitpunkt imho die bessere Variante, so die Spieler sich damit anfreunden könnten.

    Man kann nicht immer wieder Geld ausgeben, ohne auch mal frisches Geld durch Abgabe zu generieren, sonst türmen sich die Schulden weiter auf, allein mit Einsparungen bei den Gehältern wird es auf lange sicht wohl nicht gut gehen und immer beim schweizer Grantler um Geld zu betteln, kann es ja auch nicht sein.

    Wer weiß, vielleicht packen die Ilicevics & Co. es ja in der kommenden Saison besser. Es ist ja auch im täglichen Brerufsleben so, wenn die Firma läuft und das Betriebsklima gut ist, die Leistung anerkannt wird, dann geht mit mit Freude zur Arbeit und ist motiviert, selbst wenn man mal kleinere Wehwehchen hat, ist es anders und man schleppt sich morgens mit Widerwillen dahin, dann sieht es halt anders aus…

    Unterm Strich ist es aber eh geal, was wir als Fans meinen, entschieden wird das ohnehin an anderer Stelle und uns bleibt nur, abwarten und Tee trinken… ;)

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  3. ky

    Lieber HL,

    erneut eine sehr schöner, umfassender und ganzheitlicher Lagebericht. HIER wird man informiert, mit Fakten, Fakten, Fakten.
    Eigentlich müsstest Du vom HSV langsam mal Geld bekommen, insbesondere für die Berichterstattung der weniger im Fokus liegenden – aber für den strategischen eigenen Nachwuchs so wichtigen – U-Spieler/Mannschaften.
    GLG, ky

    Antworten
    1. cool downcool down

      Moin Ky,
      da kann ich nur zustimmen bzgl. HeLuecht´s Qualitätsarbeit – Daumen ganz weit hoch, prima formuliert.

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