Der (etwas andere) Wochenrückblick – No. 8

Nach dem fast gelungenen Sieg gegen Borussia Mönchengladbach und den 2 verschenkten Punkten zum Schluss, die ich persönlich in erster Linie der mangelnden Entschlusskraft von Johan Djourou ankreide, sollte unter der Woche der Aufwärtstrend nach dem Bayern 0:8 weiter fortgesetzt werden.

Dazu wurde die ganze Woche über verstärkt an den Basics gearbeitet. Verschieben und Umschalten auf Angriff stand auf dem Trainingsprogramm, wovon ich mich unter der Woche selber vergewissern wollte und konnte (siehe Trainingsbericht).

Dieser Tatsache habe ich wohl auch die relativ exklusive Meinung zu verdanken, dass ich das Spiel gegen die Frankfurter Eintracht über lange Strecken als ein von Seiten des HSV durchaus gut geführtes betrachten konnte. Ich hatte das Spiel aus der Perspektive der Trainingsvorgaben betrachtet und wollte sehen, was von dem, was im Training probiert wurde, im Spiel umgesetzt werden konnte. Und das war eine ganze Menge, was man besonders in der Anfangsphase, den ersten 10 Minuten des Spiels sehen konnte. Das schnelle Umschalten, die Art und Weise wie die Angriffe vorgetragen wurden entsprach haargenau den Vorgaben, die im Training gemacht wurden, nur dass es im Spiel in dieser Phase wesentlich besser umgesetzt wurde als in dem Training, welches ich gesehen habe.

Nach dem durch Djourous Ungeschicktheit provozierten Elfmeter, kamen die Frankfurter allerdings besser ins Spiel, standen danach wesentlich kompakter so dass letztlich die ebenfalls im Training geübten und beabsichtigten langen Abschläge zum Tragen kamen. Ziel war es hierbei ganz klar, die zweiten Bälle zu gewinnen und schnell nach vorne in die Box zu spielen. Dies gelang allerdings lediglich in begrenztem Masse.

Nach dem wunderschön durch Gouaida und Müller vorbereiteten Ausgleich durch Stieber, kamen die Hamburger auch weit weniger verschlafen aus der Halbzeitpause als in den vorangegangenen Partien. Den Treffer zum 2:1 muss man Petr Jiracek ankreiden. Es ist dabei nicht die Tatsache zu kritisieren, dass er den Ball zurückköpfte, sondern, dass er den Ball auf Diekmeier köpfte, der im gesamten Spiel eher selbstdarstellerisch mit Lamentieren beschäftigt war und infolgedessen nie im Spiel geistesanwesend war. So ist auch zu erklären, dass er sich noch langsam als ansonsten der Holländer van der Vaart über den Platz bewegte um den Ball von Jiracek zu erreichen.

Der nächste Knackpunkt war der unnötige Platzverweis von Ostrzolek, der zweimal innerhalb einer Viertelstunde meinte Eishockey zu spielen und mit Bodychecks seinen Gegner beeindrucken zu müssen.

Trotz dieser Fehler und Schwächungen hätte der HSV einen Punkt aus Frankfurt entführen können, ja müssen. Maximilian Beister hatte den Ausgleich auf dem Fuß und niemand weiß besser als er, dass er den hätte machen müssen.

So bleibt unterm Strich für mich eine engagierte Leistung, die aufgrund einer Reihe von Eigenfehlern, die nicht dem Trainer anzulasten sind, nicht mit Punkten belohnt wurde, aber berechtigte Hoffnung macht, den Klassenerhalt sichern zu können.


+ + + Immer, wenn ich breit bin, werde ich spitz!

16 Tore in 63 Spielen hat er erzielt, der vierfache Nationalspieler. Mit Ernst Happel Karten gekloppt und um die Wette geraucht, die Schieds- und Linienrichter peböbelt, seinen Manager als „Arsch“ bezeichnet. Ein Mensch immer zwischen Genie und Wahnsinn, nicht nur auf dem Platz.

Für Wolfram hat es sich ausgespitzt.

Für Wolfram hat es sich ausgespitzt.

Er hat die Geister gesucht, von denen er oft genug völlig verlassen war und Himbeergeist und Weingeist gefunden. Der Alkohol hat ihn zuletzt zu dem gemacht, was er war – ein Wrack. Ein mit Leberzirrhose im Koma liegendes Wrack, welches an diesem Wochenende endlich durch multiples Organversagen erlöst wurde.

Spiritualität statt Sprit. Das wäre eine Möglichkeit gewesen. Er zog den Sprit vor, denn „immer, wenn ich breit bin, werde ich spitz“ war ihm zeitlebens wichtiger.
Wolfram Wuttcke, einer, der „nicht alle Latten am Zaun“, nicht „alle Tassen im Schrank“ hatte…

Ich habe ihn trotzdem immer gerne gesehen und ihn auf seine Art gemocht. Möge er dort, wo er jetzt ist, seinen Frieden finden. Jenen Frieden, den der Fußball und diese Welt ihm nicht geben konnte. Ich trauere um einen Leidensgenossen, der es nicht geschafft hat und mit 53 Jahren elendig ins Gras biss, weil er es so wollte.

R.I.P. Wolfram Wuttcke und danke für unvergleichliche, unvergessliche Momente!!!


+ + + Immer, wenn ich fit bin, bin ich gleich kaputt!

36 Ligaeinsätze in 4 Spielzeiten. Das ist nicht viel. Selten mal mehrere Spiele am Stück eingesetzt und einsatzfähig, hatte sich Slobodan Rajkovic gerade wieder zurückgekämpft. 5 Mal Startelf in der Rückrunde. 4 Mal über die volle Distanz durchgespielt.

Im 5. Spiel dann wieder Endstation. Aus, Feierabend! 10 Minuten vor Schluss der Partie musste Slobodan Rajkovic das Feld verlassen. Dieses Mal spielte das rechte Knie nicht mehr mit.
Vermutet wird eine Kapselverletzung. Mindestens 4 Wochen Pause für den Serben, dessen Verletzungshistorie sich inzwischen wie eine Seuchenliste liest.

Vergeht ihm jetzt das Lachen?

Vergeht ihm jetzt das Lachen?

Für den Serben steht zu befürchten, dass sich das Kapitel HSV am Saisonende erledigt hat, ausgerechnet jetzt, wo er sich zurückgekämpft hatte und auf einem wirklich guten Weg war, das Hamburger Spiel zu stabilisieren und positiv zu beleben.

Ich kann nicht umhin zu sagen, dass ich mit ihm mit leide. Ich hoffe, er hat auch jetzt die Kraft, wieder zurückzukommen und einen neuen Versuch zu starten. Ich wünsche es ihm und drücke ganz fest die Daumen.

Gute und schnelle Genesung, Boban!


+ + + Immer, wenn ich man sage, meine ich nicht mich!

Peter Knäbel konnte sich am letzten Sonntag bei seinem Auftritt im Sport Club auf N3 glücklich schätzen, dass der Hamburger SV gegen die Gladbacher Fohlen nach dem Desaster von München mit der 1:1 Niederlage in letzter Sekunde (wie Joe Zinnbauer es unmittelbar nach Spielende bei Sky mit seinem Versprecher formulierte) so etwas wie eine Trendwende eingeleitet hatte.

Er hätte sich sonst eine Reihe unangenehmer(er) Fragen ausgesetzt gesehen. So spielte das Debakel von München eine eher untergeordnete Rolle. Sportchef Knäbel war bemüht, den Schulterschluss zwischen der Führung des HSV und dem Trainer Joe Zinnbauer medial klar rüberzubringen. „Wir sind…“ . „Wir haben…“ . „ Wir wollen…“. „Uns ist es gelungen…“ . „Unsere Mannschaft…“ – aber dann!!!

„Man hat so entschieden…“ antwortete der Sportchef auf die Frage, ob denn in München nicht vielleicht doch eine zu offensive Taktik mit zwei Spitzen gewählt wurde. Da war er dann plötzlich vorbei, der Schulterschluss. Freud lässt grüßen. Aufgefallen ist es den Wenigsten. Wichtig bleibt es dennoch, dokumentiert es eben doch gerade die Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Sportchef und dem Trainer.

Sportchef und Trainer: nicht immer einer Meinung

Sportchef und Trainer: nicht immer einer Meinung

Es ist dies nicht das erste Mal, dass über Freud’sche Versprecher oder bestimmte Gesten deutlich wird, dass Peter Knäbel und Joe Zinnbauer nicht mit einer Stimme sprechen, da helfen auch die von Peter Knäbel unter der Woche gebetsmühlenartig abgesonderten Treueschwüre für Joe Zinnbauer oder ein „Joe beeindruckt uns!“ wenig.

Dass auch unter der neuen Führung beim HSV nicht mit einer Stimme gesprochen wird, nehmen viele nicht wahr oder mögen es nicht wahrhaben. So überraschten in dieser Woche Bernhard Peters und Peter Knäbel in der Öffentlichkeit ebenfalls mit konträren Aussagen. Diesmal mit Hinblick auf die U23.

Während Peters, klar formuliert, dass der Aufstieg und die 3. Liga keine Priorität besitzt, sondern lediglich die Ausbildung der Spieler, sieht Peter Knäbel das anders und will das Ziel Aufstieg trotz der 5 Niederlagen in Serie in der Rückrunde noch nicht ad acta legen. Er fordert vielmehr die Spieler auf, jetzt Gas zu geben und nicht nach Ausreden zu suchen. Jene Ausreden, die Peters auf hsvtotal allerdings frei Haus als Entschuldigung für die nicht erbrachten Leistungen liefert. (Abstellen von Spielern zur 1. Mannschaft und Verletzungen).

Nun, wirklich überraschen kann auch dies nicht. Wir erinnern uns: der eine war für die Horizontale… der andere für die Vertikale… erklären konnte es keiner der beiden richtig und verstanden haben sie es wohl bis heute auch noch nicht.

In diesem Zusammenhang vielleicht auch ganz interessant, was Thomas von Heesen zu seinem Abschied aus dem Aufsichtsrat sagte. Er bleibe dem HSV erhalten und der sei mit Beiersdorfer und Peters genial aufgestellt.

Über Peter Knäbel kein Wort, keine Silbe. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.


+ + + und sonst so?

Sonst war es ein wenig erfolgreiches Wochenende für den Hamburger Sportverein, denn nicht nur die Profis konnten keinen Sieg einfahren.

Die U17 verlor in dieser Woche gleich zwei mal. Am Mittwoch musste sie sich auswärts den 96ern aus Hannover mit 0:1 geschlagen geben und am Sonntag hatten die B Junioren in der Bundesliga Nord/Nordost das Nachsehen mit 2:1 bei Werder Bremens U17. Die Hamburger sind damit auf Rang 4 abgerutscht und damit auch die Aussichten an der Endrunde zur Deutschen Meisterschaft teilnehmen zu können.

Schlimmer hat es allerdings noch die U19 in der A-Junioren Bundesliga Nord/Nordost erwischt. Hier setzte es eine satte 1:5 Pleite gegen RB Leipzig. Die Niederlagenserie gegen die Ostclubs hatt wieder einmal Bestand. Die Truppe von Otto Addo kommt einfach in keine konstante Spur und dümpelt nun mit 24 Punkten im Niemandsland der Tabelle.

„Abgestürzt“ ist auch die U23 an diesem Wochenende. Obwohl es dieses Mal ausnahmsweise keine Niederlage gab. Das Spiel gegen den Tabellenführer aus Bremen wurde an diesem Wochenende wegen des Regens abgesagt. Meine persönliche Einschätzung noch Inspektion der Gegebenheiten vor Ort, war allerdings eine andere. Ich hielt den Platz um kurz nach 14 Uhr sehr wohl für bespielbar. Aber wer weiss, wozu diese Absage am Ende noch gut sein wird. Fakt ist jedenfalls, dass die U23 nach diesem Spieltag die schlechteste Platzierung in dieser Saison einnimmt: Platz 3. Der VfL Wolfsburg zog dank eines umkämpften Auswärtserfolges beim TSV Havelse (2:1) nun ebenfalls an den Hamburgern vorbei.

Zum Abschluss noch die gute Nachricht des Tages: Der HSV steht auf keinem Abstiegsplatz und hat Platz 15 souverän untermauert.

Tabellenfünfzehnter nach 23. Spieltage. Ob das auch am 34. Spieltag Bestand hat???

Tabellenfünfzehnter nach 23. Spieltagen. Ob das auch am 34. Spieltag Bestand hat???

11 Kommentare

  1. SchbaggnSchbaggn

    HeLuecht… klasse Blog!

    Antworten
  2. cool downcool down

    dito – @ Ostro – er hat überpaced; Djourou: war nicht nötig ; @ Wuttke: R.I.P.;
    die Hoffnung stirbt zuletzt

    Antworten
  3. cool downcool down

    Kein Schulterschluss @ Knäbel und Zinnbauer ? -> ich werde darauf achten

    Antworten
  4. cool downcool down

    wie kann einem der frühe Morgen vergrätzt werden ? -> dass Bruno fu. adia einen engen Draht zu Beiersdorfer haben soll … ICH WILL ES NICHT WISSEN !

    : http://www.bild.de/sport/fussball/bruno-labbadia/wird-er-hsv-notfall-trainer-39981118.bild.html

    Antworten
    1. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      Dazu muss man sich aber auch den Morgen vergrätzen lassen wollen! Die Bild schafft das bei mir ohnehin nicht und ausserdem hat der HSV das letzte Mal ansehnlichen Fußball gespielt unter – na wem wohl – genau! Bruno Labbadia.

      Es ist doch so, dass in Anbetracht der verschenkten 2 Punkte gegen Gladbach, der Niederlage in Frankfurt und dem vermeintlich aussichtslosen Unterfangen gegen Dortmund und Hoffenheim zu punkten, die Presse die Sau schon wieder durchs Dorf treibt.

      Fakt ist natürlich, dass Zinne mit seinem Team punkten muss in diesen beiden Partien, sonst wird er, den Gesetzen des Marktes entsprechend, weg sein. Selbst dann, wenn ein spielerischer Aufwärtstrend erkennbar wäre. Er ist und bleibt ein Trainer „bis auf Weiteres“ wie jeder andere Trainer übrigens auch. Nur Erfolge sichern Arbeitsplätze.

  5. FlamboFlambo

    „Immer, wenn ich fit bin, bin ich gleich kaputt!“ + „Immer, wenn ich man sage, meine ich nicht mich!“ Wunderbare Überschriften! 😀 Außerdem hast Du die Widersprüche zwischen Knäbel und Peters schön herausgestellt.
    Ich gehe davon aus, dass Peters am längeren Hebel sitzt, so dass Knäbels Peter demnächst mal liefern muss. Mir kommt es so vor, als ob Zinnes Job sicherer ist als der unseres Sportdirektors.

    Antworten
    1. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      Ich glaube nicht, das der Job des Trainers sicherer ist als der des Sportdirektors. Peters ist in meinen Augen der starke Mann beim HSV, er war es auch, der letztlich die Entlassung von Mirko Slomko forciert hat. Wie gesagt, die Aufgabenverteilung ist mir nicht so ganz klar.

  6. FlamboFlambo

    Mit Sportdirektor meinte ich Knäbel. Oder wie heißt dessen Position? Direktor „Sport“? 😉

    Antworten
    1. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      Ist schon klar! Auch ich meinte mit Sportdirektor (Direktor Sport) Peter Knäbel. Gab gleichzeitig aber zu bedenken, dass Berhard Peters der starke Mann beim HSV sei. Zumindest ist das meine Einschätzung.

      Ich glaube, eher verliert Joe Zinnbauer seinen Job, als Peter Knäbel. So, noch einmal unmissverständlich ausgedrückt! 😉

  7. claus1955

    So, jetzt habe ich das mal gelesen, mit dem Spiel gegen Frankfurt bin ich weitestgehend derselben Auffassung, allerdings 2 dinge möchte ich noch anmerken:

    1. Jiracek trifft mMn keine Schuld, sondern lediglich Diekmeier, der im Denken und Reagieren leider nicht geschwindigkeitsmäßig auf dem Level seiner Autos liegt… 😉

    2. Der Verletzung von Rajkovic ging, soweit ich es erinnere, ein Zusammenprall mit dem Knie des Gegenspielers voraus, so daß ich es eher als Pech bezeichnen würde.

    Antworten
    1. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      Claus, wenn du aufmerksam gelesen hättest, wäre dir aufgefallen, dass ich Jiracek nur insofern als schuldigen ausgemacht habe, als er überhaupt in Erwägung gezogen hat, Diekmeier anzuspielen.

      Die Verletzung von Rajkovic rührt sicher von dem Zusammenprall her. Es bleibt aber bezeichnend, dass er ein Pechvogel ist. Immer wenn er gerade wieder auf die Beine gekommen ist, erwischt es ihn wieder. Das zieht sich durch seine gesamte Zeit beim HSV.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.