Der FC St. Pauli und seine Trainer – Eine Zeitreise

Die Nachricht, dass der FC St. Pauli seinen Sportchef Uwe Stöver und den Trainer Markus Kauczinski freigestellt habe, schlug bei mir doch heute wie eine Bombe ein. Kritik hatte es im Umfeld zwar bereits an beiden immer wieder gegeben, aber das kam dann doch irgendwie überraschend. Einen Neuen hat man mit Jos Luhukay auch bereits präsentiert, einen guten alten Bekannten von Andreas Rettig, der den Holländer bereits zu seiner jeweils dortigen Zeit nach Köln (2003) und später nach Augsburg (2009) holte.

Ich will den Personalwechsel bei den Kiezkickern hier gar nicht weiter unter die Lupe nehmen, sondern die Gelegenheit nutzen, einmal auf die Trainer und die Trainerwechsel in der Geschichte des Vereins seit 1963 zurückblicken.

Der Wechsel von Kauczinski zu Luhukay ist der 39. Trainerwechsel seit dieser Zeit. 40 Trainer in 56 Jahren bedeuten, dass im Schnitt beim FC St. Pauli gut alle 1,5 Jahre/Saisons (Markus Kauczinski liegt genau im Mittel von 16 Monaten!) ein Neuer das Ruder übernahm. Von Kontinuität läßt sich da auch nicht wirklich reden. Nun gut, streng genommen waren es ja keine 40 Trainer, denn der eine oder andere durfte gar mehrmals sein Glück versuchen, mehr oder weniger erfolgreich: Jockel Krause, Michael Lorkowski, Seppo Eichkorn, Willi Reimann und Thomas Meggle und irgendwie dann auch Holger Stanislawski, der seinerzeit nach dem Aufstieg die nötige Trainerlizenz erst machen musste und dann André “Truller” Trulsen als Cheftrainer an die Seite gestellt bekam.

Holger Stanislawski gehört dann auch zu den erfolgreichsten Trainern des FC St. Pauli und zu einer kleinen illustren Schar, derer die es innerhalb einer Amtsperiode auf mehr als 100 Spiele gebracht hat. Stani kommt auf 102 Spiele, wobei hier lediglich diie Pflichtspiele in der jeweiligen Liga gezählt wurden. Helmut Schulte schafft es mit 4 Ligaspielen mehr auf 106 Spiele und einen ähnlichen Punkteschnitt wie Stani (1,37 zu 1,38). Auf mehr Spiele kommt lediglich der legendäre (okay, legendaär sind sie letztendlich alle) Michael Lorkowski mit 140 Ligapartien. Lorko hat auch einen wesentlich besseren Punkteschnitt: 2,17., hatte aber auch den Vorteiil, dass er im Gegensatz zu den anderen beiden, nicht in der 1. Liga ‘abgeschlachtet’ wurde. Diesen Punkteschnitt konnten lediglich Karl-Heinz Mühlhausen (bei 70 Spielen) mit 2,34 Punkten sowie vor ihm Edu Preuß mit 2,29 Punkten (bei 34 Spielen) sowie ganz zu Beginn unserer Zeitrechnung Otto Westphal mit 2,12 Punkten (34 Spiele) toppen.

Aber seht selber, was da in den Jahren so los war. Klickt euch durch die Galerie und werft einen Blick auf die unten stehende Tabelle. Viel Vergnügen damit.


Überblick über die Trainer des FC St. Pauli seit Gründung der Bundesliga im Jahre 1963

 

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Trainer Zeitraum Spiele Punkteschnitt
1 Jos Luhukay 10.04.2019 – ? 0 0
2 Markus Kauczinski 06.12.2017 – 10.04.2019 46 1,46
3 Olaf Janßen 01.07.2017 – 06.12.2017 16 1,25
4 Ewald Lienen 16.12.2014 – 30.06.2017 85 1,44
5 Thomas Meggle 03.09.2014 – 15.12.2014 13 0,69
6 Roland Vrabec 06.11.2013 – 03.09.2014 25 1,32
7 Michael Frontzeck 08.10.2012 – 06.11.2013 38 1,45
8 Thomas Meggle 28.09.2012 – 07.10.2012 2 0,50
9 André Schubert 01.07.2011 – 26.09.2012 41 1,66
10 Holger Stanislawski 01.07.2008 – 30.06.2011 102 1,38
11 André Trulsen 01.07.2007 – 30.06.2008 34 1,24
12 Holger Stanislawski 21.11.2006 – 30.06.2007 20 2,05
13 Andreas Bergmann 29.03.2004 – 20.11.2006 98 1,55
14 Franz Gerber 29.12.2002 – 28.03.2004 40 1,15
15 Joachim Philipkowski 19.08.2002 – 16.12.2002 15 0,60
16 Dietmar Demuth 15.03.2000 – 20.08.2002 80 1,23
17 Willi Reimann 01.02.1999 – 14.03.2000 38 1,37
18 Gerhard Kleppinger 28.11.1997 – 31.01.1999 37 1,49
19 Eckhard Krautzun 01.07.1997 – 27.11.1997 14 1,21
20 Klaus-Peter Nemet 21.04.1997 – 30.06.1997 6 0
21 Uli Maslo 18.07.1994 – 20.04.1997 96 1,29
22 Seppo Eichkorn 23.09.1992 – 30.06.1994 66 1,52
23 Michael Lorkowski 01.07.1992 – 22.09.1992 18 0,94
24 Seppo Eichkorn 16.03.1992 – 30.06.1992 6 1,83
25 Horst Wohlers 19.02.1991 – 15.03.1992 42 1,31
26 Helmut Schulte 11.11.1987 – 19.02.1991 106 1,37
27 Willi Reimann 01.07.1986 – 10.11.1987 55 1,76
28 Michael Lorkowski 21.03.1982 – 30.06.1986 140 2,17
29 Kuno Böge 16.10.1979 – 20.03.1982 ? ?
30 Werner Pokropp 01.07.1979 – 15.10.1979 ? ?
31 Sepp Piontek 01.07.1978 – 30.06.1979 38 1,55
32 Diethelm Ferner 01.07.1976 – 30.06.1978 72 1,35
33 Jockel Krause 01.07.1974 – 30.06.1976 76 1,57
34 Karl-Heinz Mülhausen 01.07.1972 – 30.06.1974 70 2,34
35 Edu Preuß 01.07.1971 – 30.06.1972 34 2,29
36 Erwin Türk 01.07.1968 – 30.06.1971 98 1,86
37 Heinz Hempel 01.07.1967 – 30.06.1968 32 1,81
38 Jockel Krause 01.07.1965 – 30.06.1967 64 1,86
39 Otto Coors 01.07.1964 – 30.06.1965 32 1,84
40 Otto Westphal 01.07.1963 – 30.06.1964 34 2,12

2 Kommentare

  1. Prof. VitzliputzliProf. Vitzliputzli

    Die Verantwortlichen des FC St. Pauli haben meiner Meinung nach mit der Verpflichtung von Alex Meier einen fatalen Irrtum begangen. Die Stärke des FC St. Pauli vor der Winterpause lag darin, dass Trainer Markus Kauczinski stets den guten, breiten und ausgeglichenen Kader hervorhob und das Leistungsprinzip ausrief. Die Verantwortung wurde stets auf mehreren Schultern verteilt. Man verfolgte eine klare Linie, trennte sich aus unterschiedlichen Gründen von Spielern, was nicht immer auf Zustimmung der Fans traf (z.B. Nehrig). Das Verletzungspech vor/während der Winterpause (u.a. Veerman und Ziereis) traf die Kiez-Kicker schwer und rief die Verantwortlichen auf den Plan. Gerade für den großen Schlacks Veerman, der häufig als Joker eingewechselt wurde und ein belebendes Element im Sturm war, suchte man Ersatz. Und den fand man halt in den vereinslosen Meier. Und hier, finde ich, begann das Missverständnis.

    Trotz seines bescheidenen Auftretens, hat Alex Meier, aufgrund seiner erfolgreichen Vita, sicherlich gewisse egoistische Ansprüche. Das sollte auch bis zu einem bestimmten Punkt ein Torjäger haben. Aber so, wie der FC St. Pauli vor der Saison geplant und sich ausgerichtet hat, war diese Verpflichtung kontraproduktiv. Das mag im ersten Moment bei 6 Toren in 10 Spielen unlogisch klingen, aber bei genauerer Analyse, gibt es durchaus eine Berechtigung, Zweifel an dieser Verpflichtung anzumelden. Das Spiel war fortan zu sehr auf Meier zugeschnitten. Zu sehr wurde versucht, Meier auch in aussichtslosen Situationen, in eine gute Schussposition zu bringen und dabei oft unbewusst ein besser postierter Spieler übersehen. Auch bei Standardsituationen und hohen Bällen richtete man sich sehr stark an den 36jährigen. Die mannschaftliche Geschlossenheit war nicht mehr so da, wie noch vor der Winterpause.

    Vielleicht wäre St. Pauli besser beraten gewesen, wenn man 1-2 talentierte Nachwuchsstürmer aus einer ansprechenden Liga eines Nachbarlandes oder einen Torjäger aus der 3.Liga verpflichtet hätte, die sich aber auch schon bewährt haben. Das klar strukturierte Mannschaftsgefüge hätte solche Verpflichtungen vielleicht besser getan. Die inzwischen zu defensive Grundausrichtung des Trainers trug ein Übriges dazu bei. Nun liegt es an Luhukay, wieder mehr auf das Kollektiv zu setzen, Mut im Offensivspiel zuzulassen, ohne dabei aber Meier seiner Stärken zu berauben. Vielleicht folgte das große Aufräumen noch zur rechten Zeit. Denn bei dem Schneckentempo um den Aufstieg in die 1. Liga, kann das Drehen an den entscheidenden Stellschrauben und das entfachen einer Euphorie noch zu einem heißen Kampf um die Plätze 2 und 3 führen…

    Antworten
    1. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      Ich gehe durchaus mit dir d’accord, dass die Stärke des FC St. Pauli nach wackeligem Saisonstart, die mannschaftliche Geschlossenheit und sich ein in der Breite, wie ich fand, erstaunlich ausgeglichener Kader präsentierte.

      Mit der Ankunft von Alex Meier, haben sich da grundlegende Dinge geändert. Zunächst gab es einen Riesenhype um Alex. 250 Leute beim Training an der Kollau, wo sich ansonsten maximal 20 Figuren tummeln, wenn nicht gerade Derbyzeit ist und sich einige HSVer aus Neugier blicken lassen.

      Plötzlich so etwas wie ein Personenkult, mit einem Rekordverkauf namensbeflockter Trikots. Meier hier, Meier da. Jener Meier mag da bescheiden auftreten wie er will und das tut er wirklich, wie ich mich bei Fangespräch und diversen Trainingsbesuchen selber überzeugen konnte. Das Ganze kann aber natürlich nicht ohne Auswirkungen auf das Mannschaftsgefüge bleiben und es mag dem einen oder anderen Spieler sicher auch nicht schmecken, dass sich ALLES nur noch um den zugereisten Fußballgott dreht (wobei, das nur bedingt stimmt, denn Schnecke erfreut sich nach wie vor unglaublicher Beliebtheit beim Anhang vor Ort.

      Niemand beim FC St. Pauli ist so treffsicher wie Alex Meier, das wird in jedem wie auch immer gearteten Trainingsspielchen deutlich und doch, sehe ich es auch so, dass man sich mit dem alleinigen Zuschneiden auf Meiers Abschlußqualitäten anderer, vorher erfolgreicher Optionen gänzlich beraubt hat.

      Dies ist dann aber nicht Meier als Schuld anzulasten. Der Trainer hätte trotz des – zugegebenermaßen zwischenzeitlich erheblichen – Verletzungspechs ja anders spielen lassen können. Hat er nicht und das hat er nun davon.

      Und wenn ich gerade dabei bin, noch schnell ein Bezug zu dem Bild Artikel, in dem Meier sich (angeblich) beschwert haben soll. Ich war in den letzten Wochen relativ häufig beim Training an der Kollaustrasse, habe Alex Meier dort allerdings nie Sonderschichten machen sehen. Vielmehr ist er mir als sympathischer junger Mann aufgefallen, der immer ein offenses Ohr für die Fans hatte, wenn er als Letzter aus dem Kabinentrakt geschlendert kam, während die ersten bereits ihre halbe Platzrunde absolviert haben. Vom zu spät zum Ausradeln kommen mal zu schweigen.

      Nun, es war ohnehin abzusehen, dass man Meier als Interimslösung bis zum Saisonende einplante. Eine längere Verpflichtung würde aus meiner Sicht auch keinen wirklichen Sinn machen.

      Warum JETZT vereinsintern die Notbremse gezogen wurde, warum Uwe Stöver gleich mitgehen musste, erschließt sich mir nicht vollumfänglich. Die heute PK um 15 Uhr wird da hoffentlich ein wenig Licht ins Dunkel bringen.

      Meine Prognose bleibt dennoch bestehen: Sankt Pauli wird die Sasion auf Rang 7 oder 8 abschließen.

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