Der Scheindino aus dem Unterhaus wirft kleine Punkte

Wer rückblickend die bisherigen 8 Spiele des HSV in der 2.Liga nüchtern und objektiv betrachtet, muss zur Erkenntnis kommen, dass nicht eine einzige Partie den selbst auferlegten Ansprüchen gerecht wurde. Kein Spiel, wo man danach von einem unterhaltsamen und guten Fußballspiel sprechen konnte. Das „Titzsche Spielsystem“ wird krampfhaft auf Gedeih und Verderb fortgesetzt, ohne dass es zu erkennbaren Fortschritten kommt. Im Gegenteil: Der Ballbesitz, mit einem (pseudo) mitspielenden Torwart, verkommt zu einer unsicheren Ballstafette nach der anderen, bis es zum erwartenden/erzwungenen Ballverlust kommt, oder der Ball planlos, meist hoch, nach vorne geschlagen wird. Ein Phänomen, dass jetzt schon viele Jahre beim HSV anhält.

Harmonische Abläufe, Spielfreude, Tempowechsel, Variabilität – das alles ist nicht zu erkennen. Ich habe mir einige Zweitligaspiele angesehen und glaube schon beurteilen zu können, dass Köln, Bochum, H.Kiel, Darmstadt oder Paderborn weitaus attraktiver und ansehnlicher spielen als zur Zeit der HSV. Der HSV hat noch nicht mal im Ansatz ein Offensivspektakel wie z.B. St.Pauli-Köln, Köln-Paderborn, St.Pauli-Paderborn oder Paderborn-Aue geboten. Paderborn hat mir spielerisch (schnell und kombinationssicher durch das Mittelfeld) und von der Raumaufteilung am besten gefallen. Steffen Baumgart lässt auch als Aufsteiger weiter forsch nach vorne spielen. Wer jetzt anmerken möchte, das der Druck in Paderborn überhaupt nicht mit Hamburg zu vergleichen ist, kann ja mal bei Stefan Effenberg nachfragen…

Überkritisch und bösartig könnte man behaupten, dass der HSV jetzt in der 2.Liga den Spiel- und Spaßverderber abgibt. Das Hamburger Stadtderby war eine einzige Enttäuschung. Der HSV stagniert mit seinem stupiden Sicherheitsfußball (was in Wirklichkeit stets unsicher und fragil erscheint) und selbst St.Pauli fehlte der Mumm, bei aussichtsreichen Situationen ein wenig mehr zu riskieren, um Bates, van Drongelen und Sakai unter Druck zu setzen. Die Angst vor einer Niederlage überwog auch bei den Kiez-Kickern. Es war teilweise ein unterirdisches Niveau auf beiden Seiten.

Auf „Absteigerniveau“ sind inzwischen auch wieder Sakai, Hunt und Holtby angekommen. Die Annahme- und Abspielfehler des japanischen Nationalspielers sind kaum noch zu zählen. Der Mannschaftskapitän des HSV wirkt körperlich nicht austrainiert und auch die Körpersprache ist alles andere als positiv. Inzwischen ist der Kapitän zu einem Abnutzungsspieler verkommen. Seit seinem Weggang von Werder Bremen hat Hunt dem Leistungsprinzip im Profifußball abgeschworen. Holtby taucht völlig unter und fällt nur durch Gesten an das Publikum auf. Bates erinnert an Verteidiger der alten Schule, die froh sind, wenn sie sich nicht am Spielaufbau beteiligen müssen und auch unbedrängt oft die Tribüne als Ableger suchen…

Wer die Momentaufnahme in der Halbzeit des St.Pauli-Spiels gesehen hatte, wo ein in sich gekehrter, nachdenklicher, ja fast abwesender Christian Titz auf der Bank zu beobachten war, der kann nur erahnen was sich inzwischen beim HSV-Trainer im Kopf abspielt. Man kann es ihm nicht vorwerfen, dass er in der Sommerpause die Gelegenheit beim Schopfe packte und sich sein Arbeitsumfeld samt Personal zusammenstellte. Im Gegenzug nutzte der HSV bei fast jeder Gelegenheit die Beliebtheit seines Trainers aus und schickte ihn stets vor, wenn es um Interviewwünsche oder Vorträge ging. Man konnte sich bequem dahinter verstecken. Er verkörperte das gute Gewissen des HSV. Dass Bernd Hoffmann insgeheim diese Entwicklung rund um Titz nicht in den Kram passte und das die BILD inzwischen eine Ablösung von Titz herbeischreiben will, ist dabei nur reine Spekulation…

Fakt ist, dass mit der aktuellen Darbietung der HSV nicht zu den Aufstiegskandidaten gehören wird. Mit dieser leblosen, eintönigen Art des Fußballs kann man nicht die nächsten 26 Spiele bestreiten. Zumindest nicht, wenn der Anspruch des sofortigen Wiederaufstiegs vorgegeben ist. Christian Titz muss seine Nibelungentreue zu Hunt, Holtby und Sakai aufgeben. Er ist als Fußballlehrer jetzt gefragt. Er muss Kante zeigen. Das Leistungsprinzip muss explizit ausgerufen werden. Genauso muss er sich selbst und sein „System/Spielidee/Spielweise“ hinterfragen. Mit fußballerisch limitierten Spielern wie van Drongelen oder /und Bates ist eine spielerische Lösung von hinten heraus nicht möglich. Zudem fehlt im defensiven Verbund vor den Innenverteidigern die Handlungsschnelligkeit (Steinmann). Titz muss Lösungsansätze finden, die auch dem Kader angepasst werden müssen. Es ist überwiegend sein Kader, den er sich so zusammengestellt hat. Die Situation scheint heikel und eine immer tiefere Verunsicherung würde wohl dazu führen, dass der Anschluss zu den Aufstiegsplätzen tabellarische Auswirkungen hätte. Bernd Hoffmann wird das sicherlich nicht wochenlang unkommentiert lassen…

2 Kommentare

  1. WORTSPIELERWORTSPIELER

    egal, was björn hoffmann fordert, ab heute muss die becker-faust ihre renaissance feiern und auf den tisch gehauen werden…!

    Mit dieser leblosen, eintönigen Art des Fußballs kann man nicht die nächsten 26 Spiele bestreiten.

    genau mein humor…

    Antworten
    1. Fohlenstall

      …btw…schön dass Du Deinen Humor nicht im „KummerFeld verloren“ hast…:-))!
      Gut beschrieben Prof.!

Schreibe einen Kommentar zu WORTSPIELER Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.