Der Weg hat begonnen – das Ziel liegt noch vor uns…

mit diesen Worten schloss AR-Chef Gernandt seinen Bericht auf der gestrigen Mitgliederversammlung des HSV e.V.  Wäre man zynisch, könnte man feststellen, dass es der HSV-Führung  nach gut anderthalb Jahren endlich gelungen ist, einen Weg  zu finden und dass das eine exzellente Leistung ist angesichts der immer wieder postulierten Vorgabe schneller und besser als die Anderen, arbeiten zu wollen und vor allem zu müssen.

Welches Ziel man nun allerdings genau ansteuert, ließ Gernandt allerdings offen. Dieses Ziel genau formulieren zu können, wäre allerdings wohl auch zu viel verlangt, von einem,  der den Weg vor lauter Bäumen gerade erst gefunden hat. Da bleibt dann in der Tat nicht mehr, als Geduld und einen weiteren Vertrauensvorschuss einzufordern, den zumindest die Mehrheit der gestern anwesenden 309 Mitglieder, wohl auch bereit ist zu gewähren. Was bleibt ihnen (uns) auch anderes übrig.

Der HSV steht wieder einmal mit dem Rücken zur Wand:  „Wir sind wohl der einzige Club der Liga, der im Winter Geld verdienen muss“,  befand Direktor Profifußball Peter Knäbel die Tage, wobei ihm noch das fatale Wort „Lizenzauflagen“ aus dem Rucksack rutschte. Trainer Bruno Labbadia sprach unlängst vom „Sanierungsfall“ und zog Parallelen zum HSV-Handball.  Bei Karl Gernandt hört sich das Ganze dann allerdings wesentlich ‚niedlicher‘ an, wenn er davon spricht, dass  die finanzielle Krise noch nicht ganz überwunden sei, man sie aber „ mit dem Anspruch, hanseatisch zu schalten und zu walten“ im Griff habe. Was mag damit wohl gemeint sein? Dass man die Dinge möglichst lange und diskret unter der Decke halten möchte?

Nun ist ja weiß Gott nicht zu erwarten, dass sich der Aufsichtsratsvorsitzende vor laufender Kamera hinstellt und einen Offenbarungseid abgibt. Das tut auch nicht Not, die Aussage, dass es ohne fremde Hilfe nicht gehe, ist da schon beredt genug.

Finanziell sind dem HSV also die Hände gebunden (dass die jetzige Führung dies mit ihrer Transferpolitik und den zum Teil panikartigen Investitionen in den Kader, zumindest zu großen Teilen mit herbeigeführt hat, sei an dieser Stelle mal geschenkt) und auch sportlich sieht es nach dem unterm Strich desaströsen Trainingslager in Belek vor dem Rückrundenstart nicht wirklich besser aus.

„Es sind Dinge vorgefallen, da kann man nicht von einem optimalen Trainingslager sprechen. Wir stehen in der Rückrunde vor einer großen Herausforderung!“  umschreibt ein zusehends angespannt und frustriert wirkender Bruno Labbadia die Tage in der Türkei und lässt dabei offen,  welche Vorfälle er genau meint. Sicher, die Aussage wurde auch im Kontext der vielen Verletzungen getroffen. Verletzungen, die es während des Tainingslagers so gut wie unmöglich machten, überhaupt  irgendetwas wirklich zu trainieren, etwas einzustudieren, weil permanent 4-5 Spieler des Stamms nicht zur Verfügung standen. Dennoch deutet diese Aussage auch auf gewisse atmosphärische Störungen hin, die vorhanden zu sein scheinen und die auch die eher desolaten und uninspirierten Auftritte der Kicker in den Testspielen und deren mangelnde Spannung und Konzentration erklären würden. Darüber werden wir sicher zu gegebener Zeit noch mehr erfahren.

Die Testpartien haben jedenfalls eines gezeigt: Wenn der HSV nicht mit einer 120%igen Einstellung antritt, so hat er nicht einmal gegen einen Drittligisten eine Chance. Das macht letztlich die Qualität dieses Kaders deutlich. Der HSV hat nichts zuzusetzen und 2-3 Verletzungen, die immer vorkommen können, werfen dieses Team bereits komplett aus der Balance.  Mit Lasogga, Hunt, Kacar und Ilicevic hat man ohnehin 4 Spieler im Kader, bei denen man eher davon ausgehen muss, dass sie verletzungsbedingt nicht zur Verfügung stehen. In der Hinterhand hat man aber niemanden, der diese Spieler adäquat ersetzen könnte.  Spieler wie Götz, Feka und Porath (die eh in erster Linie im Kader sind um die Local Player Auflagen der DFL zu erfüllen) oder die U23 Akteure Arslan und Carolus können diese Lücke nicht schließen.

Während Porath zumindest einige Akzente setzen konnte, ist der Abstand von Feka zu den im Profifußball geforderten Leistungen noch zu groß. Ihm darf man allerdings zumindest die notwendigen Anlagen attestieren. Dies dürfte auf Carolus schon nicht mehr zutreffen, dem nach den Trainingslager von vielen Seiten definitiv mangelnde Profitauglichkeit bescheinigt wurde (was sich mit meinen unmaßgeblichen Einschätzungen aufgrund seiner Auftritte in der Regionalliga deckt). Wie sich die Sache bei Ahmet Arslan verhält, bleibt abzuwarten. Charakterlich und von der Einstellung her sicherlich vorbildlich, aber ob es (schon) für ganz oben langt darf auch bezweifelt werden.

Über all dem steht derzeit noch Platz 10 in der Tabelle, mit einem 7-Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Ein Teil dieses Vorsprungs dürfte nach dem anstehenden Spiel gegen die Bayern bereits aufgezehrt sein und in Anbetracht der Heimschwäche und der Unfähigkeit selber ein Spiel aufziehen zu können…

„Wir stehen in der Rückrunde jetzt vor einer großen Herausforderung!“

Es kann einem – ja, es muss einem wieder Angst und Bange werden. Der Weg (nach unten) hat (noch nicht) begonnen – das Ziel liegt noch vor uns!

Es kann nur Nichtabstieg lauten!!!

In diesem Sinne ihr HSVer:  Orate, laborate et meliorate!

P.S. Es gibt auch Positives – gar Königliches zu vermelden vom/beim HSV: Es wird wieder mehr Bier getrunken! Ob aus Freude oder Frust, ist allerdings nicht überliefert.

 

 

8 Kommentare

  1. der Coach

    Na, das ist doch mal was. Es wird also mehr gesoffen im Stadion. War das nicht auch ein Ziel von HSV+? Austrinken für Europa? Na, denn mal Prost.

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  2. Fiete

    Moin

    Hast du für die “Lizenzauflagen” eine Quelle? Ein Blogger hat das auch schon behauptet, kann (oder will) aber keine verifizierbare Quelle liefern und ich kann nichts finden. Der HSV hat auf seiner HP im Frühjahr geschrieben, er hätte die Lizenz ohne Auflagen und Bedingungen erhalten
    http://www.hsv.de/verein/meldungen/verein/2015/april/hsv-erhaelt-erstliga-lizenz-ohne-auflagen/

    Gruß Fiete :-)

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    1. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      Moin Fiete,

      “Wir müssen uns an die Lizenzauflagen halten. Ich will nicht rumjammern, aber es ist nicht einfach zu managen für uns. Wir sind wohl der einzige Club der Liga, der im Winter Geld verdienen muss.” so wird Peter Knäbel z.B. von Kai Schiller im HA vom 16. Januar zitiert (http://www.abendblatt.de/sport/fussball/hsv/article206930167/Peter-Knaebel-will-die-D-az-Millionen-ausgeben.html )
      .
      Nun gibt es zwei Möglichkeiten, entweder das Zitat ist von Kai Schiller erfunden oder aber es trifft zu, dass der HSV im Winter Geld verdienen muss (und dies dann weniger aus Einsicht, sondern auf Druck von außen).
      .
      Die Meldung auf hsv.de bezog sich ja auf die laufende Saison. Da ist es wohl auch so gewesen, dass die Lizenz ohne Bedingungen und Auflagen erteilt wurde.

      Eine Auflage der DFL ist es allerdings, und die gilt für alle Vereine gleichermaßen, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit während der Spielzeit gegenüber der DFL nachzuweisen. Dazu heißt es in §8a der Lizensierungsordnung u.a.:

      § 8a
      Finanzielle Kriterien II (Bestätigung der wirtschaftlichen
      Leistungsfähigkeit während der Spielzeit)

      1. Während einer Spielzeit muss ein Lizenznehmer seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit
      bestätigen.
      1.1. Zur Bestätigung seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit während
      der Spielzeit muss jeder Lizenznehmer, dessen Geschäftsjahr dem
      Spieljahr entspricht, dem Ligaverband folgende Unterlagen bis spä-
      testens zum 31. Oktober t (t = aktuelles Jahr) einreichen:
      a) Bilanz zum 30.06.t,
      b) Gewinn- und Verlustrechnung für das abgelaufene Geschäftsjahr
      (01.07.t–1 bis 30.06.t),
      c) Lagebericht,
      d) Aktualisierte Plan-Gewinn- und Verlustrechnung der laufenden
      Spielzeit, aufgeteilt in Halbjahre (01.07.t bis 31.12.t sowie 01.01.
      t+1 bis 30.06.t+1),
      e) Bericht eines Wirtschaftsprüfers über die Prüfung der unter a) bis
      d) genannten Unterlagen.
      […]

      Gegenüber der DFL musste der HSV also bereits detaillierte Zahlen aus der Bilanz 2014/15 vorlegen (die der Öffentlichkeit noch bis März vorenthalten werden) und da wäre es wahrlich aufgrund des neuen Rekordminus von 16,9 Mio nicht verwunderlich, wenn die DFL nun für die Transferperiode II beispielsweise gefordert hätte ein positives Transferergebnis erzielen zu müssen, wie dies die Äußerung Peter Knäbels ja auch nahelegt.

      Dass der HSV mit einer derartigen Meldung nicht selber über die Eigenmedien an die Öffentlichkeit geht, ist logisch. Die Frage bleibt, warum sich Peter Knäbel dennoch so geäußert hat, ob es ihm einfach so rausgerutscht ist? Und warum dies so wenigen auffällt bzw. eigentlich die gesamte Presse dazu schweigt?

  3. ky

    HL, genau so darf und muss man die Ereignise der letzten Woche rund im die Winterpause zusammen fassen. Und in dieser Situation, die nach der zu erwartenden Heimpleite gegen Bayern, der anschließenden Auswärtsniederlage gegen erstarkte Stuttgarter, und dann zwei Heimpleiten in Folge gegen Köln (vielleicht gerade noch ein Unentschieden) und Gladbach, dann brennt hier der Baum mit 0-1 Punkte aus 4 Spielen. Dann wird auch der Vorsprung auf die Relegationsplätze fast aufgebraucht sein.
    “Zum Glück” hat man dann keinen Stieber oder keinen Diaz mehr, die ja über “zu viel Qualität” verfügen.

    Ich spüre irgendwie in mir eine große Unlust, nochmals die Daumen zu drücken, um das Relegationstriple zu gewinnen. Wenn mit all dem ganzen Aufwand nur dieses Gespiele dabei heraus kommt, wenn mit diesen “tollen” Managern nur ein weiteres Minus in dieser Saison erwirtschaftet wird, wenn die einzigen Nachwuchshoffnungen noch Jung und Arslan heissen (letzterer hat ja noch gar nicht gespielt…) und es kein Tafelsilber für die nächste Saison mehr zu verscherbeln gibt, dann, ja dann,
    kann die Hamburger Krankheit namens Wohlfühlen und Miss-Managen wohl nur tatsächlich ausgerottet werden, wenn die Stunde Null kommt: Neu-Aufbau aus der dritten Liga.

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    1. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      Und trotz allem: die Partien müssen erst noch gespielt werden. Sie sind nicht vom Anpfiff an verloren. Der HSV ist immer für die eine oder andere Überraschung gut. Sei es in die eine oder in die andere Richtung.

      So hat man laut Gernandt ja auch 38 Mio eingenommen obwohl nur Anteile von 24,75 Mio veräußert wurden. Es war ja mal die Rede von einem dritten Investor, der nicht genannt werden wollte. Sollte der die fehlenden 13,25 Mio einfach so und völlig geräuschlos spendiert haben. Das wäre ja mal eine echte Überraschung. Ich befürchte eine andere!

      Egal jetzt geht es gegen die Bayern und wie man da einen Punkt ermauert…na, einfach mal den alten Trainer fragen.

  4. Running74

    Hallo HeLuecht,

    was zum Teufel bedeutet: “Orate, laborate et meliorate!”? Google kann dazu nichts finden. Ist da ein Schreibfehler enthalten? Müsste es Orare heißen?
    Könnte es “beten, arbeiten, verbessern” bedeuten?

    Viele Grüße

    Antworten
    1. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      orare = beten laborare = arbeiten meliorare = verbessern
      ora = Imperativ Singular = bete
      orate = Imperativ Plural = betet
      Rest analog
      ergo HSVer betet, arbeitet und verbessert euch oder macht es besser.

      Du warst also ganz dicht dran, vom Sinn her sogar ganz…auch ohne Google ;-)

  5. Running74

    alles klar, Danke und weiter so. Ich finde Dein Blog super. NdHSV

    Antworten

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