Derbyzeit – Überlebenskämpfe für den HSV

Die gute Nachricht vorweg:

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat heute erste Entscheidungen im Lizenzierungsverfahren der Bundesliga und 2. Bundesliga für die kommende Saison 2016/17 getroffen. Dabei wurde dem HSV die Lizenz zur 1. Bundesliga für die Spielzeit 2016/17 ohne Auflagen und Bedingungen erteilt.

teilte der HSV über seine Webseite am gestrigen Montag mit.

Das ist nicht ungewöhnlich, wie ein Blick auf die letzten Jahre zeigt:

  • 2010/11 ohne Auflagen und Bedingungen,
  • 2011/12 ohne Auflagen,
  • 2012/13 ohne Auflagen,
  • 2014/15 unter Bedingungen, alle Bedingungen der DFL erfüllt
  • 2015/16 ohne Auflagen und Bedingungen erteilt. (Zweitliga-Lizenz mit Bedingungen).

Inwieweit die Lizenz für die 2. Liga in diesem Jahr an Bedingungen und Auflagen geknüpft ist, ließ der Klub gestern allerdings offen. Dabei ist die 2. Liga ja durchaus wieder ein ganz heißes Thema geworden. Etwas, was viele von uns lange Zeit nicht für möglich gehalten haben, zumindest all jene nicht, die sich mehr vom Tabellenstand als von den gezeigten sportlichen Leistungen haben blenden lassen.

Drei Siege [Gladbach(H), Hertha(H), Hannover(A)] und drei Remis [Köln(H), Frankfurt(A), Ingolstadt(H)] stehen für die Hanseaten in der Rückrunde auf der Haben-Seite. Gegen die vermeintlich Großen, die dem HSV angeblich mehr liegen sollen, gab es in dieser Rückrunde nichts zu holen. Gegen die Gegner auf Augenhöhe fast traditionell schon nichts. Folgerichtig finden sich die Rothosen auf Rang 16 der Rückrundentabelle wieder (Hinrunde Platz 10) auf jenem Rang, den sie nunmehr auch zielgerichtet im Abschlussklassement anzusteuern scheinen.

Die Gründe dafür sind vielschichtig und an anderer Stelle bereits ausführlich und hinlänglich beschrieben worden. Anders als bei Werder Bremen, hat man beim HSV nicht auf wirtschaftliche Konsolidierung gesetzt, sondern eine andere Option gewählt: Alles rein was geht LI und dann hoffen, dass es mit Anblasen in die EL geht. Als ein verzweifelter letzter Versuch dieses Ziel auf Biegen und Brechen zu erreichen, muss die Drmic Verpflichtung in der Winterpause gedeutet werden. Der Schuss ist leider zwei Jahre hintereinander nach hinten losgegangen und jetzt steht man am Freitag gegen den Erzrivalen und Angstgegner aus Bremen wieder einmal mit dem Rücken zur Wand.

Sicherlich, noch ist man drei Punkte und 11 Tore vor, aber im Gegensatz zu fast allen anderen Konkurrenten im Keller (Ausnahme: Frankfurt) hat man derzeit einen negativen Lauf. Der Druck wächst, der Trainer ist in einer anderen Situation als im letzten Jahr, die Personalsitiuation ebense wie das Nervenkostüm bis zum Zerreissen angespannt.

Allerdings, selbst wenn das Derby verloren gehen sollte, ist es zu früh für Abgesangsszenarien. Der Abstand auf einen direkten Abstiegsplatz beträgt noch 7 Punkte, bei einem gleichzeitig um 12 Tore besseren Torverhältnis quasi 8 Punkte. Ein Blick auf das Restprogramm, der noch in der Verlosung befindlichen Teams (ab Platz 11.) verdeutlicht, dass es für einen Relegationsplatz allemal reichen sollte, selbst, wenn man die restlichen vier Spieltage völlig ohne Punktgewinn bliebe

Abstiegskampf Restprogramm
Platz/Team 31. 32. 33. 34. Punkte/Diff.
11. Darmstadt Köln(A) Frankfurt(H) Hertha(A) Gladbach(H) (35/-10)
12. HSV Bremen(H) Mainz(A) Wolfsburg(H) Augsburg(A) (34/-8)
13. Hoffenheim Gladbach(A) Ingolstadt(H) Hannover(A) Schalke(H) (34/-10)
14. Augsburg Wolfsburg(A) Köln(H) Schalke(A) HSV(H) (33/-10)
15. Stuttgart Dortmund(H) Bremen(A) Mainz(H) Wolfsburg(A) (33/-14)
16. Werder HSV(A) Stuttgart(H) Köln(A) Frankfurt(H) (31/-19)
17. Frankfurt Mainz(H) Darmstadt(A) Dortmund(H) Bremen(A) (27/-20)

Das Relegationstriple zu schaffen, würde immerhin noch ein wenig Geld in die klammen Kassen spülen. 2 Spiele zusätzlich wögen allerdings die durch eine bessere Platzierung entgangenen Fernsehgelder kaum auf. Je nachdem, wie die Saison ausgeht und wer letztlich absteigt, sind für den HSV noch 3 Millionen Euro mehr oder wniger drin. Geld für mögliche neue, vernünftige Verpflichtungen.

Verpflichtungen, die der HSV jetzt wieder einmal nicht (rechtzeitig) vornehmen kann, da die angeblich notwendige Planungssicherheit fehlt. Auch hier machen andere Vereine allerdings bereits vor, wie es trotzdem gehen kann. Natürlich auch der Derbygegner am Freitag. Das Spiel wird also wieder einmal ein richtungsweisendes sein, eines bei dem die Spieler wieder einmal wissen, worum es geht. Eines, vor dem der Trainer sagt: “Wir haben die Hoffnung, dass wir jetzt die richtigen Knöpfe drücken.” Eines vor dem einem Angst und Bange werden kann.

Kaum minder dramatisch stellt sich die Lage für die U23 des HSV vor dem Derby am Freitagabend gegen den FC St. Pauli dar. Die Paulianer, die am Wochenende mit 4:0 bei Eintracht Norderstedt gewannen (Schützenhilfe aus alter Verbundenheit?), könnten mit einem Sieg an der “Zwoten” vorbeiziehen. Auch hier fehlen dem HSV die wirklich notwendigen Erfolgserlebnisse. Die permanenten Unentschieden, wie jenes vom vergangenen Wochenende glücklich durch Elfmeter erzielte 2:2 gegen Havelse bringen nicht voran. Wenn der Trainer dann auf der anschließenden PK noch darüber lamentiert, dass man ja mit den aus der U19 gekommenen Spielern noch nicht soweit sei und man ja auch zwei Totalausfälle im Team hatte, macht das nicht unbedingt Mut für den Saisonabschluss. Und wie gesagt, die Wahrscheinlichkeit, dass mehr als drei Teams absteigen, ist aufgrund der Tabellensituation in der 3. Liga (Werder Bremen II) durchaus gegeben.

Dieser Freitag hat es in sich. Derbyzeit – Überlebenszeit! Zeit die Ärmel hochzukrempeln und endlich den Kampf anzunehmen, um den Super-GAU noch zu verhindern. 2. Liga und Oberliga, keine wirklich angenehme Vorstellung.

P.S. Auch für die U17 geht es im Derby ums Überleben. Dies allerdings bereits heute um 18 Uhr im Pokalachtelfinale am Königskinderweg, wo der FC St. Pauli die B-Junioren zum Stelldichein bittet.

9 Kommentare

  1. ky

    Erneut hervoragend aufbereitet, alles klar und übersichtlich, mit Terminen auch der B-Junioren, ganz große Klasse, HL.

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  2. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

    Die U17 hat es vorgemacht wie Überlebenskampf geht: In der letzten Spielminute der Verlängerung wurde der FC St. Pauli mit 3:2 niedergerungen. Die HSV U 17 steht damit im Hamburger Pokalviertelfinale. Glückwunsch!

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  3. slobocop plusslobocop plus

    was man auf keinen fall unterschätzen sollte: selbst wenn man so gut wie nicht mehr direkt absteigen kann, so wird die relegation dieses jahr eine ganz andere aufgabe werden als in den beiden jahren zuvor mit karlsruhe und fürth. es stehen mit leipzig, freiburg oder nürnberg drei teams zur diposition, die man wohl als deutlich stärker einschätzen kann. wenn man bedenkt, wie knapp es schon gegen die beiden vermeintlich leichteren teams war, so sollte man ein relegationstriple unter allen umständen vermeiden. ansonsten geht’s nämlich wirklich runter und alle, die vor kurzem noch beschwingt von platz 10 freudig hüpften, gucken dumm aus der wäsche. sollten die ballerinas es tatsächlich noch verkacken, so haben sie es nicht anders verdient, exzellenz auf allen ebenen hin oder her.

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  4. Kröte

    Top Kommentare und Beiträge hier … alles stimmig und “rund”

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  5. ky

    So, ich kotz mich jetzt mal aus über “unseren” HSV.
    Wir sind die grösste Nicht-Hauptstadt Europas, weit vor Manchester oder Barcelona.
    Die 2. grösste Stadt Deutschlands, und die Berliner müssen sich noch entscheiden, ob Hertha, TB, Union, etc.
    Es gibt hier wirtschaftlich die besten Perspektiven, den Bayern die Suppe zu versalzen – in ganz Europa!!!
    Aber hier lächeln die Spieler (Holty, Dicky, etc.), wenn mal wieder keine Leistung abgerufen wurde (an dieser Stelle erspare ich mir die Aufzählung der Heimpleiten.)
    Wir haben 6 Mittelstürmer im Kader (Olic, Lasogga, Schipplock, Drmic, Altintas, Rudnevs), aber keinen Plan, diese in Szene zu setzen…
    Aber noch immer gehen die Lemminge in den Volkspark…
    Bitte steige endlich ab, und erneuere Dich, HSV. Keine Uhr, kein Dino, keine Hymne mehr an Zeiten, die über 30 Jahre zurück liegen…
    Nach über 48 Jahren als HSVer habe ich angesichts der “performance” und den Finanzen die Schnauze gestrichen voll. Beiersdorfer, als Heiland geholt, ist nicht mal ein Abziehbild. Peter Knäbel koordinierte die Schweizer Jugend-Trainer, für Bundesliga-Transfers fehlt ihm alles. Aber Onkel Kühne wird es schon richten…
    Ich bedanke mich bei allen HSV-Spielern, die versucht haben, ihre Leistung hier abzurufen. Adler, Rincon, Badelje, etc. Sakai in dieser Saison..

    “Sie müssen bedenken, woher wir kommen”. Hat das jemals Gladbachs Ebert oder Dirk Schuster, Trainer von Darmstadt, gesagt?
    Drastisch: Ihr Underperformer, Ihr Absahner, verpisst Euch,und wenn der gute Onkel KM Kühne auch nur einen Rest an Verstand hat, dann schickt er seinen Herrn Gernandt vor, die Ahnungslosen endlich von ihrer Überforderung zu erlösen. Ich war in Athen 83, und ich habe keinen Bock auf Sandhausen 2017…

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  6. ky

    Hoffmann, besser Adidas Herbert Hainer, als VV, Nico Jan Hoogma als Spodi, Geschäftstelle von 260+ auf 120 verkleinern, das Leistungsprinzip vorleben und einfordern, und als Losung ausgeben: Immer Top Drei. Nur der HSV.

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  7. bopsi

    Wie man es dreht und wendet, ich freue mich richtig auf das Derby.
    Und ja, das Ergebnis ist mir dabei ziemlich egal. Denn wie “ky” sehe ich im Abstieg die vielleicht letzte Chance, den HSV endlich von Grund auf zu erneuern. Das mag auf den ersten Blick unlogisch klingen, wird doch immer wieder behauptet, ein Abstieg werfe um Jahre zurück.
    Betrachten wir die Liga aber genauer, so fällt auf, dass der HSV bereits um Jahre hinterher hinkt, sei es in der Altersstruktur der Mannschaft oder in den Fähigkeiten Systeme (Grundausrichtungen) zu beherrschen, oder auch nur etwas Tempo ins eigene Spiel zu bekommen.
    Wir brauchen einen neuen Vorstand, neue Sportliche Leitung, neue Trainer, endlich eine Philosophie, neue (andere) Spieler(typen).
    Dies alles wird es bei einem Klassenerhalt nicht geben. Es wird weiter so vor sich hingewurschtelt werden. Der Traum Europa wird von Ahnungslosen weiter geträumt werden, denen jeglicher Realitätssinn abgeht.
    Wirtschaftlich sind bei kaum einem Club soviel Einsparungsmöglichkeiten gegeben wie beim HSV. Aber nach 2 Jahren Beiersdorfer wurde nicht vorhandenes Geld in Massen vernichtet und die Kosten immer wieder in die Höhe getrieben. Nun werden die Spieler, die, die meinen, sie könnten was, von sich aus das Weite suchen. Cleber wird den Anfang machen, Lasogga und Holtby folgen. Kein Schaden für den HSV, hätte man doch Geld und Gehaltseinsparungen. Vermeintlich, denn in den Startlöchern stehen Subotic (der mehr in Talkshows über Flüchtlinge quakt als kickt) und Harnik (eine der größten Enttäuschungen beim VfB der letzten Jahre). Keiner sollte denken, die laufen für Kleingeld beim HSV auf. Das Leitbild würde erneut mit Füßen getreten. Dazu darf man sich auf 2, 3 Spieler aus der Nationalliga A “freuen”, keine Bange, da werden keine Shaqiris dabei sein.
    Ich nun bin ich eben einfach gespannt, wie sich der HSV in dem Nervenspiel gegen Werder verkauft. Ein Spiel, dass vor Jahren über den Einzug ins UEFA-Cup-, oder DFB-Pokal-Finale entschied. Allein daran sollte jeder erkennen, wie tief diese beiden Nordclubs gesunken sind. Von Ahnungslosen in die Bedeutungslosigkeit geschossen.
    Aber hey, “NUR DER HSV”, welch verblendeter Jünger der HSV-Sektengemeinschaft muss man sein?!

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  8. Der HanseDer Hanse

    Ich glaube, ein Abstieg wird nichts verändern. Veränderungen entstehen aus dem Inneren heraus und nicht durch veränderliches Äusseres. So lange es keinen Handlungsdruck gibt, so lange sitzen alle Personen fest im Sattel. Die Presse scheint ja mittlerweile nur noch Weichspüler zu verwenden, weil sie ebenfalls zu sehr unter Druck stehen und sich unabhängige und kritische Berichterstattung einfach nicht mehr leisten können. Man denke an 1860, Kaiserslautern, Düsseldorf, Bochum. Die schaffen es einfach nicht wieder zurück. Ich befürchte, dem HSV droht ein ähnliches Szenario. Natürlich fehlt die Hoffnung und fehlen die Anzeichen auf Besserung. Es ist ernüchternd. Die markante Frage aus dem Matz Blog von Gestern (oder Vorgestern): Wie soll das denn noch weitergehen? Vorgelebte Leistungskultur von oben? Konsequenter Leistungsgedanke bei den Angestellten? Individuelles und gesteuertes Training, inklusive Erholungspläne (z.B. genug Schlaf!)? Zielgerichtete Belastungssteuerung die auch hoch-intensives Training zulassen würde, damit nicht immer nur das Spiel als Hochpunkt der Woche herhalten muss? Alles Fehlanzeige. Und als externen Brustlöser soll da der Abstieg taugen, wenn es HSVplus schon zu nichts gebracht hat? Ich habe da meine Zweifel. Leider.

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  9. cool downcool down

    AR Sitzung dauert heute länger … – ein Schelm, wer …: hsv24.mopo.de – Auszug von 14:42 Uhr:
    .
    ” Im Volkspark wird gerade das Flüchtlings-Projekt „Hamburger Willkommensbündnisse mit HSV und FC St. Pauli“ vorgestellt. Gemeinsam will man sich künftig noch stärker für die Integration durch Fußball einsetzen. Andreas Rettig sitzt als St. Pauli-Vertreter auf dem Podium, vom HSV sollten eigentlich Dietmar Beiersdorfer und Jens Meier dabei sein. Beide haben jedoch den Start der Veranstaltung verpasst, weil sie noch auf einer Aufsichtsrats-Sitzung festsitzen. “

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