Desaströse U21! Wieso, weshalb, warum? (Teil 1: Rückblick)

Nachdem desaströsen Auftritt der U21 bei Eintracht Norderstedt ist es dann doch an der Zeit, dass ich mich auch in Blogform noch einmal zur Situation der U21 der Rothosen äußere.

Es ist nicht das reine Ergebnis (1:3), es ist nicht die Tatsache dass der HSV dieses Spiel und bereits zuvor fünf andere Partien (von acht insgesamt) in dieser Saison verloren hat, es ist vielmehr die Art und Weise, wie diese zustande gekommen sind. Diesbezüglich darf die Partie in Norderstedt als absoluter (bisheriger) Tiefpunkt angesehen werden. Die Mannschaft, mit den von den Profis gekommenen Tobias Knost, Jonas David, Moritz Broni Kwarteng und Christoph Moritz ‚verstärkten‘ Rothöschen wirkten lustlos, leblos und einfallslos und waren vor allem eines, nämlich komplett harmlos und ohne Biss. Das ganze gegen zwar kompakt verteidigende und zuweilen schnell umschaltende aber insgesamt doch eher biedere Norderstedter, die förmlich zum Toreschließen eingeladen wurden durch katastrophale Fehler der Hamburger Hintermannschaft (Knost, Behounek, David). Einen einzigen Torschuss konnten die Hamburger in der ersten Hälfte verzeichnen, kurz vor der Pause. In der zweiten Hälfte wren es derer ganze 3, davon zwei nach der 86. Minute (eine davon führte zum 3:1 durch den eingewechselten Mohssen) als die Eintrachtler bereits mit ihren Gedanken unter der Dusche und beim Siegerbier waren. Trauriger Höhepunkt dieses Spiels war die rote Karte für den erst kurz zuvor eingewechselten Patrick Storb, der völlig unmotiviert einen der Norderstedter im Mittelfeld an der Aussenlinie umsenste, dass dem Schiedsrichter keine Wahl blieb als auf Platzverweis zu entscheiden. Frustration pur! Beim Spieler vor und nach der Karte, bei den Spielern, bei den Fans,im Verein.

Wie konnte es zu diesem rasanten und eklatanten Absturz kommen? Nach der so erfolgreichen letzten Saison, in der die U21 lange auf Meisterschaftskurs lag und trotz des Aderlasses nach der Beförderung von Christian Titz zum Cheftrainer, nur die Flensburger von der Weiche vorbeiziehen lassen musste und mit Rang 2 das beste Ergebnis seit Ewigkeiten erzielen konnte.

Rückblick

Zu Beginn der Saison 2017/18 übernimmt der bisherige Trainer der U17 Christian Titz die U21 vom scheidenden Trainer Dirk Kunert, dessen Vertrag überraschenderweise, trotz erheblicher Erfolge (die U21 beendete die Saison, nach dem Absturz auf Rang 14 in der Nach-Zinnbauer Saison, mit 15 Siegen, 7 Unentschieden und 12 Niederlagen auf einem guten 5. Platz. Kunert ist es gelungen eine Mannschaft zu formen, obwohl er an deren Kaderplanung eigentlich gar nicht beteiligt gewesen ist. Christian Titz übernimmt eine in sich gefestigte Mannschaft, die durch die Rückkehrer Steinmann und Gouaida zudem mit Akteuren sofortverstärkt wurde. Die Saison beginnt mit einem 2:2 gegen Norderstedt mit einem Spiel bei dem nicht alles Gold war was glänzte, die Handschrift des neuen Trainers aber bereits deutlich zu erkennen war. Es golgten 4 Siege in Folge. Dann kamen die Wölfe nach Hamburg und der HSV erzielte ein am Ende doch schmeichelhaftes 0:0 gegen spielerisch wesentlich bessere Wolfsburger. Das gab eine Menge Selbstvertrauen. Etwas, was diese Truppe zunehmend auszeichnete. Da wuchs ein Team zusammen, eines das wusste, dass es Spiele drehen und entscheiden konnte auch wenn es einmal nicht so lief und das war durchaus häufiger der Fall. Manchmal wurde das Glück eben auch erzwungen.

Es folgten sieben Siege in Folge, die zunehmend deutlicher ausfielen. Der HSV hatte einen Lauf. Daraan änderte auch das müde 0:0 in Rehden Ende Oktober 2017 wenig, wenngleich dies ein erster Hinweis darauf war, dass Titz recht behalten sollte, dass es der Mannschaft in der kalten und nassen Jahreszeit zunehmend schwerer allen würde ihr Spiel aufzuziehen. Das Derby gegen Altona 93 konnte noch mit 2:0 gewonnen werden, doch am 16. Spieltag wurde der HSV plötzlich vorgeführt. Mit 1:4 war man bei der Eintracht aus Braunschweig unterlegen und chancenlos. Die erste Niederlage unter Christian Titz nach 16 Spielen, der damit den Startrekord von Joe Zinnbauer (und seinem Nachfolger Petrowsky) aus der Saison 2014/15 mit 17 Spielen ohne Niederlage am Stück, nicht ganz erreichte.

Nach der Niederlage in Braunschweig langte es für die U21 unter Christian Titz nur zu einem Remis gegen Weiche (1:1) und einem 2:2 gegen Hildesheim, beides im heimischen Stadion an der Hagenbeckstrasse. Sein ‚Abschiedsspiel‘ das 20. bei der U21 (zum Zeitpunkt des Spiels am 7. März wusste Titz noch nichts von seinem Glück der Beförderung zum Cheftrainer, die am 12.3.2018 erfolgte) gestalte er – ausgerechnet gegen Eintracht Norderstedt – überaus erfolgreich. Mit 5:1 schoß man den Rivalenin einem Flutlichspiel aus dem Stadion an der WMA.

Holterdipolter wie Titz zum Cheftrainer befördert wurde, stand nun auch die U21 plötzlich ohne Coach und Trainerteam da. Mitten in der Saison Trainer aus den anderen U Mannschaften abzuziehen, die entweder sehr erfolgreich um die Staffelmeisterschaft mitspielten, wie insbesondere die U19 von Daniel Petrowsky oder aber alle Kräfte dem Klassenerhalt widmen musste, wie die U16 von Basti Reinhardt, erschien nicht wirklich zielführend, zumal man bei jenen mit dem Vorschlag die U21 in dieser Konstellation zu übernehmen, auf wenig Begeisterung und Gegenliebe stieß (was sich übrigens nach Ende der Saison/zu Beginn dieser Saison noch deutlicher darstellte).

So ernannte man schließlich einen Peters Schützling (ja, zu dem Zeitpunkt durfte der Herr Peters das tatsächlich noch entscheiden und war für den gesamten Nachwuchs bis hoch zur U21 verantwortlich!) zum neuen Trainer, Steffen Weiß, den Co Trainer der U16, ein junger Trainer mit A-Lizenz und ein unbeschriebenes Blatt (siehe dazu auch).

Weiß konnte dabei auf die unter Titz eingespielte Truppe setzen. Bei seinem ersten Spiel, dem Auswärts-Derby gegen St. Pauli standen ihm lediglich Steinmann und Ito nicht zur Verfügung (Startelf gegen St. Pauli: Behrens – Gmeiner, Ambrosius, Haut, Mundhenk – Janjicic – Köhlert, Kwarteng, Gouaida, Ferati – Knöll). Das Spiel endete 1:1. Es folgten 2 Siege und 2 Remis im März.. Bei letzteren ließ der HSV bereits den Biss ein wenig vermissen. Anfang April folgte dann gar eine Niederlagenserie, mit der man sich prinzipiell aus dem Meisterschaftsrennen verabschiedete. Speziell die 2:0 Niederlage bei Weiche, gegen die man sich chancenlos präsentierte, besiegelte das Schicksal. Personell konnte Weiß auch in diesen Spielen aus dem Vollen schöpfen, mit Ausnahme der eben bereits erwähnten Ito und Steinmann. Erste Krisenstimmung kam auf und natürlich die Frage, ob man an Stelle von Weiß nicht lieber einen erfahrenen Trainer hätte verpflichten sollen.

Nun, dafür gab es von oben wegen der angespannten Finanzlage eh kein grünes Licht und letztlich, war man bei HSV gar nicht so unfroh über die Entwicklung, stellte diese doch immerhin sicher, dass man sich mit einem Aufstieg der Zwoten in die 3. Liga gar nicht erst beschäftigen muss. Der Nichtaufstieg war den Verantwortlichen nicht nur wegen des Abstiegs der Ersten recht.

Man ging also in Klausur und war dabei erfolgreich. Die ausstehenden Spiele konnten gewonnen werden.

Die Spiele unter Steffen Weiß in der Saison 2017/18

17.03. bei St. Pauli 1:1
21.03. bei Eutin 08 2:1
24.03. in Lübeck 2:0
28.03. gegen Drochtersen 0:0
31.03. gegen Hannover 1:1

08.04. in Havelse 1:2
11.04. bei Weiche 0:2
14.04. gegen Lüneburg 2:3

18.04. in Egestorf 5:2
22.04. in Oldenburg 3:1
28.04. gegen Rehden 1:0
02.05. in Jeddeloh 1:0
07.05. bei Altona 93 2:1
13.05. gegen Braunschweig 4:2

Bilanz Steffen Weiß: 14 Spiele: 8S/3U/3N (1,93Pkt/Sp)  [Christian Titz: Bilanz Titz: 20 Spiele S13/6U/1N (2,25 Pkt/Sp)]

Es folgten zum Saisonende immerhin 6 Siege unter Weiß, der damit durchaus den Beweis geliefert hat, Krisensituationen zu meistern und trotz seiner Jugend und Unerfahrenheit die richtige Ansprache zu finden um sein Team noch einmal zu motivieren obwohl klar war, das man das sportliche Ziel, die Staffelmeisterschaft in der Regionalliga Nord nicht mehr würde erreichen können.

Warum ist es nun in dieser Saison, nach einer kompletten Vorbereitung unter Steffen Weiß, bei der U21 zu einer negativen Entwicklung, gar zum Absturz auf einen Abstiegsrang gekommen? Dieser Frage widmet sich der 2. Teil in gewohnter Ausführlichkeit. Es war mir wichtig, zunächst zurückzublicken, damit man letztlich besser verstehen kann, was sich in dieser Saison geändert hat, welche Auswirkungen das hatte und wie man dem auch ohne Trainerwechsel begegnen kann, um wieder positive Resultate einzufahren.

>>> TEIL 2 folgt

9 Kommentare

  1. WORTSPIELERWORTSPIELER

    apropos, „aus gegebenen anlass“…

    Zwei Fünferpacks: 1. FC Nürnberg gewinnt Testspiel mit 17:1

    Angeführt von den Youngstern Törles Knöll und Erik Engelhardt hat der 1. FC Nürnberg im Testspiel gegen den Bezirksligisten TSG Roth ein standesgemäßes Schützenfest gefeiert. Der fränkische Fußball-Bundesligist gewann am Donnerstag in Roth vor rund 2500 Zuschauern mit 17:1 (11:0). Den beiden 20-jährigen Knöll (1. Minute, 11., 16., 24., 39.) und Engelhardt (6., 31., 41., 60., 65.) gelang jeweils ein Fünferpack.

    okay. nur ein „bezirksligist“, aber ein törles knöll würde der „zweiten“ sicher gut tun. wenn man die arp-treffer noch abzöge, dann wird es sehr, sehr dunkel im offensivbereich bei der U21.

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  2. ky

    Das „Hochziehen“ der Talente aus U18/U19/U21 in den 2.Liga-Kader hat natürlich zur Folge, dass diese Mannschaften ohne ihre „Top“-Spieler sich verschlechtern mussten.

    Auch hier zahlen nun die U-Mannschaften den Preis für das schlimme Missmanagement der Herren Beiersdorfer, Todt, Bruchhagen etc.

    Denn letztendlich ist der neue Plan alternativlos, bei dem Schuldenstand und den sinkenden Einnahmen in Liga 2 muss auf „günstige“ Jugend gesetzt werden. Schade für die U-Mannschaften, aber eben auch nur eine Folge der Jahre seit 2011. Schon bitter…

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    1. GVGV

      bitter und folgenreich. Derzeit sieht es nach weniger nachhaltiger Nutzung eigener Ressourcen aus, eher wie kurzsichtige Ausbeutung für ein doch auch ziemlich zweifelhaftes Ziel. Perspektivische nachhaltig wertschöpfende Strategie sieht anders aus.

  3. GVGV

    Sehr informative Zusammenfassung, die erwartungsvoll auf den zweiten Teil mit den Konsequenzen hoffen lässt.

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  4. Kobinho

    Kaum hast Du diesem Blog geschrieben, fährt die Mannschaft zwei klare Siege ein…:-)
    Ich bin trotzdem sehr gespannt auf Teil 2.

    Wie siehst Du eigentlich die Leistungen von Ambrosius und David in der U21? Angesichts der Darbietungen von Bates und Lacroix frage ich mich, ob man nicht einfach auf die beiden jungen Spieler hätte setzen können bei der Besetzung der Position neben van Drongelen?

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    1. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      Tja, so soll es sein.
      Tut mir leid, dass es mit Teil 2 so lange dauert, aber private Umstände haben da momentan Priorität.
      Kurz zu Ambrosius und David. Ich denke, David ist dort momentan gut aufgehoben. Er hat sich in den letzten 1 1/2 Jahren extrem entwickelt, kann aber noch einige Lehrstunde im Männerfussball vertragen. Von daher ist RL Spielpraxis momentan genau richtig.
      Ambrosius stabilisiert die IV der U21. Offensichtlich traut man ihm den Sprung aber nicht zu, sondern setzt eher auf Lacroix. Ich halte das für den falschen Weg.
      Aber… wirkliche Überflieger hat der Nachwuchs nun wirklich nicht zu bieten. Niemand, der eine Sofortverstärkung wäre und darum scheint es vorrangig zu gehen. Die jungen Leute sind nach wie vor Staffage und das werden sie bleiben, solange es eng zugeht. Bei stabilen Leistungen kann ich mir vorstellen, dass der Eine oder andere Nachwuchs Kicker durchaus seine Einsatzzeiten bekommen wird. Hat Titz bei der Zwoten in der vergangenen Saison jedenfalls behutsam und erfolgreich so praktiziert.
      Ziel ist aber klar der Aufstieg und dem wird alles untergeordnet, auch wenn niemand weiß, wie es dann in der 1. Liga weitergehen sollte.

  5. WORTSPIELERWORTSPIELER

    josen, der einfluss von „heluecht“ ist beachtlich. kaum legt er finger in die wunde, machen good news gleich die runde.

    p.s. david wurde heute profi (2021). das wird steinmann sicherlich freuen, hat er doch imho immer keinen profivertrag erhalten, aber die jungspunde werden fleissig gebunden. allerdings ist FTC nun bereits mit dem fünften nachwuchsspieler (u.a. ambrosius) „vertreten“. und dass fam. cardoso hier beteiligt ist, macht das ganze schon wieder höchst fragwürdig…

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    1. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      Herr Becker sagt es gäbe keine Häufung von Spielern eines Beraters/einer Agentur. Höchstens 2 Spieler. Gleichzeitig gibt er allerdings auch zu, keinen Überblick (über den Nachwuchs) zu haben, da er sich bisher nur um die Transfers gekümmert hat. Für ein 3 Stunden Gespräch nach Brasilien zu fliegen um Santos zum Bleiben zu überreden und vor Ort mit den Beratern zu reden war wichtiger. Aber jetzt wird das alles in Angriff genommen.

  6. Horst Schlau

    Morgen mein Freund,

    warte wie viele andere auf den zweiten Teil !?!?

    Denn auch nach den zwei Siegen ist noch lang nicht alles gut.

    So wie bei den Niederlagen davor nicht alles schlecht war.

    Oben wie unten fehlt die Ausgewogenheit !

    Gruß horst

    PS: Oder wie siehst du dass ???

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