Die Bremen Connection – Bakery Jatta und seine Berater

viel wurde in den letzten Tagen über den FLÜCHTLING aus Gambia geschrieben, um den sich der HSV nun bemüht. Eine Geschichte à la “Vom Tellerwäscher zum Millionär” oder wie es ‘der Coach’ gestern formulierte “Ein modernes Märchen”. Wer aber will sich hier mit dem und auf Kosten des jungen Gambiers Bakery Jatta profilieren? Von der Presse die traum- und märchenhafte Stories wittert einmal abgesehen.

Blicken wir kurz zurück:

Kannenberg und Werder Bremen

Er hat mittrainiert bei Werder Bremen, vor gut einem Vierteljahr. Anfangs bei der U 19, später dann bei der U 23. Als Gastspieler in einem Testspiel gegen Hannover 96 II war Jatta mit zwei Treffern und einer Torvorlage sogar der Mann des Spiels und Matchwinner beim 3:1-Sieg. In Bremen war man sehr angetan von den Leistungen des Bakery Jatta. Sowohl Trainer Skripnik als auch Manager Eichin bestätigten dem jungen Gambier Potenzial.

Schon einmal schaffte es ein gambischer Kannenberg Schützling aus der Flüchtlingseinrichtung in Bremen Lesum, die Werderaner zu überzeugen. Ousman Manneh, der inzwischen äußerst erfolgreich in der 3. Liga für die Grün-Weißen spielt. Damals entdeckten die Werder Scouts das Talent noch selber, weil Manneh bereits beim Blumenthaler SV für Furore sorgte.

Im Falle von Bakery Jatta, stellte allerdings der Sportkoordinator der Akademie Kannenberg, der Tunesier Fadhel Souaifi, den Kontakt zu Werder her.  Jener Souaifi, der sich nun mit seinem Chef Lothar Kannenberg dafür feiern lässt, das Talent erkannt und den Jungen entsprechend auf Vordermann gebracht zu haben, dass er bei den Profivereinen vorspielen kann.

Jatta hinterließ “einen guten Eindruck” (Manager Eichin) und die Bremer unterbreiteten ein Angebot für die U19 in der A-Junioren Bundesliga Nord/Nordost. Ein Angebot, welches offenbar nicht ausreichte. Es wurde ein Profivertrag gefordert, den Werder ablehnte.

“Ich will nichts anderes, als ein echter Fußballprofi zu sein. Das ist mein größter Wunsch. Immer wenn ich morgens meine Augen öffne, sehe ein Fußballfeld vor mir. Ich bin mit Fußball geboren. Mein ganzes Leben will ich nur eins: Fußball spielen.”

Das sagte Bakery zwar gegenüber der Kreiszeitung, letztlich bleibt aber offen, ob er oder aber die Vertreter der Akademie Kannenberg das Angebot Werder Bremens ablehnten.

Fakt ist jedoch, dass wenige Monate später ein Berater an der Seite von Bakery Jatta auftaucht und den Kontakt zum HSV, zu Dietmar Beiersdorfer (und nicht zu Peter Knäbel) herstellt. Sein Name:

Efe-Firat Aktas

Firat Aktas von EF Sportmarketing verhandelt für (?) Bakery Jatta mit dem HSV

Firat Aktas von EF Sportmarketing aus Bremen verhandelt für (?) Bakery Jatta mit dem HSV

Der 38jährige in Berlin geborene Aktas ist in Bremen ansässig und betreibt dort die Firma EF Sportmarketing. Aktenkundig ist er als lizensierter Spielerberater beim DFB und in und umzu Bremen auch bekannt als ehemaliger Trainer von Vatan Spor (KSV Vatan Spor Bremen v. 1978 e.V.) sowie des FC Oberneuland (2008), für den er auch als Manager tätig war bevor er – wie man munkelt – gegangen wurde, um allerdings 3 Jahre später (2011) wieder beim FC Oberneuland aufzutauchen, um als ‘Freundschaftsdienst’ innerhalb von 5 Tagen einen komplett neuen Kader für den Bremer Oberligisten zusammenzustellen.

In etwa zur gleichen Zeit, taucht Efe-Firat Aktas als Berater von Marko Arnautovic auf. Auch beim damals in Bremen spielenden Diego soll er seine Finger im Spiel gehabt haben. Dem Vernehmen nach hat er in Bremen jedenfalls “rumgetönt, wie er Diego bei Galatasaray Istanbul unterbringen will.” Vielen in der Bremer Szene galt und gilt Aktas als zwielichtige, zumindest “verdammt unseriöse Gestalt”.

Firat Aktas… komische Gestalt, war ein unsympathischer Trainer! Die Familie hat wohl viel Geld: […] Man hört viel über ihn…

hiess es im Werder-Forum über ihn.

Nun, wie dem auch sei. Im Falle Jatta wurde der Kontakt zu Firat Aktas jedenfalls über die Akademie Kannenberg hergestellt und jener Aktas ist dann auch als Berater ins Trainingslager des HSV in die Türkei gereist um dort einen Kontrakt für seinen neuen Schützling auszuhandeln. Natürlich nicht, ohne den Kollegen von der BILD gleich mal die Konditionen durchzustecken:  Jatta würde demnach ein Gehalt von 120.000 Euro bekommen, inklusive Prämien könne die Summe auf rund jährlich 300.000 Euro steigen.

Gut, all das gehört zum Tagesgeschäft und bedarf im Prinzip keiner weiteren Beachtung. Interessant hingegen ist, dass neben dem lizensierten Spieler Berater Efe-Firat Aktas bei den Gesprächen in Belek plötzlich ein zweiter Mann auftaucht. Sein Name:

Luciano Casale

Berater Luciano Casale mit seinem damaligen Schützling Ailton. Was hat er mit Bakery Jatta zu tun?

Berater Luciano Casale mit seinem damaligen Schützling Ailton. Was hat er mit Bakery Jatta zu tun?

Der 1970 geborene Casale ist im Hamburger Amateurfußball kein Unbekannter. Als “ewiger Wandergeselle” hat der inzwischen 45jährige sich durch die Hamburger Verbands- und Oberliga gestürmt. Harburger TB, SC Victoria Hamburg, TSV Wandsetal, TuS Holstein Quickborn, SC Victoria Hamburg, VfL Hamburg 93, Wandsbeker FC, SC Victoria Hamburg, SV Örnek Türkspor, FC St. Pauli – so lesen sich die Stationen, von denen man annehmen darf, dass sie jeweils finanziell attraktiver waren.

Beim DFB ist Luciano Casale nicht als lizensierter Spielerberater gelistet, aber das heißt natürlich gar nichts. Ihm werden allerdings gute Kontakte, speziell nach Brasilien nachgesagt. Und da nimmt es dann auch nicht Wunder, dass Casale auch in Bremen ein alter Bekannter ist. An der Weser kennt man ihn als Berater von einer anderen illustren Gestalt, die es ebenfalls auf stolze 18 Vereine in seiner Karriere gebracht hat. Die Rede ist von Gonçalves da Silva, besser bekannt als Ailton.

Wo auch immer die Gründe liegen mögen, dass Casale auf den Jatta-Zug mitaufgesprungen ist und mitaufspringen konnte (“Eine Hand wäscht die andere???”, es bleibt unstreitig, dass all dies nicht aus reiner Nächstenliebe geschieht.

Der junge Gambier der nur davon träumt Fußballspielen zu können und Profi zu werden, hat nun zwei Berater an seiner Seite, die ihre Beraterhonorare im Sinn haben und mit Lothar Kannenberg – so lobenswert seine Einrichtung auch sein mag – einen Mentor, der mit Sicherheit in erster Linie eines im Sinn hat, nämlich sein Projekt in aller Munde zu sehen, wie sich unschwer an den kürzlich auf der Homepage der Akademie Kannenberg veröffentlichten Jubelposen ablesen lässt.

Was aber wird aus Jattas Träumen? Muss er sie – als Spielball dubioser Berater – begraben, wie so viele vor ihm – Flüchtlinge oder deutsche Talente gleichermaßen? Und wen interessiert das noch in einigen Wochen? Das ist das Geschäft? Und das Geschäft ist schmutzig!?

Egal, “The Show must go on”! Der Markt ist riesig und vor den Flüchtlingsunterkünften tummeln sich dann eben noch ein paar mehr ‘dunkle Gestalten’. Von Schleppern ins Land gebracht, den “Schleppern, Neppern, Bauernfängern in die Hände gefallen”. So wird es wohl noch vielen ergehen und Träume werden….Träume werden zerplatzen wie Seifenblasen.

Einstweilen träumt der Hamburger Sportverein davon, dass Bakery Jatta, dieser junge Flüchtling aus Gambia, der Heilsbringer ist und Rettung verheißt. Na dann…

Akademie Lothar Kannenberg entdeckt Fußballtalent - So selbstzufrieden feiert man sich. Sportkoordinator Fadhel Souaifi (l.) und Leiter Lothar Kannenberg (r.) in Jubelpose: Sauber hingeferkelt!

Akademie Lothar Kannenberg entdeckt Fußballtalent – So selbstzufrieden feiert man sich. Sportkoordinator Fadhel Souaifi (l.) und Leiter Lothar Kannenberg (r.) in Jubelpose: Sauber hingeferkelt!

4 Kommentare

  1. schneidermann

    Faszinierender Artikel… Und die Frage, warum das nicht in den Mainstream-Medien stand. .. Danke

    Antworten
    1. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      Die Frage ist relativ leicht zu beantworten:
      1. Man hätte ein wenig recherchieren müssen, das bedeutet Mühe und Zeitaufwand. Wozu, wenn man sein Geld auch leichter verdienen kann.
      2. Die Verbandelung von Beratern und Mainstream-Presse. Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Wie will man sonst an so begehrte Informationen wie Vertragsinhalte kommen?
      3. Es interessiert niemanden. Die Leute lesen lieber, was Lasogga zu Mittag gegessen hat.

  2. Jonny

    Super Recherche HeLücht. Diese Geschichte hätte von Milani oder Scholz
    kommen sollen, aber die Herren meiden schwierige Recherchen wie der Teufel das Weihwasser,
    Herbert Wehner hätte mit seinem berühmten Satz : ” Die baden gerne lau ” den Nagel auf den Kopf getroffen. Nur gut , daß es Leute wie Dich gibt, die in der Lage sind, Interessierten anständige Informationen zukommen zu lassen. Danke dafür.

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  3. ky

    HL, Hammer-Artikel und Recherche, ganz großer Sportjournalismus!
    Hoffe, dass die anderen Medien Dich zitieren (müssen), wenn sie nochmals was “Seriöses” über das vereinslose Talent unbekannten Alters aus Gambia schreiben wollen….

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