Die T-Frage- Alles Tuchel oder was? (Die verpasste Chance Teil 5: Die Trainer)

saisonanalyse2014-15-5

Im fünften Teil der Serie “Die verpasste Chance” geht es um die Trainer. Der Coach blickt zurück auf eine Rekordanzahl von Trainern beim HSV und auf ein Phantom, welches die komplette letzte Saison zwar nicht begleitete, aber doch massgeblich bestimmte.

Viel Spaß mit Slomka, Tuchel und Co. Weiter mit der Serie geht es am Freitag, dann folgt Teil 6!

Euer HeLuecht


[Die Serie: Teil 1: Einleitung | Teil 2: Mogelpackung HSV+? | Teil 3: Money, Money, Money! | Teil 4: Transfers | Teil 5: Trainer | Teil 6: Investoren & Anteile | Teil 7: Vorstand & Aufsichtsrat | Teil 8: Direktoren


Die T-Frage- Alles Tuchel oder was?

Vier Trainer saßen in der abgelaufenen Saison beim HSV auf der Bank (naja man könnte auch von 3 ½ sprechen) und dann war da noch der Trainer, dessen Name irgendwie immer im Hintergrund herumschwirrte – aber blicken wir zurück, der Reihe nach.

Mirko Slomka – der Verbrannte

In die Saison ging der HSV mit Mirko Slomka. Dieser hatte im Vorjahr Bert van Marwijk abgelöst und am Ende hatte man den Klassenerhalt in der Relegation geschafft, mit zwei Unentschieden. Aber ein Retter, das war er irgendwie nicht. Die letzten fünf Punktspiele gingen alle verloren und man hatte das unglaubliche Glück, dass die beiden hinter dem HSV platzierten Teams aus Nürnberg und Braunschweig ebendieses „Kunststück“ genauso vollbrachten. Slomka war angeschlagen, wirkte verbrannt – jedenfalls gerade im Hinblick auf den anstehenden Neustart. Hier wirkte er wie die Altlast, wie der, welche wie ein Bleigewicht das Team am Höhenflug hindern würde. Ob das alles so gerechtfertigt war, schwer zu sagen – aber Slomka stand für den alten HSV und es wirkte so, als stünde er einem Neuaufbau irgendwie im Weg.

Mirko Slomka war der erste der gehen musste.

Mirko Slomka war der erste der gehen musste.

Jedenfalls sah auch der neue Boss, Dietmar Beiersdorfer Slomka kritisch, wie er später öffentlich zugab. Er hatte aber nicht den Mut einen klaren Schnitt zu machen und Herrn Slomka zu ersetzen. So begann man die Saison mit Slomka und dieser startete die „Mutter aller Vorbereitungen“, die längste Vorbereitung aller Zeiten – wobei man sagen muss, dass es zwischendurch noch mal eine gute Woche frei für alle gab. Im ersten Teil dieser Vorbereitung gelang es Herrn Slomka jedenfalls die Grundlagen im Bereich Kondition/Fitness zu legen, womit er ein Manko der Vorjahre beseitigen konnte.

Slomka nahm großen Einfluss auf die Personalpolitik – seine Vorstellungen vom Fußball lagen im „schnellen Umschaltspiel“, also Konterfußball aus einer sicheren defensiven Grundeinstellung heraus. Die verpflichteten Spieler schienen auch durchaus sinnvoll zu sein und in dieses Konzept zu passen. Allerdings sorgte Slomka auch dafür, dass Jonathan Tah und Kerem Demirbay, die beiden hoffnungsvollsten HSV-Talente nach Düsseldorf bzw. Kaiserslautern verliehen wurden. Wobei man bei allen Entscheidungen stets berücksichtigen muss, dass der Vorstand natürlich das letzte Wort hatte – dieser trug aber alles mit und setzte auf Slomka, den verbrannten, dem man nicht recht vertraute und an dem man Zweifel hatte.

Nun denn, Herr Slomka startete mit einem Unentschieden gegen Köln und einer Niederlage gegen Paderborn in die Saison. Hierbei spielten die Neuzugänge noch keine so große Rolle, da sie teils spät zur Mannschaft stießen oder noch verletzt waren – es gab dafür einige Gründe. Aber plötzlich gab es Druck, die neuen sollten spielen – nicht nur aus den Reihen der Fans, nein auch von der Führung gab es entsprechende Äußerungen. Nun denn, am dritten Spieltag stellte Slomka im Prinzip alle verfügbaren Neuzugänge denn auch auf und – verlor . Die Niederlage gegen seinen Ex-Klub Hannover war sein letztes Spiel beim HSV. Slomka musste gehen und ein Nachfolger her.

Josef „Joe“ Zinnbauer – Hey Joe – bis auf Weiteres

„Du bist jetzt Trainer“ beinahe schon legendäre Worte die der Vorstandsvorsitzende wählte bei der Inthronisierung des Herrn Zinnbauer zum Cheftrainer. Ebenso in Erinnerung blieben auch dessen Worte bei der Vorstellung „… bis auf Weiteres.“

Aber der Reihe nach. Zinnbauer war vom (mittlerweile Ex-) Sportchef Kreuzer zum HSV geholt worden um die Nachfolge von Rodolfo Cardoso bei der U23 anzutreten. Der Trainer Zinnbauer, der schon in recht jungen Jahren mit Finanzdienstleistungen ein ansehnliches Vermögen erwirtschaftet hatte, war bis dato in unterklassigen Ligen als Trainer tätig gewesen, unter anderem in Oldenburg und zuletzt in Karlsruhe bei der zweiten Mannschaft.

Beim HSV haben Kreuzer und er im Sommer ein regelrechtes „Spielercasting“ veranstaltet um der U23 ein neues Gesicht zu verleihen – mit Erfolg. Bis zu seinem „Aufstieg“ zum Cheftrainer der Bundesligamannschaft gewann Zinnbauers „Zwote“ alle Punktspiele. Eine beeindruckende Bilanz – das dachte wohl auch Beiersdorfer, aber nicht sofort.
Nachdem man Slomka entlassen hatte brauchte man nun einen neuen. Dies schien für die Führung irgendwie überraschend zu kommen (nun, wenn man mit einem Trainer in die Saison geht dem man nicht wirklich vertraut, wobei dies eigentlich schon ein riesengroßer Fehler ist, dann sollte man doch einige Alternativen auf dem Zettel haben). Also war guter Rat teuer, wen sollte man nun holen? Als erstes kam man auf Thomas Tuchel. Dieser erklärte dem HSV, dass er in dieser Saison keinesfalls einen Verein übernehmen werde und sein „Sabbatjahr“ auf jeden Fall einhalten wolle. Dies wird im späteren Verlauf noch eine große Rolle spielen. Also Tuchel wollte nicht, als nächstes war Bruno Labbadia an der Reihe – dieser wollte, man war sich prinzipiell schon einig – aber Labbadia wurde es dann doch nicht (zumindest jetzt nicht).

Es wurde Joe Zinnbauer, dem Dietmar Beiersdorfer diese Kunde mit den eingangs erwähnten Worten „Du bist jetzt Trainer“ überbracht hat. Auf der Pressekonferenz teilte Beiersdorfer den anwesenden Journalisten dann mit, das Joe Zinnbauer der neue Cheftrainer der Mannschaft sein würde „bis auf Weiteres“. Diese drei Worte waren der erste Rucksack, den Zinnbauer mit sich tragen musste. Er war zwar kein Interimstrainer, aber irgendwie ein Trainer „auf Abruf“, eine Art „Experiment Zinnbauer“, versuchen wir es mal mit ihm, mal schauen was dabei rumkommt – so wirkte die Geschichte. Dafür gab es noch einen weiteren Grund, die Worte Tuchels, in diesem Jahr keinen Verein mehr zu übernehmen ließen hier wohl den Plan wachsen Thomas Tuchel für die nächste Saison zu verpflichten. Möglicherweise hatte Beiersdorfer diese Option schon im Kopf, als man mit Slomka in die Saison ging – jedenfalls spätestens jetzt war sie in Beiersdorfers Planungen präsent.

Also Zinnbauer – der Start glückte, ein 0:0 gegen den FC Bayern war durchaus beachtenswert (auch wenn die Bayern in diesem Spiel reihenweise gute Chancen ausließen). Man hörte das, was man eigentlich immer hört nach Trainerwechseln beim HSV, die Mannschaft präsentiert sich endlich als Einheit usw., doch ja, Zinnbauer schaffte es die Mannschaft (wenn auch auf schwachem Niveau) zu stabilisieren. Der HSV spielte zwar den schlechtesten, unansehnlichsten Fußball der Liga, aber es wurden einige Punkte geholt und man schien das Ziel Klassenerhalt in diesem Jahr durchaus schaffen zu können. Die Defensive stand deutlich verbessert im Vergleich zum Vorjahr, was allerdings in erheblichem Maße zu Lasten der Offensive ging – eigene Treffer waren absolute Mangelware beim HSV. Zinnbauers Vorstellungen vom Fußball (offensive Spielweise, viel Ballbeitz, Dominanz) waren diametral verschieden zu denen seines Vorgängers, nun musste er das Beste aus der Situation machen und seine Vorstellungen hinter den Möglichkeiten des Kaders zurückstehen.

Joe Zinnbauer erreichte die Mannschaft nur "bis auf Weiteres" dann musste er gehen.

Joe Zinnbauer erreichte die Mannschaft nur “bis auf Weiteres” dann musste er gehen.

Eine wirkliche Verbesserung, eine spielerische Entwicklung, all das gab es nicht . man holte hier und da einige Punkte, meist spielte die Mannschaft dabei nicht wirklich so, dass man als Zuschauer befriedigt nach Hause gehen kann. Eigentlich wurde nach einigen Spielen bereits klar, eine wirkliche Steigerung ist kaum zu erwarten, es reicht nicht. Doch just zu diesem Zeitpunkt, als die „Hey Joe“ und „wir bauen unseren eigene Kloppo“-Euphorie der Ernüchterung und den Zweifeln wich, in diesem Moment stattete der HSV den Herrn Zinnbauer mit neuem Vertrag aus. Zur Winterpause hätte man wohl eigentlich reagieren müssen und den Versuch starten sollen, mit neuem Cheftrainer eine Wende zum Besseren hinzubekommen, doch man baute weiter auf Zinnbauer. Auch ein 0:8 bei den Bayern in der Rückrunde änderte daran nichts. Warum eigentlich nicht? Das war die Frage und die Antwort darauf lautet wohl: Thomas Tuchel. Mit ihm wollte man wohl in die neue Saison gehen, Zinnbauer schien längst nur der Platzhalter zu sein. Das man dabei den Klassenerhalt aufs Spiel setzte schien die Herren der Führung nicht wirklich zu besorgen. Jedenfalls eine ganze Weile nicht, irgendwann dann aber nach dem Hertha Spiel zog man die Reißleine, Joe Zinnbauer musste gehen. Wer dachte, schlimmer kann es nicht werden, der wurde eines Besseren belehrt, doch dazu etwas später.

Zunächst noch etwas zu Zinnbauer. Das er letztlich „gescheitert“ ist hatte sicher eine Menge Gründe. Zum einen war er wohl noch nicht wirklich „reif“ genug für die Aufgabe Bundesliga, zumindest mal nicht für die Aufgabe HSV. Aber es gab auch Gründe, welche im Umfeld lagen. Das „Coach-Coaching“ durch Herrn Peters mag ein kleiner Baustein gewesen sein, vor allem die Tatsache, dass dies auch stets so öffentlich gemacht wurde.

Ein weiterer Baustein dürfte in dem Punkt liegen, dass immer wieder das Gefühl aufkam, dass Zinnbauer durch Knäbel oder Peters stark beeinflusst würde – wie weit diese Einflussnahme ging weiß man nicht, aber es scheint sie doch irgendwie gegeben zu haben, am Ende muss natürlich gesagt werden, dass sich ein Bundesligatrainer dann konsequent verhalten muss und keine solche Einflussnahme zulassen darf – nur für einen Neuling, der eine große Chance, vielleicht die Chance seines Lebens erhält ist das womöglich nicht so einfach.

„Bis auf weiteres“, diese Form des nicht hundertprozentigen Vertrauens gepaart mit dem „Warten auf Tuchel“ dürften dann ihr übriges getan haben.

Die Ergebnisse stimmten nicht, eine Entwicklung war nicht erkennbar – klare Sache, der Trainer muss gewechselt werden. Objektiv gesehen ist die Beurlaubung Zinnbauers nachvollziehbar, aber die oben genannten Dinge lassen eben auch ein kleines „Geschmäckle“ zurück, in der Art, dass Zinnbauer wohl von Beginn an eben nur ein „Trainer auf Abruf“ war und die große Chance für ihn so eigentlich gar nicht bestand, es sei denn, er hätte das Team in die Champions-League geführt.

Peter Knäbel – das Missverständnis

Peter Knäbel - als Trainer ein einziges Missverständnis.

Peter Knäbel – als Trainer ein einziges Missverständnis.

Hinter den Kulissen verhandelte man weiter mit Tuchel und es musste ein neuer Platzhalter her. Kein Trainer würde sich dies wohl für die letzten acht Spiele antun, wenn nicht wenigstens die realistische Option auf einen längerfristigen Vertrag bestünde. Also gab es wieder ein „Du bist jetzt Trainer“, auch wenn es diesmal wohl nicht so in der Form ausgesprochen wurde. Der Sportdirektor Peter Knäbel, der hatte ja eine Lizenz, der war Fußballlehrer. Also, ab auf die Bank mit dem Mann. Zur Seite stellte man ihm mit Peter Hermann einen erfahren Co-Trainer. Tja, da saß er nun, der Trainer Knäbel, zwei Spiele, zwei Niederlagen. Eigentlich war alles eher noch schlechter geworden bei diesem Intermezzo des Herrn Knäbel. Es schien der „Todesstoß“ in Liga Zwei zu sein, wenn Herr Knäbel weiter auf der Bank blieb. Dessen Aussagen nach dem Leverkusen Spiel, dass sein Gegenüber gemerkt habe, dass er kein Anfänger sei und ihm die Sache Spaß mache – unglaublich, angesichts der gezeigten Leistungen, aber auch geradezu typisch für Knäbel und seine Vorstandskollegen, welche den Ernst der Lage scheinbar immer noch nicht blickten. Das tat aber das Umfeld – man übte Druck auf den Vorstand aus, ein Sponsor kontaktierte Felix Magath (beinahe ein Running-Gag beim HSV, dass man immer nach ihm ruft wenn der Karren im Dreck steckt). Es musste etwas geschehen, so durfte es nicht weitergehen und es geschah etwas.

Bruno Labbadia – der Retter

Bruno Labbadia - einst vom Hof gejagt, jetzt der Retter - für wie lange?

Bruno Labbadia – einst vom Hof gejagt, jetzt der Retter – für wie lange?

Nun kam er dann doch, Bruno Labbadia unterschrieb einen Vertrag bis 2016, der auch für die Zweite Liga galt. Bruno begab sich „in den Tunnel“ und mit seinen Maßnahmen wie Trainingslager in Malente, Einzelgespräche usw. schaffte er es tatsächlich noch den HSV in die Relegation zu führen und diese am Ende siegreich zu bestreiten. Nun ist es nicht so, dass plötzlich unter Labbadia wirklich besser Fußball gespielt wurde, aber es war ihm offenbar gelungen allen den Ernst der Lage klarzumachen und das Team auf den Abstiegskampf einzuschwören. Und er hatte etwas, dass in dieser Situation so dringend benötigt wurde – Fortune. Ja, es war viel Glück dabei, ein schwaches, gegen den Trainer spielendes Schalke, ein „Handspiel“, welches eher selten so gepfiffen wird usw. – es gab einige Situationen die wirklich glücklich waren. Für Labbadia war es wohl das Glück des Tüchtigen – mit der Mischung aus harter Arbeit und Glück gelang es ihm jedenfalls den Klassenerhalt zu sichern, sein Anteil daran ist jedenfalls wirklich enorm hoch. Zehn Punkte holte er aus seinen sechs Spielen in der Liga, dazu blieb er in der Relegation ungeschlagen. Wie es weitergeht mit dem Trainer Labbadia beim HSV muss man sehen. Ob er nur ein Feuerwehrmann war oder ob es ihm gelingt eine längerfristige Lösung zu sein? Tja, wenn man sich die Vita des Herrn Labbadia anschaut ist es durchaus verständlich, dass es einige Zweifel an der Geeignetheit des Trainer Labbadia für den Neuaufbau gibt, aber er hat sich die Chance wohl verdient und dürfte im Gegensatz zu seinen Vorgängern einigen Kredit bei den Fans und im Umfeld haben.

Thomas Tuchel – The Man who wasn’t there

Thomas Tuchel - Der Mannn, der nie da war und trotzdem alles bestimmte.

Thomas Tuchel – Der Mannn, der nie da war und trotzdem alles bestimmte.

Tja, und dann war da noch Thomas Tuchel, naja eigentlich war er ja nicht da und er kommt auch nicht (außer mit Dortmund zum Spiel). Auf ihn setzte die Führung um Herrn Beiersdorfer, dafür war man bereit die Saison 2014/15 mit Übergangslösungen zu bestreiten. Ein unglaubliches Risiko, eines dass viel zu hoch war. Man hatte mit Tuchel verhandelt und war sich nach Angaben der HSV-Führung „einig geworden“. Allerdings, einen Vertragsschluss gab es nicht. Spätestens als sich der Aufsichtsratsvorsitzende Karl Gernandt vor die Kameras stellte und bekundete die Sache mit Herrn Tuchel sei „komplett durchdekliniert“ da wurde es Zeit für eine Entscheidung und diese gab es dann auch. Tuchel unterschrieb – in Dortmund. Er tritt dort erneut (diesmal direkt) in die Fußstapfen von Jürgen Klopp. Die beiden haben ja nun auch gemeinsam, dass sie schon fast in Hamburg waren. Am Ende sagte Tuchel, er habe sich der Aufgabe beim HSV nicht gewachsen gefühlt, obwohl sie reizvoll war. Er hätte viel mehr als nur Trainer sein sollen in Hamburg. Sein Konzept jedenfalls durfte er Herrn Kühne in Mallorca vorlegen und dieser fand es wohl ganz gut, jedenfalls berichteten einige Medien, dass Herr Kühne 25 Mio investieren wolle in den HSV, wenn Tuchel als Trainer kommt. Aber Tuchel kam nicht, Herr Kühne kann sein Geld stecken lassen und der HSV geht in die neue Saison mit Bruno Labbadia – in der Bundesliga, immerhin, das ist doch auch schon mal was.

Gab es sonst noch was?

Ja, ein interessantes Gedankenspiel – man stelle sich einmal vor, Herr Tuchel hätte dem HSV zugesagt, in der Zeit, als der Trainer Knäbel hieß und Herr Gernandt sein Interview gab. Was wäre dann wohl passiert? Eines jedenfalls ist klar, Bruno Labbadia wäre nicht gekommen. Ob es dann zum Klassenerhalt gereicht hätte? Äußerst fragwürdig – also spätestens hier wird deutlich welche Auswirkungen das Vabanque-Spiel des Vorstands hätte haben können und dieses Spiel trieb man trotzdem, man setzte leichtfertig den Klassenerhalt aufs Spiel. Eigentlich eine Ungeheuerlichkeit sondergleichen und unglaublich, dass ein solcher Vorstand seine Arbeit noch weiterführen darf. Aber verlassen wir schnell diese Vorstellung, denn am Ende hat es ja irgendwie zum Klassenerhalt gereicht, dank Bruno Labbadia, dank einer gehörigen Portion Glück und dank der Absage des Herrn Tuchel, welche die Verpflichtung Labbadias ermöglichte – so hat er ja dann doch noch etwas für den HSV getan.

— der Coach —


* Illustrationen, Bilder, Schaubilder etc. HeLuecht


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12 Kommentare

  1. michailow

    Die Entscheidung pro Zinnbauer habe ich zunächst als den Versuch gewertet ,einen erfolgreichen Motivator mit großem Ehrgeiz und einem scheinbaren Erfolgsgen als Lückenbüßer zu verwenden. Slomka sollte ja wohl auch nur die Tür für Tuchel offen halten.
    So eine Zwischenlösung riechen die Spieler und damit sind die Trainer auch im Innenverhältnis angezählt.
    Nach dem 0- 3 gegen Paderborn, das ich im Volkspark mit erleben konnte, war mir klar, dass Slomka in der Mannschaft und im Umfeld keine Autorität hatte. Seine Eloquenz stand im Widerspruch zu seiner Wirkung als Coach.
    Die ersten Schritte Zinnbauers machten Hoffnung, vor allem das “Hass-Spiel” gegen Leverkusen.
    Spätestens nach dem Bayern-Debakel war das Modell Zinnbauer erledigt, nur dass der Vorstand nicht die Courage hatte, seine Fehler einzugestehen. Wertvolle Zeit für eine Neuorientierung wurde verschenkt. So ist die weitere Achterbahnfahrt in der Rückrunde nur durch unfassbares Glück und den Trainer Labbadia positiv beendet worden. Der Imageschaden durch das chaotische Leitungshandeln und den schlechtesten Fussball in der Liga steht in einem klaren Widerspruch zu der Nibelungentreue der Fans. Ich gehöre leider auch dazu.

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    1. HeLuechtHeLuecht

      Michailow, zu Slomka hatte sich Beiersdorfer auf der MV ja nochmals geäußert und klar durchblicken lassen, dass man ihn nicht für den richtigen hielt und dass die Truppe unter ihm keine funktionierende Mannschaft war, sei ihm seit dem Vorbereitungsspiel gegen Lazio klar gewesen.

      Sicher kann man vermuten, dass Didi bereits damals mit einer Verpflichtung Tuchels für sofort oder später geliebäugelt hat. Unter diesem Gesichtspunkt erscheint eine Verpflichtung des U23 Trainers aus den eigenen Reihen logisch und sinnvoll. Dumm nur, dass eben dieser Trainer Zinnbauer von vornherein die Bürde “bis auf Weiteres“ in aller Öffentlichkeit mit auf den Weg bekam und so ein Scheitern bereits vorprogrammiert war, da die Spieler jederzeit ein Alibi vorweisen konnten, um sich aus ihrer Eigenverantwortung zu stehlen.
      .
      Hier liegt beispielsweise auch der gravierende Unterschied zu Werder und deren Verpflichtung des U23 Coaches als Cheftrainer (siehe auch: http://heluecht.stupid-and-slow.de/skripnik-oder-zinnbauer/ )
      .
      Man hatte wohl vor, Zinnbauer die Saison beenden zu lassen. Bei einem Unentschieden gegen die Hertha wäre er ja auch geblieben.
      .
      Die Klatsche gegen die Bayern… Wie wäre das Spiel gelaufen, hätte Olic früh den möglichen Führungstreffer erzielt? … ist durch das taktische Geschick von Pep (Robben, Müller und Götze gegen den unerfahrenen Marcos, bei gleichzeitiger Herausnahme von Jansen aus dem Spiel durch Rafinha) zu erklären. Da hätte Zinnbauer frühzeitig taktisch gegensteuern müssen. Marcos daraufhin nicht mehr zu bringen, halte ich für den größeren Fehler, denn die drei hätten jeden anderen auch schwindelig gespielt. Aber auch nach dem Bayernspiel gab es noch Möglichkeiten die Punkte für den Klassenerhalt unter Zinne zu sammeln. Knackpunkt war der Ausgleich von Gladbach in der Nachspielzeit.
      .
      Bruno hatte leichtes Spiel nachdem Knäbel die Truppe völlig an die Wand gefahren hatte. Er hat mit der Truppe das geschafft, was Joe anfangs gegen Bayern, Dortmund, Leverkusen auch gelang…er hat sie motiviert noch einmal alles (füreinander) zu geben. Fußballspielen hat er ihnen auch nicht beibringen können.
      .
      Fakt ist, die Saison wurde von Beiersdorfer “vertuchelt“ und der HSV ist dank der Motivationskünste und des Tunnels von Labbadia noch in der 1. Liga.

      Und jetzt…jetzt soll Bruno den Tuchel geben und Joe ihm zuarbeiten. Ob das klappt?

  2. ky

    Coach, nochmal schön aufgearbeitet, sozusagen für das Enkel-Archiv :-)
    Wird es diese Saison besser? Ich hoffe, ja. BL ist bereits da, kennt seine Pappenheimer und bekommt als RV einen Spieler, den er kennt, mit Emir Spahic eine Kante für die IV, mit Gregoritsch ein Offensiv-Talent, mal abwarten. Wichtiger erscheint mir, dass sich das Team neu findet, mit einer funktionierenden Hierachie und einem starken “Wir-Gefühl”. Hätte mich sehr gefreut, wenn GK nicht nur für ein Jahr verlängert hätte, denn dann hätte man ihn sehr gut zum Kapitän machen können. Hoffe, dass Marcelo Diaz nicht weggekauft wird, und er trotzdem noch genügend geistige und körperliche Frische trotz Copa mitbringt.
    Die ersten 4 Auftakt-Spiele lassen allerdings befürchten, dass das kein einfacher Saisonstart wird…

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    1. HeLuechtHeLuecht

      Und am 5. Spieltag gibt es die erste Entlassung der Saison, dann übernimmt Knäbel für zwei Spiele, bevor Zinne kommt, der den Platzhalter für Kloppo mimt und sich dabei von Peters Assistenz filmen läßt. Matti Steinmann ist derweil an den VfL Osnabrück ausgeliehen, Ashton Götz an Hansa Rostock, Gideon Jung an Münster und Ahmet Arslan unterschreibt einen Dreijahresvertrag bei Holstein Kiel, währen Tah von Leverkusen an Werder Bremen verliehen wird. In der Winterpause wird Marcell Jansen verpflichtet, der dringend wieder Geld verdienen muss, weil er sein Start-Up an die Wand gefahren und seine Ersparnisse verzockt hat. Nachdem die Dinge angestossen wurden, sind sie jetzt im Fluss, der Tanker schlingert auf die nächste Klippe zu.

  3. SchbaggnSchbaggn

    Coach, wie immer: TOP- Beitrag!

    Ich sehe es auch so, das der HSV schon seit Saisonbeginn (wo Herr Slomka noch Trainer war) auf Tuchel setzte. Warum sollte man denn sonst mit einem Trainer (Slomka) in die neue Saison gehen, von dem man nicht überzeugt war und es wohl auch Dissonanzen mit der Mannschaft gab.

    Die Inthronisierung Zinnbauer’s zum Cheftrainer (bis auf weiteres) unterstreicht nochmals die Vermutung, das die HSV seit längerer Zeit ausschließlich an Tuchel gedacht hat.

    Die Enteierung Zinnbauers durch Knäbel und Peters war jedoch erschreckend amateurhaft… nein, sie war noch nicht mal amateurhaft, sie war unsäglich bescheuert!!!!

    Ich bin ja ein harmoniebedürftiger Troll, aber die Leistung dieser Direktoren war erbärmlich und erinnert mich an gelebtes „Peter und Paul“ Prinzip!

    Antworten
    1. HeLuechtHeLuecht

      Da ist sie wieder: “Die Enteierung Zinnbauers durch Knäbel und Peters“. Permanent wiederholt, doch nie und durch nichts belegt, außer durch das vermeintliche Argument, Peters hätte die Autorität des Trainers durch seine “ständige Filmerei“ untergraben und Knäbel hätte Zinnbauer in Aufstellung und Taktik hereingeredet, weil Knäbel, als er übernahm, nichts an System und Aufstellung geändert habe.
      .
      Schbaggn, kannst du irgendetwas anderes als Beleg oder Vermutung für deine Enteierungsthese anführen?

  4. der Coach (Beitrag Autor)

    Zwei kurze Anmerkungen:
    1. Ob Tuchel von Beginn an eine Rolle gespielt hat ist unklar. Nach meinem Kenntnisstand erfolgte das erste Gespräch zwischen Beiersdorfer und Tuchel im September – nun höre ich deren Telefone natürlich nicht ab, es kann schon eher Kontakt gegeben haben. Das an sich logisch klingende Argument, warum sollte man sonst mit Slomka in die Saison gehen greift nicht wirklich. Es ist zwar eine theoretische Möglichkeit aber das Handeln des Vorstands folgte eben nicht immer nur der reinen Logik. Ich glaube, dass der Plan mit Tuchel frühestens ab September konkreter wurde.

    2. Die Einflußnahme von Peters und Knäbel: Ich habe versucht, hier möglichst vorsichtig zu Formulieren – genaues über dieses Beeinflussen ist nicht bekannt. Es scheint einen Einfluß gegeben zu haben, wie weit der ging ist aber völlig unklar. So könnte er sich auf kleine Hilfestellungen beschränkt haben oder eben weiter gegangen sein, man weiß es nicht. Ob Knäbel tatsächlich Einfluß auf die Aufstellung genommen hat ist meiner Ansicht nach völlig unklar, jedenfalls keineswegs nachgewiesen. Es wurde ja gesagt, dass man eng zusammen arbeite und das man den Trainer unterstütze. Nachweisbar ist, dass Peters durch das Coach-Coaching eng mit Zinnbauer gearbeitet hat, aber wohl nicht jeden Tag mit der Kamera hinter ihm hergelaufen ist. Wie weit eventuelle Einflüsse gegangen sein mögen muss ich deshalb einfach mal offenlassen.

    Hm. Nun waren die Anmerkungen dann doch nicht ganz so kurz. :)

    Antworten
  5. Mark Ihde

    Danke Coach für die klar strukturierte Zusammenfassung. Dem ist nichts hinzuzufügen

    Antworten
  6. Mark Ihde

    … am 5. Spieltag gibt es die erste Entlassung der Saison, dann übernimmt Knäbel für zwei Spiele, bevor Zinne kommt, der den Platzhalter für Kloppo mimt …
    schallendes Gelächter (wenn nur nicht so ernst wäre)

    Antworten
    1. HeLuechtHeLuecht

      Nun, es war zwar nicht wirklich ernst gemeint, aber völlig an den Haaren herbeigezogen wäre es bei der Historie nun auch wieder nicht.

      Bauchschmerzen bereitet mir momentan, dass Labbadia offensichtlich seine Personalwünsche erfüllt bekommt, man aber bei Erfolglosigkeit mit Sicherheit wie die Reissleine zihen und den Trainer entlassen wird. Dann hat man Personal, welches der Neue nicht haben will? Oder schafft man es endlich eine klare Spielphilosophie für den HSV festzuschreiben, an die sich der Trainer künftig zumindest in groben Zügen zu halten hat, wie dies beispielsweise beim DFB von den U-Mannschaften bis zur N11 durchgängig gehandhabt wird.

  7. MMSF-VSMNMT

    Guter Beitrag vom Coach, keine Frage. Die offen gelassenen Fragen werden vielleicht erst in Didis Memoarien ihre Antworten finden.

    Im Gegensatz zu den meisten Kommentaren (nicht nur hier) bin ich allerdings Meinung, dass es richtig war, dass Didi alles für eine Verpflichtung von Tuchel unternahm. Es war nur nicht genug bzw. alles richtig. Man stelle sich nur die Aufbruchstimmung vor, wenn “ER” jetzt mit einer stark verjüngte Mannschaft die Saison angehen würde. Mit Müller und Holtby wurden ja schon vorab Spieler geholt, die unter ihm groß geworden sind. Und ich schreibe dies, obwohl ich “IHN” überhaupt nicht mag…

    Antworten
    1. HeLuechtHeLuecht

      Sicherlich war es richtig, sich um Tuchel intensivst zu bemühen. Leider hat man dabei offensichtlich das Tagesgeschäft ein wenig aus den Augen verloren und die prekäre sportliche Situation dabei unterschätzt. Wäre der Klassenerhalt frühzeitig sicher gewesen, wäre die Tuchel Verpflichtung bestimmt über die Bühne gegangen, meine Meinung.

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