Die U23 mit dem Rücken zur Wand. Wohin geht die Reise?

Die Länderspielpause und Ostern haben dafür gesorgt, dass in der Regionalliga Nord das schiefe Tabellenbild durch die Austragung etlicher Nachholspiele begradigt wurde. Mit wenig schönen Ergebnissen und Aussichten für die „Zwote“ des HSV.

Die U23 befindet sich auf einem Abstiegsplatz, leider genau da, wo sie nach den in dieser Saison insgesamt gezeigten Leistungen auch hingehört.

Blicken wir noch einmal kurz zurück. Bereits die Saisonplanung für das Flaggschiff des HSV Nachwuchses verlief suboptimal. Lange Zeit war nicht klar, wer das Traineramt übernehmen würde. Man wartete beim HSV darauf, wie sich Joe Zinnbauer entscheiden würde. Würde er zur U23 zurückkehren oder nicht? Diese Frage stand lange, zu lange im Raum. Zinnbauer hatte einen Vertrag, der vorsah, dass er zurückkehren würde. Man mag es generös nennen, dass der Club es ihm freigestellt hat, sich zu entscheiden, man mag es auch dumm nennen.

Wie dem auch sei. Nachdem Zinnbauer zusagte, war die Saisonvorbereitung schon lange in Gange. Es blieb – im Vergleich zum Vorjahr – wenig Zeit eine neue Truppe zusammenzustellen. Es wurde gecastet und getestet (siehe hierzu auch: [Die U23 in der Saisonvorbereitung]) und Zinnbauer stellte fest, dass die Mannschaft nicht die Qualität haben würde um oben mitspielen zu können, sondern, dass es wieder einmal nur gegen den Abstieg gehen würde. Er forderte vehement Verstärkungen, die ihm wohl auch während einer Phase der Saisonvorbereitung zugesagt wurden, dann aber aufgrund der massiven finanziellen Zwänge nicht realisiert wurden bzw. werden konnten.

Der Start in die Saison verlief passabel mit einem Sieg in Goslar. Das Remis gegen Schilksee musste schon als Enttäuschung gewertet werden. Bereits früh in der Saison zeigte sich, woran es hapert. An der Chancenverwertung und an der äußerst fragilen Defensive. Was folgte, war die Demontage in Wolfsburg, wo man Joe Zinnbauer schon komplett desillusioniert auf der Bank erleben konnte. Das letzte Spiel von Zinnbauer als verantwortlichem U23 Trainer gegen den Aufsteiger aus Hildesheim stand bereits unter dem Stern seiner Verpflichtung in St. Gallen, von der die Elf vor der Partie erfuhr. Das dürfte nicht unerheblich zu dem schwachen Auftreten vor heimischer Kulisse beigetragen haben.

Die Bilanz 2015 von Joe Zinnbauer als U23 Trainer beim Hamburger SV

Die Bilanz von Joe Zinnbauer bei der U23 in der Sasison 2015/16

Die Bilanz von Joe Zinnbauer bei der U23 in der Sasison 2015/16

So liest sich die Bilanz von Magic Joe, der die Zwote in der Vorsaison in ungeahnte Höhen führte, sehr dürftig. Lediglich 4 Punkte gegen die drei Aufsteiger und nur 2 Siege in 8 Partien (gegenüber 8 von 8 im Vorjahr) bedeuteten einen Schnitt von einem Punkt pro Spiel.

Die Partien unter Joe Zinnbauer im Detail

Spieltag Partie Ergebnis Platz
 1 Goslarer SC – HSV  1:2  3.
 2 HSV – TSV Schilksee  1:1  6.
 3 VfL Wolfsburg – HSV  4:0 11.
 4 HSV – BV Cloppenburg  2:2 10.
 5 ETSV Weiche – HSV  3:2 12.
 6 HSV – SV Drochtersen-Assel  2:1 12.
 7 Eintracht Norderstedt – HSV  2:0 15.
 8 HSV – VfV Borussia Hildesheim  1:2 14.

Auf Zinnbauer folgte sein Co Soner Uysal. Jener Mann, der immer von sich behauptete, sich im zweiten Glied wohler zu fühlen, sollte also die Geschicke der U23 bis auf Weiteres bestimmen. In der Retrospektive lässt sich leicht vermuten, dass diese Entscheidung weniger einem konkreten Plan entsprang, sondern zum einen der Tatsache geschuldet war, dass der Weggang Zinnbauers so für die Verantwortlichen nicht absehbar war und zum zweiten, der eben noch entscheidenderen Tatsache, dass der HSV kein Geld für die Verpflichtung eines Trainers von Rang und Namen zur Verfügung hatte.

Uysal startete mit zwei Niederlagen, brachte es nach 8 Spielen wie Zinnbauer auf 2 Siege, 2 Remis und 4 Niederlagen. Ihm gelang es die Defensive einigermaßen zu stabilisieren, aber nicht die Effektivität vor dem gegnerischen Tor zu erhöhen. So blieb es letztlich Artjoms Rudnevs und seiner Entscheidung Spielpraxis sammeln zu wollen vorbehalten, dass der HSV zwischenzeitlich auch mal wieder einige Dreier einfahren konnte. 5 mal lief Rudnevs für dir Rothöschen auf, 5 mal verlor der HSV nicht. Alle drei Siege unter Uysal wurden mit Rudnevs im Team erzielt.

Die Bilanz von Soner Uysal als Cheftrainer bei der U23

Die Bilanz von Soner Uysal als Cheftrainer bei der U23

In der Winterpause beschloss man, mit Soner Uysal bis zum Saisonende weiter zu machen. Man attestierte ihm Anfangsschwierigkeiten – die Schuhe als Cheftrainer schienen eine deutliche Nummer zu groß zu sein – attestierte ihm gleichzeitig allerdings auch, dazugelernt zu haben.

Immerhin hatte er dann ja auch eine Serie von 5 ungeschlagenen Spielen vorzuweisen. Nur…es langt eben nicht, nicht zu verlieren, wenn die Konkurrenz im Keller zwischenzeitlich dreifach punktet. Drei Niederlagen und zwei Siege sind nun einmal besser als 5 Unentschieden.

Die Partien unter Soner Uysal im Detail

Spieltag Partie Ergebnis
 9  HSV – SV Meppen 0:1
10  Eintracht Braunschweig – HSV 2:0
11  HSV – Hannover 96 0:0
12  TSV Havelse – HSV 1:0
14  BSV SW Rehden – HSV 0:3
15  HSV – VfB Lübeck 2:2
16  VfB Oldenburg – HSV 5:1
17  HSV – Lüneburger SK Hansa 3:2
18  HSV – Goslarer SC 1:1
20  HSV – VfL Wolfsburg 2:1
23  SV Drochtersen-Assel – HSV 0:0
24  HSV – Eintracht Norderstedt 0:1
25  VfV Borussia Hildesheim – HSV 1:1
26  SV Meppen – HSV 1:1
30  HSV – FC St. Pauli 1:1

Der HSV ist zum Siegen verdammt. Also zu etwas, was ihm in 23 Spielen ganze 5 mal gelungen ist. Woher die Hoffnung nehmen, dass sich daran in den verbleibenden 11 Spielen Gravierendes ändern könnte.

Im Umfeld der Zwoten scheint der Abstieg kein Thema zu sein, „Wir schaffen das, macht euch keine Sorgen“ lautet das Credo dort. Die Hoffnung stammt in erster Linie aus dem 1:1 gegen den SV Meppen. Aus meiner Sicht ist das arg dünn und sehr blauäugig.

Sicherlich, die Tabelle ergibt nach wie vor ein schiefes Bild. Der HSV hat drei Spiele weniger als die vor ihm befindlichen Teams  und es sind nur 3 Punkte auf den rettenden Platz 15, den die LSK Hansa momentan einnimmt. 5 Punkte beträgt allerdings bereits der Vorsprung von St. Pauli und Goslar. Bei einem bisherigen Punkteschnitt von 1,07 Punkten pro Spiel, wären die nicht zu erreichen.

Die aktuelle Tabelle der Regionalliga Nord  2015/16 (Stand 29. März 2016 13 h)

Platz Verein Spiele S U N Tore Diff Punkte
1. VfB Oldenburg 25 17 6 2 48:16 +32 57
2. VfL Wolfsburg II 26 17 4 5 63:20 +43 55
3. ETSV Weiche Flensburg 25 14 8 3 48:21 +27 50
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10. BSV Rehden 26 7 10 9 31:35 -4 31
11. Hannover 96 II 25 7 9 9 30:29 +1 30
12. VfV Borussia 06 Hildesheim 23 8 5 10 33:39 -6 29
13. Goslarer SC 08 26 8 5 13 31:43 -12 29
14. FC St. Pauli II 26 8 5 13 32:47 -15 29
15. Lüneburger SK Hansa 26 6 9 11 36:44 -8 27
16. Hamburger SV II 23 5 9 9 25:35 -10 24
17. BV Cloppenburg 1919 24 3 9 12 17:40 -18 18
18. TSV Schilksee 23 0 3 20 17:65 -48 3

Schilksee und Cloppenburg, der heutige Gegner, scheinen als Absteiger bereits festzustehen. Schilksee ganz sicher. Sich darauf zu verlassen, dass die zur Zeit schwächelnden Oldenburger oder die zweite Garnitur der Wölfe in der Aufstiegsrunde zur 3. Liga durchsetzen, wäre fahrlässig.

Es geht also bereits heute Abend um 19:30 in Cloppenburg um die Wurst. Ein Sieg ist Pflicht, ein Unentschieden käme einer Niederlage gleich. Die Frage ist, wie die junge Mannschaft mit diesem Druck umgehen kann, zumal die Personalsituation durch die Verletzungen von Götz, Porath und Feka angespannt ist. Ein Rudy wird es heute Abend nicht richten können, denn der ist mit seiner N11 unterwegs.

Ähnlich wie bei der Ersten, bleibt wieder einmal nur Hoffen, Beten, Daumendrücken, dass es schon irgendwie klappen wird und der Abstieg vermieden werden kann. Ein Abstieg, der für das ‚neue‘ Nachwuchsprogramm des HSV fatal wäre. Oberliga statt 3. Liga, das klingt nicht gerade attraktiv um die Besten aus Norddeutschland an sich zu binden.

4 Kommentare

  1. ky

    HL, vielen Dank für die übersichtliche Berichterstattung. Vielleicht sollte der HSV Deine Blogs vergüten, da sonst niemand von HSV 2 so ausführlich berichtet. Das Geld wäre in die Zukunft investiert, und nicht in einen “Legendenbetreuer”…

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  2. Rauteee

    Sieg! Und Frank R. kam zu seinem Debüt :-)

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    1. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      Ja, Ronstadt hat sogar komplett durchgespielt. Der Sieg war wichtig. Dennoch…Platz 15 ist trügerisch und bedeutet noch lange nicht, dass ein Abstieg vermieden wird.

  3. slobocop plusslobocop plus

    ich hätte ja schon zu gerne gesehen, was passiert wäre, wenn die exzellenzen joe nicht für st. gallen freigegeben hätten.

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