Die verpasste Chance (Teil 3: Money, Money, Money!)

saisonanalyse2014-15-Teil3

Bevor man sich ernsthaft darüber unterhalten und auslassen kann, was schlecht gelaufen ist bzw. was man wie hätte anders und besser machen können, muss man sich zunächst mal einen Überblick über das verschaffen, worunter es dem HSV chronisch zu mangeln scheint, jedenfalls wenn man der Presse und den Aussagen der Verantwortlichen Glauben schenken darf: Die Rede ist von Geld!

Der dritte Teil der Saisonanalyse 2014/15 widmet sich also den Finanzen des HSV. “der Coach” spannt den Bogen von der Hoffmann Ära bis ins hier und jetzt. Doch lest selbst und diskutiert mit uns! 

Euer HeLuecht

P.S. Teil 4 folgt übrigens am kommenden Freitag und Teil 5 dann wieder am Dienstag!


[Die Serie: Teil 1: Einleitung | Teil 2: Mogelpackung HSV+? | Teil 3: Money, Money, Money! | Teil 4: Transfers | Teil 5: Trainer | Teil 6: Investoren & Anteile | Teil 7: Vorstand & Aufsichtsrat | Teil 8: Direktoren


Money, Money, Money...must be funny... aber nicht beim HSV!

Money, Money, Money…must be funny… aber nicht beim HSV!

Money, Money, Money – die Finanzen des HSV

Eigentlich wollte ich heute über den Start der AG und die ersten Entscheidungen und Handlungen der neuen Führung schreiben – aber es erscheint mir dann doch für das weitere Verständnis der Zusammenhänge sinnvoller, zunächst nochmal auf die Finanzen des HSV und hier insbesondere die Ausgangslage vor der Saison 2014/15 zu schauen. Da viele Entscheidungen erst im Kontext der wirtschaftlichen Situation zu beurteilen sind, macht es Sinn diese einmal etwas genauer zu beleuchten.

Beginnen möchte ich mit den wichtigsten Kennzahlen des Jahres 2013/14 (der Jahresabschluss dieses Geschäftsjahres bildet die Grundlage für den Start 2014/15).

Kennzahlen des Jahres 2013/14
Umsatz 121,11 Mio €
Aufwendungen 144,82 Mio €
Schuldenstand -94,5 Mio €

Setzten wir die Umsätze und Aufwendungen mal ins Verhältnis zu den Vorjahren und beginnen 2010/11, also dem letzten Jahr unter Bernd Hoffmann.

Umsatz Aufwendungen
2011 122,35 Mio 147,10 Mio
2012 115,45 Mio 137,70 Mio
2013 116,72 Mio 152,72 Mio
2014 121,11 Mio 144,82 Mio

Zunächst kann man feststellen, dass der Umsatz des HSV im Jahr 2014 beinahe wieder so hoch war wie im Jahr 2011, dem letzen Jahr unter Bernd Hoffmann. Insgesamt betrachtet liegt der HSV beim Umsatz im oberen Teil der Liga, insbesondere wenn man berücksichtigt, dass in den vergangenen Jahren keine zusätzlichen Einnahmen aus Europapokalspielen in den Umsatz eingeflossen sind, so lässt sich festhalten, dass der HSV auf der Einnahmeseite relativ gut aufgestellt ist.

Bernd-Hoffmann - stand noch für Umsätze über dem Ligadurchschnitt.

Bernd-Hoffmann – stand noch für Umsätze über dem Ligadurchschnitt allerdings auch für zu hohe Aufwendungen.

Zwar lag man 2011 mit dem Umsatz noch deutlich über dem Ligaschnitt (der lag bei ca. 92,5 Mio) und 2014 liegt man darunter (Ligaschnitt: 135 Mio) – doch liegt das Ansteigen des Ligaschnitts hauptsächlich im Anstieg bei den “Topklubs” begründet, welche durch regelmäßige Europapokaleinnahmen den Schnitt steigern und vor allem am FC Bayern München, welcher in völlig anderen Umsatzsphären schwebt als der Rest der Liga und den Schnitt deutlich nach oben zieht.

Das Problem des HSV besteht vielmehr auf der Ausgabenseite – wie die Tabelle verdeutlicht, gibt der HSV seit Jahren deutlich mehr aus, als er einnimmt. Zwar gelang es der Führung um Carl Edgar Jarchow im ersten Jahr, die Einnahmen zu senken – schon im nächsten Jahr gab es allerdings einen umso deutlicheren Anstieg (hier spielt u.a. der van der Vaart Kauf hinein). Zwar wurde im letzten Jahr unter Jarchow nicht mehr ganz so viel ausgegeben, trotzdem lagen die Ausgaben beinahe wieder auf dem Niveau von 2011.

Dieses dauernde Leben über die eigenen Verhältnisse, welches in der Hoffmann-Ära begann und in der Jarchow-Ära nochmal eine Steigerung erlebte führte den HSV in die nun bekannte problematische Situation. Schon zum Ende der Hoffmann-Ära hätte hier deutlich entgegengesteuert werden müssen, Hoffmanns Nachfolger taten dies zwar im ersten Jahr, verfielen aber alsbald in die altbekannte Weise.

Schon zu Beginn der Ära Jarchow (und wohl auch am Ende der Hoffmann-Ära) wurde immer wieder betont, man müsse den Lizenzspieleretat auf (unter) 35 Mio € bringen – gelungen ist dies nie. Der Lizenzspieleretat lag im besten Falle mal bei 39 Mio im Jahr 2012 (andere Quellen geben hier 40,5 Mio an) – für das Jahr 2013/14 liegen die Angaben zwischen 40 und 43,5 Mio Euro.

Unter Carl-Edgar Jarchow wurde ständig über die eigenen Verhältnisse gelebt.

Unter Carl-Edgar Jarchow wurde ständig über die eigenen Verhältnisse gelebt.

Allerdings dürfte für eine Konsolidierung der Finanzen die Senkung des Lizenzspieleretats nicht allein ausreichend sein. Jahr für Jahr müssen hohe Verbindlichkeiten abgetragen werden – wobei ein tatsächlicher Schuldenabbau nicht getätigt wird, da stets neue Verbindlichkeiten dazukommen, teilweise werden die Verbindlichkeiten auch “gestreckt”, d.h. die Fälligkeit durch entsprechende Vereinbarungen mit den Gläubigern nach hinten verschoben.

Das Bedienen von Verbindlichkeiten in dem man neue Verbindlichkeiten aufbaut um alte zu bedienen oder in dem man Gelder ausgibt, welche eigentlich für die Zukunft geplant waren – all das zeichnet eben gerade keine nachhaltige und vernünftige Wirtschaftspolitik aus.

Der HSV geriet in den vergangenen Jahren in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten, insbesondere die Liquidität konnte oftmals nur durch externe Gelder gesichert werden (Adidas, Sportfive, Fan-Anleihe), Gelder aus diesen Quellen dienten zur Sicherung der (gerade für die Lizenzerteilung wichtigen) Liquidität und zur Aufrechterhaltung des Spielbetriebs. Es wurden Darlehen aufgenommen um Transfers zu tätigen (z.B. bei Herrn Kühne im Falle des van der Vaart Kaufs). Der HSV balancierte wirtschaftlich stets am Abgrund, doch lebte weiter deutlich über seine Verhältnisse – wer schon mal Peter Zwegat bei RTL gesehen hat, der kennt diese Verhaltensweise. Dem HSV fehlen jedes Jahr gut zwanzig Millionen Euro um wirklich kostendeckend zu arbeiten – besser gesagt, dass Missverhältnis zwischen Einnahmen und Ausgaben müsste um ca. 20 Mio geringer sein um wirtschaftlich zu arbeiten. Allerdings wäre es schon bei der Hälfte möglich einen Bilanzgewinn auszuweisen (dieser betrug als Verlust im vergangenen Jahr – 9,2 Mio € – im Vergleich die Vorjahre: 2013: -8,5 Mio €, 2012 4,7 Mio € und 2011 3,3 Mio €).

Es gilt also die Einnahmesituation zu verbessern und insbesondere die Kosten zu senken (eine Senkung der Kosten um zehn Mio € könnte für ein positives Ergebnis in 2015 sorgen). Kostensenkung ist das probate Mittel zur Konsolidierung.

Der HSV: Im Sauseschritt ins Minus, egal unter wem!

Der HSV: Im Sauseschritt ins Minus, egal unter wem!

Die Kostenstruktur beim HSV ist hoch

…viel zu hoch. Daran muss dringend etwas geändert werden.

Sonstige betriebliche Aufwendungen in Höhe von 40 Mio Euro stellen einen Top-Wert in der Liga da, ebenso die Zahl des beschäftigten Personals und die Aufwendungen hierfür. Der HSV gibt Geld aus wie ein Klub, der regelmäßig Europapokal oder gar Champions-League spielt – nur spielt er eben da nicht und es fehlen dementsprechende Einnahmen.

Carl Edgar Jarchow war einst angetreten unter der Prämisse den HSV wieder auf wirtschaftlich vernünftige Beine zu stellen – doch daraus ist nichts geworden. Die Kosten konnten nicht signifikant gesenkt werden, die Einnahmesituation hat sich nicht signifikant geändert – von Schuldenabbau kann ebenfalls überhaupt keine Rede sein, im Gegenteil, die Schulden waren 2013/14 auf einem Rekordniveau angelangt ( 2012 lagen die Schulden bei ca. 89 Mio). Ständiges Löcherstopfen und dabei neue Löcher aufreißen, diese Politik konnte nicht gutgehen.

Ein “Glanzstück” ganz besonderer Art war hierbei die Fan-Anleihe, die sog. Jubiläums-Anleihe.

Zum 125jährigen Jubiläum brachte der HSV eine Fan-Anleihe heraus, mit dieser sollte laut Katalog das Zukunftsprojekt “HSV-Campus” finanziert werden. Der Campus sollte den Anlaufpunkt für die Nachwuchsarbeit im Volkspark bilden, außerdem eine Begegnungsstätte für HSVer sein. Zunächst brachte man Anleihen im Gegenwert von 8,5 Mio € heraus, nachdem sich diese „wie warme Semmeln“ verkaufte wurde eine zweite Tranche aufgelegt – insgesamt ca. 17 Mio € nahm der HSV dadurch ein. Die Anleihe hatte eine Laufzeit von sieben Jahren und die Rückzahlung würde im Jahr 2019 fällig sein. Die Fans waren begeistert und erwartungsfroh, sie hofften auf eine rasche Realisierung des von ihnen zwischenfinanzierten Campus.

HSV-Jubiläumsanleihe: 17,5 Mio verschwinden im Nirwana.

HSV-Jubiläumsanleihe: 17,5 Mio verschwinden im Nirwana.

Aber irgendwie ging es, bis auf ein paar gefällte Bäume, nicht so richtig voran und dann irgendwann platzte die Bombe – das Geld war für den laufenden Spielbetrieb ausgegeben worden, für den eigentlichen Zweck, den Campus war nichts mehr da. Zwar hatte irgendwo im „Kleingedruckten“ gestanden, dass das Geld auch anderweitig, insbesondere für die Liquidität des Vereins verwendet werden durfte – doch trotzdem, auch wenn es juristisch sauber war, die Enttäuschung der Fans, welche die Anleihe gezeichnet hatten ist durchaus nachvollziehbar. Wobei festzuhalten bleibt, dass die Zeichner der Anleihe im materiellen Sinn ja (noch) nichts verloren haben, sie haben eine verzinste Anleihe gezeichnet und diese soll zum Stichtag verzinst bedient werden. Lediglich moralisch kann man hier dem damaligen Vorstand Vorwürfe machen. Eine „tolle Performance“ war das Ganze aber mit Sicherheit nicht.

Ach ja, der Campus soll ja nun doch noch entstehen, Alexander Otto steht für eine Finanzierung gerade, allerdings ohne den handelnden Personen beim HSV direkt einfach Geld in die Hand zu drücken. Ist wohl auch besser so.

Also, es bliebt festzuhalten, dass die wirtschaftliche Situation des HSV bei Ausgliederung sehr schlecht war – eine neue Politik musste her, Konsolidierung der Finanzen musste oberste Priorität genießen. Eine Politik der Schulden und der hohen Ausgaben durfte keinesfalls weitergeführt werden. Jeder weitere Schritt in diese (falsche) Richtung würde den HSV weiter deutlich zurückwerfen. Es musste also ein Umdenken her und eine Abkehr vom bisherigen Weg war unumgänglich – und dies musste sofort erfolgen, es durfte keine Umwege geben und kein Verfallen in althergebrachte Wirtschaftspolitik beim HSV.

Die Initiative HSV+ wollte den Weg der Konsolidierung gehen. Am 25. Mai 2014 gab ihr die Mitgliedschaft ihr Okay, der neuen Führung schenkte man Vertrauen, dass es besser werden würde als bisher. Was daraus wurde? Das werden wir sehen – am Freitag geht’s los.

— der Coach —


* Illustrationen, Bilder, Schaubilder etc. HeLuecht


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10 Kommentare

  1. michailow

    Eine gute Darstellung der G + V des HSV. Die Sorglosigkeit und der wirtschaftliche Dilettantismus sind nur noch als erschütternd zu bezeichnen. Kollektive Verantwortungslosigkeit, die sich leider in der Führung der AG fortsetzt. Erstaunlich, dass dieser “kranke Mann” van der Elbe immer noch lebt. Eine echter Sanierungsplan wurde bis jetzt nicht erkennbar. Es wurde nach der Ausgliederung weitergewurschtelt (EOR). Zu dumm nur, dass Rieckhoff eine Fehlentwicklung anprangert, gegen die er mit HSV + mobilisiert hat. – Das größte Elend sehe ich in der Personalwirtschaft : Unwirtschaftliche Wasserköpfe werden im Unternehmemn alimentiert, die Personen werden ohne markt- und leistungskonforme Richtwerte bezahlt. Funktionieren die Personen nicht, werden sie großzügig abgefunden, nachdem man vorher schon ungleiche Verträge – zu Lasten des HSV abgeschlossen hat. Wer berät eigentlich den HSV juristisch?
    Wenn ich so arbeiten würde …

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    1. HeLuechtHeLuecht

      …würde dir auch so lange nichts passieren, wie du keine silbernen Löffel klaust. #Beamtenstatus

      Als Beamtensohn verwahre ich mich allerdings dagegen, dass die Beamten mit irgendwelchen Verantwortlichen des HSV in einen Topf geworfen werden.
      .
      Einen Sanierungsplan… hihi… ja, ein Plan wäre schon schön. Vielleicht mal einer, der die Direktorengehälter der Finanzlage entsprechend anpasst, einer, der das Personal drastisch reduziert (ich weiß, das ist hart!)… aber auch hier wird man wohl nicht umhinkommen, sich dies mit zum Teil satten Abfindungen zu erkaufen. Sei’s drum, ein Anfang muss endlich gemacht werden!!!

  2. michailow

    @HeLuecht

    Klar bin ich durch meinen Status geschützt, aber das mit den silbernen Löffeln ist Geschichte.
    Ich weiss ja, wie Du es meinst. Mich entsetzt – aus der Ferne betrachtet – wie wenig die Innenkontrolle in dieser Großorganisation ausgeübt wurde.

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  3. SchbaggnSchbaggn

    Normalerweise klatsche ich ja nur bei Beiträgen von Dosentaost “reflekthaft” (hat er mir unterstellt). In diesem Fall klatsche ich Beifall, bis meine Hände wieder im Dunkeln glühen. Freiweillig!!!!

    Tat ich mich am Anfang dieses Blogs schwer, mit den Begrifflichkeiten “Aufwand und Schuldenstand” umzugehen, so darf ich nun konstatieren: well done, Coach!

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  4. HeLuechtHeLuecht

    Mich entsetzt – aus der Ferne betrachtet – wie wenig die Innenkontrolle in dieser Großorganisation ausgeübt wurde.


    Die fehlende Kontrolle läßt lediglich zwei Vermutungen/Schlüsse zu:
    1. Es laufen dort nur “Vollidioten“ rum.
    2. Es existiert ein unheiliger Filz und es fließen Gelder unter der Hand.

    Letzteres ist hinter vorgehaltener Hand ja häufiger zu vernehmen, ohne dass es jemals belastbar belegbar gewesen wäre. Aus der Distanz, als nicht Insider bleibt nur Kopfschütteln. Ich weiß von Leuten, die dichter dran sind, dass sie es lieber nie gewesen wären.
    .
    Seien wir also froh. ;-)

    Antworten
    1. SchbaggnSchbaggn

      Nein Nein Nein…. dann würde das gleiche ja für alle Vollexperten der EU gelten….. nein nein nein…. das kann nicht sein ;-)

  5. cool downcool down

    @ Coach – Riesenleistung, wie Du das aufgedröselt hast. Respekt und Danke !

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  6. Mark Ihde

    Hallo Coach.
    Eine sehr gute Zusammenfassung. So versteht sogar ein Fachfremder, wie ich, die Zahlen.
    Für mich war Herr Hoffmann immer der Hoffnungsträger. Seine Zahlen mögen sich von den heutigen nicht wesentlich unterscheiden, damals hatten wir allerdings eine Perspektive (Europa) und damit auch die Möglichkeit unsere Kredite zu bedienen.
    Bin sehr gespannt auf die Fortsetzung, bitte weiter so

    Antworten
    1. der Coach (Beitrag Autor)

      Bei Hoffmann fließt ja hier nur das letzte Jahr ein – bis beinahe dahin funktioniere das System ja ganz ordentlich – der Erfolg nährt den Erfolg, durch Europapokal-Einnahmen und gute Möglichkeiten bei einer recht erfolgreichen Mannschaft funktioniert das ganz gut – problematisch wird es dann, wenn der Erfolg ausbleibt und dies auch noch mehr als ein (oder zwei) Jahre. Dann wird es eng, dass war auch zum Ende der Ära Hoffmann hin zu beobachten – klotzen war nicht mehr drin.

  7. ky

    @coach: Das war ja auch bei Werder, Stuttgart oder z.T. auch Schalke zu sehen – keine CL, keine EL = grosse Probleme, die Differenz von ca. 15-35 Mio (je nach Ergebnis und Zuschauerinteresse) lässt sich eben nicht in den Folgejahren schnell wieder aufholen, wenn der Kader zu groß, zu teuer und mit zu langen Laufzeiten der Verträge ausgestattet ist.

    Ich schrieb es schon mal an anderer Stelle: In Wahrheit sind die Fixkosten im Profi-Fussball zu hoch, die variablen Anteile viel zu niedrig.
    Die Kostenseite bleibt nämlich fast unberührt innert einer Saison – Mannschaft, Präsidium, Stadionkosten, Geschäftstelle, Sicherheitsdienst, medizinsche Versorgung, Trainingslager, etc, sind unabhängig vom Erfolg in Liga und Pokal.
    Es sei denn, man investiert in der Winterpause noch ordentlich nach :-)
    Die Ertragsseite ist schwerer zu kalkulieren – Tabellenplatz (TV-Vermarktung), Zuschauerschnitt, Einnahmen aus Pokal (ggf. TV-Rechte bei Top-Spiel), etc. aber auch nicht so unkalkulierbar wie im realen Wirtschaftsleben.

    Ein Grundfehler der meisten Vereine ist es aus meiner Sicht, keine Gewinnerzielungsabsicht zu haben.
    Schulden entstehen durch mangende Vorgaben/Kontrollen und “Blauäugiges wird schon gutgehen”. Schulden aber machen unfrei (siehe HSV, Kühne, S5-Deal, Aramark, etc.) und lähmen aktives Agieren bei Spielerverpflichtungen, Vertragsverlängerungen etc.
    Wäre ich heute DB, dann würde ich dem HSV ein zukunftsweisendes Sanierungskonzept verpassen mit der Vorgabe, p.a. ein operatives Ergebnis von 8% EBIT zu erzielen. Das wären bei 110 Mio. Umsatz also 10 Mio Gewinn vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen. 66% davon würde ich in die Schuldentilgung investieren, um in 10-12 Jahren endlich schuldenfrei zu sein, die restlichen 33% gehen in eine Rückstellung “Chancen auf Transfermarkt”.
    Buli-Vereine sind Wirtschaftsunternehmen; sie haben (auch) eine Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern. Wird Zeit, dass auch Wirtschaftskompetenz in die Führungsriegen einzieht (Dortmund ist ein sehr gutes Beispiel, wie man aus der Fast-Insolvenz wieder zu einem Festgeld-Konto kommt).

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