Die Woche im Sommerloch (1) – Zinne is back!

Das Sommerloch ist unübersehbar. An allen Ecken wird verzweifelt versucht irgendetwas hervorzukramen, aus dem sich eine Meldung machen liesse. Die Bild eilt voran und titelt irgendewtas mit “Olic fordert Stars”. Liest man den Artikel dann, entpuppt sich das Ganze wieder mal als reisserischer Aufmacher (wen wundert’s) der seine Schuldigkeit getan hat, denn sofort geht der Shitstorm gegen Olic los (wen wundert’s?!). Dabei hat Olic nicht von Stars gesprochen, sondern davon, dass man sich qualitative verstärken müsse, wenn man nicht wieder gegen den Abstieg spielen wolle. Dazu wäre es ja schon mal ausreichend, einen Trainer zu haben, der in der Lage ist eine Mannschaft zu formen, die von den Spielertypen und Charakteren zueinander passt und zuverlässig füreinander arbeitet auch ohne, dass die Motivationskeule herausgeholt werden muss, wie es in der vergangenen Saison bei Joe Zinnbauer und Bruno Labbadia der Fall war. Ach ja, damit das hier auch gleich erledigt ist: Bruno Labbadia hat es geschafft eine darniederliegende Truppe zu emotionalisieren und dazu zu bringen, dass sie wenigstens kämpft. Nicht mehr und nicht weniger. Das tat sie übrigens zum größten Teil unter Joe Zinnbauer auch. Also, Bruno zeig erst mal, was du drauf hast, bevor du einen neuen Vertrag unterschreibst.

Selbst der Welt fällt nicht mehr ein als die längst vergangene Mitgliederversammlung hervorzukramen und unter dem Aufmacher “Geteilte Lager beim krisengeschüttelten HSV” über die Art und Weise der Meinungsverschiedenheiten zwischen Ernt-Otto Riekhoff und Karl Gernandt zu spekulieren. Dazu will ich mich hier nicht weiter äußern, weil es niemandem irgendetwas bringt.

Dann kommt auch gleich der letzte Sommerloch-Punkt, den ich ansprechen möchte, weil er so heiss diskutiert wird, Jonathan Tah! Bekanntlich wurde Tah verliehen, weil er bei Slomka keine Rolle spielte, jenem Trainer von dem der Vorstandsvorsitzende bereits bei Amtsantritt nichts hielt. Das ist Aussage genug. Jetzt ist er wieder da. Alles andere wird sich zeigen sobald die Wechselperiode I am 1. Juli beginnt. Ich persönlich würde Tah gerne hier beim HSV spielen sehen, genauso wie ich mir wünsche, dass ein Matti Steinmann als HSV-Eigengewächs hier seine Chance erhält. Unterm Strich sind mir derzeit Namen allerdings vollkommen egal, ich möchste eine echte Mannschaft, ein Team auf dem Platz sehen. Wie die Spieler dann heissen, ist mir so etwas von egal.

Wie die Spieler heissen, das wusste ich gestern beim ersten Testspiel der “neuen” U23 auch nicht. Doch der Reihe nach…

+ + + Er ist wieder da! Joe Zinnbauer bei “seiner” U23.

Lange haben wir warten müssen, bis der Trainer für die kommende Saison bei der U23 benannt wurde. Die Führung wollte, dass Joe Zinnbauer den Job wieder übernimmt. Prinzipiell hat er einen entsprechenden Vertrag bis 2016, aber offensichtlich überließ man “Joe” die Entscheidung, ob er zurückkehren will oder nicht und der konnte sich lange nicht entscheiden, was natürlich zu allerlei Spekulationen führte. Er hatte andere Angebote, vorwiegend aus dem Ausland und aus der 2. und 3. deutschen Liga. Letztlich hat er sich für den HSV entschieden und dafür, seinen Vertrag zu erfüllen, der selbstredend nicht zu Erstligakonditionen weiterläuft.

Ich persönlich halte das für eine mutige Entscheidung. Ich halte es auch für eine gute Entscheidung. Jetzt kann Joe Zinnbauer beweisen, dass er ein guter Trainer ist,m der nicht nur motivieren sondern junge Spieler auch weiterentwickeln kann. Ansonsten freue ich mich wirklich, dass er beim HSV geblieben ist, weil er für mich der einzige Sympathieträger der letzten Saison war (auch wenn man ihm durchaus handwerkliche Fehler vorwerfen kann und gewisse Dinge während seiner Cheftrainertätigkeit fraglich bleiben, so auch die Rolle, die Peter Knäbel bei den Aufstellungen gespielt hat). Joe ist das sympathische Gesicht des HSV, da gibt es erstaunlicherweise keine zwei Meinungen.

Auf die Frage, warum er mit seiner Entscheidung pro HSV und U23 so lange gezögert hat, erklärte Zinnbauer gegenüber der Bild “Für mich war es wichtig, gute Strukturen zu haben, um eine professionelle Ausbildung leisten zu können. Das alles war bis zum Schluss noch nicht gesichert.” Was sich dahinter verbirgt, kann nur vermutet werden. Ich vermute mal, dass für Joe Zinnbauer eine Struktur wichtig war, in der Peter Knäbel ihm in seine Arbeit mit den jungen Menschen nicht mehr reinredet. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die beiden sich nicht so recht grün sind.

Noch steht viel Arbeit ins Haus für Joe Zinnbauer bei der U23.

Noch steht viel Arbeit ins Haus für Joe Zinnbauer bei der U23.

Wie dem auch sei, die “Strukturen” sind nun so gut, dass Joe Zinnbauer wieder übernimmt und das tut und tat er mit dem ihm innewohneneden Elan und mit einer nach wie vor ansteckenden, fast kindlichen Begeisterung (Ja, ich bin ein Fan von ihm!). Diesen Elan und diese Begeisterung wird er auch benötigen, denn das Gesicht der U23 wird sich dramatisch verändern. Viele Spieler werden gehen und viele Spieler werden kommen. Dieser Prozess ist gerade erst im Gange.

Folgende Personalien sind momentan klar:

Abgänge:

  • Sven Mende (Wehen Wiesbaden 3. Liga)
  • Dominik Masek (SC Cambuur Leuwaarden 1. Liga NL)
  • Kevin Otremba (Babelbsberg 03 RL-Nordost)
  • sowie Christian Derflinger, Nils Brüning, Francis Adomah, Merphi Kwatu (ziel unbekannt) und Fabio Morena (Karriereende)

Zugänge:
aus der eigenen U19 kommen:

  • Marc Lindenberg (19, IV)
  • Finn Porath (18, ZM)
  • Andre Branco (19, ZM)
  • Armando Tikvic (19, LV)
  • Sebastian Haut (19, DM)

zudem derzeit fest verpflichtet sind

  • Adel Daouri (20, MS, Freiburg II)
  • Vesel Limaj (19, OM, Cottbus U19)
  • Gillian Jurcher (18, RA, St. Pauli U19)

Sämtliche Neuzugänge sind mit einen Einjahresvertrag bis 30.6.2016 ausgestattet, lediglich mit Sebastian Haut wurde ein Vertrag bis 2017 geschlossen. Der quirlige Gillian Jurcher erhielt gar einen Vertrag bis 2018.

Von den bisherigen Spielern verbleiben noch:

  • Tolcay Cigerci (20, OM)
  • Dominik Jordan (20, RV)
  • Dong-Su Kim (19, IV)
  • Gideon Jung (20, IV)
  • Ronny Marcos (21, LV)
  • Roan Kwon (19, MS)
  • Said Benkarit (20, MS)
  • Ahmet Arslan (21, RA)

Bei Gideon Jung wird momentan über eine Leihe spekuliert. Ashton Götz, Matti Steinmann, Mohammed Gouaida sowie Philipp Müller sind Lizenzspieler der ersten Mannschaft und finden in dieser Aufstellung keine Berücksichtigung, könnten allerdings jederzeit in der Regionalliga zum Einsatz kommen, wie dies in der vergangenen Saison der Fall war.

Die Personalplanung ist noch nicht abgeschlossen, sondern vielmehr in vollem Gange. Mit 5 – 6 Neuzugängen wird noch gerechnet und so ist es auch nicht verwunderlich, dass gleich in der ersten Trainingswoche (Dienstag gab es einen ersten Leistungstest, seit Mittwoch wird 2 mal täglich im Nachwuchsleistungszentrum trainiert) eine Reihe von Testspielern gesichtet wurden, die auch beim ersten Testspiel am gestrigen Samstag auf Platz 10 des NLZ in Norderstedt zum Einsatz kamen.

Beim 8:0 (1:0) Testspiel gegen den 9. der Hamburger Bezirksliga West Union Tornesch kamen insgesamt 21 Spieler zum Einsatz. Unter ihnen die ehemaligen aber jetzt vertragslosen HSV U23 Spieler Tino Dehmelt (TW) und Nico Charrier (HS).

Der HSV spielte
in der 1. Halbzeit mit:
Tino Dehmelt – André Branco, Ridel Monteiro (18, DM, LSK Hansa U19/Ex St. Pauli und SC Condor), Nico Charrier, Dobrosav Kostic (20,LV, KSC II), Onur Yesilli (19, RV, Union Berlin II), Joy Okengo, Gillian Jurcher, Vesel Limaj, Meriton Bytyqi (19, IV, Etoile Carouge (Schweiz)), Joshua Gebissa

in der 2. Halbzeit:
Tino Dehmelt – Dominik Jordan, Ahmet Arslan, Johannes Gerhart (18, DM, Viktoria Aschaffnburg), Kerim Karolus, Adel Daouri, Sebastian Haut, Enes Küc (18, MS, Bochum U19), Marc Lindenberg, Marco Schumann (20,RV, LSK Hansa), Laurynas Kulikas (21, MS, Bochum II, Ex Holstein Kiel/St. Pauli)

Mit dem bunt durcheinander gewürfelten Haufen kamen die Hamburger gegen die hoffnungslos überforderten Gäste, die es in 90 Minuten kaum einmal über die Mittellinie schafften, in der ersten Halbzeit kaum zu guten Gelegenheiten, was Joe Zinnbauer an der Seitenlinie ien ums andere Mal in Rage brachte. Insbesondere der junge Gillian Jurcher zog des öfteren den Groll des Trainers auf sich, als er den Ball zurück- anstatt nach vorne spielte. Dennoch gehörte Jurcher zu den auffälligsten Akteuren auf dem Platz und deutete sein großes Potenzial in vielen Szenen an. Neben ihm fielen positiv auf: Andr´Branco, der vornehmlich auf der linken Seite immer wieder das Spiel ankurbelte und seine Mitspieler immer wieder anwies, wie sie sich zu positionieren haben. Auch Neuzugang Limaj konnte in Ansätzen gefallen.

Ahmet Arslan - Als Kapitän voran. So geht Führung!

Ahmet Arslan – Als Kapitän voran. So geht Führung!

In der zweiten Halbzeit kam mit Kapitän Arslan mehr Feuer ins Spiel. Arslan dirigierte seine Mannen lautstark und übernahm damit den Part von Joe Zinnbauer, nur eben auf dem Spielfeld. Arslan war überall zu finden, grätschte als ging es um den Aufstieg und war in jeder Hinsicht ein Vorbild. So wird man automatisch zu einer Führungsfigur. Hut ab Ahmet!!! Ebenfalls für das wunderschöne Freistoßtor.
Sehr auffällig und mit viel Umsicht beim Dirigieren seiner Nebenleute auch Sebastian Haut, der ja bereits in der vergangenen siason seine ersten Einsätze für Matti Steinmann in der U23 hatte. Insgesamt wirkten die Testspieler in der 2. Hälfte allesamt etwas reifer, auch Adel Daouri hob sich deutlich ab, ohne allerdings bereits das Niveau von Arslan, Jordan oder Haut zu erreichen. Mit zunehmender Spieldauer und Müdigkeit des Gegners setzte sich auch Kilikas im Sturmzentrum besser in Szene, ein ums andere Mal bestens bedient – na von wem wohl? – genau – von Ahmet Arslan.

Tore: 1:0 Vesel Limaj, 2:0 Enes Küc, 3:0 Sebastian Haut, 4:0 + 5:0 + 8:0 Laurynas Kulikas, 6:0 Ahmet Arslan, 7:0 Adel Daouri

Joe Zinnbauer hat vor Beginn der Saison schon einmal tiefgestapelt. Man peile einen Platz im gesicherten Mittelfeld an. Er rechne nicht damit, in diesem Jahr bereits eines der Talente an die Profimannschaft weiterreichen zu können. Wer ihn kennt, wird wissen, dass er alles daran setzten wird, es doch zu tun und mit seiner wie auch immer aussehenden Truppe weiter oben in der Tabelle zu landen. Klares Ziel ist in diesem Jahr aber die Weiterentwicklung von Spielern.

Talentförderung ist das Stichwort. Hier werden wir während des Sommerlochs noch einmal genauer hinschauen und einmal beleuchten, dass Tanlentförderung weit mehr ist, als den einen oder anderen Spieler aus einer U-Mannschaft in den Profibereich zu bringen.

Bevor dies allerdings geschieht, beginnt am Dienstag hier im Blog erst einmal eine mehrteilige Serie, die die vergangene Saison genau analysiert. Was ist geschehen? Was hätte geschehen müssen und wie wird es weitergehen? Diese Fragen behandelt “der Coach” ausführlich, fundiert und gute recherchiert. Ich freue mich drauf und bin genauso gespannt wie ihr, was er da alles zu Tage fördert und womit er das belegt.

Bis dahin euch einen angenehmen Start in die Woche und lasst euch nicht die Laune von irgendwelchen Sommerlochmeldungen verderben!!!

9 Kommentare

  1. ky

    HL, wie immer:
    Perfekt recherchiert, authentisch reproduziert, mit Deiner Dir eigenen Empathie – klasse!

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  2. Benno Hafas

    Lese es auf einer A…backe sitzend. Bin in Eile, 15 Tage Radtour am Rhein.
    NUR DER HSV II

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    1. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      Ist mir egal auf wievielen A….backen du sitzt, Hauptsache du liest hier. Viel Spaß bei deiner Tour und pass auf, dass du nicht rhein fällst.

  3. ky

    so, HL, jetzt hast Du mal eine Exklusiv-Meldung:
    Am Mittwoch abend – 17.6.2015 – war Lukas Podolski in Hamburg. Er fuhr mit einer dunklen S-Klasse und Chauffeur zu einem nicht näher bekannten Ort. Wen er getroffen hat, ist nicht bekannt. Da LP eigentlich im Urlaub ist, muss dieser Besuch in HH für ihn wichtig gewesen sein.
    Dass LP einen neuen Verein sucht, ist hinlänglich bekannt. Dass der HSV den 123-fachen Nationalspieler verpflichten möchte, eine reine Spekulation, aber womöglich nicht ganz von der Hand zu weisen (siehe Torbilanz letzte Saison).

    Ob aber ausgerechnet der sicherlich zu den Hochverdienern und nicht gerade zu den Hoch-Performern gehörende “Prinz Peng” eine sinnvolle Investition in die Zukunft sein soll, bezweifle ich sehr stark.
    LG, ky

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    1. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      Ky, soll ich jetzt so vrij sein und damit hausieren gehen ;-) ?

  4. der Coach

    Jedenfalls hat Poldi ein nettes Foto gemacht, zusammen mit Herrn Rettig und einem Pauli-Trikot, welches die Tage zu bewundern war.

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    1. ky

      Das Foto stammte vom 5.6., vor Poldis Urlaub.

      HL, im Gegensatz zu der de Vrij-Nummer habe ich einen verlässlichen Zeugen der Autovermietung, mit dem ich Dich gern bekannt mache…

  5. der Coach

    Ja, stimmt – das Foto ist tatsächlich etwas älter. Da hat mir meine Erinnerung einen Streich gespielt.

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  6. TheCavalry

    Poldi hin, Poldi her… der HSV hat’s so schon schwer!!!

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