Directors Cut! (Die verpasste Chance Teil 8)

saisonanalyse2014-15-8

Weiter geht es und dieses Mal sogar wieder pünktlich und wie angekündigt. Teil 8 betrachtet die Direktorenebene beim HSV ein wenig genauer und ide Zuständigkeiten, die nach wie vor nicht so ganz klar abgegrenzt sind. Nächste Woche dann das große Finale und dann startet ja auch bald wieder die neue Saison und wir werden sehen, wie sich das Team des HSV schlägt, auf dem Rasen und auf allen anderen Ebenen.  

Euer HeLuecht


[Die Serie: Teil 1: Einleitung | Teil 2: Mogelpackung HSV+? | Teil 3: Money, Money, Money! | Teil 4: Transfers | Teil 5: Trainer | Teil 6: Investoren & Anteile | Teil 7: Vorstand & Aufsichtsrat | Teil 8: Direktoren] 


“Und noch ein Direktor…” – die “zweite Reihe” beim HSV

Beim letzten Mal haben wir festgestellt, dass die personelle Verschlankung des Vorstands nicht wirklich stattgefunden hat. Zu erwähnen sei dazu noch, dass die nunmehr drei Vorstände auch erheblich mehr Gehalt bekommen als ihre Vorgänger. Während der ehemalige VV Jarchow mit 300.000 € im Jahr nach Hause ging erhält sein “Quasi-Nachfolger” Dietmar Beiersdorfer ungefähr das fünffache.

Nun aber kommen wir zur Ebene darunter – den Direktoren. Hier hat der HSV unterhalb des Vorstands eine Ebene geschaffen, die ebenfalls eine personelle Erweiterung und keinesfalls eine Verschlankung darstellt. Der Begriff der Direktorenebene ist dabei strenggenommen nicht ganz korrekt, nicht jeder direkt unter der Vorstandsebene trägt den Begriff Direktor und nicht jeder der diesen “Titel” trägt ist direkt unter dem Vorstand angesiedelt.

Einige der Aufgabengebiete waren vorher noch im Vorstand angesiedelt (Sportdirektor Kreuzer war noch Vorstandsmitglied) – heute ist diese Position gespalten in zwei Bereiche und zwei Dirktoren teilen sich die entsprechenden Aufgaben. Auch wenn sie nicht im Vorstand sitzen, die Gehälter der beiden dürften das von Herrn Kreuzer übersteigen.

Das aktuelle Organigramm der HSV AG belegt, dass von einer Verschlankung der Gremien keine Rede sein kann.

Das aktuelle Organigramm der HSV AG listet auch die Vielzahl der Direktoren auf.  komplettes Organigramm als pdf-Datei

Man kann jedenfalls festhalten, dass der gesamte “Verwaltungs-und Funktionärsapparat” des HSV recht aufgebläht ist und das es nicht gelungen ist, schlankere und effizientere Strukturen zu schaffen. Die Zahl der Angestellten lag mit ca. 160 Personen In einem sehr hohen Bereich und man kann sich natürlich fragen (oder muss sich fragen) ob es hier nicht Möglichkeiten zur Einsparung gäbe und ob dieses Gebilde so tatsächlich optimiert funktional ist.

Unter diesen ganzen Angstellten sind dann eben auch jene Direktoren, mit welchen wir uns nun ein wenig beschäftigen wollen. Hier soll es in erster Linie um die für den Sport verantwortlichen gehen.

Für den Sport gibt es zwei Direktoren. Zum einen den Direktor Sport, Bernhard Peters zum anderen den Direktor Profifußball, Peter Knäbel (letzterer trat erst Anfang Oktober offiziell sein Amt an).

Die Zuständigkieten und deren Abgrenzungen / Überschneidungen lassen sich dem aktuellen Organigramm der HSV AG entnehmen. So ist, grob gesagt, der Direktor Sport für den Nachwuchs und der Direktor Profifußball für den Profibereich zuständig.

Peter Knäbel – Direktor Profifußball

Beginnen möchte ich mit dem, der später kam -Peter Knäbel, dem Direktor Profifußball. Dieser kam erst nach der Transferperiode I zum HSV. Mit den Sommertransfers hatte er wohl nichts zu tun, jedenfalls offiziell (ob er schon irgendwelchen inoffiziellen Einfluß nehmen könnte weiß ich nicht,dies wäre Spekulation – ich glaube aber nicht, dass er mit den Sommertransfers tatsächlich irgendwas zu tun hat).

Das Hauptaufgabenfeld des Herrn Knäbel liegt also bei der Profimannschaft. Diese blieb in der abgelaufenen Saison weit hinter den Erwartungen (kalkulert war mit Platz 10) zurück. Nun muss man natürlich sagen, dass er mit den meisten Entscheidungen bzgl. der Kaderplanung und Zusammenstellung nichts zu tun hatte, dies hat Herr Beiersdorfer zu verantworten – doch am Ende bleibt festzuhalten, Herr Knäbel hat in seinem ersten Jahr eine unglückliche Figur abgegeben.

Knäbel kam vom Schweizer Verband, wo der ehemalige Profi (Pauli und Nürnberg habe ich in Erinnerung) den Posten des Sportdirektors ausübte – Erfahrung im Vereinsfußball oder gar in der Bundesliga hatte er in diesem Job nicht wirklich vorzuweisen. Das allerdings hatten ja andere Sportdirektoren auch nicht immer und einige leisten durchaus beachtenswerte Arbeit.

“Unglückliche Figur” – irgendwie passt das für mich auf Herrn Knäbel in der letzten Saison. Es beginnt mit seiner Außendarstellung. Hatte man Oliver Kreuzer noch als “Presse-Olli” bezeichnet, weil er gern und viel mit der Presse sprach und sich auch gern über seine Art zu reden mokiert – so muss man festhalten, hier ist es bei Knäbel nicht besser geworden.

Peter Knäbel - als Trainer ein einziges Missverständnis.

Peter Knäbel – als Trainer ein einziges Missverständnis.

Auch Herr Knäbel redet gern, aber auf eine andere Art als Herr Kreuzer. Kam Kreuzer noch eher als “Mann aus dem Volke” rüber, der redete wie ihm der Schnabel gewachsen war (und dann noch mit dem Dialekt) – so verkörpert Knäbel eher das Gegenteil. Eine Sammlung pseudo-intellektueller Worthülsen und Wortschöpfungen vermitteln oft den Eindruck, der Mann redet gern und viel aber so ichtig gesagt hat er nichts. Oft agiert er in der Öffentlichkeit unglücklich, in Erinnerung bleiben Dinge wie “vorweihnachtliche Mentalität entwickeln” oder seine Stellungnahme beim Trainer-Intermezzo (“Kein Anfänger auf der Bank” usw.) – die Reihe ließe sich noch lange fortsetzen. Man wird irgendwie “nicht recht warm mit ihm”, seine gestelzte Sprache und etwas abgerückte, oberleherhafte Art sind jedenfalls nicht förderlich. Doch auch hier gilt, wichtig ist vor allem was er tut und nicht was er sagt, oder wie er es sagt.

Nun, mit den Sommertransfers hatte er nichts zu tun, aber im Winter, da war seine Person gefragt, es galt Verstärkungen für die Mannschaft zu holen. Am Ende wurden es Olic und Diaz – die Bilanz durchwachsen. Olic kann man wohl eher als Flop sehen, seine VErpflichtung ist unter den gegebenen Bedingungen jedenfalls kaum nachvollziehbar- Diaz hingegen war zwar lange verlertzt, machte aber (nicht nur durch sein Tor in Karlsruhe) einen ganz ordentlichen Eindruck und Hoffnung auf mehr.

Ob es am Ende Knäbel war, der im Winter für die Planungen und Einkäufe verantwortlich war oder doch eher wieder Beiersdorfer oder beide gemeinsam, wie auch immer – man weiß es nicht. Jedenfalls sprachen die Neuzugänge immer von Beiersdorfer und nicht von Knäbel bei ihrer Vorstellung oder den darauf folgenden Interviews. Letztlich ist hier interessant, inwieweit Beiersdorfer hier Einfluß nimmt – jedenfalls interessant im Hinblick auf die Organisationsstruktur und die Möglichkeit die Arbeit Knäbels letztendlich zu bewerten.

Herrn Knäbel wurde lange vorgeworfen nur Schweizer oder Spieler mit Schweiz-Bezug zu kennen. Naja, das erinnert an Arnesen, dem vorgeworfen wurde nur Leute von Ex-Klub Chelsea zu holen. Mittlerweile düfte sich das Ganze doch etwas anders darstellen – jedenfalls ist unter den Neuzugängen in diesem Sommer bisher kein Schweizer und im Winter kamen letztlich Olic (aus Wolfsburg) und Diaz (aus Basel), ob man daraus aber irgendwas ableiten kann, nach dem Motto “Der kennt nur Schweiz”, dies halte ich für überzogen.

Knäbel hatte irgendwie keinen leichten Stand und dann kam das, was dieses Standing nochmal deutlich verringerte – das Trainer-Intermezzo.

Man hatte an Joe Zinnbauer festgehalten, doch irgendwann entschied man sich um – ein Last-Minute-Tor der Herthaner aus Berlin besiegelte Zinnbauers Schicksal. Nun machte Beiersdorfer seinen Direktor Profifußball zumTrainer – eine Entscheidung die wohl auch im Zusammenhang mit dem Werben um Tuchel gesehen werden muss- jedenfalls eine Fehlentscheidung, wie nicht nur die beiden Niederlagen unter Knäbels Regie zeigten. Eine Fehlentscheidung, die dann durch den zunehmenden Druck und die Entwicklungen nach zwei Wochen korrigiert wurde, doch an Knäbel blieb natürlich der größte Makel hängen. Ncht ganz zu unrecht, denn er hätte es ja nicht machen müssen – doch eigentlich ist es auch hier Beiersdorfer, dem die größte Kritik in dieser Angelegenheit gelten müsste. Zum Glück kam ja dann noch Labbadia und der Klassenerhalt wurde ja bekanntlich noch erreicht.

Herrn Knäbel wird auch immer wieder vorgworfen Einfluß auf Herrn Zinnbauer (bis hin zur Aufstellung) geübt zu haben – ob das so ist? Keine Ahnung, Nachweise dafür gibt es nicht, nur Spekulationen -dehalb möchte ich darauf nicht weiter eingehen.

Als Fazit kann man bezüglich Herrn Knäbel ziehen, dass er – wie die meisten der neuen Führung Fehler gemacht hat, eine Menge Fehler, er muss an sich arbeiten und möglicherweise muss er sich auch “freischwimmen” vom Einfluß Beiersdorfers und klare Kante zeigen. Er ist für den Profikader verantwortlich, dementsprechend sollte er zukünftig handeln. Ach ja und ein bisschen an seiner Außendarstellung arbeiten.

Bernhard Peters – Direktor Sport

Neben Herrn Knäbel agiert Bernhard Peters. Könnte man Knäbel als “Presse-Pete” bezeichnen so gilt für Peters das genaue Gegenteil. Der ehemalige Hockeybundestrainer redet extern nur wenig, man bekommt nicht viel von ihm in der Presse zu lesen/hören.

Direktor Sport Berhard Peters kümmert sich darum, dass der Nachwuchs beim HSV künftig gut aufgestellt ist.

Direktor Sport Berhard Peters kümmert sich darum, dass der Nachwuchs beim HSV künftig gut aufgestellt ist.

Sein Hauptbetätigungsfeld ist der Nachwuchs – hier gilt es beim HSV wohl viele Versäumnisse der Vergangenheit aufzuholen. Peters ist hier der starke Mann, ausgestattet mit vielen Kompetenzen und (wenn man den im Organigramm, im Gegensatz zu Knäbel, fehlenden Strich zwischen sich und Beiersdorfer richtg deutet) vielen Freiheiten soll er hier ein nachhaltiges Konzept entwerfen und umsetzen.

Peters kam, zur Freude vieler, aus Hoffenheim wo er, unter gänzlich anderen Voraussetzungen, in ähnlicher Form tätig war. Peters gilt als akribischer Arbeiter – er ist kein Typ zum Anfassen. Fur ihn steht seine Arbeit im Vordergrund, diese möchte er bestmöglich erledigen, er wird ja nicht für Beliebtheit bezahlt.Schon zu Hockey-Zeiten war er nie der Mann, der immer im mittelpunkt der Öffentlichkeit stehen musste und wollte.

Intern dürfte der Einfluß von Herrn Peters allerdings recht groß sein. Im Zuge der Slomka-Entlassung wurde jedenfalls gesagt, dass er und seine Bewertung dazu maßgeblich beigetragen haben. Auch sonst dürfte Peters klar und deutlich seinen Einfluß geltend machen – er macht den Eindruck alles dem Ziel erfolgreicher Arbeit unterzuordnen.

Lediglich den “Kameramann” in ihm zu sehen greift jedenfalls zu kurz. Die “Filmerei” bei Herrn Zinnbauer und das ganze “Coach-Coaching” habe ich durchaus in Teilen kritisch gesehen und tue das auch heute noch – wobei man aber auch sagen muss, dass es ja wohl nicht so war, dass Peters andauernd mit der Kamera hinter Zinnbauer hergelaufen ist. Peters scheint ein Mensch zu sein, der gerne alles unter Kontrolle hat, stets bereit sich und andere zu verbessern und irgendwie immer “on the job”. Wahrscheinlcih ist es wichtig, Herrn Peters seine Grenzen aufzuzeigen ohne ihn zusehr einzuengen und siner Qualitäten zu berauben. Wenn dies gelingt, dann könnte die Zusammenarbeit mit Herrn Peters große Früchte tragen.

Jedenfalls hat er im Laufe der Zeit wohl einiges an Eindrücken und Erfahrungen beim HSV machen können – seine Analysen scheinen ja insoweit abgeschlossen und einige Dinge scheinen hier auf den Weg gebracht worden zu sein. Unter anderem wurde ja im Trainerstab des Nachwuchses einiges durcheinandergewirbelt. Eine Bewertung der Maßnahmen ist natürlich schwierig – da, dass hat die Arbeit mit dem Nachwuchs so an sich, die Früchte erst nach längerer Zeit geerntet werden können. Auf mich macht Herr Peters (im Grunde als einziger der neuen Führung) den Eindruck tatsächlich einen echten Plan zu haben und diesen entsprechend umzusetzen. Ob dieser Plan gut oder schlecht ist und ob die Ergebnisse am Ende zufriedenstellend sind, das kann man wohl frühestens in 2-3 Jahren ernsthaft beurteilen.

Neben den beiden genannten gibt es in anderen Bereichen ja noch weitere Direktoren und auch z.B. der Clubmanager Wehmeyer ist ja in der Hierarchie wohl auf gleicher Ebene angebracht wie z.B. der Direktor Medien. Es gab Direktoren für externe und interne Kommunikation und auch im Bereich Marketing und Finanzen gibt es noch Leute auf dieser Ebene. Wie eingangs erwähnt scheint beim HSV die Anzahl des Personals hoch und vielfach fragt man sich auch was die genau tun und warum bei vielen anderen Klubs viel weniger Menschen angestellt sind und es dort (auch) funktioniert. Dies zu analysieren ist Aufgabe der Verantwortlichen beim HSV (und wie wir gesehen haben gibt es davon ja so einige).

Ursprünglich wollte ich mich heute auch mit den Direktoren für Medien und Kommunikaton auseinandersetzen – allerdings wäre dies sehr umfangreich geworden und habe mich entschlossen dies dann nach der Saisonanalyse irgendwann in einem anderen Beitrag über Außendarstellung, Image, usw. des HSV zu tun.

Nächste Woche geht es dann ins Finale der Saisonanalyse….

— der Coach —


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3 Kommentare

  1. ky

    Danke, Coach, für diesen detaillierten Rückblick. Vom “Neuanfang” ist fast nix übrig geblieben, nur mehr Leute, mehr Kohle für Direktoren, Kurzschlusshandlungen und zu teure Transfers. Hoffe, BL kriegt eine Mannschaftshierachie hin und ein funktionierendes Spielsystem, dann könnte diese Saison zwischen Tabellenplatz 9-12 enden.
    Aber das ist wieder nur eine Trainerhoffnung…
    Strategische Partner, Identität, Reduktion Verwaltungskosten und Mannschaftsetat, junge Talente, etc, etc, alles Dauerbaustellen ohne Hoffnung auf Besserung.
    DB ist der Sache weder intellektuell, formal noch rhetorisch gewachsen, leider.

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  2. MMSF-VSMNMT

    Danke Coach, finde mich zu 100% wieder!

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  3. HeLuechtHeLuecht

    Es wäre in der Tat einmal interessant ein wenig mehr über das Schattenkabinett der jenigen Direktoren zu erfahren, die nicht so im Rampenlicht stehen, wie Knäbel oder Peters.Also Leute wie Wehmeyer, Pletz, Wolf.
    Zumindest für den Mediendirektor muss es ein Stellen- und Anforderungsprofil geben, den das setzt die DFL zur Lizensierung voraus. Vielleicht kriegen wir das ja noch mal raus oder in die Hände.

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