Ein kleine Bestandsaufnahme…

versucht unser Leser claus1955 in seinem Gastbeitrag, just an jenem Tag, an dem die Verkündung des Rekordminus vielen von uns zunächst die Sprache verschlagen hat. Das sich in den nächsten Tagen Vieles ausschließlich auf dieses Minus und die finanzielle Bilanz des jetzigen HSV stürzen und fokussieren wird, passt es noch mal einige andere Aspekte in den Vordergrund zu holen und zu beleuchten, wie claus1955 es macht.


+ + + GASTBEITRAG + + +

Meine kleine Bestandsaufnahme

Angesichts der jetzt kolportierten 16,9 mio € minus weiß man als Fan langsam nicht mehr, ob lachen oder weinen soll. Knapp 1 1/2 Jahre nach HSV+ steht der HSV sportlich zumindest mal besser da als die Jahre vorher, aber damit ist man auch schon fast am Ende mit den positiven Eindrücken der momentanen Lage.

Man kann zwar aus dieser einen Zahl nicht auf den finanziellen Gesamtzustand des HSV schließen, aber es ist schon eine gewaltige Summe, zumindestens für “Otto-Normalverbraucher”…

HSV+ stand ursprünglich mal für Neuanfang mit Entschuldung, setzten auf den eigenen Nachwuchs und generieren von neuen Einnahmequellen, vor allem durch Verkauf von Anteilen.

Die neue Mannschaft um Aufsichtsratsvorsitzenden Karl Gernandt war vollmundig mit großen und pathetischen Worten als der berühmte Tiger gesprungen, aber mittlerweile als Bettvorleger gelandet…

Beiersdorfer, Knäbel und Peters, gleich zu Beginn noch als Heilsbringer gefeiert, entzaubern sich durch irrationale Entscheidungen und am Ende rettete ein Trainer deren hintern…, aber der Reihe nach:

Beiersdorfer hat bisher 56 Mio. € verbraten und einen Kader zusammengestellt, der heute laut Transfermarkt gerade mal noch einen Marktwert von 55.05 Mio. € hat. Allerdings darf man nicht vergessen, in dem Kader sind noch Spieler, die schon vorher da waren. Zieht mal also mal die Marktwerte der folgenden Spieler ab

  • René Adler 3,00 Mio. €
  • Jaroslav Drobny 750 Tsd. €
  • Johan Djourou 3,00 Mio. €
  • Ronny Marcos 600 Tsd. €
  • Dennis Diekmeier 2,00 Mio. €
  • Ashton Götz 700 Tsd. €
  • Gojko Kacar 1,25 Mio. €
  • vo Ilicevic 1,00 Mio. €
  • Artjoms Rudnevs 1,50 Mio. €

also, 13.5 Mio. € , dann entspricht der unfähre Wert der einst für 56 Mio.€ geholten Spieler gerade mal 41.25 Mio. welch ein Werteverlust, von den mit zusätzlichen Abfindungen verscherbelten Spielern ganz zu schweigen..

Damit befindet sich der Wert des von Beiersdorfer zusammengekauften Kaders fast auf dem Niveau der Kaderkosten, sprich Gehälter und Prämien

Das nenne ich mal exzellente Arbeit…

Der nächste Kandidat ist Peter Knäbel, aber auch da frage ich mich, was hat er bisher geleistet, ich meine damit nicht mal die Rucksack-Affäre, aber Verträge nicht zu verlängern und dafür noch gefeiert werden, weil man einfach mal nichts tut, da bleibt einem doch die Spucke weg.. Böse Zungen würden in diesem Fall von Beamtenmentalität sprechen, was dieser Berufsgruppe allerdings nicht gerecht werden würde, denn die leisten täglich weit mehr…

Wenn also schon “etwas nicht zu machen” als großartige Leistung verkauft wird, dann habe ich wohl eine falsche Arbeitsauffassung…
Dazu kommt noch, daß die mal als “Flaggschiff” bezeichnete U23 eher an einen Seelverkäufer erinnert, denn auch dort gehört wohl die Kaderzusammenstellung zu seinen Aufgaben, aber auch da hat er wohl seine Hausaufgaben nicht gemacht…

Zu guter letzt nun der “Unsichtbare”, Bernhard Peters…

Es scheint, er ist wie 4711, immer und überall dabei, aber was er eigentlich wirklich macht ist weder ersichtlich noch irgendwie messbar, nicht greifbar und was eigentlich seine Aufgabe ist, ich glaub, er weiß es nicht mal selbst…

Für mich mutet das eher an wie das “Trio Infernal”, von Heilsbringern, die übers Wasser laufen oder Wasser in Wein verwandeln können, sind für mich persönlich alle 3 weit entfernt. Vermutlich hätte ein Triumvirat aus Klofrau, Busfahrer und Greenkeeper es nicht wirklich schlechter machen können, allerdings zu weitaus geringeren Bezügen als diese 3 Personen…

Aber es gibt ja wohl immerhin wenigstens eine Person, die den HSV nicht nur vor dem Abstieg gerettet hat, sondern zusätzlich auch noch den Job der 3 Personen noch nebenher macht, und das auch noch weitaus besser…

Bruno “Überall” Labbadia , Sportchef, Medienchef und darüber hinaus auch noch ein bisher erfolgreicher HSV-Trainer, der den Oberen schon mehr als einmal den Hintern gerettet hat.

Für mich zur Zeit der einzige Lichtblick in diesem ganzen Haufen von Möchtegerns und Selbstdarstellern, weiteren Personen in neugeschaffenen Posten und Pöstchen, denn man spürt es förmlich, er lebt den HSV und vor allem, er haucht diesem über Jahre dahinsiechenden Verein, insbesondere der Mannschaft, wieder Leben ein, Fußball sieht wieder nach Fußball aus, es macht wieder Freude, die Spiele zu sehen, auch wenn es mal eine Niederlage gibt, es tun einem nicht mehr die Augen weh, wenn man die Spiele verfolgt…

Aber am Ende wird es so sein wie immer, die Erfolge heften sich andere an die Brust und wenn es mal schlechter laufen sollte, dann ist genau die Person, die gerade hauptsächlich für den Aufwärtstrend sorgt, der erste Anwärter auf die Entlassung, denn dann schlagen sich wieder alle in die Büsche, die ihn momentan noch loben…

Daher ist es nur allzu verständlich, daß Bruno Labbadia bezüglich einer Vertragsverlängerung keine Eile hat, kennt er doch die Mechanismen des Marktes..

Im Gegenteil, er hat alle Zeit der Welt, denn er kam als arbeitsloser Trainer zu einem Verein, der bereits am Boden lag, rettete ihn vor dem Abstieg und bringt ihn zur Zeit wieder in die Spur. sowohl sportlich als auch medial, mehr geht nicht und damit dürfte er auf Sicht auch wieder interessant für andere Klubs werden…

Momentan steht und fällt das Wohl des Vereins durch sein Wirken, und dessen ist er sich auch bewußt.

Wenn alle, Vorstand, Sportchef , der “Unsichtbare” und der AR zukünftig nur annähernd seine bisher erbrachten Leistungen bringen, die Mannschaft nicht wieder nach ein paar Erfolgen wieder einbricht, sondern ihr Potential mal über einen längeren Zeitraum abruft und nicht abhebt, dann wäre mir um die Zukunft nicht bange, aber wie so oft, die Zeit wird es weisen, denn eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und nichts ist vergänglicher als der Ruhm von gestern.

Es sind noch 3 Spiele in der Hinrunde zu absolvieren, davon 2 Heimspiele gegen Mainz und Augsburg, mit 21 Punkten steht man bereits besser da als in den Jahren davor, die Basis ist vorhanden, wenn jetzt noch vor der Rückrunde ein paar Punkte nachgelegt werden, was gegen die beiden Heimspielgegner durchaus im Bereich des Machbaren liegt, dann könnte es nach langer Zeit mal wieder eine entspannte Saison werden, von mehr möchte ich nicht mal träumen….

— claus1955 –

2 Kommentare

  1. Rauteee

    Vielen Dank für den Gastbeitrag. Mir gefällt das allgemeine HSV-Bashing insgesamt nicht. Ich erhoffe mir von den HSV-Fans mehr Geduld. Ich denke Änderungen und deren Mehrwert sind nie kurzfristig zu sehen. Mir gefallen aber in der Regel kritische Beiträge, da diese zum Nachdenken anregen. Wir haben jetzt 16,9 Millionen Minus gemacht. War das einkalkuliert? Ist das vielleicht sogar noch eine gute Zahl? Ich finde diese Zahl ist ohne Einblick schwer zu beurteilen. Ich denke, dass vieles davon noch in der Vergangenheit verursacht wurde, aber ich möchte nicht die Verantwortlichen freisprechen. Eine Münze hat zwei Seiten!
    Die sportliche Seite gibt einem jedoch gerade ein gewisse Sicherheit. Aus dem Grund glaube ich, dass der Kurs momentan nicht komplett verkehrt sein kann. Es ist nicht auszudenken, was los wäre, wenn wir unten stehen würden.

    Den Gedankengang mit den Ausgaben und jetzigem Marktwert kann ich nachvollziehen, ist mir aber nicht bis zum Ende gedacht. Vielleicht waren einige Spieler mehr wert und haben nun an Wert verloren (oder auch anders herum). Außerdem sollte einem bewusst sein, dass man Spieler nicht unbedingt zum Marktwert kaufen kann. Es gibt mehrere Faktoren die da mit reinspielen. Vertragslaufzeit, Gehalt, äußere Umstände und und und. Ich denke grundsätzlich muss man mehr Geld bezahlen, als der Marktwert aussagt, denn sonst würde der andere Verein ggf. nicht verkaufen.

    Viele Grüße

    Antworten
    1. claus1955

      Zum dem Minus kann man schlecht was sagen, aber die Zahl steht ja erst mal im Raum. Solange sich das nicht so auswirkt, daß die Liquidität darunter leidet und man nicht mehr handlungsfähig ist, um vielleicht noch einmal auf dem Markt tätig zu werden, solange ist es zwar ärgerlich und meiner Meinung nach unnötig, weil einige Transfers durchaus diskutabel sind, aber okay, dann ist es eben so.

      Sicherlich muß man auch mal etwas über dem Marktwert bezahlen, vor allem dann, wenn man Transfers verpennt und dann tiefer in die Tasche greifen muß. Gregoritsch war vorher wesentlich günstiger zu haben, aber wer zu spät kommt, den bestraft das Leben… :)

      Als Olic damals im Gespräch war habe ich sofort geschrieben, erinnert mich an Hemingway, “der alte Mann und das Meer”, hat sich ja auch bewahrheitet, solche Transfers sind, genauso wie Spahic, für die Tonne, ist aber nur meine bescheidene Meinung. Dann lieber mal einen Youngster aus den eigenen Reihen versuchen einzubauen, ist nicht so kostspielig, aber mit Geld konnte Beiersdorfer imho noch nie umgehen, er hatte nur das Glück, damals in seiner ersten Amtszeit als Sportchef einen guten Zuarbeiter zu haben, jetzt zeigt sich, daß er eben nicht der große Zampano ist.

      Naja, es ist wie es ist und trotz der Niederlage gegen Mainz halte ich an der These fest, der einzige, der den Laden momentan auf allen Ebenen zusammenhält ist der Trainer.

      Ohne Bruno wäre das Gebilde schon längst nach nur einer Saison wie ein Kartenhaus bei leichtem Windzug zusammengefallen und alle “Verantwortlichen” hätten sich vom Acker gemacht.

      Kann und darf aber Jeder gerne anders sehen, denn Gedanken sind zollfrei… :mrgreen:

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