Ein Schweizer Juwel in den Reihen des HSV – Vasilije Janjicic

HSV? Boah! Was soll man da noch schreiben???
4 Punkte, Tabellenplatz 18, das Derby gegen Bremen nicht gewonnen, der Trainer mit dem Ergebnis unzufrieden, mit dem Spiel nicht, der Vorstandsvorsitzende von einem zögerlichen AR enteiert auf Abruf, Gespräche mit Hrubesch als Hütchenaufsteller für Gisdol(?), kein SpoDi (Horst Heldt der feststellen musste, dass man „bezüglich der Kompetenzverteilung unterschiedlicher Meinung“ war), tja, wenn der VV nicht vom SpoDi lassen kann…Didi rein, Didi raus… es ist ganz einfach ermüdend.

Gut, dass es da noch die ‚Zwote‘ gibt. Nun, die rockt nun auch nicht gerade dIE Regionalliga Nord, aber immerhin, 25 Punkte nach 18 Spieltagen sind mehr als man zu Beginn der Saison erwarten durfte. Der HSV kann hier zumindest mithalten, gegen jeden Gegner gewinnen und gegen jeden Gegner verlieren.

Am vergangenen Wochenende war der TSV Havelse zu Gast. In einem eher durchschnittlichen Spiel trennte man sich am Ende leistungsgerecht mit 1:1. Es war ein von Chancenarmut geprägtes Spiel, in dem der HSV einmal mehr offenbarte, dass es ihm (noch) an der Qualität fehlt, gegen einen defensiv kompakt und physisch robust auftretenden Gegner die rechten Mittel zu finden, um zum Erfolg zu gelangen. Ein Spiel, in dem Bakery Jatta offenbarte, dass ihm noch ein gehöriges Stück zur Bundesligatauglichkeit fehlt. Ein Spiel in dem Finn Porath nicht wie gewohnt souverän agierte. Zu hektisch, zu fahrig, ließ er sich durch wiederkehrende Fouls letztlich entnerven.

Es war aber auch ein Spiel, bei dem ich mir zum ersten Mal die Zeit nehmen konnte, einen ‚Mann‘ genauer unter die Lupe zu nehmen, der mir bereits Anfang September beim Training der Zwoten aufgefallen war. Einer, den ich nicht kannte, einer, der neu war und mit seiner imposanten Erscheinung sogleich auffiel. Die Rede ist von Vasilije Janjicic.

Der damals noch 17jährige serbische Schweizer (oder schweizerische Serbe?) wurde vom HSV noch kurz vor Ende der Transferperiode I als Perspektivspieler verpflichtet und mit einem Vertrag bis 2020 ausgestattet.

HSV verpflichtet Schweizer Nachwuchsspieler Vasilije Janjicic
Der 17-jährige Mittelfeldspieler erhält beim Hamburger SV einen Vierjahresvertrag bis 2020.

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Der Hamburger SV hat einen weiteren Neuzugang mit Perspektive verpflichtet: Vasilije Janjicic, schweizerischer U19 Nationalspieler, erhält bei den Rothosen einen Vierjahresvertrag bis 2020 und wird zunächst in der U21 von Trainer Dirk Kunert zum Einsatz kommen. Der 1,80 Meter große Mittelfeldakteur wechselt vom FC Zürich an die Elbe. Bislang absolvierte das Nachwuchstalent 27 Spiele für die U21 des Schweizer Zweitligisten und erzielte dabei zwei Tore, zudem kam der 17-Jährige bereits einmal für die Profimannschaft in der Schweizer Challenge League zum Einsatz.
Vasilije Janjicic wird voraussichtlich in der kommenden Woche zur U21 des HSV stoßen, da er sich momentan noch auf Länderspielreise mit der schweizerischen U19 Nationalmannschaft befindet. Quelle: hsv.de

Vasilije Janjicic  - Schweizeer U19 N11 Spieler in Diensten des HSV

Vasilije Janjicic – Schweizer U19 N11 Spieler in Diensten des HSV

Janjicic, der Anfang November 18 Jahre alt geworden ist, spielte seit seinem fünften Lebensjahr beim FC Zürich und kam dort schon als 15jähriger in der U18 zum Einsatz. Der 180 cm grosse und 84 kg schwere Mittelfeldspieler ist ein Frühentwickler, einer der – ähnlich wie Jonatan Tah – seinen Altersgenossen physisch und mental immer um Längen voraus war.

Vasi, wie er von allen genannt wird, bestritt bereits im Februar das Trainingslager mit der ersten Mannschaft des FC Zürich, kam dort zu seinen ersten Einsätzen bei Testspielen und gehörte zuletzt zum festen Kader des gerade abgestiegenen Schweizer Zweitligisten bei dem er nebenbei im Fanshop eine Ausbildung zum Detailhandelskaufmann – wie der Einzelhandelskaufmann dort genannt wird – absolvierte.

In Zürich war man alles andere als erfreut über den Transfer nach Hamburg und fiel buchstäblich aus allen Wolken, als Janjicic im August zur Zürcher Clubführung ging sie informierte, dass er den Verein verlassen wolle. Thomas Bickel, der Sportchef des FC Zürich bezeichnete dies als riesige Enttäuschung, war Vasi doch einer von den Top Spielern, Top Talenten, dem gerade erst ein Profivertrag angeboten wurde. Trainer Forte zeigte sich ebenfalls maßlos enttäuscht: “Wir haben noch versucht, ihn zu überzeugen, aber er hat sich überhaupt nicht belehren lassen.” [siehe auch hier ]

Welche Rolle Janjicics Berater, der ehemalige Schweizer Internationale Walter Fernandez, bei diesem genau gespielt hat, bleibt ebenso im Unklaren wie die Antwort auf die Frage, ob Peter Knäbel, der zu jener Zeit als Berater beim FC Zürich gehandelt wurde, den Kontakt zum Hamburger HSV hergestellt hat. Tatsache ist, dass es bei diesem Wechsel Geld zu verdienen gab. Offiziell wurde zwar über die Ablösemodalitäten Stillschweigen vereinbart. Inoffiziell steht allerdings eine Ablöse von 900.000 CHF für Janjic, dessen Marktwert bei transfermarkt.de derzeit auf 225.000 Euro taxiert wird, im Raum.

Wie dem auch sei, seit September ist Vasi nun ein ‘Rothöschen’, hat sich inzwischen in der U21 integriert und ist zu einem der Leistungsträger avanciert. Der vielseitig einsetzbare Mittelfeldakteur (DM, ZM, OM, HS) besticht durch seine physische Robustheit (keine Anpassungsprobleme im Männerfußball), seine Ruhe und Abgeklärtheit, eine gute Technik und ein hervorragendes Auge für Raum und Mitspieler. Ein satter Schuss rundet dieses durchweg positive Bild ab.

Von dem, was ich bisher von Janjicic gesehen habe, ist er für mich derzeit das größte Juwel in den Reihen des HSV. Ich persönlich schätze ihn aufgrund seiner Physis auch stärker ein, als Finn Porath, dem Dirk Kunert, Trainer der U21, erst kürzlich Bundesligatauglichkeit attestierte.

Und siehe da, just in dem Moment, wo ich diese Zeilen schreibe, kommt vom Hamburger SV die Meldung, dass Vasilije Janjicic voraussichtlich bis zur Winterpause zusammen mit dem Innenverteidiger Oliver Oschkenat bei den Profis trainieren wird.

Man darf gespannt sein, ob der ‘Vasi’ unter Gisdol (s)eine erste Chance erhalten und sie dann nutzen wird. Ein Nachwuchs-Juwel ist er alle mal, auch wenn er nicht aus den eigenen Reihen stammt!


P.S. Nachstehend einige Eindrücke im Video

5 Kommentare

  1. AvatarHorst Schlau

    Hallo Mester,

    vielen Dank für die e- mail !

    Und genau in die Richtung ging meine Frage.

    Dann bin ich mal gespannt !

    Gruß

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  2. Avatarbopsi

    Ich kenne den Spieler nicht.
    Sollte er aber eine solche Granate sein, wäre es wünschenswert, der HSV würde ihn sofort bei den Profis zum Einsatz bringen.
    Nun ist mir schon klar, dass der HSV aktuell nicht in der Position ist, einen längerfristigen Aufbau durchzuführen, da viele Punkte nun schnell geholt werden müssen. Aber da der HSV eh auf nahezu allen Positionen unterdurchschnittlich besetzt ist, wäre es auch aktuell einen Versuch allemal wert.

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    1. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      Gisdol hat den Vasi ja nun zumindest zum Training zu den Profis geholt, obwohl er als eher offensiver Mittelfeldspieler momentan keine Baustelle erster Güte schließt. Die Berufung Oschkenats als IV ist da schon ansers gelagert und deutet für mich klar darauf hin, dass die Wechselabsichten Clebers konkret sind.

      Warten wir mal ab, ich kann des Trainers Vorgehensweise noch nicht richtig einordnen. Greift er wirklich durch oder sind es nur Alibiverauche, Druck auf die Arrivierten auszuüben. Ich hoffe, Ersteres ist der Fall.

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  3. Avatarky

    Vielen Dank, HL, das ist Sportjournalismus auf höchstem Niveau – Chapeau. Da könnten sich die Hamburger Sportjournalisten mal “eine Scheibe abschneiden”, aber die sind ja leider eh schon satt und bräsig…

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    1. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      ky, was erwartest du…auch da kommen die Arrivierten irgendwann zu einem U21 Spiel, verschwinden zwischendurch und gehen früher… die von Fussifreunde und Amateurfussball etc hingegen bleiben, entsprechend gibt es dort auch noch Lesbares. Mopo, Bild, HA und auch Matz Ab kannst du da vergessen, da geht es nicht um Informationen.

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