Ein Wochenende zum Abgewöhnen…

Es war mal wieder so ein Wochenende zum Abgewöhnen für einen  „HSVer“. Ein Wochenende, an dem man sich gewünscht hätte,  Dortmunder, Paulianer oder gar Bajuware zu sein.

Das Flaggschiff des Hamburger Nachwuchses, die Rothöschen der U23 lassen sich in Oldenburg mit 5:1 abschlachten und das trotz der Präsenz, der zuvor noch bei den Profis anwesenden Jung und Arslan.  Alleine der Blick auf die Aufstellung lässt einen den Kopf schütteln. Anstelle des starken, für mich zur Zeit besten HSV Keepers- Andreas Hirzel, hütet wieder ein Tom Mickel den Kasten, ein Rudnevs ist nicht im Kader, ein Kim sitzt auf der Bank…  Okay, alles subjektiv…, aber da läuft gerade etwas komplett schief. In dieser Saison ist die U23 keine Mannschaft und sie findet sich im Misserfolg auch nicht als solche. Das mag daran liegen,  dass Joe Zinnbauer spät zusagte und sein Team nicht formen konnte, zumal die wohl zugesagten und dringend benötigten Zugänge auf der „6“ und „8“ nicht kamen. Das mag daran liegen, dass Spieler wie Jung oder Arslan mit den Profis aber nicht mit der „Zwoten“ trainieren. Das mag daran liegen, dass ein Ashton Götz verletzt war und erst wieder Spielpraxis sammeln muss, ein Tolcay Cigerci immer noch nicht wieder zurück ist und ein Ronny Marcos ebenfalls verletzungsbedingt ausfällt und ansonsten auch bei den Profis trainiert.  Es mag aber auch ganz einfach daran liegen, dass es dem Trainer nicht gelingt, seiner Truppe die Fehler auszutreiben und eine entsprechende Taktik zu verpassen um in der Regionalliga Nord gegen gestandene Mannschaften bestehen zu können. Bereits in der letzten Saison unter Daniel Petrowsky deutete sich an, dass die U23 gegen physisch starke Mannschaften nicht klar kommt, mit Ballbesitz zu wenig anfangen kann und defensiv unkoordiniert und instabil agiert. All das setzt sich diese Saison fort, ohne dass von Trainer- und Vereinsseite entsprechend reagiert wird. Die letzten Punkte wurden Dank Hirzel und Rudnevs eingefahren. Es bleibt zu konstatieren, dass der Kader nicht die Qualität hat um im Mittelfeld der Liga mitspielen zu können. Zinnbauer warnte von Anbeginn an, es ginge lediglich darum, den Abstieg zu verhindern. Wer das als Tiefstapelei ansah, ist längst eines besseren belehrt worden. Die Truppe agiert seit Anbeginn der Saison auf Oberliganiveau und wird sich dort auch ganz schnell wiederfinden, wenn sich die Kieler und Bremer nicht in der 3. Liga halten sollten.

Dann ist Schicht im Schacht und davon auszugehen, dass die U23 abgemeldet wird, was nicht zwangsläufig ein Verlust sein muss, wenn anderweitig vernünftig geplant wird und man echte Hochkaräter in der U19 hat, die den Sprung direkt in den Profikader schaffen können, wie dies im Falle Jonathan Tah der Fall war. Diese Spieler werden allerdings wohl kaum in ausreichender Zahl aus den eigenen Reihen kommen können. Hier fällt momentan lediglich Mats Köhlert auf und aus dem Rahmen. Man wird also zukaufen müssen und dafür fehlt das Konzept wie das nötige Kleingeld, weil es ja in Königstransfers wie Olic, Lasogga, oder Holtby investiert wurde oder aber den Herren Direktoren und Unterdirektoren die schwere Arbeit der Konzeptfindung versüßen muss.

Während die U23 also am Abgrund taumelt, zeigt sich die U19 launisch. 1:3 gegen Leipzig verloren. Wieder einmal chancenlos, weil es nicht gelingt das System konzentriert durchzuspielen, mannschaftstaktisch werden immer wieder zu viele Fehler gemacht, die die Gegner von „oben“ gnadenlos ausnutzen. Insgesamt mangelt es an Stabilität und Konstanz. Heute Hui und morgen pfui und das teilweise innerhalb eines Spiels. Daran wird zu arbeiten sein. Ausgerechnet der EX-Hamburger Vitaly Janelt leitete die Niederlage gegen die Bullen ein, Nije  konnte zum 1:2 verkürzen, aber als der HSV alles nach vorne warf, um doch noch den Ausgleich zu erzielen, schlug RasenBull in der Schlussinute zu. Die U19 rangiert mit 16 Punkten nun hinter St. Pauli auf Platz 6, 6 Punkte vor den Abstiegsrängen.

Besser lief es für die U17. Ein 1:0 Auswärtssieg bei Hannover 96 bescherte den einzigen Grund zur Freude am letzten Fußballwochenende, wobei das einzige Tor des Spiels vom Hannoveraner Wilton erzielt wurde, der ins eigene traf. Egal, Sieg ist Sieg und der bedeutet letztlich Platz 4 mit 20 Punkten, 8 Punkte hinter Wolfsburg und Hertha sowie 2 Punkte hinter Leipzig.  Die Endrunde zur Deutschen Meisterschaft scheint hier aber ebenfalls utopisch und es wäre wünschenswert, wenn endlich auch einmal das klare Ziel formuliert werden würde, dass man künftig dort hin will und auch im Juniorenbereich Titel anstrebt und nicht nur irgendwie und irgendwo mitspielt.

Mitgespielt haben die Profis über lange Strecken der Partie gegen die Darmstädter Lilien nicht wirklich. Genau genommen kann von „spielen“ über die gesamte Distanz nicht die Rede sein. Nun wird der eine oder andere an dieser Stelle gerne einwenden, man müsse sehen, wo „wir“ herkommen und mit dem bisher Erreichten zufrieden sein. Manch anderer erkennt gar Fortschritte.

Dem halte ich entgegen, dass zwar 15 Punkte und derzeit Platz 11 auf der Habenseite stehen, aber sowohl Punktzahl als auch Platzierung trügerisch sind. Von den in diese Mannschaft gesteckten Summen, will ich an dieser Stelle mal gar nicht reden.  Es ist die Tatsache, dass dem HSV gegen Teams wie Darmstadt nichts einfällt, wie man ein eigenes Spiel aufziehen kann um den Gegner im Schach zu halten, Spiele wie gegen Hannover, in denen zwar Chancen nicht genutzt werden, aber auch nicht der unbedingte Wille zu erkennen ist, nach einem 1:0 ein 2:0 und 3:0 machen zu wollen.

Es sind die glücklichen Siege gegen Gladbach (Trainer weg), Hoffenheim (Trainer weg), Ingolstadt (abgefälschter Freistoß), Stuttgart (Platzverweis gegen Stuttgart nach dämlichem Doppelfoul) die nicht dazu veranlassen dürfen, sich selbstzufrieden zurückzulegen. Der HSV hatte nach 4 Spieltagen 7 Tore. In den 8 Spieltagen danach schaffte man es gerade auf lächerliche 4 Tore davon ein Elfmeter und ein abgefälschter Freistoß. Das alles erinnert fatal an die letzte Saison als man ebenfalls keine Tore schoss und kaum Chancen kreierte, genau wie gegen Darmstadt. Das Spiel gegen Hannover war chancentechnisch eher eine rühmliche Ausnahme.

Bruno Labbadia hat das erkannt und redet davon, dass man härter arbeiten muss als andere (um die gleichen Erfolge zu erzielen). Nun kommt einem Hamburger diese Wortwahl bekannt vor. „Wir müssen schneller und besser arbeiten als die anderen“ , hieß es bei Amtsantritt Beiersdorfer, bei Amtsantritt Peters, bei Amtsantritt Knäbel. Zu sehen ist davon leider wenig bis rein gar nichts. In Anbetracht der getätigten Investitionen muss daher das Fazit ernüchternd ausfallen.

Labbadia scheint eine realistische Einschätzung von den Fähigkeiten seiner Spieler zu haben. Bei genauem Hinhören wird schnell klar, dass in seinen Augen Spieler wie Rudnevs, Stieber, aber auch ein Olic in der jetzigen Form nicht bundesligatauglich sind. Ähnliches gilt für Jung und Arslan, denen er zumindest noch Potenzial und Willen attestiert. Man kann über die Personalwahl Labbadias geteilter Meinung sein. Offensichtlich scheint allerdings, dass die Truppe nicht vernünftig zusammengestellt ist und auch der Trainer zumindest seinen Anteil daran hat, denn er hat in der letzten Transferperiode ordentlich mitgewirkt und Spieler wie Kacar, Ilicevic, Sakai sind auf sein Hinwirken hin erst mit Verträgen ausgestattet worden.  Labbadia, darf Fehler machen, dazu gehört es auch, dass er sich ab und an vercoacht (Zinnbauer als Novize durfte das allerdings nicht!). Mir persönlich vercoacht der Trainer sich aber zu häufig. Seine Wechsel sind vielfach nicht nachvollziehbar und kommen zu spät. Häufig erweckt es den Anschein, als würde er während des Spiels nicht mehr in der Lage sein korrigierend einzugreifen, sei es, dass ihm selber der Plan fehlt, sei es, dass die Spieler nicht auf ihn regieren oder nicht die nötige Spielintelligenz besitzen die Anweisungen umzusetzen. Alles drei, keine Ruhmesblätter und keine rosigen Aussichten für die Fans, in absehbarer Zeit einen HSV zu erleben, der wirklich Spaß macht.

So wir „uns“ bis auf Weiteres wohl wieder nichts anderes übrig bleiben als Woche für Woche zu hoffen und fürs Erste mit dem Gedanken anzufreunden, dass auch das nächste Wochenende wieder eines zum Abgewöhnen werden könnte.


P.S. Geschafft!!!
Der falsche FuffzigerZwanziger ist am Ziel! DFB-Präsident Niersbach ist zurückgetreten und damit erledigt.

Blatter weg, Platini angeschlagen, der Weg für Niersbach schien frei. Ein Alptraum für seinen Intimfeind und Vorgänger Zwanziger sowie weite Teile der FIFA wohl auch. Interessant bleibt der Zeitpunkt zu dem die Informationen dem Spiegel zugespielt wurden, denn der hat da ja wohl kaum jahrelang drauf gesessen. Warum also gerade jetzt? Und von wem kamen die Informationen? Von Zwanziger, von der FIFA, von Blatter, von Platini??? Was wäre gewesen, wenn ein Deutscher an die FIFA-Spitze gerückt wäre? Sollte das verhindert werden? Oder ging es wirklich nur um die Personalie Niersbach?

4 Kommentare

  1. Michailow

    Danke für den kritischen Rückblick. Bin in allen Argumenten bei Dir.Bruno hat einige Hypotheken übernommen, dummerweise auch neue aufgenommen. Ilicevic und Schipplock, gehören dazu.Seine Aufstellungen und seine Wechsel überzeugen mich gar ncht. Eigentlich müssten wir 5 Punkte mehr auf dem Konto haben, die bei den letzten beiden Spielen verdaddelt wurden. Gegen Bremen und gegen BVB haben wir mit der jetzigen Verunsicherung wieder schlechte Karten. Unsere Sturmmisere werden wir nur durch kluge Transfers im Winter bekämpfen können. Mit den hüftsteifen Lasogga und Schipplock und den schwachen Außenverteidigern ist die Stagnation kaum zu überwinden. Wenn Labbadia sich nicht neuen Gedanken öffnet, wird sich seine Reputation als Retter schnell verbrauchen.

    Antworten
  2. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

    Eigentlich 5 Punkte mehr? Na ja, letztlich sind das alles Milchmädchenrechnungen. Klar Hannover hätten 3Punkte sein müssen. Gegen Köln hat Bruno die Niederlage zu verantworten. Da war ein Sieg drin. Gegen Darmstadt muss man wohl mit dem Punkt zufrieden sein, so wie das Spiel gelaufen ist. Gladbach, Hoffe, das Beste aus der Situation gemacht.

    Die Wechsel in Darmstadt???? Wenn schon so Alibimäßig, hätte man als good will Geste A. Arslan bringen sollen, aber wie gesagt, die Truppe ist so instabil, dass ich mich derzeit wohl auch nicht entscheiden würde Arslan einzuwechseln. Stieber wäre aber die Option gewesen, wenn man das Spiel gewinnen will.

    Es bleibt eigentlich nur Bruno die Daumen zu drücken, damit etwas Ruhe herrscht. Ansonsten ist von oben nach wie vor kein Weg zu erkennen, wie was in welcher Zeit angegangen werden soll, das empfinde ich nach wie vor als besorgniserregend, ebenso wie die Tatsache, dass es nicht gelingt die versprochenen strategischen Partner zu präsentieren.

    Antworten
  3. Horst Schlau

    Zum Thema 5 Punkte mehr …

    Also wenn ich da an das Spiel gegen Stuttgart denke, oder das Spiel gegen Hoffenheim, dann hätten es – wenn es dumm gelaufen wäre – einige Punkte weniger sein können !!! Leider, leider, leider, ….. ;-)

    Realistisch gesehen, mit den Spielern die Labbadia zur Verfügung stehen,
    bzw. die Labbadia mit aller Macht Spiel für Spiel spielen lässt …..,
    dann muss man mit der ausbeute der Punkte zufrieden sein !!!

    Gruß horst

    Antworten
  4. AlbatrosAlbatros

    Ich habe das Gefühl B.L. hat sich festgefahren. Er will etwas erreichen, aber es funktioniert nicht so wie er sich das vorgestellt hat. Es ist müssig für uns sich über Ein- u. Auswechelungen oder Aufstellungen Gedanken zu machen.Sollte HR. Labbadia sein Konzept verloren haben,weil er ständig umdenken muss, was sein Ding nicht ist, werden demnächst wieder grössere Geldausgaben auf den HSV zukommen.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>