Eine kurze Geschichte aus Laax

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Der Ball beim HSV rollt endlich wieder, wenngleich auch nur im Trainingslager in der Schweiz. Wir haben keine Kosten und Mühen gescheut und unseren schweizer Korrespondenten nach Graubünden gejagt. Mark Ihde berichtet die wesentlichen Dinge aus seiner Sicht. Vielen Dank!


Ironischer Weise muss ich zugeben seit über 30 Jahren nicht mehr einem HSV Training beigewohnt zu haben. Das letzte Highlight meiner persönlichen HSV Kontakte war Thomas von Heesen, der damals, als Jungtalent aufgebaut, mit meiner Freundin in die gleiche Klasse ging und mir so manche Details seiner ersten Erfahrungen mit dem Alten zukommen ließ.

Ja, so lange ist es her, die gute alte Zeit mit Ernst Happel.

Der Alte, ich muss zugeben, dass er mir heute Abend sogar zweimal begegnet ist.

Nicht nur durch Tommy, wie Bruno Labbadia ihn nannte, sondern auch durch einen anderen alten Herrn, der, im Gegensatz zu Tommy auch anwesend war und sicher immer zu meinen Helden zählen wird – Bernd Wehmeyer.

Für alle, die erwartet hatten, eine Curry Wurst Geschichte mit pickeligen Jünglingen zu lesen, muss ich hier jetzt enttäuschen. Natürlich waren sie alle da, und natürlich habe ich sie auch alle gesehen. Ja, ich habe sie sogar fotografiert, aber darüber solltet ihr lieber in der MoPo lesen, wenn’s recht ist.

Zurück zu Fummel und Co.

Fummel, der in die ersten 3 Jahren beim HSV als gelernter Außenstürmer nur als Ergänzungsspieler eingesetzt wurde und auf 47 Bundesligaeinsätze kam, konnte sich letztendlich nicht bei Branco Zebic durchsetzen – wie wir natürlich alle wissen.

Ich konnte es also nicht lassen, nach so vielen Jahren, Bernd nach den Details seiner Metamorphose zu befragen.

Die Metamorphose des Rechtsaußen zum linken Verteidiger.
Nach Wehmeyers Aussage war der Schlüssel ein Tunier in Lüttich.

Happel sah ein Problem auf der rechten Verteidiger Position … ja, ihr habt richtig gelesen – auf Manni Kaltz Position.

Der quirlige Linksaußen hätte unserem Star-Verteidiger Knoten in die Beine gespielt und Happel beorderte für dieses eine Spiel Wehmeyer auf die rechte Verteidiger Position und somit Kaltz ins rechte Mittelfeld.

Der HSV gewann dieses Freundschaftstunier und Happel die Überzeugung einen Verteidiger gefunden zu haben.

Wehmeyer war, wie wir heute sagen würden, ein Ergänzungsspieler, bestenfalls Einwechselspieler und er kannte den neuen Trainer nicht im Geringsten.

Nun ging es aber nicht mehr um den goldenen Blumentopf, sondern um das erste Bundesligaspiel – gegen Braunschweig und damit gegen den damals wohl besten Flügelstürmer, Danilo Popivoda.

Mein Vater und ich saßen damals in der ehemaligen Südkurve und freuten uns auf den Saisonbeginn. An der Anzeigentafel (ja das gab es damals schon) stand Bernd Wehmeyer mit der Rückennummer 3 als linker Verteidiger fest.

Wir saßen nun da und glaubten unseren Augen nicht zu trauen. Dieser erfolgloser Offensivdribbeler sollte jetzt Popivoda im Schach halten und schaffte es später auch tatsächlich uns eines Besseren zu belehren. Unglaublich.

Wie mir Bernd heue Abend erklärte, ist er damals um sein Leben gerannt und hat diesen Ronaldo der 80ger klar an die Wand genagelt (sofern man überhaupt solche Spieler gänzlich ausschalten kann). Der Beginn einer grossartigen Verteidigerkarriere.

Warum ich diese alte Geschichte aufwärme?

Nun, weil diese jungen Männer, die ich mir heute zum ersten mal aus der Nähe anschauen durfte, dem niemals Nahe kommen werden.

Sie laufen nicht um ihr Leben. Sie werden einem Verein nicht über Jahrzehnte die Treue halten und ertragen diese Fan-Abende nur, weil ihr Spielerberater es ihnen zur Auflage gemacht haben.

Natürlich gibt es immer Ausnahmen.

So zum Beispiel Gregoritsch. Wenn ich mir die Empathie, die dieser junge Mann den Fans zukommen ließ, anschauen durfte, dann muss ich wirklich Beifall klatschen. Bis zur letzten Minute hat dieser junge Mann versucht alle Fans zufrieden zu stellen.

Als die Mannschaft sich zum verdienten Feierabend zurück zog, hatte Michael immer noch Zeit für ein Foto oder eine Unterschrift . Kompliment.

Noch ein Wort zu Holtby. Als wir gegen 19 Uhr in Laax ankamen war die Diagnose bereits hinter vorgehaltener Hand durchgesickert: Schlüsselbeinbruch – 10 Wochen Pause.

Es ist bereits der zweite Schlüsselbeinbruch seiner Karriere.
Vor eineinhalb Jahren zog er sich im Trainingslager in Dubai beim Testspiel gegen Eintracht Frankfurt die selbe Verletzung zu. Gute Besserung für unseren Master of good mood.

Soviel von mir für heute Abend. Ich habe eine Menge gelernt und nicht alles erzählt ;-)

– Mark Ihde –

8 Kommentare

  1. slobocop plusslobocop plus

    danke, mark ihde. sehr schön.

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  2. Dylan1941Dylan1941

    Danke Mark, gibt es in der Schweiz überhaupt Currywurst und wieviel kostet diese? :-)

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    1. Mark Ihde

      Wenn ich ehrlich sein soll, Bob, dann habe hier noch nie eine gesehen. Den Preis würde ich mit dem Faktor 2,5 ansetzen, wie alles gastronomische hier :-)

  3. der Coach

    Vielen Dank für den Artikel. Da haben wir also quasi unseren Konrad Toenz hier im Blog. “Nun, weil diese jungen Männer, die ich mir heute zum ersten mal aus der Nähe anschauen durfte, dem niemals Nahe kommen werden.” – ein bezeichnender Satz, eine bezeichnende Einschätzung welche ich aus der Ferne so teile, wobei sie nicht speziell nur auf den HSV und wohl auch nicht nur auf den Fußball zutreffen dürfte.

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  4. SchbaggnSchbaggn

    Vielen Dank Mark Ihde. Ich mag nicht nur Deine “Schreibe”, sondern schätze es auch sehr, wenn Einschätzungen über die heutige Spielermentalität in einem Bericht einfließen. Freue mich schon auf den nächsten Bericht.

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    1. AlbatrosAlbatros

      Moin, den Beitrag von Mark Ihde mag ich auch sehr und freue mich ihn hier gelesen haben zu dürfen. Aber ich möchte auch nicht die Beiträge von Bob und Ky ausser Acht lassen. Damals war nicht alles gut und heute ist es das auch nicht. Es ist nur anders. Logisch, dass sich bei ständig steigenden Ablösen und Gehältern Spieler zu Söldnern entwickeln. Ich sehe das auch nicht als so problematisch an, wenn sie denn auch alles an Leistungsvermögen und Einsatz für den Verein geben der sie bezahlt. Wir, die im normalen Arbeitsleben sind müssen auch dess` Lied singen dessen Brot wir fressen! Und, darüber sollten einige Spieler mal nachdenken!!!

  5. Dylan1941Dylan1941

    Naja Schbaggn , heutige Spielermentalität? Ein Kaltz hat keine Autogramme gegeben und auch gerne Kinder zur Seite gestossen auf dem Weg zum Platz wie man öfters hörte. Ein Trainer wie Happel, einer der den halben Tag im rauchigen Keller eine nach der anderen schmöckt und Karten spielt, Trainingslager nach der Nähe von Zockertempeln aussuchen ließ und den vereinseigenen Masseur als Adjudant und Träger seiner Spielchips abstellte oder einen Trainer wie Branko der besoffen sogar während eines Bulispiels in Dortmund von der Bank fiel, diese möchte ich heute mal mit Social Media und jeder hat ein Fotohandy sehen.

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    1. ky

      Dylan, es waren andere Zeiten. Das Internet gab es nicht, und Deutschland war zweigeteilt. Was geblieben ist (siehe Island oder Darmstadt): 11 Freunde müsst ihr sein, und ein Spiel dauert mindestens 90 Minuten :-) Einsatz und Charakter schlagen “Talent”, und das wird – egal in welcher Sportart – immer so bleiben…

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