Es hat sich ausgetuchelt…

Thomas Tuchel ist Geschichte, in Dortmund zumindest. Er und der BVB gehen ab sofort getrennte Wege.

So richtig überraschend kam die Trennung am heutigen Tage, nach den Ereignissen und Berichten der letzten Wochen, nicht mehr. Auch der Pokalsieg und der beste Punkteschnitt aller bisherigen Dortmunder Trainer konnte daran nichts mehr ändern.

Nachdem sich beide Parteien bereits in den letzten Wochen versucht haben, sich so zu positionieren, dass sie am Ende dieser zweijährigen Liaison im Lichte der Öffentlichkeit am besten dastünden, trieb das Possenspiel am heutigen Tage noch einmal erstaunliche Blüten.

Etwa zwei Stunden vor dem für heute anberaumten ‘ergebnisoffenen’ Gespräch zwischen ihm und den BVB Verantwortlichen, eröffnete Thomas Tuchel einen Twitter Account. Sein Berater bestätigte zeitnah, dass es sich hierbei um den offiziellen Account des Coaches handeln würde.

Das Treffen selber war nach etwa einer halben Stunde vorbei, beim Herausgehen sagte Tuchel gegenüber der Bild, man könne sich anhand der Dauer des Gespräches den Ausgang ja denken und ließ in etwa zeitgleich über seinen neuen Twitterkanal folgendes verkünden:

Ich bin dankbar für zwei schöne, ereignisreiche und aufregende Jahre. Schade, dass es nicht weitergeht. Danke an die Fans, an die Mannschaft, an den Staff und an alle, die uns unterstützt haben. Wünsche dem @BVB alles Gute. TT

Der BVB war ins Hintertreffen geraten und es dauerte eine halbe Stunde, bevor auch der Verein die Trennung von seinem Trainer über die offiziellen Kanäle bestätigte. Auf der vereinseigenen Hompage hiess es dann u.a

Wir bedanken uns bei Thomas Tuchel und seinem Trainerstab für die sportlich erfolgreiche Arbeit beim BVB, die am vergangenen Samstag im DFB-Pokalsieg in Berlin gegen Eintracht Frankfurt ihren verdienten Höhepunkt fand. Für seine berufliche Zukunft wünschen wir Thomas Tuchel nur das Allerbeste. Borussia Dortmund als Arbeitgeber wird sich zu den Hintergründen der Trennung, die das Ergebnis eines längeren Prozesses sind und von allen Klubgremien getragen werden, nicht im Detail äußern und bittet im Sinne aller Beteiligten um Verständnis für den Wunsch, dass nicht auf der Basis von Gerüchten bzw. ohne jeden Hintergrund geurteilt wird. Quelle: bvb.de

Der BVB mochte sich also nicht zu Details äußern, gab damit allerdings weiteren Spekulationen nur zusätzlich Nahrung. Auch ein später am Nachmittag auf der Homepage eingepflegter öffentlicher Brief von Aki Watzke änderte daran wenig, obschon er deutliche und eindeutig zu interpretierende Hinweise gibt:

Es geht bei der Wahrnehmung von Führungsverantwortung, und da unterscheidet sich Borussia Dortmund letztlich keineswegs von jedem anderen Sportverein oder Unternehmen, nicht ausschließlich um das Ergebnis. Es geht immer auch um grundlegende Werte wie Vertrauen, Respekt, Team- und Kommunikationsfähigkeit, um Authentizität und Identifikation. Es geht um Verlässlichkeit und Loyalität. Quelle: bvb.de

Übersetzt bedeutet das:
Watzke wirft Tuchel fehlende oder zumindest mangelnde Identifikation mit dem BVB und Illoyalität vor. Ferner bemängelt er die fehlende Authentizität des Ex-Trainers, dem er offensichtlich auch mangelnden Respekt (gegenüber den Spielern?) vorwirft. In diesem Zusammenhang offenbart sich auch ein Mangel an Kommunikationsfähigkeit. Tuchel hat nach Watzkes Ansicht häufig sein Ego zu sehr in den Mittelpunkt gestellt und sich daher weder als teamfähig noch als verlässlich präsentiert. Man kann ihm, Thomas Tuchel von daher nicht (mehr) vertrauen und müsse trotz der sportlichen Zielerreichung die Trennung vollziehen.

Man muss sich an dieser Stelke fragen, wieso ein Herr Watzke, wieso dei Verantwortlichen des BVB dies erst jetzt feststellen. Dass Thomas Tuchel menschlich nicht einfach ist, war doch hinlänglich bekannt, ebenso wie er zuweilen mit seinen Spielern umzugehen pflegt.

Das alles ist kein Ruhmesblatt für Hans-Joachim Watzke und aus dieser Nummer geht er genauso beschädigt hervor der Trainer Tuchel auf dessen Wirken nun ein Schatten liegt, den er schleunigst wieder loswerden möchte und sollte. Dazu benötigt er schnellstens eine Trainerstation, wo er schnell Erfolge/Titel präsentieren kann.

Der HSV, bei dem Tuchel ja vor seinem Engagement Wunschkandidat war, kommt da wohl kaum in Betracht. Wobei sich jetzt ja auch die Frage stellte, ob man in Hamburg froh sein muß, dass der Kelch Tuchel am Hamburger Sportverein vorbeigegangen ist.

Ich persönlich würde Tuchel hier gerne sehen, ihn jederzeit eintauschen wollen, denn er hat eines gehabt, was dem HSV schon seit Ewigkeiten fehlt, sportlichen Erfolg. Wie seht ihr das?

5 Kommentare

  1. SchbaggnSchbaggn

    Wenn es beim HSV nur um sportliche Fähigkeiten ginge, ja, dann vielleicht. Wir haben bei diesem Verein so viele Interessensgruppierungen, das ein normales Arbeiten nicht möglich scheint. Wieviele Trainer, Manager, VV, AR und auch Spieler sind hier gescheitert? Das Problem an der sportlichen Leitung fest zu machen, funzt aus meiner Sicht nicht, denn das “Problem” steckt viiiiel tiefer.

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  2. Dylan1941Dylan1941

    Würde man sich von Gisdol auf Tuchel menschlich verschlechtern? Wohl kaum! Sportlich verbessern ? Wahrscheinlich! Möchte ich ihn hier haben ? Nein! Bin für Streich Liste in HH und CHRISTIANisierung!

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  3. ky

    Grosse Trainer waren und sind immer Egoisten – Zebec und Happel’s Anekdoten beim HSV würden Bücher füllen. Mourinho, van Gaal, Diego Simeone, Pep Guardiola, der frühe Heynckes (nicht der Altersmilde), Christoph Daum, etc. – Erfolgsgeilheit ist deren primärer Antrieb, dem sich alles unterordnet.
    .
    Ja, dem HSV würde ein solcher Trainer gut tun, dann wären Tattoo-Dickie etc. hier längst Geschichte, und das Anno 1983 eingeschlafene Dornröschen würde durch einen solchen Trainer-Prinzen nicht nur wach geküsst, sondern wahrscheinlich “rektal penetriert”. Und genau diesen Hallo Wach-Effekt braucht dieser Verein. just my 2 cents…

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  4. PaderbornerPaderborner

    Wenn Tuchel interessiert wäre zum HSV zu kommen, müsste der HSV eigentlich sofort zuschlagenn!

    Aber der HSV ist ja nunmal der HSV und Gisdol hat zwar ein unfassbar schlechten Fussball spielen lassen, aber den Klassenerhalt geschafft, also wird man mit Gisdol in die Saison gehen und wahrscheinlich am 10. Spieltag wieder nach einem neuen Trainer suchen.

    HSV: „Wir machen das mit den Fähnchen“

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  5. Aradia

    .
    Moin ihr Lieben,
    da wir nix Geld haben in der Tasche
    und als Macher turnt ne Flasche
    hilft uns ganz auf die Rasche
    einer mit ner neuen Masche.
    Streich………find ich gut.
    .
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