Es ist doch nur Vorbereitung…

Diesen Satz bekommt man immer dann zu hören, wenn es in einem Vorbereitungsspiel nicht wie gewünscht gelaufen ist, wenn es etwas zu beschwichtigen gibt. Beim Gewinn des T-Cups beim Feierabendsommerkick über jeweil 45 Minuten, hörte man das natürlich nicht.

Nun ja, die Teams des Hamburger SV befinden sich in der Vorbereitung auf die neue Saison, die Saison 2015/16 und auf eigentlich alle Teams von der U17, der U19 und der U23 bis zur “Ersten” trifft zu, dass sie sich in einem Umbruch befinden, zum Teil komplett neu zusammengestellt sind, und sich eine Mannschaft erst einmal finden muss. So weit so gut.

Nun ist es allerdings so, dass die Teams in ihrer Saisonvorbereitung unterschiedlich weit sind. Während die U17 und die U19 gerade eben in die Vorbereitung eingestiegen sind, die Profis sich in der Mitte ihrer Vorbereitung im zweiten Trainingslager in Harsewinkel befinden und gerade Selfies mit den Fans machen, ist die “Zwote” schon am Ende der Vorbereitung angelangt und startet am kommenden Samstag in Goslar mit dem ersten Spiel um Punkte.

“Es ist doch nur Vorbereitung” gilt für die U23 nicht mehr

wenn man das gestrige Testspiel gegen den Hamburger Oberligameister TUS Dassendorf bewerten will. Das sieht auch Joe Zinnbauer so, wenn er unmißverständlich feststellt: “Nächste Woche haben wir den ersten Gegner vor der Brust. So wie wir heute gespielt haben, wird es da keine Möglichkeiten geben etwas zu holen.”

Tja, so sieht es wohl aus. Auch eine Woche vor Saisonauftakt, hat Joe Zinnbauer noch keine Stammformation gefunden. Nach wie vor setzt er pro Spiel 20 Akteure ein, darunter weitere Testspieler, da die Innenverteidiger-, Rechts- und Linksverteidigerpositionen sowie das defensive Mittelfeld immer noch nicht ausreichend besetzt ist.

Sicherlich steht Joe Zinnbauer vor keiner leichten Aufgabe. Mit den ganzen Neuzugängen aus der eigenen U19 sowie den ebenfalls “blutjungen” Neuverpflichtungen (Details dazu hier) ist die Truppe schlicht unerfahren im Männerfußball. Die verbliebenen “Altspieler” kommen mit Ausnahme von Ahmet Arslan, Gideon Jung und Dong-Su Kim auch nicht aus der ersten Reihe der U23 der vorangegangenen Saison oder sind vom Typus her nicht geeignet, eine junge Truppe zu führen (Nico Charrier, Philipp Müller, Said Benkarit, Kerim Carolus). Auch die Torhüterposition ist nach dem Abgang von Alex Brunst zumindest momentan schwächer besetzt mit einem Johannes Kreidel, der sich immer mal wieder einen Ball aus dem eigenen Fünfer ins eigene Nest legt.

Gegen Dassendorf jedenfalls lief es nicht rund. Das 1:1 war schmeichelhaft für die Hamburger. Auf der Anlage des SC Wentorf waren die Dassendorfer die kompaktere, reifere und eingespieltere Mannschaft, mit den besseren Torchancen. Der HSV hatte genaugenommen nur eine echte. Nach einer Balleroberung von Laurynas Kulikas im Mittelfeld gelangte der Ball zu Rafael Brand auf der linken Seite, der zum Tor zog und eiskalt abschloss. Ansonsten erarbeitete sich der HSV über 90 Minuten keine zwingenden Torchancen. Sämtliche guten Ansätze landeten in der gut positionierten Dassendorfer Abseitsfalle. Entsprechend bemängelte Joe Zinnbeuer auch: “Vor allem im Spielaufbau mangelt es gewaltig!” Der Trainer war absolut ‘not amused’ und gestikulierte über 75 Minuten immer wieder wild an der Seitenlinie und rief Anweisungen auf das Spielfeld. Erst gegen Ende der Partie gab er auf und verzog sich frustriert auf die Bank.

Dassendorf wie gesagt mit den besseren Chancen und einem fulminanten Lattenkracher noch in der ersten Halbzeit sowie einem weiteren Aluminiumtreffer in der zweiten Hälfte. Der verdiente Ausgleich fiel in der 68. Minute durch einen fulminanten Distanzschuss von Finn Thomas. Im Anschluss hatte der HSV nicht wirklich etwas planvolles entgegenzusetzen um doch noch den Sieg einzufahren. Durch die diversen Wechsel wirkte das Spiel zerfahren und Dassendorf am Ende physisch etwas stärker, was wohl aber auf den unbedingten Willen dieses Spiel möglichst noch gewinnen, auf keinen Fall aber verlieren zu wollen zurückzuführen ist. Es ist ja nur Vorbereitung!

So haben sie gestern gespielt:
TuS Dassendorf – Hamburger SV 1:1 (0:1)
1. HZ
Johannes Kreidel – Dominik Jordan, Dong-Su Kim, Marc Lindenbergh, Cimo Röcker – Noah Kamé, Philipp Müller, Enes Küc, Rafael Brand – Laurynas Kulikas, Said Benkarit
Wechsel: Gillian Jurcher für Philipp Müller (35.)

2. HZ
Morten Behrens – Dominik Jordan, Dong-Su Kim, Marc Lindenbergh, Cimo Röcker – Sebastian Haut, Gillian Jurcher, Enes Küc, Rafael Brand – Laurynas Kulikas, Said Benkarit
Wechsel: Nico Charrier für Gillian Jurcher (60.), Dren Feka für Cimo Röcker (60.), Mario Schilling für Rafael Brand (62.), Vesel Limaj für Said Benkarit, Adel Daouri für Laurinas Kulikas
Eliezer Correa Cá für Marc Lindenberg, André Branco für Dominik Jordan

Gillian Jurcher musste 10 Minuten nach wieder Anpfiff das Feld mit einer Schulterverletzung nach grobem Foulspiel verlassen und wanderte in Begleitung eines dicken Eisbeutels und des Physios in die Kabine.

Tore: 0:1 Rafael Brand (16.), 1:1 Finn Thomas (68.)

“Wir sind noch auf der Sechs komplett unterbesetzt, in der Innenverteidigung fehlt genauso noch einer wie auch hinten links. Das merkt man ganz einfach. Mit der Leistung können wir nicht zufrieden sein.” schloß ein frustrierter Trainer Zinnbauer.

Verständlich. Für mich besonders frustrierend: Philipp Müller, der nach zwei weniger gelungenen Aktionen den Kopf in den Sand steckte und lediglich noch unmotiviert über den Platz trabte, wie ich es zuletzt von Maximilian Beister sah. Sicher ist es für ihn momentan nicht einfach, alle anderen trainieren zumindest oben mit. Er wird beissen müssen oder ganz schnell in dieser jungen sich noch formierenden Truppe keine Rolle mehr spielen. Angenehm auffällig hingegen Dominik Jordan selbst ja auch erst nach dem Abgang von Götz und Marcos mehr in das Team gerutscht, dirigiert lautstark seine Vorder- und Nebenleute und übernimmt mehr und mehr Verantwortung ohne dabei allerdings die umfängliche Präsenz eines Arslan zu erreichen. Von Dong-Su Kim müsste verbal und kommunikativ auch wesentlich mehr kommen. Aufgrund seiner Erfahrung muss er den jungen Leuten einfach mehr Führung geben.

Führung, wie sie beispielsweise der junge Dren Feka im Trainingslager in der Schweiz durch Neuzugang Emir Spahic zu Teil wurde.

“Es ist doch nur Vorbereitung” – 0:2 in Bielefeld

Emir Spahic, der in seinem ersten Spiel gleich mit einer Niederlage und einem durchwachsenen Auftritt startete, bei dem er erkennen ließ, wie geschickt er im Zweikampf agieren kann, aber auch, dass noch längst nicht alles Gold ist was glänzt.

Ich habe mir das Spiel nachträglich auf hsvtotal angesehen und muss gestehen, dass es mich Überwindung gekostet hat, mir die kompletten 90 Minuten anzutun. In der 2. Halbzeit hatte ich Mühe, die Augen offen zu halten. Im Nachhinein eine Bestätigung, gut daran getan zu haben mir das Spiel der U23 live vor Ort anzusehen.

Analog zum Spiel der U23 gelang es auch der “Ersten” in keiner Phase so etwas wie echte Torgefahr zu entwickeln. Der Spielaufbau ist mehr als ausbaufähig. Der HSV begann recht engagiert mit einem emsigen Holtby in den ersten Minuten, der zeigte, dass er wollte, aber nicht zeigen konnte was. Sein Freistoß in der 5. Minute blieb dann auch zunächst die einzige erwähnenswerte Aktion. In der 18. Minute gab es eine erwähnenswerte Einzelaktion von Lasogga auf rechts und dann war vorbei mit der Herrlichkeit. Keine Bewegung im Spiel, niemand,der Laufwege ging und Bälle forderte. Einzig Ahmet Arslan versuchte sich darin hin und wieder, blieb in seinen Aktionen allerdings meist glücklos, aber er versuchte es wenigstens. Nach einer weiteren Einzelaktion Lasoggas, dieses Mal auf der linken Seite und anschließender Flanke hatte Neuzugang Gotoku Sakai die größte Chance zur Hamburger Führung. Eine Minute später zeigte Arslan, dass sich das Sondertraining mit Bernhard Trares zu lohnen scheint. Mit einem feinen Heber nahm er den Ball mit, legte auf seinen schwächeren linken Füß und zog stramm ab. Leider knapp am Tor vorbei und nur ans Aussennetz.

Von den Bielefeldern war ebenfalls wenig bis gar nichts zu sehen, es war ein müder Sommerkick zweier Teams, die sich auf keinen Fall gegenseitig wehtun wollten. Etwas überraschend dann auch die Führung. Jung schaltet bei einem Pass von Hirzel nicht schnell genug und aus seinem Rücken heraus wird ihm der Ball abgenommen, gelangt zu Klos und der macht kurzen Prozess.

Für die zweite Halbzeit habe ich für den HSV lediglich noch eine Aktion des eingewechselten Jiracek aus der 65. Minute zu Buche stehen. Ein Schüsschen, das rechts vorbei ging, swoei eine Einzelaktion von Rudnevs in der 67 auf der rechten Seite bei einem der wenigen schnell vorgetragenene Angriffe. Ansonsten nada, nix! Bis auf den zweiten Bielefelder Treffer, der aus dem Nichts kam, aber trotzdem eine sehenswerte Direktabnahme war, die für Hirzel nicht zu halten war.

Na ja, es ist doch nur Vorbereitung!

So haben sie gespielt:
Arminia Bielefeld – Hamburger SV 2:0 (1:0)
1. HZ
Hirzel – Sakai, Djourou, Spahic, Ostrzolek – Holtby, Jung, Arslan, Zoua – Olic, Lasogga

2. HZ
Hirzel – Diekmeier, Cleber, Spahic Ostrzolek (64. Marcos) – Holtby (64. Jiracek), Jung, Gouaida, Stieber – Olic, Lasogga (54. Rudnevs)

Tore: 1:0 Klos

“Wir haben zwei Fehler gemacht, die wurden bestraft. Allerdings hatten wir recht wenige Mittel. Wir hatten wenig Durchschlagskraft nach vorn.” konstatierte Bruno Labbadia, der im Gegensatz zu seinem Kollegen Zinnbauer seine sichtbare Unzufriedenheit nicht verbal äußerte. Seine Aussage “Ich habe nicht mehr erwartet, denn ich habe eine realistische Einschätzung.” lässt dann auch genügend Interpretationsspielraum zu.

Mein Fazit: Ein müder Sommerkick, dem man nicht allzugrosse Bedeutung beimessen sollte, da die Mannschaft in dieser Zusammensetzung wohl kaum noch einmal spielen dürfte. Festzuhalten bleibt allerdings völlig unabhängig vom Stand der Vorbereitung und dem unterschiedlichen Trainingszustand der einzelnen Spieler, dass keine Spielidee erkennbar ist und einige Spieler technisch nicht in der Lage sind einen Ball so anzunehmen und zu kontrollieren, wie dies in der Bundesliga heutzutage vonnöten ist, wenn man sich gegen immer konsequenter durchgeführtes Pressing durchsetzen will. Ich will hier niemanden an den Pranger stellen oder aufs Schaffot führen, aber Olic, Holtby, Rudnevs, Diekmeier und auch – ein gegenüber der Vorsaison verbesserter Lasogga haben noch massenhaft Luft nach oben. Hirzel hat gezeigt, dass er Fußball spielen kann; seine Abschläge ob kurz oder lang kamen schneller und präziser als jene von Adler oder Drobny. Jung hat seine Sache trotz seines Fehlers nicht schlecht gemacht und sollte durchaus eine weitere Chance auf seiner Lieblingsposition im defensiven Mittelfeld erhalten. Gouaida direkt nach der Pause mit viel Schwung und einen guten Aktionen, Stieber kann immerhin Ecken schiessen und Spahic….Es ist ja noch Vorbereitung!

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“Es ist ja nur Vorbereitung” – und trotzdem kann man gewinnen, nachdem man verloren hat

Die neuformierte U19 unter Trainer Petrowsky befindet sich seit dem 13. Juli auch wieder im Training und hat an diesem Wochenende gleich zweimal getestet. Am Samstag stand ein Vergleich mit der U19 gegen Leverkusen an und am heutigen Sonntag in Herford gegen die U19 von Arminia Bielefeld. Waährden die Partie gegen Bayer 04 mit 3:1 verloren ging (Tor für den HSV durch Mats Köhlert), endete das Spiel gegen Bielefeld mit 3:1 (1:0) für den HSV (Tore: Semih Halavurta, Bibie Njie, Khaled Mohssen)

Soweit eine kurze Zusammenfassung dessen, was sich “vobereitungstechnisch” an diesem Wochenende getan hat.

Zum Abschluß noch ein Hinweis auf einen Leckerbissen des Jugendfußballs:

Am Dienstag empfängt die U19 des Hamburger SV die U19 der Gunners. Arsenal London gastiert in Norderstedt im NLZ. Anpfiff der Partie ist um 11 Uhr. Ein Tipp für all jene, die noach Harsewinkel wollten und dort nichts zu sehen bekommen.

Euch allen einen wunderbaren Start in die Woche!

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