Fehler und verpaßte Chancen

Ja, es war ernüchternd und natürlich ist es das noch. Gleichwohl, überraschend kam und kommt das nicht.

An dieser Stelle könnte ich es mir einfach machen und einfach auf einen der letzten Blogs mit dem Titel „Desaströse Rückrunde“ verweisen. Dort ist letztlich alles Wesentliche bereits aufgeführt. Knapp einen Monat her.

Inzwischen ist es leider beim Hamburger Sportverein nicht besser geworden, auch wenn uns Positivmeldungen über platzierte Anleihen, erteilte Lizenzen und Einigungen über Besserungsscheine mit Herrn Kühne das Gegenteil weismachen wollten.

Sportlich ist das Desaster von Spiel zu Spiel weiter gegangen, auch wenn sich der eine oder andere durch den durchaus couragierten, letztlich aber chancenlosen Auftritt gegen den Leipziger Brauseclub doch wieder gerne haben Sand in die Augen streuen lassen. Nein, das Desaster nahm seinen Lauf, sechs Spiele nunmehr ohne eigenen Sieg. Rückrundentabellenplatz 14, 16 Punkte aus 14 Spielen. So viel kann selbst die Konkurrenz nicht verlieren, dass man dann noch ungefährdet einen Aufstieg anstreben kann. Vor allem dann nicht, wenn man ein sogenanntes ‘6 Punkte’-Spiel verliert und diese dem Gegner dann schenkt.

Geschenkt war heute zumindest das 1:0 an Union Berlin. Wobei, Geschenke muss man ja auch erst mal annehmen, aber da ließen sich die Eisernen heute eben nicht zweimal bitten nach dem eklatanten Fehler von Gideon Jung zu Beginn der zweiten Hälfte. Nun, Fußball ist ein Fehlerspiel und Fehler passieren. Kein Beinbruch. Zumindest dann nicht, wenn man eine Mannschaft hat, die solche Fehler korrigieren kann, weil sie sich über die gesamte Spieldauer hinreichend eigene Chancen erarbeitet und diese auch nutzt.

Genau da liegt aber die Krux beim Hamburger SV. Eben genau das tut er nicht. Er erarbeitet sich eben diese Chancen nicht hinreichend. Da mögen Spieler und Trainer noch so viel davon schwadronieren, dass lediglich der letzte Pass oder ein wenig Spielglück gefehlt hätten. Spielglück muss man sich mit Einsatz, Willen, Vehemenz eben auch erarbeiten und es dann notfalls mit Volldampf erzwingen. Das gelingt dem HSV unter Hannes Wolf nicht und ja, es scheint, als gelänge es zunehmend schlechter, von Spiel zu Spiel. Inzwischen kommen selbst die Akteure nicht mehr umhin, nach dem Spiel zuzugeben, dass sie ein schlechtes gemacht haben. Und ja, die HSVer haben heute ein schlechtes Spiel gemacht. In der ersten Hälfte sah das defensiv noch recht gut aus. Man hatte Union mehr oder weniger im Griff, ließ zumindest keine ernsthaften Chancen zu und hatte selber 2 Möglichkeiten, eine davon war sogar gut, um ein Tor machen zu können. Aber man macht eben diese Tore auch nicht. Da kommt dann neben relativer Chancenarmut auch noch eine miserable Effektivität eine schlechte Chancenverwertung hinzu, an der sich im gesamten Saisonverlauf übrigens nichts zum positiven gewendet hat. Die nachstehende Tabelle listet das noch einmal recht anschaulich auf.

Was diese Tabelle allerdings nicht zeigt, ist die Tatsache, dass der HSV in den letzten 8 Partien lediglich gegen den VfL Bochum das zweikampfstärkere Team war. Lediglich in 8 von 21 Partien unter Hannes Wolf gewann man mehr Zweikämpfe als der Gegner und das, wo der Coach gebetsmühlenartig einfordert, man müsse Vollgas geben, mental voll da sein, den Kampf annehmen. Es hat ganz offensichtlich nicht gefruchtet.

Warum das so ist, dafür gibt es sicherlich verschiedene Gründe. Am heutigen Tage ist der Grund allerdings eindeutig und bereits benannt: Lewis Holtby. Dieser treulose Geselle, von den einen noch gefeiert, weil er geblieben ist, auf Geld verzichtet hat, sich zu den Fans in die Kurve gestellt hat, die lebenslange Mitgliedschaft erworben hat. Alles Fake alles Schau. Dieser elendige Söldner hat sich doch geweigert mit nach Berlin zu fahren, weil er nicht in der Startelf stehen sollte. Was für eine hundsmiserable Einstellung.

Nun, wie auch immer man diesen Vorfall bewerten will. Das geht natürlich nicht und gehört sanktioniert. Aber an dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass man sich durchaus einmal fragen könnte, ob jemand, dem dieser Verein so am Arsch vorbeigeht, wie es Holtby ketzt auf den Kopf zugesagt wird, überhaupt eine derartige Reaktion zeigen würde. Warum aufregen und verärgert und – zugegebenermaßen überzogen – impulsiv reagieren, wenn ich bei einem Scheißverein nicht berücksichtigt werde.

Egal, wie das auch immer von jedem Einzelnen bewertet wird. Für mich viel entscheidender ist die Tatsache, dass dieser Zwischenfall unmittelbar nach der Niederlage bei Union publik wird. Nicht vorher und wohl auch nicht bei einem erfolgreichen Auftritt der Hamburger an der Alten Försterei?

Es ist unschwer zu erkennen, dass hier in der Folge gleich wieder Politik (in eigener Sache) betrieben wird. Schon führen Wolf und Becker einzelne Gefechte um sich selber aus der Schusslinie zu nehmen. Der eine ist nicht alleine Schuld, der andere sieht strukturelle und ganz andere Probleme. Alles Dinge, die klängst und immer da waren und die eben jene Herren hätten in Angriff nehmen und abstellen sollen. Dass sie es nicht konnten und jetzt damit um die Ecke kommen, ist ihnen anzukreiden. Hätten sie vorher unaufgeregt auf vorhandene Schwierigkeiten hingewiesen. Wäre ich zu einem anderen Schluss gekommen. So bekommt das wie so vieles beim HSSV nur wieder ein Geschmäckle.

Die Schuldzuweisungen beginnen und mit ihr wieder einmal die Selbstzerfleischung. Förderlich für das sportliche Abschneiden in den letzten 3 Partien dürfte das sicherlich nicht sein. Könnte das am Ende gar gewollt sein? Steckt da gar ein perfider Plan von Hoffmann, Becker und Wolf dahinter? Will man gar nicht aufsteigen? Hat man tatsächlich das Ziel, diesen Saustall ernsthaft auszumisten und wartet nur darauf, dass ein weiterer Verbleib in dieser 2. Liga die Akzeptanz für längst überfällige und notwendige Korrekturen bei der aufgeblähten Mitarbeiterschaft führt?

Keine Frage, es wird massive Einschnitte geben, es wird sie geben müssen, es hätte sie längst geben müssen.

Aber noch sind mindestens 3 Partien zu absolvieren. Der HSV hat es nicht mehr in der eigenen Hand. Ein Blick auf die Tabelle und das Restprogramm der Rothosen sowie der Konkurrenz zeigt das deutlich..

  • Köln 59 Punkte
    SGF (A), SSV (H), FCM (A)
  • Paderborn 54 Punkte:
    DSC (A); HSV (H); SGD (A)
  • Union 53 Punkte:
    D98 (A), FCM (H), BOC (A)
  • HSV 53 Punkte:
    FCI (H), SCP (A), DUI (H)
  • Heidenheim 49 Punkte:
    SVS (H), MSV (A), FCI (H)

3 Siege würden den HSV sicher auf den Relegationsplatz bringen, da man in dem Fall den SC Paderborn auf die Ränge verweisen würde. Für mehr, muss man auf Ausrutscher von Union hoffen. Aber mal ehrlich und Hand aufs Rautenherz: Wer rechnet derzeit nach diesen Vorstellungen und dem erneut ausgebrochenen Chaos im Verein damit, dass der HSV mal eben locker 3 Punkte  Siege aus den letzten Partien einfahren wird. Ich nicht! Ich befürchte gar, dass der Hamburger SV am Ende so etwas wie einem Derbyfluch erlegen könnte. Holger Stanislawski kann ein Lied davon singen. Derbysieger und danach kein Spiel mehr gewonnen und abgestiegen.

Heißt es für den HSV in diesem Jahr Derbysieger, danach nix mehr gewonnen und nicht aufgestiegen?

Und was, wenn in Paderborn verloren wird, wenn zum letzten Heimspiel gegen Duisburg schon feststünde, dass der Aufstieg verpasst wurde, einfach verdaddelt gegen Darmstadt, weil man aufhörte Fußball zu spielen und meinte das Spiel auch so locker nach Hause schaukeln zu können. Werden dann die Grabkreuze wieder hervorgekramt, gibt es Pyrobeschuss der Vermummten oder singen alle wieder gerührt ‘Mein Hamburg lieb ich sehr’ und wie viele werden es dann in der kommenden Saison noch sein?

In wenigen Wochen sind wir schlauer. Es bleibt spannend und vor allem nie langweilig beim HSV.

6 Kommentare

  1. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

    Inzwischen gibt es auch eine Reaktion von Lewis Holtby auf Instagram:

    Nach den Ereignissen der letzten beiden Tage halte ich es für angebracht mich hier auch mal kurz zu Wort zu melden. Nach Ende des gestrigen Abschlusstrainings habe ich mich im Affekt zu einer Kurzschlussreaktion hinreissen lassen. Aufgrund einiger Enttäuschungen in den letzten Wochen und dem unbedingten Willen den Aufstieg zu erreichen und der Mannschaft bzw. dem HSV helfen zu wollen, sind die Gäule im wahrsten Sinne des Wortes mit mir durchgegangen. Die Reaktion war emotional, geschah im Affekt und war absolut nicht in Ordnung – das habe ich nach einer kalten Dusche wenige Minuten nach dem Training eingesehen und umgehend die Entscheidung gegenüber dem Trainer revidiert. Leider wurde mir die Tür nicht mehr aufgemacht, was ich mir aber unbedingt gewünscht hätte. Ich werde die Entscheidung des Vereins akzeptieren müssen.

    https://www.instagram.com/p/Bw0I1ZdHWrp/

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  2. Avatarflashbax

    Immer wieder erstaunlich deine Statistiken und Grafiken. Steckt bestimmt ne menge Arbeit drin. gefällt mir aber. Weiter so!

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  3. 1887Breisgau1887Breisgau

    Moin!

    Es ist ne Zweitligatruppe, nicht mehr und nicht weniger, noch dazu eine nicht homogene, keine mit wirklichen Führungsspielern, keine mit einem funktionierenden Kollektiv. Da werden als Führungsspieler Hunt, Sakai, Holtby, Lasogga genannt, DIE Gesichter des Abstiegs und der jahrelangen Nicht-Erbringung von Leistung.

    An denen sollten sich junge Spieler orientieren, sich von ihnen führen lassen auf dem Platz und am besten noch daneben? Konnte nicht wirklich funktionieren.

    PRO LIGA ZWEI!

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  4. AvatarWaltero

    Den Kommentar kann ich zu 100% unterschreiben. Ich denke auch, dass der Drops gelutscht ist. Man hätte nach dem Darmstadt-Spiel reagieren müssen. Evtl. Schon vorher – wie viele Spiele wurden nach Führung über die 90 Minuten geschaukelt?! Da fahren die Leute hunderte Kilometer und bezahlen Mondpreise, um dann derartigen Minimalismus präsentiert zu bekommen… Nach dem Spiel gegen Darmstadt war der Drops für mich gelutscht. Heute wäre noch einmal der Moment gewesen zu reagieren. Klar ist aber auch, dass der Sportvorstand einen Trainerwechsel nicht unbeschadet überstehen würde. Das ist vermutlich der einzige Grund, dass Wolf noch Trainer ist. Außer Hoffnung ist dem Duo Becker/ Wolf nichts geblieben!

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  5. WORTSPIELERWORTSPIELER

    Für mich viel entscheidender ist die Tatsache, dass dieser Zwischenfall unmittelbar nach der Niederlage bei Union publik wird. Nicht vorher und wohl auch nicht bei einem erfolgreichen Auftritt der Hamburger an der Alten Försterei?

    die journaille wusste es bereits VOR dem spiel. als agreement wurde vereinbart, das ganze erst NACH dem spiel zu bringen. und natürlich wäre das auch bei einem sieg / remis an die öffentlichkeit gelangt.

    ich finde viel interessanter, dass das standing von “dj duracell” in der kabine offensichtlich nicht sehr groß ist, dass die mannschaft “voll hinter der entscheidung” steht. den aufschrei gab es dann nur bei den blau-weiß-schwarzen (r)autisten in den soziale medien.

    die petition zur vertragsverlängerung (“holtby muss bleiben”) hat sich nun wohl erledigt, oder…?!

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  6. GVGV

    Die Reiterstaffel hattest Du vergessen. Den armen Pferden dies diesmal zu ersparen, wäre schon mal ein Fortschritt.
    Der HSV indes hat sich das eingebrockt und verdient, nicht der Trainer, und auch LHHoltby ist nur ein kleines symptomtragendes Rädchen.
    Es ist der ganze Verein an sich mit seinem Selbstverständnis, seiner Haltung und Einstellung, wo die Ursachen schon immer zu finden sind.
    Nächste Saison ist wieder Abstiegskampf zu erwarten, in welcher Liga auch immer. Die derzeitige Lage und Stimmung gibt schon mal einen Vorgeschmack.
    Der “HSV Virus” lebt und nährt sich noch vom siechenden kranken Club.
    Es zieht sich hin.

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