Grippe, Wohlfühloase und…

Es war Länderspielpause und ich dachte: “Prima, da kannst Du Dich ein wenig rar machen, es passiert ohnehin nicht viel!” und dann hab ich mich aufgrund einer zwischenzeitlichen “Grippe” rarer gemacht als dass ursprünglich geplant war. Das war insofern nicht wirklich tragisch, weil speziell das Thema Nachwuchs von anderen Blogs (angekündigt und verschoben/oder nicht angekündigt dafür geliefert) bzw. von anderen Medien von unterschiedlichen Seiten “beleuchtet” wurden, ohne dass es – das sage ich mal so pauschal und ganz subjektiv für mich – bahnbrechende Neuigkeiten gegeben hätte.

Wir haben erfahren, dass Nachwuchstrainer beim HSV ein Traumjob ist, allerdings nicht warum das so ist, so dass die Vermutung wieder einmal nahe liegt, es läge am Gehalt und an der “Wohlfühloasenatmosphäre”in Hamburg. Ein Trainer, dem es egal ist, ob er als Co-Trainer oder als Cheftrainer arbeitet, Hauptsache beim HSV. Ein Co-Trainer, der mit seiner Rolle zufrieden und glücklich ist, obwohl er bereits an höherrangiger Stelle für diesen Club tätig war, verlässt einen durchaus erfolgreichen Oberligaverein um sich einen Traum zu erfüllen. Welchen? Den vom vielen Geld für wenig Arbeit?

Es ist für mich unter anderem diese Einstellung, die dort zur Schau gestellt wird, die es beim HSV unmöglich macht eine Leistungskultur entstehen zu lassen, eine Mentalität des unbedingten “Gewinnen-Wollens”, der “Geilheit” auf Erfolg und ganz oben, Erster sein zu wollen. Und das bringt mich dann nun doch noch kurz zu Bernhard Peters. Auch über ihn und seine Arbeit hat man in den letzten 14 Tagen nicht wirklich etwas bahnbrechend neues erfahren. Dass er nicht überall auf Gegenliebe stößt, ist ein alter Hut, dass war bereits bei der Hockeynationalmannschaft nicht anders. Dass speziell Leute nicht gut auf ihn zu sprechen sind, die unter ihm keine oder keine wirkliche Chance haben und die Wohlfühloase HSV verlassen müssen ist auch wenig verwunderlich. Er ist spröde und wirkt unnahbar und dennoch habe ich ihn auch offen und fröhlich gesehen und ihn regelmäßig Spieler der U16, U17 etc. begrüßen sehen, wenn diese sich die Spiele der U23 angesehen haben. Ich kann die Arbeit von Peters definitiv nicht beurteilen. Die Tatsache, dass er Powerpoint-Präsentationen erstellt alleine heißt für mich gar nichts und besagt nicht, dass er dies ausschließlich tut. Der genaue Aufgabenbereich ist eben nicht klar (das zeigt bereits das Organigramm). Ich kann diesen Mann bzw. seine Tätigkeit für den HSV nicht abschließend beurteilen und tendiere in solchen Situationen im Zweifel für den Angeklagten.

Für das schlechte Abschneiden der U16 (um den Kreis zu meinem letzten Artikel vor der Länderspielpause zu schließen) ist Peters sicherlich nicht verantwortlich. Wobei sich in diesem Zusammenhang eben auch die Frage stellt, wie die Trainerfindung beim HSV wirklich funktioniert. Es ist davon auszugehen, dass Peters darüber letztlich nicht und auf gar keinen Fall alleine entscheidet. Ansonsten gäbe es sicherlich nicht soviele ehemalige “Verdiente” HSVer auf den Trainerpositionen. Für die Kaderplanung jedenfalls ist Peters ganz sicher nicht zuständig, das ist definitiv der Aufgabenbereich von Peter Knäbel, der – so scheint es mir zumindest – mit der Ersten dermassen gefordert war, dass er zu dem “Rest” nicht mehr ausreichend und vernünftig gekommen ist. Die Kaderplanung für die U23 ist jedenfalls zumindest suboptimal und von daher mit vorhersehbarem Resultat verlaufen, worauf Ex-Trainer Zinnbauer bereits in der Vorbereitungszeit hinwies, damals noch in der trügerischen Hoffnung er würde den dringend benötigten Ersatz speziell für die Abgänge von Steinmann und Mende bekommen.

Doch zurück zur U16, die mit ihrem Neuen, dem “Damencoach” Achim Feifel, nur wenige Tage nach der Amtsübernahme gleich den ersten Sieg einfahren konnte. Mit 4:1 wurde der TSV Havelse nach Hause geschickt und der erste Saisonsieg und Punktgewinn überhaupt eingefahren. Neue Besen kehren also gut. Wobei man der Fairness halber erwähnen muss, dass Feifel sich zur Verstärkung seiner B-Junioren bei der U17 bedient hat, mit Torben Isermann, Corvin Bock (zwei Tore) und Almir Bajramovic (1 Tor) standen gleich drei spielentscheidende Figuren von den Jahrgangsälteren auf dem Feld.  Dieses positive Momentum wollte Feifel mit seinen Jungs an diesem Wochenende mit nach Lüneburg zur MTV Treubund mitnehmen, um gegen einen direkten Konkurrenten im Tabellenkeller nachzulegen. Leider ist dieses Spiel allerdings genauso ins Wasser gefallen, wie das Spiel der U23 beim Lokalrivalen, dem FC St. Pauli.

Die U16 rangiert nun mit 3 Punkten auf Rang 12 immer noch 7 Punkte hinter der dem letzten Nichtabstiegsplatz, den mit einem Spiel mehr momentan der Heider SV einnimmt. Für die U23 wäre ein Sieg an diesem Wochenende enorm wichtig gewesen um nicht tiefer in den Abstiegssumpf zu geraten. Auch ohne Spiel ging es aufgrund des Unentschiedens von Cloppenburg einen Platz tiefer runter. Man ist jetzt 17. und Vorletzter mit 9 Punkten.  Glück im Unglück sozusagen, dass die Partie Hildesheim gegen Schilksee ebenfalls ausgefallen ist. So bleibt es zunächst optisch bei dem gleichen Rückstand, was mental durchaus wichtig sein dürfte. Der Druck nimmt zu und man darf gespannt sein, wann die Reissleine gezogen wird und ein gestandener Trainer die U23 übernimmt, um zu retten, was kaum noch zu retten scheint. Vielleicht hat es sich der HSV inzwischen aber auch anders überlegt und lässt sein Flaggschiff aus finanziellen Gründen untergehen. Das wäre dann allerdings in der Tat ein Widerspruch zu allen bisherigen Äußerungen und am Ende ein deutlicher Beleg für Plan- und Konzeptlosigkeit.

Die U17 von Christian Titz hat es nach drei Siegen in Folge an diesem Wochenende heftig erwischt. 0:4 hieß es am Ende im Spitzenspiel gegen den Tabellenzweiten der B-Junioren Bundesliga Nord-Nordost Hertha BSC. Ein Doppelpack unmittelbar vor der Pause und zwei Minuten nach Wiederanpfiff brachte die Rothöschen auf die Verliererstraße, mit einem weiteren Doppelpack kurz vor Ende der Partie (76./77. Minute [die Junioren spielen 2 x 40 Minuten]) war die (zu) hohe Niederlage besiegelt. Der HSV ist 2 Plätze abgerutscht und belegt mit 14 Punkten jetzt Rang 6; immer noch komfortable 9 Punkte vor dem ersten Abstiegsrang.

Diesen komfortablen Vorsprung büßt die Erste allmählich ein. Die Konkurrenz aus Hannover und auch aus Stuttgart hat an diesem Wochenende dreifach gepunktet und ist nur noch drei bzw. 4 Punkte entfernt. Zur Partie gegen Leverkusen gibt es aus meiner Sicht nicht viel zu sagen. Mit Glück (nicht gepfiffener Elfmeter) und guter Torwartleistung hat der HSV sich in der ersten, klar von Leverkusen dominierten Hälfte im Spiel gehalten ohne ernsthaft offensiv in Erscheinung zu treten. Daran änderte sich bis auf die eine Dreierchance durch Hunt, Ilicevic und Müller  in der zweiten Hälfte auch nach den Einwechslungen nichts. Leverkusen fand in Halbzeit Zwo nicht mehr zu einem ordentlichen Passspiel, was zum Teil an früher attackierenden Hamburgern, zum Teil allerdings aber auch an eigener Unkonzentriertheit (nachlassender Physis?!) lag und spielte insgesamt viel zu ineffektiv, wodurch der relativ schlechte Tabellenplatz in der bisherigen saison auch berechtigt ist.

Der HSV hat seit dem Spiel gegen desolate Gladbacher kein Tor aus dem Spiel heraus mehr erzielt. Ein abgefälschter Glückstreffer ist die magere Ausbeute der letzten 4 Spiele und das fatale dabei, es wurden und werden so gut wie keine Torchancen kreiert, die diesen Namen verdient hätten. Punkte gibt es für die Hamburger genau wie in der letzten Saison lediglich, wenn alle Mann voll bis zum Anschlag gehen und die Mannschaft defensiv gut steht. Vorne muss nach wie vor der liebe Gott helfen. Freunde des gepflegten Balles, es hat sich gegenüber der Zinnbauer Ära so gut wie nichts verändert und wir werden dass sehr deutlich nach den nächsten drei Spieltagen zu sehen bekommen. In Hoffenheim gab es traditionell nicht viel zu holen, Hannover ist auch nicht gerade ein Lieblingsgegner und wie der HSV offensiv gegen die Defensivkünstler aus Darmstadt dreifach Punkten will….ich weiß es nicht. Zumal jetzt auch noch mit Aaron Hunt der einzige Spieler ausfällt, der vorne für Ruhe und Ordnung und ab und an sogar für so etwas Ähnliches wie Gefahr sorgte. 3 Wochen Pause, Stand jetzt. Nimmt man die bisherigen Prognosen und die dann tatsächlich eingetretenen Pausen (z.B. bei Lasoggas leichten Oberschenkelproblemen) so steht zu befürchten, dass wir Hunt erst in der Rückrunde wieder sehen werden.

Nun, wie dem auch sei, bereits am Freitagabend rollt der Ball für die Rothosen wieder. Es wird Zeit, dass Chancen kreiert und Tore erzielt werden. Mit 0:0 Unentschieden wird man die angepeilte 40 Punkte Marke jedenfalls kaum erreichen können.

Viele waren nach dem Spiel mit dem Unentschieden zufrieden. Ja, das muss man wohl sein, denn es hätte eine Niederlage werden können (eigentlich müssen), aber nie ein Sieg. Dennoch das bisher Gezeigte wird nicht reichen, um in diesem Jahr die Klasse zu halten. Und wenn das einer weiß, dann der Trainer, die arme Sau, die momentan für alle und alles die Kastanien aus dem Feuer holen muss. Viel Glück bei dieser Mammutaufgabe, Bruno Labbadia!

Euch allen eine angenehme und möglichst trockene und erkältungsfreie Woche.

 

2 Kommentare

  1. flashbax

    Und wieder mal Danke.

    Antworten
  2. Rauteee

    Toller Blog! Du triffst es mal wieder auf den Punkt! Wir erspielen keine Chancen, somit ist ein 0:0 momentan das Maximum was wir rausholen können. Nach vorne versuchen wir irgendwie alles über Glück zu regeln, das kann auf Dauer nicht gut gehen…

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>