Herr Bruchhagen, sehen sie sich auch als Übergangslösung beim HSV?

Kurz vor seinem 80. Geburtstag hat der große HSV-Gönner Klaus-Michael Kühne dem Hamburger Abendblatt ein ausführliches Interview gegeben. Ein bemerkenswertes Interview. Eines, das tiefe Einblicke in das Denken des einzigen Investors des Hamburger Sportvereins bietet und nur scheinbar widersprüchlich daherkommt.

Man darf sich fragen, warum Kühne ausgerechnet im Vorfelde des geplanten Mallorca Gipfels und im Zuge der anstehenden Transferplanungen den Weg an die Öffentlichkeit wählt, denn eines dürfte unbestritten sein, der Mann ist sich seiner Worte und deren Wirkung sehr wohl bewußt.

Kühne, der immer betont, der HSV sei sein liebstes Hobby, spricht zwar wiederholt davon, dass er sich weitere Investoren beim Hamburger Sportverein wünscht, verschleiert damit – in dem Wissen, dass sich diese in Hamburg ohnehin nur schwerlich und durch sein starkes Engagement erst recht nicht finden lassen werden – lediglich seine wahren Absichten.

So fordert er beispielsweise:

Der Verein sollte […] nicht an seinem 75,1-prozentigen Anteil festhalten, sondern mindestens 49 Prozent zulassen. Das ist aber ein weiter Weg und hängt mit der 50+1-Regel zusammen, die sicher irgendwann fallen wird. […]
Mein jüngstes Engagement war das Ergebnis vielfältiger Überlegungen und Berechnungen. Das schließt nicht aus, dass man noch weiter erhöht.

Die Marschroute ist somit vorgegeben. Erst Anteile bis 24,9 Prozent, dann bis 49 Prozent und dann der Rest, sobald die 50+1 Regel gefallen ist. Und auch mit der Mär des uneigennützigen Gönners räumt Klaus- Michael Kühne selber auf, wenn er von Überlegungen und (vor allem) Berechnungen im Zusammenhang mit seinem Engagement spricht. Sein Handeln ist natürlich sehr wohl berechnend. Wer hatte jemals Zweifel daran?!

Ebenso berechnend ist es vowegzuschicken, dass man noch nie daran gedacht habe, sich aber wünschen würde:

dass die Investoren bei der Besetzung von Aufsichtsräten ein Mitspracherecht haben[…], vielleicht habe ich bei einer 17-prozentigen Beteiligung ein moralisches Recht, einen Aufsichtsrat bestellen zu dürfen.

um dann der Hoffnung Ausdruck zu verleihen, “dass Karl Gernandt dabei bleibt” und nachzuschieben: “Für mich ist es eine Beruhigung, ihn im Gremium zu haben, ohne davon einseitig zu profitieren”.

Natürlich möchte der Investor Kühne auch über den Aufsichtsrat Einfluß auf die Geschehnisse bei der HSV AG nehmen, ähnlich wie dies auch der Präsident des HSV eV Jens Meier möchte, der bei der Besetzung des Aufsichtsrates eine der Schlüsselfiguren sein wird und von dem Klaus-Michael Kühne sagt:

Ich weiß auch, dass HSV-Präsident Jens Meier dabei ein entscheidendes Wort mitzusprechen hat, da der e. V. die große Mehrheit der AG-Anteile hält.

In Anbetracht dieser Äußerungen ist der Versuch Kühnes seinen nicht vorhandenen Einfluß dadurch zu belegen, dass man (Beiersdorfer) nicht auf seinen Vorschlag gehört hat, kurzen Prozess mit Bruno Labbadia zu machen, geradezu lachhaft.

Für mich war die Rivalität zwischen Beiersdorfer und Bruno Labbadia im vergangenen Sommer auch früh erkennbar. Ich hatte vorgeschlagen, kurzen Prozess zu machen.[Aber]Man wollte nicht schon wieder einen neuen Trainer. Daran sehen Sie, dass ich keinen Einfluss habe.

Wie der Gönner eingebunden ist und was er von den Verantwortlichen des HSV hält, hat er auch gleich kundgetan. Während er in intensivem Kontakt mit Trainer Markus Gisdol steht, dem er sofort nach dem Klassenerhalt per Mail gratulierte und ihn später anrief (“Ich schätze seine sympathische, aber auch zielstrebige Art.”), kommuniziert Kühne natürlich in erster Linie mit Finanzvorstand Frank Wettstein, den er für einen guten Finanzchef hält.

Dietmar Beiersdorfer hielt Kühne für überfordert. In dieser Überforderung sieht er den Hauptgrund für den Niedergang des HSV. Gleichzeitig attestiert Kühne jedoch ein guter Sprotchef gewesen zu sein, was man wohl lediglich dahingehend interpretieren kann, dass es ohne das Wirken Beiersdorfers nicht möglich gewesen wäre bereits jetzt 17% an der HSV AG zu erwerben und man damit dem eigentlichen Ziel…24,9…49…50+1…

Über den jetzigen Sportchef Jens Todt heißt es, er kenne ihn nur flüchtig, er sei neu, müsse sich (erst noch) bewähren und sich jetzt bemühen, fündig zu werden. Fündig nach den Vorgaben des Trainers: “Gisdol muss jetzt sagen, was er braucht”.

Tja und wenn die Vorschläge von Herrn Gisdol überzeugend sind, also den Mäzen und Gönner überzeugen, dann, ja dann hieße es wieder: Jawoll, ich helfe noch einmal!, wie wohl im Falle des Griechen Papadopoulos (“Das wäre sicher ein wünschenswerter Deal.”).

Kühne ist sich dabei durchaus im Klaren darüber, dass seine jetzigen Äußerungen, die Preise hochtreiben werden (HA: Mit Ihrer Hilfsbereitschaft drohen Sie die Preise hochzutreiben. KMK:Das kann ich nicht verneinen.) und er nimmt es billigend in Kauf. Warum? 24,9…49…50+1… Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Einzig der derzeitige Vorstandsvorsitzende könnte dem ehrgeizigen Investor die Suppe noch ein wenig versalzen. Heribert Bruchhagen, den Kühne bisher nur selten getroffen hat und von dem er sagt, er “ist sicher der Exponent einer Sparpolitik. Stars für hohe Ablösen und Gehälter zu verpflichten, wird nicht möglich sein – und es wäre vielleicht auch der falsche Weg.”

Vielleicht, aber auf jeden Fall der schnellere um ans eigentlich angepeilte Ziel zu kommen 24,9…49…50+1…

Aber was soll’s, die paar Tage mehr oder weniger. Bruchhagen wird ohnehin bald Geschichte sein:

Heribert Bruchhagen ist wohl eine Übergangslösung, aber unter den gegebenen Umständen nach Beiersdorfer eine vernünftige Wahl. Er hat Ruhe in den Verein gebracht und es geschafft, das sportliche Elend gerade noch zu vermeiden. Der HSV befindet sich im Übergang.

Spannend wird sein, wie sich Heribert Bruchhagen verhält. Kann er sich dem Millierdär aus der Schweiz in den Weg stellen, seinen Einfluß minimieren, ihn in Schach halten, den HSV ohne ihn konsolidieren oder zumindest mit ihm vernünftig?

Es scheint, als seien ihm aufgrund der desaströsen Finanzlage (die auch er durch die Wintertransfers teilweise mitzuverantworten hat) inzwischen die Hände komplett gebunden, mehr als er sich das jemals erträumt und vorgestellt hätte.

Der Trainer schreit nach (teuren) Verstärkungen, möchte eine Saison wie die vergangene nicht noch einmal erleben und und hat dabei die volle Rückendeckung des einzigen Geldgebers.

Herr Bruchhagen, stellen Sie sich dem Irrsinn entgegen, backen Sie kleinere, im Zweifel kleinste Brötchen und verzichten auf weitere Almosen aus der Schweiz. Gehen sie einen Weg der Konsolidierung, der kleinen Schritte!!! Oder sehen Sie sich auch nur als Übergangslösung beim HSV? Als ‘Übergangslösung’, die noch mal schnell ein paar Euros abgreifen möchte und dann endgültig in den Ruhestand weiter zieht?

P.S. Bezeichnend, dass die Medien überwiegend lediglich applaudierend darüber berichten, dass der Investor weiterhin bereit ist zu zahlen. Der Dino wird weiterleben, die Show geht weiter! Das ist was zählt. Um welchen Preis? Egal!

4 Kommentare

  1. 1887Breisgau1887Breisgau

    Ja, wer bezahlt bestimmt die Musik. Aber dieses Interview….ich weiß nicht ob ich lachen oder weinen soll? Vielleicht kann mir jemand helfen….
    Und sollte die kommende Saison gut laufen, dann *hüpf*hüpf*hüpf…. und nur ein paar HSV Junx aus irgendwelchen Spelunken werden dies noch vertiefter thematisieren wollen…

    Antworten
    1. der Coach

      Das mit “wer bezahlt…” ist aber etwas komplizierter – am Ende zahlt meist der HSV. Herr Kühne hat ja mittlerweile sogar selbst bestätigt dass es “maßgebliche Rückflüsse” an ihn gab. Im Übrigen ist es einfach so, dass in einer Aktiengesellschaft einzig und allein der Vorstand zu entscheiden hat. Der Aufsichtsrat kontrolliert und die Gesellschafter haben sich rauszuhalten. Insbesondere die Minderheitsgesellschafter haben eben nichts zu melden.

    2. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      @der Coach
      Soweit die formaljuristische Seite. De facto ist es aber so, dass versucht wird Einfluss zu nehmen und dann kann es mehr als hilfreich sein, seine Vasallen im AR platziert zu haben, zB wenn es darum geht, genehmigungspflichtige Ausgaben/Transfers zu tätigen. Papier ist geduldig.

  2. PaderbornerPaderborner

    *BUMP*

    Eigentlich möchte ich ja sauer auf Todt, aber ich glaube der hat überhaupt nichts mehr zu sagen. Neben den bescheuerten Transfers (oder fast transfers), ist vor allen Dingen die Wood Verlängerung so ‘un-smart’, das ich glaube das Todt eh nur noch die Marionette ist ….

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