Hey Joe, where you goin’ with that gun in your hand? [Joe Zinnbauer in die Schweiz?]

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Diverse Medien berichteten es am frühen Abend und inzwischen ist es auch von offizieller Seite, von seiten des HSV via Twitter bestätigt. Joe Zinnbauer, Trainer der U23 der Rothosen verhandelt mit dem FC St. Gallen über ein Engagement als Cheftrainer.

Der HSV bestätigt Verhandlungen des U23 Trainers mit dem Schweizer Erstligisten auf Twitter.

Der HSV bestätigt Verhandlungen des U23 Trainers mit dem Schweizer Erstligisten auf Twitter.

Daniel Jovanov fragte daraufhin gleich nach, ob es ein Verlust für die U23 wäre und wer als Nachfolger infrage käme.

 

Wäre der weggang von Zinnbauer ein Verlust?

Wäre der Weggang von Zinnbauer ein Verlust?

Das läßt sich natürlich nicht erschöpfend in 140 Zeichen beantworten, daher auf diesem Wege ein Versuch, diese “Personalie” einzuordnen.

Ich habe in der letzten Zeit bereits desöfteren darauf hingewiesen, dass Joe Zinnbauer zunehmend ungehalten und frustriert bei seiner Arbeit mit der U23 wirkt und auch die Frage gestellt, ob er seine Jungs noch erreicht, wie dies notwendig wäre um die junge Truppe zu verbessern in einer schwierigen Regionalligasaison.

Bereits in der Vorbereitung konnte ich diverse Male beobachten, wie “Zinne” an der Seitenlinie wild gestikulierend auf Spieler einredete, die derweil völlig unbeeindruckt auf dem Spielfeld ihre (falschen) Kreise zogen. Man möge mir nachsehen, dass ich an dieser Stelle weder die betreffenden Spieler nenne, noch en Detail schildere, was der Trainer über jene in seinen Bart gemurmelt hat.

Es ist ganz offensichtlich, dass die U23 in dieser Saison noch nicht zu einem echten Team zusammengewachsen ist  und nicht an die Erfolge der vergangenen Saison anknüpfen kann. Dies hat vielerlei Gründe  (siehe hierzu auch: 1.  und  2.). Einer davon ist sicherlich die Tatsache, dass erst sehr spät feststand, dass Joe Zinnbauer wieder das Traineramt bei der U23 übernehmen würde. Woran das nun genau lag, erschloß sich dem Aussenstehenden nicht ganz. Während die Verantwortlichen stets betonten, dass sie Joe Zinnbauer gerne beim HSV behalten würden und in ihm einen Trainer sehen, der genau jene Aufgaben bei der U23 erfüllen könne, die wichtig wären: junge Spieler motivieren und für den Profibereich entwickeln, hielt sich Zinnbauer lange Zeit bedeckt, um dann allerdings zu versichern, die überwältigende positive Reaktion der Fans, sowie das stete Bemühen der Verantwortlichen hätte ihn dazu veranlasst, trotz diverser Angebote beim HSV zu bleiben und die U23 wieder zu übernehmen. Schließlich sei der HSV ja ein geiler Verein.

Nun, aus heutiger Sicht klingt das mächtig nach einem der üblichen Lippenbekenntnisse und Joe Zinnbauer wird spätestens jetzt auf das Maß eines normal sterblichen Trainers reduziert, der in jeder Stadt die gleichen Nettigkeiten und Platitüden über seinen Arbeitgeber von sich gibt. Das überrascht und enttäuscht (mich) zugleich.

Wie dem auch sei. Noch ist ncht klar, ob Joe Zinnbauer als Cheftrainer zum FC St. Gallen in die Schweiz wechseln wird. Die Tatsache allerdings, dass die Gespräche offiziell vom HSV bestätigt und offensiv kommuniziert werden, deutet in Verbindung mit der Tatsache, dass St. Gallen nach der Entlassung ihres Cheftrainers sofortigen Ersatz sucht, darauf hin, dass Joes Tage in Hamburg gezählt sein dürften.

Woher der plötzliche Sinneswandel. Der plötzliche Sinneswandel beim Trainer und der plötzliche Sinneswandel bei den Verantwortlichen des HSV. Hinter vorgehaltener Hand wurde ohnehin gemunkelt, dass speziell das Verhältnis zwischen Zinnbauer und Peter Knäbel angespannt sein soll. Viele Fragen bleiben heute offen.

Für mich bleibt aber der Verdacht, dass die “Exzellenzen” bei der Besetzung des des Cheftrainerpostens viel zu lange gewartet haben und damit die wenig vorausschauende Kaderpolitik sowie das sportlich schlechte Abschneiden der U23 zumindest billigend in Kauf genommen haben, nachdem sie in der vergangenen Saison bereits durch ihre Personalentscheidung pro Zinnbauer einen möglichen Aufstieg der Zwoten leichtfertig verspielt haben. Eine Chance, die so schnell nicht wiederkommen dürfte.

Doch zurück zur Frage, obe es ein Verlust wäre, wenn Joe Zinnbauer ginge: Die klare Antwort – und ich bin überrascht, dass ich diese so unsentimental und eindeutig geben kann – lautet: Nein, es ist kein Verlust! Jemand, der sich gedanklich mit einem Engagement in der Schweiz beschäftigt und konkrete Gespräche führt, ist nicht mehr in Gänze bei der Sache und gehört von daher eigentlich sofort suspendiert. So einfach ist das. Darüberhinaus haben bereits andere Trainer beim HSV bewiesen, dass sie gegen den abstieg spielen können und zwar alljährlich und reihenweise. Dafür bedarf es keines Joe Zinnbauers.

Ein Rudolfo Cardoso stünde mit Sicherheit wieder auf Abruf bereit um die U23 zu übernehmen. Immerhin hat er es zumindest in der vergangenen Saison geschafft, der U23 wieder Leben einzuhauchen und die Negativserie beendet und zwar derart, dass die U23 am Ende sogar doch noch wieder Aufstiegschancen hatte.

Daniel Petrowsky, der momentan etwas glücklos bei der U19 agiert (zumindest was die Resultate seiner Mannschaft anbelangt), käme theoretisch als Nachfolger infrage, dürfte aber wohl zunächst seinen Fußballlehrer machen.

Man darf auf die weitere Entwicklung gespannt sein. Auch für den Fall, dass es mit dem Wechsel von Joe Zinnbauer in die Schweiz nicht klappen und er U23 Trainer bleiben sollte. Wie wird die Mannschaft darauf reagieren? Zinnbauers Position in der Mannschaft und beim HSV ist in jedem Fall geschwächt. Schade, dass es dazu kommen musste!

13 Kommentare

  1. Stadionbratwurst

    Moin,
    durch die Verhandlungen ist Zinnbauer als Trainer der U23 verbrannt, entweder sofortiger Wechsel oder baldige Entlassung.

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    1. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      Entlassung gegen Abfindung?! Das würde jetzt noch wieder ins Bild passen.

  2. ky

    Moin, HL, danke für den schnellen Blog mit einer umfassenden Einschätzung. Hatte ja selbst schon vor ein paar Tagen geschrieben, dass der “Motivator” wahrscheinlich nicht mehr so motiviert ist.
    Das aber die “Excellenzen” jetzt schon Verhandlungen kommentieren, zeigt nur, wie tief der Graben sein muss, und wie schnell er nun “zum Abschuß” frei gegeben wurde. Ich rechne mit seiner Freistellung morgen (heute), und die kommt JZ wohl auch gelegen, selbst wenn er nicht nach St. Gallen wechseln sollte.
    Mal wieder eine sehr “fragwürdige” Öffentlichkeitsarbeit seitens des HSV…

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    1. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      Was die Öffentlichkeitsarbeit des HSV anbelangt, muss ich dir in diesem Fall widersprechen. Diverse Medien hatten von den Gesprächen zuvor berichtigt. Die Gespräche zwischen Zinnbauer und den Schweizern zu bestätigen, ist dann nur konseequent, geradezu souverän für hiesige Verhältnisse, dokumentiert es doch, dass man in die Gespräche eingeweiht ist. Das suggeriert zumindest ein Vertrauensverhältnis und einen offenen und fairen Umgang miteinander.

      Dennoch bleiben Fragen, z.B. über wen das an die Medien lanciert wurde?

      Bin gespannt, wen ich am Sonntag als Trainer gegen Meppen auf der Bank sehen werde und ob sich am Auftritt der Mannschaft eine Reaktion ablesen läßt.

  3. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

    Die Schweizer sind sich bereits ziemlich sicher!

    Vor einem Jahr übernahm Josef Zinnbauer (45) beim HSV das Bundesliga-Team. Jetzt steht er vor seinem zweiten Engagement als Profi-Cheftrainer: Zinnbauer soll gemäss BLICK-Recherchen in St. Gallen die Nachfolge von Jeff Saibene antreten. Der Deutsche steht zuoberst auf der Liste für den Posten, der seit 16 Tagen verwaist ist.

    Er erfüllt die Vorstellungen von Sportchef Christian Stübi und Präsident Dölf Früh. Er hat den geforderten Blick für den Nachwuchs. Ist kommunikativ. Hungrig. Kein Saibene-Klon. Mit ihm kann langfristig geplant werden. Und er ist frei von Seilschaften in der Schweiz.

    In Hamburg war Zinnbauer vor dem Wechsel zum Bundesliga-Team Trainer der U23. Diesen Job in der Regionalliga Nord macht der Bayer auch in dieser Saison wieder. Doch diese Woche dürfte Zinnbauer in St. Gallen unterschreiben und noch vor dem Cupspiel am Samstag in Bern gegen Breitenrain vorgestellt werden.

    Quelle: http://www.blick.ch/sport/fussball/superleague/wechsel-zu-st-gallen-fast-fix-so-tickt-ferrari-joe-id4171102.html

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  4. ky

    Danke für das update, HL, macht sicherlich für alle Seiten Sinn.
    Wen die Gerüchte aber schon vorher da waren, dann stellt sich- nicht nur Dir – die Frage, wie diese an die Öffentlichkeit gelangen konnten…es scheint in der großen Geschäftsstelle doch zuviele unterbezahlte Mitarbeiter zu geben, die gegen Informatenlohn Informationen durchsickern lassen.

    Die beste Informationsquelle ist sicherlich die Reisestelle oder das buchende Reisebüro. Wenn ich Namen und Zielort habe, kann ich jederzeit ein Gerücht konstruieren, welches zumindest was Person und Ort angeht auch wahr ist, und der Anlaß ist dann in der Regel gar nicht so schwer “zu erdenken”.

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  5. cool downcool down

    Vervollständigung: lt. hsv.de übernimmt Soner Uysal die U23 ” bis auf Weiteres ” …

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    1. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      Ja, der Witz schlechthin. Ein Mann, der von sich selber sagt er habe nie Ambitionen auf den Cheftrainerposten bei der U32 gehabt und wäre lieber zweiter Mann.

      Zeigt deutlich, dass die ganze Angelegenheit, relativ flott und planlos verlaufen sein muss, was darauf hindeutet, dass es mit dem Verhältnis zwischen Zinnbauer und seinen Vorgesetzten nicht unbedingt zum Besten stand.

      Die ganze Posse um die Rückkehr zur U23 erscheint in einem anderen Licht. In keinem guten, was alle Beteiligten, auch Joe, anbelangt. Letzterer wird allerdings am wenigsten Schaden davon tragen. Er hat es geschafft, ohne wirkliche Erfolge als Sympathieträger den HSV verlassen zu können. Das ist Guiness-Buch verdächtig.

  6. kk7

    “ZINNBAUER”…. und keiner hat´s mitbekommen!!Keiner. Außer den Beteidigten. Ging ja alles in allem sehr fix und wurde nicht großartig diskutiert :)
    – —-
    Die Personalie Zinnbauer hatte für mich eh was zerstörendes. Quasi wieder nen Menschen verbraucht.
    Hoffe er is mit der Entscheidung zufrieden.

    Und was hamse se alle gelobt und gehypt den Joseph.Alle. Alles vorbei. Menschenverbrauch.
    p.s. Kein Wunder das da nix wachsen, entstehen kann. (Identifikation) Herr Zinnbauer is da n treffendes Beispiel. Zum Nachteil des HSV. Auch da treffe ich mich wieder, “es geht um alles nur nich um den HSV”. Es wachsen nach und nach Gründe, diesem Verein die Sympathie zu entziehen. Morbide Strukturen… so von aussen gesehen.
    ——–
    Und die 2te zerstört.Sportlich.

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    1. der Coach

      “Und was hamse se alle gelobt und gehypt den Joseph.Alle. ”

      Alle? Nein, nicht Alle… :) ;)

  7. kk7

    OK. Ich reletiviere, nicht alle. Aber die Gegenstimmen hatten keine Relevanz.

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  8. MMSF-VSMNMT

    Na ja, als Zinne plötzlich inthronisiert wurde haben doch die meisten nur mit dem Kopf geschüttelt ob der Entscheidung von DB. Der große Meinungsumschwung kam mit seinem ersten Spiel gegen Bayern. Hey Joe! Ich auch.

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    1. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      Ich nicht, ich habe gehofft. Es gibt nicht viel, was mich mit dem HSV emotional wirklich verbindet. Zinne war auf eine unerklärliche Art und Weise so eine Figur, die das schaffte und zwar unabhängig vom Erfolg. KK7 nennt das immer gerne Identifikation. Mit JZ geht ein großes Stück dieser Idenifikation in einer Zeit wo alte Identifikationsfiguren wie Uns Uwe nicht mehr zählen und keine anderen da sind (wer identifiziert sich schon mit dem Dreigestirn auf wirklich emotionalre Ebene?) ist das ein herber Verlust.

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