Hinrundenrückblick 2017/18

Platz 17, 15 Punkte, sage und schreibe 2 Punkte mehr als in der verkorksten Vorsaison. Trotz weiterer Investitionen im zweistelligen Millionenbereich das Lamento, der Kader sei zu unausgewogen bestückt. Und jetzt stellen sich viele Fans entsetzt hin: “Ich habe es nicht erwartet, dass wir mit zu wenig Punkten da stehen!”

Herrje, wovon hat man sich denn blenden lassen? Von dem unsäglichen Geschwafel, man hätte eine grandiose Rückrunde gespielt? Platz 7 in der Rückrunde, das wurde ja immer wieder erwähnt, das entspräche ja wohl auch der tatsächlichen Leistungsfähigkeit des HSV.

Nun, entsprechend hätte man natürlich auch erwarten können, dass es in dieser Hinrunde, zumindest was die Punkteausbeute anbelangt so weiter geht, wie es in der vergangenen Saison aufgehört hatte. Vorausgesetzt, man läßt außer acht, wie diese Punkte erzielt wurden. Unter permanenter Aufbietung der allerletzten Kräfte und vielfach eben auch wieder mit der HSV typischen gehörigen Portion Glück.

Der Start in diese Saison verlief zunächst vielversprechend. Nach 7 Jahren gelang wieder ein Auftaktsieg, im Heimspiel gegen den, als Absteiger gehandelten,  FC Augsburg, mit 1:0. Dank eines kapitalen Fehlers von Augsburgs Torhüter Hitz, dessen Dilettantismus lediglich durch Nikolai Müllers anschließenden Torjubel und der daraus resultierenden Knieverletzung getoppt wurde, die ihn – nach einem Rückschlag bei der Genesung -vielleicht die komplette Saison kosten wird. Ein Ausfall, den der HSV bisher in keinster Weise kompensieren konnte.

Egal, die ersten drei Punkte waren eingefahren. 11 zu 14 Torschüsse zu Ungunsten der Hamburger, ein nicht gegebener Elfer für Augsburg, nach einem wieder einmal zu ungestümen Einsatz von Gideon Jung…Glücklich!

Danach ging es nach Köln, zum EL-Teilnehmer. Der wurde “souverän” mit 3:1 bezwungen. In Hamburg herrschte Eitel Sonnenschein. Platz 3 in der Tabelle, direkt hinter dem BVB und den Bayern. Man war wieder auf Augenhöhe, man war wieder wer. Dachte hier wohl so manch einer. Ein Blick auf das Geschehen offenbarte auch in Köln: 13 zu 20 Torschüsse. Zwei Tore nach eklatantesten Abwehrfehlern der Kölner (genau jener Kategorie, wie sie der HSV im Laufe der Saison immer wieder zeigen sollte, kapitale Eigenfehler, die eine ansonsten ‘gut spielende’ Mannschaft um die Früchte ihrer Arbeit bringen), zwei geschenkte Tore, die nicht dem eigenen Vermögen, sondern dem Unvermögen des Gegners geschuldet waren. 3:1 am Ende, ein ungefährdeter Sieg? Nein, denn die Kölner hatten durchaus ihre Chancen. Ein Lattentreffer, Rettungsaktionen in höchster Not von Mathenia und … Das 3:1 fiel in einer Phase, als die Kölner alles nach vorne warfen, um noch den Ausgleich zu erzielen. Wie stark die Kölner wirklich waren und dass sie als Gradmesser der HSV Leistung nicht wirklich taugen würden, zeigte sich dann im Laufe der Saison mehr als deutlich.

Man hat sich allenthalben offensichtlich von diesem ‘phänomenalen’ Saisonstart nach der ‘phänomenalen’ Rückrunde blenden lassen und dann erst einmal nichts auf die Reihe bekommen. Mit großen Hoffnungen in das Heimspiel gegen Leipzig gestartet (Die konzentrieren sich auf die CL!) gab es am Ende eine verdiente 2:0 Niederlage bei 9 zu 20 Torschüssen. Mathenia sah nicht glücklich aus beim 1:0 und das 2:0 fiel durch einen Tempogegenstoß von Werner, nachdem Schipplock zuvor noch die Chance auf den Ausgleich kläglich vergeben hatte. Mangelnde Handlungsschnelligkeit und Klasse!

In Hannover ebenfalls 0:2 verloren, bei 12 zu 17 Torschüssen. Der Einsatz der Mannschaft, der war gut, die Laufbereitschaft… In einer schwachen Partie ermöglicht ein indisponierter Gideon Jung dem Vier- und Marschländer Harnik das 1:0 kurz nach der Pause (“Eine Verkettung unglücklicher Situationen” hieß es dazu auf hsv.tv!) Erwähnenswert aus HSV Sicht zu dieser Partie ist maximal noch das Bundesligadebüt, des inzwischen wohl vor einem Verkauf zu Sandhausen stehenden Toptorjägers der U21, Törless Knöll, der eine Viertelstunde vor Ende der Partie eingewechselt wurde, aber auch nichts bewirken konnte. Das 2:0 von 96 nach einem Freistoß, den Mathenia einfach nach vorne in die Füße eines Gegenspielers abklatschen ließ, anstatt den Ball nach außen zu lenken.

Ja,ja, ich weiß schon, was jetzt kommt….die ganzen Verletzten…was kann man schon erreichen, wenn man mit Salihovic, Schipplock und Knöll spielen muss. Ich sage nur: zweistelliger Millionenbetrag, Kaderplanung, Trainingsarbeit, Teambuilding, Spieler dort einsetzen, wo sie am stärksten sind etc pp.

Dann kam der BVB und wieder gab es nichts zu bestellen. Die 3. Niederlage in Folge. 0:3 (7 zu 17 Torschüsse) Aber: “Der HSV zeigte sich zumindest kämpferisch und ließ in der ersten Viertelstunde nichts zu” (hsv.tv) “Ünglücklich” fiel das 0:1 hieß es dort auch, ein verlorenes Kopfballduell, ein indosponiert stehender Gideon Jung (da fehlt es deutlich an Handlungsschnelligkeit), bäm! “Es war ein Bemühen zu erkennen, aber das Glück fehlte auf Seiten des HSV.”

Mit der gleichen Elf gab es auch gegen Leverkusen eine 3:0 Abfuhr. Wieder war der HSV vorm gegnerischen Tor nicht effektiv, erspielte sich nicht ausreichend Chancen und blieb im vierten Spiel in Folge ohne eigenen Treffer. Der erste Leverkusener Treffer auch wieder nach einem Standard gegen eine indisponierte und unkoordinierte HSV Defensive (Jung/Papa). Ein Doppelpack innerhalb von 4 Minuten besiegelt früh das Schicksal der Hamburger. “Es ist nicht nur das Thema mit dem Toreschießen, sondern auch in der Defensive zu viele Lücken beim HSV. Ab  und zu ging es dann auch mal nach vorne, aber…” (hsv.tv) Ach ja, man lamentierte auch hier wegen eines nicht gegebenen Elfmeters, der hätte für den HSV die Kastanien aus dem Feuer holen sollen. Es ging eigentlich nichts mehr, so sollten es dann auch Waldschmidt und Jatta richten, die ansonsten bei Trainer Gisdol ja keine Rolle spiel(t)en. Und auch der kleine Tatsuya Ito kam zu seinem Bundesligadebüt.

Nach vier Spielen ohne Punkt und Tor hoffte man auf das Nordderby gegen Werder Bremen. Die Hoffnung wurde nur partiell erfüllt. Am Ende stand ein Punkt auf dem Konto, allerdings wieder kein Tor. In einer Partie Not gegen Elend, konnte sich maximal Werder als Gewinner fühlen. Immerhin auswärts einen Punkt mitgenommen, etwas, was dem HSV ausser in Köln in der gesamten Hinserie nicht gelang. Immerhin hatte der Hamburger SV in diesem Spiel einmal mehr Torschüsse als der Gegner zu verzeichnen (17/9). Eine überlegene Viertelstunde zwischen der 15. und 30. Minute, allerdings ohne die notwendige Durchschlagskraft und mit mehr als mangelhafter Chancenverwertung. Einziger Lichblick der kleine Japaner Ito, der im Nordderby zu seinem Startelfdebüt kam, allerdings kurz nach der Pause von Krämpfen geplagt ausgewechselt werden musste. Für ihn gab es dennoch standing ovations, wie sie der Volkspark lange nicht gesehen hat. Ein Zeichen, wie sehr sich das Hamburger Publikum nach so etwas wie Fußball verzehrt und wie karg diesbezüglich das Mahl war, welches man im Umfeld des Altonaer Zentralfriedhofs in den letzten Jahren kredenzt bekam. Werder enttäuschte auf der ganzen Linie. Die erste und beste Chance von Bartels vereitelte Mathenia in der 72. Minute. Nach dieser erneuten Nullnummer, ist der HSV wieder auf dem altbekannten und schon gewohnten Relegationsplatz angekommen.

Kräftesammeln in der Länderspielpause war nun das Motto. Immerhin hatte man die Niederlagenserie stoppen können. War das die Trendwende?

Nach 110 Sekunden in Mainz wr klar: Nein! Denn da lag der HSV bereits mit 1:0 zurück. Doch nur wenige Minuten später keimte wieder Hoffnung auf, zumindest traf der HSV endlich wieder einmal. Wallace nutzte eine Kopfballabwehr von Bell, die direkt auf seinem Fuß landete zum zwischenzeitlichen 1:1. Kurz vor der Pause sinnbildlich das, was den HSV in dieser Saison ausmacht: Hahn alleine vor Rene Adler, senst den Ball völlig freistehend und unbedrängt an die Latte. Wer selbst beste Chancen nicht nutzt, der darf sich am Ende nicht wundern. Das Ende hieß 3:2 für Mainz (9/14 Torschüsse). Die Tore haben sich die Hamburger dabei quasi selber eingeschenkt. Eine schwach verteidigte Ecke und ein Schüsschen, das selbst meine Großmutter pariert hätte…man muss sich ohnehin fragen, ob Mathenia verboten wurde, sich im eigenen Strafraum zu bewegen, ob er dies nur auf der Linie tun darf.

Gegen die Bayern wollte man sich zu einem torlosen Remis mauern. “Der HSV spielte mutig in der Anfangsphase und erspielte sich so fast ein paar Gelegenheiten”(hsv.tv). Die (zu harte?) rote Karte für Gideon Jung ließ die Hamburger zwar dichter zusammenrücken und noch mehr fighten, aber mit freundlicher Unterstützung des Mekka Pilgers Mavraj reicht es dann am Ende doch für den erwarteten Sieg der Bayern, der mit 1:0 allerdings sehr bescheiden ausfällt.

Zum Duell der Loser kam es in Berlin. Die Hertha, genau wie der HSV seit 7 Spielen sieglos, allerdings im Gegensatz zum HSV effektiv bei Standards. Entsprechend das 1:0 in der 17. Minute nach einer Ecke, auch, weil wieder einmal bei derartigen Standards nicht beide Ecken des HSV Tores besetzt waren und Keeper Mathenia schon traditionell auf der Linie kleben bleibt. So auch das 2:0, fast eine Kopie des ersten Tores, nur 5 Minuten nach der Pause… So steht der HSV trotz Chancenplus (11 zu 8 Torschüsse) am Ende wieder mit leeren Händen da. Daran konnte auch das (echte) Debüt des erst 17jährigen Fiete Arp (die 1 Minute aus dem Werder Spiel unterschlage ich hier ganz bewusst), des neuen Hamburger Hoffnungsträgers, nichts ändern, der in der 73. Minute noch den Anschlusstreffer markierte und zur Aufholjagd blies und der inzwischen, jetzt am Jahresende, mit einem taxierten Wert von 7,5 Millionen zum zweitwertvollsten Spieler (!) des HSV nach Papdopoulos geworden ist.

Gegen Stuttgart dann Fietes große Stunde, das erste Tor im Volkspark, die feiernde Nordkurve nach einem 3:1 Sieg, das sind Momente, die wird Jann-Fiete Arp seinen Lebtag nicht vergessen. 20 zu 3 Torschüsse legen einen überzeugenden und ungefährdeten Sieg nahe. Gegen auswärts punktlose Stuttgarter musste dafür  zunächst Mathenia in der 3. Minute Kopf und Kragen riskieren, um den HSV im Spiel zu halten, bevor die Stuttgarter nach nur 12 Minuten Burnic mit gelb rot verloren. Gegen 10 Stuttgarter benötigten die Hamburger dann allerdings weitere Stuttgarter Schützenhilfe, einen vergleichsweise harmlos geschossenen Freistoß legte sich Stuttgarts Keeper Zieler in der 20. Minute quasi selber ins Netz. Diekmeier schaffte es auch in diesem Spiel nicht zu seinem ersten Bundesligator, vergab aus elf Metern freistehend, kläglich mit einem an eine Rückgabe erinnernden Schüsschen direkt  auf Zieler. Zu allem Überfluss verursachte Diemeier dann in der zweiten Hälfte auch noch einen Handelfmeter, den die Stuttgarter zum 1:1 Ausgleich nutzen konnten. Rehabilitieren konnte sich Diekmeier allerdings mit der Flanke zum 2:1 durch Kostic (nach exzellenter Vorarbeit von Ito und Hunt) und auch das Zuspiel auf Fiete Arp, vor seinem Tor zu 3:1, kam von Dennis Diekmeier. Ein ganz wichtiger Sieg, der am Ende eher zu niedrig ausfiel. Einmal mehr ließ die Effektivität vor dem gegnerischen Tor zu wünschen übrig.

Auf Schalke wieder das gewohnte Auswärtsbild. Harmlose Hamburger gegen abgeklärtere Schalker. Ein plumper Gideon Jung sorgte für eine frühen Schalker Elfmeter. Damit war das Spiel eigentlich schon wieder gelaufen, bevor es für die Rothosen angefangen hatte. In der Folge verwaltete Schalke das Spiel, ohne dass der HSV daraus Kapital schlagen konnte. Mehr Ballbesitz bewirkt eben nicht unbedingt etwas. Ein Pfostentreffer von Hunt nach Zuspiel von Arp war alles, was letztich dabei heraussprang. Die 5. Auswärtsniederlage in Folge besiegelt.

Gegen Hoffenheim sollte es die vielbeschworene aber irgendwie abhanden gekommene Heimstärke richten. Die TSG, nach knapp 2 Minuten mit der großen Chance zur Führung, europapokalgeplagt. Der HSV wollte das nutzen und ging früh drauf. Fiete Arp  zeigte erste Schwächen und semmelte über den Ball, wie es sonst nur einem Diekmeier oder Schipplock gelingt. Dafür war Fiete aber kurz danach zur Stelle, genau da, wo ein Mittelstürmer zu stehen hat, im Zentrum und das reichte, um Akpoguma zum Eingreifen und zum Eigentor zu veranlassen. Danach bis zur 70. Minute reihenweise vergebene Chancen des HSV und plötzlich fast der Ausgleich der Hoffenheimer, der nur durch eine Glanztat von Mathenia verhindert wurde. Kostic schnell ausgeführter Freistoß (die Hoffenheimer diskutierten noch und hatten die Mauer nicht gestellt, brachte den HSV schließlich auf die Siegerstrasse. Das 3:0 durch Gideon Jung, am Ende auch in der Höhe aufgrund der deutlich besseren Chancen, verdient.  Mit 14 Punkten rangierte man nun auf Platz 15, allerdings lediglich 3 Punkte vor einem direkten Abstiegsplatz.

Gegen Freiburg das Unsägliche 0:0, welches Sammer zu seinem Wutausbruch veranlasste und mich die Frage stellen ließ, warum man gegen zwar statistisch überlegene (21 zu 9 Torschüsse), aber doch harmlose Freiburger, nicht versucht zu gewinnen und entsprechende Wechsel vornimmt. Im 15. Spiel bereits das 8. in dem der HSV ohne Torerfolg blieb. Was Wunder, wenn dann am Ende nicht genügend Punkte zu Buche stehen.

Von der neuen Heimstärke war gegen Wolfsburg nichts zu sehen. Selbst gegen absolut zahn- und harmlose Wolfsburger reichte es bei 12 zu 3 Torschüssen nur zu einem torlosen Remis. “Zufriedene Gesichter gab es auf jeden Fall auf beiden Seiten” konstatierte man bei hsv.de zu diesem Spiel und genau darin liegt das Problem. Wie kann man mit einem 0:0 zufrieden sein, nach einem Spiel, in dem man wieder beste Chancen liegen ließ und der Gegner eigentlich keine hatte. Das neunte ‘zu Null’ Spiel, allerdings vorne. Da half auch ein Fiete Arp nicht mehr, der noch am dichtesten an einem Treffer war. auch Ito zündete bei weitem nicht mehr so wie in den Spielen zuvor und wurde zurecht mit der Kicker Note 5 für dieses Spiel bedacht. Allmählich haben die Gegner die beiden Youngsters eben auf dem Zettel.

Für Arp sollte es auch in den verbleibenden beiden Spielen bei der Torflaute bleiben. Ein zwar seltener Zustand, aber einer der durchaus auch bei der U17 schon vorkam. Auch dort gab es für ihn schon die eine oder andere Durststrecke, am längsten allerdings 6 Spiele ohne Treffer.

Das nächste Heimspiel für den HSV stand an. Gegner war die Eintracht aus Frankfurt. Nach 7 Punkten aus den letzten drei Heimspielen wollte man sich erneut als Heimmacht präsentieren und das gelang zunächst . In der neunten Minute ging der HSV durch einen Kopfball nach einem Standard (Ecke!) in Führung. 6 Minuten später war es allerdings mit der Herrlichkeit vorbei. Nach einer ganzen Reihe von Fehlern in der Defensive, führte der letzte von Santos schließlich zum Frankfurer Ausgleich durch Wolf. Und nur knapp 10 Minuten später erhöhten die Frankfurter gar auf 2:1, womit gleichzeitig das Endresultat besiegelt war. Wieder ermöglichte ein absolut unnötiger Ballverlust den schnellen Frankfurter Gegenstoß und das Tor. In der Folge zeigte die Defensive der Rothosen komplette Auflösungserscheinungen. Hätte die SGE ihre Hochkaräter in dieser Phase genutzt, hätte es zur  Pause auch 4 oder 5:1 stehen können. So gab es zumindest in der zweiten Hälfte noch die Chance den einen oder anderen Punkt mitzunehmen. 21 zu 10 Torschüsse zugunsten des HSV langten am Ende aber nicht einmal, um wenigstens einen Punkt aus diesem Spiel mitzunehmen. Dennis Diekmeier traf zwar ins Eckige , das Tor wurde jedoch zurecht wegen einer Abseitsstellung nicht anerkannt.

Drei Tage später beim abschließenden Auswärtsspiel in Gladbach präsentierten sich die Rothosen zu Beginn der Partie ähnlich waidwund wie in den letzten 20 Minuten der ersten Hälfte gegen die Frankfurter. Trotz 5er Kette und 2 Sechsern in der Defensive und der Tatsache, dass nur ein Sieg das Überwintern auf einem Nichtabstiegsplatz sichergestellt hätte. Lattenkracher in der 5. Minute, das 0:1 in der 9. Minute, noch einmal Aluminium. Der HSV im Glück und dann nach der Pause der unverhoffte Ausgleich durch Hahn. Es keimte Hoffnung auf, obwohl man (ich) das Gefühl hatte Gladbach würde jederzeit zulegen können und das taten sie dann auch, profitierten dabei allerdings von einem leichtfertigen Ballverlust von Papadopoulos in der Vorwärtsbewegung. Und auch das 3:1 ging von einer schwachen Kopfballabwehr des Griechen aus sowie einem fatalen Stellungsfehler von Douglas Santos. Schluss, Aus, Ende. Hinrunde (dumm) gelaufen.

Gegner Torschussbilanz (HSV Sicht) Erzielte Tore
Augsburg (H) 11/14 1
Köln (A) 13/20 3
Leipzig (H) 9/20 0
Hannover (A) 12/17 0
BVB (H) 7/17 0
Bayer 04 (A) 12/17 0
Werder Bremen (H) 17/9 0
Mainz (A) 9/14 2
Bayern (H) 6/21 0
Hertha (A) 11/8 1
Stuttgart (H) 20/3 3
Schalke (A) 7/12 0
Hoffenheim (H) 19/13 3
Freiburg (A) 9/21 0
Wolfsburg (H) 12/3 0
Frankfurt (H) 21/10 1
Gladbach (A) 8/13 1
203/235 15

Fazit:

15 Tore, 15 Punkte, 4 Siege, 3 Unentschieden, 10 Niederlagen, Platz 17, direkter Abstiegsplatz. Der HSV zeigte keine Konstanz, erspielte sich insgesamt zu wenige Chancen, nutze diese nicht effektiv genug, zeigte sich darüberhinaus defensiv instabil und mit einer hohen Eigenfehlerquote behaftet, die letztlich vor keinem Spieler halt machte. Es ist nicht gelungen eine vernünftige Balance zwischen Defensive und Offensive herzustellen. Entweder man steht gut und bewegt vorne rein gar nichts oder aber man erarbeitet sich Chancen und ist hinten offen wie ein Scheunentor.

Dies ist aus meiner Sicht absolut unverständlich nach der doch immer wieder so gelobten Rückrunde der Vorsaison (7 S/4 U/6 N) in der allerdings auch lediglich 19 Tore erzielt wurden. Eine Weiterentwicklung ist vor diesem Hintergrund nicht wirklich zu konstatieren und der Glaube, dass sich daran zeitnah und unter diesem Trainer etwas ändern könnte, gerade auch in Anbetracht der Kürze der Vorbereitung in diesem Winter, ist bei mir nicht mehr vorhanden. Aber Markus Gisdol mag mich ja eines Besseren belehren. Und am Ende mag wieder einmal der Klassenerhalt stehen, weil noch mindestens zwei Teams tabellarisch schlechter dastehen als der ruhmreiche Hamburger Sportverein.

Es wird schwer werden, sehr schwer!

P.S. So, ich habe es mir tatsächlich angetan und mir für diesen kleinen Rückblick die ‘Highlights’ der 17 Hinrundenpartien angeschaut. 17 x ca. 5 Minuten und auf hsv.tv. Dabei konnte man dann tatsächlich den Eindruck erhalten, der HSV hätte guten Fußball gespielt und hätte 17 Partien gewinnen können. So viele HSV Chancen wurden gezeigt und so wenige der Gegner, obwohl die Torschussstatistik (s.o. basierend auf den Daten von kicker.de) eigentlich das Gegenteil nahelegen. Gut, das nennt man dann ja wohl Meinungshoheit oder Hofberichterstattung?! Ein weiterer Hinweis darauf, wie wichtig es ist,  zu hinterfragen, was aus offiziellen Klubkanälen (gefiltert) an die Öffentlichkeit gegeben wird. Das ist von Seiten des HSV legitim, aber es sollte eben nicht von allen und jedem einfach so unreflektiert wiedergekäut werden. Nicht von den Fans und nicht von den Medien.

Soweit mein frommer Wunsch zum Jahreswechsel.

Guten Rutsch!.

10 Kommentare

  1. GVGV

    Danke. Eine sehr präzise und treffende Hinrundenübersicht in kompakter Form.
    ich habe eigentlich so gut wie nie einen von hinten nach vorne durchgespielten selbstkreierten HSV-Angriff gesehen; auch nur sehr wenige Versuche, derartiges zu initiieren. Es wurde gebolzt und auf Gegnerfehler gewartet, um daraus einige recht einfach strukturierte Offensivpassagen gelingen zu lassen. Mehr nicht. Schönen Fußball zu spielen, sieht dann doch noch etwas anders aus.

    Antworten
  2. WORTSPIELERWORTSPIELER

    danke für die fleissarbeit inkl. der sadistischen ader, sicher den tollen fussi nochmal anzugucken, den der HSV diese saison gespielt haben soll.

    man kann/muss die hinrunde der saison 2017/18 auch in exakt drei worten zusammenhorsten: die tabelle lügt nie.

    man muss sich einmal vergegenwärtigen wie weit es mit dem HSv bereits gekommen ist, wenn es die zweitschlechteste hinrunde in 54 bundesliga-spielzeiten als “aufschwung” bezeichent wird, nur weil es vor jahresfrist noch zwei punkte schlechter in die winterpause ging:

    * vier siege in 17 spielen
    * neun mal ohne eigenen treffer
    * 15 tore in 17 spielen
    * zehn niederlagen
    * pokalaus gegen einen dezimierten drittligsiten
    * erheblicher zuschauerrückgang
    * TV-zuschauerzahlen rückläufig

    alles belegbar und – normalerweise – nicht zu beschönigen. aber: ein neuer scoutingchef ab februar. loift.

    btw: mein rückblick lässt sich wie folgt phrasieren:

    der HSV ist ein “sanierungsfall” (FW), aber der “HSV steht in keiner abhängigkeit zu klaus-michael kühne” (HB). ziel ist der 12. platz und ein augeglichenes geschäftsjahr. wird eng, aber da das “gesamtgebilde hamburger sport-verein äußerst stabil” (HB) ist, braucht sich auch niemand “sorgen” (US) zu machen. die “zeit der klatschen ist vorbei” (HB). und überhaupt kann man dem HSV “kein chaos” (HB) attestieren. das liegt sicherlich auch an den “coolen auswärtsspielen” (JT), denn eines ist sicher: “die punkte kommen von alleine” (MG). und wenn nicht wird das volksparkstadion für 300mio veräußert, und der HSV neu aufgestellt, indem die “einnahmesituation der ausgabensituation angepasst” (HB) wird. mit einer gehaltserhöung für diekmeier ist eines dann auch sicher: der “dino im HSV-kader” (BILD) wird zum dank für die drei frischen jahre endlich seinen ersten treffer erzielen, denn er war schon vor der winterpause “so dicht dran wie nie zuvor” (JT). es muss ab sofort “hart gearbeitet” (MG) werden – auch im (winter-)trainingslager, wenn man sich denn nicht wieder verbucht hat…!!!

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    1. GVGV

      Du hast wohl selten derart wenige eigene Worte benötigt für einen Kommentar, oder ?! ;-)

  3. WORTSPIELERWORTSPIELER

    danke für die fleissarbeit inkl. der sadistischen ader, sicher den tollen fussi nochmal anzugucken, den der HSV diese saison gespielt haben soll.

    scheiße. durch das ändern des inhaltes ist der erste satz mal voll in die hose gegangen. so war es gemeint:

    danke für die fleissarbeit inkl. der sadistischen ader, uns am tollen fussi nochmal teilhaben zu lassen, den der HSV diese saison gespielt haben soll.

    Antworten
  4. Aradia

    Lieber Helue,

    vielen Dank für deine Mühe im zu ende gehendem Jahr.
    Ich hoffe das dein Wissen betreffend unserer Kurzen
    durch vieles lesen deines Blogs gewürdigt wird.
    Ich wünsche dir ein schönes neue Jahr und bleib gesund.
    Den Schattenmännern hier natürlich auch……. :-)

    Antworten
  5. HanseaticHanseatic

    Moin HL,
    zu den von Dir aufgezeigten Fakten ist nichts weiter zu äußern.
    Jeder rosa angehauchte Vereinsblinde kann daran nicht vorbeisehen, es sei denn er verdrängt vollständig alles was du zusammengetragen hast und lebt in seinem eigenen Mikrokosmos.
    Dieser Zustand scheint mir allerdings nicht selten zuzutreffen, wie diverse Kommentare in den anderen Parrallelwelten/Blogs jeden Tag zeigen.

    Der Austausch mit sehr verschieden gestrickten Menschen hier im Blog und vor allen im Chat, ermöglicht eine vielseitige Sicht, auf die den HSV umgebenden Abläufe.
    Jeder hier schreibende User hat seine – teilweise sehr persönliche – Sicht der Dinge. Trotz einiger Differenzen und der hier damit verbundenen Frotzelein bleibt immer ein gutes Maß an Respekt vorhanden.
    Dies ist in “Pesterkreisen” natürlich selbstverständlich ;-).
    Ich fühle mich hier wohl, auch wenn ich in letzter Zeit wenig Zeit übrig hatte, für die “wirklich wichtigen Dinge im Leben”.
    Ich danke Dir für Deine Mühe, dieses Forum anzubieten.

    Allen hiesigen Mitbewohnern im “Knast” wünsche ich einen guten Rutsch und ein tolles 2018.
    Mögen die meisten Eurer Wünsche in Erfüllung gehen.

    Antworten
  6. ky

    Wow, HL, Du hast Dir echt die 17×5 Min. HSV.tv gegeben? Das kann der Leber nicht gut bekommen sein :-)

    Schön auch Dein Hinweis über die “Verzerrung” der Wirklichkeit (Daten lt. kicker vs. Zusammenschnitt).
    Tja, in der “Wohlfühloase HSV” ist selektive Wahrnehmung – übrigens ein anerkannter psychopathischer Defekt – wohl Einstellungsvorrausetzung…
    Dazu passend auch die “statements” der Führung, von Worty in entsprechend ansprechender Verpackung zusammen gestellt.

    Fehlt eigentlich im Hinrunden-Rückblick nur das Pokal-Debakel 2:5 gegen den Vfl Osnabrück, der 72 Minuten in Unterzahl spielte. Passend dazu Gisdols Kommentar: ” Für uns hat die Saison noch nicht begonnen.”

    Vielleicht sollten Bio-Chemiker mal zur Müllverbrennungsanlage fahren und Messungen vornehmen – kann ja sein, dass die Fäulnis-Dämpfe dort irgendein bis jetzt unbekanntes “rosa-rot Gas” freisetzen, welches die Sylvesterallee samt Trainingsplätzen umhüllt. Anders ist der ganze “Mist” nämlich nicht mehr zu erklären.

    Dir und Deinen Lieben ein erfreuliches und gesundes 2018, HL.

    Antworten
  7. PaderbornerPaderborner

    Sehr gut zusammengefasst HL.

    Hinten zu anfällig, vorne nix los, somit der verdiente Platz 17!

    Transfers weiter desaströs, genauso wie die Finanzen. Klar auch, das die HSV Verantwortlichen nicht ständig vom eigenen Versagen sprechen wollen, alles wird weg gelächelt und die Presse spielt ja auch mit.

    Der Untergang wurde schon vor langem eingeleitet und es gibt kein Konzept diesen aufzuhalten …

    Frohes Neues Jahr allen ;)

    Antworten
  8. Copy&Paste-Arena

    Hier das Original aus dem WORTSPIELER-Kommentar dieses Blogs:

    * vier siege in 17 spielen
    * neun mal ohne eigenen treffer
    * 15 tore in 17 spielen
    * zehn niederlagen
    * pokalaus gegen einen dezimierten drittligsiten
    * erheblicher zuschauerrückgang
    * TV-zuschauerzahlen rückläufig

    Und hier der Qualitäts-Blog, der augenscheinlich sehr gerne bei “HeLuecht” mitliest und dann auch noch klaut. Nur bitter, dass er so gar keine Meinung von den hiesigen Autoren hat. Leider hat er auch keinen Anstand:

    Der HSV in der Saison 2017/18

    * vier Siege in 17 Spielen
    * neun mal ohne eigenen Treffer
    * 15 Tore in 17 Spielen
    * zehn Niederlagen
    * Pokal-Aus gegen einen dezimierten Drittligsiten
    * erheblicher Zuschauerrückgang
    * TV-Zuschauerzahlen rückläufig
    * € 14 Mio. Transferminus
    * bereinigte € 30 Mio. Bilanzminus

    Quelle: http://www.hsv-arena.hamburg/2018/01/10/aufschwung-im-hsv-style/

    Antworten
    1. PaderbornerPaderborner

      Ein Skandal! Hoffentlich schreitet die Blog-Polizei schnell ein! ;)

      Über den HSV ist mittlerweile eigentlich alles gesagt und es hat sich bisher nichts daran geändert. Wer täglich schreiben möchte, wird viel Inspiration benötigen.

      HSV-Blog-Wars ist aber eher nichts für den Kommentarbereich hier …

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