Hollerbach die Zwote

Auf geht es in die 2. Runde für Bernd Hollerbach und seine Mannen.

Das Possenspiel der Würzburger Kickers, die meinten den HSV noch einmal melken zu können, hat ein Ende gefunden. Ein Ende im Übrigen bei dem sich die Kickers weitaus mehr blamierten, als dies der Hamburger Sportverein tat. Man mag sich auf Hamburger Seite nicht sonderlich professionell verhalten haben,. In erster Linie war es ja eine Angelegenheit zwischen Bernd Hollerbach und seinem alten Verein, in das der HSV nur insofern involviert war als die Klubs in solchen Fällen in der Regel die Angelegenheiten für Ihre Trainer/Spieler vorbereiten und regeln.

Rein verbandsrechtlich gabe ohnehin nie Zweifel, dass der Hamburger Sportverein und Bernd Hollerbach einen gültigen Vertrag geschlossen haben. Gemäß den Regularien von DFL und DFB darf ein Trainer mehrere Klubs gleichzeitig trainieren. Regelungen wie bei Spielern gibt es nicht. Warum die Würzburger gleich zweimal den Weg über die Öffentlichkeit via vereinseigene Homepage suchten, wird ihr Geheimnis bleiben und soll an dieser Stelle nicht weiter interessieren. Dieser Nebenkriegsschauplatz ist jedenfalls geschlossen.

Geschlossen ist auch das Transferfenster. Die Transferperiode II ist vorbei und der Hamburger SV ist weder in die eine noch in die andere Richtung aktiv geworden. Keine Zugänge, keine Abgänge. Bernd Hollerbach wird es mit dem Kader der Hinrunde richten müssen. Für erhoffte Verstärkungen gab es schlichtweg kein Geld.

Klar, dass in einer derartigen Situation der Sportchef keine glückliche Figur macht und dass seine grundsätzliche Kompetenz hinterfragt wird. Auch ich bescheinige Jens Todt spontan mangelhafte bis ungenügende Arbeit. Seine Aussagen und die permanente Schönrednerei von Mißständen und Defizite alleine reicht schon für eine solche Bewertung. Dennoch muss an dieser Stelle auch die Frage gestellt werden inwieweit Jens Todt überhaupt Aktionsspielräume zur Verfügung stehen und standen.

Die Vereinsmaxime, vorgegeben von Heribert Bruchhagen lautet(e) bis dato, der Trainer gibt vor, wer verpflichtet wird und so wurde es
ja auch in der Vergangenheit gehandhabt und wenn der Trainer es einmal nicht vorgab, dann tat das jener Herr, der von den Hamburger Medien nach wie vor fälschlicherweise als Mäzen und Gönner des HSV betitelt wird, Klaus-Michael Kühne. Jener Herr, der sich in dieser Transferperiode komplett bedeckt hielt, was für mich insofern nicht überrascht, als es augenblicklich für ihn beim HSV auch nichts mehr zu holen gibt, es sind kaum noch Anteile zum Erwerb vorhanden… Aber gut zurück zu Jens Todt. Man mag argumentieren als guter Sportdirektor hätte er dafür sorgen müssen, den einen oder anderen Spieler zu verkaufen, allen voran Lewis Holtby. >Dem halte ich jedoch entgegen, dass die Hamburger Spieler, dem Kader wird weithin ja die Bundesligatauglichkeit abgesprochen, unverkäuflich sind. Sportlich für kaum einen Verein interessant, verdienen sie hier dermaßen gutes Geld, dass sie einem eventuellen Wechsel selbstredend nicht zustimmen würden, bedeutete dies doch massive Gehaltseinbußen. So sitzt man dann lieber das halbe Jahr bis Vertragsende noch aus und bringt sich damit sogar noch in eine bessere Position bei einem Wechsel im Sommer zusätzlich abkassieren zu können. Dem Sportchef in Hamburg – wer auch immer das sein mag – sind in einem solchen Fall die Hände gebunden. Ohne Moos also nichts los. Selbst ein Verkauf von Luca Waldschmidt für 2 Millionen nach Freiburg sowie eine Leihe von Bakery Jatta nach Fürth, hätte den HSV nicht in die Lage versetzt einen ‘Wunschtransfer’ für 4 Millionen Euro plus Gehalt zu realisieren. das zeigt deutlich wie abgrundtief schlecht es um den HSV bestellt ist.

Und dann kommt der gefeierte und selbsternannte Heilsbringer und potenzielle Retter der Rothosen in einem Podcast der Klönstuv daher und sagt, er könne noch gar nichts sagen, bevor er nicht die genauen Zahlen kennt. Welh eine Augenwischerei, die lediglich die Plan- und Konzeptlosigkeit eben auch von Bernd Hoffmann verschleiern soll. Das ist nichts ehrenrühriges, in Anbetracht der desolaten Situation kann man schon einmal ratlos sein und keine Ahnung haben, wie Gelder generiert werden sollen um den HSV sportlich voran zu bringen.

Tatsache ist, dass im Sommer etliche Verträge auslaufen. Einige werden mit längeren Laufzeiten zu verbesserten Konditionen verlängert werden, so ist zu vernehmen. Damit manifestiert man das viel zu hohe Gehaltsgefüge allerdings und wird auch eventuellen Neuzugängen einen ordentlichen Aufschlag anbieten müssen, um diese an die Elbe zu lotsen. Den Kader aus dem Nachwuchs schlagkräftig auffüllen zu können ist utopisch. Dazu reicht die Qualität in der Breite nicht. Und selbst ein Fiete Arp hat sich noch nicht wirklich und endgültig durchgebissen und etabliert. Die sollte allerdings – so er denn verletzungsfrei bleibt – lediglich eine Frage der Zeit sein.

Trainer Hollerbach wird die Saison also mit dem Personal zuende bringen müssen, welches ihm bereits zu Amtsantritt zur Verfügung stand. Ob ihm mit diesem Personalder Klassenerhalt gelingen wird, steht in den Sternen. Die Skepsis obwiegt; auch nach dem Punktgewinn in Leipzig, nach wie vor.

In Leipzig hätten die Hamburger nach 16 Minuten schon klinisch tot sein und mit 2:0 (hoffnungslos) zurückliegen müssen, aber sie haben sich stattdessen (gegen zugegebenermaßen schwache Leipziger, die ausschließlich nach Hamburger Eigenfehlern echte Gefahr ausstrahlen konnten) berappelt und ab der 20 Minute stabiler gezeigt. Ja, sie haben sogar endlich einmal wieder das Tor getroffen. In der 2. Halbzeit war man ab der 60. Minute dann (mit Ausnahme der Nachspielzeit) sogar das bessere (von zwei schwachen) Team, ohne dabei allerdings ein Offensivfeuerwerk abzubrennen oder wirklich hochkarätige Torchancen zu erarbeiten. Fiete Arp kam in seinen gut 15 Minuten auf wenige Ballkontakte und die resultierten ausschließlich aus seiner Defensivarbeit. Insgesamt natürlich viel zu wenig, wenn man einen Blumentopf gewinnen und die Klasse halten will. Das weiß natürlich auch Bernd Hollerbach und setzte von daher bereits in der vergangenen Woche auf Schuss- und Abschlußtraining. Allerdings mit mehr als zweifelhaftem Erfolg.

Hollerbach täte aus meiner Sicht gut daran, schnellstmöglich soetwas wie eine Stammformation zu finden und nicht permanent das Personal zu wechseln. Gegen Hannover 96 steht wieder ein Endspiel an, es muss dreifach gepunktet werden. Daran führt kein Weg vorbei, will man sich aus der mißlichen Lage auf die Resultate der anderen angewiesen zu sein, befreien.

Der große HSV wird gegen den kleinen HSV das Spiel machen müssen, auf Sieg spielen müssen, während die 96er in aller Seelenruhe abwarten können. Der eine oder andere Eigenfehler wird schon kommen. Oder nicht? Gelingt es Berndt Hollerbach in der Kürze der Zeit, die Eigenfehlerquote zu minimieren, ist er in der Lage der Mannschaft ein Spielsystem an die Hand zu geben, dass mehr Torchancen generieren wird?

Fragen über Fragen, die momentan eher ängstlich oderwütend, kaum aber voller Hoffnung gestellt werden. Am Sonntag Abend werden wir ein Stück schlauer sein. Ich wünsche mir, dass eine Entwicklung spielerischer Natur zu erkennen ist und dass endlich auf Spielkultur wert gelegt wird, angelegt auf Nachhaltigkeit und nicht auf kurzfristigen Erfolg. Ein klares Bekenntnis mit dem Trainer auch einen Wiederaufbau in der 2. Liga angehen zu wollen, gefiele mir an dieser Stelle. Es könnte eine Menge Druck vom sportlichen Bereich nehmen.

Ich bin gespannt auf Hollerbach die 2.

P.S. Ach ja, auch in dieser Woche wurde wieder zweimal zweimal trainiert, es wurde auch wieder mächtig gelaufen. Von Hollerbach dem Schleifer spricht allerdings niemand mehr. Die Schlagzeile hat ihre Schuldigkeit getan.

6 Kommentare

  1. GVGV

    Moin, wem nützt eigentlich die peinliche Farce eines Goedhart-Putsches ?

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    1. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      Gute Frage. Was glaubst Du?

    2. WORTSPIELERWORTSPIELER

      tja, da hätte der AR mal früher aus den putschen kommen sollen…

      ich denke, dass goedhart mit der gesamtsituation unzufrieden war, alles auf eine karte setzte, aber kläglich scheiterte. amtsmüdigkeit war wohl der treibende faktor, gepaart mit frust eine nicht unerhebliche teilschuld zu verantworten. jetzt was neues übers knie zu brechen oder achtkantig rauszufliegen, um das schiff noch vor dem untergang zu verlassen. #fackugoedi

  2. GVGV

    Naja, Wettstein, Magath, Peters… und Kühne sagt die ganze Zeit kein Wort…
    Wem es am Ende nützt, werden wir noch sehen; nicht ganz auszuschließen: keinem.

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  3. ky

    Schön, HL, dass Du wieder aktiver bist.
    Hatte Dich leider nicht mehr auf dem Schirm, sondern nur noch ca. 1 mal die Woche zu gucken, ob es einen neuen Blog oder lesenswerten Kommentar gibt.
    .
    Gute Analyse der Schlagzeilen-Hetze – ja, unsere Leidmedien sind schon pervers, Auflage generieren durch Verkürzungen, Verfälschungen, Spekulationen – ich hätte gern Karl-Heinz Köpcke und die Tagesschau der 70er Jahre zurück :-)

    Bin morgen im Stadion – Weihnachtsgeschenk eines lieben Freundes. Erwarten tue ich eine mental gefestigte Hollerbach-fight squad, die spielerisch Akzente zu setzen weiss.
    Das Hollerbach auf Schipplock und Hahn im Kader verzichtet, bedeutet nur, dass der Metzgersohn mehr Ahnung als der Belastungssteuerer hat, und das werte ich mal als sehr positiv.
    H96 ist sicherlich keine Übermannschaft, aber deren Trainer Andre Breitenreiter ist auch kein ganz schlechter – wird Dieckmeyer gedoppelt, ist der Ball ganz schnell weg…
    Ich bin gespannt, aber spüre – dank Hollerbach – zumindest wieder eine kleine Zuversicht in mir, die ich unter Gisdol nicht mehr hatte. Sollte aber Meier im Amt bleiben am 18.2., trete ich unmittelbar danach aus dem Tollhaus aus. Denn ganz ehrlich – ich bin zwar in einer HSV-Sparte aktiv, aber eigentlich ist man HSV-Mitglied aus Verbundenheit und der Option, Karten für europ. Spiele erwerben zu können. Die Verbundenheit mit den Versagern und Intriganten spüre ich nicht mehr, und europ. Spiele – LOL.

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  4. Mick

    Gerade in deinen Blog geguckt, da erschien folgender Fußballerspruch unten: Ich habe nie an unserer Chancenlosigkeit gezweifelt (Richard Golz). Geht mir zur Zeit genauso.

    Schön’ Dank für deinen Blog! Sehr angenehm, dass mal einer nicht auf Sensation und Skandal macht und keine windigen Behauptungen ins Freie läßt. Bei Matz ab habe ich fast immer gerne einige der Komentare gelesen, bei der Rautenperle gibt es ja auch da nur noch Stuss. Den Arenablog habe ich vor längerer Zeit mal angesehen, aber Ton und Stimmung sind so absurd, selbst wenn inhaltlich mal was richtiges dabei wäre, sind doch die Instrumente der Kommunikation derartig verstimmt, dass wohl höchstens ein Soziologe das Ding mit Gewinn (für eine Seminararbeit) lesen könnte. – Inhaltlich beitragen kann ich hier nix; seit Jahren gibt es beim HSV zwar immer wieder neue konkrete Einzelprobleme, aber das Grundproblem der Leitung eines solchen Vereins oder einer solchen AG ist gleich geblieben. Nebenbei gesagt, bin ich froh, dass Herr Kind in Hannover ein’ auf die Mütze gekriegt hat, das dürfte auch Herrn Kühne zu denken geben. Lieber ein Hedgefond wie bei Hertha als Herrn Kühne als Wortführer der Eigentümer. Das Wort “Mäzen” in diesem Zudammenhang ist übrigens nicht ganz so verkehrt, wie die hiesige Presse es gerne missversteht: “Beispielhaft konnte durch diese politische Ausprägung des Mäzenatentums die Familie Medici im Florenz des 15. Jahrhunderts ihre eigene Machtposition entwickeln und über mehrere Jahrhunderte halten” (Zitat aus Wikipädia). Mal sehen, was die kommenden Jahrhunderte dem HSV so bringen, wenn Roboklone zu unserem Vergnügen geneinander antreten. – Von Hollerbach bin ich positiv enttäuscht; trotzdem, was die Chancen angeht, siehe oben. Helücht, hol’ di stief!

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