HSV II (U23) mit glücklichem Unentschieden gegen den VfB Lübeck

hsv-luebeck

Zum Abschluss der Hinserie der Regionalliga Nord hatte die U23 des Hamburger SV den VfB aus Lübeck zu Gast. Hätte man die Lübecker vor dem Spiel gefragt, so wären sie mit einem Punkt in Hamburg mehr als zufrieden gewesen. Nach dem Spiel sah man auf Lübecker Seite zwar keine unglücklichen Gesichter, aber ärgerlich war es schon für den VfB. Hier wäre heute mehr drin gewesen.

Gespannte Erwartung am letzten Spieltag der Hinrunde der Regionalliga Nord 2014/15

Gespannte Erwartung am letzten Spieltag der Hinrunde der Regionalliga Nord 2014/15

Die Geschichte des Spiels ist schnell erzählt. Von der ersten Minute an standen die Lübecker sehr kompakt und störten den HSV früh, so dass die Hamburger nicht zu ihrem gewohnt sicheren Spielaufbau fanden.

In der 7. Minute gelang es Nils Brüning sich nach einer feinen Einzelleistung mit einem technischen Kabinettstückchen auf der linken Seite freizuspielen. Er konnte nur durch ein Foul gestoppt werden. Nach dem anschließenden Freistoß von Ahmet Arslan nutzte Francis Adomah das komplette Durcheinander der Lübecker Hintermannschaft am schnellsten und traf zum überraschenden 1:0 in der 8. Minute.

Unmittelbar nach Wiederanpfiff fiel jedoch der Ausgleich. Die Hamburger nach dem Jubel noch desorientiert und defensiv gar nicht organisiert ließen sich auf ihrer rechten Seite durch einen Vertikalpass in die Schnittstelle auf André Senger ausspielen, der sofort abzog und den Ball vorbei an Torhüter Brunst versenkte.

In der Folge wirkten die Hamburger geschockt und die Lübecker bekamen Oberwasser. Immer wieder deuteten sie ihre Konterstärke gegen zu hoch und wenig kompakte stehende Hamburger an, die ihrerseits nach wie vor keinen geordneten Spielaufbau zu Wege brachten. In der 11. Minute kamen die Hamburger dann doch noch irgendwie in den Lübecker Strafraum und Mohamed Gouaida zu Fall, aber Schiedsrichter Bokop ließ zu Recht weiterspielen.

Nach einem Freistoß der Lübecker in der 15. Minute schlägt die HSV Abwehr über den Ball und Moritz Marheineke staubt zum 2:1 ab.

Nur 2 Minuten später wieder die Lübecker mit einem blitzartigen Konter, der gerade noch zur Ecke geklärt werden konnte. Das hätte das 3:1 sein müssen. Im Anschluss an die Ecke die nächste todsichere Chance für den VfB Lübeck zu erhöhen. Der HSV in dieser Phase völlig desorientiert, mit mehr Glück als Verstand.

Nach einem Fehlpass von Adomah stehen in der 23. Minute wieder drei Lübecker frei, spielen den Angriff aber nicht gut aus und vergeben auch diese Chance. Der HSV nach wie vorher bemüht Zugriff auf das Spiel zu bekommen, aber im Aufbauspiel mit viel zu vielen Abspielfehlern und leichten Ballverlusten. In der 26. Minute muss der Pfosten für die geschlagenen Hamburger retten.

Die einzig zwingende Offensivaktion des HSV in der 31. Minute, wiederum nach feiner Einzelleistung von Brüning. Der passt auf den zentral am 16er stehenden Müller aber Lübecks Keeper Toboll geht beherzt dazwischen und rettet.

ticket_luebeckIn der 2. Halbzeit ein unverändertes Bild. Die Lübecker taktisch clever, setzten den HSV durch Anlaufen von Brunst sowie den beiden Innenverteidigern permanent unter Druck und haben dann wenig Mühe die unpräzise ins Mittelfeld gespielten Bälle abzufangen bzw. durch konsequentes Doppeln oder Trippeln schnell wieder in Ballbesitz zu gelangen. Mitte der zweiten Halbzeit kontrollieren die Lübecker das Spiel eindeutig, ohne selber jedoch offensiv aufzufallen.

Mit der Hereinnahme von Christian Derflinger in der 57. Minute wird das Hamburger Spiel etwas zielstrebiger und effektiver. Es dauert allerdings bis zur 71. Minute bis zum ersten Schuss auf das

Lübecker Tor. Derflinger zieht links vorbei. Die nächste Chance in der 78. Minute wieder durch Derflinger. Sein Schuss aus 18 Metern geht aber über das Tor.

Jetzt verstärkten die Hamburger den Druck. Nach den Einwechselungen von Benkarit und Charrier war plötzlich Bewegung im Spiel und die Hamburger hielten endlich auch körperlich dagegen. Nach einem Ball von Derflinger gelang Mohamed Gouaida nach einem feinen Hackentrick und Doppelpass der unverhoffte Ausgleich in der 84. Minute. Nur zwei Minuten später sogar noch die große Möglichkeit zum Siegtreffer, doch Nico Charriers Kopfballaufsetzer nach Derflinger Flanke war zu scharf und geht über statt in das Tor.

Die Lübecker versuchten noch einmal gegenzuhalten und ihrerseits einen Lucky Punch zu setzen. Am Ende blieb es dann aber bei dem 2:2.

Jubel nach dem Ausgleich von Mohamed Gouaida zum 2:2 Endstand

Jubel nach dem Ausgleich von Mohamed Gouaida zum 2:2 Endstand

Fazit:

Ein äußerst glückliches Unentschieden für die U23 des HSV. Der VfB Lübeck war über 90 Minuten die klar bessere Mannschaft und ließ nur sehr wenige Hamburger Chancen zu. Die eigene Chancenverwertung war allerdings mangelhaft zur Pause hätte man gut und gerne 4:1 oder gar 5:1 führen können. So haben die Lübecker es sich selbst zuzuschreiben, dass sie am Ende mit einem Punkt zufrieden sein müssen.

Die Hamburger können über diesen Punkt ebenfalls froh sein. Mit dem Unentschieden beenden sie die Hinserie ungeschlagen. Zum Rückrundenauftakt am nächsten Sonntag erwartet Eintracht Norderstedt die HSV U23.

HSV II (U23) – VfB Lübeck 2:2 (1:2)

15.11.2014, 14 Uhr – Wolfgang-Meyer Sportanlage, Hamburg-Stellingen

Aufstellungen

HSV:
Alexander Brunst – Dominik Jordan ( 57. Christian Derflinger) – Gideon Jung – Francis Adomah – Ronny Marcos – Ahmet Arslan – Sven Mende – Sebastian Haut (76. Nico Charrier ) – Mohamed Gouaida – Philipp Müller – Nils Brüning (68. Said Benkarit)

Lübeck:
Jonas Toboll – Sven Theißen – Moritz Marheineke – Dennis Wehrendt -Alexander Nogovic – Dennis Voß – André Senger (59. Arnold Suew) – Marcello Meyer (68. Christian Rave) – Finn Thomas – Henrik Sirmais – Stefan Richter (79. Tomek Pauer)

Tore: 1:0 Francis Adomah (8.), 1:1 André Senger (9.), 1 :2 Moritz Marheineke (15.), 2 :2 Mohamed Gouaida (84.)

Gelbe Karten: Finn Thomas (39.), Marcello Meyer (51.), Ronny Marcos(62.), Christian Derflinger (72.) alle wegen Foulspiels

Schiedsrichter: Franz Bokop

Die Tabelle nach der Hinrunde 2014/15
Pos. Verein Sp S U N Tore Punkte
1. Hamburger SV II 17 14 3 0 54:13 45
2. Werder Bremen II 17 10 5 2 49:20 35
3. VfL Wolfsburg II (M) 17 9 3 5 37:25 30
4. TSV Havelse 17 8 3 6 25:21 27
5. SV Meppen 17 7 5 5 30:27 26
6. FC St. Pauli II 17 7 5 5 21:23 26
7. Hannover 96 II 16 7 4 5 26:19 25
8. VfB Lübeck (N) 17 6 6 5 20:21 24
9. Eintracht Braunschweig II 17 5 8 4 34:29 23
10. ETSV Weiche Flensburg 17 6 5 6 23:19 23
11. Eintracht Norderstedt 16 7 2 7 20:28 23
12. VfB Oldenburg 17 6 3 8 24:29 21
13. Goslarer SC 08 17 5 4 8 23:32 19
14. Lüneburger SK Hansa (N) 17 5 4 8 21:30 19
15. BV Cloppenburg 17 5 4 8 25:25 19
16.  VfR Neumünster 17 5 1 11 20:31 16
17.  BSV SW Rehden 17 2 6 9 19:33 12
18. FT Braunschweig (N)  16 1  3  13 14:50  6

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Über den VfB Lübeck

240px-VfB_Lübeck.svgDer Verein für Bewegungsspiele Lübeck von 1919 e. V. entstand aus mehreren Lübecker Vereinen. 1923 ging der VfR Lübeck aus der Fusion des FC Alemannia Lübeck und des FC Germania Lübeck hervor . Der Verein für Rasensport löste sich allerdings 1932 auf, nachdem er zuvor seine Sportstätten an den 1920 gegründeten Polizeisportverein SV Polizei Lübeck verkaufen musste. Diesem traten in der Folge auch die meisten VfR Mitglieder bei. Nach Ende des 2. Weltkrieges wurde der SV Polizei von den Briten aufgelöst und noch im Jahre 1945 der VfB Lübeck gegründet, dem sich die Mehrheit der ehemaligen Polizeisportler anschloss. Als Rechtsvorgänger gilt jedoch der im April 1919 gegründete und 1933 von den Nationalsozialisten verbotene Arbeitersportverein BSV Vorwärts Lübeck.

Zu glorreichen Oberligazeiten ( 1947-1963)* entpuppte sich der VfB Lübeck als eine Art Fahrstuhlmannschaft. Länger als drei Jahre am Stück konnten sich die Lübecker nicht in der 1. Liga (Oberliga)halten. In den 10 Jahren nach der Einführung der Bundesliga spielte der VfB Lübeck zweitklassig (Regionalliga Nord). Lediglich einmal wurde noch am Tor zur 1. Liga angeknüpft, in der Aufstiegsrunde 1969, in der die Lübecker allerdings sieglos als Letzter von fünf Vereinen scheiterten. Ohne jemals zuvor drittklassig gewesen zu sein, stieg der VfB 1974 mit Einführung der 2. Bundesliga in die 4. Liga ab.

Erst in den 90er Jahren sollte sich der sportliche Erfolg wieder einstellen, als den Lübeckern mit drei Aufstiegen hintereinander der Durchmarsch in die 2. Liga gelang (1993-1995). Aber auch dieses Mal gelang es den Hanseaten nicht, sich dauerhaft zu etablieren. Dem Abstieg 1997 folgte der Wiederaufstieg im Jahre 2002, aber bereits nach zwei Spielzeiten musste erneut der Gang in die Drittklassigkeit angetreten werden. Es sollte für die Lübecker noch schlimmer kommen. Nach zwei Insolvenzen in den Jahren 2008 und 2012 und dem daraus resultierenden Zwangsabstieg, fand sich der VfB Lübeck im Jahre 2013 gar in der Schleswig-Holstein Liga (5. Liga) wieder. Nicht zuletzt auch Dank eines „Rettungsspiels“ des Hamburger SV am 09.03.2013 vor 10 157 Zuschauern im Stadion an der Lohmühle und den daraus resultierenden Einnahmen im sechsstelligen Bereich konnte sich der VfB Lübeck finanziell und damit auch sportlich konsolidieren.

Seit 2014 ist der VfB wieder viertklassig und spielt bisher eine durchaus bemerkenswerte Saison in der Regionalliga Nord.

Prominente Trainer des VfB Lübeck

  • Michael Lorkowski (1993 -1996)
  • Charly Körbel (1996- 1997)
  • Dieter Hecking (2000 – 2003)

Prominente Spieler des VfB Lübeck

  • André Golke (1995 – 1998)
  • Dirk Bremser (1997 – 1999)
  • Dennis Kruppke (1999 – 2003)
  • Jens Scharping (2001 – 2004)
*Rückblick in alte Oberliga-Zeiten

Oberliga Nord (1. Liga)
1947/48 (7 .)
1948/49 (7 .)
1949/50 (15 .) Abstieg
1952/53 (11 .) Aufstieg
1953/54 (15 .) Abstieg
1957/58 (15 .) Aufstieg/Abstieg
1959/60 (14 .) Aufstieg
1960/61 (15 .) Abstieg
1962/63 (16 .) Aufstieg/Abstieg

Spiele gegen den Hamburger SV
18.09.1960 VfB Lübeck – HSV 1:3 (0:1)
Lohmühle (Lübeck), 15.000 Zuschauer,
Schiri: Höfel (Braunschweig),
Tore: 0:1 Seeler (2.), 1:1
Gawletta (61.), 1:2 Dörfel (74.), 1:3 Stürmer (85.)

16.01.61 HSV – VfB Lübeck 3:1 (1:0)
Volksparkstadion (Hamburg), 12.000 Zuschauer,
Schiri: Herbert Lutz (Bremen)
Tore: 1:0 Stürmer (43.), 2:0 Seeler (52.), 3:0 Neisner (56.) , 3:1 Schipper (77.)

26.08.1962 HSV – VfB Lübeck 2:1 (2:1)
Volksparkstadion (Hamburg), 10.000 Zuschauer,
Schiri: Gerd Zimmermann (Wolfsburg)
Tore: 1:0 Haack (12.) ,1:1 Dretzler (13. ), 2:1 Werner (30.)

22.04.1963 VfB Lübeck – HSV 3:5 (2:1)
Lohmühle (Lübeck), 13.000 Zuschauer,
Schiri: Walter Horstmann (Hildesheim)
Tore: 1:0 Schipper (25.), 2:0 Schülke (31.), 2:1 Dörfel (41.), 3:1 Gretzler (58.), 3:2 Werner (59.), 3:3 Wulf (84.), 3:4 Reuter (88.), 3:5 Seeler (89.)

Website: http://www.vfb-luebeck.de/