Hüpfen mit Gisdol?

Zugegeben, 20 Punkte aus 11 Spielen, das ist nicht schlecht. Das hätte man diesem HSV nicht (mehr) zugetraut, nach dem Katastrophenstart in diese Saison.

Aber, mir ist überall schon wieder zuviel Euphorie, zumindest bei den Fans und zunehmend auch bei den Medien (wobei letztere ja lediglich der Wellenbewegung folgen, jetzt hochschreiben, damit man in Kürze umso besser wieder runterschreiben kann.

20 Punkte in der Rückrunde, damit ist man auf Platz 6 der Rückrundentabelle. Toll. Das läßt etliche Fans bereits schon wieder von UEFA-Cup faseln, Europapokal singen und und und. Ein Aaron Hunt wird zum Helden gemacht, weil er in einem Spiel 2 Treffer markierte. Ein Hunt, der abgeschrieben war, wechselmn wollte und jetzt seine Chance noch einmal gesucht und wahrgenommen hat wird abgefeiert. Der Mann macht seinen Job und verkauft sich so gut es geht. Alles anderer wäre nicht nur aus seiner Sicht völlig bescheuert.

Doch schauen wir einmal kurz auf die Zahlen:

Die Hinrunde seit Übernahme durch Gisdol

  • Hertha (A) 0:2
  • Gladbach (A) 0:0
  • Frankfurt (H) 0:3
  • Köln (A) 0:3
  • Dortmund (H) 2:5
  • Hoffenheim (A) 2:2
  • Bremen (H) 2:2
  • Darmstadt (A) 2:0
  • Augsburg (H) 1:0

Gisdol startete mit 4 Niederlagen in den ersten fünf Spielen bei lediglich einem Unentschieden zuhause gegen Gladbach. Darauf folgten 4 Spiele ohne Niederlage, mit 2 Siegen gegen Darmstadt und Augsburg. Das bedeutete Platz 16

  • Mainz (A) 1:3
  • Schalke (H) 2:1
  • Wolfsburg (A) 0:1

Zum Ende der Hinrunde standen 13 Punkte und Platz 16 mit 3 Siege und 4 Remis wovon eines noch unter Bruno Labbadia erzielt wurde.

Die Rückrunde

  • Ingolstadt (A) 1:3
  • Leverkusen (H) 1:0
  • Leipzig (A) 3:0
  • Freiburg (H) 2:2
  • Bayern (A) 0:8
  • Hertha (H) 1:0
  • Gladbach (H) 2:1
  • Frankfurt (A) 1:10:0
  • Köln (H) 2:1
  • Dortmund (A) 0:3
  • Hoffenheim (H) 2:1

Tabellenplatzentwicklung:
10, 15, 16, 16, 16, 18, 17, 18, 18, 18, 18, 17, 16, 17, 16, 16, 17, 16, 15, 15, 16, 16, 16, 16, 14, 14, 13
Drei Spieltage hintereinander steht der Hamburger SV nun auf einem Nichtabstiegs- oder besser Klassenerhaltsplatz. So lange wie in der gesamten Saison noch nicht und daran wird auch der kommende Spieltag nichts ändern können.

3 Auswärts- und 3 Heimspiele stehen noch an, in denen der HSV es in eigener Hand hat, den Klassenerhalt – unter Umständen sogar ‘frühzeitig – zu sichern:

Das Restprogramm

  • Bremen (A)
  • Darmstadt (H)
  • Augsburg (A)
  • Mainz (H)
  • Schalke (A)
  • Wolfsburg (H)

6 plus Punkte sollten es laut Heribert Bruchhagen noch sein, die der HSV einfahren muss, um die Klasse zu sichern. Mehr wären besser…man denke an die Fernsehrgelder, die so immens wichtig sind, zumal Heribert Bruchhagen von seinem Sparcredo abzuweichen scheint. Jetzt sind die Kosten (Spielergehälter) nicht mehr primäres Thema, sondern die Verbesserung der Einnahmesituation um dann irgendwann einmal ein ausgeglichenes Ergebnis präsentieren zu können. Ist das die Kühneisierung des neuen Vorstandsvorsitzenden? Fragen wird man ihn das kaum können, kommt er doch zunehmend patzig daher (manch einer mag das ‘Rhetorik’ nennen), wenn man ihn auf Kühne oder seine Aussagen zu Amtsantritt anspricht.

Doch zurück zum Sportlichen. Lediglich 2 Siege auf fremden Plätzen (Darmstadt und Leipzig) stehen für den Hamburger SV zu Buche. Die letzten 5 Heimspiele hingegen wurden nicht verloren (die letzten 4 gar gewonnen, allerdings jeweils knapp mit nur einem Tor Differenz). Insgesamt ist man im heimischen Volkspark sogar seit 9 Spielen ohne Niederlage.

Demnach wären Siege gegen Darmstadt und Mainz im heimischen Volkspark Pflicht und genau da beginnt die Krux. Der HSV mit dem vermeintlich leichtesten Restprogramm, spielt gegen die sogenannten Gegner auf Augenhöhe. Teams gegen die man sich traditionell schwer tut. Teams, die man nicht durch spielzerstörerische Ideen auf das eigene Niveau herunterziehen kann, denn da befinden sie sich bereits.

Aber ich will nicht unken, sondern konzidieren, dass der HSV gegen alle der 6 Mannschaften gegen die es noch geht punkten kann (oder auch nicht). Das ist mehr, als man vor kurzem noch zu hoffen wagte. Und ja, darüber kann und darf man sich natürlich freuen. Platz 13 nun aber abzufeiern wie eine Meisterschaft und alles in Raso und Gold zu zeichnen ist dennoch arg übertrieben.

Da wird gelobt, dass die Truppe jetzt als Team auftritt, einer für den anderen kämpft und rennt. Es ist noch nicht lange her, da war dies unter einem Joe Zinnbauer zu hören, lange Zeit unter einem Bruno Labbadia. Es hat nie lange gedauert bis die Heckenschützen der Presse bei der ersten Niederlagenserie aus den Büschen kamen, und über die erfolglosen Coaches und die Mannschaft her zog. Es wird auch dieses Mal nicht anders sein.

Der kommende Gegner Werder Bremen ist in der Rückrunde übrigens noch einen Tick erfolgreicher. Zwar auch nur 20 Punkte aber mit besserem Torverhältnis und, das darf man auch nicht vergessen, mit wesentlich weniger Mitteleinsatz, also finanziellem. Platz 13 ist mehr als man nach dem verkorksten Start erwarten durfte, entspricht aber nach wie vor nicht dem Mitteleinsatz und vor dem Hintergrund wird diese Saison am Ende auch nicht als erfolgreich zu bezeichnen sein. Man wird maximal wieder einmal mit einem blauen Auge und einer Menge Schulden davon kommen.

Zum Hüpfen mit GysiGisdol besteht also überhaupt kein Grund, auch wenn man ihm durchaus ordentliche Arbeit attestieren muss.

6 Kommentare

  1. ky

    HL, Markus Gisdol als Gysi zu bezeichnen finde ich “grenzwertig”, da der wahre Gysi ein rhetorisch begnadeter PDSler ist, der nun wirklich alles andere als “sympathisch” ist.

    Inhaltlich hast Du mit Deiner Kernaussage natürlich recht; aber ich glaube, selbst die Hüpfer sind in Wahrheit nur ein wenig erleichtert, dass die Chancen auf Zugehörigkeit zur Ersten Liga deutlich gestiegen sind – nach Spieltag 10 und 2 Punkten waren sich doch alle einig, dass das nix mehr wird.

    Gisdol hat 4 Wochen experimentiert, mit Aufstellungen, mit Taktiken, mit inversen Stürmern, etc. Und dann hat er heraus gefunden, woran er drehen musste, und seine Massnahmen der Degradierung von Ich-hab-die-Haare-schön-Djourou, die Suspendierung vom Emir, die weitgehende Nichtberücksichtigung des Berliner Tanzbären, und 3 sehr gute Wintertransfers haben geholfen, dass überhaupt wieder Hoffnung besteht.

    Aber: Es wird noch eine Herkules-Aufgabe für Todt/Gisdol, einen Kader für 2017/2018 zusammen zu stellen, der dann tatsächlich wettbewerbsfähig ist mit Mannschaften wie Köln, Hertha, etc.
    Was ich aber erkennen kann: Gisdol hat einen Plan, und er und sein Trainer-Stab haben einen deutlich höheren Intellekt und viel mehr Engagement als die meisten seiner Vorgänger.

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    1. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      Der ‘Gysi’ ist da so reingerutscht. Kommt davon, wenn man am Stammtisch mit Kosenamen wie ‘Gisela’ oder ‘Gysi’ herumhantiert.

      Grenzwertig? Dürfte wohl eine Frage des Standpunktes sein. Ich habe bezüglich des wahren Gysi wohl einen anderen als du.

  2. Aradia

    Hallo, ihr Lieben.
    Viel passiert in kurzer Zeit.
    Wirklich?
    Nun wie geht es weiter mit Adler? Ist er wirklich schon zu alt ?
    Angeblich beobachtet man? ja schon. Und wo?
    Natürlich da, wo die HSV Spodis ihre Ferienwohnung haben.
    Nur dort gibt es Nachwuchs und nur dort leben immer ihre Lieben
    und nur dort hat der HSV sein Ausbildungszentrum.
    Und darum kommen diese Jungs ohne lästige Nebenbuhler aus Juve
    zu erschwinglichen Preisen zu uns.
    Ausgesiebt wird dann in Hamburg wo so mancher Jüngling
    zum ersten mal eine Weltstadt sieht und in ein tiefes Loch fällt.
    Eine Stadt, wo es eine Männerstrasse gibt, wo Hochhäuser schief sind,
    wo ein Markt durch Elbwasser automatisch gereinigt wird,
    wo Zecken ein eigenes Biss-Stadion haben und wo sich Hüpfer
    aus ganz Norddeutschland tümmeln um am Gemeinschaftshüpfen
    teil zu nehmen.
    .
    Wer das übersteht kann ein echter HSVer werden.
    Und wer durch fällt wird durch Hamburger Medien zum Star gemacht
    und an Tantchen verkauft.
    Und die wundern sich über ihren Sinkflug. :mrgreen:
    Schalke hat es erkannt und hatte Bruno fast so weit, die HSVer
    mit den Verlierer Gen zurück zu kaufen.
    Aber dann kam die Erleuchtung mit Namen Heribert, der
    erst einmal analysieren musste.
    .
    Zugegeben, der Herr Gisdol hat mich überrascht.
    Er hat es geschafft aus dieser Truppe der verlorenen Seelen
    ein unberechenbares Etwas zu machen, hat ihren Geist gereinigt
    und das Leere mit “etwas” Zielwasser gefüllt.
    .
    Doch sollten wir es schaffen in der Ersten zu bleiben stellt sich
    die Frage, wie geht es weiter?
    Hängen wir fest und es wird einmal passieren?
    Ich meine Zahlen, wie es sein könnte oder die persönliche Meinung
    von Schreiberlingen die es ja auch nicht wissen können,
    helfen da nicht.
    Und Michi? Ist ja fast schon sein Verein.
    Hau doch mal ordentlich raus. Nicht kleckern sondern klotzen.
    Ich will ja nicht unverschämt sein aber unter dreihundert Millionen :-)
    müssen wir weiter in Kaiserslautern/Karlsruhe unser täglich Brot
    kaufen.
    Frohe Ostern wünsch ich euch.
    .
    .

    Antworten
  3. GVGV

    Moin, ja, es scheint einen Aufwärtstrend zu geben, wobei dieser sich auf die Heimspiele beschränkt.
    Vom Leipzig-Auftritt abgesehen, sah ich seit dem Spiel in Mainz auswärts nur einen ziemlich bis sehr schwachen HSV.
    Das bedeutet ja wohl, dass bisher nicht das HSV-Spiel selbst aus sich heraus stabilisiert ist, sondern nur in Abhängigkeit bzw. der Korrelation mit heimischer Atmosphäre – eine eher zu wackelige Angelegenheit, um schon in kollektives Hüpfen auszubrechen.
    Auch das System ist entsprechend von der Anfälligkeit des jeweiligen Gegners für die Destruktionstaktik Gisdols abhängig; hier trifft der Hinweis auf die ähnlich gestrickte Art des Kickens bei Darmstadt und Augsburg sehr gut.
    Darmstadt, Mainz, Augsburg, Wolfsburg und zunächst Bremen – keine dieser Begegnungen wird leichter als die bisherigen, eher schwerer.
    Dafür, dass diese HSV-Mannschaft auch die innere Spannung selbstwirksam hoch halten kann, muss sie erst noch den Beweis antreten. Bisher hat in jedem Moment dieser laufenden Saison die Abstiegsangst im Genick für diese Spannung gesorgt – in einigen Partieen hat nicht einmal das die HSV-Kicker zu anhaltend ähnlichem Auftreten wie in den letzten Heimspielen gebracht.
    Sicher ist noch garnichts.
    Und doch setzt der Kalender schon die Planung der nächsten Transferperiode und der nächsten Saison auf die Tagesordnung, und zwar mit einigen durchaus anspruchsvollen Aufgaben für’s Management, sowie selbstredend auch nicht ohne gleichzeitige Nebenwirkungen auf die noch laufende Rest-Saison.
    Sollte sich dabei zunehmend Spannung von den aktuellen Aufgaben auf jene Transfer-relevanten Themen verlagern, könnte dies durchaus negative sportliche Auswirkungen haben.
    In diesem Sinne hat man beim HSV ja in den letzten Jahren nicht nur positive Erfahrungen gemacht.
    .
    das Spiel in Frankfurt endete übrigens 0:0, nicht 1:1 – dafür gab es dort auf beiden Seiten leider nicht genügend Torgelegenheiten…

    Antworten
    1. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      Mea culpa, ein äußerst schlampig hingeknallter Blog, mit vielen Fehlern. Ich gelobe Besserung.

  4. ky

    Der frühe Vogel fängt den Wurm… :-)
    Geht mal auf Spielverlagerung.de, ausgezeichnete Analyse des Systems von Gisdol.
    Zweiter Ball (den es gar nicht gibt…).

    Ostersonntag geht es um ein Unentschieden, welches beiden hilft. Danach muss Darmstadt geschlagen werden – wer das nicht schafft, hat – in einem Heimspiel – den Ligaverbleib nicht verdient…

    Aber: Quo vadis, HSV?
    Es kann doch nicht der Anspruch sein, der zweitgrössten Stadts Deutschlands, der grössten Nicht-Hauptstadt Europas (St. Petersburg ist für mich nicht mehr Europa), nur gegen den Abstieg zu spielen?

    Wann fängt das wirkliche Umdenken an? Wann werden Spieler verpflichtet, die zu ManU oder Barca wollen? Ohne Fährmann wäre S04 heute mit 0:5 vom Platz gegangen. Jüngstes Durchschnittsalter? Ajax… 2 17jährige auf dem Platz, aber Porath, Arp, Janjicic sind noch nicht soweit?

    Der Fußball erlebt seinen dritten Umbruch seit 2002, aber Bruno wollte Aogo zurück? Hä?

    Andy Groves, CEO von Intel, hat mal sehr weise formuliert:
    “It’s not against big vs. small, it is the fast beat the slow.”
    Gute Nacht und Frohe Ostern.

    Antworten

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