#HW4 – Katastrophe oder Chance?

Nun ist der Tag X doch noch gekommen. Der HSV, der letztmalig nach dem 10. Spieltag auf einem Nichtaufstiegsplatz stand, ist nun zumindest vorübergehend aus den Aufstiegsrängen gerutscht. Der Trainer damals hieß übrigens Christian Titz und wurde nach einem 0:0 gegen den VfL Bochum vom amtierenden Übungsleiter Hannes Wolf beerbt. Nach einer (zumindest aus ergebnistechnischer Sicht) durchaus achtbaren Hinrunde ging die Formkurve ab dem 18. Spieltag steil bergab, wobei mahnende Stimmen bereits seit Monaten darauf hinwiesen, dass eben jene Formkurve stabil auf demselben Level verblieb und es am fehlenden Spielglück sowie der mangelnden Effizienz liege, welche im abgelaufenen Kalenderjahr oftmals den Ausschlag zu Gunsten eines HSV-Sieges gaben.

Da die Konkurrenz um den Aufstieg allerdings ebenfalls fleißig Punkte liegen ließ, hielt sich der HSV bis zum 22. Spieltag an der Tabellenspitze und seitdem zumindest auf Rang zwei. Dementsprechend wurde der Verein auch medial begleitet, gemäß dem kölschen Motto „et hätt noch immer jot jejange“. Nun weiß man spätestens seit dem 12.5.2018, dass Artikel 3 des Rheinischen Grundgesetzes auch beim HSV an seine Grenzen stieß oder sollte es nicht eher heißen: man hätte es wissen müssen? Wieder ging man den Weg nicht zu Ende und sortierte konsequent aus, sondern verließ sich darauf, dass die Spieler, die den Abstieg maßgeblich mitzuverantworten hatten, nun zu den Führungsfiguren der Unternehmung „Wiederaufstieg“ werden würden. Dies erwies sich wenig überraschend als Trugschluss, da Spieler wie Sakai, Holtby oder Jung auch in der zweiten Spielklasse aus sportlicher Sicht weiter zu den Unsicherheitsfaktoren zählen.

Nach altem HSV-Brauch – Tradition verpflichtet – wurde bereits der Trainer während der Hinrunde ausgetauscht und nun hat sich auch Hannes Wolf zunehmend Volkes Unwillen zugezogen. Eine Zwickmühle für die Verantwortlichen Hoffmann und Becker, da sie ihrem Trainer mehrmals garantierten, unabhängig vom Aufstieg über den Sommer hinaus bleiben und eine neue Mannschaft aufbauen zu dürfen, allerdings wohl im Glauben, sich mit dem Nichtaufstiegsfall gar nicht näher befassen zu müssen, siehe den bereits erwähnten Saisonverlauf. Aber warum eigentlich Interessenkonflikt? Becker betonte unlängst erneut, keine Zweifel am Aufstieg zu haben, dabei sollte die entscheidende Frage gar nicht lauten: „Aufstieg oder zweite Liga?“ sondern „Neuaufbau oder Siechtum?“ Wenn man sich die Kaderzusammenstellung ansieht, entschied man sich im vergangenen Sommer für das Siechtum. Wie wäre es jetzt mal mit „Neuanfang?“ Dem HSV sind Lizenzen für beide Ligen erteilt worden und es versteht sich von selbst, dass bei einem Nichtaufstieg der Gürtel erheblich enger geschnallt werden müsste. Was man allerdings bisher immer meiden wollte wie der Teufel das Weihwasser, ist der einzig gangbare Weg, um dem Verein mittel- sowie langfristig überhaupt eine Perspektive zu bieten.

Trainerdebatten haben beim HSV unabhängig von einer Bewertung Hannes Wolfs momentan nichts zu suchen, weil zunächst grundlegende Probleme angegangen und gelöst werden müssen und diese liegen ebenfalls nicht in der Ligazugehörigkeit. Platz 4 unter Hannes Wolf? Revival von #HW4? Unbedingt! Geht der HSV damit das Risiko ein, auf Jahre in der zweiten Liga zu bleiben oder vielleicht sogar noch weiter abzurutschen? Ja, das tut er. Aber laut seines Vorstandsvorsitzenden wolle der HSV wieder ein normaler Verein werden. Nun denn: herzlich Willkommen in der Normalität der zweiten Liga. Vielleicht schafft es der HSV, sich fortan besser zu akklimatisieren. Mit dem Kaderetat ließe sich anfangen…

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