Irgendwie sind sie doch alle kleine Kinder!

Lewis Holtby fiel lange mit Schlüsselbeinbruch aus. Auf seinen Durchbruch warten die Fans bisher vergeblich.

Die Nachricht über die „schwere“ Verletzung von Lewis Holtby und sein damit verbundener mindestens zehnwöchiger Ausfall überschattete sämtliche HSV-Nachrichten dieser Woche. Zumindest kurzzeitig, denn „The Show must go on“, das Volk will Brot und Spiele und die Dubai-Ticker wollen weiter gefüllt werden. Auch für mich, der ich als Blogger zwangsläufig auf der Suche nach neuen Themen bin!

Als ich allerdings das, über sämtliche sozialen Medien verbreitete Bild des frisch operierten Holtby in die „Finger“ bekam, musste ich plötzlich innehalten. Wie er da so in seinem Krankenbett lag, so traurig und im wahrsten Sinne des Wortes so zerbrechlich mit seiner Schlüsselbeinfraktur. Irgendetwas an diesem Bild hat mich berührt, ja fast möchte ich sagen gerührt.

Sein „Operation ist gut verlaufen!! Positiv Thinking… Cant wait To be back on the pitch.. This won’t stop me..:-))) welches er zu dem Foto mit dem erhobenen Daumen postete, wirkt offengestanden eher wie das Pfeifen im Walde eines einsamen an Körper und Seele Geschundenen. Diese Verletzung sowie das plötzliche „nicht mehr dazu gehören“ traumatisieren.Plötzlich spüre ich, dass die Spieler mehr brauchen, als 500 plus tumbe „Gute Besserung. Lewis wir brauchen Dich!“ facebook-Genesungswünsche, denen ich durchaus wahrlich mitfühlenden Charakter attestieren möchte.

Diese 20 bis 25jährigen Bundesligakicker, sie sind Kinder! Kinder wie alle anderen in ihrem Alter. Und als solche brauchen sie? Nichts heilt schneller und nachhaltiger als wahre Liebe und Zuneigung, die unmittelbar körperlich erfahren wird. Und ganz besonders die Liebe und Zuneigung einer Person tut sich da hervor, die der Mama. „Danke, dass du dich so rührend um mich kümmerst“ sagte mal eine meiner Ziehtöchter zu mir „aber ich brauche ‚Mamahormone‘!“

Wie wichtig dies auch für die „so hochbezahlten“ HSV-Profis ist, zeigt nicht zuletzt das Beispiel Maximilian Beister, der nie einen Hehl daraus gemacht hat, wie wichtig seine Familie in der schweren Zeit seiner Verletzung, der Rückschläge und der schließlichen Genesung war. Klar und selbstverständlich, dass sie bei seinem Comeback in Dubai am Donnerstag dabei waren. Das hat nichts mit Verhätscheln oder „Mamasöhnchen“ zu tun. Das ist normal bei Menschen – ein Leben lang. Bei Kindern Anfang 20 sowieso.

Nun Lewis, ich hoffe, dass jemand für dich da ist, der deine Wunden wirklich heilen kann. Jemand, der dir beisteht und dir Kraft gibt. Jemand, der dir sagt, wie wichtig du bist, auch wenn du nicht auf dem Platz stehst und dir 50.000 Menschen zujubeln.

Ja, die Profis verdienen einen „Haufen Kohle“, fahren ohne Lappen in viel zu teuren Autos, schlagen hier über die Stränge und dort über die Stränge, aber sie sind dennoch Kinder, junge Menschen, die, wenn sie nicht Fussball spielen genauso sind, wie ihre Altersgenossen, die anderen Berufen nachgehen und in ihrem Leben genausooft Blödsinn verzapfen.

Wer kümmert sich um unsere HSV Kinder? ( Nicht nur ein Cleber braucht Kümmerer. ) Was tut der Verein, um die Spieler zu erden, sie auf dieses Profileben und seine Tücken und Niederungen vorzubereiten?

Und wie gehen wir mit diesen Kindern um? Gut, im Eifer des Gefechts, im Stadion oder vor dem Fernseher, da pöbelt man schon gerne einmal los, aber danach sollte es dann auch gut sein und wir sollten uns dann wieder darüber im Klaren sein, dass wir es hier mit Menschen zu tun haben, die ein Recht auf ihre Würde haben, ein Recht darauf, fair und respektvoll behandelt zu werden. Am Ende sind sie doch alle „unsere kleinen Kinder.
P.S.
Eigentlich hatte ich vor, zur Verletzung von Holtby nur kurz etwas in meinem sonntäglichen Wochenbericht zu schreiben; nun ist der Text allerdings etwas länger und zu einer Art „Wort zum Sonntag“ geworden. Na, darf auch mal sein 😉

3 Kommentare

  1. AvatarKieler HSV-Fan

    Moin, 😉
    .
    alles Gute @ Holtby, ich wollte Dasselbe eigentlich auch zu Arslan sagen aber er bleibt ja nun wohl bei uns wenn man der “Lügenpresse“ glauben darf…………. 😳

    Antworten
  2. Avatarj.juers

    So ähnlich habe ich auch gedacht. Leider wird das „menschliche“ bei den Medien und auch bei uns Fans zu häufig gar nicht mehr wahrgenommen.

    Antworten
  3. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

    @j.juers 22:59
    Nun, den Medien geht es verständlicherweise inerster Linie um Auflage respektive in der heutigen Zeit um möglichst hohe Klickzahlen und als zahlender Fan möchte ich natürlich auch etwas für mein Geld geboten bekommen. Vor dem Hintergrund der Ticket-, Bier- und Bratwurstpreise gepaart mit den eher wenig erbaulichen sportlichen Leistungen der letzten Jahre, verwundert es mich zumindest, dass es noch so ruhig ist und immer noch an die 50.000 Menschen zu den Heimspielen pilgern.

    Ich finde, da darf man auch ruhig mal pfeifen und buhen, wenn nichts geboten wird. Das ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass wir es bei den Spielern mit Menschen zu tun haben, denen wir bei allem Engagement und Ärger ein Mindestmaß an (menschlichem) Respekt zollen sollten.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.