Local Player beim HSV: auf dem Abstellgleis?

Über die Größe des aktuellen Lizenzspielerkaders des Hamburger SV gibt es unterschiedliche Angaben. Während der HSV die Kaderstärke offiziell auf hsv.de mit 26 Spielern angibt (4 Torhüter und 22 Feldspieler) listet transfermarkt.de 28 Spieler auf.

Eines haben die beiden Auflistungen jedoch gemein. Nähme man diese als Grundlage, so verstöße der HSV gegen die Local Player Regelung (siehe weiter unten oder hier) denn statt der geforderten 4 vom Club ausgebildeten Spielern führt der HSV nur 2, Transfermarkt 3 auf.

Die DFL verpflichtet jeden Club mindestens 8 Local Player (4 vom Verband, also dem DfB ausgebildete und 4 vom eigenen Verein ausgebildete Spieler in 3 Spielzeien im Alter von 15 – 21 Jahren) im Kader zu haben. Diese Zahl für vom Verband ausgebildete Spieler zu erreichen, ist völlig unproblematisch.

Vom Verband (DFB) ausgebildete Spieler im derzeitigen HSV Kader 2017/18 sind:

  1. Christian Mathenia (2019) [Mainz]
  2. Julian Pollersbeck (2021) [Burghausen/Kaiserslautern]
  3. Tom Mickel (2019) [Cottbus]
  4. Dennis Diekmeier (2018) [Bremen]
  5. Mergim Mavraj (2019) [Offenbach/Rosenhöhe/Darmstadt]
  6. Bjarne Thoelke (2018) [Wolfsburg]
  7. Gideon Jung (2020) [Baumberg/Oberhausen
  8. Lewis Holtby (2018) [Aachen]
  9. Aaron Hunt (2018) [Bremen]
  10. Nicolai Müller (2018) [Frankfurt/Fürth]
  11. André Hahn (2021) [Cuxhaven/Bremerhaven]
  12. Luca Waldschmidt (2020) [Frankfurt]
  13. Sven Schipplock (2018) [Sondelfingen/Pfullingen/Reutlingen]

*(Vertragslaufzeit) [Ausbildungsvereine des DFB]

Anders verhält es sich da schon bei der Anzahl der vom Club ausgebildeten Spieler. Allzuoft erhalten junge Talente lediglich einen Lizenzspielervertrag um die DFL Auflagen zu erfüllen. Es ist nicht beabsichtigt, diese Spieler auch wirklich einzusetzen. Das hat der HSV in der Vergangenheit oft genug gezeigt und dokumentiert das auch und gerade in dieser Saison sehr deutlich in dem er lediglich zwei Spieler nämlich Jonas Behounek und Jann-Fiete Arp offiziell auf seiner Website aufführt. Wobei Arp auch (zunächst) lediglich in der U19 zum Einsatz kommen soll.

Sorgen muss sich der HSV deswegen natürlich nicht, schließlich hat man ja Lizenzspielerverträge mit hinreichend Spielern abgeschlossen, nur zum Kader, zum Kader gehören sie dann halt nicht, aber die Quote wird allemal erfüllt.

Vom Club (HSV) ausgebildete Spieler mit Lizenzspielervertrag:

  1. Jonas Behounek (2019)
  2. Jann-Fiete Arp (2019)*
  3. Mats Köhlert (2019)
  4. Christian Stark (2020)
  5. Frank Ronstadt (2018)
  6. Marco Drawz (2018)

*Arp verlängerte seinen Vertrag (Fördervertrag) bis 2019, dieser wandelt sich mit Erreichen der Volljährigkeit (Vollendung des 18. Lebensjahres) automatisch in einen Lizenzspielervertrag, weswegen er bereits jetzt als Local Player im Kader geführt werden kann. [“Als Lizenzspieler ausschließlich im Sinne dieser Bestimmung gilt auch ein Spieler, der bereits mit dem Club einen der DFL vorliegenden Lizenzspielervertrag geschlossen hat, der mit Vollendung seines 18. Lebensjahrs spätestens zum 31.12. der laufenden Spielzeit wirksam wird.” siehe unten §5b LOS]

Sorgen muss sich der HSV deswegen natürlich nicht, schließlich hat man ja Lizenzspielerverträge mit hinreichend Spielern abgeschlossen, nur zum Kader, zum Kader gehören sie dann halt nicht, aber die Quote wird allemal erfüllt. Und darum geht es dann doch nur, oder?

Bevor sich ein Sturm der Entrüstung breit macht. Diesen Umgang mit der Local Player Regelung hat der Hamburger SV natürlich nicht exklusiv. Dieser Umgang ist vielmehr Gang und Gäbe bei den Vereinen, was es unterm Strich allerdings nicht besser macht.

Tatsache ist: seit meiner letzten Aufstellung vom Dezember 2014 hat es keiner der vom HSV ausgebildeten Local Player wirklich in den Bundesligakader geschafft, weder beim HSV noch bei einem anderen Bundesligisten.
 


P.S. Weil es ja irgendwie ganz spannend ist zu sehen, ob man richtig liegt:

Diese Spieler könnten die nächsten (Quoten?)Local Player werden:

  • Patric Pfeiffer (IV/18)
  • Josha Vagnomann (RV/16)
  • Izzet Isler (DM/17)
  • Jonas David (DM/17)
  • alle U19

  • Lenny Borges (RV/16)
  • U17

1 Kommentar

  1. ky

    HL, danke Dir für die Aufstellung.
    Die “local player”- Regel ist eben auch nur Augenpulver, wie so vieles. FFP ist ein noch größeres Augenpulver. Dieser Sport ist voller korrupter “Menschen”, in Fifa wie in Uefa, in der DFL wie im DFB, bei den Beratern wie bei den Spielern. Es ist so unfassbar viel Geld in diesem Spiel, und alle bereichern sich daran. panem et circenses…
    .
    Und bei der Halbwertzeit von Trainern – im Schnitt in der ersten Liga 8 Entlassungen pro Jahr – mag ich es auch dem mir persönlich sympathischen Markus Gisdol – nicht verdenken, auf persönliche Absicherung zu setzen.
    4-6 Spiele in Folge verloren, und Du bist weg, außer ggf. Ewald Lienen letzte Saison bei Pauli oder C. Streich beim SCF.
    Dieses Geschäft ist äußerst brutal – ein Spiegelbild des globalen Kapitalismus. Friss, oder werde gefressen…
    .
    Dem HSV hilft das nichts, außer der Erkenntnis, das nur harte und erfahrene “Manager” auf allen Ebenen in diesem “Spiel” mithalten können.

    Ein “Sommerurlaubs-Todt” oder ein Rentner-VV sind dafür nicht geeignet. Sympathie ist keine Waffe gegen die Minolas oder Struths dieser Welt.

    Ein Aki Watzke kann beides – freundlich im Dopa lächeln, und knallhart verhandeln. Dembele war nicht zu halten, aber der BVB hat das Maximum rausgeholt.
    Beiersdorfer hätte das niemals hinbekommen, und Todt etc. sowieso nicht.
    Wie der Herr, so das Gescherr…
    Die Wohlfühloase HSV wird erst dann Vergangenheit sein, wenn abgezockte Profis die Führung übernehmen, und zwar in allen Schlüsselpositionen.

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