Mats Köhlert – Der neue Leuchtturm?!

Es war ruhig geworden um ihn, bedenklich ruhig und es stand schon zu befürchten, dass all das Buhlen von Bernhard Peters und Peter Knäbel, die sich vor der U17 WM in Chile öffentlichkeitswirksam um eines der größten Talente des HSV bemühten, im Sande verlaufen würde und der HSV einmal mehr das Nachsehen hätte.

Entsprechend stolz ist der Hamburger SV nun, verkünden zu können, dass Mats Köhlert einen Lizenzspielervertrag bis 2019 unterzeichnet hat.

Mats Köhlert, der neue Leuchtturm der Hamburger Nachwuchsarbeit, mit Signalwirkung in den ganzen norddeutschen Raum hinein?!

Leuchtturm? Es gab einen Hamburger Leuchtturm, einen, der im Alter von Mats Köhlert bereits seine ersten Bundesligaeinsätze erfolgreich bestritt, einer, der hätte als Identifikationsfigur getaugt, einer, der seinen Altersgenossen seit jeher um Jahre voraus war, physisch, psychisch und charakterlich, einer, der mit 19 Jahren regelmäßig Champions- und Europa-League spielt, in dieser Saison noch kein Pflichtspiel verpasste und alle über die volle Distanz ging. Ja natürlich, die Rede ist von Jonathan Tah, an dessen Strahlkraft bis auf Weiteres so schnell niemand aus den Reihen der Rothosen wird heranreichen können.

Es wäre allerdings unfair, Mats Köhlert an Tah zu messen. Er ist ein anderer Typ, spielt auf einer anderen Position und ist eher das Gegenteil von Tah. Schmächtig, eher klein, dennoch seinen Altersgenossen in fast allen Belangen weit voraus. Es ist also absolut begrüßenswert, dass der HSV sich mit ihm auf einen Verbleib im Verein einigen konnte.

Linksfuß Köhlert ist in der Offensive universell einsetzbar. In der U19 des HSV stand er 15 mal in dieser Saison in der Startelf und spielte dort immer über die kompletten 90 Minuten. Er ist der Leistungsträger der U19 schlechthin und man merkt ihm seine inzwischen 23 Länderspiele für die U16 (8) und U17 (15) deutlich an. Köhlert ist U17 Vize-Europameister und wie gesagt WM-Teilnehmer.

Wer den vom SC Sperber, über Eintracht Norderstedt und den Rivalen St. Pauli 2013 zum HSV gekommenen waschechten Hamburger Mats Köhlert spielen sieht, bemerkt sofort einen Vorsprung gegenüber seinen Mitspielern. Nun könnte man das seinem Talent alleine zuschreiben, ich schreibe dies allerdings in erster Linie der Ausbildung beim DFB zu und genau hier liegt das Problem, denn wie will man ihn beim HSV weiterentwickeln und wer soll das tun und wo soll das geschehen.

Für den Moment scheinen alle Beteiligten zufrieden. Der HSV feiert sich selber: 

„Die Mühen der vergangenen Monate haben sich gelohnt. Wir waren in der Lage, der nächsten HSV-Generation einen glaubwürdigen Plan aufzuzeigen und nach Dren Feka und Frank Ronstadt nun mit Mats bereits das dritte große Talent aus unserem eigenen Nachwuchs an uns zu binden. Dies zeigt, dass die Jungs bei uns eine echte Chance haben.“

Und reklamiert (unverdientermaßen) gar für sich, dieses Talent schon seit jeher erkannt zu haben (weswegen er dann ja schließlich auch bei den Braun-Weißen landete und erst später bei den Rothosen): Köhlert, nahm 2006 das erste Mal an einem Camp der HSV-Fußballschule teil  “Sein Bewegungstalent und sein Ballgefühl waren damals schon zu erkennen, wir als Trainer waren begeistert, insbesondere auch über sein Sozialverhalten” lässt der HSV über seine Homepage verlauten.  

Was soll das? Was hat das Sozialverhalten eines 6jährigen mit der Vertragsunterzeichnung zu tun? Warum versucht man Köhlert nun als Eigenentdeckung zu verkaufen? Kann es nicht einfach eine Nummer bescheidener gehen? Oder muss diese Vertragsunterzeichnung ebenso wie die von Feka, Porath und Ronstadt als Nachweis einer erfolgreichen Tätigkeit von Bernhard Peters und Peter Knäbel herhalten, die nun an der Entwicklung aller genannten nicht ein Stückchen mitgewirkt haben?

Wie dem auch sei. Man brüstet sich nun und die Rede ist von einer Signalwirkung. Das Signal heißt: Köhlert wird behutsam aufgebaut und stößt im Juli 2017 zum Profiteam! Soweit der Plan. Dann ist er 19 Jahre alt und vielleicht spielt der HSV Champions League und es könnte ihm so ergehen, wie Jonathan Tah. Das ist aber eher unwahrscheinlich, denn behutsam Heranführen beim HSV heißt U19 spielen, vielleicht mal den einen oder anderen Einsatz in der neu zu formierenden U21 um sich schon mal an Männerfußball zu gewöhnen… da ist es dann schon fast zu spät und die anderen, die wahren Talente, haben sich schon längst in ihren Bundesligamannschaften etabliert und spielen dort regelmäßig, werden gefordert und gefördert – Woche für Woche. Wir werden sehen, wo seine Nationalmaschaftskollegen Janni Serra, Johannes Eggestein, Vitaly Janelt, Felix Passlack etc in einem Jahr zu finden sein werden und wo ein Mats Köhlert eingesetzt werden wird.

Man mag einwenden, dass künftig ja alles anders und besser werden wird, dass es besser werden muss, weil auch kein Geld für teure Verpflichtungen mehr vorhanden ist. Nun, wir werden sehen. Ich glaube nicht daran.  Ich glaube, dass man dafür gesorgt hat, auch künftig genügend im eigenen Verein ausgebildete Local Player zu haben – als Ersatz für die Steinmanns, Philipp Müllers und Ashton Goetzs.

Wie dem auch sei. Ich hoffe, dass Mats Köhlert durchstartet und Gas gibt, weiterhin ein fester Bestandteil der U18 und dann der U19 sein wird, denn er ist wirklich ein Guter. Viel Glück beim HSV, Mats!

7 Kommentare

  1. ky

    HL, bedankt für die Ausarbeitung der Historie von MK.
    Köstlich, Sozialverhalten 2006 als 6jähriger… und ist 2013 zum HSV gekommen, also schon von Peters gescoutet?
    Ach nee, der war ja da noch nicht da.
    Aber die Presseorgie ist schon großartig – was haben wir für tolle Kerle als Manager, und wenn die tatsächlich Djourou und Cleber gegen einen verletzungsanfälligen N. Subotic tauschen, also 2 IVs gegen einen halben (von der Spielanzahl her), dann sollten die Mitglieder die sofortige Abberufung ihres Präsidenten Herrn Hafen-Meyer fordern, der als AR-Mitglied die Interessen von noch 85,1% eV-Beteiligung an der AG anscheinend mit Füssen tritt.

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  2. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

    Na ja, mit Harnik und Subotic werden nun wieder zwei Säue durchs Dorf getrieben, weil es ansonsten langweilig ist…noch ein bischen Hype um Jung, auf dem Werte Kanon rumreiten und gut ist.

    Da geb ich nix drauf.

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  3. ky

    HL, klar, es müssen immer Seiten gefüllt werden mit Gerüchten, und die Spieler-Berater helfen fleißig mit – schießlich verkauft Fussball auch Auflage/Klicks…
    Aber: Ich wäre ganz ruhig, wenn ich wüsste, dass unsere Führung ein Konzept hat, welches auch in dem neuen Leitbild verankert ist. Und wenn unsere Führung in den letzten Transferperioden mit Augenmaß agiert hätte – aber eben deren “Aktivitäten” machen mich äußerst misstrauisch, was künftige Transfers angeht…

    Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sage/schreibe, aber Oliver Kreutzer hat im Vergleich einen richtig guten Job gemacht…

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    1. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      Scheint so, als hätten sie hinterher alle nicht so einen schlechten Job gemacht, wenn sie dann erst mal weg sind. Ein Arnesen, ein Kreuzer… ja ein Dr. Klein, ein Dr. Krohn…umstritten und ‘Nichtskönner’ waren sie alle irgendwo. Mal sehen was später über die jetzige Ära gesagt wird. Vertrauen habe ich nicht, Pläne erkenne ich nicht, so sie dann als Kompromiss formuliert und verkündet wurden, erschließt sich mir die Logik nicht wie im Falle der U21, aber auch hier muss ich aufpassen, mich nicht von dem schroffen und eher unsymphatischen Bild welches Peters abgibt vereinnahmen zu lassen. Stammtischgemecker ist gut, richtig und wichtig, doch dauerhaft zu wenig.
      .
      Ja, die Führung hat nach allem was für Außenstehende ersichtlich ist nicht wirklich nach den Maximen des Vorläufigen Leitbildes gehandelt. Es wäre aber auch billig, jede vergangene Entscheidung an dem seit einer Woche veröffentlichten Provisorium fest zu machen.

  4. ky

    Bernhard Peters war nie ein Teamplayer, und im Hockey gibt es zwar überragende Kameradschaft innerhalb der Teams, aber Trainer etc. sind dort durch und durch Respektspersonen. Bei unseren Jung-Millionarios im Fussball ist das natuerlich deutlich schwerer…
    —-
    Die strategische Entscheidung, aus der U23 eine U21 zu machen, halte ich für sehr richtig und zukunftsweisend. Der moderne Fussball ist soviel schneller und athletischer geworden, das sich das Durchschnittsalter aller “modernen” Teams deutlich absenkt seit einigen Jahren – mit Erfahrung und “Auge=Stellungsspiel” kannst Du heute nicht mehr viel wettmachen, da ziehen die Aubameyangs und Reus mit 2 Doppel-Pässen aber sauber durch eine zu langsame/ältere Abwehr…
    —-
    Nur: Wenn das in absehbarer Zeit die Durchlässigkeit nach “oben” erhöhen soll, dann braucht es auch Trainer, die dort den Anspruch haben, das Team von den Tiefen der Vierten Liga in die Höhe der Dritten zu befördern. Anstelle Kohle für Geschäftstellen und Dr.Mic zu verbrennen, wäre ein Ralf Rangnick oder ein Julian Nagelsmann ein Trainer gewesen, der das Projekt U21 richtig nach vorne bringen würde – da würden dann auch viele Talente, die Wolfsburg oder Bremen heute noch erntet, gerne nach Hamburg kommen.

    Ohne zuviel über Strategie zu reden, aber wenn es gegenwärtig nicht reicht, um in Liga 1 um Platz 1-6 mitzuspielen, und Transfers jenseits der 10 Mio. für den HSV auch in den kommenden 3-5 Jahren nicht darstellbar sind, dann greife ich da an, wo ich Chancen habe. In einer Weltstadt, mit einem Top-Trainer-Team (U16-U21), und vergleichbaren Gehältern wie WOB oder Leverkusen, + Zusatz-Ausbildung bei Kühne#Nagel im Zukunftsbereich Logistik, oder bei Beiersdorf oder im Verlagswesen (Springer, G+J), da wüsste ich als Vater, wohin mein Junior geht…

    Strategie und Positionierung sind meine beruflichen Steckenpferde – schade, dass das in der Führung des HSV leider gar nicht vertreten ist – Zero-Performer…

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    1. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      Die strategische Entscheidung, aus der U23 eine U21 zu machen, halte ich für sehr richtig und zukunftsweisend.

      Das ist blinder Aktionismus und wird öffentlichkeitswirksam als Strategie verkauft, auch im Rahmen der anstehenden NLZ Zertifizierung, um Durchlässigkeit vorzugaukeln. In dieser, wie auch in der letzten Saison haben ohnehin schon fast ausschließlich 18 – 21jährige im Kader der Zwoten gestanden. Ältere Spieler waren aus der Ersten (Beister, Ilicevic und zuletzt Rudnevs). Prinzipiell ändert sich da also nix. Ein plumper Signalversuch an die U19 Spieler.

      Wenn man dann als Ziel einen Mittelfeldplatz in der 4. Liga ausgibt, bleibt der Sprung zu den Profis viel zu groß.

      Das Beispiel Mainz verdeutlicht das für mich sehr gut. Die spielen mit ihrer Zwoten in der 3. Liga, waren dort mit einer Milchbubitruppe im Einsatz und krebsten immer unten rum. Jetzt haben sie die Anzahl älterer Spieler erhöht, die führen die jungen, die sich daraufhin mit mehr Siegen im Rücken auch sportlich besser entwickeln und so den Sprung ins Buliteam eher schaffen.

      Wahrscheinlich könnte ich dem Ganzen mehr abgewinnen, wenn man einfach mal machen und Erfolge erzielen würde, anstatt permanent nur plakativ daherzureden und an den eigenen Aussagen gemessen dabei permanent durchzufallen.

      Na ja, wir bleiben am Ball. ;-)

  5. ky

    “Wenn man dann als Ziel einen Mittelfeldplatz in der 4. Liga ausgibt, bleibt der Sprung zu den Profis viel zu groß.”

    HL, aber genau da habe ich ja oben geschrieben, das Ziel muss Spitze in der Dritten sein, und dafür brauche ich Top-Trainer, Top-Betreuung, etc.

    Wir sind uns ja völlig einig, dass der Aktionismus und vorgegaukelte “Weg” nichts bringen kann, wenn Ziele nicht gesetzt/eingehalten werden und die notwendigen Massnahmen, um solche Ziele zu erreichen, ebenfalls nicht eingeleitet werden – sag ich ja, Blendertruppe…

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