U23: Niederlagenserie setzt sich auch nach Winterpause fort

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Nicht unbedingt überraschend, kam der Tabellenführer der Regionalliga Nord nach der zweimonatigen Winterpause schlecht aus den Startlöchern. Sowohl die ersten Spiele der Rückrunde, als auch die Testspiele, deuteten auf anhaltende Probleme der Hamburger vor allem im Defensivbereich hin.

Es hätte ein Spitzen-Spiel werden sollen das Duell des Ersten gegen den Dritten, es wurde hingegen eine eher langweilige Partie, die der Gast aus Wolfsburg jederzeit im Griff zu haben schien. Die Grün-Weissen waren am heutigen Tage den Rothosen in allen Belangen überlegen: physisch, technisch und vor allem auch taktisch.

Hamburgs Trainer Petrowsky setzte quasi auf eine 3-5-2 Formation mit Brunst im Tor, Kim, Adomah und Jordan in der Abwehr, Arslan, Haut, Masek, Ilicevic und Beister im Mittelfeld sowie Charrier und Brüning im Angriff. Diese Formation entpuppte sich als Schuss, der nach inten los ging, denn faktisch wurde Ahmet Arslan auf der Position des rechten Aussenverteidigers gebunden und zumindest in der ersten Hälfte komplett aus dem Spiel genommen. Das Hamburger Aufbauspiel oder besser die meisten Aufbau- und Angriffsversuche der Hamburger wurden wenig erfolgreich über die linke Seite geführt.

Auch einige beherzte Zugriffe von Alexander Brunst

Auch einige beherzte Zugriffe von Alexander Brunst konnten die U23 heute nicht retten,

Die Geschichte des Spiels ist schnell erzählt. In einer zerfahrenen Anfangsphase, zeigten die Wolfsburger früh ihre physische Überlegenheit und Lufthoheit. Die Hamburger suchten zu Beginn der Partie immer wieder Maximilian Beister, der durch Ruhe und technisch feines Spiel zu gefallen wusste. Nach einer feinen Einzelleistung von Beister fiel dann auch das frühe 1:0 in der 10. Minute. Hoffnung keimte unter den gut 320 Zuschauern an der Hagenbeckstrasse auf, dem HSV könne es nun gelingen, etwas mehr Ordnung ins eigene Spiel zu bringen. Doch Fehlanzeige, direkt nach Wiederanpfiff nach einem Angriff über die rechte Hamburger Seite fiel der Ausgleich. Arslan und der zur Unterstützung hinzugeilte Beister behinderten sich mehr als sie sich halfen und die Wölfe nutzten die daraus entstandene Möglichkeit zum 1:1 durch Bastian Schulz.

In der Folge waren die Hamburger zwar bemüht, verzeichneten aber neben zahlreichen haarsträubenden Abspielfehlern viel zu viel leichte Ballverluste. Die Last der Spieleröffnung und fast des gesamten Aufbaus lag in dieser Phase bei Francis Adomah, der zwar viele Situationen glänzend löste, am Ende jedoch – alleine gelassen – überfordert war. Sebastian Haut und Dominik Masek gelang es nicht Abwehr und Angriff vernünftig zu verbinden. Beister tauchte nach etwa einer Viertelstunde unter und der von den Profis in die U23 degradierte Ivo Ilicevic konnte ebenfalls keine Akzente setzen, übernahm allerdings auch keine Verantwortung. Die Wolfsburger standen sehr kompakt und relativ hoch, kamen durch leichte Ballverluste immer wieder zu schnellen Kontergelegenheiten, die allerdings bis zur Pause nicht konsequent zuende gespielt wurden. Ein ums andere Mal kam dabei Arslan in Bedrängnis und arge Not. Als Aussenverteidiger war er einfach überfordert.

skeptische Zuschauer zur Halbzeit

skeptische Zuschauer zur Halbzeit

Nach der Pause kamen die Wölfe mit mehr Biss aus der Kabine, setzten den HSV sofort unter Druck. Bereits 3 Minuten nach Wiederanpfiff fabrizierte der auffälligste Hamburger, Francis Adomah, ein Eigentor nach einem Schuss von  Onel Hernández. Nach dem 2:1 liessen sich die Wolfsburger weiter in ihre Hälfte zurückfallen, standen aber weiterhin kompakt und attackierten die Hanseaten clever. Dabei kamen sie immer wieder zu guten Kontermöglichkeiten, die die eklatanten Schwächen der Hamburger Defensive aufzeigten. Der HSV jetzt mit Arslan weiter vorne positioniert und mit Müller für Beister, versuchte Druck aufzubauen, erspielte sich aber weiterhin keine zwingenden Torchancen, so dass Wolfsburgs Keeper Klaus eine geruhsamen Nachmittag verbringen konnte. Ivo Ilicevic war in dieser Phase des Spiels auffällig bemüht Verantwortung zu übernehmen und Ordnung in das Spiel zu bringen. Das gelang ihm aber nur partiell. Dennoch wurde gegen Ende der Partie der Druck der Hamburger stärker. Ahmet Arslan machte vorne jetzt ordentlich Dampf und auch die Einwechslung von Christian Derflinger machte sich belebend bemerkbar. In der 85. Minute dann die erste und einzige zwingende Torchance für die HSV U23 durch Nils Brüning, der auf Höhe des Sechzehners frei zum Schuss kam, den Ball aber nicht versenken konnte.

Wiederum nur Augenblicke später dann der endgültige K.O. für die Hamburger. Als die Wölfe einen Pass der nach vorne stürmenden Hamburger abfingen und schnell konterten ergab sich sofort eine Überzahlsituation, die Sebastian Stolze zum entscheidenden 3:1 in der 89. Minute nutzte. Nur eine Minute später hätte gar das 4:1 fallen müssen. Wieder ein leichtfertiger Ballverlust, wieder eine Überzahlsituation, weil die Hamburg erneut nicht schnell genug nach hinten kamen.

Fazit:

Der HSV war stets bemüht. Das hört sich jetzt hart an, aber diese Mannschaft, so wie sie sich heute präsentiert hat, hat nicht die Qualität um sich an der Tabellenspitze zu halten. Die Lücken, die Marcos, Götz und Gouaida gerissen haben, sind zu groß. Auch das Fehlen von Steinmann, dem für dieses Spiel noch gesperrten Kapitän Sven Mende sowie Gideon Jung in der Innenverteidigung sind nicht zu kompensieren. Aus meiner Sicht geht diese Niederlage zu einem ganz grossen Teil an Trainer Daniel Petrowsky, der sich mit seiner Formation verzockt hat. Ahmet Arslan ist alles, aber kein rechter Aussenverteidiger. Wenn für ihn aufgrund des Einsatzes von Maximilian Beister kein Platz in der Mannschaft ist, dann muss er draussen bleiben. Mit Kerim Carolus hätte noch ein weiterer Verteidiger zur Verfügung gestanden. In dem Falle hätte auch Dominik Jordan auf seiner angestammten rechten Seite spielen können und mit Sicherheit eine bessere Figur gemacht als auf der linken Abwehrseite. Wo Arslans Stärken liegen und wie wichtig diese für das Spiel der U23 sind hat er zum Ende der Partie in der Offensive bewiesen.

Ein Bild mit Seltenheitswert: Die HSV U23 vor dem Wolfsburger Tor

Ein Bild mit Seltenheitswert: Die HSV U23 vor dem Wolfsburger Tor (Foto: HeLuecht)

Es bleibt für mich im Übrigen fraglich inwieweit der Einsatz von Profis bei der U23 dieser der Mannschaft wirklich helfen. Ivo Ilicevic hat sich heute nicht aufgedrängt und der HSV ist im Offensivbereich eh gut aufgestellt. Maximilian Beister wollte U23 spielen und ich denke das ist okay so, denn er braucht noch Zeit, bis er wieder ganz der Alte ist und zu voller Stärke zurückgefunden hat. Erstaunt hat mich bei ihm allerdings, dass er nach seiner Auswechslung zur Pause, zur zweiten Halbzeit auf der Tribüne auftauchte und das Spiel nur noch mit einem halben Auge verfolgte, bevor er sich 10 Minuten vor Schluss in Richtung Kabine bewegte. Ich hatte eigentlich erwartet, er würde die 2. Hälfte auf der Bank bei der Mannschaft verbringen.

Wie dem auch sei, die vierte Niederlage in Folge schmerzt. Bremen ist bis auf zwei Zähler dran. Es wird eng. Nächsten Sonntag geht es nach Lüneburg, bevor die Woche darauf das “Schicksalsspiel” gegen die Werderaner ansteht. Es bleibt zu hoffen, dass bis dahin der eine oder andere Spieler wieder fit wird. Sonst wird es nichts mit der erhöfften Meisterschaft und die Rückrunde könnte sich zum Alptraum entwickeln. Aber soweit ist es noch nicht. Noch ist die HSV U23 Tabellenführer!

 

 


HSV II (U23) – VfL Wolfsburg 1:3 (1:1)

Wolfgang-Meyer Sportanlage, Hamburg-Stellingen

14.02.2015 – 13:00 Uhr

Aufstellungen

Hamburger SV:

Alexander Brunst – Dominik Jordan, Dong-su Kim, Francis Adomah, Ahmet Arslan – Sebastian Haut (70. Christian Derflinger), Dominik Masek, Ivo Ilicivic, Maximilian Beister (46. Philipp Müller) – Nils Brüning, Nico Charrier

Reservebank: Tino Dehmelt, Finn Porath, Roan Kwon, Merphi Kwatu, Kerim Carolus

Trainer: Daniel Petrowsky

VfL Wolfsburg:

Carl Klaus – Bjarne Thoelke, Moritz Sprenger, Noah Korczowski, Saša Strujić, Paul Seguin, Dennis Strompen (73. Nils Laabs), Onel Hernández (83. Dragan Erkic), Bastian Schulz (89. Julian Klamt), Robert Herrmann (66. Marvin Kleihs), Sebastian Stolze

Trainer: Thomas Brdaric

Tore:

1:0 Maximilian Beister (10.)

1:1 Bastian Schulz (11.)

1:2 Francis Adomah (48. Eigentor)

1:3 Sebastian Stolze (88.)

Schiedsrichter: Robert Schröder (Hannover)

Zuschauer: 325

Gelbe Karten:

Ivo Ilicevic (25.), Dong-su Kim (70.) / Paul Seguin (28.)

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Die Tabellenspitze nach dem 16. Spieltag 2014/15
Pos. Verein Sp S U N Tore Punkte
1. Hamburger SV 21 14 3 4 58:24 45
2. Werder Bremen 21 12 7 2 57:26 43
3. VfL Wolfsburg 21 12 4 5 47:29 40
4. SV Meppen 21 9 7 5 39:30 34
5. TSV Havelse 21 10 4 7 49:39 34
6. ETSV Weiche Flensburg 21 9 6 6 36:23 33

4 Kommentare

  1. ky

    Moin HeLuecht,

    sehr schöner Spielbericht, Du schreibst so klar, dass man glaubt, das Spiel selbst gesehen zu haben.
    Tja, ohne 6 Leistungsträger (Götz, Marcos, Gouida, Steinmann, Jung, Mende) ist die 2. Mannschaft geschwächt, und die 1. nicht verbessert. Es bleibt eben schon mehr als ein 3-Klassen-Unterschied zwischen der 2. Mannschaft und dem Buli-Team, auch wenn gegen starke Wölfe das 1:3 sicherlich “besser” war als das 0:8 gegen die Bauern…

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    1. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      Moin ky,
      “sehr schön” hättest du allerdings nicht gesagt, wenn du das Spiel selber gesehen hättest. Sicherlich waren die Wölfe nicht annähernd so überlegen, wie die Bayern, aber sie hatten doch das Spiel eigentlich die ganze Zeit im Griff.
      Mehr als einen 3. Klassenunterschied konnte ich hingegen nicht ausmachen, z.B. zwischen Ivo Ilicevic und Maximilian Beister sowie dem Rest der Mannschaft. Die erstaunlichste Parallele zwischen den beiden Spielen, sehe ich eher darin, dass mMn beide Trainer an diesem Wochenende die falschen Waffen gewählt haben oder auf neu-deutsch, sich vercoacht hatten. Einen Arslan auf Rechtsverteidiger….ich glaube es nicht. Dagegen ist jeder Einsatz von HW4 wo auch immer, peanuts!

  2. Flambo

    Moin! Wieder ein super Bericht. Nun hast Du Dich ja doch noch überwunden, den Text gleich zu schreiben. War wohl ne willkommene Ablenkung vom Bayern-Debakel? ;)

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  3. Totti61

    Top Bericht!!!

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