Offenbarungseid im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart

VfB_Wallpaper_1600x1200__0000_Abklatsch

Vorweg: Das Spiel gegen den VfB gestern war das Schlechteste, was ich jemals vom HSV gesehen habe. Ein Offenbarungseid in allen Mannschaftsteilen. Niederschmetternd!

Gegen zu Beginn der Partie völlig indisponierte Stuttgarter, deutete sich das Unheil schon früh an. Die “unforced errors” von Johann Djourou, zeigten zum einen deutlich, dass der HSV dem “6 Punkte”-Druck psychisch nicht gewachsen schien, sorgten gleichzeitig allerdings auch für weitere Verunsicherung in der Defensive, in der speziell Djourou einen rabenschwarzen Tag erwischte. Die Abstimmung in der hinteren Viererkette stimmte selten. Djourou tummelte sich auf der Cléber Position und nahm ihm den Raum. Dieser wiederum sah bei zwei Kopfballaktionen schlecht aus, wodurch sich die vorhandene Unsicherheit weiter verstärkte.

Der kompletten Stuttgarter Unfähigkeit in den ersten Minuten geschuldet, wirkte das Hamburger Spiel immer dann noch einigermassen passable, wenn van der Vaart zwischen die horizontal weit stehenden Innenverteidiger abkippte und von dort aus den “ersten” Ball spielte. Seine Bälle fanden wenigstens noch den eigenen Mann, wenngleich dies häufig Behrami war, der diesen sogleich wieder verlor.

Spätestens nach seinem unrühmlichem Schubser verschwand van der Vaart allerdings mehr und mehr in der Versenkung und versteckte sich. Nach 20 Minuten war klar, dass die Innenverteidiger und Valon Behrami mit der Spieleröffnung und dem Spielaufbau an diesem Tage hoffnungslos überfordert waren, die Aussenverteidiger überdies viel zu hoch standen, um sie in das Aufbauspiel einbeziehen zu können.

Den Stuttgarten reichte in dieser Phase (wie eigentlich im gesamten Spiel) ein einfaches Halten ihrer Positionen und ein Zustellen der Passwege um den HSV zu einem Spielaufbau über die Mitte zu verleiten und dort Zugriff auf den Ball zu bekommen.

Spielintelligente Aussenverteidiger hätten sich in dieser Phase des Spiels einfach weiter zurückfallen lassen, um den verunsicherten Innenverteidigern eine bessere Anspielstation zu bieten und das Spiel in die Breite zu ziehen. Nun verfügt der HSV offensichtlich nicht über diese Spielintelligenz. Aber es gibt da ja noch einen Trainer.

Und nun ist es soweit. Hier kommt meine erste Trainerschelte! Spätestens nach 25 Minuten hätte es entsprechender Korrekturen von aussen bedurft. Diese sind ausgeblieben. Vercoacht Herr Zinnbauer!

In diesem Zusamenhang ist es auch wenig relevant, dass ich eine Doppelspitze Lasogga/Rudnevs für fatal halte und lieber Müller als hängende Spitze hinter Rudnevs sehen würde, oder dass Holtby auf links verschenkt ist. Wenn der Ball nicht nach vorne kommt, ist es egal, wer dort rumläuft, steht, die Abseitsregel versucht zu verstehen oder oder oder.

In den vergangenen Spielen konnten ab und an dadurch “Chancen” kreiert werden, dass der Ball ins letzte Drittel gechipt oder gebolzt wurde und durch agressives Pressing, Doppeln und Trippeln der zweite Ball gewonnen wurde. Von dem gewohnten HSV Pressing war an diesem Tage nichts zu sehen, auch, weil die Stuttgarter diesem clever aus dem Weg gingen. Damit war dem HSV Spiel schon gänzlich der Zahn gezogen.

Irritiert hat mich der Wechsel von Pierre Michel Lasogga 20 Sekunden vor dem Halbzeitpfiff. Das sah für mich nach Höchststrafe, nach Demontage aus(Von Verletzung hatte ich nichts mitbekommen und die kaufe ich auch nicht, wenn ich in Rechnung stelle, dass Lassogga und der Trainer sich bei der Auswechslung keines Blickes würdigten!)

Zur zweiten Halbzeit noch kurz: Wie bereits in den vergangenen Spielen war der HSV nach der Pause nicht präsent und ließ sich vom Gegner gleich wieder unter Druck setzen. Warum?

Gegen 10 Stuttgarter offenbarte sich das Elend komplett. Keine Lösungen. Immerhin standen die Aussenverteidiger jetzt nicht mehr ganz so hoch. Ein 4. Liga Spieler als “Highlight”. Gouaida versuchte ein 1 gegen 1, lief sich frei, bot sich an, schaffte mal eine diagonale Spielverlagerung, war die Anspielstation im Mittelfeld, die zumindest partiell in der Lage war und potenziell in der Lage ist, den Ball vernünftig weiter nach vorne zu spielen und den einen oder anderen Angreifer in Szene zu setzen. Er wird häufig aber übersehen und von seinen Kollegen noch zu selten gesucht. Einzige Ausnahme hiervon war Tolgay Arslan, über dessen sonstige Leistung ich hier allerdings lieber den Mantel des Schweigens hülle.

Wie kann es angehen, dass der “Frischling” Mohamed Gouaida der einzige Spieler ist, der sich mal etwas Kreatives zutraut und dies zumindest ansatzweise hinbekommt?

Warum ist die Mannschaft (nach gestern tendiere ich wieder zu “Truppe”, denn erste Auflösungserscheinungen, waren bereits in der ersten Hälfte vor dem 1:0 für den VfB zu erkennen) nach drei Heimsiegen in Folge und zwei Spielen ohne Niederlage hintereinander immer noch so verunsichert und fragil?

Hat der Trainer wirklich schon fertig? Ist diese Truppe untrainierbar? War es nur ein rabenschwarzer Tag, an dem selbst der Tabellenletzte der 2. Liga, der FC St. Pauli, hier drei Punkte mitgenommen hätte?

Es bleiben wieder einmal nur Fragen, Fragen, Fragen und ein mehr als fahler Geschmack zurück. Quo vadis, HSV?