Pflichtspielauftakt versemmelt – nicht wirklich unerwartet!

Pflichtspielauftakt der Profis

Sie wurde im Vorfelde als Pflichtaufgabe und Charaktertest gesehen, die Erstrundenpartie im DFB-Pokal beim VFL Osnabrück und sollte einen gelungenen Start in die neue Spielzeit bedeuten.

Nun, das Ergebnis ist bekannt. Der Start ging schief, die Partie mit 1:3 verloren. Bemerkenswert dabei: der HSV spielte 72+3 Minuten in Überzahl gegen einen unterklassigen Gegner, hatte über 70% Ballbesitz, wusste damit aber nichts bis gar nichts anzufangen, zeigte sich zudem bei den wenigen Osnabrücker Gegenangriffen defensiv überfordert und desorientiert.

Überraschend kommt das Pokalaus nicht wirklich. Es deutete sich vielmehr bereits in der Saisonvorbereitung in den Testspielen an. [siehe hier].  Dem HSV fällt auch in der neuen Saison nicht viel gegen tiefstehende, gut gestaffelt verteidigende Mannschaften ein. Das Dieses Phänomen läßt sich sich übrigens auch bei den Nachwuchsmannschaften nach wie vor beobachten.

Brotloser Ballbesitz, ohne Gefahr nach vorne. Nach hinten brennt es aber immer lichterloh bei immer wiederkehrenden leichten Abspielfehlern im Spielaufbau und in der Vorwärtsbewegung. Gelingt es dem Gegner dann mit einfachen Mitteln schnell umzuschalten, offenbaren sich mangelnde Schnellig- und Handlungsschnelligkeit. Die Defensive ist offen wie ein Scheunentor.

All das führte uns bereits Holstein Kiel beim 5:3 rigoros vor Augen. Wer damals auf diese Defizite hinwies, wurde beschieden zu warten, es sei doch nur ein Testspiel. Ein Spiel ohne Aussagewert, der Gegner sei doch bereits viel weiter in der Vorbereitung.  Nun, wir haben gewartet und wie zu erwarten war, wurden wir bestätigt: der Hamburger SV erneut hinten offen wie ein Scheunentor, im Mittelfeld langsam und ideenlos und vorne ungefährlich und ineffektiv. Alles wie gehabt.

Überraschend kommt das alles jedenfalls nicht. Was hätte sich auch schon groß verbessern sollen. Qualitativ hat sich am Kader nichts getan, trotz erneuter Investitionen von – ich belasse es mal bei etlichen Millionen. Von daher ist es logisch, dass man nicht einen Millimeter weiter als in der Vorsaison ist, zumal man auch in deisem Jahr wieder nicht bereit ist, den Mut aufzubringen, die verpflichteten jungen Spieler und die des eigenen Nachwuchses vernünftig einzubinden und ihnen Spielzeiten einzuräumen.

Nein, überraschen kann das nicht. Nicht einmal enttäuschen, denn dafür hätte man realistischerweise etwas anderes erwarten müssen. Zugegeben, der desolate Auftritt in Osnabrück ärgert mich, er ärgert mich sogar maßlos. Darüber kann auch die Tatsache nicht hinwegtäuschen, dass ich mich für einen meiner Lieblingsspieler der letzten Jahre freue, dass er eine gute Partie gespielt und mit einem Assist und einem Tor, dem wohl entscheidenden zum 3:0 so etwas wie der ‘Man of the Match’ wurde. Ahmet Arslan, der ehemalige Kapitän der Zwoten dürfte nun endgültig in Osnabrück angekommen sein und eine gehörige Portion Genugtuung verspürt haben, seinen Ex-Trainingspartnern (und eben nicht Mitspielern einen eingeschenkt zu haben, wenngleich er sich überbordenden Jubel nach seinem vorentscheidenden Treffer selbst verbot. Prima Ahmo!

Enttäuschte die Leistung der Mannschaft mich nicht, so enttäuscht mich doch die Reaktion von Markus Gisdol nach dem Spiel umso mehr. Nicht dass ich mir Wunder oder Quantensprünge von ihm erwartet hätte, aber seine Äusserungen nach dem Pokalaus offenbaren eine grosse Hilflosigkeit. Eine Hilflosigkeit, die gleichzeitig zeigt, dass der Trainer offensichtlich nicht im Stande ist, während eines Spiels einzugreifen und seine Truppe auf Spur zu bringen.

Ich will gar keine Ausreden finden, Sie haben das Spiel ja gesehen. Warum es aber immer dem HSV passiert, kann ich nicht sagen.
Die Rote Karte war ein Knackpunkt im Spiel, auch wenn sich das blöd anhört. Wir waren danach zu nachlässig in den Zweikämpfen, der Gegner stand eng und hat die sich bietenden Chancen eiskalt genutzt. Wir hatten besonders in der zweiten Halbzeit dann fast 80 Prozent Ballbesitz, doch insgesamt zu viel quer gespielt, schlecht verteidigt und waren zu träge im Passspiel.

Es scheint, als erreiche der Trainer die Mannschaft entweder nicht oder aber und das wäre noch schlimmer, er ist nicht in der Lage Lösungen zu präsentieren und damit bereits zu Beginn der Saison mit seinem Latein am Ende.

Der HSV ist jetzt zu Beginn der Saison bereits wieder dort, wo er in dieser Saison überhaupt nie wieder stehen wollte, nämlich mit dem Rücken an der Wand. Im Team regiert die Angst, im ganzen Verein regiert die Angst. Lähmungserscheinungen machen sich breit und vor dem ersten Ligaspiel müssen bereits Durchhalteparolen herhalten, bei deren Verwendung sich natürlich Sportchef Todt ganz besonders hervortut:

Wir sind denkbar schlecht gestartet. Das Spiel war natürlich ein Warnschuss für nächsten Samstag,wir analysieren mit kühlem Kopf. Der Trainer hat […] sehr klare Worte gefunden. Wir müssen das jetzt aber abhaken und verfallen nicht in Panik.

Und auch der Trainer gibt am Tag danach vor, zu wissen, an welchen Stellschrauben gedreht werden muss (Warum nicht während eines Spiels oder noch besser vor einer Partie und nicht immer danach!?)

Wir werden die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Ich werde mit dem Team und einzelnen Spielern noch einmal reden. Druck ist allerdings nicht angemessen. Die Saison hat noch nicht einmal angefangen!

Na dann ist ja alles gut und jede Aufregung umsonst! Ich hingegen bleibe dabei: In dieser Gemengelage bleibt der Hamburger SV ein ganz, ganz heißer Anwärter auf den Abstieg und plötzlich klingen mir wieder Heribert Bruchhagens Worte im Ohr, der HSV könne auch in diesem Jahr am vierten Spieltag wieder von einem Abstiegsplatz grüßen, darauf müsse sich der Trainer einstellen.

Schauen wir mal, was die Saison so bringt. Für mich sind jedenfalls nur noch positive Überraschungen drin.

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3 Kommentare

  1. ky

    jo, HL, genau so isses.
    Letztendlich sagt Dein Schlußsatz “Für mich sind jedenfalls nur noch positive Überraschungen drin.” alles aus und entspricht genau meinen Erwartungen.

    Aber:
    Wenn sich nicht Grundlegendes ändert (Einstellung, Aufstellung, Kaderintegrität, Trainingsintensität, Spielsysteme über doppelte Aussenpositionen, Leistungskultur auf und neben dem Platz, etc.) werden diese “positiven” Überraschungen ausbleiben, und für Hamburg, seinen Trikotsponsor, seine Fans, etc. stellt sich doch nun lautstark die Frage:
    Darf das der Anspruch sein, permanent am Nasenring durch die Manege der Lächerlichkeit, des Mitleids und des Fremdschämens geführt zu werden?

    Ich wage mal ein paar Prognosen:
    a. die ersten 6 Spiele ergeben höchstens 2 Punkte.
    b. Dann ist Gisdol weg.
    c. Dann kommt ein Nottrainer (denn unser Spodi hat sicherlich keine back up-Lösung).
    d. Im Winter werden erneut Panik-Transfers getätigt.
    e. Danach müssen weitere Anteile an KMK verschleudert werden (durch Beschluß einer außerordentlichen MV)
    f. Und am Ende geht es als 17. direkt runter; (wohin, siehe 1860) wird die DFL beschliessen.

    g. Und bereits während der Saison wird der HSV viele Anhänger verlieren, denn das Fass der Unterstützung ist durch die letzten Jahre bereits komplett leer.

    Warten wir es ab. Richtig schockieren kann einen das alles nicht mehr.
    Es war vorhersehbar, es bleibt vorhersehbar; es ist nur unfasssbar ärgerlich,
    dass die Protagonisten auf und nebem dem Platz (auch wieder im AR!) mit solchem Dilettantismus einem die Freude an diesem Verein so nehmen bzw. schon genommen haben.

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  2. slobocop plusslobocop plus

    todt sabbelt von “abhaken”, während gisdol gleichzeitig sagt, dass für ihn das spiel “noch nicht abgehakt” sei. klare linie und kommunikation wie immer.

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  3. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

    Business as usual, auch das kommt nicht wirklich überraschend.
    .
    Unterm Strich hat sich nichts getan. D.h. doch unter dem Tandem Labbadia/Knäbel war die Abstimmung zwischen Trainer und Sportchef noch besser. Aber die nach unten offene Peinlichkeitsskala hat beim HSV offensichtlich immer noch gehörig Luft. Wahnsinn!

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