Platzierungen der Nachwuchsteams – Erfolgsnachweis für Bernhard Peters?

Die Zeit der Eintracht, des ‚Mein Hamburg lieb ich sehr‘ scheint beim HSV schon wieder vorbei. Zumindest, wenn man der Presse Glauben schenkt.

Es stehen Entscheidungen an und entsprechend natürlich auch wieder Machtkämpfe innerhalb des Klubs. Hoffmann vs. Peters wird gemunkelt.

Peters, der sich vor dem Frankfurt Spiel positioniert und für den Posten des Sportvorstqandes ins Gespräch brachte und dafür von Bernd Hoffmann u.a. im Sport Club öffentlich abgekanzelt wurde, scheint keine Aussicht auf den Posten zu haben, erst Recht nicht, wenn, wie vermutet wird, Bernd Hoffmann in Kürze selber den Posten des Vorstandsvorsitzenden übernehmen sollte. Einen Posten, den er – entegen anderslautenden Beteuerungen seinerseits – von jeher angestrebt hat. Wie sonst ist es zu erklären, dass bis dato nicht einmal ein Kandidat präsentiert wurde, es nicht einmal Mutmaßungen in der Presse gab.

Aber, das soll an dieser Stelle nicht das Thema sein. Es geht um Bernhard Peters, dessen Tage u.U. beim HSV gezählt sein könnten. Das ruft in der Fangemeinde zu einem nicht unerheblichen Teil massive Aufschreie hervor. Peters wird allenthalben gute Jugendarbeit nachgesagt, die Platzierungen der Nachwuchsmannschaften sprächen deutlich dafür.

Grund genug einmal einen konkreten Blick darauf zu werfen, wie sich denn die Nachwuchsmannschaften in den letzten Jahren so geschlagen haben. Kann man aus der Entwicklung der Platzierungen Signifikantes über die Arbeit von Bernhard Peters ablesen?

Das Flaggschiff des Nachwuchses – Die HSV U21

Die U21 verpasste in dieser Saison nur denkbar knapp die Staffelmeisterschaft. In erster Linie wohl der Beförderung von Christian Titz zum Cheftrainer geschuldet und der daraus resultierenden Tatsache, dass die U21 auf einige Leistungsträger und Führungsspieler verzichten musste (vor allem Matti Steinmann) und sich so zunächst finden musste.

Die Platzierungen der HSV U21 in den letzten Jahren

Die Platzierungen der HSV U21 in den letzten Jahren

Der 2. Platz stellt zweifelsohne das beste Ergebnis für die U21 in den letzten Jahren dar. Zu verdanken in erster Linie der guten Arbeit von Christian Titz, der allerdings auch von der bereits guten Arbeit von Dirk Kunert aus dem Vorjahr profitieren konnte. Beide Trainer wurden von Bernhard Peters ausgesucht, genau wie im Jahr davor Soner Uysal, der allerdings mit Platz 14 und mit seiner Arbeit enttäuschte.

Die A-Junioren – HSV U19

Auch die A-Junioren mit Fiete Arp erzielten in der abgelaufenen Saison mit Platz 2 ihr bestes Ergebnis, seit bestehen der Bundesliga Nord/Nordost.

Auch hier wäre für die Mannschaft von Daniel Petrowsky, ähnlich wie für die U21, mehr drin gewesen. Mitz einem Sieg gegen Dynamo Dresden am vorletzten Spieltag hätte die Meisterschaft bereits klar gemacht werden können, man verlor die Partie unter anderem weil es Fiete Arp nicht gelang auch nur einen seiner 6 Hochkaräter im Netz unterzubringen. Im letzten Spiel in Bremen, sah man bis kurz vor Schluss wie der sichere Sieger (und Meister aus), kassierte in der Schlussminute dann allerdings noch den Ausgleich durch ein Freistoßtor. Auch hier hatte Fiete Arp die Möglichkeit, den Sack frühzeitig zuzumachen.

Die Platzierungenn der HSV A- Junioren (U19) seit Bestehen der Bundesliga

Die Platzierungenn der HSV A- Junioren (U19) seit Bestehen der Bundesliga

Der Trend bei der U19 ist sicherlich positiv, was allerdings nach den schlechten Platzierungen 2013 – 2015 auch überfällig war. Diese Resultate haben sicherlich etwas mit der Konstanz auf dem Trainerposten zu tun, aber eben auch mit starken Jahrgängen auf die der HSV zurückgreifen konnte. Längerfristig betrachtet, bewegt sich der HSV im A-Junioren Bereich wieder auf einem Niveau wie zwischen 2009 und 2012, einer Zeit, in der die Nachwuchsarbeit angeblich ja nicht gut gewesen sein soll.

Die B-Junioren – HSV U17 und HSV U16

Die Saison bei den B-Junioren ist noch nicht beendet. Zwei Spieltage vor Schluss belegt der HSV bei der U17 momentan mit 3 Punkten Vorsprung Platz 3. Der 5. Platz ist auf jeden Fall sicher. Auch hier bewegt der HSV sich im Großen und Ganzen im Bereich dessen, was üblich und zu erwarten war.

Platzierungen der HSV U17 in der B-Junioren Bundesliga Nord/Nordost

Platzierungen der HSV U17 in der B-Junioren Bundesliga Nord/Nordost

Ähnlich ist die Lage bei der HSV U16, die mit dem jüngeren B-Junioren Jahrgang in der Regionalliga Nord überwiegend gegen ältere Jahrgänge der Konkurrenten antreten muss und von daher häufig erst zum Saisonende die zum Klassenerhalt notwendigen Punkte einfährt, dann in der Regel mit freundlicher Unterstützung der älteren Jahrgänge aus der U17.

Platzierungen der HSV U16 (HSV II) in der B-Junioren Regionalliga Nord

Platzierungen der HSV U16 (HSV II) in der B-Junioren Regionalliga Nord

3 Spieltage vor Schluß hat die Zweitvertretung der B-Junioren den Klassenerhalt gesichert und rangiert auf Platz 7. Allerdings bereits 8 Punkte hinter dem 6. so dass mit einer besseren Platzierung kaum gerechnet werden kann. Der bestehende 5 Punkte Vorsprung auf die Ränge 8 und 9 sollte jedoch gehalten werden können. Platz 7 wäre aber in jedem Fall das schlechteste Ergebnis der letzen Jahre.

Die C-Junioren – HSV U15

Und noch ein kurzer Blick auf die C-Junioren. Der HSV hat noch 3 Spiele zu absolvieren und den 3. Platz bereits sicher. Rang 2 ist noch möglich, Rang 1 bereits fest an Werder Bremen vergeben.

Platzierungen-U15-2018

Die U15 gehört in der Regionalliga gewohnt zum Spitzentrio. Die Vormachtstellung von Wolfsburg und Bremen konnte jedoch unter der Ägide von Bernhard Peters nicht gebrochen werden.

Aus der Entwicklung der Platzierungen der Nachwuchsmannschaften kann man meiner Meinung nach nichts, aber auch rein gar nichts über die Arbeit von Bernhard Peters ablesen.

Peters selber ist es ja immer wieder, der darauf hinweist, dass es nicht auf die Platzierung in erster Linie ankommt, sondern auf die Entwicklung der Spieler, auf die Erhöhung der Durchlässigkeit von der U15 zur U16 etc und letztlich zu den Profis.

Die fehlende Durchlässigkeit zu den Profis wurde in der Vergangenheit bei der NLZ Zertifizierung bemängelt. Wirkliche Durchlässigkeit gab es bisher immer nur dann, wenn Nachwuchstrainern zum Cheftrainer befördert wurden. Bei Joe Zinnbauer und jetzt bei Christian Titz.

Im Falle von Joe Zinnbauer (Marcos, Götz, Steinmann, Gouaida) war diese Durchlässigkeit nicht nachhaltig. Ob dies unter Christian Titz anders sein wird, muss man sicher abwarten.

Die Platzierungen alleine taugen jedenfalls nicht als Erfolgsnachweis für die Arbeit von Bernhard Peters, genauso wenig wie sie einen Misserfolg nachweisen könnten.

9 Kommentare

  1. Karl-Heinz GrabowskiKarl-Heinz Grabowski

    Resultat nach dem Lesen zu Peters in der Bewertung „Alles kann ,nix muss „

    Antworten
  2. WORTSPIELERWORTSPIELER

    tja, und es ist eben sehr gefährlich, wenn man sich auf solche rechenbeispiele und tabellenplatzierungen versteift – egel in welche richtung respektive egal, welches lager sich das schönrechnen will:

    warum…?! darum…! und nicht zuletzt, wenn man sich mehr als nur ergebnisse und tabellen anguckt, sondern näher in die materie einsteigt und/oder sich mit der jeweiligen kadersituation der U-mannschaften beschäftigt.

    beispiel: als u.a. steinmann (jg. 1995), tah und ötztunali (jg. 1996) noch a-jugend-spieler waren, spielten sie so gut wie nicht mehr in der U19, sondern in der damaligen U23 des HSV. dies ging natürlich zu lasten der von otto addo trainierten a-jugend-bundesliga-mannschaft, aber war für die förderung der spieler richtig und wichtig, da insbesondere die o.a. spieler in der U19 unterfordert gewesen wären. es wäre aber ein leichtes für den HSV gewesen, mit u.a. diesem trio unter die „top 3“ der a-jugend-bundesliga nord / nordost zu gelangen und nicht gegen den abstieg 2012/13 und 2013/14 zu spielen.

    und natürlich ist es erst dann ein echter erfolg für die eigene nachwuchsabteilung, wenn ein spieler – im idealfall langjährig im verein wie tah damals oder arp heute – in die profiabteilung rückt und dort nicht nur als local-player die DFL-vorgaben erfüllt, sondern auch in der bundesliga zum eindatz kommt und/oder gewinnbringend verkauft wird. alles andere sind zahlenspielereien und bei einem profiverein makulatur. es zählt am ende des tages nur und ausschließlich die tabellenplatzierung der höchsten / ersten mannschaft und die finanzielle bilanz des vereins / der AG…!

    Antworten
  3. bopsi

    Peters dürfte Geschichte sein, wenn man das Verhältnis Becker (ex VfB) und Peters (ex Hoffenheim) genauer betrachtet.
    Ich weiß, ich gelte bereits jetzt wieder als Stinkstiefel, aber was der HSV da personell veranstaltet, macht mich richtig wütend. Warum wurde die Pfeife Beiersdorfer denn entlassen, wenn fast alle Spieler gehalten werden sollen? Wohlgemerkt, das sind die Abstiegsversager!!!
    so steigt der HSV nicht wieder auf, da lege ich heute bereits fest!

    Antworten
    1. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      Als 6. in der Titz Tabelle der 1. Liga steigt man selbstredend wieder auf.
      So, wie man als 7. der Rückrunden Tabelle mit dem Abstieg nix zu tun hat. 😀

  4. Kobinho

    Insgesamt sind die tabellarischen Entwicklungen der beiden Mannschaften nach dem Profiteam doch eindeutig positiv. Warum sollte man das Peters als „Chef“ des Nachwuchses nicht gutschreiben?
    Natürlich kommt es am Ende auf die Durchlässigkeit nach oben an. Hier habe ich mit Titz als Trainer durchaus Hoffnung.
    Interessant für die Bewertung der Arbeit von Peters wäre auch die Summe der Abstellungen für U-Nationalmannschaften. Ich habe keine Zahlen, bin aber der Meinung, dass der Pfeil auch hier nach oben zeigt.

    Antworten
    1. WORTSPIELERWORTSPIELER

      nur konstante (!) leistungen und nicht nur eine saison auf höherem niveau lassen rückschlüsse zu, was die arbiet im nachwuchsbereich angeht. es gibt viel zu viele variablen, die auf zufall beruhen, was einzelne jahrgänge angeht…!

      das gilt im übrigen für alle genannten kriterien (DFB-abstellungen, integration in der profiabteilung MIT einsatzzeiten und nicht nur local-player-status, …) selbstverständlich inkl. der tabellarischen platzierungen, aber auch nur über ein fortdauernden zeitraum.

      dass der HSV zu den „top 3-5“ in norddeutschland in allen jahrgängen ab U15 gehören muss, versteht sich eigentlich von selbst – nicht zuletzt wegen des etats des NLZ im vergleich zur (innerstädtischen) konkurrenz.

    2. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      Warum sollte man es Peters zuschreiben?
      Peters rekrutiert weder die Spieler, noch schiesst er die Tore.
      Die letzte NLZ Zertifizierung hat der HSV wie üblich mit 3 Sternen abgeschlossen. Was der HSV in der offiziellen Mitteilung dazu (https://www.hsv.de/de/nachwuchs/meldungen/saison-201718/august-2017/zertifizierung-hsv-erhaelt-drei-sterne-fuer-das-nlz/) verschweigt, ist die Kritik an der mangelnden Durchlässigkeit von unten. Die funktioniert bisher nur bis zur U21.
      Ansonsten verweise ich zwecks Vermeidung von Wiederholungen gerne auf die bereits vom WORTSPIELER vorgebrachten Argumente.

  5. Kobinho

    Euren Argumenten kann ich folgen und bin selbst gespannt, ob wir einen langfristigen Trend im Nachwuchs sehen werden.
    Ich meine eben nur, dass man Erfolge/Misserfolge schlussendlich zuerst den Menschen in leitenden Positionen zuschreibt, weil sie die richtigen/falschen Leute für die tägliche Arbeit auszusuchen haben und die grundsätzliche Richtung vorgeben.

    Antworten
    1. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      Ja, so ist es häufig. Der Chef heftet sich die Meriten seiner Mitarbeiter ans Revers. Wobei ich nicht sagen will, Peters hätte in seiner Zeit hier nichts geleistet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.