Rückrundenauftakt: HSV – Bayern (Vorschau)

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Am Freitagabend ist es endlich soweit. Der Ball rollt wieder. Rückrundenauftakt und die Welt blickt nach Hamburg, denn der Rekordmeister Bayern München gibt sich die Ehre. Pep Guardiola auf Abschiedstournee im Volkspark.

Selten klaffte die Schere zwischen den Hamburgern und den Münchnern so weit auseinander wie derzeit. Die Münchner kommen als souveräner Tabellenführer mit soliden Finanzen in den Volkspark, wo sie auf einen finanziell wie – verletzungsbedingt – auch sportlich arg gebeutelten Hamburger SV treffen.

Nach dem suboptimalen Trainingslager in der Türkei, wo es der HSV versäumte sich in den Testspielen gegen Ajax, Erfurt und Bern das notwendige Selbstvertrauen und den Feinschliff für die Rückrunde zu erarbeiten, gab es neue Hiobsbotschaften. Auch Kapitän Djourou laboriert an einer Knieverletzung und droht gegen die Bayern auszufallen.

HSV Heim- und Gesamtbilanz gegen Bayern München - ein düsteres Kapitel.

HSV Heim- und Gesamtbilanz gegen Bayern München – ein düsteres Kapitel.

Personell pfeifen die Rothosen auf dem letzten Loch und so wird eigentlich nur noch über die Höhe der Niederlage diskutiert, ob es denn wohl dieses Mal zweistellig werden könnte. An desaströse Klatschen im München (2:9, 0:8, 0:5) hat man sich inzwischen ja schon fast gewöhnt und auch in Heimspielen ist eine 1:4 Niederlage nicht wirklich ungewöhnlich. Bereits in meiner Kindheit Anfang der 70er Jahre – damals spielte der HSV übrigens auch gegen den Abstieg – gab es regelmäßige und deftige Heimspielniederlagen (1970/71 1:5, 1971/72 1:4, 1973/74 0:5) die mir jedes Mal die folgende Woche verhagelt haben.

In den letzten 10 Jahren konnte der HSV die Bilanz in den Heimspielen zumindest ausgeglichen gestalten. Drei Niederlagen stehen drei Siege und ein Unentschieden gegenüber. Der letzte Heimspielsieg gegen die Bayern liegt allerdings auch schon wieder 5 Jahre zurück. Er datiert vom 26. September 2009.

Am siebten Spieltag erzielte Mladen Petric den einzigen und entscheidenden Treffer in der 72. Spielminute und schoss den HSV damit zurück an die Tabellenspitze! Der Elf von damals: F. Rost – J. Boateng, Demel (46. M. Berg), Mathijsen, Rozehnal – Zé Roberto, Aogo, Jarolim, Trochowski (90. Tesche) – Elia, Petric. Trainer Martin Jol war nach dem Sieg förmlich aus dem Häuschen: “Das war das Highlight meiner Hamburger Zeit. Das war ein unglaubliches Spiel. Wir hätten noch fünf bis sechs Tore mehr machen können.” * Trainer damals übrigens: Bruno Labbadia.

Von solchen Zeiten kann man an der Elbe derzeit allerdings nur träumen.

Die letzten Heimspielergebnisse des HSV gegen Bayern München:

0:0 (0:0) [2014/15]
1:4 (0:1) [2013/14]
0:3 (0:1) [2012/13]
1:1 (1:0) [2011/12]
0:0 (0:0) [2010/11]
1:0 (0:0) [2009/10]
1:0 (1:0) [2008/09]
1:1 (0:0) [2007/08]
1:2 (1:1) [2006/07]
2:0 (1:0) [2005/06]

So weiß auch Trainer Bruno Labbadia, dass man schon einen “Sahnetag” erwischen müsse, um den Bayern Paroli bieten zu können, wobei unter Paroli noch längst keine Punkte zu verstehen wären. Man möchte sein Gesicht waren, sich mit einer engagierten Leistung ordentlich aus der Affäre ziehen, gegen jene Bayern, die nach der Testspielniederlage gegen den KSC sicherlich am Freitagabend hellwach antreten dürften.

Die Münchner, die von der Trainingssteuerung her, am Freitag noch nicht ihre Topform erreicht haben werden, attestieren den Hanseaten unisono zwar eine generell verbesserte Form und wissen um die defensive Aggressivität der Rothosen, sind aber zuversichtlich den erwarteten Abwehrriegel knacken zu können. Schließlich hatte Bayerns Pep Guardiola in der Winterpause einige neue Ideen. “Wir haben was Neues trainiert, das stimmt” sagt Robert Lewandowski. “Wir wissen, was wir manchmal probieren können, wenn defensive Gegner kommen. Ich hoffe, wir werden das schon am Freitag sehen.” Sein Kollege Badstuber ergänzt: “Es sind schon wieder neue Ideen dabei. Es gehört immer dazu, dass man sich weiterentwickelt.”

Während die Bayern also voller Zuversicht anreisen, macht Trainer Labbadia eher einen desillusionierten Eindruck. Seine Äußerungen klingen zur Zeit eher nach Durchhalteparolen, wenn er feststellt, dass man im Trainingslager nicht nur nicht weiter gekommen ist, sondern sogar gegenüber der Vorrunde an Boden verloren habe. Er selber erwartet eine sehr, sehr schwere Rückrunde und spricht damit zwischen den Zeilen der Mannschaft auch Qualität ab. Qualität, die man mit Marcelo Diaz, der, nach seinem Wechsel zu Celta Vigo, zum Spiel noch einmal gebührend aus Hamburg verabschiedet werden soll, abgegeben hat.

Wie gesagt, die Personaldecke ist dünn. Spahic fällt mit seiner Bauchmuskelverletzung länger aus, Djourou hat Kniebeschwerden, Lasogga kämpft mit seiner Schulter, Kacar ist nach langer Verletzung noch nicht wieder fit für 90 Minuten, Hunt steht auch noch nicht wieder voll im Saft. Schipplock und Okic sind ohnehin keine rechten Alternativen, die Youngster Porath und Feka haben noch kein Bundesliganiveau ebenso wenig wie der Kapitän der U23 Ahmet Arslan. Da kaprizieren sich die Hoffnungen fast schon auf den ebenfalls bereits aussortierten Artjoms Rudnevs, der sich zwischenzeitlich seine Spielpraxis freiwillig in der Regionalliga holte und dort zumindest mit seinen Toren maßgeblichen Anteil daran hatte, dass die Zwote nicht auf einem Abstiegsplatz überwintern musste.

Wer auch immer am Freitagabend auflaufen wird, es wird darum gehen, nicht unterzugehen. Darum Selbstvertrauen aus dem Spiel gegen einen übermächtigen Gegner zu ziehen um in den darauffolgenden Partien mit breiterer Brust möglichst frühzeitig die notwendigen Punkte zum Klassenerhalt einzuspielen. Das wird schwer genug. Ob es Bruno Labbadia (noch einmal) gelingt, seine “Resttruppe” derartig zu emotionalisieren, wie es Joe Zinnbauer bei seinem Debüt schaffte, um dem Meister einen Punkt abzutrotzen, darf bezweifelt werden. Zu sehr scheint sich der Trainer in diesem Bereich bereits abgenutzt zu haben.


So könnten sie spielen:

Hamburger SV:
Adler – Diekmeier, Djourou, Cléber, Ostrzolek – Jung, Holtby – N. Müller, Hunt, Ilicevic – Lasogga
Bank: Drobny, Carolus, Gregoritsch, Kacar, Sakai, Schipplock, Olic
Trainer: Bruno Labbadia

Bayern München:
Neuer – Lahm, Javi Martinez, J. Boateng, Alaba – Xabi Alonso, Vidal – Robben, T. Müller, Douglas Costa – Lewandowski
Trainer: Pep Guardiola

Schiedsrichter: Felix Zwayer
Mit 100 Bundesligaeinsätzen ist der 34jährige Immobilienkaufmann vom SC Charlottenburg einer der erfahrensten deutschen Schiedsrichter. Am Freitagabend pfeift er zum 13. Mal eine Bundesligapartie des Hamburger SV. Eine Partie gegen den Rekordmeister aus München war bisher noch nicht dabei. In den bisherigen 7 Heimbegegnungen unter seiner Leitung verzeichnete der HSV drei Siege, ein Unentschieden und drei Niederlagen bei 19 gelben und einer gelb-roten Karte (gegen Johan Djourou bei der Niederlage gegen den VfL Wolfsburg im April des Jahres).


* Martin Jol war der Trainer beim vorangegangenen 1:0 Sieg. Ebenfalls 2009 (allerdings im Januar), ebenfalls durch Mladen Petric (44. Minute).

3 Kommentare

  1. Running74

    Hallo HeLuecht,

    schöner Vorbericht, ich freue mich auch darauf, dass der Ball morgen wieder rollt. Aber laut Kicker war der damalige Trainer Bruno Labbadia und nicht Martin Jol:

    Viele Grüße aus Osnabrück
    NdHSV

    Antworten
    1. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      Danke Running74, da hat du natürlich Recht, nicht nur laut Kicker.

      Der Ausspruch von Martin Jol bezog sich auf den 1:0 Sieg aus dem Januar des gleichen Jahres, bei dem Mladen Petric ebenfalls den Siegtreffer schoss.

      Das kommt davon, wenn man mit Versatzstücken arbeitet. Asche auf mein Haupt. Der Text ist entsprechend korrigiert und die Korrektur kenntlich gemacht.

  2. ky

    Schöner Vorbericht, wie immer, HL, bedankt.
    Meine einzige Hoffnung ist, daß die Bayern auch noch nicht eingespielt sind und morgen bei Eisregen und -2 Grad auch nicht so viel Bock haben, Hochgeschwindigkeitsfußball zu zaubern… dann könnte es ein 0:3 geben, sonst deutlich mehr…

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