Sackgasse Sylvesterallee – Endstation HSV! Teil 2

Chronologische Aufarbeitung eines taumelnden Traditionsvereins.

Teil 2:  Nachwuchs im Abseits

 

Then came the last days of may… 

Die Ansprüche und die Erwartungshaltungen waren trotz aller Ernüchterung weiterhin hoch. Mit einem letzten Kraftakt stellte das Erfolgsduo Happel/Netzer einen Kader für die Saison 86/87 zusammen, der sich wieder als konkurrenzfähig erwies und den DFB-Pokalsieg und die Vizemeisterschaft errang. Mit Miroslaw Okonski hatte man sogar kurzfristig wieder einen Spieler in ihren Reihen, der internationales Niveau verkörperte. Ein versöhnlicher Abschied für Ernst Happel. Der amtsmüde Manager Günther Netzer hatte schon vor der Saison seinen Posten für Felix Magath geräumt.


Günter Netzer: Jawohl, ich bin gescheitert. Wie zuvor den Verantwortlichen bei Real Madrid, Inter Mailand, Ajax Amsterdam oder Bayern München ist es auch mir nicht gelungen, die älter gewordenen Stars nahtlos zu ersetzen. Wenn ich das geschafft hätte, wäre es für mich wertvoller gewesen als alle Meisterschaften, die wir gewonnen haben.

Auch wenn Hrubesch als 34jähriger noch einen Vertrag bei Borussia Dortmund bekommen hat: Seine Zeit war vorbei, als wir ihn für 800000 Mark nach Lüttich verkauften. Schatzschneider, im Vergleich mit Hrubesch der bessere Fußballspieler, wurde doch nur zum Problem, weil er sich beim HSV nicht unterordnete. Das gilt auch für Wuttke.

Immer habe ich von den jungen Leuten zu hören bekommen: Was soll ich denn beim HSV? Da spielen der Kaltz und der Magath und der und der, da kriege ich doch nie eine Chance, da gehe ich lieber zu einem weniger renommierten Klub. Das ist der ganz simple Grund dafür, warum kein Verein der Welt die besten Nachwuchsspieler in der Hinterhand hat, wenn die großen Stars abtreten. In diesem Jahr bin ich erstmals offene Türen eingerannt. Die jungen Spieler wissen: Das HSV-Team ist im Umbruch, sie wittern ihre Chance.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13514081.html

 



Trotz vielerlei Erklärungsversuche, bleibt festzuhalten, dass es unter der Amtszeit von Günter Netzer versäumt wurde, eine nachhaltige Nachwuchsarbeit voranzutreiben und zu fördern. Es gab durchaus kritische Stimmen im Verein, die auch eine entsprechende Qualifikation vorzuweisen hatten und auf die Vernachlässigung des eigenen Nachwuchses hinwiesen. Oft hinter vorgehaltener Hand, aber auch ein Meinungs- und Informationsaustausch mit den Verantwortlichen wurde gesucht. Zu einer Zeit, wo der HSV sich anschickte zur nationalen und europäischen Spitzenklasse aufzusteigen, war es natürlich nicht einfach sich Gehör zu verschaffen, ohne in den Verruf zu geraten, als Nestbeschmutzer zu gelten.

 
Anfang der 70er Jahre wurde mit der Fertigstellung des Leistungszentrum auf dem vereinseigenen Gelände in Norderstedt („Ochsenzoll“) die Voraussetzungen geschaffen, einen Sinneswandel herbeizuführen. Der HSV war durchaus gewillt, ein wenig den Geist von Paul Hauenschild wieder in seine neue Ausrichtung miteinzubeziehen.Weniger fertige Spieler zu verpflichten, sondern durch gezielte eigene Nachwuchsförderung, aber auch durch professionelles überregionales Talentespähen („Scouting“) dem Verein wieder eine gehaltvollere Zukunft zu ermöglichen. Als Vorbild galt England, wo die Vereine über ihren Einzugsgebiet hinaus, in ganz Großbritannien nach talentierten Nachwuchsspielern Ausschau hielten.

Um das umsetzen zu können, verpflichteten die Hamburger Gerhard Heid als „Organisator der Jugendarbeit“, der sich im Süd-Westen als Jugendtrainer (TuS Altrip) und durch sein geschultes Auge für Talente einen Namen gemacht hatte. Im Schlepptau brachte er gleich so junge hoffnungsvolle Spieler wie Kargus, Kaltz, Memering oder Hidien mit. Heid verfügte über ein ausgeprägtes Verhandlungsgeschick und hatte einen sehr durchdachten Plan mit dem er junge Nachwuchsleute zum HSV lotste. Zudem hatte der HSV mit einem Mix aus norddeutschen Talenten (Nogly; Ripp) und fertigen Spielern (Björnmose, Volkert, Zaczyk) mit Augenmaß Neuzugänge verpflichtet. Damit stand das Grundgerüst für die kommenden Jahre. Mit Klaus Ochs war ein junger kompetenter Mann als Trainer im Amt, der trotz einiger Widerstände und Abstiegssorgen, mit Fachkenntnis und pädagogischen Fähigkeiten („Soziale Kompetenz“) die Mannschaft formte und gute Vorarbeit leistete, die Kuno Klötzer später fortsetzen konnte…

Durch den plötzlichen Tod von Gerhard Heid im März 1972 verlor der HSV seinen wichtigsten Fixpunkt, des gerade erst neu angeschobenen Konzepts. Als Nachfolger präsentierte man Karl-Heinz Herbert, der zu diesem Zeitpunkt mit den Offenbacher Kickers eine der besten A-Jugend-Mannschaften Deutschlands trainierte. Aber diese Zusammenarbeit war nur von kurzer Dauer.



Febr. 73:

[…] Karl-Heinz („Carlo“) Herbert, seit einem Dreivierteljahr als Jugendmanager in den Diensten des HSV, wird Hamburg am 31. März wieder verlassen. Herbert hat ein Angebot des Deutschen Fußball- Bundes, zunächst im Stab des Weltmeisterschafts-Komitees und später im DFB selbst zu arbeiten.

Herbert: „Es stimmt, ich habe den Vertrag mit dem DFB in der Tasche. Ich weiß nicht, ob bei einem möglichen Trainerwechsel am Ende der Saison die jetzige Jugendarbeit im HSV fortgesetzt wird, oder ob ich eines Tages überflüssig bin. Heißt der Trainer weiterhin Klaus Ochs, dann bestehen keine Zweifel an der Fortsetzung. Aber wer weiß das jetzt? Ein Angebot des DFB erhält man schließlich nicht jeden Tag. Voraussetzung ist jedoch, daß der HSV meinen bis 1974 laufenden Vertrag vorzeitig auflöst. Hätte ich Garantien für eine längere Vertragsdauer, ich würde in Hamburg bleiben.“

Präsident Dr. Horst Barrelet: „Eines ist sicher: Der HSV wird die begonnenen Jugendarbeit in jedem Fall fortsetzen. Da kann kommen, was will. Natürlich können wir nicht jedes Jahr zehn Jugendliche aus dem Westen oder Süden holen, doch der norddeutsche Raum gibt ebenfalls etwas her. Es wäre ein Verlust für uns, wenn Herbert gehen würde.“

http://www.abendblatt.de/archiv/1973/article201350545/Manager-Herbert-verlaesst-den-HSV.html

[…] „Die Jugendarbeit ist gescheitert“, sagen viele Kritiker. Der Weggang talentierter Nachwuchsspieler scheint unabwendbar. Nach der Kündigung von Trainer-Assistent Norbert Lessle (zu Arminia Bielefeld), der für das Training der Jugendlichen zusammen mit Klaus Ochs verantwortlich war, will nun Jugend- Manager Karl-Heinz „Karlo“ Herbert Hamburg verlassen. […] Beim HSV haben diese Jugendlichen dagegen nur eine geringe Chance, einen Vertrag für die Bundesliga (oder auch Regionalliga) zu bekommen. Der Klub möchte sie lieber in der Amateurmannschaft aufbauen. Die Idee ist richtig, nur: die HSV- Amateure stehen in der Amateurliga auf dem drittletzten Tabellenplatz.

http://www.abendblatt.de/archiv/1973/article201353759/Ausverkauf-der-Jungstars-droht.html


Juni 73:

Wer die lange Liste der Spieler betrachtet, die den HSV verlassen, muß sich fragen: sieht so die vor zwei Jahren groß angekurbelte Nachwuchsarbeit des Klubs aus? […] …die großartige Jugendmannschaft, die am Wochenende an den Endspielen um die Deutsche Jugendmeisterschaft teilnimmt, zerfällt ebenso weitgehend. […] Und noch einige andere gehen auf Wanderschaft.

Der HSV aber kontert: haben wir nicht genügend an Jugend in den vergangenen zwei Jahren in die Bundesligamannschaft eingebaut, haben nicht die 19- bzw. 20jährigen, wie Rudi Kargus, Caspar Memering, Manfred Kaltz, Peter Krobbach und Peter Hidien großartig eingeschlagen? […]

Der HSV hat wirklich in zwei Jahren seine Mannschaft radikal verjüngt. Es ist jedoch eine verteufelte Situation, daß es in der Bundesliga, in der Millionen vergeudet werden, keine Reserverunde gibt. Der Deutsche Fußball-Bund müßte hier endlich ein Machtwort sprechen. Vom kleinsten Amateurverein wird eine Reservemannschaft gefordert. Die Profis haben das nicht notwendig. Die jungen Leute aber wollen spielen, nicht auf der Reservebank sitzen. […]

(kicker, Nr.53/28.6.1973)


Es mangelte also an Durchlässigkeit und Spielpraxis, um sich für höhere Aufgaben zu empfehlen. Es konnte der Eindruck entstehen, dass der Verein sich auf die bis dahin geleistete Arbeit von Heid ausruhte und es nicht in seinem Sinne fortsetzte. Zwar gab es hin und wieder vereinzelnde Achtungserfolge im C- und B-Jugendbereich, was aber nicht darüber hinwegtäuschen konnte, dass es tendenziell keine entscheidenden Fortschritte zu erkennen gab. Natürlich waren die Verantwortlichen des HSV bemüht, die Probleme aufzufangen und nach Möglichkeit den Abwärtstrend zu stoppen, aber fortan bestimmte eher Flickschusterei die Jugendarbeit.


Juli 73:

Entscheidende Veränderungen fanden in der Besetzung des Managements statt: Kurt Petersen soll als Bevollmächtigter des Präsidiums die Organisation des Klubs leiten. Dieter Roth, gelernter Kaufmann und zuletzt beim Hamburger Fußball-Verband sowie beim SC Concordia tätig, wird für die Belange der A-Jugend und der Amateurfußballer verantwortlich sein. Als Trainer der A-Jugend wurde Werner Banasch – bisher trainierte er die Regionalligamannschaft von Olympia Wilhelmshaven – engagiert; das Training der Amateure übernimmt Werner Thomsen.

http://www.abendblatt.de/archiv/1973/article201381829/Wir-wollen-mit-Fruehstart-in-die-Saison.html


Bei der Amtsübernahme von Dr. Peter Krohn als Präsident des HSV im Nov. 73, war einer der ersten Sofortmaßnahmen, die deutliche Herabsetzung des Etats der Jugendabteilung auf ein Drittel.


Dez. 73:

„Wenn sie meinen ein Stilwandel sei nicht notwendig, dann dürfen sie mich nicht wählen“

 

Eines ist zunächst sicher: Dr. Krohn hat kein leichtes Amt bei einem Verein von über 4000 Mitgliedern und fast 30 verschiedenen Abteilungen angetreten. […] Was insbesondere drückt, sind jene gut 3 Millionen DM Schulden des Vereins. Natürlich weist der HSV auch riesigen Besitz auf, der alles wettmacht: jene vor den Toren der Hansestadt gelegene Anlage in „Ochsenzoll“ mit einem Gelände von rund 135 000 qm… […] Man kann die Werte nur schätzen: zehn bis zwölf Millionen DM. […] Was dem HSV fehlt, ist Bargeld.

Doch „Ochsenzoll“, wie man diese Anlage meist nur nennt, wird von einem Verein im Verein verwaltet, der selbständig ist: dem „HSV Ochsenzoll“. Ohne die Zustimmung des Vereinsgebildes „Ochsenzoll“ aber kann der HSV seinen eigenen Sportpark weder verkaufen noch als Bürgschaft für Kredite anbieten. Und von beiden Dingen wollen die „Ochsenzoller“ nichts wissen. […]

Kluge Männer haben nämlich, als sie 1928 einen ehemaligen Bauernhof für ungefähr 20 Pfennig je Quadratmeter kauften, aus dem im Laufe der Jahre (vom HSV mit Hilfe des Hamburger Fußball-Verbandes) das einmalige Sportzentrum entstand, diesen Verein ins Leben gerufen, um in Krisenzeiten des HSV gewappnet zu sein. Was dem HSV in der Zukunft finanziell auch drohte, so sagten sie damals, die Anlage Ochsenzoll müsse unantastbar bleiben. […] Inzwischen weiß Dr. Krohn…wie schwer es sein wird, die „heiligen Kühe“ tatsächlich zu schlachten. Denn der „HSV Ochsenzoll“ will vorerst nichts von der Zusammenschließung mit dem Hauptverein wissen.[…]

(kicker, Nr.102/52. Wo.17.12.1973)

 


Mai 74:

Nach wie vor sind die Gegensätze zwischen dem „HSV Rothenbaum“ und dem „HSV Ochsenzoll“ ungeklärt. Jurist Dr. Wolfgang Klein: „Die Konfrontation soll in dieser Frage abgebaut und durch eine mittelfristige Planung ein klares Konzept erarbeitet werden. Es ist wichtig, daß die Anlage in Ochsenzoll bald ohne die Unterstützung seitens des , HSV Rothenbaum‘ auskommen kann. Das würde die Verhandlungen erleichtern.“

Jürgen Werner, früherer Fußball-Nationalspieler des HSV, warnte vor dem Risiko, das der HSV mit der Verpflichtung von teuren Spielern eingeht: „Das Image ist zwar wichtig, aber es sollten Spieler zu vernünftigen Kursen eingekauft werden.“

Uwe Seeler: […] Man kann in einem Jahr nicht das nachholen, was in den letzten zehn Jahren versäumt worden ist. Über die Jugendabteilung muß die Zusammenarbeit mit der Bundesliga beginnen. Es war verkehrt, einen Trainer wie Thomsen gehen zu lassen.“

http://www.abendblatt.de/archiv/1974/article205110481/Kompromiss-mit-den-Amateuren-in-Sicht.html


Da sich die Finanzlage unter Dr. Peter Krohn relativ schnell verbesserte, wurden auch die Zuschüsse für die Jugendabteilung wieder erhöht. Es konnte sich also neu ausgerichtet werden Oberste Priorität hatte die Besetzung eines Chef-Talentförderer/-sucher. Mit dem ehemaligen St.Pauli-Trainer Kurt „Jockel“ Krause konnte der HSV 1976 einen anerkannten Fachmann verpflichten. Er assistierte auch zugleich unter Klötzer, Gutendorf und Özcan. Diese Zusammenarbeit hielt bis 1979. Aber auch ein kurzfristiges Aufflackern auf norddeutscher Ebene im B- und A-Jugendbereich, konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass der HSV den Anschluss im Nachwuchsbereich verloren hatte. Analytischer und treffender wäre wohl zu sagen, dass die Ausbildung, das Vermitteln der fußballerischen Grundlagen und die Betreuung an der Basis bei Kindern und Jugendlichen (F- bis D-Jugend) im Gegensatz zu anderen (Hamburger) Vereinen, nicht den Ansprüchen genügte. Die Aufmerksamkeit beschränkte sich oft darauf, talentierte und ausgebildete Spieler bei den konkurrierenden Vereinen abzuwerben, wo sie z.T. eine bessere fußballerische Ausbildung und pädagogische Betreuung genossen.

Viele Hamburger Vereine wie BU, Bramfeld, Concordia oder St. Pauli, waren bekannt dafür, dass ihre Jugendabteilungen gut strukturiert und organisiert waren und den Kindern und Jugendlichen eine Anlaufstelle boten, wo sie unter Aufsicht von überwiegend ausgebildeten Trainern an den Jugend-Leistungsfußball herangeführt bzw. begleitet wurden. Selbst Jugendleiter des HSV gaben unumwunden zu, dass die Selbstverständlichkeit, wie gute Betreuung und Trainingsangebote, oft nicht zur Zufriedenheit erfüllt werden konnten. Hierbei soll nicht die ehrenamtliche Mitarbeit von Eltern (Väter) geschmälert werden, die mit viel Hingabe sich einbrachten und auf Turnier-Reisen eine hilfreiche Unterstützung waren.

Händeringend wurde nach Trainern und Betreuern für die F bis D-Jugend gesucht. Nicht selten sind „Trainer“ eingestellt worden, die keine notwendige Lizenz/Qualifikation vorweisen konnten, mit der Trainingsgestaltung überfordert waren, einen sonderbaren Eindruck hinterließen oder sich nur beworben hatten, um umsonst ins Stadion zu kommen und ihre eigentlichen Pflichten kaum nachkamen und das Mannschaftstraining vernachlässigten.

Die eklatanten Defizite des HSV im Nachwuchsbereich (E-, D-Jugend) wurden dann häufig sichtbar, wenn es zum Kräftemessen gegen leistungsstarke Mannschaften bei großen Turnieren in Deutschland bzw. Europa kam. Ein einziger Kulturschock war es, wenn man das disziplinierte Auftreten von anderen „großen“ bzw. namhaften Vereinen sah. Ein Mannschaftsstab, meist mit Trainer und Co-Trainer und ein bis zwei Betreuern, gewährleistete ein vernünftiges Auftreten bei einem Turnier. Natürlich ist das zu pauschal und es gab mit Sicherheit auch positive Ausnahmen, aber das Gesamtkonstrukt, die es zur Selbstverständlichkeit machen müsste, war nicht so gegeben, wie es sich für einen selbsternannten leistungsorientierten Großverein gehörte. Dass die ehemals grüßte vereinseigene Sportanlage Ochsenzoll/Paul Hauenschild-Plätze inzwischen renovierungsbedürftig war, passte zum Gesamtbild.


Juni 75:

Der HSV hat das Erbe des früheren Jugend-Managers Gerhard Heid, der viel zu früh verstarb, schlecht verwaltet: Die A-Jugendmannschaft, vor drei Jahren tonangebend, ist nur noch zweite Wahl. Die beiden Niederlagen im Viertelfinale der Deutschen Meisterschaft gegen den SV Chio Waldhof Mannheim machten es deutlich. Dem 1:6 von Mannheim folgte nun ein 1:5 in Ochsenzoll, und die Gäste waren eine Klasse stärker. „Kein Wunder“, klagte HSV- Betreuer Lenz, „die Mannheimer haben ganz andere Möglichkeiten, sie können ihre Jugendarbeit fast profihaft betreiben. Wir sind dagegen auf Selbsthilfe angewiesen. An finanzielle Unterstützung ist bei uns nicht zu denken.“ Trainer Kunze munterte seine Jungen auf, obwohl sie bei dieser Konstellation keine Zukunft für die Bundesliga haben. Ist Nachwuchs momentan nicht gefragt?

http://www.abendblatt.de/archiv/1975/article201456491/HSV-Jugend-ist-nur-noch-zweite-Wahl.html


Mai 76:

Krause erhält ein eigenes Arbeitsgebiet und ist dem Manager unterstellt. Er soll die A-l-Jugend betreuen und fördern. Grundsatz: Mehr Qualität als Quantität. Dr. Krohn: „Herr Krause soll die Jugendarbeit bei Ajax Amsterdam und CF Barcelona studieren. Pro Altersgruppe“ genügen zwei Mannschaften. In Ochsenzoll könnte man dann Fußballplätze in Tennisplätze umwandeln, die renditeträchtiger sind.“


Krause ist dafür zuständig, bei Spielen des „HSV-Extra“ Talente vorzustellen, die dann in einer Mannschaft mit den Spielern stehen, die in der Bundesliga nicht zum Einsatz gekommen sind. Krause soll den norddeutschen und dänischen Raum bereisen, um Talente zu sichten. Krause: „Dieses Konzept sagt mir zu. Ich glaube an eine Einigung, wenn die finanziellen Voraussetzungen stimmen.“ Darüber aber herrscht noch Schweigen.

http://www.abendblatt.de/archiv/1976/article201528363/Krause-soll-Talente-fuer-HSV-suchen.html


Juli 76:

[…] „Einer dieser Trainer, der vom FC St. Pauli geholte „Jockel“ Krause, wird ebenfalls seine spezielle Tätigkeit heute beim HSV beginnen. Er wird von mir drei Aktenordner bekommen. Darin sind über 400 Bewerbungen von Hamburger Jungs, die beim HSV Profi werden wollen. Die soll er sichten und sich dann auf Talentsuche begeben“ deutet Krohn an, daß Krause sich über Arbeitsmangel gewiß nicht beklagen kann.

(kicker, Nr.58/30.Wo. 19.7.1976)


Mai 78:

Ganz auf die Jugend will HSV-Manager Günter Netzer in den nächsten Jahren bauen. Nachdem die Verträge von Volkert (32), Zaczyk (33) und Steffenhagen (29) nicht mehr verlängert wurden, sollen vier Jugendspieler auf lange Sicht die entstandenen Lücken schließen. Bernd Gorski, 18 Jahre alter Jugend-Nationalspieler des FC St. Pauli … Beginski, Hauser und Bliemeister, haben große Aussichten, ebenfalls einen Profivertrag unterschreiben zu können.


Beim HSV wurde in den vergangenen Jahren versäumt, billige Nachwuchsspieler heranzuholen.“, erklärte Netzer mit einem Seitenhieb auf seinen Vorgänger Peter Krohn, „wir sind dafür jetzt so aktiv wie nie zuvor, um Amateure zu beobachten.“

(kicker, Nr.41/20.Wo. 18.5.1978)

 


Jan. 79:

Beim Seminar der DFB-Verbandssportlehrer in Hamburg haben Dietrich Welse (M) und Erich Ribbeck (41), in der vergangenen Saison noch Trainer von Fortana Düsseldorf bzw. 1. FC Kaiserslautern, dem manchmal kleinkarierten Funktionärsdenken den Kampf angesagt Sie haben Alarm geschlagen und bekannten: Der deutsche Fußball-Nacbwuchs und die Amateure sind im internationalen Vergleich nicht mehr als Durchschnitt

Weise: „Es wird immer wieder der große Fehler gemacht, daß Übungsleiter zur Bundesliga schielen, in der man Weltklasse- und Nationalspieler entdecken kann. Davon müssen wir abkommen. Die Methoden der Bundesliga sind nicht auf die Gruppe junger Spieler umzusetzen, die noch viel lernen müssen. Wichtig ist bei den 8- bis 14jährigen eine gute Ausbildung, denn bei 16- bis 17jährigen ist die Schulung in Ballführung und -mitnahme beispielsweise kaum noch möglich. […]

Die Bildung von Jugend-Leistungsklassen haben in den deutschen Landesverbänden Fortschritte erkennen lassen, aber eine gewisse Problematik bleibt Günther Grothkopp, der Hamburger Verbands-Sportlehrer: „Leistungsklassen haben nicht nur Sonnenseiten. Spitzenmannschaften werden zu selten gefördert, und darunter leidet natürlich auch ein Auswahlspieler.“ […]

Weise plädiert auch an die Lizenzspielertrainer, dem Nachwuchs eine Chance zu geben. Ein Beispiel: Torsten Schlumberger, Jugendnationalspieler des HSV. Im DFB-Team hat er den großen Durchbruch noch nicht geschafft „Ihm fehlt noch etwas Durchsetzungsvermögen“, kritisiert Weise, „aber es würde ihm sehr helfen, wenn er in der Lizenzspielermannschaft des HSV in der Schlußphase mal eingesetzt werden würde. Die dort gewonnenen Erfahrungen sind unbezahlbar.“[…]

http://www.abendblatt.de/archiv/1979/article203088147/Wege-zum-Erfolg-Neue-Ideen-und-bessere-Methoden.html


Juni 79:

[…] Die Zukunft erfordert beim HSV auch ein neues Konzept in der Jugendarbeit. Die Nachwuchspflege wurde bislang lieblos am Rande getätigt, der Graben zwischen den Jugendlichen und den Profis war viel zu tief. Der einzige Jugendnationalspieler, den der HSV hervorbrachte (Schlumberger), hat die Koffer schon gepackt. Er versucht sein Glück in Berlin bei Kuno Klötzer, dem früheren HSV-Trainer, der jetzt mit Hertha BSC den Einzug ins deutsche Pokalfinale geschafft hat.[…]

http://www.abendblatt.de/archiv/1979/article203122713/Mit-grossen-Sorgen-in-die-Aera-der-achtziger-Jahre.html

 

Der Kapitän der deutschen Meistermannschaft von 1960, Jochen Meinke, wird Cheftrainer für den HSV-Nachwuchs. […] „Wir müssen mehr System und mehr Durchblick in die Jugendarbeit bringen“, folgt Netzer einer seit längerem erhobenen Forderung von Branko Zebec.

Zebec hält auf längere Sicht qualifizierte Jugendtrainer, Leistungskader und Konzentration von veranlagten Jugendlichen nach strenger Auslese in entsprechenden Jahrgangsmannschaften für unerläßlich. Meinke hat das Trainerhandwerk zwar nicht erlernt, verfügt jedoch über genug Erfahrung und Persönlichkeit, um seine neue hauptamtliche Aufgabe zu erfüllen.

http://www.abendblatt.de/archiv/1979/article203124215/Meinke-Der-Kapitaen-von-1960-trainiert-die-Talente.html

 

Juli 79:

HA: Aber die Entwicklung geht doch dahin: Die einen stecken Hunderttausende von Mark in neue Spieler, um nicht abzusteigen, die anderen Millionen in neue Spieler, um Meister zu werden. Leidet darunter nicht die Nachwuchsarbeit in den Vereinen?

Zebec: „Nachwuchsarbeit hat nichts mit den Preisen im Profifußball zu tun. Und Ihre Frage schlägt eher ins Gegenteil um. Die Vereine werden nämlich immer mehr gezwungen, den eigenen Nachwuchs zu fördern, weil die Preise für fertige Spieler so hoch sind.“ […] Die Nachwuchsarbeit muß in Deutschland vor allem besser organisiert werden. Hier sitzen die Betreuer auf ihren guten Spielern und wollen sie nicht, dem besseren Verein, nicht einmal einer anderen Mannschaft des eigenen Klubs geben. Heute muß man bei 12jährigen schon methodisch arbeiten, damit sie mit 18 fast alles am Ball können. Aber hier gibt es 18jährige Bundesligaspieler, die nicht einmal die technische Grundschule beherrschen.“

http://www.abendblatt.de/archiv/1979/article203132415/Nein-war-Rockefeiler-etwa-jemals-zu-satt.html

 

Dez 79:

Für unverzichtbar hält Klein eine intensive Jugend- und Nachwuchsarbeit. „Die derzeitigen Transfersummen belasten die Liquidität eines Klubs in einer Weise, die einfach dazu zwingt, bun“ desligareife Spieler auch aus den eigenen Reihen zu gewinnen.“ So müßte mit aller Kraft versucht werden, die erste Amateurmannschaft in die Oberliga Nord zu führen, um den Klassenabstand zwischen Bundesllga und Talenten so gering wie möglich zu halten. Auch die Jugendförderung verdiene höchste Aufmerksamkeit. „Die dafür notwendigen Mittel stehen in keinem Verhältnis zu jenen Aufwendungen, die notwendig sind, um den Kader allein aus sogenannten fertigen Topspielern zu ergänzen.“

In engster Zusammenarbeit zwischen Präsidium, Trainer Zebec, Assistent Ristic, Manager Netzer und dem in Ochsenzoll wirkenden Jochen Meinke soll ein entsprechendes Konzept erstellt und realisiert werden.

http://www.abendblatt.de/archiv/1979/article203166763/In-die-80er-Jahre-mit-Augenmass-fuer-Machbares.html


Jan. 80:

kicker: Die Jugendarbeit ist seit langem ein Streitpunkt beim HSV. Haben Sie ein Konzept zur Verbesserung?

Dr. Wolfgang Klein: Der HSV ist bisher katastrophal strukturiert. Mir schwebt vor, eine starke Säule aufzubauen, die von den 8jährigen bis zu den Amateuren führt. Wir bräuchten dafür einen Trainer, der rund um die Uhr dieses Aufgaben koordiniert. […] Ich habe mich mit Zebec länger unterhalten und von ihm auch Hinweise für die Jugendarbeit erhalten. Es ist schade, daß er sich aus Zeitgründen nicht auch noch darum kümmern kann.

(kicker, Nr.6/4.Wo. 21.1.1980)

 

Branko Zebec ist zum Cheftrainer für den gesamten Fußballbereich aufgestiegen. […] Auf jeden Fall soll ein weiterer hauptamtlicher Trainer eingestellt werden, der in Ochsenzoll in Sachen Jugendarbeit tätig ist. Zebec: „Wir suchen einen Fachmann, der schon mit der Jugend gearbeitet hat, der zielstrebig und methodisch in seinem Wirken ist.“ Der HSV hat in Sachen Jugendarbeit große Pläne, „und unser Konzept Ist mit Jochen Meinke und den Trainern abgestimmt“ (Dr. Klein). Von einem „Jugend-Internat“ (Hertha Zehlendorf Berlin als Partner) ist nicht mehr die Rede. „Ich werde mich mit dem Sponsor, der die Förderung in Berlin finanzieren wollte, In Verbindung setzen, ob diese Unterstützung auch für Ochsenzoll möglich ist“, kündigt Günter Netzer an.

Mit ehemaligen Ligaspielern soll in der zweiten Hälfte Februar ein Hearing abgehalten werden, um fachmännischer Beratung sicher zu sein. Schulferien sollen künftig dazu genutzt werden, Talente zu testen. Ein lobenswertes Vorhaben, das nicht neu ist, das vielleicht das schlechte Gewissen über die Sünden der Vergangenheit kaschieren soll. Branko Zebec ist gewillt, in der Nachwuchspflege bei den 14- bis 16jährigen die Welchen zu stellen. Er will aber auch die Qualität des Bundesligakaders halten, wenn nicht sogar steigern:! Wir müssen eine attraktive Mannschaft behalten.“

http://www.abendblatt.de/archiv/1980/article202197555/Der-HSV-holt-bezahlten-Jugendtrainer.html


Juli 80:

Um auf das Thema Beckenbauer zurückzukommen: die Diskussionen sind noch immer nicht abgeebbt. Via Fernsehen meldete sich ein Spieler aus der Meistermannschaft von 1960, Gerd Krug, zu Wort und sprach gar von einer „gigantischen Fehlinvestition“. Krug im Klartext: „Viele Jahre ist die Nachwuchsarbeit bei uns vernachlässigt worden. Es hat den Anschein, wenn man jetzt einen 35jährigen holt, daß sich daran nichts ändern sollte.“

(kicker, Nr.54/28.Wo. 7.7.1980)


Aug. 80:

Jochen Meinkes Aufgabenbereich umfaßt neben dem Amateurbereich in erster Linie den der Jugend, und als zielstrebiger Sachwalter hat er (natürlich) ganz klare Vorstellungen von dieser Funktion: „Ich bin für die der Bundesliga unterstellten Mannschaften zuständig. Neben den Amateuren sind das in erster Linie die beiden A-Jugend-Mannschaften sowie die B-Jugend-Leistungsmannschaft.“

Ziel dieser „konzentrierten Aktion“: innerhalb eines „Vier-Jahres-Planes“ die besten Jugendmannschaften grundsätzlich in Richtung Bundesliga aufzubauen. Meinke: „Ich stelle mir vor, daß der Bereich der Leistungsmannschaften von den Schülern bis hin zur ersten Amateurmannschaft reicht.“ Und im Grunde genommen sieht er sich als „Zuarbeiter von Cheftrainer Branko Zebec, der selbstverständlich eine Auswahl treffen muß“.

(Club-intern, Nr.8, August 1980)


Nov. 80:

[…] Ab 1. Januar kommenden Jahres wird Rainer Ohlhauser beim HSV für das Training der Jugend verantwortlich sein. Der 39jährige einigte sich mit Präsident Dr. Wolfgang Klein und Manager Günter Netzer darüber, daß er zunächst einmal für ein halbes Jahr „zur Probe“ in Ochsenzoll arbeiten wird, damit sich beide Seiten „beschnuppern“ können. Günter Netzer ist davon überzeugt, daß er mit Ohlhauser den richtigen Mann an die Alster geholt hat. […] „Ich bin ganz sicher, daß er die nicht leichte Aufgabe in Ochsenzoll meistern wird.“

(Club-intern, Nr.11, November 1980)


Juli 81:

[…] In einem Gespräch mit Rauball hatte Branko Zebec seine Marschroute festgelegt. „Zebec hat nur davor gewarnt, daß Spieler noch nicht unbedingt bundesligatauglich sein müssen, wenn sie einmal das Jugendnationaltrikot getragen haben und Europameister geworden sind , resümierte Rauball die Gedankengänge des neuen Trainers.

Der Dortmunder Plan: Um den Borussia-Nachwuchs soll sich vordringlich der neuverpflichtete Zebec-Assistent Rainer Ohlhauser kümmern. Der frühere Bayern-Spieler Ohlhauser, zuletzt als Jugend-Trainer beim HSV, wird Sonderprogramme mit dem talentierten Nachwuchs absolvieren. „Dazu gehören neben Keser uach Loose und Zorc*, sagte Rauball.

(kicker, Nr.56/29.Wo. 13.7.1981)


Okt. 81:

„Ich glaube, daß wir mit Özcan Arkoc einen guten Fang gemacht haben.“ Manager Günter Netzer verpflichtete vor einigen Wochen „Ötschi“ als neuen Trainer für den Jugendbereich. Zunächst zwar nur auf Probe, aber wenn alles klappt, dann wird Özcan wohl einen längerfristigen Vertrag unterschreiben.

Unter Kuno Klötzer war Özcan Arkoc Assistent, von Oktober 1977 bis Mitte 1978 fungierte er als Nachfolger des vorzeitig entlassenen Rudi Gutendorf. Bei Wormatia Worms und bei Holstein Kiel fand er sich nicht zurecht – beide Male wurde „Ötschi“ vorzeitig entlassen.

Jetzt wurde Özcan Arkoc Nachfolger von Rainer Ohlhauser, der als Assistent von Branko Zebec nach Dortmund wechselte, in Ochsenzoll. Özcan: „Ich werde mir alle Mühe geben, das in mich gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen.“

(Club-intern, Nr.10, Oktober 1981)

 

Mai 84:

„Die meisten reden dummes Zeug“, sagt Horst Müggenborg, lächelt und meint: „Hier und da mache sogar ich mal einen Flachs.“ Dieser Spaß, den der baumlange stellvertretende Jugendleiter des Hamburger Sportvereins verbreitet, wird indes bei vielen Hamburger Fußballklubs nicht richtig verstanden: Sie werfen ihm und auch anderen Jugendtrainern vornehmlich großer Klubs „unsportliche Methoden“ und „Jagdfieber“ vor: Es wird nämlich Hatz gemacht auf Hamburger Fußballtalente. Und das angeblich schon bei zehn und elfjährigen Bubis. . . […]

[…] Eines Abends bekam ich einen Anruf von Herrn Müggenborg. Er stellte sich als Vertreter vom Hamburger Sportverein vor. Er sagte mir am Telefon, daß Markus beobachtet worden sei und daß er ein fantastischer Torwart ist. Deshalb gehöre er nicht zum TSV Sasel, sondern zum HSV. Und wir brauchten uns nicht zu sorgen, Markus würde dreimal in der Woche zu Hause abgeholt.

[…] „Bei einem der nächsten Heimspiele beobachtete ich Herrn Müggenborg. Dabei bemerkte ich, daß wohl auf seme Veranlassung hin Markus fotografiert wurde. Ich war sehr wütend und ging zu Herrn Müggenborg. Aber der sagte nur: ,Der Markus kommt zu uns. Das schaffen wir schon‘.“

[…] Ich wurde von Herrn Mügfenborg angesprochen. Er lobte die Leistungen von Michael, der im Mittelfeld spielt Herr Müggenborg erzählte mir, daß er schon seit einiger Zeit den Jungen beobachtet hätte und daß Michael ja eigentlich zum HSV gehört. Dort würde der Junge zweimal im Jahr neue Fußballschuhe bekommen, eine komplette Ausrüstung und schlleßllch stünden ja noch Reisen in die US A und zu Inter Mailand auf dem Programm.

Der Jugendleiter des HSV, Jochen Meinke: „Natürllch gibt es Abwerbungsversuche auch schon in der D-Jugend. Die müssen wir einfach machen. Wir haben nicht das Potential, über das andere Vereine verfügen. Es stimmt nicht, was die Eltern gesagt haben. Der Hamburger Sportverein hat keine Kontakte in die Vereinigten Staaten und zu Inter Mailand. Solche Reisen sind auch nicht geplant.“

Horst Müggenborg aber sagt daß seine Tätigkeit als „Talentjäger, die ich ja ehrenamtüch mache“, weder unmorallsch noch unsportllch ist. „Das alles hat seine Richtigkeit Und“, fragt er ernsthaft, „woher nehmen unsere Kritiker eigentüch das Recht, die sportllche Zukunft der Jungen zu verbauen?“

http://www.abendblatt.de/archiv/1984/article203322317/Mit-dem-Taxi-zum-Training.html

 



Nov. 86:

SPIEGEL: Die Profiklubs holen am liebsten fertige Spieler, auch der HSV. Mit Schatzschneider, Wuttke und dem Schotten McGhee gab es gerade in den letzten Jahren spektakuläre Fehleinkäufe. Werfen Sie das dem damaligen Manager Günter Netzer vor?

HAPPEL: Was soll ich dem Netzer das vorwerfen? Ich war doch selbst mitbeteiligt. Qualitativ haben wir gut eingekauft. Nur den Charakter der Spieler hätten wir eher abfragen müssen.

SPIEGEL: Das haben Sie und Netzer im Fall Wuttke oder Schatzschneider vernachlässigt?

HAPPEL: Das haben wir garantiert vernachlässigt. Da können Sie uns angreifen.

SPIEGEL: Diese Saison fährt der HSV auf Sparkurs und liegt trotzdem weit vorne in der Tabelle. Überrascht Sie das bisherige gute Abschneiden?

HAPPEL: Mit so einem Start habe ich nicht gerechnet. Wir haben ja immer noch keine eingespielte Mannschaft.

SPIEGEL: An die Meisterschaft glauben Sie nicht?

HAPPEL: Eine Saison geht 34 Spiele. Ich glaube nicht, daß wir das durchhalten. Dazu sind wir nicht genug Schlitzohren, dazu ist der eine oder andere noch zu naiv. […] Für uns wäre ein Uefa-Cup-Platz wichtig, weil die jungen Spieler nur international was lernen können. […]

Ich habe immer geglaubt, der Fußball ist für mich kein Streß, sondern ein Hobby. Aber die letzten zwei Jahre, als die Erfolge beim HSV ausblieben, ist mir klargeworden, es ist doch ein Streß.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13520101.html

 

Jan. 87:

[…] Ab sofort ist der 37jährige Münchner Dieter Kurz neuer Jugendtrainer beim HSV. Der Vereinsführung war nicht entgangen, daß in der Jugend- und Nachwuchsarbeit Erfolge ausblieben – von Frank Schmöller als Ausnahme einmal abgesehen. „Wir wollen die Arbeit auf diesem Sektor intensivieren“, hatte Manager Felix Magath erst kürzlich angekündigt.

Kurz wird damit dem bisherigen Talentsucher Gerd-Volker Schock an die Seite gestellt. Ein Zeichen dafür, daß die Verantwortlichen der Überzeugung sind, daß Schock mit seinen beiden Aufgaben – Talente zu entdecken und die HSV-Amateur-Mannschaft zu trainieren – überfordert ist. […] Er gilt als fußballbesessen, mit Blick für Talente, und er ist stets im Dienst.

[…] „Ich werde meinen Schwerpunkt in die Koordination legen. Nicht nur Mannschaften trainieren, sondern auch meine Kollegen vom HSV schulen. Und natürlich werde ich mich um die Sichtung kümmern“, sagt Dieter Kurz, der schon vor seinem Dienstantritt gehandelt hat. Es bestehen Kontakte zu Jugend- Nationalspielern und anderen vielversprechenden Talenten. „Erste Gespräche sind bereits geführt. Ob sie zum Abschluß gebracht werden, hängt nicht von mir ab. Das werden Anfang des Jahres wohl Manager Felix Magath und Jochen Meinke entscheiden.

http://www.abendblatt.de/archiv/1987/article203604733/Dieter-Kurz-der-neue-Mann-fuer-die-Talentsuche.html

 

März 87:

Der stellvertretende Vorsitzende des HSV-Fördervereins, Hans H. Nack (41), hauptberuflich Geschäftsführer von NUR HIER, hat im Zusammenhang mit den Spekulationen um die Präsidentschaft beim HSV Kritik an der gegenwärtigen Vereinsführung geübt. „Es wird höchste Zeit, daß ein neuer Präsident kommt“, sagte Nack gestern dem Abendblatt, „der Klub muß wieder volkstümlich geführt werden.“

[…] „Magath hat den Manager-Job wieder volkstümüch gemacht“, sagte Nack. Es müsse ein Präsident gefunden werden, der keine Profilneurose habe und wirtschaftlich unabhängig sei.

Ob Dr. Wolfgang Klein dem HSV noch für eine fünfte Amtsperiode bis 1989 zur Verfügung steht, darüber will der 45jährige Rechtsanwalt erst nach dem Ende der diesjährigen Fußball-Bundesliga-Saison entscheiden. […]

„1983 nach dem Europapokalsieg der Landesmeister in Athen und dem gleichzeitigen Gewinn der Deutschen Meisterschaft wäre sicherlich ein blendender Zeitpunkt zum Ausstieg gewesen“, sagte Klein. „Doch so einfach wollte ich mir die Sache nicht machen. 1985 ging es dagegen dem Verein zu schlecht, als daß ich meine Mitarbeit in dieser Situation hätte aufkündigen können und wollen. Inzwischen haben wir unsere größten Schwierigkeiten gemeistert und stehen sportlich und finanziell wieder hervorragend da. Deshalb kann ich jetzt in Ruhe darüber nachdenken, ob ich nach acht Jahren Amtszeit im November aufhören werde.“

[…] Durch die Verpflichtung des Generalsekretärs Dr. Dirk Albrecht hat der Hamburger Großverein seinen Namen und seine Erfolge in bisher noch nicht gekanntem Maße vermarkten können. Werbe- und Zuschauereinnahmen füllen jetzt den Etat schon fast zu gleichen Teilen und machen den Klub damit weniger krisenanfällig. Mit der Gründung einer Marketing GmbH soll dieser Bereich in Zukunft organisatorisch noch weiter ausgebaut werden.

http://www.abendblatt.de/archiv/1987/article203618219/Wer-steuert-den-HSV.html

 

Apr. 87:

Ich denke schon, die Verjüngung hat sich bezahlt gemacht. Ich habe an den jungen Leuten viel Freude. Sie haben schnell begriffen, worauf es bei uns ankommt. Und es sieht auch ganz danach aus, als sollten wir diesmal einen UEFA- Cup-Platz schaffen. Das wäre schon im Hinbllck auf das Pokalfinale in Berlln sehr wichtig, weil uns dann ein Nervenkrieg erspart bleibt. Hoffentlich gibt es bis dahin kerne ernsthaften Verletzungen. Wenn ich nur von einem UEFA-Cup-Platz spreche, dann ist damit nicht gesagt, daß wir nicht Meister werden können. Wir probieren alles. Aber normalerweise müßten die Bayern am Ende mit fünf bis sechs Punkten führen.

http://www.abendblatt.de/archiv/1987/article203626213/Nur-20-Prozent-Hirn.html

 

Mai 87;

Der Mann, den die Fans aber vor allem sehen wollten, dessen Namen sie immer wieder riefen, saß zu diesem Zeitpunkt bereits im Flugzeug nach Wien. HSV-Trainer Ernst Happel verließ nach sechs Jahren die Stadt, wie er gekommen war: auf leisen Sohlen. Schon bei der Mitternachtsparty im Hotel Interconti hatte der 61jährige den Schlaf auf einem Hotelzimmer dem Trubel im Ballsaal vorgezogen.

http://www.abendblatt.de/archiv/1987/article203622611/Der-Cup-ist-in-Hamburg.html


Ernst Happel:

Geld spielt überhaupt keine Rolle. Davon hab‘ ich genug und außerdem: Mitnehmen ins Grab kann ich es eh‘ nicht. In den Sarg werde ich nur mit einem Hemd bekleidet steigen, damit einige Herren noch meinen nackerten Oarsch zu sehen bekommen. Die Erben werden den Deckel noch ein paarmal lupfen müssen. Ansonsten werden sie enterbt.

Bei mir findet extra vor dem Begräbnis die Testamentseröffnung statt. Das ist in meinem Testament festgehalten. Da werden ganz bestimmte Herren noch einmal Augen machen.

— Prof. Vitzliputzli —


Die Serie Sackgasse Sylvesterallee – Endstation HSV!
Teil 1: Der missglückte Übergang
Teil 2: Nachwuchs im Abseits
Teil 3: Sir Erich und die trügerische Sonnenwende
Teil 4: Der sinkende Stern des Nordens
Teil 5: Adriano aus Pöseldorf
Teil 6: Aktien zeichnen HSV ungelöst
es folgt Teil 7: Ein Visionär tritt ab und bleibt


4 Kommentare

  1. HetschfongHetschfong

    Syphilis äh Sisyphos Arbeit Teil 2 in Reinform. Danke Prof. für die Mühe !

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  2. slobocop plusslobocop plus

    liest sich wie ein krimi. top!

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  3. HeLuechtHeLuecht

    Zebec hält auf längere Sicht qualifizierte Jugendtrainer, Leistungskader und Konzentration von veranlagten Jugendlichen nach strenger Auslese in entsprechenden Jahrgangsmannschaften für unerläßlich.
    “Heute muß man bei 12jährigen schon methodisch arbeiten, damit sie mit 18 fast alles am Ball können. Aber hier gibt es 18jährige Bundesligaspieler, die nicht einmal die technische Grundschule beherrschen.”
    “Wir suchen einen Fachmann, der schon mit der Jugend gearbeitet hat, der zielstrebig und methodisch in seinem Wirken ist.”

    .
    Erstaunlich, der Herr Zebec im Jahr 1979. Heute, knapp 40 Jahre versucht ein Herr Peters Teile dieser Ideen umzusetzen und beim HSV hat man den Eindruck es laufen nicht nur 18jährige sondern weitaus ältere herum, die die Basics (technische Grundschule) nicht beherrschen.
    .
    Scheint so, als sei der Einfluß von Zebec und Ohlhauser beim BVB in Dortmund im Hinblick auf die Nachwuchsarbeit größer, zumindest nachhaltiger gewesen.

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  4. WORTSPIELERWORTSPIELER

    hatte noch nicht die muße, alle zitate zu lesen. dennoch vielen dank für die chronounlogische auflistung der HSV-charismaten.

    bis auf wenige ausnahmen hat der HSV in den letzten 2-3 jahrzehnten NICHT die besten trainer im nachwuchs angestellt, sondern freundschaftsdienste und arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für die „zeit nach der karriere“ entwickelt. mit dem negativen höhepunkt eines cardoso, der nach all den jahren der duetsche sprache nicht mächtig war/ist, um den „fußballlehrer“ zu bestehen respekive die zulassungskriterien zu erfüllen, was dann ja im dritten (?) anlauf via mitleids- und ex-profi-bonus dann doch noch klappte.

    trainer wie bäron, reinhardt, rahn, mahdavikia & co. waren die klassischen nullnummern. dabei verpasste es der HSV über all die jahre, trainer in und um HH zu scouten, die im jugendbereich bei diversen vereinen wirklich gute arbeit leisteten, aber nicht mal im blickfeld waren.

    da der HSV dieses scouting nicht einmal bei spielern betreibt, nämlich den markt vor der eigenen haustür zu sondieren, ist es aber wenig verwudnerlich, dass die trainerfindungen ähnlich uninspiriert und ohne einblick in das unmittelbare umfeld vollzogen wurden.

    dabei ist gerade im bereich zwischen U15-U19 so unfasslich wichtig, dass die trainer wissen, mit den jungs umzugehen und erfahrungen mit spielern in dem alter haben. ein „du bist jetzt trainer in der U17“, weil der feine herr die raute im herzen trägt, ist nicht nur unzeitgemäß, sondern auch ein fatales zeichen an die spieler und deren eltern/berater, die aus dem kopfschütteln gar nicht mehr herauskommen. noch mehr als ein spieler bist du als trainer von deinen erfahrungen abhängig. diese sind durch nichts zu ersetzen. erst recht nicht, weil einer 200 bundesliga-spiele für den verein machte.

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