Sackgasse Sylvesterallee – Endstation HSV! Teil 3

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Chronologische Aufarbeitung eines taumelnden Traditionsvereins.

Teil 3: Sir Erich und die trügerische Sonnenwende

 
Der neue freilich, der knausert und spart,

Mit dem Verzicht auf eine weitere Präsidentschaftskandidatur, kündigte Dr. Wolfgang Klein seinen Rückzug aus der aktiven Vereinsarbeit zum November 87 an. Im Sommer beendete Ernst Happel seine Mission in Hamburg und kehrte in seine Heimat nach Österreich zurück. Seitdem versuchten sich 21 Trainer beim HSV – kurzfristige Interimslösungen. nicht mit eingerechnet (Scheer, Hieronymus, Moniz, 2x Cardoso, Arnesen, Knäbel). Unter Frank Pagelsdorf (2000/01) und Thomas Doll (2006/07) erreichte der HSV zweimal die Gruppenphase der Champions League, Mit Martin Jol (2008/09) und Bruno Labbadia/Ricardo Moniz (2009/10) drang man bis ins Halbfinale der Euroleague vor. Ansonsten war es eher ein durchschnittliches bis schwaches Abschneiden auf internationalem Parkett. In der Bundesliga bewegte man sich immer häufiger mit einem Bein im Abstiegskampf, welcher sich in den letzten Jahren mit den Relegationsspielen noch zuspitzte. Die z.T. peinlichen Auftritte im DFB-Pokal rundeten das negative Bild ab.

 

Im Nachwuchsbereich keimte Ende der 80er wieder so etwas wie Hoffnung auf. Schon in den letzten beiden Happel-Jahren gelang es, talentierte Spieler wie Beiersdorfer, Kastl, Homp, Schmöller oder Dittmer gezielt und zügig an den Profifußball heranzuführen, wo sie sich schnell etablierten. Man war bemüht, zumindest den Anschluss in der Nachwuchsarbeit wieder herzustellen…

 

Juli 87:

[…] In Norderstedt beispielsweise gibt es ein solches Haus für Profi-Lehrlinge. […] Ellen Weinert hütet mit ihrem Mann Günter den HSV-Talentschuppen. „Das Haus besteht schon einige Jahre. Das hat der Günter Netzer noch aufgebaut“, berichtet Jochen Meinke. […] Verwaltung und Organisation auf der Anlage in Norderstedt zählen zu seinem Aufgabenbereich…ein weiterer Sektor: Koordinator der Nachwuchsarbeit.

„Ich kann es nicht mehr hören“ sagt Jochen Meinke. Die Kritik an der HSV-Jugendarbeit bringt ihn auf die Palme. „Unsere Jugendarbeit war stets besser als ihr Ruf.“

Bei seiner Verteidigungsrede führt er das bekannte Argument an: Auf dem Höhepunkt der Happel-Ära, als der HSV eine große Mannschaft besessen habe, sei es für den Nachwuchs sehr schwer, die Positionen im Team seien blockiert gewesen. Auf Jahre hinaus. Kein Platz oder keine Perspektive für die heranwachsenden Talente.

Inzwischen haben sich die Verhältnisse geändert – und die Konzepte beim hanseatischen Traditionsklub auch. Jugend an die Front – so lautet seit Jahren die Devise. Verstärkte Anstrengungen werden aul dem Sektor der Talentsichtung unternommen. An Personen läßt sich dies festmachen: Gerd-Volker Schock. Ex-Profi und diplomierter Fußballehrer. Vom Ex-Manager Günter Netzer engagiert. arbeitete in den letzten beiden Jahren als Talentspäher. Dieter Kurz. Trainer mit der gewissen Spürnase. amtiert seit Januar als Nachwuchskoordinator neben dem altgedienten Jochen Meinke.

Dieter Kurz – ein Name. mit dem ein langfristiges Programm verknüpft ist. Ein Programm. das Felix Magath so umreißt: „Wir wollen zweigleisig fahren. Gestandene fertige Spieler holen. aber auch Talente schulen und an den Profifußball heranführen.“ […] Die Nachwuchsarbeit wird beim HSV systematisch und professionell ausgebaut. […] „Mehr als eine Million Mark geben wir für den Nachwuchsbereich aus“, erläutert Schatzmeister Horst Becker. Ein großer Posten im insgesamt sich auf 9.7 Millionen Mark belaufenden Haushalt.

Wir wollen nicht auf Teufel komm raus Spieler holen. sondern gezielt Talente sichten und fördern”. beschreibt Dieter Kurz das Programm, Vordringliches Ziel dabei: Die Jugendstars aus Hamburg und Umgehung sollen beim HSV gehalten werden. Die Todsünde. Die sich in den Fällen der Nationalspieler Andreas Brehme und Norbert Meier ereignet hat. soll sich nicht wiederholen.

Bilanz der Arbeit des Dieter Kurz. Resultat aufwendiger Anstrengungen. mühevoller Aktivitäten im verborgenen Seit Mitte März habe er 20 000 Auto-Kilometer zurückgelegt, erzählt Kurz. Unzählige Spiele hat er beobachtet Hunderte von Spielern mit seinem Kennerblick beäugt

(kicker, Nr.58/29.Wo.13.7.1987)


Heute beginnen meine letzten hundert Tage als Präsident des HSV. Das ist meine freiwillige und notwendige Entscheidung, was nach acht schönen Jahren in erster Linie persönliche Gründe hat. […] Es ist auch für den HSV gut, daß nun ein Wechsel vollzogen wird.” […] Einstimmig wird das HSV-Präsidium den langjährigen Vizepräsidenten Ernst Naumann (von 1970 bis 1972 und von 1980 bis 1984) als Kandidaten vorschlagen. “Ich wurde erst vor zwei Stunden mit diesem Problem konfrontiert. Vor unserem Zusammentreffen hatte ich mich mit diesem Gedanken nicht so richtig anfreunden können, obwohl ich mich seit Jahren dazugehörig fühle. Ich bin mir nicht so sicher, ob es gut ist, wenn wir Oldtimer so etwas machen”, sagte der 65jährige Naumann, […]

Dr. Wolfgang Klein sieht den Zeitpunkt seines Rückzugs als geeignet und logisch an. “Entscheidend ist, daß es unserem Verein in meiner Amtsperiode gelungen ist, sich den Notwendigkeiten des Profi-Fußballs anzupassen. Wir haben eine HSV-Marketing GmbH und einen ,Klub der Hundert’ ins Leben gerufen, wir sind in wichtigen Funktionen beim DFB Mitarbeiter, ob im Ligaausschuß oder in der Fernseh-Kommission, wir haben nach dem FC Bayern München den besten Ruf in Deutschland. Meine persönliche Bilanz kann sich sehen lassen: zweimal Deutscher Meister, einmal Europa- und einmal DFB- Pokalsieger.”

Rückblickend bekannte sich der HSV-Präsident (“Ich bin selbst ein schwieriger und manchmal auch überaus empfindsamer Mensch”) zu den kontroversen Diskussionen innerhalb des HSV: “Auch Branko Zebec, Aleksandar Risti6, Günter Netzer, Ernst Happel und Felix Magath sind schwierige Menschen – vielleicht haben wir deshalb gemeinsam soviel Erfolg gehabt.”[…]

http://www.abendblatt.de/archiv/1987/article203656667/Die-letzten-100-Tage.html

 

Die Amtszeit von Josip Skoblar stand von Beginn an unter keinem guten Stern. Als direkter Nachfolger von Ernst Happel hatte er es schon schwer genug, den Erwartungen gerecht zu werden. Manager Magath favorisierte eigentlich andere Kandidaten. Doch weder Sven-Göran Eriksson (Die Verhandlungen waren schon sehr weit fortgeschritten und es lag sogar ein unterschriftsreifer Vertrag vor.), noch Johan Cruyff, oder Willi Reimann (lehnte das Präsidium ab), wollten/konnten den Cheftrainer-Posten antreten. Dass die Verpflichtung Skoblars, entgegen der Absprache aller Beteiligten, schon frühzeitig im März 87 in der BILD verkündet wurde, stieß Magath sauer auf und verdächtigte Dr. Klein diese Interna gegenüber dem Boulevard ausgeplaudert zu haben, zu denen er stets einen guten Kontakt pflegte.

Auf Funktionärsebene herrschten bereits seit längerem atmosphärische Störungen. Magath und General-Sekretär Albrecht hatten von Beginn an ein distanziertes Verhältnis zueinander und der Präsident griff immer wieder in die Kompetenzen des Managers ein, was nicht gerade zu einer wesentlichen Verbesserung, des eh schon unterkühlten Betriebsklimas, beitrug. Ohne Abstimmung mit Magath genehmigte Dr. Klein Manfred Kaltz einen verlängerten Urlaub, verhandelte eigenmächtig mit Spielern wie z.B. Beiersdorfer (50% Gehaltserhöhung), verhinderte Reimann als Trainer und kritisierte das Konzept Magaths. Zwar herrschte ein zwischenzeitlicher Waffenstillstand, aber die Spannungen und unterschiedlichen Auffassungen zwischen Magath und dem Präsidium setzte sich auch unter der Regentschaft Ernst Naumanns fort.


So kam es, wie es kommen musste: Nach nur zwei Jahren wurde Felix Magath beurlaubt. Mit „Sir“ Erich Ribbeck stand der neue Mann aber schon in den Startlöchern, bevor der alte seinen Stuhl geräumt hatte.

 

Okt. 87:

[…] Unter Nachfolger Josip Skoblar kassierte der HSV ausgerechnet im Jahr seines hundertjährigen Bestehens blamable Niederlagen wie seit langem nicht mehr. Der Jugoslawe, lediglich auf Empfehlung des ehemaligen HSV-Trainers Branco Zebec verpflichtet, hatte schon vor Saisonbeginn jegliche Autorität verspielt.[…] Sein Training, erkannte der erfahrene Manfred Kaltz früh, sei “um vier Klassen schlechter” als das von Happel. Zum offenen Eklat kam es in der Halbzeit des Spiels gegen den FC Santos in Marseille, als sich die Spieler weigerten, nach Skoblars Anweisungen zu spielen. “Wenn wir so weitermachen”, so Kapitän von Heesen zum Trainer, “können wir den Laden gleich dichtmachen.”

Die Boykotthaltung ist geblieben. Der Trainer experimentiere, so ein HSV-Profi, gespielt aber werde, “was von Heesen sagt”. Daß Skoblar für den nach einer Tätlichkeit gegen den Münchner Stürmer Jürgen Wegmann vom Verein suspendierten Torwart Uli Stein seinen jugoslawischen Landsmann Mladen Pralija holte, kommentieren die Spieler in der Fußballersprache: Da habe “eine Gurke noch ‘ne Gurke” eingekauft.

 http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13524980.html


Nov. 87:

Gestern Abend hat die HSV-Mitgliederversammlung den 66 Jahre alten Verleger Ernst Naumann zum neuen Präsidenten gewählt.

Ernst Naumann: […] Es ist kerne Frage: Der HSV hatte unter Dr. Wolfgang Klein eine große Zeit. […] Heute sieht es nicht so gut aus. Es gibt auch Sachprobleme, auf die ich noch nicht eingehen kann, weil mir dazu . verständlicherweise der Überblick fehlt. […] Deshalb ist es wichtig, daß es innerhalb des Vereins zukünftig kein Hick-Hack mehr gibt und es nicht nach Sympathie und Antipathie geht. Es müssen alle zum Wohle des HSV arbeiten. Es darf beim HSV keine Privatfehde geben, […]

[…] Unser Trainer Josip Skoblar ist ein netter Mensch. Ich wünsche mir, daß wir Anfang Dezember einmal über die Möglichkeiten sprechen, die die Mannschaft nach seiner Meinung hat, um den Auftrag zu erfüllen. Mit dem HSV einen UEFA-Cup-Platz zu erreichen. Und wenn er sich das zutraut, dann soll er die Arbeit machen. […] Eine Teilnahme am UEFA-Pokal ist Pflicht, wenn wir im Blickpunkt bleiben wollen. […] Der HSV hat eine große Zeit hinter sich. Mein Engagement zielt darauf hin, daß unser Verein, nicht nur wegen seiner hundertjährigen Tradition, eine ebenso erfolgreiche Zeit noch vor sich hat. Der Name HSV verpflichtet.

http://www.abendblatt.de/archiv/1987/article203685529/Es-darf-beim-HSV-keine-Privatfehde-geben.html


Trainingsgelände Ochsenzoll am Dienstag um 10:06 Uhr. Josip Skoblars Abschiedsvorstellung beim HSV beginnt. […] Am Sonntag zurückgetreten, nun noch auf dem Trainingsplatz – eigentlich eine unerträgliche Situation! „Nein“, so Skoblar, „ich tue es für den HSV.“ Es sei sein Wunsch gewesen, in Hamburg auszusteigen, bestätigt er: „Ich habe auch den Spielern schon vor längerer Zeit angekündigt, daß ich mit dem Gedanken spiele, den Vertrag aufzulösen.

Motive? Keine Antwort. Welche Fehler er sich vorwerfe? Die Übungswiese ist erreicht. „Jetzt ist Training“, will Skoblar ausweichen. Beim Weggehen sagt er bestimmt: „Nein, keine Fehler.“ […]

(kicker: Nr. 93/46.Wo. 12.11.1987)


Fahnenflucht“ mit Ansage: „Joschi“ Skoblar hatte seine Demission gleich mehrfach angekündigt. […] Erstmals schüttete Skoblar sein Herz vor versammelter Mannschaft schon wenige Wochen nach seinem Amtsantritt aus. Nach der blamablen 0:4-Heimniederlage gegen Karlsruhe, dem Waterloo Ende August, preschte Skoblar vor. Monolog in der Spielersitzung: „Ich lasse mir von euch nicht meinen Namen kaputtmachen, Eher gebe ich meinen Vertrag zurück.“

(kicker, Nr.96/48.Wo. 23.11.1987)


»Felix Magath wollte mich vom ersten Tag an demotivieren und provozieren. Als wir gegen Gladbach acht Stück gekriegt haben, hat Magath nur gelacht. Oft genug hat er mir gesagt: ‘Joschi, du packst das nicht.’«

https://www.11freunde.de/artikel/die-fuenf-kuriosesten-trainerentlassungen-beim-hsv

 

Febr. 88:

Felix Magath: Es ist richtig, daß nicht alles so gelaufen ist, wie ich mir das vorgestellt hatte. Von einer zweijährigen Einarbeitungsphase konnte überhaupt keine Rede sein. Im letzten Jahr Günter Netzers war es mir nicht mögüch, Kontakte zu knüpfen oder Einfluß auf Spieler-Transfers zu nehmen. […] Willi Reimann ist mein Wunschtrainer, der beste, den wir in der Bundesliga haben, und mit Ernst Naumann, Horst Becker und Helmut Kalimann ist die Zusammenarbeit sehr konkret und ermutigend. […] Seine Verpflichtung war ein Fehler. “Joschi” Skoblar ist nicht zuletzt daran gescheitert, daß er es sich zu leicht gemacht hat. […] Unser Ziel ist es, daß die Amateurmannschaft in die Oberliga aufsteigt, weshalb sich auch Gerd-Volker Schock wieder um die Elf kümmert, und die A-Jugendmannschaft dort weiterhin eine dominierende Rolle einnimmt, damit sich junge Spieler für die Bundesliga profilieren.[…]

http://www.abendblatt.de/archiv/1988/article203722687/Wir-muessen-uns-entschlossener-und-effektiver-praesentieren.html

 

Mai 88:

Naumann schloß allerdings nicht aus, daß es für einen Manager bisweilen Anlaß zu kurzfristigen Verärgerungen geben könne. Als “Beispiel” erwähnte er einen Vorfall von Donnerstag: “Auf einen konkreten Spielerwunsch unseres Managers mußte ich mit Ablehnung reagieren. Nein, das geht nicht, habe ich gesagt. Dazu fehlt uns einfach das nötige Kleingeld.”

HSV-Insider munkeln seit längerem, innerhalb des Vereins gäbe es eine Oppositionsfraktion, die die Entlassung von Reimann und Magath fordere. Wortführer dieses internen Gesprächszirkels sei der ehemalige HSV-Präsident und Naumann- Vorgänger Dr. Wolfgang Klein. Der jetzige Amtsinhaber dagegen ist ein väterlicher Förderer Magaths, was sich auch durch die Geschäftspartnerschaft des Norderstedter Rena-Zentrums dokumentiert.

http://www.abendblatt.de/archiv/1988/article203745655/Felix-Magath-muss-er-gehen.html

 

Auf die Gründe von Ribbecks geplanter Verpflichtung woüte Naumann nicht eingehen: “Ich fühle mich Felix Magath freundschaftlich verbunden.” […] Magath soll nach dem Willen des HSV-Präsidiums seine Geschäfte bis auf weiteres, so Naumann, “vollverantwortchlich weiterführen. Es sind jetzt noch wichtige Dinge zu tun, und die soll er erledigen. Er hat unser aller Vertrauen”.

Während der sichtlich enttäuschte Felix Magath klarstellt, “ich habe im Moment einen Vertrag mit dem HSV, und ich werde alles tun, was mein Job verlangt”, sucht Naumann einen Weg, wie der ehemalige Nationalspieler bei seinem Abgang das Gesicht wahren kann. “Felix hat sich um den HSV verdient gemacht”, sagt der Präsident, “deshalb habe ich angeboten, daß ich für jede Lösung offen bin.”

Den Plan, ihm einen Technischen Direktor Ribbeck zur Seite zu stellen, scheiterte nach Informationen des Hamburger Abendblattes jedoch an Magaths Widerstand. Diese Art der Degradierung sei mit ihm nicht zu machen, soll der Amtsinhaber gesagt haben. Eine Abfindung würde dagegen den finanziell ohnehin angeschlagenen Verein teuer zu stehen kommen. Schließlich hat Magath noch einen bis zum 30. Juni 1991 datierten Vertrag, aus dem ihm bei einem Monatsgehalt von 15 000 Mark noch 555 000 Mark zustehen.

http://www.abendblatt.de/archiv/1988/article203746219/Jetzt-kommt-die-Ribbeck-Aera.html

 

[…] “Der HSV ist ein bestens geführter, renommierter Verein. Wenn man die Chance bekommt, hier zu arbeiten, sollte man auch zugreifen”, […] “Ich wollte niemanden verdrängen, aber nur wurde versichert, daß Felix Magath m der nächsten Saison hier kein Manager mehr sein würde.” […] An Magaths Arbeit übte Ribbeck dennoch erste Kritik. “Wenn es stimmt, daß der HSV 1,2 Millionen Mark für Moser an Kaiserslautern zahlt, halte ich diese Summe für zu hoch.”

http://www.abendblatt.de/archiv/1988/article203746461/Auf-ein-Neues.html

 

„Ich gehe nicht gern, zumal ich mit Willi Reimann erfolgreich den erforderlichen Schnitt eingeleitet habe“, kommentiert Magath. „Mit dieser Entscheidung muß Naumann leben.“ […] Über die Art, wie seine Kündigung vollzogen wurde, sei er tief enttäuscht […]


Magath – das Opfer einer Intrige? Empört fährt Präsident Naumann aus der Haut. Doch die Stimmen, die diesen Hintergrund der Magath-Affäre sehen, vermag auch er nicht damit zum Verstummen zu bringen. Ein japanischer Elektronik-Konzern der Hauptsponsor des HSV, so vermuten Insider, soll massiven Druck ausgeübt und Magaths Entlassung betrieben haben. Drahtzieher der Aktion: Dirk Helbig, PR-Chef des Unternehmens, und Dr. Dirk Albrecht, Generalsekretär des Bundesligisten.

(kicker, Nr.42/21. Wo. 24.5.1988)

 

HSV- Manager Felix Magath ist erstmals nach der Präsidiums-Entscheidung, Erich Ribbeck su seinem Nachfolger zu bestimmen, in die Gegenoffensive übergegangen. “Ich kann nicht behaupten, daß in meinen beiden Manager-Jahren in der Führung zusammengearbeitet wurde”, sagte Magath. “Der HSV wußte doch genau, wen er für fünf Jahre verpflichtete. Mit Sicherheit gab es eine Allianz gegen mich. Ich war bei meinem Amtsantritt so naiv zu glauben, daß in diesem Verein alle das gleiche Ziel haben.”

http://www.abendblatt.de/archiv/1988/article203746789/Magath-kritisiert-Praesidium.html

 

Juni 88:

[…] “Auch wenn es im Augenblick vielleicht nicht so aussieht”, gesteht Sportchef Erich Ribbeck, „wir haben ein Konzept. Das Problem ist nur, daß ich zwei Monate zu spät gekommen bin, um die nächste Saison nach meinen Vorstellungen zu gestalten. Nach dem Ende dieser Übergangsphase wird jeder eine klare Linie beim HSV erkennen.”

http://www.abendblatt.de/archiv/1988/article203731599/Ribbecks-Konzept.html

 

Juli 88:

Ernst Naumann: […] Acht Monate haben wir uns geplagt. Es war keine leichte Zeit. Ich hoffe, dass wir die Dinge einigermaßen im Griff haben. Der tiefgreifende Wechsel im Management hat zu einer Änderung der mittelfristigen Politik geführt. Magath hatte die Idee, routinierte Spieler als Korsettstangen zu verpflichten. Wir haben umgedacht und streben nun einen konsequenten Schnitt, die radikale Verjüngung an. […]

Der Neuaufbau ist über zwei bis drei Jahre angelegt. Dann soll der HSV wieder eine Spitzenrolle im deutschen Fußball spielen. […} Die finanzielle Situation ist angespannt. Doch es macht einen Unterschied, ob man rechnen muß oder ob man in Konkurs geht. Der HSV hat ein riesiges Substanzvermögen, Dennoch hat er in den vergangenen Jahren über seine Verhältnisse gelebt. Überdies hat er sich den Luxus erlaubt, Fehler im Personalbereich wie die Verpflichtung des nicht geeigneten Trainers Skoblar zu machen.

[…] Wir mußten einen Liquiditätsnachweis in Höhe von 400 000 DM erbringen. Zunächst war irrtümlicherweise von 1,7 Millionen Mark die Rede.

[…] Die Trennung von Magath war meine schwerste, aber auch konsequenteste Entscheidung.

(kicker Nr. 57/28. Wo. 14.7.1988)

 

[…] Setzten frühere HSV-Präsidien ihre Personalvorstellungen problemlos durch, scheint sich diesmal ernsthafter Widerstand zu regen. Die da oben machen nicht mehr, was wir da unten wollen. Das müsse sich im Interesse des Vereins ändern, sagen die inzwischen zahlreichen Kritiker des Präsidiums. Naumann und Becker würden sich nur noch um das kostspielige Wohlergehen der Fußball- Profis kümmern, hätten aber den Gesamtverein längst aus ihrem Blickfeld verloren.

Becker und Naumann hatten beschlossen, die künftige HSV-Führung zu verjüngen. Ihr Plan: Für den 68 Jahre alten Vizepräsidenten Kallmann soll der 20 Jahre jüngere Becker nachrücken, dessen Job als Schatzmeister Ernst-Otto Rieckhoff (38) übernehmen. Rieckhoff, ehemaliger Handball-Bundesligaspieler des HSV, kümmerte bis jetzt um die Finanzen der Amateur-Abteilungen und speziell um das Budget der Volleyballer.

“Ich bin bereit, Naumanns Stellvertreter zu werden”, sagt Horst Becker. […]

Die Opposition in den Amateur-Abteilungen gegen die Politik des jetzigen Präsidiums hatte sich Anfang des Jahres erstmals formiert, als Naumann seinen Sparkurs offenlegte. Die erheblichen Etatkürzungen zogen sich durch alle Abteilungen. Besonders stark traf es Volleyball- (Deutscher Meister) und Schachspieler (Deutscher Vizemeister).

Der HSV ist fast pleite, wir können uns nicht erlauben, in den Amateur-Abteilungen mehr auszugeben als einzunehmen, begründete Naumann damals radikale Etat-Streichungen und kritisierte damit indirekt die risikobereite Ausgabenpolitik seines Vorgängers Dr. Klein.

http://www.abendblatt.de/archiv/1988/article203804685/Der-Machtkampf-beim-HSV.html


Aug. 88:

Felix Magath:Labbadia ist eines der größten Torjäger-Talente der Bundesliga, der schon bald Millionen wert sein könnte. Dennoch genießt er offenbar nicht das Vertrauen von Reimann, der ihm sogar die eindeutig schwächeren Neuzugänge Bierhoff und Merkle vorzog oder ihn falsch einsetzte. Der Bruno kam mit viel Selbstvertrauen nach Hamburg. Davon ist nicht mehr viel geblieben.” Vielleicht, so Feüx Magath, suche Reimann “Stürmer mit Fähigkeiten, die ihm früher selbst zum großen Durchbruch fehlten, robuste Brecher ä la Hrubesch, ohne besonderes technisches Repertoire und ohne Individualität”. Wenn dem so sei, solle er Labbadia lieber ziehen lassen.

[…] Magath selbst hatte jedenfalls andere Vorstellungen von der Weiterentwicklung der Mannschaft: “Wir hatten ein Konzept mit Kastl und wollten dazu Michael Rummenigge verpflichten.” Den Einwand, der HSV habe Kastl wegen finanzieller Nöte für 2,2 Milüonen Mark an Bayer Leverkusen verkaufen müssen, läßt Magath nicht gelten: “Ich höre immer, der HSV hätte genug Geld . . .” Die eigene Zukunft des ehemaligen HSV-Managers könnte … auf der Trainerbank sein. “Ich werde demnächst den Trainerschein machen. Dann sehen wir mal weiter”, […]

“Die Ferndiagnose steht Felix Magath frei. Ich will darauf aber nicht reagieren, denn ich sehe andere Dinge, die wichtiger sind, weil sie vor meinem Dienstantritt beim HSV nicht erledigt worden sind.” Erich Ribbeck, Sportchef des HSV

http://www.abendblatt.de/archiv/1988/article203768431/Felix-Magath-rechnet-ab-Er-wirft-Erich-Ribbeck-und-Willi.html


[…] „Ribbeck“, so sagt Naumann, „ist ein Topmann in der Branche, der einen guten Ruf und großes Vertrauen genießt.“ Das also ist seine allererste Aufgabe – mit den ureigenen Worten seines Präsidenten: Nach einem Katastrophenjahr, wie es beispiellos in die HSV-Vereinsgeschichte eingeht, fungiert Erich Ribbeck, als Fixpunkt, als Garant dafür, daß es wieder aufwärts geht.

„Ich bitte um Vertrauen“, appellierte Ribbeck an alle. […] Auch wenn es im Moment nicht so aussehe, als ob viele Entscheidungen sinnvoll und geplant seien, sagte Ribbeck weiter, „Wir haben uns dabei etwas gedacht.“ […] In Hamburg kein leichtes Unterfangen. Doch ihm, dem Unbescholtenen und Unbefleckten, dem Charakterdarsteller auf der Fußballbühne, wird es gewährt. Hoch angerechnet haben sie ihm, daß er seinen Job schon eher angetreten hat. […] „Ich wollte anfangen zu arbeiten. Ich wollte die Planung für die neue Saison noch mit beeinflussen und korrigieren…“ […]

[…] Natürlich hat das, was vor seiner Zeit gelaufen ist, Einfluß auf seine Tätigkeit. Für Ribbeck bedeutet das Erbe mitunter eine schwere Last: „Ich muß für etwas einstehen, was ich nicht zu verantworten habe.“ Dies ist häufiger vorgekommen. Einfacher Grund: Der HSV ist abermals im Umbruch. Diesmal die totale Umwandlung, ein vollständiges Revirement. […] „Wir sind bemüht, nicht nur von heute auf morgen zu denken, sondern langfristiger zu planen – mit Spielern, die eine Perspektive haben.“

[…] „Probleme sind dazu da, daß man sie löst“, lautet ein Motto des Erich Ribbeck. […] Spieler, die gegen Trainer Willi Reimann aufbegehrt hatten, sollten gehen. Andere sollten aus verschiedenen Gründen – sportliche Argumente und Ausländerfrage – verkauft werden. Das Problem dabei: Just mit jenen Spielern hatte der Klub noch in der Magath-Ära und mit ausdrücklichen Placet des Trainers Reimann die Verträge verlängert.

Schließlich stimmte der neue Sportchef auch dem lukrativen Transfer zu, „den wir aus finanziellen Gründen tätigen mußten“. Kastl, Aushängeschild und Exponent der jungen HSV-Generation, vor zwei Jahren für gerade 40 000 DM aus dem Frankenland an die Nordseeküste gekommen, wechselt für stolze 2,375 Millionen Mark an den Rhein. […] Sein Ausstieg als Coach begründete er neben seinen gesundheitlichen Problemen mit diesem Argument: Die Entwicklung der letzten 20 Jahre habe gezeigt, daß der Einfluß der Trainer immer geringer, der der Manager immer größer geworden sei. […] Nun ist Erich Ribbeck, der Mahner, der auf Trainer-Tagungen seine Kollegen vor der schädlichen Entwicklung gewarnt hat, selbst in der machtvollen Position. […]

(kicker, Nr.66/33.Wo. 15.8.1988)


Nov. 88:

Beim Hamburger Sport- Verein sind die roten Zahlen in Rekordhöhen gestiegen. Die Bilanz des Fußball-Bundesligaklubs legt das Ausmaß des wirtschaftlichen Debakels der vergangenen Saison offen. Das Geschäftsjahr 1987/88 endete mit einem Verlust von 1,598 Millionen Mark. Gleichzeitig weist die per 30. Juni 1988 erstellte Bilanz einen Anstieg der langfristigen Fremdmittel (7,623) und sonstigen Verbindlichkeiten (5,405) um 4,1 Millionen Mark auf 13,028 Millionen Mark auf, die aber weitgehend durch Grund- und Anlagevermögen abgesichert sind.

HSV-Präsident Ernst Naumann beschönigte kurz vor der Jahreshauptversammlung (21. November) nichts: “Dieser Geschäftsabschluß ist in jeder Weise unbefriedigend.” […] Noch vor einem Jahr hatte der HSV eine Bilanz mit 100 000 Mark Gewinn ausgewiesen.

Die hohen Verluste aus dem Spielbetrieb wurden mit Spielerverkäufen zum erheblichen Teil noch aufgefangen.[…]

In der vergangenen Saison hatten die Hanseaten sportliche und personelle Fehlschläge (Trainer Josip Skoblar, die Torhüter Mladen Pralija und Uli Stein), die Trennung von Manager Felix Magath (Abfindung über eine halbe Million Mark)[…] verkraften müssen.

Nach unbestätigten Informationen soll der Hauptsponsor Sharp Vorschüsse auf seine jährlichen Zuwendungen in Höhe von rund zwei Millionen Mark gewährt haben.

[…] Die Wiederholung eines ähnlich schlechten Jahres”, sagt Schatzmeister Horst Becker, “würde den HSV in seinen Grundmauern erschüttern.” […]

Die aktuelle Situation beurteilt die HSV-Führung durch die sportlich positive Entwicklung wieder optimistischer. “Der HSV ist wieder auf dem Weg an die Spitze”, sagte Naumann. Unbedingt erforderlich sei jedoch die Qualifikation für einen Europacup- Wettbewerb, um zusätzliche Einnahmequellen zu erschließen. Nach den Einsparungsmaßnahmen in den Sparten Volleyball und Schach muß auch die Nachwuchsarbeit im Fußball-Bereich, bislang jährlich mit einer Million Mark unterstützt, künftig mit weniger zufrieden sein.

http://www.abendblatt.de/archiv/1988/article203801365/1-6-Millionen-Mark-Verlust.html

 

Seit 19 Jahren ist Günter Meier (50) Betriebsleiter des HSV-Leistungszentrums Ochsenzoll, am 1. Juni war er genau 20 Jahre Jugendtrainer beim HSV. Gestern wurde der Trainer Meier von HSV-Sportchef Erich Ribbeck beurlaubt. […] Begründet wurde die Beurlaubung in der mangelhaften Zusammenarbeit zwischen Meier und dem Sportlichen Leiter der HSV-Fußball-Jugend, Dieter Kurz. […] Meier soll weiterhin für Unruhe in der Jugend-Oberliga gesorgt und im Hintergrund gegen Kurz gearbeitet haben. “Herr Ribbeck hat sich leider nur von Herrn Kurz informieren lassen. So beurlaubt zu werden, finde ich schon schwach und primitiv. Ich kann darüber nur lachen”, sagt Meier.

http://www.abendblatt.de/archiv/1988/article203800821/HSV-Institution-Meier-beurlaubt.html

Am Mittwoch wurde Günter Meier, Trainer der HSV-A- Jugend (Sonderklasse), beurlaubt, gestern wollten HSV-Sportchef Erich Ribbeck und der Sportliche Leister der Fußball-Jugend, Dieter Kurz, den neuen Trainer Uwe Knödel vorstellen. Daraus wurde nichts. Die drei Herren standen auf dem Platz, doch die Jugendlichen kamen nicht. Sie streiken, stellen sich hinter den beurlaubten Trainer und lehnen Knödel, jetzt Spieler der HSV-Amateure, ab.

http://www.abendblatt.de/archiv/1988/article203801355/Trainer-abgelehnt.html

 

Am Sonnabend ist die A-Jugend- Sonderklassenmannschaft des HSV gegen Concordia nicht angetreten; sie streikte wegen der Beurlaubung ihres Trainers Günter Meier. Am Montag trainierte sie dann doch mit ihrem neuen Coach Uwe Knödel – unter Protest. “Wir wollen weiter unter Meier trainieren, aber bis dahin müssen wir uns ja irgendwie fithalten. Deswegen der Protest”, sagt Spielführer Jörg Busse.

http://www.abendblatt.de/archiv/1988/article203803303/Unter-Protest-trainiert.html

 

Der Streit um die A-Jugend-Sonderklassenmannschaft des HSV spitzt sich zu. […] Der zum Kreis der Nationalspieler zählende Matthias Bock (16) hat ein Kündigungsschreiben erhalten, darf die HSV- Anlage Ochsenzoll nicht mehr betreten.

[…] der Sportliche Leiter der HSV-Jugend, Dieter Kurz… : “Es ist alles intern geregelt und erledigt.”

[…] Meier wurde unter anderem deswegen beurlaubt, weil er den von Dieter Kurz suspendierten Matthias Bock in seiner Mannschaft mittrainieren ließ. Das ließ auch Knödel zu. Und der auf demselben Platz trainierende Kurz schritt nicht dagegen ein.”Wenn das stimmt, fehlt mir dafür jegliches Verständnis”, sagte HSV-Sportchef Erich Ribbeck, als er davon erfuhr. Es stimmte!

Ribbeck verteidigt im übrigen seinen harten Kurs, den er mit Meiers Beurlaubung einschlug. “Ich weiß, daß das eine unpopuläre Maßnahme war. Aber ich bin kein Mann, der den leichten Weg wählt. Wenn einigen meine Entscheidung nicht paßt, sollen sie ihre Konsequenzen ziehen. Dann sollen sie mich abwählen. Oder die Eltern sollen ihre Söhne nehmen und sie bei einem anderen Verein anmelden so einfach ist die Kiste” , sagte Erich Ribbeck zum Streit der A-Jugend.

http://www.abendblatt.de/archiv/1988/article203803733/Ribbeck-fehlt-das-Verstaendnis.html


Jan. 89

Erich Ribbeck: Ich muß dazu beitragen, daß es dem Verein sportlich besser geht. Das Wichtigste war, als ich hier herkam, erstmal Ruhe einkehren zu lassen, eine positive Ruhe, sich etwas entwickeln lassen; den Trainer aus der Schusslinie zu nehmen. In meiner Verantwortung liegt der ganze Transferbereich, Verträge so zu verlängern, daß ich sie auch in zwei Jahren noch einhalten kann. Ich käme nie auf die Idee, einem Spieler einen Fünfjahresvertrag zu geben, weil ich gar nicht weiß, was in fünf Jahren ist. Ob ich dann noch da bin? Die Wahrscheinlichkeit ist nicht sehr groß. […]

Wie wir aus der finanziellen Misere herauskommen, das muß nicht in der Öffentlichkeit diskutiert werden. Ich kann nur sagen, dass ich hier eine Situation angetroffen habe, die sehr, sehr kritisch ist […] Von dem Minus müssen wir langfristig herunterkommen. Das geht nur über die sportliche Leistung. […] wir sind gar nicht in der Lage, noch zwei Spieler zu verpflichten. Wir haben nicht nur kein Geld für Neuverpflichtungen. Wir müssen sogar flankierende Maßnahmen finden, um unseren Etat zu entlasten.

Die Substanz der Mannschaft kann man auch durch andere Dinge verbessern. Eine junge Mannschaft ist ein Jahr später nicht nur älter, sondern auch reifer. Wir brauchen Zeit zur Entwicklung. […] aus vielen Gesprächen weiß ich, dass die Zuschauer den Einbau junger Spieler fordern. Wir machen uns ja unglaubwürdig, wenn wir nur Stars kaufen. […] Es ist eine Schande, dass der HSV in so eine Situation geraten ist. […] Ich sag’s mal ganz hart: In der Vergangenheit ist hier von der Hand in den Mund gelebt worden. Sie müssen sich ja nur die Bilanzen der vergangenen Jahre ansehen. Hier ist nie an morgen, schon gar nicht an übermorgen gedacht worden.

http://www.abendblatt.de/archiv/1989/article203818089/Es-gibt-keine-Idee.html

 



Tommy in der Klemme

 

Juli 88:

Am Dienstag abend war von Heesen mit seiner Frau Petra im Trainingslager der Frankfurter im Maritim-Sport-Hotel am Timmendorfer Strand. Nur um seinen früheren Mannschaftskameraden Heinz Gründel zu besuchen, wie von Heesen sagte: “Ein Wechsel nach Frankfurt steht nicht zur Debatte.” Der 27jährige steht noch bis 1990 in Hamburg unter Vertrag.


Von Heesen fühlt sich jedoch beim HSV nicht mehr wohl. Die Differenzen mit Trainer Willi Reimann sind immer noch nicht ausgeräumt. […] Thomas von Heesen würde mehr als zwei Millionen Mark kosten.

http://www.abendblatt.de/archiv/1988/article203761965/Geht-von-Heesen-nach-Frankfurt.html

Zu einem möglichen Transfer von Thomas von Heesen zu Eintracht Frankfurt sagte Ribbeck: “Wir haben nichts von den Frankfurtern gehört. Ein Wechsel ist zur Zeit kein Thema.” Allerdings räumt Ribbeck ein: “Wenn die Eintracht viel Geld bietet, müssen wir überlegen. Irgendwo ist eine Schmerzgrenze erreicht.”

http://www.abendblatt.de/archiv/1988/article203762365/Es-gab-keine-Probleme-mit-Merkles-Knie.html


Jan. 89:

Bei 13 Millionen Mark Verbindlichkeiten und einem Betriebsverlust von 1,6 Millionen Mark in der letzten Saison wandelt der HSV seit Monaten auf einem schmalen Grat zwischen sportlichen und finanziellen Sachzwängen. “Aber wir sind nicht bereit, sportlich Harakiri zu begehen. Der Verkauf von von Heesen wäre ein schwerer Eingriff in eine zuletzt sehr erfolgreiche Mannschaft. Da muß die Höhe der Ablösesumme schon sehr interessant sein, um überhaupt Überlegungen anzustellen”, sagte Vizepräsident Horst Becker. Und Präsident Ernst Naumann fügte hinzu: ?Noch haben uns die Frankfurter nicht zum Nachdenken gezwungen.”

Für Erich Ribbeck stand fest: “Nach dem Ist-Zustand wird Thomas von Heesen nicht nach Frankfurt wechseln. Die Eintracht müßte ihr Angebot erheblich nachbessern.” Horst Becker: “Die Differenz ist eine größere sechsstellige Summe. Frankfurt ist am Zug.” Daß der HSV über Nacht schwach werden könnte, schloß gestern niemand der Verantwortlichen aus. Denn bei 700 000 Mark jährlichen Zinszahlungen, würde der von-Heesen-Transfer den finanziell angeschlagenen Klub erheblich entlasten.

Thomas von Heesen (“Ich möchte die Freigabe”) hat nie ein Hehl daraus gemacht, daß er sich nach dem Weggang von Uli Stein, Heinz Gründel (beide Frankfurt) und Gerard Plessers (Belgien) beim HSV nicht mehr so wohl wie früher fühle. Und auch seine Frau Petra sagt: “Ich wäre nicht unglücklich, wenn der Wechsel klappt. Denn im Süden wohnen viele unserer Freunde.”

http://www.abendblatt.de/archiv/1989/article203823441/Fuenf-Millionen.html


Febr. 89:

Und als Eintracht Frankfurt Interesse am Hamburger Thomas von Heesen bekundete, flog HSV-Sportchef Erich Ribbeck sofort aus dem Trainingslager in Costa Rica nach Deutschland zurück, um raschen Reibach zu machen. Der Grund: Den HSV drücken 13 Millionen Mark Verbindlichkeiten, obwohl er seit 1986 für über neun Millionen Mark Spieler verkauft hat.

Die Transferposse um von Heesen, der letztlich doch nicht wechselte, geriet zum Lehrstück für jenen angewandten Dilettantismus, der weit verbreitet ist. Als sich die Herren nach wirren Telephonaten nicht zu einigen vermochten, ob ihnen der Mittelfeldregisseur nun drei oder vier Millionen Mark wert sei, ließ der HSV den Deal platzen. Kleinlaut kehrte von Heesen, den die Frankfurter bereits aus Mittelamerika an den Main gelockt hatten, in die eigenen Reihen zurück. Und der Spielerberater Holger Klemme, der der Eintracht zuvor schon den Stürmer Dieter Eckstein, ehemals Nürnberg, für vier Millionen Mark angedreht hatte, ging diesmal leer aus.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13494038.html

Spielervermittler Klemme, der sich offiziell Berater nennt, hat eine einstweüige Verfügung beim Langericht Bonn angestrengt, in der von Heesen die Behauptung untersagt wird, er habe Klemme nicht mit seiner Interessenvertetung betraut. Und es wird im Gegenzug eme Klage von Heesens gegen Klemme wegen falscher Erklärungen geben.

 
Klemme ging jetzt noch einen Schritt weiter. Er stellte von Heesen eine “Widerrufsverpflichtung” zu. Der Hamburger soll nun bis morgen, 12 Uhr, seine Aussagen revidieren, er habe bei den Verhandlungen mit der Eintracht keinen Berater gehabt, und allem Klemme hätte ein Interesse am Transfer gehabt.

600 000 Mark wollte Klemme für sein Mitwirken am geplatzten von-Heesen-Wechsel kassieren, selbst beim HSV fragte er in gewohnt forscher Art nach einem Honorar nach. “Der hat mich behandelt, als würde er mit dem Vorsitzenden eines Dorfvereins reden”, meinte HSV-Präsident Naumann.

http://www.abendblatt.de/archiv/1989/article203829187/Beraten-und-verkauft.html

Im Rechtsstreit “Klemme/von Heesen”, der am 6. März erstmals vor Gericht verhandelt wird, hat der Spielerberater Holger Klemme den Bonner Anwalt des HSV-Profis Thomas von Heesen, Dr. Helmut Neumann, aufgefordert, sein Mandat niederzulegen. Neumann hatte Klemme zwischen 1979 und 1982 vertreten und begehe, so die Begründung, Parteienverrat, wenn er jetzt sein Wissen einem Prozeßgegner zur Verfügung stelle.

http://www.abendblatt.de/archiv/1989/article203832411/Klemmes-Vorstoss.html


März 89:

[…] Der Profi- Berater hatte für den HSV-Profi einen überraschenden Spielzug zu bieten: Er legte eine eidesstattliche Erklärung des HSV-Präsidenten Ernst Naumann vor. Der Inhalt ist geheim.So begann gestern die erste Halbzeit “Klemme gegen von Heesen” vor dem Landgericht Bonn. Allein die Tatsache, daß es diese Erklärung gibt, verwunderte den Beklagten von Heesen: “Davon habe ich nichts gewußt. Ich kann mir darauf auch keinen Reim machen.”

Steht Naumann auf der Seite des Spielerberaters? Nicht im geringsten, das ist sicher. […] Ernst Naumann, in Australien im Urlaub, hatte die Erklärung wahrscheinlich deshalb abgegeben, um Regreßansprüche Klemmes gegen den HSV zu verhindern. Zu dem Rechtsstreit zwischen Klemme und von Heesen kam es, weil der Spieler behauptet hatte: “Ich habe keinen Berater gehabt. Klemme hat nur die Frankfurter Interessen vertreten. Allein er hat Interesse an dem Transfer gehabt.” Dies darf von Heesen nach einer einstweiligen Verfügung nicht wieder sagen. Vorerst jedenfalls – bis das Gericht darüber entscheidet.

Klemme meint, beweisen zu können, der Berater des Spielers zu sein. Sein Rechtsanwalt legte – außer der Erklärung Naumanns – zwei weitere vor: eine von Matthias Ohms, dem Präsidenten der Frankfurter Eintracht, und die eines Journalisten. Beide wollen bezeugen, daß Klemme der Berater des Spielers sei. “Herr Klemme kann gar nicht mein Berater gewesen sein, denn mein Vater ist mein Berater”, sagte von Heesen.

Die erste Halbzeit vor Gericht endete torlos. Aber das Verfahren wird fortgesetzt und dann erst entschieden: am 20. März.

http://www.abendblatt.de/archiv/1989/article203808883/Der-Kronzeuge-des-DFB.html


Apr. 89:

Im Rechtsstreit mit dem HSV-Fußballprofi Thomas von Heesen hat der Bonner Spielerberater Holger Klemme einen Teilerfolg erreicht. Die zehnte Zivilkammer des Landgerichts Bonn untersagt von Heesen die Behauptung, Klemme sei nicht sein Berater gewesen. Bereits zuvor war dem HSV-Profi per einstweiliger Verfügung diese Behauptung untersagt worden. Thomas von Heesen kann dagegen Berufung einlegen. Er muß zwei Drittel der Verfahrenskosten tragen.

Zur Begründung führte das Gericht an, von Heesen habe Klemme in einem Telefongespräch “zum Berater seiner Überlegungen” gemacht. Auf diesen Teil des Beschlusses hatte Klemme Wert gelegt, weil er daraus auch Honorar-Ansprüche ableiten könnte.

http://www.abendblatt.de/archiv/1989/article203860511/Das-Gericht-Klemme-hat-von-Heesen-beraten.html


Sept: 89:

Das Oberlandesgericht Köln entschied in zweiter Instanz, daß Spielerberater Holger Klemme nicht mehr behaupten darf, im Auftrag von Thomas von Heesen über einen Frankfurt-Wechsel verhandelt zu haben.

http://www.abendblatt.de/archiv/1989/article203892419/Es-macht-keinen-Spass.html


März 90:

Es werde, so drohte Ankläger Hans Kindermann, Spielervermittlung künftig richtig verfolgen. Dann mal auf zur Verfolgungsjagd! Mit dem Urteil gegen Frankfurt hat das Sportgericht die Latte hoch gelegt. Wegen „unsportlichen Verhaltens“ muß Frankfurt 25 000 Mark Geldstrafe berappen. Als erwiesen sahen es die Richter an, daß die Eintracht im Januar 1989 bei ihren Bemühungen um die Verpflichtung von Thomas von Heesen mit dem Spielervermittler Holger Klemme zusammengearbeitet hat. Illegale Arbeitsvermittlung also, da ist schon der Versuch strafbar, so steht es im Arbeitsförderungsgesetz. Die Bundesanstalt für Arbeit wird den Fall weiter verfolgen.

Wenn Kindermann hält, was er verspricht, wenn das Urteil gegen Frankfurt in einem nicht einmal vollzogenen Transfer zum Maßstab wird, liegt bald die halbe Liga auf Eis. Wo waren Kläger und Richter, als sich Klemme mit seinen Klienten rühmte, … als die Vermittlungsgeschäfte in aller Öffentlichkeit ausgetragen wurden. Wo waren sie bei den vielen Italien-Transfers? Die halbe Nationalelf wäre gesperrt, würde überall konsequent ermittelt.

Die UEFA denkt darüber nach, Lizenzen für Vermittler zu verteilen. Das würde garantieren, daß das verbotene Geschäft aus der Grauzone ans Tageslicht gezerrt, mithin vielleicht ehrlicher wird. Die Bundesligavereine beharrten im letzten Jahr darauf, daß Vermittler, Vereine und Spieler verfolgt werden, wenn sie kooperieren.

Mit Lug und Trug geht’s munter weiter; auf den DFB dürfen die Vereine dabei nicht zeigen. Sie wollten es so, Hans Kindermann ist in seinen Ermittlungen viel Erfolg zu wünschen!

(kicker, Nr.20/10.Wo. 5.3.1990)

 


 

 Jan. 89:

Das 1985 gegründete Hamburger Fußball-Internat für auswärtige Talente wird am 30. Juni in Anbetracht der angespannten Finanzlage des Hamburger SV geschlossen. Das entschieden das Vereinspräsidium und Sportchef Erich Ribbeck. Innerhalb der letzten vier Jahre hatten immerhin zwei Schüler des Internats (Richard Golz und Carsten Kober) den Sprung in die HSV- Bundesliga-Elf geschafft. Das Internat kostete 200 000 Mark pro Jahr.

http://www.abendblatt.de/archiv/1989/article203819465/Kein-HSV-Internat.html



Karl-Heinz Heimann dreht den Scheinwerfer:


Der Hamburger SV ist ein wohlhabender Klub. Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß er „Verbindlichkeiten“ in einer Höhe aufweist, wie wohl niemand anderes in der Bundesliga, runde 13 Millionen Mark. Durch Grundstücke, Häuser und andere Habe ist das alles abgedeckt. Doch die Sache hat einen Haken: Von allem, was der HSV einnimmt, muß er gleich einen erklecklichen Teil für Zinsen und Tilgungen abzweigen. Und das summiert sich zu Millionen, die für den „normalen“ Vereinsbetrieb nicht zur Verfügung stehen. Auch eine Steigerung der Zuschauerzahlen von rund 20 Prozent in der ersten Hälfte dieser Saison gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres wirkt nicht anders als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. So mies, wie der Herbst 1987 sportlich und finanziell für den HSV verlief, hätte es ja gar nicht noch einmal kommen dürfen.

Sparen ist beim HSV derzeit vordringliche Aufgabe. Zum Opfer fällt dabei auch das 1985 mit viel Vorschußlorbeeren bedachte Fußball-Internat. Die Hamburger sind nicht als erste auf diese Idee gekommen, leider sind sie auch nicht die ersten, die sie wieder beerdigten. Wenn’s ums sparen geht, wird der Rotstift in der Bundesliga noch allemal in der Nachwuchsarbeit angesetzt. Keiner bringt den nötigen langen Atem auf, den jedes Konzept benötigt, junge Spieler an die Bundesligaaufgaben heranzuführen. Um eine Summe von jährlich 200 000 Mark ging es in diesem Fall. Wenn man an die Ablösesummen denkt, die heute verlangt und bezahlt werden, kann man wohl mal fragen, ob das wirklich eine Einsparung ist, was da jetzt aus dem Etat gestrichen wurde.

(kicker, Nr.8/4.Wo. 23.1.1989)




Febr. 89:

Benno Möhlmann (34) wird mit Beginn der Saison 1989/90 neuer Co-Trainer des HSV. Der bisherige Assistent des Cheftrainers Wiüi Reimann, Gerd- Volker Schock, wird in der kommenden Saison Trainer und Manager der Amateur- und Jugend-Abteilung. Schock unterschrieb für zwei Jahre.

Wer die Idee hatte, ist nicht mehr zu klären. HSV-Sportchef Erich Ribbeck nicht (“Das ergab sich in einem Gespräch”), und Benno Möhlmann auch nicht. Der neue Co-Trainer wußte nur: “Die Idee kam vom HSV. Aber von wem, weiß ich nicht.” […]

http://www.abendblatt.de/archiv/1989/article203831897/Co-Trainer-des-HSV-Benno-Moehlmann.htm


Mehrere Hamburger Fußballklubs proben den Aufstand gegen den Hamburger SV. Sie prangern die Abwerbungspraktiken der HSV-Jugendabteüung an. Mit Geld, so das Argument, werden Jahr für Jahr die besten Jugendspieler zum HSV gelockt. Die Folgen: Die kleineren Vereine profitieren von ihrem persönlichen Engagement in der Nachwuchsarbeit nicht immer; der Idealismus nimmt in dem Maße ab, wie Talente abwandern. In den Altersklassen der C-, B- und A-Jugend (12 bis 18 Jahre) gebe es eme Wettbewerbsverzerrung, der HSV steüt die meisten der Hamburger Meister. […] Der Plan: Der HSV soll aus den Sonder- und Leistungsklassen, den höchsten Ligen, in den jeweiligen Altersstufen in tiefere zwangsversetzt werden. Spieler, die ohne Einverständnis ihres Klubs wechseln, dürfen nicht mehr in den Jugendauswahlmannschaften eingesetzt werden.

“Ich halte die Absicht für absurd”, sagt Verbandstrainer Ralf Schehr, “die Bemühungen um neue Spieler sind nicht unlauter, und der HSV beispielsweise hat nun einmal optimale Voraussetzungen. ”

Dr. Horst Barrelet, Vorsitzender des Hamburger Fußball-Verbandes, reagierte gelassen: “Dieses Thema ist uralt. Die Jungs kommen ja gar nicht mehr nur zum HSV, sondern auch zum SC Concordia, Bramfelder SV oder zum FC St. Pauü.”

HSV-Jugendleiter Jochen Meinke streitet den massiven Geldeinsatz ab: “Solange ich hier bin und noch sein werde: Ein Fahrgeldzuschuß ist die einzige Zuwendung. Ich verstehe diese Aufregung gar nicht; wenn Spieler zu uns wechselten, gab es mit den Vereinen überhaupt keinen Arger.”

 http://www.abendblatt.de/archiv/1989/article203831893/Angriff-gegen-den-HSV.html


Mai 89:

[…] Sportchef Erich Ribbeck hat Präsident Ernst Naumann gebeten, ihn vorzeitig zum Saisonende aus dem bis zum 30. Juni 1990 datierten Zwei-Jahres- Vertrag zu entbinden. Naumann soll diesem Wunsch entsprochen haben:

Vielleicht aber ist es auch die Tatsache, daß Ribbeck sich die Arbeit nicht so kompliziert vorgestellt hatte. Die Forderung, den HSV in einen europäischen Wettbewerb zu alter Größe zu führen und außerdem zu sanieren, war kaum einzulösen. Es fehlt das Geld.

http://www.abendblatt.de/archiv/1989/article203858163/Erich-Ribbeck-gibt-auf.html

Ribbeck versagte nach teilweise erfolgreichen Trainerjahren als Manager. Statt Ideen und Strategien zu entwickeln, brütete er über der finanziellen Misere und grämte sich ob der vereinsinternen Bürokratie. Der hanseatische Klüngel machte es dem Mann aus dem Rheinland nicht eben leicht.

Der Präsident muß sich vorhalten lassen, für Fehlentscheidungen mitverantwortlich zu sein. Nach der kostspieligen Entlassung Magaths nun das Scheitern des Sportchefs. Es kostet keine Abfindung, aber wertvolles Prestige.

Ernst Naumann überlegt noch, ob er im November erneut kandidieren soll. Vielleicht fließt in seinen Denkprozeß ein, daß die Zeiten vorbei sind, in denen dem HSV allein mit einem seriösen und integren Präsidenten gedient war. Die Situation erfordert auch entschlußfreudige Macher mit Visionen, ie ihren Mitarbeitern Freiräume und Kompetenzen zubilligen. Ribbecks Rücktritt ist auch eine Niederlage des Präsidenten.

 http://www.abendblatt.de/archiv/1989/article203858541/Mit-leeren-Haenden.html

 

Ernst Naumann: […] “Wolfgang Klein sollte bei seinen öffentlichen Belehrungen bedenken, was er hinterlassen hat. Der Alt-Präsident hat damals einen Verein übernommen, als die Führung noch Netzer und Zebec hieß. Ich habe von ihm Magath / Skoblar bekommen. Und viele Schulden.”

http://www.abendblatt.de/archiv/1989/article203858967/Ein-Fall-fuer-Dr-Krohn.html

 

[…] In nur 18 Monaten (30. 6. 87 bis 31. 12. 88) stieg die Verschuldung von 12,86 auf 17,1 Millionen Mark. […] Für den HSV gäbe es keine Auflagen vom DFB, sondern lediglich die Bitte um eine Stellungnahme. Ernst Naumann stritt auch ab, jemals einen DFB-Brief bekommen zu haben, in dem von einer “Überschuldung” des HSV die Rede sei. Dazu sagte der Präsident: “Wenn der HSV überschuldet wäre, müßte er, wie jeder Kaufmann auch, den Gang zum Konkursrichter antreten.” Beim DFB wurde sogar über einen Lizenzentzug für den HSV nachgedacht. Am Schluß des Briefes formuliert der Gutachterausschuß: “. . . hat den DFB bewogen, seine ansonsten vorhandenen Bedenken noch einmal zurückzustellen. ” Weiter heißt es: “Der Hamburger SV wird daher darauf angewiesen sein, außerordentliche Einnahmen – wie z. B. Transfereinnahmen zu realisieren.” Das heißt: Weitere Spieler müßten verkauft werden.

Die finanzielle Not des HSV war auch dem Sportchef Erich Ribbeck bekannt. In der vergangenen Woche kündigte er überraschend. Seine Motive, den Hamburger Sport- Verein zu verlassen, erscheinen jetzt in einem anderen Licht.

Die Kontrolleure des DFB in Frankfurt schreiben: „Der Verein ist . . . stark verschuldet. Die Verbindlichkeiten haben sich wie folgt entwickelt:

– 30. Juni 1987: 12,859 Millionen Mark

– 30. Juni 1988: 15,108 Millionen Mark

– 31. Dezember 1988: 17,092 Millionen Mark.”

“Die Verbindlichkeiten übersteigen die vorhandenen Vermögenswerte des Hamburger SV um 1 089 000 Mark. Um diesen Betrag ist der Verein buchmäßig überschuldet”, heißt es in dem Brief aus Frankfurt.

Das bedeutet: Würde der HSV aufgelöst, und würden alle Werte und Schulden verrechnet werden, so bliebe ein Minus in Höhe von mehr als einer Million Mark. “Bei einer GmbH wäre dies ein klassischer Konkursfall”, erläuterte ein Betriebswirtschaftler.

http://www.abendblatt.de/archiv/1989/article203860261/Die-Schulden-des-HSV.html

 

Die Nachricht ist alarmierend. 17 Millionen Mark Verbindlichkeiten hat der HSV, die effektive Überschuldung liegt bei mehr als einer Million Mark.

Der Verein, der sechsmalige Deutsche Fußballmeister und zweimalige Europapokalsieger, erhält für die Saison 1989/90 nur dann eine Bundesliga-Lizenz, wenn die strengen Auflagen erfüllt werden.

Verantwortlich für diese Misere ist die Vereinsführung, die schlecht gewirtschaftet hat.

Der Niedergang wurde von dem ehemaligen Präsidenten Dr. Wolfgang Klein eingeleitet und von dessen Nachfolger Ernst Naumann fortgesetzt. Der “ungelernte” Manager Felix Magath erhielt beispielsweise bei seiner Trennung vom Verein eine Abfindung von mehr als 600 000 Mark. Auch andere Fehleinkäufe verließen den Hamburger Sportverein mit prallgefülltem Portemonnaie.

Die Verantwortlichen sind mit ihrem Vorhaben, den Klub zu konsolidieren, gescheitert. Ernst Naumann ist ein fleißiger und integrer Präsident, ihm fehlen allerdings Schaffenskraft und Kreativität, das leckgeschlagene Vereins-Schiff repariert in die Strömung zurückzuführen. Sein Stellvertreter Horst Becker ist während seiner Jahre als Schatzmeister zu sehr in das finanzielle Stricknetz des HSV verwickelt.

Eine neue Mannschaft muß her. Nicht auf dem Rasen im Stadion, sondern in der Führungsetage am Rothenbaum. Nur eine gemeinsame Aktion von Führungskräften kann den Verein retten.

 http://www.abendblatt.de/archiv/1989/article203860077/Der-HSV-muss-handeln.html

 

Juni 89:

HSV-Präsident Ernst Naumann wird im November nicht wieder für sein Amt kandidieren. […] Es gibt noch eine Personalentscheidung: Dr. Dirk Albrecht, Generalsekretär des HSV und Chef der HSV-Marketing-GmbH, wurde ohne Angabe von Gründen beurlaubt.

Daß der Traditionsverein seine Lohn- und Kirchensteuer zeitweilig nicht bezahlen konnte, erklärte Naumann so: “Jeder Steuerbringer hat unter Umständen das Recht, eine Stundung zu beantragen.” So würde es jeder Kaufmann machen, um “seine Verbindlichkeiten zu strecken”.

HSV-Sportchef Erich Ribbeck vermeldete gestern einen Erfolg. Für das Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern morgen um 15.30 Uhr im Volksparkstadion haben der HSV und der HW einen “Sharp- Shuttle-Service” eingerichtet. Fünf Busse werden von 14 Uhr an und nach Spielschluß einen kostenlosen Pendelverkehr zwischen dem S-Bahnhof Eidelstedt und der Haupttribüne des Stadions aufnehmen. Die Gespräche, die seit 1974/75 (!) liefen, wurden endlich zum Abschluß gebracht.

http://www.abendblatt.de/archiv/1989/article203861729/Ernst-Naumann-hoert-auf.html

 

Erich Ribbeck:

“Ich hätte diese Aufgabe ohne genauere Prüfung der Gegebenheiten nicht übernehmen sollen”

– Prof. Vitzliputzli –


Die Serie Sackgasse Sylvesterallee – Endstation HSV!
Teil 1: Der missglückte Übergang
Teil 2: Nachwuchs im Abseits
Teil 3: Sir Erich und die trügerische Sonnenwende
Teil 4: Der sinkende Stern des Nordens
Teil 5: Adriano aus Pöseldorf
Teil 6: Aktien zeichnen HSV ungelöst
es folgt Teil 7: Ein Visionär tritt ab und bleibt


1 Kommentar

  1. WORTSPIELERWORTSPIELER

    es ist schon erstaunlich, was sich in 30 jahren entwickelt hat oder eben nicht, wenn man von heute zurückblickt. es ist aber genauso verwunderlich, wie man früher und heute argumentierte. in dieser hinsicht blieb der verein stets traditionell: nie um eine verquerung der umstände verlegen. ich möchte nicht wieder auf meinen „opportun“-blog hinweisen, aber er passte schon – wieder einmal – ganz prächtig, um die aussagen von früher

    Auf dem Höhepunkt der Happel-Ära, als der HSV eine große Mannschaft besessen habe, sei es für den Nachwuchs sehr schwer, die Positionen im Team seien blockiert gewesen. Auf Jahre hinaus. Kein Platz oder keine Perspektive für die heranwachsenden Talente.

    und von heute

    sinngemäß: „In unserer aktuellen Lage [ Abstiegskampf ] ist es schwer, den Nachwuchsspielern Spiel- und Einsatzzeiten zu geben. Wir haben kein stabiles Gefüge. Wir sind zu schlecht. Auf Jahre hinaus.“

    ins reich der fabeln zu verweisen. fabelhaft ist das neue exzellent.
    bei diesen blicken zurück fällt sofort ins auge, dass der HSV – nicht nur beim thema nachwuchs – schon immer gute ansätze verfolgte, aber eben nie zu ende dachte, sondern das ganze eher als mittel zum zweck gesehen und gehandhabt wurde. dass dabei die fehler aus der vergangenheit in die zukunft übertragen wurden, ist die eine seite. auf der anderen seite wurden etliche fehler aber ein zweites bis drölftes mal wiederholt. einen lerneffekt kann man nur selten bis gar nicht feststellen, was sicherlich auch dem häufig wechselnden personal lag. hier machte der konkurrent aus bremen in just diesem zeitraum ab ende der „80er“ bis heute so vieles richtig(er), dass ein aufarbeitender vergleich zwischen weser und elbe mal interessant wäre – und seien es nur zahlen und fakten wie anzahl der handelnden personen bzw. sportlich verantwortlichen, einnahmen&ausgaben, erfolge/titel, einsatz von spielern aus dem eigenen nachwuchs, …

    einen ansatz finde ich höchstspannend und halte ihn für „100%ig“ richtig:

    „Auch Branko Zebec, Aleksandar Risti6, Günter Netzer, Ernst Happel und Felix Magath sind schwierige Menschen – vielleicht haben wir deshalb gemeinsam soviel Erfolg gehabt.”[…]

    der viel zitierte charakter, sich vom durchschnitt abzuheben, ist imho ein ganz wesentlicher baustein, erfolg zu haben. bei allem respekt, aber ein jens todt strahlt so dermaßen mittelmaß aus, dass hier einfach nicht mehr als suspekte aussagen à la „smarte transfers“ zu erwarten sind.

    insbesondere todt wirkt immer wie hingestellt und nicht abgeholt. dabei ist gerade die ausstrahlung in diesem sektor die halbe miete: heldt, eberl, hoeness, zorc, völler, rosen, schindlmeiser oder selbst ein eichin haben hier meilenweiten vorsprung. heisst nicht, dass ich alle manager gut finde, aber man traut ihnen einen soclhen job zu.

    und hier kommen wir zum grundübel seit der zeit von klein & co., denn es gab mit hoffmann nur einen starken mann an der spitze des HSV und – nicht gerade zufällig – war das die sportlich erfolgreichste bei allen fehlern, die natürlich auch BH machte. schwache leute holen schwache leute – meistens auch noch freunde statt qualifiziert(er)em personal. nicht gerade selten wurden sogar neue posten geschaffen: „mediendirektor“, „team-manager“, „trainingslagerorganisator“, „legendenbetreuer“ & co., um jemandem einen gefallen zu tun…

    so entstand und entsteht DIE wohlfühloase, die dann auch noch mit füßen getreten wird, wenn sich eigeninteressen über die des vereins (AG) gestellt werden. joachim hilfe sei hier stellvertretend für viele opportunisten genannt.

    p.s. danke@prof. diese einblicke sind wirklich sehr spannend und mit dem heutigen wissen einfach nur grotesk und bizarr…!

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