Sackgasse Sylvesterallee – Endstation HSV! Teil 5

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Chronologische Aufarbeitung eines taumelnden Traditionsvereins.

Teil 5: Adriano aus Pöseldorf

 

Was tun!“ spricht Zeus…

 

Wir zeigen alles auf dem Jahrmarkt unsrer Eitelkeit.

Wir zeigen alles was wir haben und noch mehr.

Wir finden alles was wir denken selber sehr gescheit

Und wir bewundern was wir sagen selber sehr.

 

„Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“ meinte einmal der Altkanzler Helmut Schmidt. Anscheinend von dieser Aussage inspiriert, bewarb sich Jürgen Hunke als Heilkundiger für das Amt des Präsidenten, beim finanziell sehr angeschlagenen Patienten HSV – und bekam den Zuschlag auf der Jahreshauptversammlung. Von nun an wurden die Vorgänge rund um den Verein noch transparenter und medienwirksamer begleitet. Hunke steckte voller Ideen und Vorstellungen und verkündete dieses stets mit großem Rededrang. Selbstherrlich beschloss er Dinge im Alleingang und schränkte somit die Kompetenzen seiner leitenden Angestellten im Verein ein.

Auf sportlicher Ebene waren Parallelen zur Reimann-Zeit zu erkennen. Schock konnte einen beachtlichen fünften Tabellenplatz mit der Mannschaft erreichen, machte aber darauf aufmerksam, diese Platzierung richtig einzuordnen. Sanierung und Europa im Gleichschritt war für Jürgen Hunke durchaus machbar und erstrebenswert, obwohl er kurioserweise der Mannschaft die Klasse immer wieder absprach, einen internationalen Wettbewerb zu erreichen…

Nov. 90:

Am Nachmittag, im Foyer des Elysee-Hotels hatte Noch-Präsident Horst Becker mit Schatzmeister Ernst-Otto Rieckhoff und den Präsidiums-Kandidaten Joachim Dege und Horst Eberstein die Marschrichtung für den Abend besprochen. Wie es sich sechs Stunden später herausstellte, sollte dieses Gespräch nicht nutzen. Die Hauptversammlung entschied sich für Jürgen Hunke.

[…] Unten im Saal sorgten mehr als 500 Gäste schon für eine drangvolle Enge. Insgesamt waren dann aber doch nur 612 stimmberechtigte Mitglieder zur Stelle. […] Becker argumentierte…m seiner Amtszeit seien die Verbindlichkeiten um fast zehn Millionen Mark abgebaut worden, der Überschuß aus dem Bundeshga-Geschäft sei im letzten Geschäftsjahr mit 1,8 Millionen Mark sehr hoch gewesen. […] “Ich brauche mich nicht zu verstecken, ich habe eine saubere Weste und ein gutes Gewissen” ]…} Er forderte eine Loslösung des Bundesligabereich.es aus dem Gesamtverein und eine Umwandlung in eine Kapitalgesellschaft.

[…] Henry Teubner, der Vorsitzende des Altestenrates schritt ans Mikrofon und warb für die Entlastung des Präsidiums. […] Teubners Empfehlung folgten die meisten Mitglieder und den Horst Becker, Ernst-Otto Rieckhoff und Rolf Hollmann en bloc die Entlastung aus. Auffällig war aber die große Zahl der Enthaltungen und Nein-Stimmen. […]

Das Amt des HSV-Präsidenten sei ein Full-Time-Job, sagte Dege. Im Falle seiner Wahl wolle er seine Tätigkeit als Unternehmensberater aufgeben und seine ganze Zeit dem HSV widmen. […] “Die Grenze der Kreditlinie ist erreicht. Wir haben keine Sachwerte mehr, die beliehen werden können. Eine Umschuldung ist nicht möglich.”

Jürgen Hunke führte ein Interview mit sich selber und beantwortete 14 Fragen. Er beklagte sich, daß er nicht ausreichend über die Finanzen informiert sei und erhielt viel Beifall. Die Stimmung schlug um, als Becker ihn in einigen Punkten kritisierte. Hunke versprach den Mitgliedern, für den Fall seiner Wahl jedem von ihnen sein neues Programm zuzuschicken. […]

[…] Schon vor seiner Wahl deutete der gebürtige Hannoveraner an, daß er sich in nächster Zeit um einen neuen Cheftrainer kümmern werde. Unter Hunke erhält dagegen der Mann eine neue Chance, der unter der alten Führung nicht zur Geltung kam und der Hunke in diesem Sommer zur Kandidatur überredet hatte: Marketing-Chef und HSV-Geschäftsführer Jens Petersen.

http://www.abendblatt.de/archiv/1990/article202353949/Hunke-der-neue-Praesident.html

 

“Jetzt ist endlich Schluß mit den schlimmen Fehlern in der Personalpolitik. Verkäufe, die die Mannschaft schwächen, wird es in Zukunft nicht mehr geben”, sagte der frühere Fußball-Nationalspieler und HSV-Kapitän in ungewohnt markigen Worten. Nicht allein dieser Seitenhieb auf die alte Führungsriege um Interims-Präsident Horst Becker … machte deutlich, daß der von Hunke als “persönlicher Berater” engagierte Jakobs keineswegs nur als “Wahlkampfgag” gedacht war.

Und das bedeutet: Konflikte mit Manager Georg Volkert und Trainer Gerd-Volker Schock sind schon jetzt absehbar. Sie könnten in einer Machtprobe gipfeln, bei der das Gespann Volkert/Schock eindeutig die schlechteren Karten hätte. […] Der erste Anlaß zur Auseinandersetzung steht schon an: Hunke will schnellstmöglich die Situation des von Schock ausgebooteten und von Volkert zum Verkauf angebotenen Mittelfeldspielers Jusufi klären.

Mögliche Argumentationshilfen zugunsten des verbannten Profis hat Jusufi-Freund Jakobs dem Klubchef indes schon an die Hand gegeben: “Gute Spieler”, sagt Jakobs, “sind oft etwas schwieriger. Ein erstklassiger Trainer nimmt ihnen die Spitze, indem er mit ihnen diskutiert und sie in die Verantwortung einbindet. Das ändert doch nichts daran, daß er allein entscheidet.”

Eben dies, ließ Jakobs so indirekt durchblicken, habe Schock nicht verstanden. […] Auch Hunke erblickt in dem Konflikt Schock/Jusufi offenbar ein unprofessionelles Verhalten des Trainers, bei dem vor allem persönliche Animositäten eine Rolle spielen: “Ich werde Herrn Schock klarmachen, daß er in erster Linie für den Verein da ist und nicht umgekehrt”, sagte er.

http://www.abendblatt.de/archiv/1990/article202354341/Noch-eine-Machtprobe.html

Dez. 90:

Zehn Tage nach seinem Amtsantritt hat Jürgen Hunke erste Zeichen gesetzt. Gestern stellte der Präsident ein Symbol vor, das künftig alle Briefköpfe, Plakate und andere HSV-Utensilien schmücken soll: ein schwungvoll unterstrichenes “HSV live”, in dem das „v” mit einem „f“ kombiniert ist. Mit life und live will Hunke seine Vision von einem lebendigen, stets präsenten Verein deutlichmachen.

Doch der Versuch der Imagekorrektur allein wird die stark angespannte wirtschaftliche Lage (Hunke: “Der Klub hat keine Masse mehr”) nicht beseitigen. Deshalb hat sich der HSV eine neue Variante der Geldbeschaffung einfallen lassen, um während der Winterpause erwartete Liquiditäts-Engpässe zu überbrücken. Ein Sponsor soll dem Verein mit einem Darlehen von einer Million Mark über die kommenden zwei einnahmelosen Monate helfen.[…] Als Sicherheit bietet der Bundesligaklub ein im Einklang mit den DFB-Statuten modifiziertes Zugriffsrecht auf potentielle Ablösesummen später zu verkaufender Fußball-Profis.

Der Nutzen des Modells: Der Klub muß nicht sofort Spieler abgeben, um über den Winter zu kommen. Die Substanz des Teams kann vorerst gehalten werden. Zusätzliche Einnahmen erhofft sich der HSV dann im Frühjahr: Marketingchef Jens Petersen will “bis zu vier Bundesligaspiele” an Sponsoren verkaufen. […]

Anfang des Jahres möchte Hunke zudem eine “HSV- Studie” in Auftrag geben, um Erwartungen und Verhalten von Mitgliedern und Fans genauer zu erforschen. Hunke: “Ich verlasse mich lieber auf wissenschaftliche Fakten als ins Freie hinein zu planen.” Für die Kosten von 80 000 bis 100 000 Mark müßte allerdings ein Sponsor gefunden werden.

http://www.abendblatt.de/archiv/1990/article202357509/Winterhilfe-fuer-den-HSV.html

 

Das vertrauensbildende Gespräch zwischen HSV- Präsident Jürgen Hunke und Manager Dirk Heibig vom Hauptsponsor Sharp dauerte gestern mehrere Stunden. Dann waren sich die Herren einig: “Der HSV muß mit allen Mitteln in den UEFA-Cup-Wettbewerb. Dann ist eine weitere Zusammenarbeit über 1992 hinaus nicht ausgeschlossen.” Die Erfüllung dieser für den Klub wohl lebensnotwendigen Vorgabe will Hunke (“Wir haben gegenüber dem Sponsor viel gutzumachen”) heute in einem internen Gipfeltreffen mit Trainer Gerd- Volker Schock und Manager Georg Volkert einfordern.

[…] Trainer Aleksandar Ristic: “Ja, ich habe nach der Wahl des neuen Präsidiums ein Angebot des HSV erhalten. Doch ich stehe bei Schalke 04 im Wort.” Hunke dementierte energisch: “Ristic ist ein Spaßvogel. Vom HSV-Präsidium hat niemand mit einem Trainer über eine Verpflichtung gesprochen.” […] Argentiniens Weltmeister-Coach hatte zwar Interesse an einem Wechsel nach Hamburg bekundet und wäre zum 1. Januar frei. Eine Bezahlung käme für Menotti jedoch nur auf einer “privaten Netto-Basis” in Frage. Der ehemalige Präsidentschaftskandidat Claus Haack, der mit Menotti verhandelte: “Das kann die jetzige Führung wohl vergessen.”

http://www.abendblatt.de/archiv/1990/article202447587/Geheim-Hunkes-Trainersuche.html

 

Währenddessen bekräftigte der frühere argentinische Nationaltrainer Luis Cesar Menotti in einem Interview mit dem privaten Rundfunksender Radio 107 erneut sein Interesse an einem Wechsel in die Bundesliga. “Ich habe Lust, in Hamburg zu arbeiten”, sagte der 52jährige. Ein Mittelsmann des HSV sei bereits vor einigen Tagen an ihn herangetreten. Er stehe bei Penarol Montevideo noch bis zum 31. Dezember dieses Jahres unter Vertrag. “Danach bin ich für jedes interessante Angebot frei.”

Menottis Avancen erwidert Hunke aber nicht. “Was soll ich mit einem Trainer, der Spanisch spricht. Dem kann ich meine Gefühle nicht mitteilen, und er versteht mich nicht. Da kann ich mir eine Zusammenarbeit nur schlecht vorstellen.”

http://www.abendblatt.de/archiv/1990/article202447993/Der-Krisengipfel.html

 

In der Domstadt legte der gebürtige Wormser Kargus den Grundstein für seine Rückkehr nach Hamburg. Dort erwarb er in diesem Frühjahr als Lehrgangsbester (Note 1,4) die Trainer-Lizenz. Am 1. Januar beginnt er seine Tätigkeit als Jugend- und Torwarttrainer des HSV. […] Kargus hat sich viel vorgenommen. Der Job als Jugendtrainer soll nur der Anfang einer zweiten Karriere sein. Die Bundesliga lockt ihn auch als Fußball-Lehrer. “Ich werde versuchen, in meinem Beruf so weit wie möglich zu kommen”, sagt er.

http://www.abendblatt.de/archiv/1990/article202408025/Heimkehr-nach-Hamburg.html

 

[…] “Trainer und Manager können so lange bleiben, wie wir Erfolg haben”, formulierte er einen neuen Treueschwur, der nun zumindest die Winterpause überdauern dürfte. Schon vor dem 2:0-Sieg hatte Hunke Spekulationen über eine schnelle Trennung von Schock auf ungewöhnliche Art zu bremsen versucht. In einer Talkshow des Privatsenders RTLplus hatte er dem Moderator publikumswirksam eine Wette angeboten: “Wetten, daß Gerd-Volker Schock bis zum Saisonende Trainer beim HSV bleibt?” Dazu muß man wissen: Schocks Vertrag läuft bis zum 30. Juni 1992.

Der HSV, wie vom Präsidenten am Freitag in einem offenen Brief “verordnet”, auf einem UEFA-Cup- Platz: Das ließ nicht nur die zuletzt akuten Probleme der sportlichen Leitung vergessen.

Doch Hunke hat ganz andere Sorgen. Im kommenden Monat will er angesichts der dramatischen Wirtschafts-Situation des Vereins in die Offensive gehen.”Die Lage ist viel schlimmer als bisher angenommen. Es muß sich beim HSV Grundsätzliches ändern. Im ersten Jahr meiner Präsidentschaft muß die wirtschaftliche Situation entschieden sein. Das ist die Kardinalfrage”, sagte er. Trotz der äußerst angespannten Finanzlage erklärte der Präsident den derzeit am meisten umworbene HSV-Profi Thomas Doll für unverkäuflich – “auch wenn jemand zwölf Millionen bietet”.

http://www.abendblatt.de/archiv/1990/article202448871/Wieviele-Vaeter-hat-dieser-HSV-Erfolg.html

Jan. 91:

Am kommenden Mittwoch wird HSV- Schatzmeister Manhard Gerber einen Lichtbildervortrag halten. Thema: Das Modell, mit dem das neue Präsidium den hochverschuldeten Hamburger Sport-Verein binnen kurzem sanieren will. Präsident Jürgen Hunke, dessen Stärke die Begeisterungsfähigkeit ist, fand dafür schon gestern überschwengliche Worte: “Genial” nennt der HSV-Chef das “Kapitalgewinnungskonzept”, das den Klub in die Lage versetzen werde, sich total zu entschulden und jene Investitionen zu tätigen, die zur Rückkehr an die deutsche oder gar europäische Spitze nötig seien. Auch Experten einer großen Bank hätten ihr Urteil schon abgegeben: “Realistisch und gut”.

Was Hunke so sehr in Euphorie versetzt, sollen die Mitglieder auf einer außerordentlichen Versammlung am 15. April im Curio-Haus mit der erforderlichen Dreiviertel- Mehrheit absegnen: Die Gründung einer “HSV-Sport- AG”, die dem mit mehr als zehn Millionen Mark verschuldeten HSV das fehlende Geld an die Hand geben soll.

Unter dem Dach dieser AG organisieren sich dann die drei unabhängigen Bereiche Profifußball, Leistungssport (Volleyball, Leichtathletik) und Breitensport. Der vermeintliche Vorzug dieser Konstruktion: Der Verein gerät nicht mit den Statuten des Deutschen Fußball- Bundes in Konflikt, die eine Ausgliederung und Umwandlung des Profibereiches in eine AG noch nicht erlauben.

“Von den Banken bekommen wir kein Geld mehr. Deshalb müssen wir die Bevölkerung mobilisieren, um zu helfen und zu gewinnen. Stimmen die Mitglieder zu, können wir schon im Mai Aktien ausgeben”, sagte Hunke. Abnehmer sollen alle sein von finanzstarken Förderern bis zur Oma oder dem Fußballfreak, der sich so ein Zertifikat gern über das Bett hängt. Gegenleistung: Eine jährliche Dividende sowie Vergünstigungen etwa beim Stadionbesuch.

An skeptischen Stimmen fehlt es jedoch nicht. “Natürlich kann man einen Katalog entwickeln, bei dem Aktionäre glänzende Augen kriegen. Aber wo sollen denn die Dividenden herkommen, wenn nicht einmal die Spieler der AG gehören?” fragt Jochen Voswinckel von der Finanzberatungs- und Verwaltungsgesellschaft Matuschka. Die Antwort hält Hunke noch zurück. Soviel sickerte jedoch durch: eine Schlüsselrolle spielen die letzten HSV- Werte – die Anlage Ochsenzoll. Sie soll in AG- Vermögen umgewandelt werden.

Anreiz für die Aktionäre könnte der Bau eines gewinnträchtigen Hotelkomplexes sein. Klein, der schon ähnliche Projekte prüfte: “So etwas wäre möglich. Und einer besseren wirtschaftlichen Nutzung des Ochsenzoll-Geländes kann eigentlich kein Mitglied widersprechen.”

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202476927/Das-neue-Modell.html

 

Der 1. FC Köln ist an Thomas Doli (HSV) interessiert. Doli bestätigte, daß er mit Kölns Manager Udo Lattek “zu einem lockeren Gespräch” zusammengetroffen sei. Er wolle aber seinen Vertrag beim HSV bis zum 30. Juni 1992 erfüllen. “Ich möchte mit Hamburg in den UEFA-Pokal. Und die Nationalmannschaft soll keine Episode bleiben.” Ist Italien ein Thema? Doli: “Jeder Fußballer träumt davon. Das sind irre Verhältnisse dort.”

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202487617/FUSSBALL-1-FC-Koeln-will-Doll.html

 

Febr. 91:

Jürgen Hunke: „Fußball ist eine Branche mit eigenen Gesetzen. Das heißt nicht, daß man diese nicht ändern kann. […] Profifußball ist Leistung und Leistungsbereitschaft – wie im Geschäftsleben. […] Der HSV ist der Klub mit den größten Problemen in der Liga. Ich habe ihn übernommen, weil ich die Herausforderung suche, die wirtschaftliche Herausforderung. […] Ich peile sportliche Ziele an. Die haben Priorität. […] Ich habe die Aufgabe als HSV-Präsident nicht übernommen, um zu beweisen, daß ich ein guter Kaufmann bin. […]

[…] Es gibt für Hamburg keine Alternative als dieses Finanzierungsmodell.

kicker: Was bedeutet dies? Was passiert, wenn das AG-Modell nicht umgesetzt wird?

Jürgen Hunke: Dann gibt es in Hamburg bald keinen Profifußball mehr. Dann muß der HSV seine Lizenzspielerabteilung auflösen. […] …vor jeder Tat stand eine Idee. Und ich habe viele Ideen. In meinem Berufszweig habe ich alle in Bewegung gebracht. Alle haben am Anfang gesagt: Das schafft der nie. Dann klappte es – und selbst die Marktführer haben es nachgemacht. Und übrigens: Beim HSV werde ich keine Niederlage erleben. […] …ich brauche…diese Faktoren: Zeit, Geld, Vertrauen, Kraft und viel Motivation. Was ich nicht brauchen kann, ist Nörgelei und Besserwisserei. Ich will den HSV sanieren. Präsident bleibe ich maximal fünf Jahre.

(kicker, Nr.10/6.Wo. 4.2.1991).

 

Seine letzte ehrenamtliche Bindung zum Hamburger Sportverein gab Dr. Wolfgang Klein jetzt auf. Der frühere HSV-Präsident lehnte es ab, weiterhin in der „Projektgruppe Rothenbaum“ mitzuwirken. Der Fortbestand des traditionsreichen Stadions an der Rothrnbaum-Chaussee ist gefährdet, weil die Stadt Hamburg das Gelände für den Wohnungsbau vorgesehen hat. Dieses Vorhaben wertet Jürgen Hunke, der neue HSV-Vorsitzende, als „schlimmen Skandal“. Doch bei der Bewältigung des Problems kann Hunke nicht mehr mit der Hilfe von Dr. Klein rechnen. „Die Zusammenarbeit mit Hunke ist schwierig“, sagt der frühere Präsident, der mit dem jetzigen Vereinsführer auch zum Thema „HSV-AG“ keineswegs einer Meinung ist.

(kicker, Nr.12/7.Wo. 11.2.1991)

 

Fassade ist fast alles. Damit hat der 47jährige Versicherungsmanager es schließlich weit gebracht. Seine Firma ZEUS-Vermittlungsgesellschaft weist – auch dank eindrucksvoller Hochglanz-Werbebroschüren – einen Jahresumsatz von 250 Millionen Mark auf. Und so will er auch als Präsident den Hamburger Sportverein sanieren.

[…] Nach nur drei Monaten Amtszeit beginnt Hunkes Fassade zu bröckeln. Im Verein formiert sich eine wachsende Zahl Besorgter, die “sich zunehmend Gedanken machen”, ob Hunkes Führungsstil dem HSV “nicht schweren Schaden zufügt”. Selbst im engsten Mitarbeiterkreis ist die erste Euphorie verflogen.

[…] Gelitten hat vor allem die Glaubwürdigkeit, die der Präsident stets für sich reklamiert. Viele stimmt die Diskrepanz zwischen Hunkes Ankündigungen und seinen Taten bedenklich. […] Kurz vor seiner Wahl am 19. November verpflichtete Hunke den früheren HSV-Kapitän Ditmar Jakobs als sportlichen Berater. Kaum im Amt, ließ er ihn links liegen. […] Jakobs: “Wenn ich mich von den Dingen, die im Moment laufen, nicht distanziere, mache ich mir in 100 Tagen den Namen kaputt, den ich mir hier in elf Jahren gemacht habe.” […]

[…] Dem von Trainer Gerd-Volker Schock ausgebooteten Mittelfeldspieler Sascha Jusufi versprach Hunke als frischgebackener Klubchef “die Fürsorge des Vereins” und eine “faire Chance” zur Rückkehr ins Team. Während des Trainingslagers in Brasilien klang das vor versammelter Mannschaft plötzlich so: Jusufi sei ein “Geschwür”, das es zu beseitigen gelte. […] Ließ er zunächst keine Gelegenheit aus, Trainer Schock und Manager Georg Volkert als drittklassige Besetzungen abzuqualifizieren, lobt er sie nun plötzlich als “exzellente Fachleute”. Hintergrund des Sinneswandels: Der HSV hat kein Geld mehr, um teure Abfindungen zu zahlen. […] Aufgabengebiete des Geschäftsführers Jens Petersen erklärte er kurzerhand zur Präsidentensache, damit ihm ja nichts aus der Kontrolle gerate.

“Es kann nicht im Interesse des HSV liegen, wenn der Präsident öffentlich erklärt, der Klub sei bei den Banken nicht mehr kreditwürdig. So wird es nicht leichter, die Bundesliga-Lizenz für die kommende Saison zu erhalten”, sagt ein einflußreiches Mitglied. Hunkes Ankündigung, er werde zurücktreten und der HSV-Profifußball sei am Ende, falls sein Modell einer Aktiengesellschaft auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 15. April nicht die erforderliche Mehrheit finde, wird in diesen Kreisen als “üble Drohung” aufgefaßt, als “Nötigung, einem Plan zuzustimmen, selbst wenn er unsinnig ist”.

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202497731/Ende-der-Schonzeit.html

 

Jürgen Hunke: Ich mußte mich für Trainer und Manager entscheiden. Über den Fall Jusufi war mit Jakobs schwer zu sprechen, weil er als dessen Freund und Berater nicht neutral sein kann. Aber ich habe auch mit allen in der Mannschaft gesprochen. Nicht einer hat sich für Jusufi eingesetzt. Er will sich nicht integrieren, hat als einziger den Blazer mit dem HSV-Emblem nicht getragen und gegen die Reise der Mannschaft Anfang März nach Mallorca opponiert.

Ich habe der Mannschaft gesagt, daß Geschlosseneit im Fußball so wichtig ist wie ein gesunder Körper. Wenn ein Körper ein Geschwür hat, muß man es behandeln und nicht nur ein Pflaster draufkleben. Das habe ich nicht auf Jusufi bezogen.

Ich bemühe mich, Leuten eine Chance zu geben. In der momentanen finanziellen Situation passen sie zum HSV. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Wir verstehen uns gut, der Trainer bemüht sich wirklich, und das Sportliche funktioniert so gut, daß ich für die Bundesliga sehr zuversichtlich bin. Der HSV ist ein Sanierungsfall, den ich freiwillig übernommen habe. Wenn man etwas saniert, ist es klar, daß man dabei auch Leuten auf die Füße tritt. Schließlich müssen Schwachstellen beseitigt werden. Ich habe Verständnis, daß es einigen schwerfallt, mit diesem Druck umzugehen.

Die Mannschaft des HSV muß wieder verstärkt in den Vordergrund rücken. Manager und Geschäftsführer sollen sich mehr äußern. Ich werde mich aus den Tagesdingen ausklinken. Die Ein-Mann-Show Hunke wird erstmal eingestellt.

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202498185/Treten-Sie-zurueck-Herr-Hunke.html

 

[…] Gestern teilte Geschäftsführer Jens Petersen Präsident Jürgen Hunke mit, ihm lägen zwei lukrative Angebote aus der Auto- und Getränkebranche vor. Es gibt kaum Zweifel, daß der Mann, der Hunke zum HSV brachte, den Verein spätestens zum 30. Juni verläßt.

Petersen, seit 1. September 1989 beim HSV, würde die lange Liste verschlissener Führungskräfte beim HSV nur um einen Namen erweitern. Allein in den vergangenen drei Jahren gingen mit den Präsidenten Dr. Wolfgang Klein, Ernst Naumann und Horst Becker, Vizepräsident Helmut Kallmann, Schatzmeister Ernst-Otto Rieckhoff, den Managern Felix Magath und Erich Ribbeck, den Trainern Josip Skoblar und Willi Reimann sowie HSV-Generalsekretär Dr. Dirk Albrecht zehn Verantwortliche.

“Beim HSV muß ich mich mit zuviel Kleinkram abgeben. Ich möchte endlich wieder einmal richtiges Marketing machen ohne jedesmal um Geld betteln zu müssen”, deutete Petersen die Gründe für seine Wechselgelüste an. […] Er habe sich vom Amtsantritt Hunkes auch für sich selbst mehr Einfluß versprochen. […] “Ich habe ihn gebeten, den HSV und meine Arbeit weiter zu unterstützen”, sagte Hunke.

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202500961/Ein-HSV-Chef-will-gehen.html

 

[…] Heute sind die ersten 100 Tage des neuen Präsidiums vorüber. Die Aufbruchstimmung ist gewichen. […] Nachdem in der vergangenen Woche Geschäftsführer Jens Petersen seinen Ausstieg ankündigte…, droht Hunke nun ein Schlag mit noch unabsehbaren Folgen – der Rücktritt des Vizepräsidenten Günter Seipp (35).

100 Tage Hunke – das war neben viel Kleinarbeit für alle Beteiligten vor allem eine Ein-Mann-Show mit öffentlichkeitswirksamen Debatten um wohlklingende Utopien und unfertige Konzepte.

– Die geplante HSV-Aktiengesellschaft ist bei Fachleuten umstritten.

– Der Versuch, den HSV- Sportplatz Rothenbaum zu retten, dürfte zu spät kommen.

– Und die Realisierung des von Hunke geforderten Hallenstadions braucht noch Jahre.

Die Nagelprobe hat schon ein Datum: 15. April. Dann stimmen die Mitglieder über Hunkes AG-Pläne ab, die den Klub sanieren sollen.

Günter Seipp: […] Die Arbeit gestaltet sich schwieriger als erwartet. Wir wollten neue Konzepte insbesondere im Volleyball, um nicht jedes Jahr um Zuschüsse betteln zu müssen. Aber . die Schaffung neuer Strukturen kostet Geld. Ich hatte mir alles leichter vorgestellt. Es wurden drei neue Mitarbeiter für den PR-Bereich eingestellt, in erster Linie zuständig für Fußball. […] Die Aufgaben zwischen Herrn Hunke, Herrn Gerber und mir sind klar abgegrenzt. […] Wenn sich die Situation beim Volleyball nicht klärt, würde ich erwägen, mich aus dem Präsidium zurückzuziehen.

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202502593/Ultimatum-fuer-Hunke.html

 

März 91:

Doll ist nach vielen Fehleinkäufen der beste Transfer, der den meist unglücklichen HSV-Vorstandsmitgliedern in den letzten Jahren gelungen ist. “Endlich haben wir wieder einen Star”, sagte Manager Georg Volkert. “Doll ist Teil unserer Zukunftsplanung”, ergänzte Hunke. “Darüber muß man in Ruhe reden”, meinte Doll. Das gestrige Treffen war das erste einer ganzen Reihe, an deren Ende ein neuer Vertragsabschluß stehen soll.

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202503777/Thomas-Doll-Endlich-ein-Star.html

 

[…] Die Verschuldung des Vereins hat ein existenzbedrohendes Ausmaß erreicht. Die Lizenz für die nächste Saison ist akut gefährdet. Wird sie erteilt, so nur unter einschneidenden Bedingungen und Auflagen. Eine davon könnte der Zwang zu Spielerverkäufen sein. Sollte der HSV aber einen der wenigen interessanten Profis transferieren müssen, wäre die sportliche Konsequenz vernichtend. Hier schließt sich der Kreis – ein Ausweg ist kaum in Sicht.

Zumal es auch in der Führung rumort. […] Volkert wird bei allem Sachverstand nicht zugetraut, in schwierigsten Zeiten die notwendigen harten Maßnahmen treffen zu können. Ahnliches gilt für Trainer Gerd-Volker Schock. Niemand behauptet, daß hier aus der Not eine Tugend gemacht wurde. Abwanderungsgelüste des Marketing-Chefs Jens Petersen und Rücktrittsdrohungen des Vize-Präsidenten Günter Seipp tragen zur Unruhe bei.

Ein Aktienmodell soll den Verein retten und den (Zwangs-) Fall in das Amateurlager verhindern.

Dabei haben sich die Klubmitglieder im November des vergangenen Jahres für eine Zäsur entschieden, die Hoffnung macht. Die Wahl des neuen Präsidenten Jürgen Hunke war gleichbedeutend mit einer Abkehr von der jahrelangen Verschleierungs- und Verschuldungspraxis. “Transparenz” ist das Motto der neuen Öffentlichkeitsarbeit. “Die Lage ist viel ernster als befürchtet”, haben Präsident Jürgen Hunke und Schatzmeister Manhard Gerber längst erkannt. Die Sünden der Vergangenheit sind gigantisch, sie machen eine Zukunftsplanung sehr schwer.

Konkurs oder Fortbestand – die Entscheidung über die Zukunft des Hamburger SV fällt jetzt. […]

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202503771/Die-letzte-Chance-vor-dem-Konkurs.html

 

Nun will sich, zum dritten Mal in der deutschen Nachkriegsgeschichte, ein finanziell schwer angeschlagenes Unternehmen mit der Ausgabe von Aktien sanieren: der Hamburger Sportverein. Der mit zehn Millionen Mark verschuldete Fußball-Bundesligaklub erhält von keiner Bank neue Kredite. Als drittklassiger Kunde – so ziemlich alle Vermögenswerte des HSV sind verpfändet – zahlt der Verein inzwischen Zinsen bis zu 13 Prozent.

[…] Jürgen Hunke (“Nur wer selbst brennt, kann andere entzünden”) hatte auch ganz schnell ein “geniales Konzept”, mit dem er Millionen in die Kasse zaubern möchte: 36 000 Aktien a 1000 Mark sollen 36 Millionen Mark einbringen. […] Da kein Kreditinstitut die Emission der hochspekulativen HSV-Aktien wagen würde, muß der Verein seine Papiere selbst verkaufen – zum Nominalwert zuzüglich etwa 70 Mark Ausgabekosten. Das fällt um so schwerer, als das Papier einer schlechtverzinsten Schuldverschreibung ähnelt. Weil aber, wie HSV-Schatzmeister Hans Manhard Gerber weiß, “die Leute was zum Anfassen haben wollen”, druckt der Klub das Wort “Aktie” darauf, das klingt besser.

Als Kapitalanlage, das gibt selbst Hunke inzwischen zu, ist die HSV-Aktie nicht gerade empfehlenswert – Investoren scheiden damit von vornherein als Käufer aus. Hunke setzt auf Fans und Freunde des Vereins, denen ideelle Werte genügen. Und daß schließlich viele Hamburger Firmen, wie Hunke weiter hofft, sich HSV-Aktien zulegen, widerspricht hanseatischem Kaufmannsgeist. Auch da hat der Verein schlechte Erfahrungen gemacht, als er versuchte, den Pfeffersäcken ein paar Mark zu entlocken. “Club 100″ hieß die Idee: 100 Geschäftsleute sollten mit jeweils 5000 Mark jährlich den Verein unterstützen und dafür eine Vorzugsbehandlung als Zuschauer genießen. Beim Mitgliederstand von 36 Mann im “Club 100″ wurde der Zirkel aufgelöst.

Wie miserabel viele Bundesliga-Vereine bislang gemanagt werden, führt am eindrucksvollsten der HSV vor. Als Mitte der achtziger Jahre erstmals ein Verlust in Millionenhöhe auftauchte, wurde er durch einen simplen Bilanztrick vertuscht. Kurz vor Ende des Geschäftsjahres verkauften die HSV-Oberen vier Spieler und verbuchten die Transfer-Erlöse als Gewinn. Die notwendigen Neuerwerbungen schlugen sich erst in der nächsten Bilanz nieder.

Durch Fehleinkäufe häuften sich dann zügig die Verluste. Den Abwehrspieler Hans-Werner Moser erwarb der HSV für 1,2 Millionen Mark und gab ihn für 600 000 Mark ab. In das “große Talent” Detlev Dammeier investierte Manager Felix Magath eine Million Mark, der Mann saß meist auf der Reservebank. Trainer Josip Skoblar erwies sich nach wenigen Wochen als krasse Fehlbesetzung, das kostete 350 000 Mark Abfindung. Sein Nachfolger Willi Reimann wurde für 600 000 Mark dem FC St. Pauli abgekauft – und nach zweijähriger Tätigkeit entlassen. Magath, der erfolglos blieb, kassierte 560 000 Mark bei seinem vorzeitigen Ausscheiden.

Möglich wurde die Mißwirtschaft durch eine stattliche Erbschaft, die Ex-Präsident Paul Hauenschild seinem Verein 1962 vermacht hatte. Die Immobilien und Wertpapiere, rund fünf Millionen Mark schwer, wurden entgegen dem Stiftungszweck als Sicherheit den Kreditinstituten verpfändet.

Nur ein 130 000 Quadratmeter großes Grundstück von “Onkel Paul”, wie der Gönner noch heute beim HSV genannt wird, blieb unbelastet. Eigentümer der Immobilie ist aber nicht der HSV, sondern der HSV-Ochsenzoll e.V. Zwar gehören die HSV-Mitglieder beiden Vereinen – HSV und HSV-Ochsenzoll – an, doch der Ochsenzoller Verein ist juristisch selbstständig. Sein Grundstück – neun Fußballplätze, Tennisplätze und andere Sportanlagen – wird vom HSV genutzt, der das jährliche Defizit, rund 750 000 Mark, ausgleicht.

Um an das in Ochsenzoll angelegte Geld von Onkel Paul zu kommen, ließ sich Schatzmeister Gerber, im Hauptberuf Steuerberater, eine verzwickte Lösung einfallen: Die Anlage soll als HSV-Vermögensverwaltung unter die Obhut der HSV-Aktiengesellschaft kommen. Und weil Gerber auch noch Auflagen des Deutschen Fußball-Bundes berücksichtigen muß, konstruierte er ein AG-Modell, das kein künftiger Aktionär aus der Westkurve versteht. Selbst ein HSV-Fan mit abgeschlossener juristischer Ausbildung stöhnte beim Studium des Modells: “Wenn das nur einer begreifen würde . . .”

Stark vereinfacht dargestellt, soll die HSV AG als eine Art Dachgesellschaft über den Fußballprofis und den anderen HSV-Sportabteilungen thronen. Der wesentliche Gesellschaftszweck: Die AG soll wie eine Hausbank agieren, mit 10 Millionen Mark die Schulden des HSV ablösen und noch etwa 6 Millionen Mark für notwendige Investitionen bereitstellen, damit das mittelmäßige Spielniveau der Kickertruppe angehoben werden kann. 20 Millionen Mark verbleiben in der AG und werden in Wertpapieren angelegt. Aus den Erträgen dieser Papiere sollen die Aktionäre eine Dividende erhalten, auch der HSV zahlt für das von der AG geliehene Geld Zinsen.

Mit einer abenteuerlichen Rechnung kommen Hunke und Gerber auf ihr 36-Millionen-Mark-Kapital der AG: Rund 5 Millionen Mark beträgt das Hauenschild-Vermögen des HSV; mit 16 Millionen Mark sind die HSV-Profis versichert – ein fiktiver Wert, weil diese Versicherungssumme nur dann fällig würde, wenn alle Leistungsträger tot umfallen; auf rund 15 Millionen Mark taxieren Hunke und seine Freunde das Ochsenzoller Gelände – soviel wert wäre das Grundstück aber nur dann, wenn es als Bauland verkauft wird. Wird das Grundstück aber bebaut, hat der HSV keine Trainingsmöglichkeiten mehr; bleiben hingegen die Sportanlagen, ist die Immobilie nur 3 Millionen Mark wert.

Schließlich würde die Schaffung einer HSV AG wenig an der trostlosen Finanzlage des HSV ändern. Der Klub wäre zwar seine 10 Millionen Mark Bankschulden los, dafür aber würden 10 Millionen Mark Verbindlichkeiten der AG gegenüber die Bilanz verunzieren – es sei denn, die AG schenkte das Geld ihrer Aktionäre dem Verein. Vorsichtshalber verspricht Hunke, anders als in der ersten Begeisterung, seinen künftigen Aktionären keine Dividende mehr. Der Präsident, der im Hauptberuf höchst erfolgreich Versicherungspolicen von Drücker-Kolonnen verkaufen läßt, wehrt Einwände gegen seine angeblich genialen Ideen weiterhin brüsk ab.

Auch wenn die HSV-Mitglieder auf der Hauptversammlung am 15. April seine Pläne nicht billigen – die Nachwelt, davon ist Hunke überzeugt, wird sein Genie auf dem Präsidentenstuhl rühmen. “Was ich alles verändert habe”, sagt Jürgen Hunke, “wird man wohl erst feststellen, wenn ich tot bin. Da geht es mir wie großen Malern.”

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13488552.html

 

Bisher kennen Hans Schümann beim HSV nur wenige. […] Am 15. April soll der 50 Jahre alte Direktor eines Hamburger Gymnasiums in der außerordentlichen Mitgliederversammlung das Amt des HSV-Vize-Präsidenten von Günter Seipp übernehmen. […] HSV-Präsident Jürgen Hunke hätte mit Schümann den entscheidenden Mann und Kenner des HSV-Ochsenzoll in seinen Reihen und dessen Unterstützung braucht er bei der Realisierung seines AG-Konzeptes. […] Der Sinn der neuen Aktion: Der umworbene HSV- Ochsenzoll e.V. ist allein Eigentümer des 130 000 Quadratmeter großen Grundstücks in Norderstedt […]

[…] Das Gelände mit einem geschätzten Wert zwischen 3 (als Sportgelände) und maximal 15 Millionen Mark (falls es Bauland würde), soll ebenso wie das von der ehemaligen Vereinsführung verpfändete Paul- Hauenschild-Sondervermögen und der Versicherungswert der gesamten Fußball- Profimannschaft als Gegenwert für die Aktien- Emission stehen. Damit wirft der HSV sein letztes Pfand, nachdem es ihm verfügbar ist, gleich in die Waagschale. Ochsenzoll – das Gelände, das als unantastbar galt. Bis jetzt.

[…] “Es stehen mehrere Modelle zur Debatte, wie das Ochsenzoll- Vermögen in die AG eingebracht werden soll”, sagt Schümann. “Auch über eine Auflösung wurde gesprochen. Aber im Moment ist alles noch Spekulation.” […] “Es gibt Widerstand, der HSV- AG das Ochsenzoll-Vermögen zur freien Verfügung zu stellen”, sagt Schümann. […] es bleiben Zweifel. Es ist nicht auszuschließen, daß am 15. April das Hunke- Modell scheitert, falls die Mehrheit der Mitglieder eine Anbindung der Paul-Hauenschild-Plätze aus moralischen und wirtschaftlichen Gründen ablehnt.

Präsident Hunke jedoch sieht keinen anderen Weg: “Es steht und fällt alles mit der Einbindung des Geländes in Ochsenzoll in den HSV.”

Hans Schümann ist dennoch optimistisch. “Die Leute wissen, daß es keine Alternative zu unserem Modell gibt. Dem HSV würde sonst das Schicksal von Bochum drohen. Der Verein muß am Ende jeder Saison einen Spieler verkaufen, um die Lizenz vom DFB zu bekommen.” […] Es gibt aber auch Kenner des HSV, die sich auf diese Version schon festlegen: Die außerordentliche Mitgliederversammlung am 15. April bietet nur eine reine Abstimmung ohne diskutable Alternative. Die Mitglieder haben keine Wahl.

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202478585/Das-letzte-Pfand-des-HSV.html

 

April 91:

Gerd-Volker Schock: Wir schielen nicht nach einem bestimmten Platz, sondern wir müssen jedes Spiel konzentriert angehen. Ziel Nummer eins ist auf jeden Fall ein UEFA-Cup-Platz. […]

HA: Wie stark belastet Sie die wirtschaftliche Situation des Vereins?

Schock: Das beschäftigt jeden von uns; schließlich geht es um unsere Arbeitsplätze. Beinahe täglich lesen wir neue Meldungen, da kommt man kaum zum Atmen. Es ist bewundernswert, wie die Mannschaft das alles wegsteckt

HA: Jetzt wird auch noch über einen Verkauf von Thomas Doll spekuliert.

Schock: Das wäre, als wenn man einem Stuhl alle vier Beine absäge. Lieber sollten sich Freunde und Gönner des HSV zusammentun und noch einmal investieren, damit wir noch ein oder zwei gute Spieler holen können. Dann hätten wir wieder eine Spitzenmannschaft.

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202532431/Investieren-statt-Doll-verkaufen.html

 

Eine Führungsperson verläßt den Klub. Marketing-Chef Jens Petersen (46), seit dem 1. September 1989 in den Diensten des HSV, kündigt mit Wirkung zum 30. April 1991. Er wird Eer 1. Mai allein vertretungsberechtigter Geschäftsführer des Autohauses Car & Driver am Friedrich-Ebert-Damm in Wandsbek. […] “Ich bedaure die Entscheidung des Herrn Petersen, werde ihm aber keinen Stein in den Weg legen”, sagte HSV-Präsident Jürgen Hunke. Petersen selber begründete seinen Entschluß gegen den HSV so: ?Für mich ist die neue Tätigkeit eine größere Herausforderung – ich bin dann mein eigener Herr.”

Das Präsidium stimmte der vorzeitigen Vertragsauflösung nur unter der Bedingung zu, daß Petersen dem HSV im Mai und Juni jeweils einen halben Tag pro Woche zur Verfügung steht, um die Abwicklung des geplanten Aktienmodells voranzutreiben. Im Anschluß daran soll Petersen einen Beratervertrag erhalten.

In den letzten drei Wochen seiner Tätigkeit will Petersen weiterhin die angelaufenen Gespräche mit der Werbeagentur Lintas zum Abschluß bringen. Lintas ist bereit, dem HSV kostenlos ein Marketing-Konzept zu erstellen. […]

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202515935/HSV-Chef-hat-gekuendigt.html

 

Die Zeit drängt. Der HSV braucht Geld oder Bürgen, sonst erteilt der Deutsche Fußball-Bund (DFB), der neben einer soliden Saison-Finanzierung eine Liquiditätsreserve in Millionenhöhe fordert, keine neue Bundesliga-Lizenz.Soll die Stadt helfen, bleiben nur noch zwei Wochen. Am 24. und 25. April tagt die Hamburger Bürgerschaft zum letztenmal vor den Wahlen am 2. Juni. Die Innenbehörde, in dieser Angelegenheit inzwischen federführend, will in einer Vorlage für die Senatssitzung am 16. April ihre Vorschläge in Sachen HSV unterbreiten.

Die Hamburger Sparkasse (Haspa), Hauptgläubiger des HSV, soll anstelle der Stadt dem Klub über “die kurzfristigen Liquiditäts-Engpässe” (HSV-Präsident Jürgen Hunke) helfen. Im Gegenzug würde das Kreditinstitut bis zu der gebürgten Höhe die Erlöse aus dem Aktienverkauf der geplanten HSV-AG erhalten.

[…] “Keinen Pfennig mehr für den HSV” lautet inzwischen in der Geschäftsführung der Haspa die Devise. Und auch die anderen Gläubiger-Banken des HSV haben bereits signalisiert, daß ihre Kreditquellen für den Klub endgültig versiegt seien. Und schlimmer noch: Kein Institut ist bereit, weder als Konsortial-Führer noch -Teilnehmer die Ausgabe der HSV-Aktien (Emission) über ihre Geschäftstresen abzuwickeln. […]

Scheitert das Aktien-Modell, würde das indes nicht zwangsläufig das Ende des HSV bedeuten. Denn der Klub besitzt als letztes Faustpfand seine Tradition. Mit diesem Argument könnte der HSV seine überlebensnotwendige Entschuldung einleiten und in Vergleichs- Verhandlungen mit seinen Gläubigern gehen. Die müßten schließlich abwägen, ob sie in Hamburg in den Ruf des Totengräbers eines 104 Jahre alten Vereins kommen oder auf einen Großteil ihrer Forderungen verzichten wollen.

[…] Repräsentanten aus Politik und Wirtschaft, angesehene Persönlichkeiten dieser Stadt, sollten für eine Übergangszeit die Führung des Vereins übernehmen, eine Art Notvorstand des HSV bilden. Ihr Leumund würde für die Seriosität des Unterfangens bürgen. […]

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202515957/Geheimplan-Haspa-soll-dem-HSV-helfen.html

 

Schützenhilfe für HSV-Präsident Hunke: und ein unverhoffter Geldsegen für den Hamburger Renommierklub: Ein Gönner, der ungenannt bleiben will, läßt der Paul-Hauenschild-Stiftung eine Finanzspritze in Höhe von fünf Millionen Mark zukommen. Dies teilte gestern Jürgen Werner, der Vorsitzende der Stiftung, mit. Gleichzeitig signalisierte er die Bereitschaft der Stiftung, „unter bestimmten Prämissen“ den Plänen zur Gründung einer Aktiengesellschaft zuzustimmen und das Vermögen als Substanz zuzuführen. […] Werner, bisher eher kritisch den Plänen gegenüberstehend, nannte folgende Bedingungen: Einmal „ein vertraglich abgesichertes Mitwirkungsrecht im Hinblick auf die Sicherung des Vermögens.“, das sich nach der jüngsten Stiftung auf zwölf Millionen Mark beläuft. Zudem eine rechtlich einwandfreie risikolose Konstruktion.

(kicker, Nr.29/15.Wo. 11.4.1991)

 

Jürgen Werner, der als Interessenvertreter der Hauenschild-Stiftung im Aufsichtsrat der AG wohl Vorsitzender wird, soll seinen ehemaligen Mannschaftskameraden in die Pflicht nehmen. Seeler hatte immer wieder betont, seinem HSV zu helfen, wenn es sich mit seinem zeitintensiven Beruf vereinbaren ließe. Diesmal ginge es nur um den Weg zum Notar. “Wir würden uns sehr freuen, wenn Uwe Seeler AG-Gründungsmitlied würde”, sagte HSV- Präsident Jürgen Hunke.

Auch der HSV-Gönner, ein Apotheker aus dem Hamburger Umland, der ungenannt bleiben will (Name der Redaktion bekannt), möchte Seeler bitten, der HSV AG diese vertrauensbildende Unterstützung zu gewähren. Der Mäzen hat seine angekündigte Dotation von 5,1 Millionen Mark für die Hauenschild-Stiftung, 100 000 Mark davon als Gründungskapital für die AG, an das Zustandekommen der AG gebunden.

Schon vor zwei Jahren hatte der Spender weitere Zuwendungen von einem Sanierungskonzept abhängig gemacht. Auch diesmal fließt sein Geld nicht in den Fußball-Bundesligaklub. Es bleibt als Stiftungsvermögen dem Zugriff des Vereins und der AG verschlossen. Von den Erträgen der Geldanlage profitiert vor allem die Jugendarbeit des HSV. Der Geist des Paul-Hauenschild-Testaments wird damit am Leben erhalten.

Als weitere Gründungsmitglieder der AG sind der Verleger und ehemalige HSV-Präsident Ernst Naumann sowie Udo Bandow, Präsident der Hanseatischen Wertpapierbörse und Vorstandsmitglied der Vereins- und Westbank, im Gespräch.

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202517879/Uwe-Seeler-soll-die-HSV-AG-gruenden.html

 

Mehrere Bundesüga-Vereine wollten ihn verpflichten, internationale Klubs zeigten Interesse, bekannte Spielervermittler witterten mit ihm das große Geschäft. Aber gestern unterschrieb HSV-Profi Thomas Doli einen Vier-Jahres- Vertrag in Hamburg. Der Nationalstürmer bleibt jetzt bis zum Juni 1995 beim HSV. Es sei denn, ein Klub kauft ihn für viel Geld – aus dem laufenden Vertrag heraus. “Ich bin sehr froh, daß wir ihn langfristig binden konnten. Thomas Doll hat sich für den neuen HSV entschieden und woüte mit seiner Unterschrift ein Signal setzen”, sagte HSV-Präsident Jürgen Hunke.

HSV-Geschäftsstelle Rothenbaumchaussee 125, gestern um 14.55 Uhr. Die Vertragsverlängerung des 25jährigen ist perfekt. Dolls erster Kommentar: “Meine sportliche Zukunft hegt in Hamburg, beim HSV. Ich will mit dem Verein in einen europäischen Wettbewerb und mir meinen Platz in der Nationalmannschaft sichern. Deswegen bleibe ich.” […] “Es waren harte Verhandlungen. Doll ging wie auf dem Spielfeld zur Sache: Energisch, zäh, trickreich und willensstark. Er hatte ursprünglich höhere finanzielle Vorstellungen, aber zum Schluß sind wir uns beide entgegengekommen. Wir haben uns in der Mitte getroffen, Thomas Doll hat große Verantwortung gegenüber dem HSV gezeigt”, sagte Hunke, der keine Summe nennen wollte. Pro Saison aber wird der Verdienst des besten HSV-Spielers bei mehr als 600 000 Mark hegen.

Ein Schein-Geschäft, so Präsident Hunke, ist dieser Doll-Kontrakt auf keinen Fall: “Das ist kein Riedle-Vertrag.” Der SV Werder Bremen hatte vor einem Jahr, als der italienische Erstliga-Klub Lazio Rom Kaufinteresse anmeldete, Riedle über Nacht langfristig gebunden. Für die Römer wurde Riedles Verpflichtung dann ein äußerst teures Vergnügen – sie zahlten 13 Millionen Mark

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202517897/Doli-bleibt-bis-1995-beim-HSV.html

 

Der Hamburger Sportverein gründet als erster Klub der Fußball-Bundesliga eine Aktiengesellschaft. Das haben die Mitglieder des Traditionsvereins gestern abend um 21.14 Uhr im Curio-Haus mit überwältigender Mehrheit beschlossen.Von den 533 anwesenden Mitgliedern stimmten 96 Prozent für die HSV Sport AG, es gab nur neun Gegenstimmen und 15 Enthaltungen. Für den Verein sei dieser 15. April zu einem “historischen Tag” in seiner 104 Jahre alten Geschichte geworden, sagte HSV-Präsident Jürgen Hunke, […] Bis zur Ausgabe der ersten Aktien werden aber noch Monate vergehen. […] Nur mit dem geplanten Aktien-Modell könne es in Zukunft noch Profi-Fußball im HSV geben.

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202518903/Entscheidung-gefallen-HSV-gruendet-Aktiengesellschaft.html

 

[…] Das von Hypotheken fast unbelastete Gelände in Ochsenzoll, bisher ein unantastbares Heiligtum für alle HSV-Mitglieder, kann jetzt an die AG verkauft werden. Auf diesem Weg könnte der HSV seine Verbindlichkeiten von bis zu zwölf Millionen Mark, die er Mitte des Jahres erwartet, ablösen. Der Klub wäre erstmals nach Jahrzehnten schuldenfrei, aber auch ohne Besitz und Aktivvermögen. […] … bei der anschließenden Abstimmung des – personengleichen – HSV Ochsenzoll-Norderstedt e.V. sprachen sich zwölf Mitglieder gegen den Verkauf des Geländes aus und acht enthielten sich. Damit wurde die nötige Marge von 75 Prozent deutlich überboten. Die geplante Verschmelzung zwischen dem HSV und dem HSV Ochsenzoll-Norderstedt e.V. mußte dagegen erwartungsgemäß verschoben werden. Für diesen Vorgang hätten 75 Prozent der Mitglieder, etwa 4000, anwesend sein müssen. Bei der nächsten Versammlung reicht dann das Votum von 75 Prozent der Anwesenden.

[…] Beim HSV, und das ist das Signal aus dem Curio-Haus, wird nicht mehr zurückgeblickt, sondern nur noch nach vorn gedacht. […] Der Präsident (schwarz-weißer Schlips) redete fürs Herz, der Schatzmeister (roter Schlips) appellierte mit Zahlen und Schaubildern an den Verstand. Daß beides ankam, zeigte der fast einhellige Beifall der Mitglieder und das spätere Abstimmungsergebnis.

“Heute ist kein Tag für Abrechnungen und Ursachenforschung”, hatte Hunke die Versammlung eröffnet, “wir reden nicht über die Vergangenheit, wir denken an die Zukunft.” Der Präsident zeigte vier Alternativen auf, die dem HSV in seiner jetzigen Lage bleiben.

Erstens: Ein Gönner schenkt dem Verein 15 Millionen Mark. Hunke: “Den gibt es nicht.”

Zweitens: Es wird weiter “gewurschtelt”. Hunke: “Nicht mit uns.”

Drittens: Der Profi-Fußball wird abgeschafft, der HSV wird ein gesunder Breitensport-Verein. Hunke: “Das wollen wir nicht.”

Viertens: Die Gründung einer AG. Hunke: “Ich habe dazu in den vergangenen Monaten von niemandem im HSV eine Alternative gehört.”

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202519241/HSV-AG-der-Weg-ist-frei.html

 

Den guten alten HSV gibt es nicht mehr, doch der neue hat die Probleme des alten. Auch der HSV, der jetzt eine Aktiengesellschaft gründen wird, hat – noch – kein Geld. […] … die Freie und Hansestadt Hamburg konnte sich noch nicht entschließen, beim Deutschen Fußball- Bund (DFB) für den Verein zu bürgen. HSV-Präsident Jürgen Hunke reagierte gelassen: “Ich habe Verständnis dafür, daß sich die Politiker für diese Entscheidung mehr Zeit lassen wollen.”

Der HSV bittet die Stadt um eine Bürgschaft von 7,5 Millionen Mark, sechs Millionen für die vom Lizenzentzug bedrohten Profi- Fußballer, 1,5 Millionen für den jetzt eigenständigen Leistungssport e.V. Volleyball und Eishockey.

Die Stadt will im Gegenzug ein Sanierungskonzept und Sicherheiten. Das Gelände in Ochsenzoll soll als Garant für die Bürgschaft dienen. Noch fehlt aber ein unabhängiges Gutachten über den Wert des 130 000 Quadratmeter großen Geländes. Innensenator Werner Hackmann forderte zudem, daß die sieben Gläubiger-Banken des HSV ihre bisher am 30. Juni auslaufenden Kreditlinien zumindest über jene 6,5 Millionen Mark (von insgesamt bisher 10,5 Millionen) verlängern, für die der Klub noch Sicherheiten gewährt.

“Der Senat ist sich einig, daß der HSV – wie andere Traditionsvereine wie beispielsweise St. Pauli, Bergedorf 85, Altona 93, Harburger Turnerbund, Victoria und Concordia – aus unserer Stadt nicht wegzudenken ist”, führte Voscherau aus. “Der Senat hat damit nicht offenkundig Partei ergriffen. Jetzt aber gibt es eine Notlage, auch durch die Paragraphen des DFB bei der Erteilung der Bundesliga-Lizenz; und in dieser Notlage steht zur Zeit nur einer dieser genannten Vereine. Der Senat ist bereit, die Prüfung der vom HSV gewünschten Hilfen zu aktualisieren, gegebenfalls auch unter Einbeziehung etwaiger DFB-Auflagen.” […] “Können Sie sich vorstellen, die Bundesliga wird nach der Sommer-Pause eröffnet und nur St. Pauli ist noch dabei, der andere Klub aber verschwunden…”

Trotz der aufgetretenen Schwierigkeiten läßt sich HSV-Schatzmeister Gerber in seinem Wunsch nach Bürgschaft nicht beirren: “Der HSV zahlt jedes Jahr fünf Millionen Mark Steuern. Er hat über Jahre den Breitensport im Verein großzügig unterstützt. Der HSV war immer ein bedeutender Werbeträger dieser Stadt, mit dem sich die Politiker nach großen Erfolgen auf dem Balkon des Rathauses geschmückt haben. Jetzt möchten wir von all diesen Leistungen, und das auch nur vorübergehend, etwas zurückerhalten.”

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202519659/Noch-keine-Buergschaft-fuer-den-HSV.html

 

Hunke geht jetzt in die Offensive. Ein Wirtschaftsprüfer soll anhand früherer Bilanzen die Verlustquellen des Universalsportvereins HSV aufspüren. Das hat das Präsidium gestern beschlossen. Die berechtigte Vermutung des Präsidenten: Nicht die Fußball-Profis haben den Verein ins Minus gekickt, sondern das Engagement des HSV für seine Amateur-Abteilungen. “In der öffentlichen Diskussion wird der Eindruck erweckt, der Klub sei durch zu hohe Gehälter für die Fußballer in diese Lage gekommen. Der HSV hat aber Defizite gemacht, weil er kostenlos Sportstätten zur Verfügung stellte und Volleyball, Eishockey und Schach subventioniert hat.”

[…] Die geplante Präambel des Gewerbebetriebes HSV-Sport AG, in der festgeschrieben werden soll, alles zu tun, was dem HSV hilft, bedarf der präzisen Formulierung, die Bindungen zwischen dem HSV e.V. und der AG der vertraglichen Ausarbeitung. Als Hauptschwierigkeit könnte sich erweisen, die gegensätzlichen Interessen der auf Rendite bedachten Anleger mit den Wünschen des HSV zu vereinbaren, der Geld und Immobilien der AG zu günstigen Preisen nutzen möchte.

[…] “Die AG kann auf dem expandierenden Sport- und Freizeitmarkt ohne die Zahlung von Lizenzgebühren das weltweite Markenzeichen ,HSV nutzen”, sagt der Präsident, der auch Vorstandsvorsitzender der Aktiengesellschaft werden soll, “im Gegenzug geht die AG bei allen investiven Maßnahmen für den HSV e.V. ins Risiko. Außerdem sollte ein geringer Prozentsatz des AG-Gewinns in den HSV fließen.”

“Die AG würde keinen 30jährigen für zehn Millionen Mark kaufen, sondern nur Spieler, die Entwicklungschancen haben. Das wirtschaftliche Risiko muß überschaubar bleiben”, sagt Hunke. […} “Entscheidungen über Ausgaben von mehr als 100 000 Mark können nicht mehr von einer Person allein getroffen werden. Und der HSV wird künftig keine ungesicherten Kredite mehr in Anspruch nehmen dürfen. Das werden wir in der Satzung festhalten”, sagt Hunke.

Im Gegensatz zu bisherigen Fußball-Aktien-Modellen (zum Beispiel Tottenham Hotspur) seien dank der rechtlichen Eigenständigkeit von HSV e.V. und HSV-Sport AG genug Kontrollmechanismen eingebaut. “Gelder werden verloren durch emotionale Entscheidungen. Das ist in unserem Konzept ausgeschlossen.”

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202522089/Das-letzte-Geheimnis-der-HSV-AG.html

 

Mai 91:

[…] Der Gutachterausschuß des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) empfiehlt dem Liga-Ausschuß, dem mit 12,5 Millionen Mark verschuldeten Tabellenvierten der Fußball-Bundesliga die Lizenz für die kommende Saison zu verweigern. Begründung: Der HSV konnte bisher nicht nachweisen, daß er bis zum 30. Juni 1992, bis zum Ende der nächsten Spielzeit, genug Geld zur Verfügung hat, um den Sportbetrieb reibungslos abwickeln zu können.

Kritiker werfen dem HSV-Präsidenten Jürgen Hunke und seinem Schatzmeister Hans Manhard Gerber vor, die Lizenzproblematik zu lange vernachlässigt und statt dessen ihr Aktien-Modell forciert, also den zweiten vor dem ersten Schritt unternommen zu haben.

“Wir haben ein Sanierungskonzept, das von der Stadt Hamburg akzeptiert wird”, wehrt sich Gerber, “und wir haben jetzt die vielleicht einmalige Chance, den HSV grundlegend zu gesunden.” HSV-Präsident Hunke ist überzeugt: “Die Sache wird nicht an fehlenden ein oder zwei Millionen Mark scheitern. Ich sichere zu, wir bekommen die Lizenz. Egal wie.” […] Hunke: “Wir müssen jetzt auch in die allerletzte Ecke gucken und jede Mark einsparen. Dabei sind alte Strukturen nicht mehr heilig. Ab heute übernehme ich das Allein-Kommando.”

[…] Die geplante Abtretung des 130 000 Quadratmeter großen HSV-Geländes in Norderstedt an die Stadt akzeptiert der Senat nur nach Vorlage eines Wertgutachtens – und wohl nicht mehr vor den Wahlen am 2. Juni.

Laut der Deutschen Presse- Agentur (dpa) waren die sieben Gläubigerbanken bereits Ende März bereit, alle Voraussetzungen des DFB zur Lizenzvergabe zu erfüllen. Dem HSV wurde signalisiert, das Gelände in Norderstedt als Pfand für bislang ungesicherte Kredite in Höhe von 4,5 Millionen Mark, die am 31. Mai und 30. Juni auslaufen, zu akzeptieren. Der genaue Wert des Geländes spielte dabei keine Rolle, die Banken taxierten ihn höher als sechs Millionen Mark.

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202528121/Die-Zeit-laeuft-ab.html

 

Hello, Ciao Dolly!

Der finanziell wichtigste Transfer der Vereinsgeschichte stand bevor. Mit einem Schlag, sprich Transfer, könnte man scheinbar alle finanziellen Probleme beim HSV ad acta legen. Das verkündete zumindest Jürgen Hunke mit seiner ganzen Ausdruckskraft. Natürlich ließ er sich es nicht nehmen, den Thomas-Doll-Transfer Richtung Lazio Rom wiederholt zur Chefsache zu erklären. Ohne sein Verhandlungsgeschick wäre selbstverständlich niemals so eine Summe ausgehandelt worden. So ließ es der HSV-Boss zumindest jeden wissen, der Fragen zum Ablauf der Verhandlungen mit Lazio Rom hatte. Dass die Kontakte überhaupt nach Italien erst zustande kamen, nahm der „Teilzeit-Manager“ Georg Volkert aber für sich in Anspruch. Daraus resultierte eine große Schlammschlacht, die sich über mehrere Monate hinwegzog und sogar vor Gericht ein Nachspiel haben sollte….

 

Die äußerlich heile Fassade der HSV-Organisation bröckelt. Kaum hat Präsident Jürgen Hunke für sich das “Alleinkommando” proklamiert, sorgt Manager Georg Volkert durch eigenständiges Handeln für Verwirrung. Der Grund des Argers sind Verhandlungen, die Volkert ohne Kenntnis des Präsidiums mit Managern aus der italienischen Profiliga geführt hat; Der Inhalt der Gespräche: Der Transfer des HSV-Nationalstürmers Thomas Doll. Volkert bestätigte die Verkaufsverhandlungen: “Ich habe konkrete Angebote, die gegen zehn Millionen Mark gehen.”

Als der HSV-Manager das Präsidium am späten Montag abend über die Sachlage informierte, schlug ihm statt Dankesworten unverhohlene Empörung entgegen. “Das ist ein Skandal!” wetterte Jürgen Hunke. “Bei uns ist Teamwork angesagt. Alleingänge gibt es nur auf dem Spielfeld.” Er empört sich darüber, daß Volkert überhaupt in den Sinn gekommen sei, an einen Transfer des besten HSV-Spielers zu denken. Schließlich hatte Hunke seit Monaten selbst für den Fall einer Lizenzverweigerung Notverkäufe abgelehnt. Hunkes Devise: “Wir müssen antizyklisch handeln.”

Obwohl gestern durch die Bürgschafts-Gewährung des Senats die Existenz des Vereins erst einmal gesichert wurde und der Verkauf der Leistungsträger damit vorübergehend überflüssig geworden ist, läßt Hunke die Angelegenheit nicht auf sich beruhen. Gestern diktierte er einen Brief und ließ ihn Georg Volkert zustellen. Darin fordert er den Manager zu einer “umfassenden Erklärung” auf. Von der Antwort hänge ab, ob Volkert eine Abmahnung erhält. Sein Vertrag läuft nur noch bis 30. Juni dieses Jahres; bereits im Winter jedoch hatte Hunke mündlich (“Und daran halte ich mich immer”) eine Verlängerung um ein Jahr zugesagt.

Volkert indes wehrt sich vehement. “Als Manager muß ich meine eigene Meinung haben – ich lasse mir keinen Maulkorb verpassen.” Zu den Pflichten eines Managers zähle es, Kontakte zu pflegen, Gespräche zu führen und Vertragsverhandlungen einzuleiten. Anschließend sei das Präsidium zu informieren, das dann zu entscheiden habe. “Es wäre fahrlässig, wenn ich nicht so arbeiten würde.” Hunke aber wundert sich: “Wir saßen am letzten Sonnabend zusammen, und Herr Volkert hat nicht ein Wort gesagt . . .”

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202529735/Fall-Volkert-Hunke-droht-mit-einer-Abmahnung.html

 

„Hier ist der Geschäftsführer. Der Präsident ist noch nicht da!“ Jürgen Hunke gestern am Telefon, […] Der Präsident des HSV als „Alleinunterhalter.“ Hunke…als Vertreter für den bereits ausgeschiedenen Geschäftsführer Holger Petersen, als Verhandlungsführer für den weitgehend entmachteten Manager Georg Volkert, als „Ersatz“ für den in den Hintergrund gerückten Schatzmeister Manhard Gerber. „Ich habe ganz allein das Zepter in die Hand genommen.“ […]

Nach wochenlangem Zittern traf das erhoffte Wahlgeschenk aus dem Hamburger Rathaus ein: Der Senat der Hansestadt gewährt dem finanziell angeschlagenen Erstligisten eine Bürgschaft bis zu drei Millionen Mark. […] Die Banken, die die Kreditlinie von über acht Millionen Mark verlängert haben, haben nach den Gesprächen mit dem Senat ihre Bereitschaft zur weiteren Unterstützung signalisiert.

[…] Die hektischen Tage in Hamburg haben indes zu internen Machtkämpfen geführt. Am Tag, als der Senat die Finanzspritze bewilligte, ging Manager Georg Volkert in die Offensive und plädierte öffentlich für einen Verkauf von Thomas Doll. Das Zehn-Millionen-Angebot von Neapel könnte zum Stolperstein für den Manager werden.

„Ein klarer Vertrauensbruch“, empörte sich Präsident Hunke über den Alleingang Volkerts, der nun sein Verhalten erläutern muß. Hunke beruhigte nochmals alle HSV-Fans. Doll werde nicht verscherbelt […] „Da können andere verhandeln oder im Hintergrund mauscheln, ich bleibe bei meinem Standpunkt.“

Georg Volkert: […] Was den Fall Doll betrifft: Ich hätte als Manager fahrlässig gehandelt, wenn ich meine Kontakte nicht eingesetzt hätte. […] Ich habe einen Vertrag, und ich mache meine Arbeit. Es muß endlich geklärt werden, was meine Kompetenzen sind. […] Der Präsident gehört auf die Tribüne und muß repräsentieren – mehr nicht! […] Wenn ich gefeuert werden sollte, wäre das ein Novum: Der erste Manager, der gehen muß, weil er ein Angebot über zehn Millionen Mark eingeholt hat. Ich bin kein Marketing-Mann. […] Ich bin beim HSV angestellt worden wegen meiner sportlichen Kompetenz und meines Sachverstandes. Vom Fußball verstehe ich halt mehr als der Präsident, der sicherlich der bessere Verkäufer ist.

(kicker, Nr. 39/20.Wo. 16.5.1991)

 

Der HSV plant eine Sport-Akademie. Sie soll auf dem Trainingsgelände in Norderstedt entstehen und dem HSV langfristig einen “Talentschuppen” sichern, wie ihn Borussia Mönchengladbach in den siebziger Jahren hatte. Zu diesem Zweck will Hunke zwanzig Appartementwohnungen für die Nachwuchskicker und geeignete Ubungsflächen errichten.

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202530545/HSV-plant-Sport-Akademie.html

 

Wir müssen Doll nicht verkaufen, wir wollen es nicht, und wir werden es nicht. Es sei denn, er kommt zu mir und sagt, daß er gehen will. Aber das ist kein Thema. Wir wollen uns verstärken – und nicht schwächen. Volkert hat die Verhandlungen geführt, obwohl er vermutlich wußte, daß ich damit nicht einverstanden wäre. Deshalb hat er es hinter meinem Rücken getan. Das war falsch. Denn damit stört er auch Dolls Vertrauen in den HSV. Wie soll der denn unter diesen Umständen wissen, was wir wirklich planen? Ich habe ihm zugesagt, daß wir eine Mannschaft um ihn herum aufbauen werden.

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202530533/Erst-Aktien-dann-Stars.html

 

„Onkel Pauls“ Erbe brachte die endgültige Rettung für den Renommierklub, der seine kurzfristigen wirtschaftlichen Probleme gelöst, seine Finanzlücken geschlossen und damit alle Voraussetzungen geschaffen hat, um die Lizenz vom DFB zu bekommen. Grünes Licht von Jürgen Werner, dem Verwalter des Hauenschild-Vermögens, der einwilligte, daß das Präsidium das Vermögen veräußern kann. Eine zusätzliche Vereinsspritze von fünf Millionen Mark – ein Wertpapierdepot in Höhe von 2,5 Millionen Mark sowie eine Immobilie, deren Wert in gleicher Höhe taxiert wird.

„Der HSV ist gerettet“, triumphierte Präsident Hunke…nach der Bürgschaft des Senats, den Krediten der Banken sowie den Geldern von „Onkel Paul“ […] „Am Ende des Jahres ist der HSV schuldenfrei.“

(kicker, Nr.40/21.Wo. 21.5.1991

 

Juni 91:

Wie die Zeitung “Corriere dello Sport” berichtet, will Lazio den Nationalspieler kaufen. Die Römer sollen bereit sein, 25 Millionen Mark für den Nationalspieler zu zahlen. Eine schwindelerregende Summe. […] Können Thomas Doll und der HSV bei 25 Millionen noch nein sagen? Doll hätte wahrscheinlich bis an sein Lebensende ausgesorgt, und der finanziell angeschlagene HSV wäre mit einem Schlag saniert.


Doch in Hamburg scheint dem Handel noch niemand so recht zu trauen. HSV-Präsident Jürgen Hunke sagt: “Für mich ist das kein Thema. Heute bietet einer 25 Millionen, morgen 50. Und Ablösesumme ist doch nicht gleichzusetzen mit dem Gehalt des Spielers. Ich habe eine Abmachung mit Thomas Doll, schriftlich und mündlich. Sein Vertrag wurde um fünf Jahre verlängert, und ich will, daß er bleibt. Ende.” Wirklich?

Denn es gibt auch für Hunke Grenzen: ?Sollte uns Rom morgen wirklich 25 Millionen geben, und der Scheck ist auch tatsächlich gedeckt, dann müßte ich mich mit Doll wirklich mal ernsthaft unterhalten …” […] Dolls Kommentar: “Im Moment sage ich dazu nichts. Aber: Grundsätzlich ist nichts auszuschließen. Unterhalten würde ich mich schon, wenn ein Angebot käme.” Der Grund: “Ich spiele nur ein paar Jahre Fußball, ich würde lügen, wenn ich da nicht ans Geld denken würde.”

Schwierigkeiten hat der HSV noch mit dem Transfer des Stuttgarters Jürgen Hartmann. “Er muß sich noch gedulden, wir haben das Geld noch nicht zusammen”, sagt Hunke, “Die Leute denken wohl, daß die Millionen nur so auf der Straße liegen.”

Vielleicht in Italien?

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202507127/25-Millionen-Mark-Koennen-Doll-und-der-HSV-da-nein-sagen.htm

 

Der Konflikt zwischen HSV-Präsident Jürgen Hunke und Manager Georg Volkert hat eine Dimension erreicht, […] Nach Volkerts Kritik an dem Hartmann-Transfer in der gestrigen Ausgabe des Hamburger Abendblatts spitzte sich ie Situation zu: Das HSV- Präsidium erteilte Volkert Redeverbot. Daraufhin konterte Volkert: “Es gibt in Deutschland doch keine Zensur.” Und er fügte hinzu: “Das sind Stasi-Methoden!”

Anlaß dieser ausgeprägten und dem Klima im Verein nicht förderlichen verbalen Schlammschlacht ist die Verpflichtung des Mittelfeldspielers Jürgen Hartmann (28) vom VfB Stuttgart. Hunke und Trainer Schock hatten die Vertragsverhandlungen am vergangenen Sonnabend erfolgreich abgeschlossen. Zu dieser Zeit saß der Manager mit der Mannschaft im Flugzeug auf dem Rückweg nach Hamburg. “Das war natürlich eine Brüskierung”, erkannte ein Beobachter der Szene.

Georg Volkert störte sich nicht daran – äußerlich zumindest. Er rügte den Transfer und kritisierte die hohe Ablösesumme (1,3 Millionen Mark) im Verhältnis zum Alter des Profis: “Wenn er geht, gibt es kein Geld zurück.” Diese Äußerung wertete das Präsidium als “vereinsschädigendes Verhalten”. Dem Manager wurde untersagt, in der Öffentlichkeit Kommentare zu vereinspolitischen Themen abzugeben. “Das ist nicht im Interesse des Vereins und verunsichert die Sponsoren”, sagte Hunke.

Volkert kontert mit Vehemenz. Er faßt das Redeverbot als Maulkorb auf fühlt sich in den letzten ihm verbliebenen Kompetenzen beschnitten.

Hunke reagierte allergisch auf den Begriff “Stasi-Methoden”. Vorsichtig formulierte er: “Wenn Herr Volkert das gesagt hat, riskiert er seine Fristlose Kündigung.” Da Volkert dies gesagt hat, wird Hunke mit seinen Rechtsberatern sprechen müssen. Ein Wort gab das nächste. “Ich möchte für den HSV arbeiten und mein Bestes geben”, sagte Volkert. Er fühle sich ungerecht behandelt: “Ich soll Klein beigeben und denen aus der Hand fressen.”

Im gleichen Atemzug erinnert er an den “Fall” Ditmar Jakobs: “Als Berater war er nur Mittel zum Zweck und wurde von Herrn Hunke dann wie eine heiße Kartoffel fallengelassen.” Volkert warf Hunke vor, seine Meinung ständig zu ändern. “So wie bei den Italien-Plänen Thomas Dolls.” Volkerts Vorwürfe gipfeln in dem Satz: “Herr Hunke ist der große Prediger von Demokratie. Es wird aber gemacht, was er will.”

Eine Einigung ist nicht in Sicht. So ignoriert Volkert das Präsidiums-Angebot, zu kündigen und freiberuflich für den HSV weiterzuarbeiten. Volkert lehnte auch einen weiteren Vorschlag ab: Nach seinen Angaben will das Präsidium ihm die zugesagte UEFA-Cup-Prämie streichen, wenn er nicht bereit ist, den neuformulierten Vertrag zu unterzeichnen.

Das Fazit: Volkert denkt nicht daran, zu kündigen. Hunke denkt nicht daran, Volkert zu entlassen. […]

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202509255/Stasi-Methoden.html

 

Georg Volkert hat Post vom HSV erhalten. Der Arbeitgeber des Fußball-Managers bot drei Möglichkeiten an: Erfüllung eines neuformulierten Vertrages, freiberufliche Tätigkeit auf Provisionsbasis oder einvernehmliche Trennung mit geringer Abfindung. Volkerts coole Reaktion: “Ich weiß nicht, was das soll, ich habe immer noch einen gültigen Vertrag bis zum 30. Juni 1992.”

Die “Hunke-Volkert- Horror-Show”, wie sie der Sportinformations- Dienst (sid) nennt, geht munter weiter; zum Image-Schaden des Vereins. Weil sich der Klub die Trennung von Volkert nichts kosten lassen will. Vor einem Arbeitsgericht aber, das erfahrungsgemäß Arbeitnehmer-freundlich entscheidet, würde die Handlungsweise des Managers, selbst dessen Äußerung “Stasi-Methoden”, keiner fristlosen Kündigung standhalten. Der HSV käme um eine Abfindung (etwa 100 000 Mark) nicht herum. Ein Tanz um das goldene Kalb.

“Wir stehen sportlich hervorragend da, werden die Lizenz ohne wesentliche Auflagen erhalten, da lassen wir uns nicht von einem Angestellten alles kaputtmachen. Volkert soll seine Arbeit machen, nur intensiver und besser als bisher”, sagt HSV-Präsident Jürgen Hunke im Einklang mit seinen Präsidiums-Kollegen Hans Schümann und Manhard Gerber. Kristallisationspunkt der Auseinandersetzung ist Volkerts öffentliche Kritik am – fremdfinanzierten – Kaufpreis des Stuttgarters Jürgen Hartmann (1,3 Millionen Mark) und sein eigenmächtiges Einholen eines Zehn-Millionen-Angebots für den bis dahin “unverkäuflichen” (Hunke) Thomas Doli.

Endgültig zerrüttet hat das Verhältnis zwischen Manager und Präsident wohl aber Volkerts Auftritt am 22. Mai, als der Manager bei einer HSV-Präsentation dem Machtmenschen Hunke Widerworte entgegenschleuderte. “Damit hat sich Volkert selbst gefällt”, heißt es im Verein. Intern werden Volkert auch Faulheit und fehlende Aufzeichnungen über Spielerbeobachtungen vorgehalten. Hausaufgaben, die Volkerts Vorgänger Erich Ribbeck und Felix Magath ebenfalls nicht erledigten. Schatzmeister Gerber: “Ich habe über meine Arbeit auch Rechenschaft abzulegen, und vor allem mein Nachfolger muß wissen, was ich getan habe.” Weitere Vorwürfe: Während die Trainer Gerd-Volker Schock und Benno Möhlmann tagelang in Deutschland auf Spielersuche seien, würde Volkert mit dem Fahrrad durch Norderstedt gondeln.

Volkerts Gegenargument: “Als Spieler und Manager habe ich mir über Jahre hinweg ein Netz von Kontaktleuten aufgebaut, so daß ich über jeden interessanten Spieler informiert bin. Da ist ein Zwei-Minuten-Telefongespräch oft effektiver, als wenn ich 20 Stunden lang durch die Gegend reise.” […]

[…] Doch selbst aus wirtschaftlichen Gründen käme für den HSV der Doll-Deal zu früh. Fehlende Zuschauer-Einnahmen, ein mögliches schnelles Scheitern im Europapokal, der Kauf eines gleichwertigen Ersatzmannes (ihn gäbe der Markt ohnehin nicht her) addieren sich zu einer Summe von zehn bis zwölf Millionen Mark. Unter 20 Millionen Mark würde sich deshalb der Transfer nicht rechnen. “Er bleibt noch mindestens eine Saison bei uns”, glaubt Gerber. […]

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202509629/Die-Horror-Show.html

 

[…] Doch selbst aus wirtschaftlichen Gründen käme für den HSV der Doll-Deal zu früh. Fehlende Zuschauer-Einnahmen, ein mögliches schnelles Scheitern im Europapokal, der Kauf eines gleichwertigen Ersatzmannes (ihn gäbe der Markt ohnehin nicht her) addieren sich zu einer Summe von zehn bis zwölf Millionen Mark. Unter 20 Millionen Mark würde sich deshalb der Transfer nicht rechnen. “Er bleibt noch mindestens eine Saison bei uns”, glaubt Gerber. […]

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202509629/Die-Horror-Show.html

 

Also doch. Thomas Doll verläßt den HSV. Er wechselt zu Lazio Rom, wo er in drei Jahren 4,2 Millionen Mark netto verdienen soll. Mit dieser überraschenden Nachricht wartete der 25 Jahre alte Dribbelkünstler am Montag auf. Doll, bekannt für seine Alleingänge, hat alle, Mitspieler, Trainer und Präsidium in die Irre geführt. Erst am Sonntag um 2.30 Uhr informierte er den HSV-Präsidenten Jürgen Hunke. Dessen Reaktion war ein Machtwort: “Lazio bietet nur 9,5 Millionen Mark Ablösesumme damit brauchen die Römer gar nicht erst zu kommen”, dann bliebe Doll beim HSV (12 Millionen Mark Schulden).

Mit dem Lufthansa-Flug 1490 aus Hamburg landete er um 11.05 Uhr auf dem Mailänder Flughafen Linate. Begleitet wurde Doli von seinem Manager, einem Berliner Steuerberater. In einem eigens reservierten VTP- Raum im Flughafen wurde mit Lazio-Präsident Gianmarco Calleri und mit dem sportlichen Direktor Carlo Regalia gespeist. Am Tisch saß auch der internationale Spielervermittler Vinicio Fioranelli aus St. Gallen, der den Handel gemeinsam mit dem ehemaligen Bundesliga-Spieler Wolfgang Vöge (Borussia Dortmund) eingefädelt hat.

Der Vertrag, den beide Seiten aushandelten, sieht vor: Doll erhält einen Drei-Jahres-Vertrag mit einer Option für weitere drei Spielzeiten. Doll kassiert für seine Unterschrift – die noch unter diesem Vertrag fehlt – mehr als vier Millionen Mark. […] “Doll wäre eine ideale Ergänzung für unsere Mannschaft”, meint Regalia. “Er will zu uns. Jetzt muß nur noch mit dem HSV die Ablösesumme geklärt werden. Wir werden heute oder morgen Kontakt zum HSV-Präsidenten aufnehmen.” Regalia machte aber auch deutlich, daß Lazio Doll nicht um jeden Preis kaufen wird eine Absage an diejenigen, die mit einer Summe von mehr als 15 Millionen Mark rechnen.

[…] HSV-Trainer Gerd-Volker Schock hat seine Meinung dazu. Als er von Lazio Rom und Doli erfuhr, entfuhr es ihm: “Zu so einem Wurschtel-Klub wird Doli ja wohl nicht gehen.” […] Im Schwarzwald, wo Schock zur Zeit Urlaub macht, sagte der Coach: “Wir brauchen Thomas Doll, wir haben keinen Ersatz für ihn. Wir müßten ein völlig neues Konzept für die Mannschaft erstellen.”

HSV-Präsident Hunke ist entschlossen, um Doll zu kämpfen. “Wir sind nicht der VfL Bochum, wir müssen nicht jedes Jahr unseren besten Spieler verkaufen. Und ich möchte nicht, daß die Fans einmal sagen: .Präsident Hunke, Vizepräsident Schümann und Schatzmeister Gerber waren die Totengräber des HSV.’ Nur weil wir Doll haben ziehen lassen.” Die Schmerzgrenze wäre für Hunke bei 20 Millionen Mark erreicht. Dann würde er kapitulieren. Weil sich alles andere nicht rechnen würde:

– Geht Doll, müßte Ersatz gefunden werden. Etwa vier Millionen Mark würde er kosten.

– Geht Doll, verlöre der HSV sein Zugpferd. Geschätzt: 5000 Fans pro Spiel weniger, bei einem Schnitt von 15 Mark pro Eintrittskarten, würden einen Verlust von mindestens 1,2 Millionen Mark ausmachen.

– Geht Doll, wäre ein UEFA- Cup-Platz in der nächsten Saison in Gefahr, was einen Einnahme- Verlust von mehreren Millionen Mark zur Folge haben könnte.

– Geht Doll, stürzt die Mannschaft von der Spitze wieder ins Bundesliga-Niemandsland ab.

– Geht Doll, dann könnte auch das Geschäft mit den geplanten HSV-Aktien darunter leiden.

Thomas Doll ist entschlossen zu gehen. Er sagte vor seinen Verhandlungen: „Ich kann soviel Geld doch nicht abschlagen, ich spiele doch nur eine kurze Zeit Fußball. Ich hätte bei einer so hohen Summe doch fast bis ans Lebensende ausgesorgt. Natürlich verstehe ich, daß ich gehalten werden soll. Ich werde auch immer gern daran zurückdenken, wie gut ich hier aufgenommen worden bin”, sagte Doll. “Aber ich bin Profi, für meine Situation muß eigentlich jeder Verständnis haben.”

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202512285/Dolls-Kampf-um-Rom.html

 

“Für Doll ist das wie ein Lottogewinn”, sagte HSV-Präsident Jürgen Hunke, als er Dolls 4,2-Millionen-Offerte des italienischen Erstligaklubs Lazio Rom eine Nacht überschlafen hatte. Schnell aber hatte er erkannt, daß es auch für den Verein die Rettung aus dem Finanz-Dilemma sein kann. Getreu dem Monopoly-Motto “Wer am meisten Geld hat, ist als erster am Ziel” teilte er gestern mit: “Wir lassen Thomas Doli nicht gehen!” Die kleine, aber bedeutsame Einschränkung: “Thomas soll noch ein Jahr bleiben, dann kann er gehen. Für 20 Millionen Mark.”

Gianmarco Calleri, der sportliche Direktor Carlo Regalia, der internationale Spielervermittler Vinicio Fioranelli und der ehemalige Bundesliga-Spieler Wolfgang Vöge (Borussia Dortmund) werden um 17 Uhr in Hunkes Harvestehuder Privatgemächern zum Millionenpoker erwartet. Insider rechnen mit einer Einigung, die alle drei Seiten zufriedenstellt.

Dem HSV wurde ebenfalls ein üppiges Entgelt geboten: Die Anfaben schwanken zwischen 9,1 Iillionen und 10,5 Millionen Mark. Für Hunke und seinen Mitstreiter Manhard Gerber jedoch ist diese Offerte nicht verlockend genug, um spontan zuzuschlagen.

Diese Einstellung ist verständlich, wenn die Zahlen sprechen: Von 15 Millionen Mark Transfererlös blieben dem HSV rund vier Millionen Mark. Im Gegenzug verliert die Mannschaft ihr Zugpferd – sinkende Besucherzahlen und eine schwindende Mannschaftsleistung könnten die Folge sein. Langfristig könnte diese Konsequenz den Verein teurer zu stehen kommen als ein Erlös von vier Millionen Mark netto.

HSV-Schatzmeister Manhard Gerber rechnet so: Von der Lazio- Zahlung müssen rund drei Millionen Mark Vermittlungs- und Vertragskosten sowie vier Millionen Mark Investitionen für einen annähernd gleichwertigen Stürmer ausgegeben werden. Da der Verlustvortrag, die Schulden also, durch den Verkauf des Ochsenzoll-Geländes getilgt wird, muß der Rest etwa zur Hälfte an das Finanzamt abgeführt werden. Von 10 Millionen Mark blieben dem HSV daher netto 1,5 Millionen, von 15 Millionen vier Millionen, von 20 Millionen 6,5 Millionen Mark.

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202512737/Was-hat-der-HSV-davon.html

 

“Ich muß Rücksicht auf den HSV, die Mannschaft, den Trainer und die Fans nehmen. Dafür muß auch Herr Doll Verständnis haben, ich lasse ihn nicht gehen”, sagt HSV-Präsident Jürgen Hunke. Heute kommt das Präsidium von Lazio Rom zu Verhandlungen nach Hamburg, […] Thomas Doll möchte nach Rom, Hunke will ihn halten, noch ein Jahr. Es deutet sich neuer Ärger beim HSV an. Hunke: “Damit muß man leben. Auch ein Profi wie Doll.”

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202513569/Thomas-Doll-muss-bleiben.html

 

Die Fronten sind verhärtet. HSV-Präsident Jürgen Hunke steht zu seinem Wort, er läßt Thomas Doll nicht nach Italien ziehen. Einen Abend und einen Tag lang verhandelten Vertreter von Lazio Rom mit Hunke, der danach verkündete: “Es waren harte Gespräche. Doch meine Devise ist, daß Doll ein Jahr bei uns bleiben muß.” Aber: Die Verhandlungen werden in der nächsten Woche erneut aufgenommen. Dann fliegt Hunke, der sich zuvor mit Thomas Doli intensiv beraten wird, nach Rom, um mit seinem Kollegen Gianmarco Calleri zu sprechen.

Lazios sportlicher Direktor Carlo Regalia, der Schweizer Spielerberater Vinicio Fioranelli (der Doll sechsmal beobachtet hatte) sowie der ehemalige Bundesliga-Profi Wolfgang Vöge (Dortmund und Leverkusen) waren gestern über die Sturheit des HSV-Präsidenten überrascht. Zweimal wurden die Verhandlungen abgebrochen und dann doch wieder aufgenommen, über zwölf Stunden ging das Tauziehen. Calleri, der ursprünglich nach Hamburg kommen wollte, sagte ab und ließ Hunke wissen: “Ihre Forderungen sind unverschämt und fern jeglicher Realität.” […]

Der 25 Jahre alte Nationalspieler … hatte in einem Telefonat mit Hunke gesagt: “Ich will auf jeden Fall nach Rom. Wenn ich beim HSV bleiben muß, bin ich nicht mehr motiviert!” Dazu Jürgen Hunkes Kommentar: “Das soll Doll mal in Hamburg den Fans erklären.” Der HSV-Boß fordert nach wie vor 20 Millionen Mark. Weil bei einer geringeren Summe dem HSV kaum ein großer Betrag bliebe: Doll erhielte seinen Anteil der Transfersumme, Dynamo Berlin ebenfalls. Dazu kämen Vermittlungs-Gebühren, Steuern, das Zurückzahlen eines Kredites (den der HSV auf Thomas Doll aufgenommen hat), die Verpflichtung eines Ersatzmannes, Zuschauer- Einbußen.

“Alle halten die Hände auf, das ist das Übel dabei. Ich will keine Summe hören, ich will nur sehen, was hinterher für den HSV über bleibt”, sagt Jürgen Hunke. ]…} “Ich muß jetzt eine Nacht darüber schlafen. Wenn Doll geht, dann ist es der größte Transfer der Bundesliga.”

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202514041/Doll-bleibt-Doll-geht.html

 

[…] In einem neuerlichen Telefonat mit dem umworbenen Nationalspieler vergewisserte sich Hunke über die entschiedene Haltung Dolls. “Ich spiele nicht mehr in Hamburg.” Auf Hunkes Anmerkung, dieses müsse Doli den Hamburger Fans schon selber erklären, habe der Profi geantwortet: “Das werde ich auch machen.”

“Es ist ein großes Risiko , Thomas mit Gewalt in Hamburg zu halten”, weiß Hunke. “Dann spielt er nicht mit der Lust und der Liebe, die unsere Mannschaft verdient hat.” Hunke stimmt diese Tatsache ärgerlich: “Bei der Vertragsverlängerung war es Thomas’ Wunsch, noch zwei Jahre in Ruhe beim HSV zu spielen.” Dann aber lockte das große Geld.

Fraglich ist also nicht mehr, ob Thomas Doll wechselt; offen ist nur noch, zu welchen Bedingungen. “Die Höhe der Ablösesumme ist mir egal, es kommt darauf an, was für den HSV übrigbleibt”, sagte Hunke. Die Anwesenheit des Hamburger Juristen spricht dafür, daß eine Lösung in Sicht ist. […]

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202514403/Doll-Finale-in-Rom.html

 

[…] Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit wird ein Thema zu den Akten gelegt, das noch vor kurzem von höchster politischer Brisanz war: Der HSV verzichtet auf die Senatsbürgschaft. Für diese überraschende Wende gibt es politische und wirtschaftliche Gründe.Im Senatsbeschluß war der Bürgerausschuß, das Notparlament, als zuständiges Gremium angegeben worden. Vom Senat wurde dies inzwischen aus formellen Gründen geändert – nach der Wahl fiel die Bürgschaftserteilung nicht mehr in den Einflußbereich des Bürgerausschusses, sondern des Parlamentes.

Da die CDU derzeit ebenso wie FDP und Grüne zu einer Ablehnung der Bürgschaft tendiert, käme auf Bürgermeister Voscherau gleich zu Beginn der Legislaturperiode eine problematische Kampfabstimmung zu. Da die alleinrefierende SPD nur über eine timme Mehrheit verfügt, wäre eine höchst peinliche Abstimmungsniederlage möglich. Daran hat Voscherau kein Interesse. “Wir sprechen mit dem HSV”, hieß es dazu in der Innenbehörde. Und: “Kein weiterer Kommentar!”

Andererseits ist der HSV nach der Lizenzerteilung durch den DFB nicht mehr in der prekären Notsituation von damals. In punkto AG und wirtschaftlicher Konsolidierung läuft vieles nach Plan. Jetzt bürgt ein HSV-Gönner für die Deckungslücke in Höhe von drei Millionen.

[…] Es spricht alles dafür, daß Hunke mit einem fertigen Vertragswerk nach Hamburg zurückkehrt. Wer allerdings denkt, daß der HSV mit den Doll-Millionen als großzügiger Spielerkäufer auftreten wird, hat sich getäuscht. “Auch im Fall eines Doll- Transfers werden wir für die neue Saison keinen neuen Spieler holen”, sagte Jürgen Hunke. Diese Haltung habe er telefonisch mit dem in Frankreich weilenden Trainer Gerd- Volker Schock abgestimmt. Das Motto der HSV-Führung: “Wir werden den HSV entschulden und die neue Saison mit Bordmitteln bestreiten.”

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202515187/Keine-Buergschaft-fuer-den-HSV.html

 

104 Jahre nach seiner Gründung steht der HSV vor einem neuen Zeitalter. Zum erstenmal seit einem Jahrzehnt stetig wachsender Verschuldung kann der Rothenbaum-Klub schwarze Zahlen schreiben. “Der HSV steht vor einem Neubeginn”, sagte Präsident Jürgen Hunke. “Wir starten jetzt zum Angriff.” Hunke will den HSV in zwei Jahren in eine europäische Spitzenmannschaft umwandeln.

Gestern unterschrieb der Stürmer einen Dreiiahresvertrag beim italienischen Erstligaklub Lazio Rom. Über die offizielle Ablöse gab es gestern unterschiedliche Spekulationen. “Entscheidend ist, was netto für den HSV übrigbleibt”, sagte Jürgen Hunke. Diese Summe dürfte bei zwölf Millionen Mark liegen. Da der Bruttobetrag mit geschätzten 18 Millionen Mark deutlich höher liegt, hat der HSV das Kunststück geschafft, sogar den Transfer des Frankfurters Lajos Detari (17 Millionen Mark) zu Olympiakos Piräus in den Schatten zu stellen. Die Rendite ist gigantisch: Einkauf zwei Millionen Mark, Verkauf 18 Millionen Mark.

In der Sache waren sich Präsident Hunke und Lazio-Boß Gianmarco Calleri schnell einig. Vorher, am Dienstag abend, hatte sich Hunke in einem Vier- Augen-Gespräch noch einmal bemüht, Doll zu einer Meinungsänderung zu veranlassen. […] “Thomas, bleib’ noch ein Jahr”, drängte Jürgen Hunke. “Die Fans in Hamburg lieben dich, und der Verein braucht dich.” Thomas Doli wirkte etwas gequält, entgegnete aber: “Präses, Sie müssen das verstehen: Rom ist mein sportlicher Traum.”

[…] Man war sich schnell einig, daß die Doll-Entlohnung (4,2 Millionen Mark netto für drei Jahre, Option bis zum Jahr 2000) nicht Bestandteil der HSV-Lazio- Vereinbarung sein sollte. Dolls Vertrag beim HSV wurde für ungültig erklärt. […] Probleme gab und gibt es nur noch mit dem FC Berlin. Dolls früherem Klub stehen 10 Prozent der Ablöse zu. Ein fernschriftliches Angebot des HSV, dieses Anrecht mit pauschal 500 000 Mark abzugelten, lehnten die Ostberliner gestern ab. Beide Vereine streiten sich darüber, ob die Brutto-Ablösesumme oder der Netto-Erlös Vertragsgegenstand sind. Hier kommt auf den HSV ein Rechtsstreit zu.

Hunke: “Der HSV hat das Maximum bekommen. Dies war die zweitbeste Lösung.” Die beste Lösung, ein Doll-Transfer in einem Jahr, war unmöglich.

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202515553/Das-groesste-Geschaeft-des-HSV.html

– Prof. Vitzliputzli –


Die Serie Sackgasse Sylvesterallee – Endstation HSV!
Teil 1: Der missglückte Übergang
Teil 2: Nachwuchs im Abseits
Teil 3: Sir Erich und die trügerische Sonnenwende
Teil 4: Der sinkende Stern des Nordens
Teil 5: Adriano aus Pöseldorf
Teil 6: Aktien zeichnen HSV ungelöst
es folgt Teil 7: Ein Visionär tritt ab und bleibt

2 Kommentare

  1. ky

    Tja, schon traurig, wie wenig Ahnung die meisten dieser “Manager” hatten, und noch schlimmer, wie wenig diesen wirklich am HSV gelegen hat.
    In den 70ern sicherlich Ochs, Klötzer, Dr. Peter Krohn, dann sicherlich Dr. Wolfgang Klein, Günther Netzer, auch große Teile der Mannschaft von 72-86, aber danach?

    Als “große” HSVer bleiben mir Pagelsdorf und Thomas Doll (als Trainer) in Erinnerung, und natürlich der wenig beliebte, aber excellent arbeitende Bernd Hoffmann.
    Tja, und das war es dann auch – viel zuwenig für 45 Jahre seit 1972.
    Viele Blender, viele Unfähige, viele, viele Abfindungen…

    Der große Theo Lingen würde sagen: “Traurig, traurig, traurig.”

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  2. ludewigo48

    Wer die Hintergründe kennt, weiss, dass die Idee bzgl. der AG nur ein Teil eines dem HSV vorgelegten Produkts war. Zu jenem gehörte auch ein Marketingmodell und ein PR- und Werbekonzept. Die Idee der Gründung einer Kapitalgesellschaft wurde von den seinerzeit tätigen Mandatsträgern des HSV gar nicht verstanden und um die basisorientierte Verankerung im Verein kastriert der Öffentlichkeit preisgegeben. Wären Menschen wie Dr. Krohn, Günter Netzer oder Bernd Hoffmann seinerzeit zuständig gewesen und hätten sich jener Konzeption angenommen und diese nach besten Wissen und Gewissen im Interesse des HSV mit Spezialisten vervollkommnet und implementiert, wäre der Club heute auf dem Niveau von Bayern München und Borussia Dortmund angesiedelt. Die damals Verantwortlichen verfügten mangels Wahrhaftigkeit, Sachkenntnis, Bodenhaftung und vor allem wegen fehlender Identifikation mit den wirklichen Interessen des Hamburger Sport-Vereis nicht über das Können, eine derartige Chance der wirtschaftlichen Konsolidierung effizient zu nutzen. Von der vorstehenden Einschätzung möchte ich Georg Volkert ausdrücklich ausnehmen.

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