Sackgasse Sylvesterallee – Endstation HSV! Teil 6

Sackgasse-6

Chronologische Aufarbeitung.eines taumelnden Traditionsvereins.


Teil 6:
Aktien zeichnen HSV ungelöst


Die mit aller Kraft und so zeitnah wie möglich angestrebte Gründung einer HSV-AG konnte nun, nach einigem Tauziehen und trotz erheblicher Bedenken, endgültig vollzogen werden. Voller Stolz, mit großem Pathos und mächtig viel Eigenlob verpackt, präsentierte Jürgen Hunke „sein Werk“. Skeptiker und Kritiker, die es wagten, die AG-Gründung u.a. noch für zu unausgegoren hielten, wurden verächtlich abgewatscht. Der Versuch scheiterte krachend. Die Alternativlosigkeit steckte Anfang der 90er Jahre halt noch in ihren Kinderschuhen…

Für mächtig viel Getöse sorgte sorgte auch die Auseinandersetzung zwischen dem HSV bzw Jürgen Hunke und dem Ex-Manager George Volkert. Die Dreckschleudern wurden kräftig angeworfen und erst nach einigen Monaten und Gerichtsterminen, konnte eine Einigung hergestellt werden.

Dass der Verkauf von Thomas Doll den Verein schlagartig schuldenfrei gemacht hätte, rief dann auch Trainer Schock auf den Plan. Er erhoffte sich nun durch vernünftige Neuverpflichtungen einen ausgeglichenen Kader mit Perspektive aufzubauen. Doch er sollte sich irren. Schon bald machte sich das Gerücht breit, dass eine Neuverschuldung des Vereins vorläge. Schock ließ es sich auch nicht nehmen, sein Unverständnis über die wieder finanzielle Schieflage zum Ausdruck zu bringen. Die sportlichen Probleme sollten den Verein auch schnell einholen. Allerhöchste Abstiegsgefahr war wieder angesagt. Gerd-Volker Schock zog die Konsequenzen und trat im März 92 von sich aus zurück. Als sein Nachfolger wurde Egon Coordes engagiert, was sich nicht gerade als eine langfristige Lösung erweisen sollte…



Juni 91:

Die HSV-Aktiengesellschaft ist gegründet. Als erster Fußball-Bundesliga- Verein hat der HSV einen Schritt in ein neues Zeitalter gemacht. Am Freitag um 17.58 Uhr bestellten sich die Verantwortlichen im Hotel Elysee vier Flaschen Weißwein, um auf diesen bedeutenden Vorgang anzustoßen. Als Gründungsmitglieder erhoben dann HSV-Präsident Jürgen Hunke, Vize-Präsident Hans Schümann, Schatzmeister Hans Manhard Gerber, der erste Vorsitzende Walter .Koninski, Henry Teubner vom Ältestenrat sowie Deutschlands Fußball-Idol Uwe Seeler und der ehemalige Bundesliga-Spieler Harry Bahre ihre Gläser zum Glückwunsch.

Im Aufsichtsrat sitzen vom HSV Jürgen Werner, Rolf Hollmann und Gerber, aus der Wirtschaft Dr. Ernst-Joachim Burmeister (Unternehmer), Dr. Wilhelm Happ (Rechtsanwalt) und Dr. Harald Erichsen (Kaufmann). Jürgen Hunke, jetzt auch AG- Vorstandsvorsitzender, sagte: -Der heutige Tag ist ein wichtiges Datum der Vereins-Geschichte. Ich hoffe,, daß diese Entscheidung Modell-Charakter hat. Für uns ist die AG eine gute Basis für große Erfolge.” Das Startkapital der Gesellschaft beträgt 100 000 Mark, ein Gönner hat es gestiftet. Jetzt muß die AG ins Handelsregister eingetragen werden. Hunkes Wunsch: “Da diese Aktie nur Gewinn machen kann, werden wir auch nach drei Jahren an die Börse gehen.”

Die AG soll im Herbst das Norderstedter Trainingsgelände (Schätzwert 10,5 Millionen Mark) vom HSV übernehmen und damit für die nötigen Mittel sorgen. Hunke will mit Hilfe der Stadt Norderstedt das ,,Leistungszentrum Ochsenzoll” in eine Fußball- Akademie umwandeln. Künftiger Name: “Paul-Hauenschild- Sportzentrum Norderstedt” Bislang liegen Aktien-Bestellungen in Höhe von zwei Millionen Mark vor. Im September plant Hunke die Prospekt-Ausgabe. Wahrscheinlich ist, daß der HSV den Vertrieb (Stückpreis 1000 Mark plus Agio) selbst übernimmt, das Inkasso-Geschäft aber über Banken abwickelt. “Es soll”, so Hunke, “so günstig wie möglich für die Käufer sein.

http://m.abendblatt.de/archiv/1991/article202505681/Schritt-in-ein-neues-Zeitalter.html


“In einem Jahr werden wir einen anderen, einen neuen, einen besseren HSV haben.” Das verspricht HSV-Präsident Jürgen Hunke. Die Zukunft des Traditionsklubs sieht nach jahrelanger Talfahrt plötzlich rosiger denn je aus. ?Wir können nicht nur mit einem Schlag alle Bankkredite zurückzahlen, wir können auch investieren , sagt Hunke. Er hat viele Ideen, mit denen er den HSV wieder in die europäische Spitze zurückbringen will.

“Im Moment läuft uns das Gluck nach. Wir sind ein richtig gesunder Verein” sagt Hunke. Nachdem 18-Millionen-Transfer von Thomas Doli zu Lazio Rom kommt weiteres Geld m die Kasse. Der Verkaufvon Oliver Bierhoff von Austria Salzburg zu Inter Mailand bringt dem HSV rund eine halbe Million Mark. Hunkes Vorgänger Horst Becker hatte seinerzeit beim Bierhoff- Transfer nach Salzburg vertraglich abgemacht: ?Sollte der Spieler weitertransferiert werden, stehen dem HSV 25 Prozent der Ablösesumme zu.

Ärger gibt es in dieser Beziehung zwischen dem HSV und Dynamo Berlin, dem letzten Verein von Thomas Doll. Die Berliner beanspruchen für sich zehn Prozent der Doll-Ablösesumme. Hunke: “Im Vertrag steht: Zehn Prozent des Transfer-Erlöses, nicht der Transfer-Summe. Das ist ein Unterschied.” Falls keine Einigung zustandekommt, wird es einen Streit vor Gericht geben. Hunkes Motto: “Der HSV hat kein Geld zu verschenken.”

Auch deswegen hat der HSV bei der Londoner Versicherung Lloyds eine Versicherung für Thomas Doli abgeschlossen. Für den Fall, daß sich der Neu-Römer bis zum 31. Juli verletzen sollte, gäbe es die Millionen statt von Lazio von der Versicherung. Sicher ist sicher, Versicherungs-Unternehmer Hunke denkt an alles. Und er hat große Pläne mit dem Klub:

Der bisherige Amateur-Manager Horst Eberstein wird sich zukünftig auch um die Belange der Bundesliga- Profis kümmern. Offiziell ab Januar, aber “Mannschafts-Leiter” Eberstein verriet: “Ich arbeite seit einer Woche rund um die Uhr für den HSV.” Die Fußball-Akademie in Norderstedt nimmt konkrete Formen an. Es gibt bereits erste Pläne sportlicher Art.

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202515963/Rosige-Aussichten.html


Juli 91:

Georg Volkert (45) wird nicht mehr an seinen Schreibtisch auf der HSV-Geschäftsstelle zurückkehren. Am Dienstag erreichte ihn die fristlose Kündigung des HSV, […] Der HSV kündigte Volkert diesmal gleich dreimal: fristlos, zum 30. September 1991 und – inzwischen zum zweitenmal – zum 30. Juni 1992 (offiziell wegen Wegfalls des Arbeitsplatzes Fußball-Manager). ?Dem HSV- Präsidium liegen seit kurzem gesicherte Beweise vor, die so schwerwiegend sind, daß sie eine Kündigung des Arbeitsverhältnisses notwendig machen. Die fristlose Kündigung war erforderlich, um Schaden vom HSV fernzuhalten”, teilte der Klub mit.


Hintergrund: Bei den Verhandlungen mit Lazio Rom über den Transfer von Thomas Doli will das Präsidium erfahren haben, daß Volkert in den Wochen zuvor beim eigenmächtigen Anbieten Dolls in Italien Vereinsinterna preisgegeben hätte. Weiterer Vorwurf: Volkert solle versucht haben, so der Sport-Informationsdienst (sid), sich an Spielertransfers zu bereichern”. Jürgen Hunke hatte vor einer Woche vielsagend angedeutet: “Er hat Dinge gemacht, das wäre so, als wenn ich als HSV-Präsident einen Spieler von Werder Bremen zu Bayern München transferiert hätte.”

Georg Volkert bestreitet dies: “Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Ich habe mich gegenüber dem HSV immer loyal verhalten.” Der Streit zwischen Volkert und seinem Arbeitgeber hatte sich vor Monaten daran entzündet, daß Volkert über seine Tätigkeit (Spieler-Beobachtungen) keinen Nachweis erbringen konnte.

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202537199/HSV-Manager-Volkert-fristlos-entlassen.html


kicker: Es war zu lesen, daß Sie damit einverstanden sind, daß trotz des Verkaufs von Thomas Doll nach Rom kein neuer Klassemann verpflichtet wird.


Schock: Das habe ich so nicht gesagt. Ich will im Augenblick nichts überstürzen. Unter Zeitdruck kann man nur Fehler machen. […]

kicker: Glauben Sie nicht, daß Sie nach Ihrer bemerkenswerten Leistung mit einem fünften Tabellenplatz in der letzten Saison mit dem Feuer spielen würden, wenn es keinen erstklassigen Ersatz für Doll gibt? Ist unter heutigen Voraussetzungen ein – erneuter – UEFA-Cup-Platz überhaupt denkbar?

Schock: Nein. Wir haben schon in der letzten Saison weit über unseren Möglichkeiten gespielt. Und das habe ich auch dem Präsidenten gesagt.

kicker: Bringen Sie denn kein Verständnis dafür auf, daß Jürgen Hunke den HSV erst einmal von seiner riesigen Schuldenlast befreien möchte?

Schock: Das wäre ein schlechtes Zeichen, wenn man finanzielle Zwänge ignorieren würde. Aber der Sparkurs darf für die Mannschaft und damit für den Verein nicht ins Abseits führen. Was nützt es uns, daß wir Zinsen abbauen, aber durch eine schlechtere Saison wieder Zuschauer verlören?

kicker: Jürgen Hunke, der ihre fachlichen Qualitäten schätzt, weiß auch einen Ausweg: die Doll-Lücke mit größerer Motivation und höheren Prämien zu steigern. Was halten Sie davon?

Schock: Mehr Geld ist kein Allheilmittel, wenn die Substanz angegriffen ist.

(kicker, Nr.57/29.Wo. 18.7.1991)



Der Arbeitsgerichts-Prozeß um die fristlose Kündigung von HSV-Manager Georg Volkert ist zwar auf den 13. August verschoben worden, die Chance aber, daß der ehemalige Fußball-Nationalspieler die Auseinandersetzung gewinnt, wird immer geringer. Dem HSV- Präsidium ist der Inhalt von zwei Fax-Mitteilungen zugetragen worden, aus denen hervorgehen soll, daß Volkert sich grob vereinsschädigend verhalten habe. Der Streit rankt sich um den Italien-Transfer von Thomas Doll. Damit begann einst die Fehde zwischen HSV-Präsident Jürgen Hunke und Volkert. Der Manager hatte ein Angebot für Doll eingeholt, den der SSC Neapel für angeblich zehn Millionen Mark erwerben wollte. Hunke pfiff Volkert öffentlich zurück, und fortan gab es keine Ruhe mehr im Verein.

Als der Präsident dann persönlich den Star seiner Mannschaft an Lazio Rom verkaufte, wurden im Zuge dieses Geschäfts Verfehlungen Volkerts bekannt. Inzwischen weiß der HSV: Es existieren zwei gefaxte Mitteilungen von Volkert an einen Spielerberater. In diesen bietet der damals noch beim HSV tätige Manager Rat und Hilfe an, wie Thomas Doll preiswerter zu verpflichten sei. Sofortige Konsequenz des HSV: Die fristlose Kündigung Volkerts.

Volkert-Kennern erscheint diese Sachlage unbegreiflich. Der 45 Jahre alte Franke galt in seinem Metier als schlau und schlitzohrig, Fehler dieser Art traut ihm keiner zu. „Wenn ich keine Beweise hätte, würde ich mich doch nicht so weit aus dem Fenster lehnen”, sagt Hunke, der den für gestern angesetzten Gerichtstermin verschieben ließ, weil Schatzmeister Manhard Gerber nicht in Hamburg ist.

In der Zwischenzeit sollen Georg Volkert und auch seine Frau Isolde mehrfach telefonisch versucht haben, den Empfänger der Fax-Mitteilungen zum Schweigen zu überreden. Weil sonst die berufliche Karriere Volkerts zumindest stark gefährdet wäre. Die Probleme des Spielerberaters, der ungenannt bleiben will, liegen auf der Hand. Muß er das belastende Material vor Gericht präsentieren, wäre eine weitere vertrauensvolle Zusammenarbeit mit anderen Bundesliga-Managern nicht mehr möglich. Seine einzige Hoffnung: Der HSV und Volkert einigen sich außergerichtlich.

[…] “Ich will mich nicht an der Schlammschlacht von Herrn Hunke beteiligen”, war das einzige, was Volkert gestern zu diesem Thema sagte.

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202557147/Beweise-gegen-Volkert.html


Aug. 91:

“Gehen Sie in Frieden.” Die guten Wünsche des Vorsitzenden Richters Christian Lesmeister nach der ersten Arbeitsgerichts-Verhandlung zwischen dem fristlos gekündigten HSV-Manager Georg Volkert (45) und seinem ehemaligen Arbeitgeber fanden nicht bei allen Prozeß-Beteiligten Resonanz. “Mit mir gibt es keinen Vergleich”, gab sich HSV-Präsident Jürgen Hunke kompromißlos. “Volkerts Verhalten hätte den Klub Millionen kosten können.” Der um Schlichtung bemühte Richter hatte Volkerts Gehaltsfortzahlung bis zum 31. März 1992, rund 125 000 Mark, angeregt. Bedingung: Volkert dürfe in dieser Zeit keinen anderen Job annehmen. Beide Parteien haben jetzt zwei Wochen Zeit, sich außergerichtlich zu einigen.

Versöhnlichere Töne schlug HSV- Vizepräsident Hans Schümann nach dem einstündigen Güte-Termin an: “Der HSV hat eine Fürsorgepflicht für seine Angestellten, auch für Herrn Volkert. Wir müssen uns das Vergleichsangebot auch unter dem Aspekt prüfen, daß eine Beweisaufnahme höhere Gerichts- und Anwaltskosten verursacht.” Einziger Arbeitsrechts-relevanter Streitpunkt der fristlosen Kündigung bleibt ein Fax. Der HSV glaubt zu wissen, Volkert habe einem Spielervermittler gegen Provision Tips angeboten, wie der Preis für Thomas Doll gedrückt werden könne. Volkerts Bremer Anwalt Horst-Michael von Kummer wiederum behauptet, für derartige Vorwürfe gäbe dieses Schreiben keine Anhaltspunkte her.

Das corpus delicti konnte der HSV dem Arbeitsgericht nicht vorlegen, “weil wir das Fax nicht haben”, so HSV-Anwalt Dr. Klaus Hellgardt. Was Volkert ein zufriedenes Grinsen entlockte: “Die sogenannten Beweise des HSV sind sehr dünn.” Das könnte sich ändern. Hunke: “Wir haben am Montag noch einmal mit allen Zeugen gesprochen. Sie wären notfalls bereit, vor Gericht auszusagen.”

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202561963/Hunke-Kein-Geld-fuer-Georg-Volkert.html


Jürgen Hunke: Meine Art war es immer, in die Probleme reinzugehen und sie anzupacken. Das ist Basisarbeit. Denn als ich beim HSV anfing, wußte ich nichts vom Fußballgeschäft. Jetzt kann mir keiner was vormachen. Ich habe hier in den letzten Monaten rumgewirbelt und die entscheidenden Dinge allein gemacht. Das wird sich jedoch ändern. […]

[…] Vom Ergebnis und vom Spaß her würde ich das noch einmal machen, vom Zeitaufwand nicht. […] Heute habe ich das Gefühl, als wäre ich schon viele Jahre in diesem Geschäft, so sicher fühle ich mich. Letztlich ist der Profi-Fußball ein Business wie jedes andere. Natürlich war die finanzielle Situation verheerend, und die Organisation war total antiquiert.

Dank gibt es nicht, am Ende wird ohnehin jeder davongejagt. Mich reizt die sportliche und wirtschaftliche Herausforderung. Insgesamt macht der Job eine Menge Spaß, auch der Erfolg. Er setzt sich zusammen aus den Faktoren Kontinuität, Können, Fleiß und Fortune. Wenn ich in gut zwei Jahren zurücktrete, werden wir einen ganz neuen HSV haben.

Die AG wird ein Erfolg. Bis März 1992 sind alle Aktien verkauft. Die Leute sind immer skeptisch, aber dennoch ist der HSV auf dem richtigen Kurs. Die Vertragsgestaltung zwischen dem HSV und der AG ist schwieriger als erwartet. Kompliziert ist zum Beispiel das Feld der Lizenzrechte: Gehören sie nun dem HSV oder der AG? […] Der Prospekt kommt im Oktober heraus, die ersten Aktien wird es wohl Anfang November zu kaufen geben. […] Die AG wird mit dem Namen HSV in dem expandieren Sport- und Freizeitmarkt aktiv werden. Und da sind Renditen von bis zu 15 Prozent möglich.

Volkert hat den HSV hintergangen. Mit mir wird es deshalb keinen Vergleich geben. Ich kann unseren Sponsoren nicht zumuten, daß wir deren Geld für Abfindungen ausgeben. Wir gehen in die Beweisaufnahme.

HA: Was ist aus der Fünf-Millionen-Spende des unbekannten Gönners geworden?

Jürgen Hunke: Davon haben wir nichts mehr gehört. Da müssen Sie Jürgen Werner fragen.

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202564241/Am-liebsten-wuerde-ich-mal-ein-Tor-schiessen.html


Das Allround-Genie ist gefunden. Es heißt Torsten Walter, … feiert heute seinen 30. Geburtstag und tritt sein Amt als kaufmännischer Chef-Organisator am 1. September an. Unter 140 Bewerbern wurde Walter auserkoren, den HSV gut zu verkaufen. “Für mich ist das die Chance, ein ganz großes Ding aufzuziehen”, sagt Walter. Vor seinem HSV- Job vertrieb er mit seinen 300, meist nebenberuflichen Mitarbeitern unter dem Firmennamen “Trithan” Beteiligungen an Investmentfonds. […] Im neuen Strukturplan des Vereins ist Walter dem Präsidenten direkt unterstellt. Er arbeitet verantwortlich für das Profitcenter II (Technische Organisation) und das Profitcenter III (Marketing, Verkaufsförderung, PR). “Walter ist ein guter Verkäufer. Endlich haben wir den richtigen Mann gefunden”, sagt Jürgen Hunke. […]

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202564221/Der-HSV-Supermann-ist-da.html


Sept. 91:

Meine neue Aufgabe macht mir Spaß, es gibt viel zu tun beim HSV. […] Seit vier Jahren habe ich keinen Urlaub mehr gehabt; außerdem werde ich dem Verein mein gesamtes Engagement widmen. […] Beim HSV verdiene ich deutlich mehr als zehntausend Mark monatlich, also so viel wie ein durchschnittlicher Bundesligaspieler. Hinzu kommen Prozente für die neuen Sponsoren. […] Ich werde mit sehr spitzem Bleistift arbeiten, alle Rechnungen kontrollieren und überall sparen. In der Vergangenheit wurden beim HSV Unmengen von Geld verschleudert. Schlimmer ging es nicht mehr.

Der HSV darf nicht wie Sauerbier verkauft werden. Wir werden aber bald einen Fußball bieten, der einer Metropole wie Hamburg würdig ist. Auf Dauer werden immer mehr Zuschauer in das Volksparkstadion kommen. Ein schlechtes Management hat Sponsoren- und Eintrittsgelder verschleudert, außerdem wurden Wahnsinns-Abfindungen gezahlt. Das hat viele abgeschreckt.

[…] Tatsache ist aber, daß wir jeden Pfennig brauchen, um den Verein nach vorne zu bringen. Und mit der AG geht es im November so richtig los. Notfalls verkaufen Herr Hunke und ich die Aktien ganz alleine. Und zwar innerhalb eines halben Jahres. […] … ich weiß, was ich kann. Bisher stand ich immer auf der Sonnenseite, alles hat geklappt. Ich bin sicher, daß dies auch beim HSV zutrifft.

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202538545/Sind-Sie-der-Supermann.html


Okt. 91:

Zum Glück hatten die Polen nichts von den Peinlichkeiten des HSV-Marketing-Chefs Torsten Walter (30) mitbekommen. Der spielte im Fan-Bus den Reiseleiter: “Links sehen sie ein altes polnisches Schloß.” Eine Baracke war zu sehen. “Hier sehen sie das Trainingszentrum unseres Gastgebers. Eine Kuhwiese. Und die Krönung: ?Hier ist das Naherholungszentrum der Polen. Sechs Wochen kosten 50 Mark – auf dem Zeltplatz.” Zu sehen waren die sechs Schlote eines Kohlekraftwerks.

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202582803/Der-peinliche-Auftritt-des-Torsten-Walter.html


Der HSV hat einen neuen Trainer. Der 49jährige Georg Tripp ist ab sofort Talentsucher und Trainer in einer Person. “Er wird sich in der Bundesrepublik um junge Fußballer kümmern. Sie nach Hamburg holen, wenn er meint, sie passen zum HSV. Wir setzen in Zukunft verstärkt auf den Nachwuchs, wir können nicht immer nur teure Spieler holen”, sagt HSV-Präsident Jürgen Hunke. Georg Tripp, der früher bei Mainz 05, Kickers Offenbach und in der ersten französischen Liga spielte, wurde von Gerd-Volker Schock geholt. […]

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202595069/Der-neue-HSV-Trainer-ist-einer-wie-Schock.html


Nov. 91:

[…] Mit dem Spiegelsaal des Elysee-Hotels wurde für die Präsentation der ersten Aktien ein feudaler Rahmen gewählt. “Dieses Ereignis wird bundesweit auf größtes Interesse stoßen”, mutmaßt HSV- Präsident Jürgen Hunke. Anrufern in der Geschäftsstelle am Rothenbaum wird Mut zugesprochen: “Es läuft alles ausgezeichnet. Für mehr als drei Millionen Mark haben wir schon Aktien verkauft.” Diese Auskunft überrascht. Denn es läuft wenig, und wenn es laufen sollte, nicht ausgezeichnet. Und juristisch gesehen ist bisher noch keine einzige Aktie verkauft worden.

Der Grund ist simpel: Die Unterschrift auf der festlich gestalteten Kauferklärung ist allenfalls die Tinte wert – rechtlich ist sie in keinem Fall bindend. Dies bestätigt auch HSV-Schatzmeister Manhard Gerber: “Das ist nur ein symbolischer Akt einklagen werden wir das nicht.” Es handelt sich bei der Urkunde, die mit Ort, Datum und eigenhändiger Unterschrift sowie anderen persönlichen Angaben zu versehen ist, allenfalls um eine Erklärung des guten Willens. Ein kurzer Hinweis reicht aus, und die Kauferklärung ist nichtig.

Für Interessenten ist das Papier auf der HSV-Geschäftsstelle derzeit nicht erhältlich. Das ist nicht ungewöhnlich – immer wieder verzögerte sich bisher die AG-Premiere. “Spätestens im Sommer sind wir so weit”, sagte Jürgen Hunke im Frühjahr. “Im Frühherbst ist es spätestens so weit”, hieß es im Sommer. “Juristische und organisatorische Schwierigkeiten” wurden als Begründung genannt. Nun sollen die in München gedruckten Aktien erst im Januar ausgegeben werden.

“Im Dezember müßten wir noch ein Prozent Gesellschaftssteuer abführen”, erläutert Manhard Gerber. “Wir stehen nicht unter Zeitdruck.” Tatsächlich hat sich die Situation inzwischen grundlegend geändert: Durch konsequentes Sparen des neuen Präsidiums und die Millionen aus dem Doll-Transfer. Die Verpflichtung, den Verein vor dem Ruin zu bewahren, hat sich erledigt. Mancher Aktieninteressent dürfte seine Kaufentscheidung noch einmal überdenken.

Aber ein umfangreicher Werbeprospekt auf Hochglanzpapier ist in Vorbereitung. In einem Werbebrief sqllen alle größeren Hamburger Firmen angeschrieben werden. Der gesamte Kostenaufwand der Aktion soll bei mehr als 500 000 Mark liegen. “Schon jetzt ist unser Aktienmodell in ganz Deutschland bekannt”, sagt HSV- Präsident Jürgen Hunke. Es fragt sich nur, mit welchem Klang.

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202598271/Noch-nicht-eine-Aktie-verkauft.html


Dez. 91:

Kein Weihnachtsgeld für Georg Volkert. Der HSV hat im Arbeitsgerichts-Prozeß gegen seinen ehemaligen Manager einen Teilerfolg errungen. 50 000 Mark wollte Volkert vom HSV haben, weil ihm diese Summe von Präsident Jürgen Hunke für das Erreichen des UEFA-Pokals der Saison 1990/91 versprochen worden sei. Hunke aber bestritt dies.

Zwei Punkte stehen auf der Tagesordnung: Bekommt Georg Volkert noch die 50 000-Mark-Prämie, und ist die fristlose Kündigung (im Juli) des HSV gegen seinen Manager rechtens? Beim Geld hört die Freundschaft auf. Und Jürgen Hunke, der beim HSV jede Mark spart, will Volkert nichts bezahlen. “Ich will, daß der HSV vor Gericht sein Recht bekommt”, sagte Hunke. Als er zur 50 000-Mark-Prämie von Volkerts Anwalt befragt wurde (“Haben Sie sie nun zugesagt oder versprochen”), rang Hunke nach Worten: “Ich will doch nicht für ein Jahr ins Gefängnis, wenn ich hier etwas Falsches sage.” Also: „Weder zugesagt noch versprochen. Richtig ist: in Aussicht gestellt.“ Da stand Aussage gegen Aussage.

Die Vorwürfe, die der HSV gegen Georg Volkert vorbringt, würden eine fristlose Kündigung rechtfertigen, wenn sie denn stimmen: Volkert soll vor dem Transfer des Spielers Thomas Doll den Spielervermittler Vinicio Fioranelli mehrfach angerufen haben und auch per Fax Tips angeboten haben, wie Lazio Rom billiger an den Spieler käme. Weil der HSV unter Geldnot leide, hätte er eine schlechtere Verhandlungs-Position. “Die können nicht lange pokern”, soll Volkert gesagt haben.

Jürgen Hunke zu diesen Vorwürfen: “Fioranelli hat uns das bestätigt, in einem Kreise von neun, zehn Männern. Er bezeichnete diesen Vorgang sogar als eklig. Später hat das Ehepaar Volkert mehrfach versucht, den Zeugen Fioranelli unter Druck zu setzen.” Damit er nicht vor Gericht aussage. Volkert weist diese Anschuldigungen zurück. “Das angebliche Fax waren lediglich Grüße”, sagt sein Anwalt. Und er fügt an: “Fioranelli ist Spielervermittler, der verhandelte gar nicht im Auftrag von Lazio.” Und in einer Verhandlungs-Pause fügte von Kummer an: “Wenn Fioranelli so etwas gegenüber dem HSV gesagt hat, so war es aus taktischen Gründen.”

Vinicio Fioranelli, wohnhaft in der Schweiz, wird vorgeladen. Da so etwas lange dauern kann, wird der Prozeß erst im nächsten Jahr (Termin unbestimmt) fortgesetzt. Aber Christian Lesmeister sagte auch: “Bestätigt Fioranelli die Vorwürfe, die der HSV hier vorgetragen hat, dann war die fristlose Kündigung rechtens.”

Drei andere Gründe, die Volkerts Entlassung rechtfertigen sollten, ließ der Richter unter den Tisch fallen:


1. Volkert wollte in seiner Freizeit den St.-Pauli-Profi Ivo Knoflicek (jetzt VfL Bochum) beraten.

2. Volkert soll beim Abschließen von Freundschaftsspielen des HSV “schwarzes Geld” gemacht haben.

3. Volkert über Hunkes Vorgehensweise: “Das sind Stasi-Methoden.”

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202570193/Keine-Mark-vom-HSV.html


Jürgen Hunke: Heute stellen wir unser AG-Konzept der Öffentlichkeit vor. Ein historischer Tag, ein wichtiges Datum für den HSV. Wir haben eine überzeugende Konzeption entworfen, die alle Kritiker überzeugen sollte. Die HSV-Aktie ist eine interessante und spannende Geldanlage mit der Chance auf enormes Kurswachstum. Überdies hilft die Gesellschaft dem Klub. Mit der Gründung der Aktiengesellschaft erhöht sich die Liquidität des Vereins um satte 10 Millionen Mark – ein Betrag, den der HSV für seine Entwicklung im nächsten Jahr unbedingt benötigt.

(kicker, Nr.99/50.Wo. 12.12.1991)

“Ich habe noch nie einen Menschen unter Druck gesetzt”, sagt Isolde Volkert, die Frau des vom HSV entlassenen Managers. Sie fühlt sich ungerecht behandelt, deshalb gab es eine Abmahnung für Jürgen Hunke. Der HSV-Präsident soff künftig nicht mehr behaupten, das Ehepaar Volkert habe den Spielerberater Vinicio Fioranelli im Zusammenhang mit dem Doll- Transfer “unter Druck gesetzt”.

Georg Volkert hat auf Anraten seines Anwalts monatelang geschwiegen. Jetzt beginnt er zu kämpfen: “Ich lasse mich nicht mundtot machen. Auch jetzt von Hunke nicht. Und ich lasse mir meinen guten Namen nicht kaputtmachen.”


Er sieht dem weiteren Prozeß (fristlose Entlassung) mit Gelassenheit entgegen, weil er noch “einige Asse im Ärmel” nat. Unter anderem den Punkt, daß Fioranelli, der gegen Volkert aussagen soll, auch den Transfer von Herbert Waas (aus Bologna) abgewickelt hat. Ein Zufall? Aber Volkert sorgt sich auch um den HSV: “Schock muß aufwachen. Ich kam zum HSV, da war er unten. Aber wir schafften den UEFA-Cup. Jetzt bin ich weg, und es geht abwärts. Es gibt keine konstruktive Kritik mehr.”

Hunke entgegnet auf die Abmahnung: “Wenn Fioranelli mehrfach von den Volkerts angerufen und gebeten wird, nicht die Existenz des Herrn Volkert zu vernichten – wie soll man das nennen?”

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202571825/Volkert-kaempft-um-seinen-Ruf.html


Jürgen Hunke schlägt zurück. Der HSV-Präsident hatte im Hamburger Abendblatt von “einer Abmahnung”, die ihm das Ehepaar Georg und Isolde Volkert per Anwalt zukommen ließen, erfahren. Hunke sollte demnach nicht mehr behaupten dürfen: “Herr und Frau Volkert haben den Schweizer Spielerberater Fioranelli unter Druck gesetzt.”

Daraufhin reagierte Hunke und reichte beim Landgericht Hamburg eine Schutzschrift ein. Mit Erfolg. Die vom ehemaligen HSV-Manager Volkert, der vom Verein fristlos entlassen worden ist, und seiner Frau beantragte einstweilige Verfügung wurde abgelehnt. Die Kosten (10 000 Mark Verfahrenswert) hat Georg Volkert zu tragen.

“Leider nimmt es Herr Volkert mit der Wahrheit nicht so genau. Er ließ überall verbreiten, daß ich die Abmahnung schon hätte. Dabei hatte er sie zu dem Zeitpunkt erst beantragt – und ist jetzt nicht damit durchgekommen”, sagt Hunke. Der HSV-Präsident weiter: “Volkert sollte, statt sich solcher Tricks zu bedienen, darauf konzentrieren, wieder einen neuen Job zu finden. Damit wäre er besser beraten. Außerdem: Sollte er wirklich einen Vergleich oder ähnliches mit dem HSV wollen, so macht er sich damit alles kaputt.”


Jürgen Hunke sprach gestern auch noch einmal mit Frank Rohde. Der HSV-Libero hatte nach den zuletzt schwachen Leistungen seiner Mannschaft vom Abstiegskampf gesprochen. Hunke über die Unterredung: “Unser Ziel ist nach wie vor der UEFA-Cup-Platz. Wenn das jemand, Mannschaft oder Trainer, nicht versteht, dann gebe ich gerne Nachhllfe. Das Ziel kann doch nicht Mittelmäßigkeit heißen, man muß nach oben streben. Ob man es dann schafft, ist eine ganz andere Sache.”

http://www.abendblatt.de/archiv/1991/article202574335/Hunke-liess-Volkert-abblitzen.html


Febr. 92:

[…] Der HSV steht vor einer immensen Neuverschuldung. Es muß ein strikter Sparkurs gefahren werden. Im Sommer kann es keine Einkäufe geben. Im Gegenteil: Notverkäufe stehen an. […] Die Spitzen seiner Führungsteams hatte der Klubchef…bei einer Klausurtagung…auf die Kurkorrektur eingeschworen.


Der HSV sei schuldenfrei, aber noch nicht saniert erklärte Hunke sinngemäß. Dann malte er das Schreckgespenst erneuter Roter Zahlen an die Wand. Seine Eckdaten: Am Saisonende habe der HSV rund 2,5 Millionen Mark Schulden. Hintergrund: Das Aktiengeschäft, so hat Versicherungstycoon Hunke unlängst im Freundeskreis verraten, laufe sehr schlecht.

Überraschend, dass trotz diverser Transaktionen, der sich vor einem Jahr auf rund 12 Millionen Mark belaufende Schuldenberg immer noch nicht ganz abgetragen ist. Schließlich brachte der Doll-Transfer zu Lazio Rom einen Netto-Gewinn von etwa 12 Millionen in die Kasse. Zudem wurde das auf rund 5 Millionen Mark bezifferte Hauenschild-Vermögen verkauft.

Hunkes Schlußwort: Der UEFA-Cup-Platz sei (überlebens-) wichtig. […]

 

Gerd-Volker Schock: Ich kriege die Zahlen nicht auf die Reihe. Für mich ist dies nicht nachvollziehbar. Wo sind die Doll-Millionen geblieben? Nach dem Verkauf von Thomas Doll…war ein anderes Konzept entworfen worden. Es sollte in dieser Spielzeit eine neue Mannschaft für die Saison 1992/93 aufgebaut werden. […] Erst sollte der Klub saniert werden. Der Rest der Doll-Gelder sollte als Basis für den Neuaufbau dienen.


Ich wundere mich schon über den Sinneswandel. Wahrscheinlich ist im Klub lange die Situation falsch eingeschätzt worden. Ich muß jetzt annehmen, daß man sich ein halbes Jahr verkalkuliert hat und die Summe unterschätzt hat, die aufgelaufen sind. […] Es droht, daß der HSV über Jahre hinaus nur noch Mittelmaß ist. So wird dieser Klub Schritt für Schritt kaputt gemacht. Sportlich geht es hier den Bach hinunter.

Die Diskrepanz zwischen der Zielvorstellung und den Möglichkeiten wird immer größer. Man muß sich mit den Gegebenheiten abfinden und dies auch öffentlich machen, indem man die Ziele korrigiert. Meine Position ist da ganz deutlich. Natürlich will ich in den UEFA-Cup, doch ich muß das Ganze realistisch sehen: Man darf davon nicht einmal träumen – so wie es unser Präsident Hunke tut.

(kicker, Nr.11/6.Wo. 6.2.1992)

 

“Der HSV hat 17 Millionen Mark Schulden.” “Der HSV ist schuldenfrei.” “Der HSV ist saniert.” Schlagzeilen der letzten Jahre und Monate. Nach dem Verkauf von Thomas Doli an Lazio Rom war der Klub zwar mit einem Schlag 20 Millionen Mark Verbindlichkeiten los – aber nur acht Monate nach dem spektakulärsten Transfer der Vereinsgeschichte haben den Hamburger Sport- Verein die Probleme der Vergangenheit eingeholt.

Die finanzielle Situation hat sich wieder zugespitzt. Die Substanz, Grundstücke und Wertpapiere, sind bis auf das 126 000 Quadratmeter große Gelände in Norderstedt veräußert. […] … zum Saisonende drohen Spielerverkäufe und das weitere Absinken des sportlichen Niveaus. “Wir haben zwar die Millionen- Verluste der Vergangenheit abgebaut, die schwerwiegenden strukturellen Probleme aber bleiben. Wir geben mehr Geld aus, als wir einnehmen”, zog HSV-Schatzmeister Manhard Gerber vor dem Wiederbeginn der Fußball- Bundesliga am nächsten Sonnabend Zwischenbilanz.

Die Liquidität ist derzeit noch gesichert, und der Zinsaufwand wurde drastisch reduziert. Nur für das Gelände in Norderstedt und das dortige Restaurant “Lindenhof ‘ läuft noch ein Kredit über rund eine Million Mark, zudem bürgt HSV-Präsident Jürgen Hunke für etwa sechs Millionen Mark. „Wenn das Geld aus Rom da ist (noch rund sieben Millionen Mark aus dem Doll- Transfer, die Red.), können wir alles bezahlen”, sagte Gerber. […] Kommt aber demnächst kein zusätzliches Geld über die Aktiengesellschaft oder eine UEFA-Cup-Teilnahme in die Kasse, müßte der HSV wieder mit dem Schuldenmachen beginnen. Aber genau das kommt für das jetzige HSV-Präsidium nicht in Frage.

“Bei uns im Verein stimmt es: Es gibt keine Intrigen, wir haben eine gute Mannschaft. Es gibt nur zwei Probleme: Wir stehen nicht an erster Stelle, und wir haben kein Geld”, sagte Hunke. Sein Vorschlag: “Ein gutes mentales Verhältnis untereinander, viel miteinander reden – dann können wir doch noch nach oben kommen.” […] “Mich haben Hunkes Worte nicht überrascht, ich kannte die Situation”, sagte Torwart Richard Golz. “Komisch aber ist das schon. Da hieß es doch, der HSV hätte keine Schulden mehr. Anderseits gab es in der Winterpause keine Einnahmen, und trotzdem mußten die Gehälter gezahlt werden. Dennoch glaube ich: Es geht vielen Bundesliga- Klubs schlechter als dem HSV.”

Das sieht Hunke ähnlich: “Die ganze Bundesliga ist marode und kann eigentlich nicht existieren.” Geld machen die Klubs nur dann, wenn sie Spieler verkaufen. […] Auch der HSV wäre jetzt kein Erstliga-Klub mehr, hätte es die Doll-Millionen nicht gegeben. Er allein hat den vor der Pleite stehenden Traditions-Klub gerettet. Vorläufig jedenfalls. Wenn jetzt die HSV-Aktiengesellschaft, die bisher nur etwa 400 Anteilsscheine verkaufen konnte, wieder aus dem Leben scheidet, dann stirbt auch der HSV als Profi-Klub.

“Wir brauchen den Erfolg der AG, damit sie das Gelände in Norderstedt kaufen kann. Nur durch die Veräußerung des Grundstücks (für zehn Millionen Mark, die Red.) an sich selbst hätte der HSV wieder das Geld, um in seine sportliche Zukunft zu investieren, um sich in die europäische Spitze zurückzuschießen”, sagte Gerber.

Einen Erfolg konnte der HSV gestern trotzdem melden: Der Arbeitsgerichts-Prozeß mit Georg Volkert ist beendet, darauf einigten sich beide Parteien auf Initiative Volkerts. Der ehemalige HSV-Manager soll, wie in solchen Fällen üblich, drei Monats-Gehälter, rund 50 000 Mark, als Abfindung erhalten.

http://www.abendblatt.de/archiv/1992/article202626817/HSV-kuerzt-Spieler-Gehaelter.html


kicker: Was halten denn Sie von der AG?


Jakobs: Ein totgeborenes Kind. Wenn man dem Verein helfen will, dann könnte man das auch durch eine Spende tun, bekommt eine Spendenbescheinigung und kann sie steuerlich absetzen.

kicker: Hunke aber will die AG unter allen Umständen durchsetzen…

Jakobs: …indem er alles unter mysteriösen Dingen vorantreibt. Er will Ochsenzoll verkaufen ohne Zusicherung, daß er dem Jugend- und Breitensport erhalten bleibt. Damit erzieht er dem HSV den Nährboden. Von seinem Konzept, mit dem er einst angetreten ist, ist nichts mehr übriggeblieben.

 

Dies haben auch die Mitglieder des Vereins Ochsenzolls inzwischen spitzgekriegt und wehren sich…gegen einen Verkauf des…Trainingsgeländes ohne eine vertragliche Absicherung: […] „Ohne Nutzungsvertrag wird Ochsenzoll nicht veräußert.“ Gegen eine solche Klausel im Vertragswerk, die die uneingeschränkte Nutzung vorsieht, wehrt sich Hunke vehement. Weil er fürchtet, das Aktiengeschäft könne nachteilig beeinflußt werden.


„Wenn er sich schon heute im Sinne der AG dagegen wehrt, wie wird es erst sein, wenn er nicht mehr Präsident ist“, fragt Ommer zu Recht. „Als Vorstand hat er dann noch ein größeres Interesse, profitabel zu arbeiten. Ich jedenfalls kenne keine Aktionäre, die karitativ eingestellt sind. […] Im Bundesligatagesgeschäft sind zehn Millionen schnell versickert. So rechnet der HSV bereits wieder mit einem Verlust von 2,5 Millionen. Ein schlechter Transfer, weil der Spieler eine Pflaume ist, und weg ist die Kohle. […] In drei Jahren ist das Geld weg, der HSV hat kein Anlagevermögen mehr. Hunke ist nicht mehr Präsident. Es gibt keinen Kredit mehr. Alles ist futsch. So blutet der Verein aus. Eine ganz gefährliche Sache. […] Hunke sollte dieses unkorrekte Modell schnellstens vom Markt nehmen.“

Jürgen Hunke: „Derjenige, der das sagt, der tut mir leid. Er hat keinen Verstand und keine Ahnung.“ […] …wenn es wider Erwarten nicht klappt, „…war ich meiner Zeit voraus, bin aber nicht verstanden worden.“ […] Für Manfred Ommer ist einfach unbegreiflich, warum Hunke nicht mit der Bekanntgabe des Doll-Transfers den Aktienrückzug angetreten hat. „Er hätte doch einfach sagen können, das Geld ist da, der HSV schuldenfrei, die Sache hat sich erledigt.“ […] Das Hamburger Abendblatt sprach erst kürzlich kürzlich von 400 verkauften Wertpapieren. Wenn man bedenkt, daß Hunke selbst 359 Aktien zeichnete, spricht das für sich. […] Die ganze Sache entpuppt sich immer mehr als große Pleite des HSV. […]

 

Horst Becker war HSV-Präsident. […] Der Banker Becker ist nicht überzeugt davon, daß es dem HSV so schlecht geht. „Der Schatzmeister hat vor gar nicht allzu langer Zeit davon gesprochen, daß der HSV schuldenfrei ist. Also muß es dem Verein gut gehen.“ Ansonsten, so Becker, könne Hunke bei einem Grundstück von 10 Millionen Mark Gegenwert, doch jederzeit einen Kredit aufnehmen. „Allerdings sehe ich die Probleme, daß er alle Banken verprellt hat, weil er aufgetreten ist wie Graf Koks.“ […]

(kicker, Nr.13/7.Wo. 13.2.1992)


März 92:

HSV-Trainer Gerd- Volker Schock hatte es die Sprache verschlagen. Nach der 0:2-Heimniederlage, der ersten seit 25 Jahren gegen den 1 . FC Nürnberg, sagte er nur drei Sätze: “Ich habe zu diesem Spiel nichts zu sagen, denn es war kein Spiel unserer Mannschaft. Für diesen Mist übernehme ich die volle Verantwortung.” Dann, auf Nachfrage: “Die Berufsauffassung einiger Spieler läßt zu wünschen übrig.” […] Draußen vor dem Stadion standen einige hundert HSV-Fans: “Hunke raus! Schock raus!” riefen sie. Den Rücktritt des Präsidenten hatten sie schon während des Spiels auf einem großen Plakat gefordert.

http://www.abendblatt.de/archiv/1992/article202608431/Hunke-raus-Schock-raus.html


Trotz der Minusserie von zuletzt 3:9 Punkten, der fast unglaublichen Torflaute (fast fünf Stunden zu Hause ohne Torerfolg, nur zwei Treffer in den letzten sieben Spielen) und trotz des äußerst niveaulosen Spiels der Mannschaft verkündete Hunke gestern: “Gerd-Volker Schock sitzt so fest im Sattel wie ich.” […] Eines steht fest: Gerd- Volker Schock wird von sich aus nicht das Handtuch werfen. Das schloß er gestern gleich zweimal aus. Auch schon deshalb, weil sein Vertrag noch bis 1993 läuft. Schock würde viel Geld verschenken, wenn er von sich aus aufgeben würde.

http://www.abendblatt.de/archiv/1992/article202608961/Schocks-schwere-Not.html


Um 10.55 Uhr fuhr Gerd-Volker Schock auf den Parkplatz des Leistungszentrums Ochsenzoll. Er stieg aus dem HSV-Dienstwagen und eilte auf den Trainingsplatz, auf dem sich seine ehemalige Mannschaft um Fitneß bemühte. […] “Mit meinem Rücktritt wollte ich ein Zeichen setzen. Ich wünsche euch alles Gute.” Kurz und knapp, aber nicht ganz schmerzlos.


In der Abschiedsstunde waren die meisten Spieler traurig, daß sie von ihrem Trainer verlassen worden sind. Nur: Das Team hatte zuvor Schock total allein gelassen. Daß der Trainer dennoch zur Abschiedsrede erschien, rechneten ihm alle hoch an. Schock: “Ich weiß ja, was sich gehört.” Nur wie es drinnen in ihm aussah, verriet Schock nicht: “Das ist allein meine Sache.” Gerd-Volker Schock bleibt dem HSV erhalten. Er wird Koordinator im Jugend- und Nachwuchsbereich. Präsident Jürgen Hunke: “Ich werde alles nur Mögliche tun, um Volker Schock über 1993 hinaus solange wie möglich an den HSV zu binden.”


Schock über seinen unheimlich starken Abgang: “Ich wollte der Mannschaft mit meinem Rückzug helfen, mit einem neuen Trainer wieder bei Null anzufangen. Die Spieler können nun alle Belastungen über Bord schmeißen.”

http://www.abendblatt.de/archiv/1992/article202609343/Ein-unheimlich-starker-Abgang.html


Jürgen Hunke: Gerd-Volker Schock hat sein Amt zur Verfügung gestellt. Ich hätte bis zur letzten Sekunde zu ihm gehalten. […] … er ließ sich nicht überreden. Er glaubte, handeln zu müssen. Er wollte der Mannschaft durch seinen Abschied eine erneute Chance geben, sich zu beweisen. […] Schock hat nie an Eigennutz gedacht, immer nur an den Klub. […] Schock wird sich mit seinem Wissen und seiner Persönlichkeit.in den Dienst des HSV stellen. […] Ich muß mich nun als Präsident beweisen. […] … ich habe niemals an einen Rücktritt gedacht. Ich ziehe die Sache beim HSV bis Ende 1993 durch.

Dietmar Jakobs: Stichwort Präsident! Es hat sich gezeigt, daß er nach wie vor keine Ahnung von sportlichen Dingen hat. […] Jürgen Hunke ist mit großen Plänen gestartet. Wer erinnert sich nicht daran, wie er auf der Jahreshauptversammlung versprach, einen anderen Weg gehen zu wollen. Als sein Gegenkandidat Degen, der den Verein gesundsanieren wollte. Von seinem Konzept allerdings hat er nichts durchgeführt. Im Gegenteil: Im Vergleich zu Dege hat er den Verein zu Tode saniert.

(kicker,Nr.21/11.Wo. 12.3.1992)


Jürgen Hunke: In der Tat habe ich den hohen Zeitaufwand, die Emotionalität im Verein und vor allem die verheerende finanzielle Situation unterschätzt. Ich habe damals gedacht, daß die Banken allein auf den Namen HSV Kredit gewähren. Das war ein Irrtum.

[…] Um Kosten zu sparen muß ich ohne Manager, Geschäftsführer und großen Apparat auskommen. Nach den ersten beiden Monaten meiner Amtszeit und der Erkenntnis der wahren Mißstände habe ich schon gesagt, daß es bis zur Konsolidierung drei Jahre dauert. […]


[…] In der vergangenen Woche haben wir die Lizenzunterlagen beim DFB eingereicht – diesmal werden wir die Spielberechtigung ohne Auflagen und Bedingungen erhalten. Das ist das erstemal seit Jahren. Vor einem Jahr konnte ich kaum schlafen und träumte von einem HSV im Amateurlager. Dies alles wäre unmöglich gewesen, hätte ich nicht rechtzeitig den Vertrag mit Thomas Doli verlängert.


[…] Diese Millionen haben gerade ausgereicht, um Bankverbindlichkeiten, Steuerschulden und offene Rechnungen für Spieler zu begleichen; vorher war der HSV zahlungsunfähig. Dennoch geben wir nach wie vor mehr Geld aus als wir einnehmen. Die Sanierung kann nur langsam greifen. Ich könnte ja auch, so wie meine Vorgänger, einfach Schulden machen, […]


Die Misere des HSV bei meiner Amtsübernahme war so gigantisch, daß ich alles auf mich genommen habe und alleinverantwortlich für die meisten Bereiche bin. […] Wenn wir im kommenden Jahr mehr Geld haben, werden wir einen Sportspezialisten als Geschäftsführer einstellen. […]


HA:
Und auf der Habenseite steht nur wenig. Am Rothenbaum ist der HSV im Abseits, das Profiteam ist gleichfalls neben der Spur, von einem Umbau des Volksparkstadions ist nichts zu sehen.


Jürgen Hunke: An diesen Beispielen sieht man, was der HSV seit den fetten Jahren 1980 bis 1983 versäumt hat; das kann man nicht in 16 Monaten aufholen. Tatsache ist dennoch, daß beim HSV viel verbessert wurde: Die Geschäftsstelle arbeitet professionell, … die Nachwuchsarbeit ist organisiert, wir haben die Einnahmen gesteigert die Sponsorengelder erhöht. Das wird aus der Bilanz ersichtlich, nicht aus dem Tabellenplatz.

http://www.abendblatt.de/archiv/1992/article202609339/Herr-Hunke-wo-sind-denn-Ihre-Erfolge.html

 

Das Aktien-Modell des Hamburger SV steht vor dem Aus. Präsident Jürgen Hunke ist mit seinem umstrittenen Finanzmodell gescheitert und hat nach einer Sitzung des Aufsichtsrates der AG den Stop des Aktien-Verkaufs angeordnet. Bislang waren nur rund 2000 Aktien (davon hatte Hunke allein 360 erworben) verkauft.

Der ursprüngliche Plan: 36 000 Aktien im Wert von je 1000 Mark an den Mann zu bringen. „Es gab konstruktive Kritik von den Anlegern. Wir werden die Kritikpunkte ausräumen und eine Investitionsplanung mit Renditeberechnung vorlegen“, kündigte Hunke eine Änderung an. Die HSV Sport AG soll sich danach hauptsächlich auf das Projekt Ochsenzoll beschränken. Auch personell wird es Änderungen geben: Hunke tritt im Mai als Vorstandsvorsitzender der AG zurück. Dieses Amt übernimmt der Hamburger Kaufmann Dr. Harald Erichsen.

 


Meinung

Hans-Günter Klemm

Irren ist menschlich. Fehler nicht zugeben zu wollen, ist ebenfalls eine menschliche Schwäche. Jürgen Hunke, jener extravagante Selbstdarsteller auf dem Hamburger Präsidenten-Thron, jener Erfinder eines gewissen „Aktien-Modells“, ist ein Mensch, auch wenn er mitunter so erscheinen möchte, wie sein erfolgreiches Unternehmen heißt: wie Zeus nämlich, der Göttervater.

In der letzten Woche mußte er vom Olymp steigen: Aus für Hunkes AG-Projekt, Scheitern eines Finanzierungsversuchs, der bei den Fachleuten auf Kritik stieß, bei den fans auf wenig Gegenliebe. Doch der nicht mundfaule Hunke, Verkäufer durch und durch, wollte auch noch seine Fehleinschätzung als Erfolg verkaufen: Sie hätten konstruktive Kritik aufgenommen, alles werde überarbeitet, das Modell demnächst noch besser sein.

Wie bitte? Was Jürgen Hunke mit rhetorischen Salti mortali verklausuliert, ist ein Rückzug auf Raten. Das schönste und größte Eigentor des Jahres, Herr Hunke.

Der „Erneuerer“ aus Hamburg hat mit seinem Irrtum dem einstmals seriösen Hamburger SV geschadet, mehr noch der gesamten Liga. Hunkes Flop wird stets im Zusammenhang mit dem Bestreben der Klubs genannt werden, die eine andere Rechtsform wünschen. Auch wenn Hunkes Spendenaufruf von der Umwandlung eines Fußball-Klubs in eine Kapitalgesellschaft so weit entfernt ist wie der Hamburger SV von der deutschen Meisterschaft

(kicker, Nr.26/14.Wo. 30.3.1992)


April 92:

Jürgen Hunke über sein Einstieg als HSV-Präsident: „Ich habe vor 16 Monaten relativ unvorbereitet das Amt des Vorsitzenden des HSV übernommen. Mit ganz neuen Leuten. […] Ich kannte weder Bilanzen noch Summen, diese Addition von Zahlen kann man ja sehr unterschiedlich sehen. Auf der einen Seite steht die Bilanz, auf der anderen die Liquidität. Die Bilanz sah deswegen noch ganz gut aus, weil der HSV aus dem Vermögen, das sich in den letzten 20 bis 30 Jahren gebildete hatte, investierte. Es gab da die Hauenschild-Stiftung, Immobilien, Wertpapiere, was aber längst beliehen war. Nach den ersten Bestandsaufnahmen entdeckte ich zusammen mit meinem Steuerberater, daß zwölf Millionen Mark Schulden da waren, alle kurzfristig. 2,7 Millionen Mark davon waren Steuerschulden. Dazu kam eine ganze Reihe von Verbindlichkeiten für Spieler. […]

Ich sage nicht Chaos dazu, es war aber eine unvorstellbare Situation für jemanden für mich, der selber seit seinem 23. Lebensjahr ein Unternehmen mit über 66 Mitarbeitern führt. Ich habe gesehen, das überhaupt keine Substanz da war, es gab auch nichts, worauf es Kredite gab. Im Gegenteil: Die Banken drängten darauf, daß laufende Kredite bis zum 30. Juni zurückbezahlt werden sollten. Dann haben wir erst einmal um die Lizenz gekämpft.“

Hunke über die finanzielle Situation: […] „Der Leistungssport war einer der größten Verlustmacher gewesen mit Volleyball und Eishockey. Die beiden Abteilungen habe ich abgeschafft. Die Amateurabteilungen haben einen Anteil von 50 Prozent an den zehn Millionen Schulden der letzten Jahre. […] Wir haben 18 Millionen Ausgaben, aber nur 14 Millionen Einnahmen pro Jahr, falls wir nicht im UEFA-Cup spielen. […] So kann ein Klub eigentlich gar nicht bestehen, wenn er keine zusätzlichen Einnahmen hat. Kaufmännisch gesehen ist es eine konkursreife Situation, ist der HSV am Ende. „

Hunke über den Versuch mit der HSV-Aktie: „Das war die einzige Alternative, die wir hatten. […] Es galt, neue Ideen zu entwickeln. […] Wir haben das 130 000 qm große Ochsenzoll-Gelände in Norderstedt, das den Verein pro Jahr mit 700 000 Mark Kosten belastet und auf dem Stand der Siebziger Jahre ist. Alles muffig. Man müßte investieren, aber wie, wenn man kein Geld hat? […] Einer privaten Baugesellschaft kann man das Gelände nicht anbieten, da macht der Verein nicht mit, da es ja weiter für den Breitensport genutzt werden soll. Also müssen wir einen eigenen Käufer finden. Wir gründeten eine Tochtergesellschaft. Eine AG. Es war aber wohl ein Fehler, sie HSV-AG zu nennen. Sie sollte dafür sorgen, daß das Gelände dem Sport erhalten bleibt. Der vordere Teil kann bebaut werden, die Stadt Norderstedt sagte das zu. Wir wollten 3600 Aktien zu je 1000 Mark ausgeben, Zielgruppe war die Hamburger Wirtschaft.

Aber die Sache ist schon im Vorfeld kaputtgeschrieben worden. […] Es redeten alle nur Quatsch. Wir wollten den HSV nicht zu einer AG machen, da gibt es eine klare Trennung: Verein ist Verein, AG ist AG. Die AG sollte dem Verein das Ochsenzoll-Gelände für zehn Millionen Mark abkaufen. Außerdem sollte eine Rücklage von drei Millionen Markt gebildet werden, falls dem Verein in einer Notlage schnell geholfen werden muß. Aber nur auf Basis eines Kredits. Der Klub hätte dann für vier Jahre Ruhe gehabt. Zusätzlich sollte die AG das HSV-Emblem vermarkten, beispielsweise mit einer HSV-Sport-Kollektion, die ich selbst entworfen habe, dazu die Fan-Artikel vermarkten. Der Verein wäre am Gewinn beteiligt.

In Norderstedt sollte eine Jugendakademie gebaut werden, um im Nachwuchsbereich aufzuholen und irgendwann auch auf dem Transfermarkt Gewinne zu erzielen. Es war an 20 Appartements für 20 junge Fußballer sowie eine Sprachschule für Ausländer und ähnliches gedacht. Im Aufsichtsrat der AG haben wir die fähigsten Leute, die man kriegen konnte, und wir arbeiteten mit einer der besten Agenturen zusammen.

Aber es war etwas ganz Neues, eine AG von Null an aufzubauen. Das paßte nicht in die Prüfmuster. Wir wollten nie an die Börse gehen, das konnten wir auch gar nicht. Aber die Bank, die zusammen mit uns das Projekt ausarbeitete, sagte zum Thema Verkauf der Aktie, macht das erst mal selber, weil die Sache so ins Gerede gekommen war. Wir wollten das eigentlich nicht über die Geschäftsstelle machen, aus Gründen der Seriosität. […] Wenn ich die Sache nicht HSV-AG, sondern Fonds genannt hätte, wäre alle kein Problem gewesen. Es gab auch eine Interessen-Kollision, weil ich HSV-Präsident und gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der AG war. […} Aber in einem Jahr wird man sehen, daß es funktioniert.

Wir machen jetzt alles anders, konzentrieren uns auf das Ochsenzoll-Gelände und lassen eine Baugesellschaft eine genaue Planung erstellen. Wir werden alles genau durchrechnen, und die bereits gedruckten 30 000 Prospekte ergänzen. Außerdem hatte der Verkauf ja noch gar nicht begonnen. Da waren mit mir lediglich ein paar Leute, die Vertrauen hatten und gleich zugriffen. Zwei Millionen Mark waren ziemlich bald zusammen. Im Juli, August oder September wird der Verkauf neu anlaufen. Die Kapitalerhöhung ist aufgeschoben. Der Markt will mehr Informationen, und die bekommt er.“

Hunke zur Lage des Fußballs in Hamburg: „Der Name HSV ist super, den kennt jeder wie die Reeperbahn und Hamburg. Der Wirtschaftsraum Hamburg ist super. Man muß nur das richtige Konzept haben. Ich habe den Leuten von der Stadt gesagt, daß die Europaliga bald kommen wird. Da haben alle gelacht. Aber wenn sie kommt, ist Hamburg nicht dabei. Weil wir weder die Voraussetzungen noch ein passendes Stadion haben. […] Aber die Politik hat anders Interessen. Das muß man akzeptieren. Der HSV hat in den letzten Jahren viel versäumt. Vereine wie Werder Bremen oder Bayern München haben Rücklagen gebildet, kann in gute Fußballer investieren, die wiederum ziehen das Publikum an. Erfolgsfußball ist nicht an der aktuellen Tabelle orientiert, sondern eine langfristige Sache.“

Hunke über Hunke: „[…] Warum ich den Job als HSV-Präsident mache? Wenn ich mal 70 Jahre alt bin, kann ich meinen Kindern erzählen, was das für eine spannende Zeit war Ich mache es aber nur bis Herbst nächsten Jahres. Auch wenn der HSV dann Meister sein sollte. Auch wenn wir absteigen. […] Als Unternehmer habe ich ziemlich alles hingekriegt. Ich wollte wissen, ob meine Philosophie auf anderen Gebieten richtig ist. Daß es so schwierig würde, habe ich nicht vorausgesehen. Aber das ist alles eine Prüfung, das soll alles so sein. Auch wenn wir absteigen sollten. Es gibt Leute, die meinen, der HSV bräuchte das mal. Aber bitte nicht unter Präsident Hunke. Im Herbst 1993 will ich einen ordentlich geführten Verein übergeben.“

(kicker, Nr. 29/15.Wo. 9.4.1992)



Abpfiff für den Supermann? Am 31. August läuft der Vertrag mit HSV-Chef- Organisator Torsten Walter aus, und alles deutet darauf hin, daß der Klub den Einjahres- Vertrag nicht mehr verlängern wird. […] Ein “kreativer Macher, perfekter Organisator, pragmatischer Rechenkünstler, Kollegialer Teamworker, flexibler Allrounder, sportlicher Individualist” wurde im August 1991 vom HSV gesucht – und Torsten Walter (31) gefunden.

[…] Hunke: “Wir müssen mal eine Bilanz aufstellen – unabhängig von der Person Walter. Was Kam rein, was gaben wir aus?” […] “Ich wollte Entlastung, muß aber doch vieles selber machen. Erkennbar ist, daß sich alle Leute schwertun, wenn es darum geht, dem HSV Geld zu beschaffen. Ob nun Albrecht oder Petersen. Da lag es wohl nicht am Können oder Wollen, es ist wohl sehr schwer in Hamburg. So sagt es mir auch Torsten Walter fast jeden Tag.”

http://www.abendblatt.de/archiv/1992/article202652085/Das-schnelle-Ende-eines-Supermannes.html





Das Sponsoren-Spezial:


Jonny Controlletti aus Kiel


Eine besonders dubiose Rolle im Dunstkreis der HSV-Verantwortlichen nahm ein selbsternannter Förderer von der Förde ein. Der Bauunternehmer Jens Solterbeck rühmte sich damit, seit Jahren ein großer Gönner des HSV zu sein und dass er so manchen Transfer für den HSV mitfinanziert und abgewickelt habe. „In der Not frisst der Teufel fliegen“, hat wohl Jürgen Hunke gedacht und kooperierte mit dem XXXL-Baulöwen, wenn auch stets um die nötige Distanz bemüht, um Seriosität nach außen zu wahren. Nichts wurde unversucht gelassen, um irgendwie eine finanzielle Entlastung zu erreichen…

 


Mai 91:

Aus eigenen Mittel können wir keinen Neuzugang finanzieren“, sagt Hunke. Also soll eine Fremdfinanzierung für die erhofften Verstärkungen sorgen. Ein Privatier, der seinen Geldbeutel öffnen will, wurde gefunden: Ein Unternehmer aus Kiel, ein alter Bekannter des Ex-Trainers Ernst Happel. […] „Hartmann ist erste Wahl“, verrät Hunke über die Planungen des Trainers. Der Transfer mit dem Stuttgarter, der 1,3 Millionen Mark kostet, soll am Wochenende über die Bühne gehen.

(kicker, Nr.43/22.Wo. 31.5.1991)

 

Mai 92:

Was wäre der Fußball ohne seine „Fußball-Fanatiker“? Keine Frage, es wäre schlecht bestellt um eine Sportart, die Millionen in ihren Bann zieht, aber in der Spitze auch Millionen kostet. Ohne Unterstützung seitens der Industrie ist das Profigeschäft nicht überlebens- und der Amateurbereich nicht konkurrenzfähig. Und deshalb darf sich jeder Verein glücklich schätzen, der Sponsoren besitzt.


Die Verbindung zwischen Jens Solterbeck und dem HSV beruht auf gegenseitige Sympathie. Zum engen Freundeskreis der Familie Solterbeck zählen HSV-Größen wie Uwe Seeler oder Ernst Happel kaum ein Spiel – weder im Volkspark-Stadion noch am Rothenbaum bei den Amateuren – wo die „HSV-Family“ nicht die Daumen drückt. Jens Solterbeck hat den HSV zu seiner Herzensangelegenheit gemacht. […]

Jürgen Hunke, Präsident des HSV

http://www.tsvwankendorf.de/fundgrube.html?file=files/fundgrube/Flyer%20TSVW%20-%20HSV%201992-10-05.pdf

 


Juni 92:

[…] Ein Sponsorenkreis stellt erhebliche Finanzmittel zur Verfügung. „Vier bis fünf Millionen in Form von Bürgschaften“. bestätigt Hunke, der von einer zehnköpfigen Runde spricht. An der Spitze dieser Fördergemeinschaft stehen der Kieler Unternehmer Jonny Solterbeck, der Hamburger Geschäftsmann Ronny Wulf sowie Versicherungs-Tycoon Hunke selbst.

Wer zahlt, will auch bestimmen. Die Gönner verlangen Einfluß auf die Vereinspolitik. So ließen sie den Rahn-Wechsel platzen und machten sich für den schon zu den Akten gelegten Transfer stark: Der Bulgare Yordan Lechkov soll nun doch für eine Million DM kommen.

(kicker, Nr.49/25.Wo. 18./19.6.1992)


Sept. 92:

Coordes verliert immer mehr Rückhalt in der Führungsetage. „Es muss etwas geschehen“, sagte Vize-Präsident Hans Schühmann. Jens Solterbeck, Mäzen aus Kiel, soll schon Kontakt mit dem ihm befreundeten Horst Hrubesch aufgenommen haben. […]

(kicker, Nr.76/39.Wo. 21.9.1992)



Okt. 92:

[…] Verfrühte Festtagsfreude beim HSV, wo ein Wohltäter in Gestalt eines spendablen Mäzens ein Geschenk vor Heiligabend verteilen möchte. „Ich schenke dem HSV einen Starspieler“, behauptet Jonny Solterbeck, steinreicher Baulöwe aus Kiel und engagierter HSV-Fan.„Christkind“ Solterbeck denkt konkret an den Dortmunder Flemming Povlsen oder neuerdings auch an den Römer Kalle Riedie: „Wenn Riedle weg will aus Rom, dann werde ich ihn ansprechen“ Als Ernst Happel den Bundesligisten trainierte, kam der Kieler Unternehmer zum HSV.

Seit Jürgen Hunke den Klub am Rothenbaum leitet, engagiert sich der Happel-Freund mit der Pavarotti-Gestalt auch finanziell beim früheren Europacupsieger. Im Sommer stellte Solterbeck den HSV ein zinsloses Darlehen in Millionenhöhe zur Verfügung.

Seit einiger Zeit kündigt Solterbeck an, sein finanzielles Engagement zu verstärken. So wollte er vor Saisonbeginn Brian Laudrup nach Hamburg lotsen oder entwickelte einen abenteuerlichen Plan, Maradona in die Bundesliga zu holen. Nun soll es der dänische Nationalspieler Povlsen sein. „Ich habe mit Povlsen schon gesprochen“‚ berichtete Solterheck dem kicker. Povlsen indes dementierte: „Es hat keine Kontaktaufnahme gegeben.“

Solterbeck im Zwielicht? In der HSV-Führungsetage werden die Aktionen aus Kiel noch mit gewisser Skepsis beurteilt. ‚Ich mache einen Luftsprung. wenn. Wir Povlsen haben könnten, meinte Heribert Bruchhagen, der nun Nägel mit Köpfen machen möchte.


Am nächsten Montag treffen sich Bruchhagen und Präsident Jürgen Hunke zu einem klärenden Gespräch. Bruchhxgen: „Herr Solterbeck muß uns einen Plan schriftlich vorlegen!“ Nur mit Hilfe eines Gönner könnte der HSV auf dem Transfermarkt aktiv werden.[…]

(kicker, Nr.85/43.Wo. 22.10.1992)


Nov. 92:

[…] „Im Klub glauben einige immer noch an den reichen Onkel aus Amerika. der kommt und den Geldkoffer aufmacht“, schmunzelt Hunke, sicherlich auch in Anspielung auf den Kieler Bauunternehmer Jena Solterbeck. Dieser hat erneut seine Bereitschaft angemeldet den Klub in Millionenhöhe zu unterstützen.

(kicker, Nr..93/47.Wo. 19.11.1992)

 

Als die Not des Hamburger SV am größten war, meldete sich ein Retter aus Kiel.

Jens Solterbeck, “seit Jahrzehnten ein Freund des Klubs”, nahm sich in die Pflicht und verkündete entschlossen: “Ich schenke dem HSV einen Starspieler.” Der Bauunternehmer, derzeit “im ganzen Osten aktiv”, mochte sich auch auf dem Transfermarkt nicht bescheiden. Internationale Spielervermittler, so Solterbeck, hätten für ihn den Kontakt zum argentinischen Wunderstürmer Diego Maradona geknüpft: “Ich ziehe das komplett allein über die Bühne.”

Maradona unterschrieb lieber in Spanien beim FC Sevilla. Doch der Gönner (“Jeder hat sein Hobby, ne?”) gab nicht auf: Nun wollte er wahlweise die Bundesligaspieler Flemming Povlsen, Andreas Köpke, Uli Stein, Wolfgang Rolff und Fritz Walter mit seinem Geld zum HSV locken.

Je dürftiger das Gekicke der HSV-Profis ausfiel, desto stärker wurde der selbstlose Solterbeck im Norden der Republik gefeiert. Der Norddeutsche Rundfunk zeigte ihn minutenlang auf jenem Sofa, auf dem er schon alle HSV-Größen zum Sonntagnachmittagskaffee empfangen hatte, und Sat-1-Moderator Jörg Wontorra lobte den stark untersetzten Geschäftsmann wie einen Schokoriegel: “quadratisch, praktisch, gut”.

Munter plauderte Solterbeck über vergangene Wohltaten: Den 1,3-Millionen-Transfer des HSV-Spielers Jürgen Hartmann will der Kieler ganz allein finanziert haben; mit jeweils 25 Prozent sei er an den Einkäufen der Bulgaren Yordan Letchkov und Pavel Dotchev sowie Florian Weichert und Michael Spies von Hansa Rostock beteiligt. Schließlich müsse man “auch mal was riskieren”.

[…] Dessen vermeintliche Beziehungen zum großen Fußballgeschäft hält Manager Heribert Bruchhagen inzwischen schlicht für “Wichtigtuerei” und weigert sich deshalb, künftig “die Bühnenauftritte des Herrn Solterbeck zu begleiten”.

Präsident Hunke ist derweil um Ausgleich bemüht. Den Kontakt zu dem vollmundigen Baulöwen will der scheidende Präses unter keinen Umständen “kaputtmachen”, denn: “Im Moment ist es leider so, daß die Banken die Schalter schließen, wenn der HSV kommt.”

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13691574.html

 

Dez. 92:

Bislang trug der Streit zwischen Jens Solterbeck und Heribert Bruchhagen allenfalls das Etikett „Eifersüchteleien“. Kämpften der Sponsor und der Manager des Hamburger SV anfangs verbal noch mit dem Florett, so griffen beide inzwischen zum schweren Säbel. Wenn man nun weiß, daß Solterbeck sich prima mit Präsident Hunke versteht, dann ist die Frage zulässig: stürzt der Manager des HSV über den millionenschweren Sponsor?


Sollerbeck jedenfalls reagierte stocksauer auf die Aussage Bruchhagens, er wolle langfristig aussteigen und ihn (Bruchhagen) dabei als „Ausstiegsdroge“ benutzen. „Wie kann er so etwas auch nur andeuten”, brüllt der Baulöwe. „Wollte ich aussteigen, hätte ich dann vor 14 Tagen für eine weitem Million gebürgt und schriftlich fixiert, dem HSV die Lizenz zu sichern?“ Eine Frage. die für ihn selbstverständlich keine ist. „Darüber gibt es ein Protokoll, das Bruchhagen mit unterschrieben hat.

Auch die Feststellung Bruchhagens, Solterbeck dürfe nicht mit Spielern verhandeln, weil dies die Aufgabe des Managers sei, bringt Solterbeck mächtig in Rage: „Wenn ich mit Povlsen verhandle, um ihn dann dem HSV kostenlos zur Verfügung zu stellen. Dann brauche ich den Kasper nicht.“ Dürfte damit bereits klar sein, was der Sponsor von Bruchhagen hält, so legt er noch eine Schippe drauf: „Drei Jahre hat er in Schalke gearbeitet. Resultat: 18 Millionen Schulden. Und wenn er heute sagt, damit habe er nichts zu tun. Dann frage ich‚war er dort Gärtner?”


Bruchhagen dazu: „Ich erwarte von Herrn Solterbeck lediglich, daß er das Angebot wahr macht und uns einen Spieler besorgt, nachdem es mit Maradona und Povlsen nicht so geklappt hat.” Eine Aussage, die vor Ironie trieft. Solterbeck will dem HSV weiterhin helfen. sagt dies aber nicht ohne Einschränkung: „Den Gärtner brauche ich dazu nicht“.

(kicker, Nr.101/51.Wo. 17.12.1992)



Mai 93:

[…] Interessant, dass der Kieler Bauunternehmer Solterbeck zuletzt oft mit Möhlmann gesichtet wurde. Er könnte als potentieller Geldgeber den Transfer Brehmes verwirklichen.

(kicker, Nr.36/18.Wo. 3.5.1993)



Mai 93:

Hansa Rostock

Die Solterbeck Bau GmbH und Eurawasser steigen als neue Sponsoren ein.[…]

(kicker, Nr. 51/25.Wo. 24.6.1993)



Okt. 93:

[…] Der Umzug in den Norden ist schon erfolgt: Hrubesch residiert mit seiner Familie zunächst noch in Kiel, […] Aus seiner westfälischen Heimat hat er sich endgültig verabschiedet. […] Und seine beruflichen Pläne? Zuletzt betreute er Hansa Rostock. Ins Trainergeschäft will er wieder einsteigen. Bis dahin arbeitet er als Repräsentant des Bauunternehmers Jonny Solterbeck, der mit Hrubesch zu den engsten Vertrauten des verstorbenen Ernst Happel zählte.

(kicker, Nr.82/41.Wo. 11.10.93)

 

[…] Aber auch für ein Augenzwinkern war Platz am Rande des Nordderbys. Denn HSV-Sponsor Solterbek hatte vor dem Anpfiff…eine Sonderprämie in Höhe von 10 000 Mark für die Mannschaftskasse ausgelobt. Unter zwei Bedingungen: Die Hamburger mußten gewinnen – das gelang durch Bärons Treffer – und das Geld dann auf der Reeperbahn auf den Kopf hauen.

(kicker, Nr.86/43.Wo. 25.10.1993)

 

Finanziell geht es dem Hamburger SV sehr gut. So konnte kürzlich eine Bürgschaft an Sponsor Jonny Solterbeck zurückgegeben werden, die dem Verein 1991 für die Verpflichtung von Jürgen Hartmann…gewährt wurde.[…]

(kicker, Nr.87/43.Wo. 28.10.1993)



Sept. 94:

Aufregung beim Traditionsverein Holstein Kiel, nachdem der Sponsor Jens („Jonny“) Solterbeck mit seiner Baufirma in Konkurs ging, bangten Trainer Michael Krüger und die Spieler um ihre Gehälter. […] Zuletzt hatte er sich auf spektakuläre Aktionen bei Holstein Kiel beschränkt. So plante er beispielsweise die Transfers von Thomas von Heesen und Wolfram Wuttke.

Wie sich der Konkurs auf die Zukunft des KSV Holstein auswirken wird, ist noch offen. Ingrid Solterbeck (Frau von Jens) und Michael Krieter im „Hauptberuf“ Torhüter des Deutschen Handball-Meisters THW Kiel, sind Gesellschafter der KSV Holstein Marketing G.m.b.H. „Der Etat bis Ende 94 ist“ laut Krieter „erst mal gesichert.“

(kicker, Nr.73/36.Wo. 8.9.1994)



Uwe Seeler hat einen guten Ruf in Deutschland, und so machten Baufirmen und Handwerksbetriebe gern mit, als die “Uwe Seeler + Partner Projekt Magdeburg GbR” einen Verbrauchermarkt in Magdeburg und einen Fachmarkt-Komplex im nahen Staßfurt errichtete. Uwe Seeler hat aber auch einen Geschäftspartner, dessen Ruf nicht ganz so gut ist: Jens Solterbeck, ein großspurig auftretender Bauunternehmer aus Kiel und Mäzen des HSV (“Ich hole Maradona”). Die beiden Projekte betreute die Solterbeck-Bau-Stralsund GmbH, die rechtlich nichts mit der Solterbeck-Bau-Gesellschaft mbH in Kiel zu tun hat.

Die Trennung der beiden Solterbeck-Firmen war eine weise Entscheidung, wie sich später herausstellen sollte. Die Stralsunder Firma war Generalunternehmer für die Bauten in Magdeburg und Staßfurt. Das Fußball-Idol und seine steuersparenden Freunde finanzierten die Ost-Investition. Ihr Geld ging an die Solterbeck-Bau in Stralsund, und die vergab die Aufträge an regionale Baufirmen.

Anfangs, so erinnert sich ein Bauunternehmer, zahlte Solterbeck pünktlich die Abschlagzahlungen. Dann floß das Geld weniger pünktlich und schließlich überhaupt nicht mehr. Seeler und seine drei Partner, jeder mit 25 Prozent beteiligt, müssen die beiden Objekte in Magdeburg und Staßfurt knapp kalkuliert haben. Ihrem Generalunternehmer aus Stralsund ging das Geld aus, und er meldete vor einem Monat Konkurs an. Da erst merkte mancher Handwerksmeister, daß er ja nicht für Uwe Seeler arbeitete, sondern einen Vertrag mit der Firma Solterbeck hatte.


Der Einkaufsmarkt in Magdeburg ist fertig und wird den Investoren eine sehr gute Rendite bringen: Der Bau kostete 3,9 Millionen Mark und wirft eine Jahresmiete von 342 000 Mark ab.


Schlimm trifft die Pleite eine ganze Reihe von Ost-Betrieben, die nun wochenlang umsonst gearbeitet haben. Die meisten der etwa 30 Solterbeck-Opfer wissen noch nicht, ob und wie sie die Verluste verkraften können. 450 000 Mark muß die Staßfurter Installationsfirma Schulter abschreiben; Dierk Schulter (“Mit uns ist ein böses Spiel getrieben worden”) glaubt nicht, daß er den Konkurs seines Unternehmens (13 Beschäftigte) vermeiden kann.

Zwar hat die Schlosserfirma Schaulatys nur einen Ausfall von 21 000 Mark zu verwinden, aber auch dieser Betrag reißt dem Drei-Mann-Betrieb ein böses Loch in die Kasse. 60 000 Mark fehlen der Malerfirma Kröning, 240 000 Mark dem Bauunternehmer Manfred Stieger: “Das tut dolle weh, aber ich denke, daß wir’s überstehen.”


Vorletzte Woche meldete Jens Solterbeck, nach eigener Aussage “im ganzen Osten aktiv”, auch für seine Kieler Firma Konkurs an. Darüber wird noch manche Ost-Firma stolpern: Der selbsternannte HSV-Mäzen hinterläßt 38 Millionen Mark Schulden.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-9288902.html



Febr. 95:

[…] Bis die Pleite der vom ehemaligen Handball-Nationalspieler Michael Krieter und der Sponsoren-Gattin Ingrid Solterbeck geführtem GmbH abgewickelt ist, müssen die 22 Spieler auf ihre Gehälter verzichten. […]


Ein Sündenbock für die Misere ist ausgemacht: Jens Solterbeck, der mit der in Konkurs befindlichen Baufirma seiner Gattin einen Schuldenberg von 47 Millionen Mark erreicht haben soll. Der starke Mann im Holstein-Hintergrund ist jetzt der große Buhmann an der Förde. Trainer und Spieler werfen ihm und den GmbH-Gesellschaftern Größenwahn und Skrupellosigkeit vor.

(kicker, Nr.18/9.Wo. 27.2.1995)





Neues vom Hexer…

Mit Heribert Bruchhagen wird wieder ein hauptamtlicher Manager eingestellt. Er war vorher drei Jahre beim FC Schalke 04 tätig. In seinen 2 ½ Jahren beim HSV entwickelte sich eine Männerfreundschaft zwischen Bruchhagen und Hunke, die bis heute anhält. Einen sehr ungewöhnlicher Vorgang wählte der bodenständige Realist, Jürgen Hunke. Er kontaktierte einen Zauberer der besonderen Art, der mit seinen „Fähigkeiten“ Einfluß auf den sportlichen Werdegang beider Hamburger Profifußballvereine nehmen sollte…

Der Vorstoß Jürgen Hunkes, eine Trennung der Profi-Fußballabteilung vom Breitensportverein herbeizuführen, sorgt für Zündstoff und hitzige Debatten.



Mai 92:

“Ich kann über Spielerkäufe und Verkäufe nichts sagen. Das ist allein Sache von Trainer Egon Coordes. Der legt uns am Montag sein Konzept vor, wer gehen und wer bleiben soll. Wir werden darüber beraten, was machbar ist”, sagt Präsident Jürgen Hunke. ?Fest steht, wir haben kein Geld. Deshalb müssen wir uns nach Möglichkeiten umsehen, welches zu bekommen. Oder wir finden engagierte HSV-Freunde, die uns Bürgschaften zur Verfügung stellen.

Gegen die geplante Verpfändung des vereinseigenen Geländes in Norderstedt sperrt sich dagegen die HSV-Tochter HSV- Ochsenzoll e.V. “Wir sind in ständigen Verhandlungen mit dem Vorstand des HSV-Ochsenzoll, der für eine etwaige Kreditaufnahme auf das Grundstück Sicherheiten verlangt. Ein möglicher anderer Weg wäre die Zustimmung von zwei Dritteln der Klub-Mitglieder”, sagt Hunke. Er überlegt deshalb, eine außerordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen. Kurzfristig bleibt nur der Verkauf von Leistungsträgern. […]


Mit dem Verkauf der Spieler Beiersdorfer und von Heesen würde der HSV die Lizenzierungs-Auflagen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) erfüllen. Der Klub hatte dem DFB eine Saisonplanung eingereicht, die eine Unterdeckung von 1,3 Millionen Mark aufwies. Diese Summe sollte im Bereich Einkauf/ Verkauf erwirtschaftet werden.

Weitere HSV-Neuerungen für die kommende Saison: Co-Trainer Benno Möhlmann wird künftig nicht mehr Coach der Oberliga-Amateure sein. Als Nachfolger ist der bisherige Möhlmann- Assistent Reinhard Rietzke (früher St.-Pauli-Torwart) vorgesehen. Und im Nachwuchs-Bereich werden Gerd-Volker Schock (Verantwortlicher Koordinator für Oberliga und Jugend) und Rudi Kargus das Sagen haben, Talentsichter Georg Tripp wäre dann ohne Aufgabe – Trennung wahrscheinlich.

http://www.abendblatt.de/archiv/1992/article202657971/Der-HSV-setzt-die-Stars-vor-die-Tuer.html


HSV-Präsident Jürgen Hunke stellte gestern Strafanzeige wegen Nötigung und Erpressung gegen den Parapsychologen Ernst-Adolf Bretzlaff, der in Hamburg mit Enthüllungen über seine Tätigkeit für Hunke für Aufsehen gesorgt hatte. […] Der 54jährige Bretzlaff, nebenberuflich als Astrologe und Wahrsager engagiert, legte der Hamburger „Morgenpost“ einen handschriftlich von Hunke aufgesetzten Vertrag vor und untermauerte seine Aussagen durch eine eidesstattliche Erklärung.

Danach soll Bretzlaff vom Präsidenten gezielt mit seinen Fähigkeiten eingesetzt worden sein. Sogar ein Honorar sei vereinbart: 20 000 Mark, wenn der HSV Vizemeister wird, 10 000 Mark bei Erreichen des UEFA-Pokals.

(kicker, Nr.39/20.Wo. 14.5.1992)


“Da ist aus Spaß Ernst geworden”, sagt HSV-Präsident Jürgen Hunke über die “Affäre Hexer”. […] “Eine Geschichte aus Tausendundeiner Nacht”, meint Hunke. […] “Das ist ein Schmierfink, ein Halbkrimineller, ein Asozialer”, schimpft Hunke über Bretzlaff, auf den er offensichtlich einmal hereingefallen ist. […] “Mit Beginn der Übernahme meiner Verantwortung beim HSV habe ich in der Angelegenheit Bretzlaff privates Geld gegeben, um Schaden vom HSV fernzuhalten. Damit wollte ich alte Forderungen, die Herr Bretzlaff nach seinen Worten an den HSV hatte, erfüllen. Alle Vorwürfe sind denunzierend und unwahr.”

Jürgen Hunke will immer alle aus seinem Umfeld vor dem “Hexer” gewarnt haben, auch die Angestellten der HSV-Geschäftsstelle. Dubios ist nur, daß der arbeitslose Bretzlaff, der aus Meezen (Schleswig-Holstein) stammt, stets zu Heim- und Auswärtsspielen, zu den Kabinengängen, zu Pressekonferenzen, praktisch überall Zutritt hatte, Mit einer VIP-Karte ausgestattet, die er vom HSV erhalten hatte.

“Ich streite nicht ab, daß ich am Anfang, als ich gerade mal vier Wochen beim HSV war, auf Bretzlaff hereingefallen bin. Er wirkte seriös, sagte, daß er Horoskope erstelle. Mein Gott, daß mal jemand auf einen solchen Typen reinfällt, das kann doch immer mal passieren. Ich war zu unbedarft. Heute würde mir solch ein Fehler nicht mehr unterlaufen, aber er ist nun mal passiert”, … “ich habe deswegen aber kein schlechtes Gewissen. Im Grunde lache ich darüber, auch wenn diese Geschichte natürlich schlecht für den HSV ist.”

Vor sieben Monaten will Hunke Bretzlaff erkannt haben: “Von da an wollte ich nichts mehr hören und sehen von ihm.” Es lag aber auch an der geraden Haltung des damaligen Trainers Gerd- Volker Schock, dem Bretzlaff schon “frühzeitig auf den Geist gegangen” war. Als der Hellseher sogar an Mannschaftssitzungen teilnehmen wollte, sagte Schock: “Aber nicht mit mir. Entweder der oder ich.” […] …der Bruch brachte Bretzlaff immerhin so weit, stets und ständig, bei Fans, Spielern und Offiziellen gegen Schock zu schießen. […] Wenn der HSV-Präsident dem “Hexer” Geld zugesteckt hat, und das kam durchaus vor, dann tat er es aus privater Tasche. Vom HSV hat Bretzlaff nichts erhalten.

Jürgen Hunke sieht in der “Hexer-Affäre” keinen Grund, von seinem Amt zurückzutreten: “Warum sollte ich aufgeben? Ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen. Ich kann doch den HSV in seiner schwersten Situation nicht allein lassen.” “Dieser Scharlatan hat viele Menschen zu erpressen versucht. Unserem HSV-Organisator Torsten Walter hat er gedroht: Wenn du mir nicht alles erzählst, dann sorge ich dafür, daß du Aids kriegst.’ Dieser Bretzlaff ist doch nicht normal”, sagt Hunke.


Fest steht aber, daß der Präsident immerhin ein paar Monate auf Ernst- Adolf Bretzlaff hereingefallen ist. Und daß diese “Hexer-Affäre” dem HSV sehr großen Schaden zufügen wird. Egal, ob Klage oder nicht.

http://www.abendblatt.de/archiv/1992/article202657957/Bei-Hunke-ist-alles-wie-verhext.html

Auf dem Tisch liegt der im Verein umstrittene Vorschlag von HSV-Präsident Jürgen Hunke und Schatzmeister Hans Manhard Gerber: Eine inhaltliche Neuaufteilung des HSV in einen Fußball-Verein HSV e.V. und einen Breitensport-Verein HSV- Ochsenzoll e.V. Die bisherige automatische Doppel-Mitgliedschaft entfällt. Der Zeitpunkt scheint günstig gewählt. Der HSV ist erstmals seit Jahren wieder annähernd schuldenfrei. Es wäre für alle ein Neubeginn bei (Kontostand) null.

Eine neu zu gründende HSV- Stiftung, die aus der bestehenden Paul-Hauenschild-Stiftung (rund 600 000 Mark Vermögen aus Schenkungen) hervorgehen würde, könnte das Dach für beide Vereine bilden. In ihr soll das verbliebene Vermögen des HSV (1,5 Millionen Mark in Wertpapieren) und des HSV-Ochsenzoll (Grundstück mit einem Gutachterwert von 10,5 Millionen Mark, abzüglich bestehenden Hypotheken in Höhe von rund 750 000 Mark) gebündelt und den Begehrlichkeiten der Mitglieder entzogen werden. Eine Art Aufsichtsrat aus sechs Persönlichkeiten der Stadt könnte zur Klammer zwischen Hobby- und Leistungssportlern werden.

“Der HSV braucht neue Strukturen. Profi- und Breitensport können auf Dauer nur unabhängig voneinander existieren”, sagt Präsident Jürgen Hunke. “Bisher trägt der Breitensportler das unkalkulierbare Risiko für den Profi-Fußball mit. Geht der einmal pleite, ist auch der Breitensport am Ende. Deshalb haben wir seit Beginn unserer Amtszeit über ein neues Modell nachgedacht.”

In der HSV-Gesamtausschuß-Sitzung (HSV-Präsidium, H.SV- Vorstand, HSV-Ochsenzoll, Altestenrat) am vergangenen Montag herrschte zumindest in einem Punkt Einigkeit: Die Vorstellungen des Präsidiums sollten so schnell wie möglich in einem größeren vereinsinternen Rahmen diskutiert werden. Kommen am nächsten Freitag die eingeladenen 33 HSV-Honorationen mehrheitlich zu dem Ergebnis, eine Zweiteilung des Vereins sei der richtige Schritt in die Zukunft, soll Mitte Juni eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen werden. Für die geforderten weitreichenden Satzungsänderungen brauchen Hunke und Gerber eine Dreiviertel-Mehrheit. Der Plan des Präsidiums:

Der HSV e.V., der durch Liquidation der Amateur- Abteilungen seine Gemeinnützigkeit (u.a. Steuerabzugsfähigkeit von Spenden, beschränkte Gewinnund Verlustmöglichkeiten) verlieren würde, hat sich ausschließlich auf Fußball und Leichtathletik zu beschränken. Er hätte dann noch rund 2500 Mitglieder, darunter etwa 1800 fördernde, knapp die Hälfte des bisherigen Gesamtvereins. Der HSV e.V. soll von einem professionellen Management geführt werden, das von dem gemeinsamen, ehrenamtlich arbeitenden Aufsichtsrat des HSV-Ochsenzoll e.V. und des HSV e.V. kontrolliert wird.

Im HSV e.V. müßten alle Fußball-Mannschaften spielen, Bundesliga-, Oberliga-, und Jugend- Teams. Der Deutsche Fußball- Bund (DFB) verlangt für die Erstliga-Lizenz die Existenz von zehn weiteren Mannschaften.

Die Leichtathleten, so die Präsidiums-Argumentation, müßten prinzipiell profihaft gefördert werden, außerdem, und das ist wohl der entscheidende Grund, sind sie in den Sponsor- Vertrag mit dem Elektronik- Konzern Sharp (drei Millionen Mark pro Saison) einbezogen. Der Vorstand der Leichtathletik- Abteilung signalisierte, so Hunke, am vergangenen Dienstag bereits seine grundsätzliche Zustimmung zur Vereins-Reform.

Im HSV-Ochsenzoll e.V., dem bisherigen Eigentümer des 126 000 Quadratmeter großen Geländes in Norderstedt, den Paul-Hauenschild-Sportplätzen, sollen künftig die übrigen 16 Abteilungen untergebracht werden, alle mit eigenen Konten und dem Zwang – oder der Chance zur Selbstverwaltung. Der Vorteil: Sie müßten nicht mehr wie bisher 25 Prozent der Mitgliedsbeiträge für Verwaltungskosten an den HSV abführen. Der Nachteil: Sie können nicht mehr wie bisher mehr Geld ausgeben, als sie einnehmen. Die Anhäufung der Verluste der Amateur-Abteilungen hatten wesentlich zu den einmal 20 Millionen Mark Schulden des HSV beigetragen. Der Profi-Fußball würde in Zukunft als Sponsor des Breitensports ausfallen.

“Durch diese Strukturveränderungen würde der Prozeß der Willensbildung im Verein entscheidend verbessert”, sagt Schatzmeister Gerber. Die Fußballer könnten nicht mehr von den Breitensportlern majorisiert werden, und umgekehrt verlören die Fußballer ihren Einfluß auf Entscheidungen im Breitensport-Bereich. Die Überlegungen von Hunke und Gerber sind dabei keineswegs so revolutionär, wie sie erscheinen mögen. Über eine Trennung von Profi- und Breitensport wird im HSV seit etwa 15 Jahren diskutiert, seit die Fußball-Bundesliga mit Umsätzen zwischen 12 und 20 Millionen Mark den Verein vor die Anforderungen eines mittelständischen Unternehmens stellt.

Der von Hunke und Gerber skizzierte Weg stößt jedoch bei einem der Vordenker eines ähnlichen Modells auf Ablehung. “Ausgliederung des Profi-Fußballs – ja! Aber der HSV hat nicht die geringste Veranlassung, sich als Traditions- und Universalsportverein aufzulösen”, sagt Wolfgang Klein, HSV- Präsident von 1979 bis 1987. “Das wäre der Weg in den Untergang des ruhmreichen HSV.” Klein, Vorsitzender des DFB- Ligaausschusses, wird am kommenden Freitag nicht Hunkes Einladung folgen, weil gleichzeitig der Ligaausschuß tagt, “und ich diese von Hunke angeregte Diskussion als reine Show- Veranstaltung und Ablenkung von anderen derzeit laufenden Peinlichkeiten betrachte. Wie soll in einem Kreis von 33 Leuten, von denen sich kaum jemand in den rechtlichen und steuerrechtlichen Details der Materie auskennt, vernünftig diskutiert werden. Und eine Mitgliederversammlung wäre dazu genauso unfähig.”

Kleins Vorschlag: Der HSV sollte sich “tunlichst mit dem DFB absprechen” und nicht wieder – wie im Falle der fehlgeschlagenen HSV-Aktiengesellschaft, “einen dilettantischen Alleingang” wagen. Denn der DFB- Ligaausschuß hat längst vorbereitet, was der HSV will.

Von der Saison 1993/94 an soll die Umwandlung des Profi-Fußball der Bundesligavereine in Kapitalgesellschaften zugelassen werden. Die – erwartete – Zustimmung des DFB-Bundestages im Herbst steht noch aus.

https://www.abendblatt.de/archiv/1992/article202658973/Der-Untergang-des-ruhmreichen-HSV.html


[…] … in den Reihen der HSV-Offiziellen wird es Veränderungen geben. Vieles spricht für die Verpflichtung von Heribert Bruchhagen, Geschäftsführer von Schalke 04. Der Fußball- Lehrer und Marketing-Fachmann soll beim HSV in eine Rolle schlüpfen, wie sie Uli Hoeneß bei Bayern München und Willi Lemke bei Werder ausfüllen. […] Fest steht, daß Chef-Organisator Torsten Walter den HSV nach einjähriger Tätigkeit wieder verlassen wird. Er erhielt die Kündigung zum 31. August.

http://www.abendblatt.de/archiv/1992/article202660413/Hunke-Das-ist-der-neue-HSV.html


Der HSV muß sich spalten, um zu überleben. Das war am Freitag abend die einstimmige Meinung von 22 führenden HSV-Mitgliedern, unter ihnen der ehemalige Präsident Horst Becker, die über die Zukunft des Vereins im Rhein-Main-Saal des Dorint-Hotels an der Langenhorner Chaussee nachdachten.

“Wir fangen noch einmal bei null an”, sagte HSV-Schatzmeister Hans Manhard Gerber. Der HSV wird aufgeteilt in einen Profi- und einen Amateurverein, den HSV-Ochsenzoll e.V. Als Bindeglied sollen eine Stiftung und ein Traditionsausschuß fungieren. Das 126 000 Quadratmeter große Gelände in Norderstedt bleibt beim HSV-Ochsenzoll. Strittig ist noch, welchen Preis der Ochsenzoll-Verein den Profis dafür zahlen muß. Im Gespräch sind 5,5 Millionen Mark.

Dieses Geld, sagte HSV-Präsident Jürgen Hunke, soll bereits in die neue Fußball-Bundesliga-Mannschaft investiert werden. Bürgen aus der Hamburger Wirtschaft ständen bereit zur Zwischenfinanzierung. Ein Arbeitskreis aus den verschiedenen HSV-Vorständen soll mit dem Präsidium unter Einbeziehung der Anwälte Dr. Klaus Hellgardt (HSV) und Rüdiger Heß (HSV-Ochsenzoll) so schnell wie möglich die Modalitäten der Trennung und ihrer Güter beraten. Dann müssen die Mitglieder des HSV-Ochsenzoll mit einer Dreiviertel-Mehrheit dem Plan zustimmen.

“Es war eine sachliche Diskussion. Die Aufteilung in zwei Vereine ist der richtige Weg für den HSV”, sagte Edmund Messerschmidt, der Vorsitzende des HSV-Ochsenzoll. Und auch der HSV-Mäzen Dr. Meißner meinte: “Das ist eine gute Lösung.” Auf dem Gelände in Norderstedt will Messerschmidt künftig viel Geld in die Renovierung der Anlagen investieren. Geld, das aus rund 600 000 Mark Zuschüssen der Stadt Hamburg, 300 000 Mark Pacht der Profis und einer langfristigen Zusammenarbeit mit dem Hamburger Fußballverband, dem ein festes Nutzungsrecht in Norderstedt eingeräumt werden soll, kommen könnte.

Der abwesende ehemalige HSV- Präsident Dr. Wolfgang Klein forderte Hunke erneut auf, “sofort zurückzutreten”, weil überhaupt keine Veranlassung bestünde, den Amateursport aus dem HSV auszugliedern. Das Argument, die Profis sollen dem Breitensport bei einem Konkurs nicht zu Lasten fallen, sei vorgeschoben, weil eventuelle Gläubiger gar kein Interesse hätten, den Breitensportbetrieb einzustellen. Klein: “Wenn sich Hunke und Gerber nur noch um den Profi-Fußball kümmern wollen und sich damit der Gesamt- Verantwortung für das, was den HSV ausmacht, zu entledigen gedenken, sollten sie die Konsequenzen ziehen.”

http://www.abendblatt.de/archiv/1992/article202661097/Die-Spaltung-des-HSV.html


“Im Leben bringt es nichts, wenn man seine eigenen Flanken verwandelt. Man muß sich über die Dinge, die man zu tun hat, informieren und sie anpacken”, sagt Heribert Bruchhagen, der am 1. Juli neuer Manager des Hamburger SV wird. Als Wunschkandidat von HSV-Präsident Jürgen Hunke. Bruchhagen (43), wohnhaft in Harsewinkel, war früher Oberstudienrat an einem Gymnasium. Und von 1969 bis 1976 Vertragsspieler bei der DJK Gütersloh. Auch in der zweiten Bundesliga. Von 1982 bis 1988 wurde der zweifache Familienvater (Johanna ist 11, Franziska ist 6 Jahre alt) Trainer in Gütersloh.


Als seinerzeit ein Sponsor des Klubs absprang, mußte sich Heribert Bruchhagen um einen Nachfolger bemühen – die Wende in seinem Berufsleben. Fortan galt der A-Lizenz-Trainer auch als Marketing-Fachmann. Und er wurde 1988 von Schalke 04 für die Bundesliga entdeckt. Die Verbindung nach Hamburg stellten nun die ehemaligen HSV-Profis Uwe Seeler und Bernd Wehmeyer her, die mit ihm geschäftlich verhandelten.

“Ich habe den Schritt zum HSV mit meiner Frau Angelika abgesprochen. Ich wollte mal wieder etwas anderes machen”, sagt Heribert Bruchhagen. Er soll, laut Hunke, ein Mann wie Hoeneß in Bayern und Lemke in Bremen werden. Mit wirtschaftlichen und sportlichen Kompetenzen. Streit mit Trainer Coordes wird es nicht geben. Bruchhagen: “Ich weiß, was in der Branche üblich ist.”

http://www.abendblatt.de/archiv/1992/article202662561/Menschlich-gesehen.html


Juni 92:

Heribert Bruchhagen: Bei Schalke war ich auch nicht immer behütet, es gab nicht nur Beifall. Ich habe vor, in Hamburg mit Ideen und Tatkraft etwas auf die Beine zu stellen. […] Tatsächlich ist es schwer, sich in einem Bundesliga-Verein behaupten zu können. Man muß mit allen umgehen können, mit den hauptamtlichen Mitarbeitern, dem Präsidium, der Mannschaft, den Mitgliedern, den Fans und der Wirtschaft.

[…] Mit der Ordnung seiner Finanzen hat der HSV die Grundlage für eine vernünftige und solide Arbeit geschaffen. Vor meiner Zusage habe ich mich genau über die wirtschaftliche Situation des HSV informieren lassen. […] Das HSV- Präsidium schien sehr, sehr verlegen zu sein, schnell Hilfe zu bekommen. Ich glaube, daß man sich in Hamburg auf Unterstützung freut. Ich werde als Manager im klassischen Sinne engagiert. Dazu gehört die Hauptverantwortung für die finanziellen und sportlichen Belange.

Ich bin nicht so dumm und werde über den Kopf des Trainers hinweg arbeiten. […] Ich empfinde das HSV- Ansehen nicht als ramponiert. Natürlich gibt es viel zu tun, darum komme ich ja auch. Aber nicht unter dem Motto: “Hoppla, hier bin ich!”. […] Jetzt freue ich mich auf den HSV. Der Verein hat seine Talsohle erreicht. Es gibt gute Chancen, daß es wieder aufwärts geht.

http://www.abendblatt.de/archiv/1992/article203917925/Der-Verein-hat-die-Talsohle-erreicht.html

– Prof. Vitzliputzli –


Die Serie Sackgasse Sylvesterallee – Endstation HSV!
Teil 1: Der missglückte Übergang
Teil 2: Nachwuchs im Abseits
Teil 3: Sir Erich und die trügerische Sonnenwende
Teil 4: Der sinkende Stern des Nordens
Teil 5: Adriano aus Pöseldorf
Teil 6: Aktien zeichnen HSV ungelöst
es folgt Teil 7: Ein Visionär tritt ab und bleibt


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1 Kommentar

  1. 1887Breisgau1887Breisgau

    Oh man……..
    Und die Serie ist jetzt erst in den 90er Jahren angekommen, ich befürchte es wird nicht besser ;)

    Was hat man nicht alles schon wieder verdrängt gehabt und gleichzeitig kommt einem aktuell alles wieder so vertraut vor, vielen Dank Prof. (ironischer Unterton…)

    Die nächste Serie dann bitte über die positiven Seiten, z. B. unter dem Titel “HSV, unsere Perle” oder “Mit der Raute im Herzen geboren”…..Die Serie wird dann wahrscheinlich zwei Teile haben.

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