Sayonara Gotoku Sakai

Der „große Japs“ ist weg.  Gefühlt aus der HSV Familie ausgestoßen, zurück zur leiblichen Familie in die Heimat.

Für – je nach Medium unterschiedlich – kolportierte 400 – 500.000 Euro wechselt der ehemalige Kapitändes Hamburger Sportvereins  Gotoku Sakai zu Vissel Kobe, in die Rentnerband des deutschen Trainers Thorsten Fink.

Endlich, so entfährt es mir auf der einen Seite, endlich ist er weg! Was hat der Kerl mich in den letzten Jahren zur Weißglut gebracht, fast jedes Mal, wenn er die Mittellinie überquerte und offensiv wieder einmal nichts anderes zustande brachte als den Ball an den Gegner abzugeben oder die Pille ins Nirwana zu pöhlen.

Ich weine Gotoku Sakai keine Träne nach. Ein Gesicht des Niedergangs der letzten Jahre, des Abstiegs und des Nichtaufstiegs weniger. Das kann dem Neubeginn, dem Neuaufbau und der neuen Mannschaft nur gut tun. Soweit die – meine – sportliche Sicht der Dinge.

Dumm nur, dass die Trennung nicht von Seiten des HSV erfolgte, sondern von Gotoku Sakai forciert wurde, der zutiefst gekränkt durch Teile der Hamburger Fans einfach nicht mehr bleiben wollte.

Blicken wir kurz zurück. Die Woche vor dem letzten Spieltag gegen den MSV Duisburg. Der Nichtaufstieg war bereits besiegelt, in Hamburg befürchtete man das Schlimmste bezüglich der Fanreaktionen und man entschloß sich all jene ‚Führungsspieler‘ und ‚Leistungsträger‘ bereits in der Trainingswoche in Deckung gehen zu lassen. Stattdessen, durften all jene Nachwuchsspieler ran, die vorher lediglich als Lückenbüßer oder Kaderauffüller fungierten. Also all jene, die möglichst wenig gespielt hatten, jene, die man am wenigsten verantwortlich machen konnte. Ich erinnere mich gut, dass dieser Schachzug bereits am Trainingsgelände sehr gut funktionierte, die Wut verrauchte quasi am Zaun: „Die Jungs können ja nichts dafür“

Gegen Duisburg spielten dann Mickel, Vagnoman, Lacroix, van Drongelen, Santos, Janjicic, Jung,  Köhlert Özcan, Arp und Wintzheimer. Ein Jatta kam für Jung, ein Lasogga für Köhlert. Die Stimmung war friedlich, auch ob des ordentlichen Spiels in einer Partie in der es um nichts mehr ging. 3:0 stand es, als in der 83. Minute Gotoku Sakai eingewechselt wurde. Über ihn entlud sich hernach der gesamte Frust über eine vermaledeite, erfolglose Saison. Er wurde zum Alleinschuldigen.

Eine Sache, die Sakai  (wie auch ich) nie verstanden hat, die ihn zutiefst getroffen hat und die nicht mehr reparabel war.

Szenenwechsel. Trainingsgelände Volkspark.  Saison 2019/20. Gotoku Sakai trainiert mit. Er fällt sportlich weder auf noch ab. Im Umgang mit den Fans wirkt er freundlich und verbindlich und doch fehlt die Leichtigkeit, die Fröhlichkeit früher Tage. Autogrammwünschen und Selfies kommt er selbst verständlich nach.

Ebenfalls Trainingsgelände, die Neuen trudeln ein. Timo Letschert, Ewrton, Xavier Amaechi. Nach dem Ende des Trainings bilden sich immer noch kleine Grüppchen, die noch ein wenig  #. Immer wieder mittendrin Gotoku Sakai , der sich um die Neuankömmlinge kümmert, ebenso wie um die verbliebenen zwei Nachwuchsspieler (ohne Perspektive auf Spielpraxis in der ersten Elf). Wieder und wieder, jeden Tag das gleiche Bild und wenn dann die Kiebitze fast alle weg sind, dann, ja dann – erlebt man sogar einen lachenden und scherzenden Gotoku Sakai.

Man muss das wohl wirklich selber miterlebt haben. Diese Art, diese Einstellung und dieses Verhalten seinen Mitspielern gegenüber, das ist mehr als professionell, das ist einzigartig.

Es ist etwas, das mir höchsten Respekt abnötigt. Der HSV und die Mannschaft verlieren einen durchschnittlichen Kicker, der seinen sportlichen Zenit wohl überschritten hat aber was viel mehr zählt, er verliert einen hochanständigen und großartigen Menschen. Und so drücke ich am Ende doch eine Träne weg und sage:

Danke, alles Gute und Sayonara Gotoku Sakai

 

3 Kommentare

  1. GVGV

    So geht es mir auch. ich schließe mich an!
    Sakai ist in meinen Augen keins der “Versagergesichter”.
    Er hat getan, was er konnte und war in Relation zu einigen anderen HSV Kickern auch kein gleichwertig katastrophaler wirtschaftlicher Fehlgriff.
    Von Rathausbalkon-Vermessenheit und maßloser Selbstüberschätzung war er stets weit entfernt. In diesen Luschenkadern auch noch mangels Alternative die für ihn ebenso ungeeignete wie ungewünschte Kapitänsrolle aufgedrückt, und diese aus Verantwortungsgefühl auch übernommen zu haben, nötigt darüberhinaus Respekt ab!
    Korrekter Typ.
    Dass gerade er die Unmutspfiffe bekam, ist eher bezeichnend für die Dämlichkeit und Realitätsferne in und um diesen Verein.

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  2. AvatarKeule1887

    Sag mal HeLuecht, Kittel ist doch gar nicht so schlecht. Du hattest ihm ja jegliche Klasse abgesprochen.

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    1. HeLuechtHeLuecht (Beitrag Autor)

      Nö, hatte ihm die Klasse nicht abgesprochen. Hatte lediglich darauf hingewiesen , dasss er nach anfänglich gutem Eindruck im Training wenig auffällig und eher unglücklich agierte sowie dass er immer ein Belastungssteuerungskandidat bleiben wird (wie etliche im Kader: Hunt, Ewerton, Jung, Wood, Jairo) und, dass er nicht unbedingt pflegeleicht ist, wenn er nicht die notwendigen

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